originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Eine Form von Willkommensein vermitteln – die Initiative Blogger für Flüchtlinge

26/Aug/15 15:42 kategorisiert in: Abschweifungen

Während ich das Glück hatte, in einer der besten Zeiten der Bundesrepublik groß zu werden, in der zwar nebenbei immer mal wieder über Kalten Krieg und Aufrüstung geredet wurde und die RAF einige wenige Anschläge verübte, ansonsten aber fast Vollbeschäftigung herrschte und es allen gut ging, war das in der Zeit, als mein Vater groß wurde, nicht so. Mein Vater war Flüchtling. Der Vater des Vaters wurde mit Mitte 50 in den letzten Kriegswochen zum Volksturm eingezogen und verstarb weniger Tage später. Die Mutter zog mit den drei Kindern (Mein Vater war fünf) aus dem Osten in den Westen. Meist zu Fuß. Willkommen waren sie nirgendwo. Sie waren Flüchtlinge. Sie kamen dann irgendwann im Kreis Cloppenburg unter. Dieser Kreis ist eine katholische Enklave im ansonsten reformierten Norden. Er ist brutal konservativ. Und die Menschen dort waren nicht gastfreundlich. Meinen Vater hat diese Flucht und vor allem das Unwillkommensein geprägt.

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Damals war das ganze Land zerstört, wir hatten es selbst runtergewirtschaftet, ganze Volksgruppen waren entmenschlicht und massakriert worden. Und obwohl wir als Volk komplett versagt hatten, hat man uns trotzdem geholfen. Und zwar in einer Art und Weise, die uns zu einer der reichsten Nationen der Welt hat werden lassen. Gastfreundlicher sind wir trotzdem nicht geworden, so scheint es. Zumindest wenn man den Arschlöchern Glauben schenkt, die die öffentlichen Plätze und die virtuellen Foren übernehmen. Das kann nicht sein. Und dass das nicht sein kann, sehen glücklicherweise doch eine ganze Menge Menschen. So gibt es immer mehr Initiativen, auch von Bekannten und Freunden. Dazu gehören Nico Lumma, Stevan PaulKarla Paul und Paul Huizing, die die Initiative Blogger für Flüchtlinge ins Leben gerufen haben, die ich gerne unterstützen möchte. Man kann dort Geld spenden, Sachspenden leisten oder auch anders aktiv tätig werden. Den Menschen ganz konkret ein Gefühl von Willkommensein zu vermitteln, ist aus meiner Erfahrung mindestens genauso wichtig wie jede dringliche Sachspende. Sie erfordert jedoch mehr Initiative und eigenes Engagement.

Ebenso wichtig finde ich es, den Menschen, die uns regieren, deutlich zu machen, dass sie an der ganzen Front versagen und das uns das immer bewusster wird. Sowohl hier im Umgang mit den Flüchtlingen – denn das Problem fällt nicht einfach so vom Himmel, als auch im Umgang mit Hetzern und Rechtsterroristen – denn da ist seit Jahrzehnten nicht viel geschehen, als auch im Umgang mit Parteifreunden vornehmlich aus dem christlich sozialen Lager, die sich gerne als geistige Brandstifter betätigen, als auch in der europäischen Flüchtlingspolitik sowie in der Unterstützung korrupter Regime auf dem Balkan, im Nahen Osten oder in Afrika. Wir haben uns allzu lange einlullen lassen von einer Merkelschen Aussitzpolitik, die zu nichts führt. Schreibt Euren Abgeordneten, mahnt an, dass es so nicht weitergeht und nutzt Eure Plattformen um klar zu machen, das wir als führende und reiche Nation eine andere Verantwortung haben als die, die wir aktuell wahrnehmen!

Im Speiselokal

15/Jun/15 13:45 kategorisiert in: Abschweifungen

Ich kann mir kaum vorstellen, dass Billy Wagner ein begeisterter Freund des Polosports ist. Er wirkt nicht so. Trotzdem ist er vielleicht durch Zufall irgendwann einmal 2011 über eine Überschrift in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gestolpert die da lautete: Nobel, hart & schmutzig. Dort ging es um den klassisch englischen Upperclass-Pferdesport Polo, der unter anderem auch unweit meiner eigenen Behausung in den Elbvororten Hamburgs gespielt wird.

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Das Speiselokal, das Billy Wagner zu Beginn dieses Jahres an einem festen Ort eröffnet hat, befindet sich nicht in den Elbvororten Hamburgs sondern in der Friedrichstraße in Berlin. Dort war ich am Samstag als Gast – genau ein Jahr, nachdem Billy Wagner das erste Mal mit dem ungewöhnlichen Namen in die Öffentlichkeit getreten ist um zusammen mit Micha Schäfer im Rahmen eines Supper Clubs die ersten Gäste zu bewirten. Was nach dieser ersten Verlautbarung passiert ist, war eine ungewöhnlich lang anhaltende Werbekampagne für ein Restaurant, das noch gar nicht existierte. Billy hat dabei alle Medien und vor allem die sozialen genutzt, um Nobelhart & Schmutzig in die Gehirne der Ess- und Trinksüchtigen zu pflanzen. Das hat gewirkt, denn seit dem ersten Tag ist das Restaurant, das sich, wie früher viele in Berlin, Speiselokal nennt, ausgebucht.

Neben der historischen dürfte der Begriff Speiselokal allerdings noch eine zweite Bedeutung besitzen. Denn Speiselokal kann ebenso als  Speisen lokal gedeutet werden und das ist genau der Ansatz für das, was einem bei Nobelhart & Schmutzig geboten wird. Alle Speisen, bzw. die Produkte, die für die Speisen verwendet werden kommen entweder aus Berlin oder aus dem Umfeld von Berlin. Da gibt es keine Ausnahmen. Deshalb wird man dort die Pfeffermühle vergeblich suchen und auch kaum missen. Denn die Würze, die wir so gerne beim Essen haben, wird anders erzeugt. Zum Beispiel mit Hilfe von Kräutern, von Suden und Aufgüssen, von Fermentationen und Kollaborationen. Zu diesen Kollaborationen zählt zum Beispiel die ausgezeichnete Abstimmung von Getränken (die nur in Teilen lokal erzeugt werden, in Berlin wächst kaum guter Wein) und den zehn Gängen, die uns gereicht werden. So empfehle ich, sich zumindest beim ersten Mal den Empfehlungen des Herrn Wagner anzuvertrauen, der sein Getränke- und Speisen-Kombinationswissen von Grund auf beherrscht.

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So schenkt er zu einem Viertel Kopfsalat, der mit Öl, Weizengras, Emmer-Crunch und Lammsoße kombiniert war ein Schönramer Pils mit hohem Bitterstoffanteil ein. Eine hervorragende Kombination und ein so einfacher wie gewitzter Gang. Das Viertel knackiger Salat ist in Weizengrasöl getränkt, zwischendrin liegt der crunchige Emmerweizen und darüber wird die warme umamilastige Soße gegossen, die dann im Mund auf das Bitterbier trifft und verschmilzt. Wunderbar auch die gereifte Riesling-Spätlese von J.B. Becker aus dem Rheingau, die ich pur gar nicht so begeisternd finde (etwas schwerfällig und auch nicht so lang), in der Kombination mit Schweinenacken, Zwiebeln und Holunderblüten aber strahlend aufgeht und das Essen perfekt ergänzt. Dies übrigens war der einzige Gang, wo ich spontan gedacht habe, ich könne einen Hauch Pfeffer vertragen. Doch wirklich vermisst, habe ich ihn nicht.

Die Küche bleibt immer leicht und schwebend. Fleisch wird nur in übersichtlichem Maße serviert. Hier ein Klecks Blutwurst, da eine Lammreduktion, schließlich der Schweinenacken. Lokalen Fisch von der Müritz (Saibling und Forelle) gibt es in zwei Gängen und hier, wie beim Fleisch sind es vor allem die Kombinationen mit Sprossen, Gräsern, Blättern, Blüten und Samen, die alles verbinden und heben. Entsprechend sind wir zur Menüfolge ohne ein Glas Rotwein ausgekommen, was ich durchaus angenehm fand, wird es doch schnell zu schwer, wenn man mindestens acht Getränke probiert. Geradezu sensationell gut wurde es bei den beiden ausklingenden Dessert-Gängen. Sauerampfer und Dillblüten treffen auf Traubenkernöl und einen Brand von der Chicorée-Wurzel, Grüner Hafer wird mit Rhabarber und Thymian kombiniert.

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Was diesen Ort neben dem außergewöhnlichem Speise- und Getränkeansatz aber so besonders macht, ist die Ruhe, in der hier die Kraft liegt. Der Raum ist dunkel und lediglich die tiefe Bar, an der in einem U mindestens Dreiviertel der möglichen 40 Gäste sitzen, wird über warmes Licht illuminiert. Dann natürlich die Küche, um die das U gebaut wurde: dort im Kraftzentrum, in das jeder Gast vollen Einblick hat, geht jeder ganz ruhig und konzentriert zu Werke. Das Meiste ist längst am Nachmittag geschehen, es wird noch aufgekocht und angewärmt, wenige Teile frisch geschnitten und natürlich angerichtet. Die Choreografie fasziniert und strahlt Ruhe aus. Neben dem Gastgeber Billy Wagner, lernen wir nach und nach alle Beteiligten einzeln kennen, denn die erklären uns, was sie im Einzelnen angerichtet haben und wo es herkommt. Sie sind dabei genauso umsichtig wie der Gastgeber selbst. Man fühlt sich richtig aufgehoben an diesem Ort, der das Lokale mit Ansätzen skandinavischer Küche und der Ruhe und Spiritualität des Zen-Buddhismus verbindet. Da haben Billy Wagner und Micha Schäfer etwas sehr Außergewöhnliches geschaffen, etwas, was tief im Inneren glücklich macht.

Die Mahlzeit kostet Euro 80 inklusive Wasser und exklusive weiterer Getränke, die wir noch bis in die Nacht genossen haben. Und auch wenn man dafür monatelang sparen muss, lohnt sich das ohne jeden Zweifel. Dass ich nicht völlig blank aus dem Laden rausgegangen bin, verdanke ich meinem Freund Holger, der sich drüben in der faz.net ebenfalls geäußert hat.

 

 

Wein Online Award 2015

01/Jun/15 12:30 kategorisiert in: Abschweifungen

Liebe LeserInnen und HörerInnen,

auch in diesem Jahr gibt es wieder den Wein Online Award, wo die besten letztjährigen Beiträge in den Kategorien Fotografie, Weinartikel und diesmal auch Video/Podcast/Bewegtbild ausgezeichnet werden. Solltet Ihr den Originalverkorkt-Pocast, den WRINT-Podcast oder einen der Artikel des letzten Jahres besonders genossen haben, freue ich mich, wenn Ihr die Gelegenheit nutzt und dies hier verlauten lasst, denn vorschlagen kann dort jeder. Es wird dann eine Jury geben, die eine Vorauswahl trifft. Diese wird den Teilnehmern des Vinocamps 2015 zum Ende des Monats präsentiert, die dann die letztgültige Entscheidung treffen.

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Dieser Aufruf gilt natürlich nicht nur für die hier erschienenen Postings, sondern auch für die von Kollegen. Und genau da schaue ich mich jetzt selber auch noch mal um, um meine diesjährige Auswahl abzugeben.

Der Podcast Player funktioniert wieder

21/Mai/15 09:11 kategorisiert in: Abschweifungen

Warum auch immer, ich habe nichts Entscheidendes getan. Trotzdem, das Blog wird in Kürze auf einen anderen Server ziehen, incl. aktuellem php. Dann wird es einen Podlove-Player geben und dann mache ich mich auch mal an Kapitelmarken etc. Hier gibt es den Überblick bei iTunes. Und hier gibt es denn Podcast-Feed über Feedburner.


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