originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Originalverkorkte Weine bei Feinkost Ackermann

11/Mrz/10 14:50 kategorisiert in: Abschweifungen, Händler

Wer in Bonn Kessenich oder Dottendorf wohnt, kennt Feinkost Ackermann, diesen Laden, der für 37 Jahre vom Ehepaar Ackermann betrieben wurde. Wenn auch die Betreiber gehen bleibt doch der Ort als Synomym für ausgezeichnete Wurst- und Fleischwaren sowie Käse und Wein erhalten.

Wilfried Peters wird hier, wie schon im Eifeler Winterspelt sowie im Luxembourger Lorentzweiler, Produkte aus dem Eifeler Land anbieten, vornehmlich vom eigenen Hof und weitestgehend von alten Haustierrassen – der SlowFood-Gedanke wird groß geschrieben. Beim Käse wird er sich nicht messen lassen mit den großen Theken der Warenhäuser, sondern auf handgefertigte Spezialitäten setzen.

Und der Wein?

Ganz kurzfristig bekam ich die Gelegenheit, die Weinregale im Laden zu übernehmen und unter eigenem Namen zu vertreten. Der Wein wird also im originalverkorkt-Regal angeboten und wird aus einem – dem begrenzten Platz gerecht werdenden – kleinen und feinen Sortiment bestehen, welches ich beständig ergänzen werde durch saisonale Angebote.

Eröffnet wird am 16. März 2010 ab 15 Uhr bis 19 Uhr.

Ich würde mich sehr freuen, die Eine und den Anderen auf ein Glas Allegretto begrüßen zu dürfen.

Die Winzer, die ich im Laden vertrete heißen:

  • Carolin und Erik Riffel, Rheinhessen
  • Alexander Gysler, Rheinhessen
  • Clemens Busch, Mosel
  • Hanspeter Ziereisen, Baden
  • Larmandier-Bernier, Champagne
  • Domaine Vacheron, Sancerre
  • Domaine Goulley, Chablis
  • Geyerhof, Kremstal
  • Château Reynon, Entre-Deux-Mers
  • Château la Grolet, Côtes du Bourg
  • Château Poujeaux, Moulis-en-Médoc
  • Château Montrose, St. Estèphe
  • Chapoutier, Rhône
  • Domaine de Villeneuve, Châteauneuf-du-Pape
  • Domaine des Aires Hautes, Minervois
  • Domaine Cazes, Rivesaltes
  • Bodegas LAN, Rioja
  • Cellers el Masroig, Montsant
  • Sensi, Toscana
  • Quinta do Noval, Porto
Feinkost Peters (ehemals Ackermann), Qurinstraße 13a, Bonn-Dottendorf

Anschlag auf Château Pech-Redon

02/Mrz/10 21:08 kategorisiert in: Abschweifungen, Im Netz, Weingüter

Pech-Redon gehört neben Pech-Celeyran und Pech-Latt mit zu den Weingütern, die ich als erste besucht habe bei meiner beginnenden Weinliebe. Eine längerer Aufenthalt in Sète hat es damals möglich gemacht.

Auf das Weingut ist, so habe ich es bei bacchantus gelesen, am vergangenen Wochenende ein Anschlag verübt worden. Dabei sind über Nacht 500-600 Hektoliter abgelassen worden.

Mutwillig zerstört wurden Les Cades Jahrgang 2009, l’épervier rouge 2006, 2007, 2008 und 2009 sowie l’épervier Rosé und Blanc und auch die neuen Jahrgänge der Cuvées La Centaurée, Lithos und Cuvée Marie. Übrig sind ein paar Fässer La Centaurée sowie die abgefüllten Jahrgänge 2005 und 2006 La Centaurée,

so Gernot Freund von der Weinagentur Les Individuels. Ich hoffe für Christophe Bousquet und seine Familie, dass er von den Banken Kredite bekommt um weitermachen zu können denn es wäre sehr sehr Schade um dieses ausgezeichnete Bioweingut. Ein großer Verlust ist es schon jetzt. Von hier aus alles Gute!

Präsentation der 2007er Vintage Ports in Leverkusen

14/Feb/10 15:06 kategorisiert in: Abschweifungen, Dessertweine, Portweine, Rot, Portugal, Rotweine

Ich möchte mich an dieser Stelle gerne bei Axel Probst, World of Port, und dem Portweininstitut IVDP für die Möglichkeit bedanken, sehr intensiv die 2007er Vintage Ports verkosten zu können. Eine solche Zusammenkunft von Spitzenerzeugern, die meist auch noch direkt ihre Late Bottled Vintages mitgebracht hatten, dürfte ein Novum gewesen sein.

port_probe

Im Kasino von Bayer in Leverkusen waren, ich hatte es kürzlich angekündigt, alle großen Namen wie Niepoort, Delaforce, Cockburn, Taylor's, Royal Oporto vertreten genauso wie viele kleine Produzenten, von denen ich teils noch gar nicht gehört hatte. Feuerheerds zum Beispiel, Passadouro oder Duorum.

Ohne mich auch nur entfernt als Spezialist dieser Weine aus dem Douro-Tal bezeichnen zu dürfen, sind mir doch einige Güter aufgefallen, die ich hier zumindest kurz auflisten möchte. Niepoort beeindruckt – wie immer? – durch herausragende Qualität. Neben ihm am Kopfenende stand Passadouro mit drei Ports, die mir ausgesprochen gut gefallen haben, ein Tisch weiter die Weine der Familie Symington, Warre's, DOW, Quinta de Vesuvio mit außerordentlicher Qualität. Direkt ums Eck ein kleiner Erzeuger namens Duorum, aus der Reihe fallend mit mineralisch-würzigem Port sehr eigenen Stils. Weiterhin beeindruckt haben mich LBV, Silval und Noval, der Quinta do Noval mit mineralisch, eukalyptisch-kühlen Weinen mit feiner Würze und zurückhaltender Süße – ein schöner Gegenpart zu fast gezuckert wirkenden Weine, wie sie beispielsweise Andresen produziert hat.

Das Dekantieren und Karaffieren von Weinen

05/Feb/10 14:00 kategorisiert in: Abschweifungen

In meinem letzten Artikel schrieb ich, dass es dem Alzeyer Rothenfels von Axel Koehler durchaus gut tun würde, wenn man ihm Luft zuführen würde. Darauf bekam ich das Feedback eines Lesers, dass er dies mit Weißweinen noch nie gemacht habe. In der Tat ist dies nicht unbedingt üblich – hilft vielen Weinen aber bei ihrer Entfaltung.

Dabei sprechen wir dann vom Karaffieren des Weines. Das hört sich vielleicht etwas hochgestochen an, unterscheidet sich aber vom Dekantieren, was ja als Begriff bekannt ist und eigentlich dem Zweck dient, das Depot ungefilterter Weine in der Flasche zu lassen und den Wein nicht der Gefahr auszusetzen, durch diese teils bitteren Trübstoffe an Geschmack zu verlieren. Mir ist dies am Anfang meiner Beschäftigung mit Wein durchaus passiert. Da hatte ich – ich weiß es noch wie heute – von meinem Bruder eine Flasche 1982er Leoville Las Cases geschenkt bekommen, ihn irgendwann aus der Horizontalen des Kellers geholt und ihn eingeschenkt. Er schmeckte nicht sonderlich und die Partikel störten den Trinkgenuß. Das war im wahrsten Sinne des Wortes bitter und ist mir allerdings mit einem solchen Wein dann auch nur einmal passiert.

Man dekantiert am besten, indem man den Wein, den man trinken möchte, schon einige Tage vorher aus der horizontalen Lage des Weinregals in die Aufrechte stellt. Dann nimmt man sich eine Kerze und hält die Flasche bei Umgießen in die Karaffe mit dem Hals über das Licht, sodass man die Flüssigkeit genau beobachten kann. Bevor die ersten Partikel in den Dekanter gelangen, sollte man die Flasche zur Seite stellen. Dann kann durchaus einmal ein Siebtel des Weins in der Flasche bleiben.

Das Dekantieren führt darüber hinaus natürlich gleichzeitig zu einer Vermischung von Luft und Wein, der Wein kann im Dekanter atmen, er kann sich entfalten. Und dieses Atmen ist eben auch manchem Wein zuträglich, der kein Depot in der Flasche hat, und zwar sowohl rotem wie auch weißem Wein. Wenn man diesen dann umschüttet in einen Dekanter oder eine Karaffe, spricht man vom Karaffieren.

Die Wirkung dieser Vermischung des Weines mit Luft während des Umschüttens und die Zeit, die der Wein in der Karaffe bekommt, in der er eine größere Oberfläche hat, die mit der Luft korrespondiert, ist manchmal frappierend. Zum erstenmal ist mir dies bei den Weien von Nicolas Joly aufgefallen. Dieser empfiehlt, seine Weißweine schon einen Tag vor dem Genuss zu dekantieren – ein Sonderfall vielleicht, aber kein Einzelfall. Kürzlich schrieb ich über eine Silvaner-Probe mit Weinen von Horst Sauer und Hansi Ruck. Den Ruckschen Weinen hat dieses Karaffieren ausgesprochen gut getan. Was vorher archaisch und verschlossen im Glas dahindümpelte, entwickelte sich, entfaltete sich wie das Öffnen einer Blume im Schnelldurchgang.

Ich empfehle, das einfach mal auszuprobieren – mit einer Spätlese, einer Auslese oder mit Großen Gewächsen –, um mal zu testen, wie sich die Weine nach einer Stunde entwickeln, wenn sie aus einer Flasche kommen oder aus einer Karaffe.

Alzeyer Rotenfels Riesling 2008, Weingut Koehler, Rheinhessen

Es gibt Weine, die sind nicht unbedingt was für offizielle Verkostungen, die tun sich im Zweifel sogar auf Gastronomieweinkarten schwer – und sind trotzdem ausgezeichnet. Woran liegt es? Es liegt daran, dass sie erst am zweiten Tag so richtig aufdrehen oder nach längerer Zeit im Dekanter. Für Rotweine ist dies Verhalten bekannt. Bei Weissweinen wird aber oft ignoriert, dass auch dieses durchaus Zeit brauchen um Sauerstoff in sich aufzunehmen damit sie sich entfalten können.

Der Alzeyer Rotenfels von Axel Koehler ist so ein Wein. Zunächst nämlich wird man die Perle im Innern kaum finden. Der Wein wirkt streng, zurückgezogen, fast mürrisch. Man muss ihn erst zähmen. Die Zeit muss ihn zähmen. Gibt man ihm die Stunden eines Tages, wird er sich öffnen. Er behält seinen eigenen Charakter, aber er kommt näher. Aromen von gelben Früchten, vielleicht Mirabellen, entwickeln sich genauso wie leicht tropische Aromen. Dabei wird der Wein weicher und in einem sehr angenehmen Sinne opulenter und gleichzeitig filigraner. Geht das? Ja, das geht. Denn zum einen wird der Wein deutlich voluminöser und die Aromen öffnen sich, zum anderen wird das Wechselspiel zwischen Frucht und Säure klarer, salzige Mineralik kommt hinzu und der Abgang wird immer länger.

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Es ist Axel Koehlers Riesling-Prunkstück im Keller. Er, der erst seit ein paar Jahren unter eigenem Namen vinifiziert – ich sprach es schon hier an –, schafft hier einen Cru, der manch Großem Gewächs heftige Konkurrenz machen dürfte. Der Riesling stammt von Kalkmergel-Böden, die Ernteausbeute liegt bei unter 35 hl pro Hektar. Die Kellerarbeiten sind geradezu bewusst archaisch: keine Temperaturkontrolle während der Spontanvergärung, Nutzung alter Stückfässer bzw. Steingutbehälter.

Alzeyer Rotenfels Riesling 2008, Weingut Koehler, Rheinhessen, 15,90 Euro bei originalverkorkt

VDP Tour Grosses Gewächs in Köln

02/Feb/10 21:19 kategorisiert in: Abschweifungen, Also jetzt mal ehrlich…, Mixtouren

Vorgestern waren wir in Köln. Genauer gesagt im Vintage. Dort bot der Verein der Prädikatsweingüter (VdP) Fachpublikum von 14 Uhr bis 17 Uhr die Möglichkeit, die Großen Gewächse von der Nahe, aus Rheinhessen, aus der Pfalz und von der Ahr zu verkosten. Wir dachten, wir kommen mal sehr pünktlich, letztes Mal war es ja so voll und da wird es dann schwierig, konzentriert zu verkosten. Um zwei Uhr hatten wir unser Glas und unseren Notizblock auf einen der Stehtische gelegt und begannen, die GGs von Bassermann-Jordan zu begutachten.

Zehn Minuten später standen auf der anderen Hälfte des Stehtisches sechs Gläser einer Gruppe von Weinliebhabern, die ganz natürlich zunehmend den Stehtisch okkupierten, weil neben den sechs Gläsern auch noch Platz für die drei Blöcke sein musste. Dazu standen dort eine Flasche Wasser, ein Spucknapf und zwei Kerzen, die immer wieder angezündet wurden, nachdem wir sie, weil störend, ausgeblasen hatten.

vintage_2010

Weitere zehn Minuten später war die untere Etage des Vintage zum Bersten gefüllt, ich vermisste schmerzlich meine Ohrenschützer und leichtere Kleidung. Die kleinen Spucknäpfe, ich habe insgesamt 12 gezählt für ca. 600 Leute, waren alle Nasen lang voll, verschwanden dann zwecks Entleerung oder wurden, während wir uns einen Wein vom nächsten Winzer holten, einfach entwendet, weil man sie woanders brauchte. An die ausgestellten Weine kam man kaum noch heran, weil viele während der Verkostung der verschiedenen Lagen einfach penetrant vor den Winzertischen herumlungerten, statt sich in die Tiefe des Raums zurückzuziehen.

Es dauerte nicht lange, bis wir den Eindruck hatten – was von zahlreichen Äußerungen untermauert wurde –, dass viele eh nur zum Saufen da waren.

In der oberen Etage war es zwar dann ruhiger, dafür hatte man sich den Witz einfallen lassen, in der offenen Showküche so was wie Lauchkuchen zuzubereiten. Lauch! Jenes Gemüse, das bekannt dafür ist, eine fantastische olfaktorische Symbiose einzugehen mit filigranen Rieslingen aus Rheinhessen.

Auch oben bildeten sich zunehmend Gruppen von Menschen – die Anzahl an Frauen in Dreiergruppen mit ähnlichem Aussehen: Polo-Ralph-Lauren-Bluse, blondiertes Haar, Sonnenbankbräune mit Cremeschimmer war auffällig hoch –, die eher zum, sagen wir mal, Lustwandeln vor Ort waren. Bei uns am Tisch stand ein urkölsches Paar, welches sich von Minute zu Minute immer schwerer auf dem Tisch abstützte, während abwechselnd neue Getränke geholt wurden, wobei sich der Aktionsradius zunehmend verringerte.

Ach so, ja. Nach anderthalb Stunden haben wir die Veranstaltung dann verlassen. Es waren wirklich schöne Weine dabei, glaube ich.

Vielleicht sollte man das Konzept der Tour noch mal überdenken. Nur so, als Anregung.

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