originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Das Dilemma des kalifornischen Weinbaus – Quo Vadis California?

19/Mrz/14 12:42 kategorisiert in: Abschweifungen, Cabernet Sauvignon, Rot, USA

Gestern fand in Hamburg die größte Messe kalifornischer Weingüter seit Jahren statt. 46 Aussteller und rund 600 Weine wurden unter dem Motto Go West – California Wine Tasting Fachpublikum und interessierten Privatpersonen präsentiert. Dass diese Messe zustande kam finde ich hervorragend, denn kalifornischer Wein ist in Deutschland so wenig präsent wie seit vielen Jahren nicht. Selbst der amerikanische Botschafter war dort und hat ein Grußwort gesprochen, was den Wert dieser Veranstaltung unterstreicht. Es gab eine Zeit, vor allem in den Neunzigern, da war das anders, da war Kalifornien und auch Australien sehr präsent, doch hat sich das eben deutlich gewandelt.

u.l.: Geoff Whitman, Hendrik Thoma und Markus Berlinghof präsentierten die Icon Cabs

u.l.: Geoff Whitman, Hendrik Thoma und Markus Berlinghof präsentierten die Icon Cabs

Diese Messe hat mir erneut deutlich gemacht, warum sich das meiner Meinung nach auch nicht (so schnell) ändern wird. Der Tag gestern hat für mich das gesamte Dilemma des kalifornischen Weinbaus gnadenlos offengelegt. Das begann schon mit der geführten Verkostung eigentlich hochklassiger Weine, so genannter Icon Cabs, teurer Cabernets oder cabernetlastiger Cuvées, mit denen Kalifornien ja eigentlich berühmt geworden ist. Durch die Verkostung geführt haben gleich drei Fachleute, die sich im Thema wirklich gut auskennen, nämlich der omnipräsente Hendrik Thoma, Mastersommelier, der auch einige Jahre im Napa-Valley gelebt und gearbeitet hat, der aktuelle Chefsommelier des Louis C. Jacob, Markus Berlinghof und schließlich der Weingutsmanager von Michael (nicht Robert) Mondavi, Geoff Whitman. Präsentiert wurden 12 Weine, teils mehrere hundert Euro teuer. Darunter so Granaten wie Buccella, Stag’s Leap, Caymus oder Joseph Phelps Insignia. Begonnen allerdings hat die Verkostung mit dem ältesten Wein der Runde, der auch mit Abstand der schlankste Wein war – Ridge Montebello 1995 mit 12.5% Alkohol. Für mich ging ehrlich gesagt den ganzen Tag lang nichts über diesen Wein. Hier fanden sich Kraft und Eleganz in ausgezeichneter Harmonie, den Wein hätte ich viel eher im Pauillac verortet denn in Kalifornien, alles an  diesem Wein war klassisch, der Cassis-Duft, Zederholz, etwas leicht Ätherisches und Schwebendes – schlichtweg ein schönes Cabernet-Weinerlebnis.

Zwei Seiten der Medaille: links der Blockbuster mit 15.4%, rechts reine Finesse und Eleganz mit 12.5%

Zwei Seiten der Medaille: links der Blockbuster mit 15.4%, rechts reine Finesse und Eleganz mit 12.5%

Was danach kam war keineswegs schlecht, natürlich nicht. Besonders der M von Michael Mondavi 2009 und der Insignia 2010 von Joseph Phelps haben es mir angetan. Das Problem aber ist: all diese Weine haben mindestens 14,5% Alkohol, meist mehr, der berühmte Caymus Special Selection 2008 lag sogar bei 15.4%. Ja, dieser Alkohol war gut eingebunden, ja, die Weine sind natürlich viel zu jung und doch, der Caymus schmeckte eher wie ein Châteauneuf-du-Pape, zwar wie ein exzellenter, doch eben wie einer aus einem heißen Jahrgang. Für sich genommen ist das nicht schlimm, aber meine Idee von einem Cabernet Sauvignon liegt halt immer noch eher in der Oldschool-Tradition, die der Ridge 1995 bietet. Wenn ich Châteauneuf-du-Pape will, kaufe ich mir halt einen. Das weitere Problem ist, dass ich diese Weine zwar gerne probiere, aber nicht mehr wirklich genießen kann. Die Hitze des Alkohols, der die Kehle herunter rinnt, das Süße der superreifen, alkoholischen Frucht ist einfach zu deutlich. Das wurde dann später im Raum der Aussteller noch deutlicher.

Seine Exzellenz der Botschafter eröffnete diese bestens besuchte Veranstaltung.

Seine Exzellenz der Botschafter eröffnete diese bestens besuchte Veranstaltung.

Ich habe mal den Zinfandel von Sebastiani in der aktuellen Abfüllung probiert. Sebastiani hat ja für mich so eine gewisse historische Bedeutung, deswegen fand ich das mal ganz interessant, wie sich das so entwickelt hat, dort. Der Wein hatte um die 15% Alkohol und war süß wie ein Fruchtgummi und schmeckte in seiner Frucht auch so: Fruchtgummi aus dem Holz. Bei Paul Hobbs, einem durchaus berühmten Weinmacher habe ich den Pinot Noir probiert. Den knapp 50 Euro teuren Pinot mit 15% Alkohol. Auch hier war der Alkohol gut eingebunden, keine Frage, aber Leute, was soll denn Pinot mit 15% noch sein? Er kann unterm Strich nur heiß und süß wirken. Das wird meiner Ansicht nach dieser Sorte nicht mehr gerecht. Erdbeer- und Himbeerfrucht mit süßlichem Kern, wie wir ihn hier in Deutschland zum Glück immer seltener finden – dazu die Hitze und (Über-)Reife. Ähnliche Bauchschmerzen hatte ich mit dem Cabernet Sauvignon 2010 ( ca. € 75,-) und mit dem 2010er Cabernet aus dem Beckstoffer Las Piedras Vineyrd St. Helena, Napa. Ein großartiger Wein, dicht, tief, stoffig, wunderbare Frucht, und dann doch wieder ein wenig zu sehr Likör, Hitze, die ich im ganzen Körper spüre. Im Gegensatz dazu fanden sich zum Abschluss noch mal ein exzellenter Ridge Montebello 1997, ein Ridge Lytton Springs 1995 und ein Château Montelena 1995. Ich wiederhole mich hier gerne. Diese Weine verkörpern einen Typus an Eleganz und Feinheit, wie man ihn ja auch im Bordelais zu selten findet. Es ist der Typus, den ich bevorzuge. Andere mögen lieber die dichteren Weine mit den hohen Alkoholgraden. Nur, eins ist klar, irgendwann ist Schluss.

Das Bashing nicht zu weit treiben. Der O'Shaugnessy war schon wirklich großartig. Auch wenn ich vor Montelena immer noch eher niedergekniet wäre.

Das Bashing nicht zu weit treiben. Der O'Shaugnessy war schon wirklich großartig. Auch wenn ich vor Montelena immer noch eher niedergekniet wäre.

Selbst wenn man andere Hefen entwickelt oder benutzt, die mit deutlich höheren Alkoholgraden zurecht kommen ohne zu früh abzusterben – irgendwann lassen sich diese Weine nicht mehr trinken. Was also tun? Der Klimawandel schreitet voran. Geoff Whitman sagte mir, dass diese 12.5% eines Ridge heute definitiv nicht mehr zu erreichen seien, vor allem nicht beim Cabernet, der, wenn zu früh geerntet, schnell grün, also nach Pyrazin schmeckt. In Europa, vor allem in Spanien und auch in Süditalien gibt es immer mehr Winzer, die auf biodynamischen Weinbau setzen, weil der irgendwie dazu führt, dass die Trauben auf Dauer schneller phenolisch reif werden, ohne einen zu hohen Zuckergehalt zu haben. Ist das ein Ansatz? Zumindest für die Oberklasse der kalifornischen Weine? Es gibt natürlich Weingüter, die schon längst so arbeiten – die waren allerdings leider gestern nicht da. Ich fürchte allerdings, dass auch Biodynamie nur kurzfristig weiterhelfen wird. Das Umdenken muss alerdings auch noch woanders stattfinden, denn so reif, wie vieles von dem, was ich gestern probiert habe, in die Flasche gekommen ist, muss es jedenfalls nicht sein. Das erinnert mich ein bisschen an die vielen bekannten Ribera del Duero Weingüter, die gerade in einer ähnlichen Sackgasse stecken. Wie sieht es bei den einfachen Weinen aus? Die, die so um die zehn Euro auf dem deutschen Markt kosten? Da kann ich mir in Zukunft eigentlich nur vorstellen, dass die Weine irgendwann entalkoholisieren, damit die überhaupt noch trinkbar sein werden. Keine allzu schöne Aussichten jedenfalls…

 

P.S.: Die Weingläser der Icon Cab Verkostung stanken übrigens alle penetrant nach scharfem Spülmittel und haben den teils immensen Duft der Weine deutlich überlagert. Radisson Blu, i give you a pass.

Letzte Woche an der Loire…

12/Feb/14 06:53 kategorisiert in: Abschweifungen

champigny

Letzte Woche war ich an der Loire und bin mit vielen frischen, cabernet-franc-lastigen Eindrücken zurück gekommen. Als ich das Fotomaterial von der Kamera laden wollte, waren die gesamten Daten weg. Doch mit kundiger Hilfe und einem Daten-Rettungsprogramm, kann ich die zukünftigen Loire-Artikel nun doch bebildern. Auch wenn es hier thematisch in den nächsten Tagen erst einmal mit der Champagne weitergeht. Stay tuned!

clos_rougeard_faesser

clos_cristal

thierry_germain

guiberteau

Worüber ich kürzlich gestolpert bin…

30/Dez/13 16:11 kategorisiert in: Abschweifungen, Rot, USA, Zinfandel

Viele, die sich mit Wein beschäftigen, haben so etwas wie ein Weinerweckungserlebnis, eine Initialzündung, einen bestimmten Moment, an den sie sich immer erinnern werden und entsprechend einen ersten Wein, der ihnen präsent geblieben ist. Ich hatte auch ein solches Erlebnis.

Es war 1991, ich war jung und wohnte noch zuhause, da habe ich zum ersten Mal bewusst in einem Getränkehandel eine Flasche Wein erworben, weil ich an jenem Abend etwas Nettes zubereiten wollte. Das war natürlich nicht die erste Begegnung mit Wein, schließlich war da ja noch der kürzlich erwähnte Beaujolais Nouveau und außerdem  gab bei es meinem Vater jahrelang Entre-deux-Mers oder später staubtrockenen Silvaner aus Franken. Hat mich damals beides nicht überzeugt. In jenem Getränkefachmarkt – es war kein Weinhandel aber die Weinabteilung war großzügig und im Wesentlichen mit dem Programm von Eggers & Franke bestückt – bin ich durch die Reihen gelaufen und habe mich umgeschaut. ich hatte exakt null Ahnung. Was macht man, wenn man null Ahnung hat? Man nimmt sich was, das entweder gut aussieht oder cool sein könnte. Ich habe damals gedacht, Wein aus Kalifornien könnte cool sein, zumal ich den Namen Zinfandel ansprechend, irgendwie lyrisch fand. Damals habe ich mich für eine Flasche Zinfandel Sonoma County von den Sebastiani Family Vineyards entschieden. Ich habe diesen Wein zum Blaubeerpfannkuchen gereicht. Das hört sich zwar ein wenig verrückt an, aber so abwegig war es nicht. Beides hatte die volle Frucht und das, was ich damals aus dem Glas herausgerochen habe, hat mich total angemacht: Fruchtkompott, Holz, Vanille etc. Am nächsten Tag bin ich wieder in den Laden und habe die zweite Flasche gekauft.

sebastiani

Warum aber schreibe ich das? Nun, ich war vorletzten Samstag in Bonn und mit einem Freund in unserem bevorzugten Getränkehandel. Nicht dem von damals, aber einem, bei dem man richtig stöbern kann. Vater und Söhne Görtz verstehen was vom Fach und der Laden ist eine Fundgrube, zumal man hier immer wieder auf ganze Kellerauflösungen treffen kann und für manchmal kleines Geld gereiften Wein erhält. Was ich dort in der Grabbelecke entdeckt habe, ist eine Flasche 1988er Zinfandel Sonoma County Sebastiani Family Vineyards. Das ist mit ziemlicher Sicherheit sogar der selbe Jahrgang von damals. Hey!

Wie so häufig bei älteren Weinen riecht der Wein zunächst einmal so, als habe man gerade in einer lange unbenutzten Wohnung über ein Regal gepustet. Staubig wirkt er, dann kommt Unterholz, Gebüsch und eine Ahnung von Waldfrucht, die sich zunehmend konkretisiert. Hinzu kommt eine gewisse Säure in der Nase des rotbräunlich schimmernden Zinfandel. Am Gaumen ist der Wein dann allerdings ziemlich neutral. Die Frucht ist weg und wurde durch nichts Wesentliches ersetzt, kein Holz ist spürbar, keine Sekundäraromen. Na ja, der Wein tut immerhin auch nicht weh und für den Genuss habe ich ihn ja schließlich auch nicht gekauft.

Gin o'Clock: Wacholderbrand op Kölsch

21/Dez/13 17:00 kategorisiert in: Abschweifungen, Gin o’Clock

Auch wenn ich die meiste Zeit meines Lebens im Großraum Köln verbracht habe, war ich nie Kölsch-Trinker. Es sei denn, es gab Mühlen, Gaffel oder Früh vom Fass oder ich habe Zeit in einem der Brauhäuser verbracht. Dann war das etwas Anderes. Bier von Sünner, ein der diversen Brauereien gab es trotzdem häufiger bei uns. Einfach deswegen, weil sie meiner Meinung nach das beste Malzbier gemacht haben. Und ab und zu habe ich gerne Malzbier getrunken. Nun ist es so, dass Sünner auch eine Lizenz zum Brennen von Destillaten besitzt. Das war mir nicht aufgefallen, bis ich vor kurzem von einem Gin aus dem Haus Sünner gelesen habe. Als ich letztes Wochenende in Bonn war, konnte ich eine Flasche erwerben.

gin_op_koelsch_01

Wie auf dem Etikett zu lesen ist, ist Sünner die einzige eingetragene Wacholderbrennerei in Köln. Der Dry Gin N. 260 wird dreifach gebrannt und im dritten Brennvorgang werden frische Wacholderbeeren aus der Toskana zugesetzt. Ansonsten finden sich laut Aussage der Brennerei Zitronenschalen und Pomeranzenschalen sowie Lavendel als weite Botanicals. Das ist nicht viel, warten doch ausgefeilte, moderne Gins mit 20 oder mehr Kräutern, Gewürzen etc auf. Die Einfachheit der drei Aromen besticht jedoch bei diesem Gin. Es ist kein feiner Gin, es ist eher einer, der mit der Tür ins Haus fällt. Er duftet und schmeckt intensiv nach Wacholder und erinnert im Duft an einen klassischen holländischen Oude Genever. Die bitter-süßen Zitrus- und Orangennoten runden das Geschmacksbild ab.

gin_op_koelsch_02

Finde ich das gut? Ja. Auch wenn ich sonst gerne die feinere, zurückhaltendere Variante wie Geranium oder The Botanist bevorzuge. Das hier macht Spaß, vor allem als Gin & Tonic. Denn der Sünner ist trotz der Expressivität nicht grobschlächtig, vor allem, weil er gut gebrannt, weich und cremig ist. Ich habe ihn mit Tonic von Thomas Henry getrunken, denn das gab es da, wo ich den Gin gekauft habe in den großen Flaschen. Zu diesem Gin passt aber auch der gute alte, etwas süße Tonic von Schweppes. Was dabei ebenfalls Spaß macht ist übrigens der Preis, denn der Sünner kostet keine 20 Euro.


Weiterblättern »