vor einigen Tagen habe ich einen kurzen Artikel über die Ökobilanz der Transportwege eines Übersee-Weines am Beispiel eines argentinischen Malbec geschrieben. Es war ein kurzes Nachdenken über ein Thema, welches ich in näherer Zeit gerne vertiefen möchte – es war also ein kleiner Stein des Anstoßes, gewissermaßen.
Nun haben sie auf www.weinkenner.de unter dem Titel Gefährliche Bio-Logik - Wein aus Argentinien: Konsumverzicht wegen langen Transportwegs? eine Replik veröffentlicht, die mich in gewissem Maße freut, andererseits jedoch mindestens so sehr ärgert.
Der Ärger allerdings hat mehrere Gründe, die ich in der Form eines offenen Briefes darlegen möchte:
auch wenn es mich freut, dass Sie sich so ausführlich meinem am 22.06. auf meinem Weblog veröffentlichten kurzen Posting und auch meiner Person widmen, hätte ich es doch vorgezogen, wenn Sie sich ein wenig mehr in mein Blog eingelesen hätten. Dann wären einige Unterstellungen und Missverständnisse vielleicht direkt auf der Strecke geblieben. Ihr Artikel erinnert mich so ein bisschen an die typisch deutschen Schwarz-Weiss-Diskurse mit den darin häufig einhergehenden Vorbehalten vor zu viel Gutmenschentum, einem Verhalten, was nicht nur synonym für Nerverei und Besserwisserei steht, sondern was auch schnell mit Rechthaberei, Spitzeltum und dem gewollten Einschränken der Rechte anderer besetzt wird. Zudem begibt er sich zunehmend in eine Polemik, die der Sache letztlich nicht gerecht wird.
Ich nehme Ihre reflexhafte Unterstellung oben genannter Eigenschaften in Verbindung mit der Angst vor einem nahenden Öko-Diktat dabei zwar nicht nur in Ihrem Artikel wahr – gerade gestern noch habe ich beispielsweise drüben beim Würtz zu seinem Artikel Wahrhaftiger Wein mal die Kommentare gelesen und mich gewundert, wie schnell die Emotionen hochkochen, wenn mit Begriffen wie Wahrheit, Konsequenz und Nachhaltigkeit jongliert wird – ich stelle aber gerade in Ihrer Reaktion fest, dass man selbst mit vorsichtigen Äußerungen zum Thema Klimabilanz direkt den gesamten Welthandel um die Ohren gehauen bekommt, außerdem wird man als Genussverächter in die Ecke gestellt, als naiv und tendenziell gefährlich eingestuft. Woher kommt das?
War mein kurzer Artikel so falsch zu verstehen, dass man daraus eine Diskriminierung oder den Wunsch nach einer Öko-Diktatur ableiten konnte?
Ich könnte meinem Artikel im Nachhinein vorwerfen, dass er etwas zu kurz war, ich hätte meine Frage etwas stärker ausformulieren sollen, denn was mir definitiv fern liegt, ist die willkürliche Diskriminierung eines Produktes, die Sie mir jedoch nebst einem unglaubwürdigen Öko-Engagement unterstellen:
"Wer öko-bewusst lebt, sollte seine gesamte Welt, in der er sich aufhält, auf den Prüfstand stellen und nicht nur ein Produkt willkürlich diskriminieren, um sein Gewissen zu entlasten. Übersee-Weine von Einkaufszettel zu streichen, aber mit dem Auto zum Petersiliekaufen fahren – so ein Öko-Engagement ist nicht glaubwürdig."
Ich habe an jenem Abend ein Glas Wein des Schweizers Dieter Meier getrunken, den ich als Typ ausgesprochen schätze. Seine Musik, seine Texte haben mich ein großes Stück meines Lebens begleitet, entsprechend habe ich vor Kurzem auf ein anderes seiner Weinprojekte hingewiesen sowie auch auf seine momentane Ausstellung in Hamburg. Ihn und seinen Wein zu diskriminieren war also nicht meine Absicht.
Argentinischen Malbec zu diskreditieren war ebenso wenig meine Absicht – originalverkorkt ist grundsätzlich keine Plattform, um irgendjemanden oder irgendetwas zu diskreditieren – außerdem gibt es ausgezeichnete Malbecs. Ebenso chilenische Carmenères. Außerdem halte ich viel von diversen kalifornischen Cabernets, Zinfandels und Cuvées, ja, einige davon zählen zu den besten Weinen, die ich bisher getrunken habe, siehe zum Beispiel hier. Ich mag den Pinotage von Kanonkoop sehr gerne, genauso wie den beeindruckenden Stil, den Springfield Estate pflegt und worüber ich hier geschrieben habe. Also dürfte nach Studium meines Blogs eigentlich klar sein, dass die Unterstellung, diese Sie im Folgenden formulieren, komplett überflüssig war :
"Er fragt lediglich, „ob das, was drin ist, sich wirklich lohnt. Ob der Wein also, wie man heute neudeutsch sagt, ein Alleinstellungsmerkmal aufweist“ – der argentinische Wein. Wer so fragt, hat die Antwort schon parat: Wein aus Argentinien bietet nichts, was den weiten Weg nach Europa lohne. Eine gewagte Behauptung, die aus der Feder eines Weinfachmanns erklärungsbedürftig ist. Meint Raffelt, dass ein Malbec aus Mendoza keine Spezialität sei? Dass ein Pinot Noir aus dem 1200 Meter hohen Tupungato kein unverwechselbarer Wein ist?"
Was ich mich vielmehr frage, und ich habe dies laut getan, ist, ob die einfachen Weine, denen man nicht sonderlich viel Charakter attestieren kann, nehmen wir zum Beispiel kalifornische Massenproduktion von Gallo und Co., oder die ganzen Diskounter-Übersee-Weine, ob man sich also dafür einfach so entscheiden sollte oder ob es zu viel verlangt ist, noch mal darüber nachzudenken. Und ja, auch, ob nun der einfache, aber gut gemachte Malbec von Dieter Meier so individuell und charaktervoll ist, dass man sich genau für diesen Wein entscheiden sollte, oder ob man doch lieber etwas nimmt, was weniger Emissionen mit sich herum trägt. Diese Frage finde ich absolut und zu jeder Zeit legitim, bei Äpfeln wie beim Wein, bei Industrieprodukten wie bei Kleidung.
Dabei stellt sich nicht die Frage, ob ich mich immer und zu jeder Zeit für die klimaneutralen, ökologisch wertvollen, sauberen Produkte entscheide, die dann mein Gewissen weniger belasten. Ich sage Ihnen, ich tue es nicht! Diesen Anspruch habe ich auch zu keinem Zeitpunkt formuliert und würde dies auch nicht tun, dafür bin ich selber viel zu inkonsequent. Mir aber die Möglichkeit eines kritischen Diskurses oder einem kritischen Nachfragen absprechen zu wollen, weil ich ja möglicherweise
"den Schnittlauch mit dem Auto einkaufe",
Herr Priewe, das ist ein wenig billig und niveaulos, finden Sie nicht? Es geht doch hier nicht um wer frei von Makel ist, werfe den ersten Stein, sondern darum, ob wir die Welt, in der wir leben, auch aktiv mitgestalten wollen. Und da können wir uns doch immer wieder aufs Neue beim Griff in die Regale und anderswo entscheiden, wie wichtig uns dieses Mitgestalten ist. Das muss übrigens keine Instanz entscheiden, Gott bewahre. Das kann doch jeder selber entscheiden, der sich bewusst mit Produkten auseinandersetzt. Das muss auch nicht
"ein Arbeitskreis des Evangelischen Kirchentags"
sein, diese Polemik finde ich ein wenig fehl am Platze. Wenn dieser Anspruch, sich immer wieder bewusst zu entscheiden, schon ein zu viel an Gutmenschentum für Sie ist, fände ich das jedenfalls schade. Aber zwischen den Zeilen hört es sich so an, wenn Sie Folgendes schreiben:
"Und ich wäre einverstanden, wenn jeder selbst entscheidet, ob er aus moralischen Gründen auf Übersee-Weine verzichtet. Nur wäre es schön, wenn er seine Entscheidung in voller Kenntnis der Lage samt aller Implikationen träfe, die mit dieser Entscheidung verbunden sind. Moral ist nicht teilbar. Man kann nicht dreiviertel aller in Deutschland gefertigten Autos zum Export über die Weltmeere schicken und gleichzeitig glauben, durch Verzicht auf den Konsum von Überseeweinen die Welt ein bisschen besser zu machen."
Dieses ist letztlich entlarvend, denn Sie wissen so gut wie ich, dass man nicht alle Implikationen mit berücksichtigen kann, zum anderen stimmt Ihre Logik keineswegs: Der große Unterschied bleibt der, dass nicht ich diese Fahrzeuge ins Ausland exportiere (ich gehe auch nicht für die Autoindustrie in Sippenhaft), mir aber die Wahl bleibt, für welche Fortbewegungsmittel ich mich persönlich entscheide (ich kann Ihnen auf Nachfrage gerne etwas zu umweltbewussten Fortbewegungsmitteln erklären, ebenso zu Car-Sharing, wenn es Sie interessiert, aber dies hier ist ein Weinblog). Genau so kann ich mich jederzeit entscheiden, ob ich den Sauvignon Blanc xy aus Neuseeland nehmen möchte oder beispielsweise einen aus Rheinhessen.
Dies war meine Intention, ein kurzes Nachdenken über bewusste Entscheidungen für das ein oder andere Produkt, keine Handlungsanweisung. Und, abschließend bemerkt, fände ich es deutlich zielführender, solche Diskussionen personenunabhängiger und weniger polemisch zu gestalten, dafür sachbezogener und zielführender.
mit freundlichen Grüßen, Christoph Raffelt
Ich finde ja, dass man sich bei jeder Flasche Überseewein die man kauft, ernsthaft fragen sollte, ob das, was drin ist, sich wirklich lohnt. Ob der Wein also, wie man heute neudeutsch sagt, ein Alleinstellungsmerkmal aufweist.
Ich habe gerade noch mal neu darüber nachgedacht als ich mir ein Probepaket von Dieter Meiers PURO-Weinen aus Argentinien bestellt habe. Da ist alles Bio, mit argentinischem und europäischem Bio-Siegel. Das wäre alles gut und schön, zumal die Weine auch wirklich Spaß machen, wäre da nicht die verheerende Umweltbilanz:
Der Schiffstransport kostet von Argentinien nach Rotterdam (ca. 12.000 km) pro kg ca. 588 g CO2 wenn man davon ausgeht, dass ca. 49 g CO2 pro 1.000 km pro kg per Schiff anfallen.
Hinzu kommen ca. 2.000 Kilometer LKW, die der Wein vom Ursprungsort bis zu einem argentinischen Hafen und von Rotterdam aus zum Zwischenhändler, zum Händler, zum Kunden zurücklegt. Rechnen wir mit 200 g pro 1.000 km LKW pro kg Wein, landen wir bei 400 g.
Das macht in der Summe ca. 988 g CO2/Fl. für einen argentinischen Wein.
Für einen australischen Wein werden übrigens ca. 1.500 g CO2 für den Transport einer FLasche Wein verbraucht.
Wenn ich mir einen Malbec aus Südwest-Frankreich importiere, kostet dies nach gleicher Rechnung ca. 280 g CO2/Fl. Ähnliches gilt für einen Syrah von der Rhône.
Während sich das Fußvolk, zu dem ich mich eigentlich zugehörig fühle, an so einem Messeabend die örtlichen Weinbars und Brasserien überfällt oder von einem Händler oder Winzer eingeladen wird, gibt es eine auserlesene Zahl von Weinfreunden, die auf die hiesigen Schlösser geladen werden. Sonntags lädt Haut-Brion, montags Rothschild, dienstags ich weiss nicht wer.
Gold auf Bütten, die EinladungEs war Sonntag, ich hatte die in Bütten gepresste Einladung seiner Exzellenz, des Prinzen von Luxembourg in der Tasche – natürlich hätte ich sie nicht gebraucht, mein Name stand ja auf der Gästeliste und die Karte war viel zu groß um sie ungefaltet in die Tasche stecken zu können. Aber man weiss ja nie, wenn man mit den Gepflogenheiten wenig vertraut ist – Stichwort Fußvolk – bestieg ich den Shuttle-Bus, der vor dem zentral gelegenen Office de Tourisme wartete.
Unscheinbare, doch verflucht teure und gepflegte Weingärten – Haut-BrionEs saßen schon einige Personen im Bus und die Männer trugen Smoking. Alle. Plötzlich wurde mir die wahre Bedeutung des Begriffes Black Tie bewusst. Stichwort Fußvolk, erneut. Ich musste innerlich lachen, hatte ich mich doch gefragt, warum man denn ausgerechnet eine schwarze Krawatte tragen sollte als einzigen Dresscode während mir jene, die mir die Einladung hatte zukommen lassen noch meinte, zur Not ginge auch eine schwarze Fliege. Früher wäre mir das hochpeinlich gewesen, heute ist es Stoff für einen guten Twit. Ausserdem kamen nach mir noch ein paar andere mit Krawatte und schließlich Oz Clarke, der weder noch trug sondern vielmehr, und dafür ist er bekannt, eine etwas aufgewertete Straßenkleidung am Leib trug. Er pfeifft auf Dresscode und kann es sich leisten. Ich finde dieses Markenzeichen durchaus angenehm.
Der Weg gesäumt von HostessenNichts desto trotz wäre, um dem Rahmen gerecht zu werden, ein Smoking durchaus angemessen gewesen. An diesem Abend, man erwartet das ja bei Bütten und Goldrand, wird nicht gekleckert. Schon der Weg zum Innenhof des bemerkenswert schönen Schlösschens wird gesäumt von Hostessen die zu nichts anderem da zu sein scheinen, als mich anzulächeln und den Weg zu weisen. Im Innenhof stehen, um einen Turm herum gruppiert aus dem dezent einige Fotografen ihre Chipkarten füllen, sechs Stationen, an denen je drei unterschiedliche Sauternes ausgeschenkt werden während futuristisch anmutende Häppchen gereicht werden. Beispielsweise Bille de foie gras et rhubarbe à la baie rose oder Oeuf en chaus froid vinaigrette xérès et sirop dérable, einem eratischen Eischaum in Originalhülle, sprich mit dem Strohhalm aus dem halb geköpften Ei gesogen.
Die Winzer der Grand Cru Classé en 1855 stellen sich zum GruppenfotoDa dies eine Einladung der Gruppe der Grand Cru Classé Weingüter ist werden entsprechend Grand Cru Classé Sauternes kredenzt. Wenn ich ehrlich sein darf, hätte es mir nichts ausgemacht, mit einer Gruppe von Freunden den Rest des Abends an jenem Tisch zu verweilen, an dem es La Tour Blanche gab und diesen exzellenten 2008er Lafaurie-Peyrague. Stattdessen habe ich hier und da probiert und mir Notizen gemacht, also im Prinzip das Gleiche wie Oz Clarke der mich angrinst und meint „I’m just here for working“.
Eisgekühlter SauternesWas ich ja besonders amüsant fand an diesem Abend war, dass ich, während ich insgeheim der Musik von Mahler und Pergolesi lauschte, jemanden suchte, mit dem ich mich würde unterhalten können und irgendwann eine Person fand, die ich zwar nicht kannte, der ich aber schon auf verschiedenen Verkostungen in Deutschland über den Weg gelaufen bin. Peer J. Pfeiffer ist Directeur Export bei Borie-Manoux, ein angenehmer Gesprächspartner und im weiteren Verlauf des Abends mein Tischnachbar, nicht weil wir gemeinsam in Richtung des Tisches 28 gegangen wären sondern eher obwohl, ein reiner Zufall also.
Gleich werden wir gebeten, einzutretenEbenfalls ausgesprochen amüsant und kurzweilig war die Gesellschaft des Finnen Jouko Mykkänen, Columnist, Dozent und Sommelier in Helsinki. So eine unbekannte Tischrunde hätte ja im Zweifelsfall auch durchaus Langeweile aufkommen lassen können denn der Abend ging erst spät nach Mitternacht dem Ende entgegen. Doch weit gefehlt, ich habe mich gut unterhalten. Wozu nicht zuletzt die Form der Inszenierung beigetragen hat. Man beachte das Glaszelt und die Lüster, die Anzahl der Kellner die zusammen mit den drei Dreisterne-Köchen den Abend auf ein beachtliches Niveau gehoben haben, auch wenn man die Leistung der Küche für 350 geladene Gäste nicht damit vergleichen kann, für ein überschaubares Publikum in einem Gourmet-Tempel zu kochen. Das ist nicht Drei Sterne, aber fast, und das ist beachtlich. Zu Beginn übrigens spricht dann zunächst der Prinz, dann Alain Jupée, die Weine werden jeweils von geladenen Master-Sommeliers beschrieben, im Falle von Haut-Brion war es, glaube ich, Markus del Monego.
Unsere Weinkellnerin und eine beträchtliche Anzahl GläserAch, und wenn ich über Niveau und Qualität schreibe und über besonderes Vergnügen, dann sollte ich an dieser Stelle die Weine nicht außer acht lassen denn nach diesen ganzen Sauternes Herrlichkeiten gab es je zwei Jahrgänge Château Lascombes und Château Lynch-Moussas. Der Besitzer von Lascombes saß mir zur Linken, seine Frau quer gegenüber und Peer Pfeiffer vertrat Lynch-Moussas, denn dies ist eines der Château neben Batailley, Trotte Vieille und anderen, die sich im Besitz von Borie-Manoux befinden.
Hummer zu mittelschwerem BordeauxAlso Lascombes und Lynch-Moussas 2003 zu einer Vorspeise von Alain Passard, 1996er Lascombes und 1985er Lynch-Moussas zu unten abgebildetem Hummer mit Erbsen und roten Früchten, einer Komposition von Anne-Sophie Pic.
Während wir zu Tische sitzen baut sich draussen immer wieder auf’s Neue die Phalanx der Kellner aufZu carré de veau rôti dann wurde der Wein des Hauses kredenzt, ein 1975er Château Haut-Brion 1er Grand Cru Classé aus der Doppel Magnum, was ein wirklich schöner, aber kein überragender Wein war. Immer noch absolut frisch mit ausgezeichneter Säure und feinen Tanninen. Eukalyptus, Zedernholz, Erde und dunkle Früchte in der Nase, Mineralität findet sich, Noten von Paprika und dunklen Beeren am Gaumen, auch hier etwas Erdiges, auch einige grüne Komponenten, mittlerer Körper und guter Abgang. Ein eher rustikaler, Oldschool-Bordeaux.
Meine TischrundeBegeisternd jedoch, ja phantastisch der 1990er Château d’Yquem zum so genannten Neun-Sterne-Dessert, einer Gemeinschaftskreation von Pic, Passard und Alleno.
Der Wein hat ja mit seinen 21 Jahren gerade mal die Volljährigkeit erreicht, ist absolut frisch und knackig, er hat viel Kraft, Substanz, Länge, ist dicht und balanciert, sprich, von allem genug – aber da ist nichts, was zu üppig wäre. Wahre Größe also und ein ehrfürchtiger, dankbarer Weblogger der dabei fast vergisst, dieses ausgezeichnete Dessert zu verspeisen.
Auf dem Weg zum Ausgang passierten wir dann erneut den Innenhof, wo die Weinkühler längst durch Espressomaschinen und einige Flaschen Cognac von Tesseron ersetzt worden waren, dem Cognac jener Familie, der im Paulliac das Château Pontet-Canet gehört.
Blick auf das angestrahlte ChâteauNach dieser wahrhaft fürstlichen Veranstaltung ließen es sich die Gastgeber dennoch nicht nehmen, uns noch eine Glaskaraffe mit Château-Signet mit auf den Weg zu geben. Schade, dass man auf den Flughäfen so lausig mit dem Gepäck umspringt denn trotz Vorsichtsmaßnahmen und stabiler Umverpackung – die Glaskaraffe befand sich in einer Original Haut-Brion-Holzkiste – hat das Glas den Flug nicht heil überstanden.
Im nächsten Teil dann geht es zurück zur Basis, zur Scholle. Der Sprung könnte kaum weiter sein, aber Erdung tut gut. Ich selber jedenfalls habe mir im Hotel noch ein Glas Wein eingeschenkt, einen Cru Bourgois, ganz bürgerlich, und ein paar Zeilen im demokratischen Weinbuch waren auch noch drin.
Bevor die Zusammenfassung meiner Bordeauxreise in mehreren Teilen erscheint, vorab schon mal ein paar fotografische Eindrücke. Stay tuned!
Ich weiss, ich werde bei jenen, die sich ebenfalls beim CIVB darum beworben haben, parallel zum Vinocamp 2011 von der VinExpo und aus Bordeaux zu berichten, ein wenig Neid erzeugen, denn ich habe eine schöne Tour vor mir.
Während in Geisenheim heute die ersten Sessions starten mache ich mich gerade per Zug auf den Weg Richtung Frankfurt, um dann nach Paris und weiter nach Bordeaux zu fliegen.
Am Sonntag werde ich mich irgendwann per Skype von der VinExpo aus nach Geisenheim schalten. Ich habe mir einige Stände vorgenommen und mich mit verschiedenen Personen verabredet um einige Stunden auch gemeinsam mit anderen über die Messe zu laufen.Was wirklich sehr exklusiv ist, ist die Abendveranstaltung des Sonntags. Denn die findet auf Château Haut-Brion statt und wird vom Conseil des Grands Crus Classés en 1855 ausgerichtet. Da kochen dann die Drei-Sterne-Chefs Anne-Sophie Pic, Yannick Alleno und Alain Passard zu Weinen von Haut-Brion, Lascombes, Leoville-Poyferré und d’Yquem. Ich freue mich ziemlich drauf.
Am Montag werde ich zusammen mit Martin Fueyo durch das Gebiet fahren und von den Gütern Château de Piote, La Tour Figeac und Bonnet aus berichten. Im letzteren gibt es dann auch einen Abend mit dem Gastgeber André Lurton (ja der, der gefühlt die Hälfte aller Bordeaux der Jacques Weindepots liefert) und dem ehemaligen Küchenchef des französischen Präsidenten Mitterand, Vincent Poussard.
Dienstag gibt es nach einer Stadtrundfahrt ein Graves-Tasting auf der VinExpo bevor es so langsam zurück nach Hause geht.
So viel zunächst. Ich wünsche Euch eine gute Zeit in Geisenheim, ich wäre trotz der anstehenden, spannenden Tour gerne dabei.