originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Drei Mal Bier: Bogk Berliner Weiße, Original Ritterguts-Gose, Gose Mania

03/Jun/14 20:35 kategorisiert in: Bier

Bei dem ganzen, oft nachvollziehbaren und oft auch etwas übertriebenen Hype um die große Welt der Pale Ales übersieht man schnell, dass es auch in Deutschland einen alteingesessene Bierkultur abseits der Fernsehbiere gibt. Das haben vor allem die Hersteller vergessen, die uns, bis auf die wenigen Spezialbrauereien, immer das Gleiche anbieten. So ist die traditionelle Berliner Weiße praktisch ausgestorben (die, die man unter dem Label Berliner Kindl erhält ist ihr Geld nicht wert udn kann eigentlich wirklich nur mit Himbeer- oder Waldmeistersaft ertragen werden). Auch die Gose, eine Jahrhunderte alte Biertradition wird nur noch in ganz wenigen Brauereien gepflegt. Glücklicherweise gibt es neben dem Gose-Traditionalisten in der Brauerei Hartmannsdorf bei Chemnitz (Original Ritterguts-Gose) einige wenige Brauer, die sich wieder an die traditionellen Stile wagen. In diesem Fall, und das gilt für alle drei vorgestellten Biere, gibt es die Besonderheit, dass die obergärig gebrauten Biere eine zweite Gärung erfahren, und zwar eine Milchsäuregärung. Der Effekt ist eine Veränderung des pH-Wertes dieser Biere, die zu einer erheblichen Säure, aber einer weichen, eben einer Milchsäure führen (wie bei einem Wein nach der malolaktischen Gärung von Apfelsäure in Milchsäure). Der Effekt ist eine natürliche Verlängerung der Haltbarkeit dieser Biere, die sich, kühl und dunkel gelagert teils über Jahrzehnte erstrecken können und das auch tun – dazu kommen wir gleich.

gose

Bogk-Bier Berliner Weiße
Einer dieser Brauerei, die sich an die milchsauer vergorenen Biere wieder heran gewagt haben, ist Andreas Bogk, der vor einigen Jahren zu Hause mit dem Bierbrauen angefangen hat und daraus eine Leidenschaft entwickelt hat, die schließlich zu einem Crowdfunding-Projekt und der Grünsung einer Mikro-Brauerei geführt hat. Andreas hat sich der Rettung der ursprünglichen Berliner Weiße verschrieben. Denn das, was heute im großen Stil als solche abgefüllt wird, hat mit dem ursprünglichen Rezept nicht mehr viel zu tun. Zwar ist die Berliner Weiße immer noch ein obergäriges, saures Bier, doch fehlt ihr eine entscheidende Zutat, die mit dem Produktionsprozess des Bieres zu tun hat. Im Sauerbier, wie es im ganzen Norden Deutschlands früher und im Belgien auch immer noch getrunken wird, finden sich nämlich Hefestämme, die man in einer normalen Bierproduktion auf keinen Fall haben will. Denn neben der obergärigen Hefe Saccharomyces cerevisiae findet sich die Brettanomyces-Hefe Brettanomyces bruxellensis sowie die Milchsäurebakterien Lactobacillus brevis, Lactobacillus casei und Lactobacillus delbrueckii. Diese Stämme würden ein Pils oder Alt oder was auch immer direkt verderben. Bei der Berliner Weiße oder bei der Gose oder auch beim belgischen Lambic oder der Geuze ist der Effekt jedoch erwünscht.

Kleiner Einschub für Weinkenner: die Brettanomyces-Hefe ist jene, die im Rotwein gerne einen animalischen Ton hervorruft und eigentlich als Weinfehler angesehen wird – auch wenn einige Erzeuger vor allem an der Nordrhône oder in Südfrankreich diese Note gerne als zum Wein gehörig ansehen.

Andreas Bogk jedenfalls hat sich irgendwann auf die Suche nach den alten Rezepturen gemacht und noch ein wenig später hat er sich auf die Suche nach alten Flaschen Berliner Weiße gemacht. Er ging zurecht davon aus, dass er in diesen Flaschen die originalen Hefestämme finden würde, mit denen er auch wieder eine originale Berliner Weiße herstellen könnte. Der DDR sei dank hat er bei der Suche auf Berliner Flohmärkten tatsächlich Flaschen aus der DDR-Kombinatszeit gefunden und die Hefe-Stämme isolieren können. Es gibt dazu in der Reihe WRINT-Flaschen meines Freundes Holger Klein einen ausführlichen Podcast darüber.

bogk_bier

Die hier probierte Berliner Weiße stammt aus der ersten Tranche, die Andreas Bogk nach seinem erfolgreichen Crowdfunding-Projekt all jenen geliefert hat, die das mit finanziert haben. So bin ich über einen Bekannten an dieses Bier geraten. Es ist typisch hefetrüb mit einem sehr niedrigen Alkoholgehalt von 2,5% und einer Stammwürze von 7%. Das Bier riecht direkt sauer in einer Art, wie man es von milchsauer vergorenem Kohl kennt (Sauerkraut) oder, noch ähnlicher Kanne-Brottrunk. Wer Kinder hat und sich daran erinnert, wie es roch als diese nach der getrunkenen Milch aufstoßen mussten oder etwas davon wieder ausgespuckt haben – das ist in etwa der Geruch. Es ist ein Duft und auch ein Geschmack, an den man sich erst ein wenig gewöhnen muss. Das geht bei dieser Berliner Weiße ganz schnell, bei manch extremeren belgischen Geuzes dauert das womöglich etwas länger. Hier, wie gesagt, gibt es die softere Version, die neben den Brett-Aromen und der Milchsäure vor allem zitronig ist, ohne beißend zu sein. Das Bier ist am Gaumen säuerlich, ebenfalls zitronig, weich, da die Milchsäure sehr weich ist und nur minimal bitter. Es ist ein Bier, dass man gerade im Sommer einfach so wegtrinken kann. Es ist harmonisch und steigt einem nicht in den Kopf.

Ritterguts-Gose
Ursprünglich stammt diese Variante des norddeutschen sauren Bieres aus Goslar und wurde nach jenem Fluss benannt, der auch der Stadt seinen Namen gegeben hat, der Gose. Hieraus haben die ersten Baumeister das Wasser für das Bier entnommen. Wie bei der Berliner Weiße und bei den belgischen Lambics ist auch dieses Bier obergärig und wird ein zweites Ma, und zwarl milchsauer vergoren. Bei der Gose wird traditionell Salz und Koriandersamen mit hinzugegeben, was dem Bier einen zusätzlichen aber nicht dominierenden Geschmack verleiht. Ab dem Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Gose das Bier in Leipzig und löste Goslar als Gose-Hauptstadt ab. Damals schon der wichtigste Produzent war die Rittergutsbrauerei Döllnitz. Diese produziert bis in den zweiten Weltkrieg hinein, wurde dann aber demontiert und nach Russland verschafft. Nach dem Krieg wurde sie wieder aufgebaut und belieferte einige wenige Gasthäuser, die dann aber nach und nach schlossen. Mittlerweile braut die Hartmannsdorfer Brauerei bei Chemnitz die Original Ritterguts-Gose. Zusätzlich gibt es in Leipzig wieder einige ortsansässige Brauer.

rittergutsgose

Die Ritterguts-Gose ist relativ dunkel und duftet nach leicht vergorenem Apfel (Cidre) und selbst vergorenem Sauerkraut. Das Bier ist grundtrocken, leicht säuerlich und frisch am Gaumen mit ganz leichtem Malzanteil und einem Hauch von Koriander. Für den Sommer ist es ideal, hat zwar mehr Alkohol als das Bogk-Bier, ist aber auch etwas intensiver, bzw. voller im Geschmack. Dafür ist es durch seine Trockenheit und Säuerlichkeit enorm erfrischend. Könnte mein Sommer-Lieblingsbier werden.

Ale Mania Gose Mania
Die Biere des umtriebigen Bonner Brauers Fritz Wülfing heißen seit einiger Zeit nicht mehr Fritz Ale sondern Ale Mania. Das hat damit zu tun, dass der Hamburger Brause-Hersteller Fritz Cola plötzlich irgendwas dagegen hatte. Aber wie auch immer, Fritz Wülfing ist mit Ale Mania jetzt markentechnisch hoffentlich auf der sicheren Seite. Geschmacklich ist er das ja schon lange, denn er war einer der ersten, die den langweiligen deutschen Biermarkt mit einer Infusion Ale wiederbelebt haben. Das, was er hier in die Flasche füllt, ist diesmal kein Ale sondern ebenfalls eine Gose. Diese hat 5.1% Alkohol, wurde klassisch mit Salz und Koriander hergestellt, dazu mit Perle-Hopfen und neben Pils- und Weizenmalz auch mit Karamellmalz. Perle wird gerne für Ales, Porter und IPAs verwendet und hier liegt für mich in Verbindung mit dem Karamellmalz persönlich ein Problem.

gosemania

Ich finde, das Bier erinnert mit den Karamellnoten und exotisch fruchtigen Aromen von Mandarine und etwas Mango zu sehr an ein Ale amerikanischer Brauart und zu wenig an eine klassische Gose – so wie es eigentlich auf dem Etikett ausgewiesen ist und wie es für mich die Rittergutsgose darstellt. Das hat aber wiederum für wenig erfahrene Gosetrinker den Vorteil, dass das Bier nicht zu extrem ist, nicht zu viel Milchsäure hat, nicht zu sauer ist. Es dürfte deshalb das ideale Einstiegsbier in die Welt der Sauerbiere sein, denn süffig ist es, fruchtig, mit schönem Malzkörper und guter Länge. Brauen kann er, der Fritz Wülfing, das steht außer Frage.

 

 

Drei Mal Bier: Kehrwieder SHIPAA, SHIPAC, SHIPAS

21/Mrz/14 09:24 kategorisiert in: Bier

Seit bald zwei Jahren wohne ich in Hamburg. Diese Stadt hat eigentlich Biertradition – es gab mal 500 Brauereien – doch als ich hier ankam, war nicht viel mit Tradition. Glücklicherweise hat sich hier in den letzten zwei Jahren etwas getan. Mittlerweile wird hier unter altem Namen aber mit komplett neuer Mannschaft und Investor im Hintergrund Ratsherrn gebraut. Das fände ich eigentlich gut, hätten die Investoren nicht auch gleich den Versuch unternommen, den Begriff Craft Beer für den deutschen Markt zu schützen. Das ist ihnen glücklicherweise vom Deutschen Marken- und Patentamt nicht genehmigt worden. Böse finde ich es trotzdem. Zusätzlich zu Ratsherrn gibt es seit einiger Zeit ein Duo namens Wesseloh und Matthies, die ihre Brauerei, die streng genommen erst noch eine werden muss, Kehrwieder Kreativbrauerei genannt haben. Kehrwieder, das ist der Name einer Insel an der Ausfahrt aus dem Hafen in die Elbe. Kreativ sind die beiden tatsächlich, denn es gibt mittlerweile sechs Biere, vier davon sind Indian Pale Ales mit Single Hops, also mit nur einer einzigen Hopfensorte und drei davon habe ich probiert. Alle drei Biere weisen einen bernsteinfarbenen Ton auf und haben eine feinporige, stabile, leicht cremefarbene Schaumkrone. Stammwürze, IBU und Alkohol sind bei allen drei praktischen gleich, sie werden im Prinzip gleich gebraut – bis auf den Hopfen. IBU liegt bei 65, die Stammwürze bei 16.8% und der Alkoholgehalt bei 7.5%.

shipa

SHIPAA
Die Abkürzung steht für Single Hops Indian Pale Ale Amarillo. Das Bier duftet schon aus der Flasche stark aromatisch. Da ist direkt viel Frucht im Glas, vor allem Orange, Mango, etwas Limette. Am Gaumen verbindet sich die Frucht mit einer angenehm intensiv herben Note. Zitrus und Pfirsich dominieren den Gaumen, dann entwickeln  sichleicht  herbe Kräuternoten. Das Bier ist nur leicht karamellig, immer bleibt das Herbe im Vordergrund, das Bier wirkt cremig im Mund und dank der ausgewogenen Kohlensäure immer frisch und hopfig, allerdings auch etwas süß, was der Pfirsichnote geschuldet ist, die zudem schnell etwas unnatürlich wirkt.

(Amarillo Doldenhopfen aus den USA: wächst bisher nur auf der Farm von Virgil Gamache in Washington, typische für amerikanische IPAs. Aromen: Orange, Zitronen, Blumen, Mango)

SHIPAC
Bei diesem Bier steht der letzte Buchstabe für Cascade, einem der bekanntesten Hopfen der amerikanischen Craft-Beer-Szene. Der typische Duft dieses Hopfen ist Litschi, Zitrone und Harz, wie in einem leicht geharzten Retsina. Genau so duftet das Bier denn auch. Auch hier dominiert wieder das Herbe am Gaumen, die karamellige Süße wirkt etwas dominanter, am Gaumen ist das Bier nicht so fruchtig, wie die Nase vermuten ließ. Zitronen ja, etwas Grapefruit, aber weniger Litschi. Außerdem ist es etwas kurz. Doch auch hier stimmen das cremige Mundgefühl und die Kohlensäure.

(Cascade Doldenhopfen aus den USA: Typisch für amerikanische Craftbeers, beliebt in der Hobbybrauerszene weil sehr blumiges und auch würziges Aroma: Litschi, Grabfruit, Blumen, Zitronen, leichte Bitterkeit)

SHIPAS
Schließlich das Simcoe Single Hop. Hier bestimmen Maracuja, Papaya und Ananas das Duftbild, unterstützt von Grapefruit und etwas Malz. Am Gaumen hat das Bier eine zunächst erstaunliche Süße, eine Honigsüße, hinter der aber kurze Zeit später die herben Noten hervortreten. Dann auch hier wieder Maracuja, Grapefruit, etwas Kräuterwürze und immer mehr herber Hopfen. Das Bier wird nach der ersten Süße erstaunlich bitter. Auch hier stimmt die relativ starke Kohlensäure und macht das Bier erfrischend.

(Simcoe Doldenhopfen aus den USA: Typisch für amerikanische Craftbeers, typische Aromen: Grapefruit, Maracuja, Kiefer (auch das Harz), mittlere Bitterkeit)

Gebraut werden die Biere übrigens bisher nicht in einer eigenen Brauerei, denn die gibt es noch gar nicht. Die beiden Brauer sind seit einiger Zeit auf der Suche nach einem geeigneten und bezahlbaren Ort in Hamburg. wer ihn vermittelt, bekommt ein eigenes Glas in der Brauerei, das einmal pro Tag gefüllt wird, solange die Kehrwieder Brauerei besteht. Das Bier wird momentan bei befreundeten Winzern ins Dänemark gebraut. Und zwar im Fanø Bryghus, wo allerdings kein Däne am Braukessel steht sondern der Österreicher Martin Simion.

Was mir bei allen drei Bieren aufgefallen ist, ist die Stimmigkeit der Kohlensäure und auch der etwas zu kurze Abgang. Da würde ich sagen, ist noch etwas Luft nach oben. Ansonsten ist es interessant, die drei Biere mal direkt nebeneinander zu probieren, am besten noch mit dem neuen, vierten Bier dazu, das mit der neuen deutschen Hopfensorte Hüll Melon gebraut wurde. Die drei Biere sind durchaus unterschiedlich in ihrer Ausprägung der fruchtig- expressiven Aromen. Genauso auch in der Form der Herbe bzw. Bitterkeit. Mir persönlich hat die Cascade-Variant am Besten gefallen, was wohl an der etwas harzigen Note liegt, die Cascade gerne hat, und die der verspielten Frucht eines amerikanisch geprägten IPA etwas entgegen tritt.

Drei Mal Bier: Hopfenstopfer Seasonal Ale, Brauprojekt 777 IPA, Ola Dubh 1991

06/Jan/14 21:32 kategorisiert in: Bier

Im Hause Originalverkorkt gab es über die Festtage mitnichten nur Wein. Und außerdem sind Bierempfehlungen absolut überfällig. Also, frisch zum Jahreswechsel ein Überblick über drei Biere:

drei_mal_bier_ola_dubh

Der erste Bier stammt von Thomas Wachno, dem Braumeister der baden-württembergischen Häffner-Bräu, der unter dem Namen Hopfenstopfer eigene Pale Ales braut. Er hat für die  kühlere Jahreszeit ein Saisonbier gebraut, bleibt dem amerikanischen Ale-Stile dabei aber klar verpflichtet. So finden sich hier Amarillo, Citra, Cascade und Chinook vereint mit diversen Karamellmalzen, die dem Bier eine bräunlich-dunkle Farbe mit Bernsteinreflexen verleihen. Orangenschalen bestimmen das Duftbild, ergänzt mit süßem Gebäck, Karamell, Mango und dunklen Beeren.  Am Gaumen drängt sich die Süße in den Vordergrund, die Herbe bleibt trotz IBU 50 deutlich hinter der Süße zurück, die vor allem dadurch so präsent ist, weil es dem Bier ein wenig an Kohlensäure ergo Frische mangelt. Das Bier mit 8,2% Alkohol verbindet am Gaumen die Mango und die Orangenschalen aus dem Duft mit mehr Limette, Pfirsich und vor allem Malz. Zum Ende hin wird die Bitternote erfreulicherweise dominanter, was den etwas zu süßen Charakter relativiert. Auch wenn es dem Bier etwas an Süffigkeit fehlt, ist es trotzdem eine klare Empfehlung zur kühlen Jahreszeit.

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Deutlich frischer kommt das IPA vom Niederrhein daher. Das Brauprojekt 777 hat ein Freund von mir für sich entdeckt und ich kam schon zwei Mal in den Genuss dieses gut gemachten Ales. Ale ist dort übrigens bei weitem nicht alles, was in der Mikrobrauerei in Spellen gebraut wird. Soweit ich das sehe, ist allerdings im Moment noch sehr schwer heranzukommen, denn verkauft wird bisher nur ab Brauerei und dann auch nur nach Brauterminen. Ein Blick auf die News-Seite sei allen Bier liebenden Rheinländern jedoch eraten, lohnt es sich doch auf jeden Fall, Produkte dieses Brauprojektes, dessen Geschichte man hier nachlesen kann, kennenzulernen. Das IPA ist eindeutig auf der frischen und erfrischenden Seite. Cascade liefert hier deutliche Zitrus- und vor allem Litschi-Aromen, Saphir, Citra und Styria Golding runden es ab. Gebraut wird mit Pale Ale-, Pilsener- und hellen Karamell-Malzen. Die Kohlensäurenmenge ist stimmig und liefert zusammen mit den Zitrus und hellen exotischen Noten einen erfrischenden Gesamteindruck am Gaumen, zudem hat es eine schöne Länge und feine, nicht übermächtige Bitternoten. Der Alkohol liegt bei 8%,  die Stammwürze bei 18% und IBU bei 74. Man kann Braumeister Arne Henschke und Freunde nur zu diesem Projekt beglückwünschen.

ola_dubh_1991

Das dritte Bier im Bunde ist für mich keins, das ich einfach so aus Spaß wegtrinken würde. Dafür hat es allerdings das Zeug zum exzellenten Essensbegleiter. Das Ola Dubh 1991 aus der Harviestoun Brewery in Schottland ist ein Porter mit 10,5% Alkohol und 40 IBU. Es wurde aus Galena-, East Kent Goldings- und Fuggleshopfen mit Malz von gerösteter Gerste und Hafer gebraut. Der Clou ist, dass das Bier 6 Monate lang in Whisky-Fässern aus 1991er Highland Park Single Malt gelagert wurde. Dies verleiht dem Bier eine leichte Whisky- und ich würde sagen Sherry-Note, allerdings ohne auch nur eine Spur penetrant zu wirken. Überhaupt ist hier die Ausgewogenheit zwischen Süße und Bitterkeit hier stimmig. Das Bier selbst ist fast schwarz mit einem leichten, an Malzbier erinnernden Schaum. Es macht schon für sich satt passt aber exzellenten zu Braten, bei dem ich das Bier zusätzlich für die Sauce verwenden würde. Im Duft Malz, etwas Whisky, Holz, Schokolade, etwas Süßholz, etwas Orange, am Gaumen fast ölig dicht und schwer, jedoch keineswegs alkoholisch. Die Brewery wurde übrigens 1983 von Ken Brooker in Alva in Schottland gegründet. Das Ganze begann, wie so oft in einer Garage und zog 1986 in ein altes Farmhaus um. 1991 hat man die unpronouncable beer name strategy aus der Taufe gehoben, die erstaunlicherweise nicht zum Umsatzeinbruch geführt hat, obwohl sich schon Engländer Namen wie Ptarmigan oder Zymatore kaum merken können. Der Name des klassischen Porters dagegen ist eingängig, es nennt sich Old Engine Oil. Heute ist die Brauerei, die 2006 an die Caledonian Brewing Company erkauft wurde, mit 17 Mitarbeitern bereits vergleichsweise groß.

Apropos Kölsch: 111 x Lecker, 1 x Malzmühle und 1 x frohes Fest

24/Dez/13 13:37 kategorisiert in: Bier, Bücher

Wo ich mit dem letzten Artikel schon in Köln angekommen bin, folgt gleich noch eine passende Buchempfehlung, zumindest zu Nachweihnachten (schließlich gibt es zu Weihnachten ja häufig Gutscheine oder man muss etwas in der Buchhandlung seiner Wahl umtauschen).

lecker

Es ist immer so eine Sache, über Orte und Restaurants zu lesen, die man teilweise kennt und an denen lieb gewordene Erinnerungen haften. Dann kommt, gerade zur Weihnachtszeit bei mir eine leicht sentimentale Stimmung auf. So ist 111 MAL LECKER ESSEN IN KÖLN aus dem Kölner Emons Verlag für mich ein Buch mit vielen kulinarischen Bekannten, doch auch mit diversen Unbekannten und mein Freund Torsten Goffin hat dort zusammen mit dem umtriebigen Carsten (Sebastian) Henn einen Pfad durch den Dschungel der Kölner Gastronomie geschlagen. Schon auf den ersten Seiten wird für mich klar: dieses Buch ist ein Glücksfall. Denn erstens sind diese beiden Autoren gastronomisch beschlagen – ok, das sollte man auch voraussetzen bei einem solchen Führer.

Doch zweitens haben sie kein Problem damit, auch eine Frittenbude, den Frikadellenmann oder eine Currywurst zu empfehlen. Und das ist genau und exakt das, was ich sonst regelmäßig vermisse und weswegen solche Hefte wie der Feinschmecker bei mir nicht auf dem Tisch landen. Denn gibt einfach zu viele Publikationen, in denen zwar gerne der letzte Schrei aus der Küche Paraguays abgebildet ist, vollfarbig und mehrseitig, aber Küche für mich als Normalo gänzlich fehlt. Ich aber wüsste gerne, wo ich in einer Stadt wie Köln einfach mal eine gute Falafel bekomme oder mittags eine vernünftige Suppe. Torsten Goffin und Carsten Henn haben dies herausgefunden bzw. wussten es möglicherweise schon vorher und haben es noch mal abgeglichen. Die feinere Küche wird dabei übrigens nicht gänzlich außer acht gelassen, doch bildet sie eben nicht den Schwerpunkt, was auch deswegen nachvollziehbar ist, weil es zur Haute Cuisine eh schon genug Literatur gibt.

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Der dritte Glückfall ist, das beide schreiben können und das ist nun wirklich nicht die Alltäglichkeit bei solchen Führern. Man merkt ihnen den Spaß an und sie können diesen in Worte fassen. Und wir, die wir Köln vielleicht schon gut zu kennen glauben oder möglicherweise auch noch gar nicht, wir können uns das nächste Mal mit Himmel un Äd, mit Sauerbraten oder auch gutem Curry den Bauch vollschlagen und müssen gar nicht erst lange suchen. Dabei fällt mir noch einen weiterer, nicht zu unterschätzender vierter Glücksfall ein: Torsten Goffins Blog ist so etwas wie die Fortführung des Führers mit anderen Mitteln. Denn eigentlich ist ein solcher Führer ja mit seinem Erscheinen schon wieder veraltet. Nicht so dieser, denn man kann davon ausgehen, das man beim Verfolgen von Torsten Goffins Blog Allem Anfang… beachtenswerte Änderungen der Kölner Gestronomie mitbekommt.

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Weil man beim Lesen durchaus in  Trinklaune kommen kann, habe ich mir dazu ein besonderes Bier geöffnet. Es ist eine Spezialabfüllung der Kölner Brauerei Malzmühle (findet im Buch Erwähnung auf Seite 71) Das Bier wird dort nur ab und zu gebraut. Es ist kein einfaches Kölsch und deshalb heißt es auch nicht Mühlen, vielmehr kommt es mit Champagner-Korken daher und mit Agraffe, nennt sich von Mühlen und wurde mit Champagnerhefen vergoren. Entsprechend hat das Bier eine feine Perlage. Im Duft und Geschmack ist es fruchtig, erinnert ein wenig an Steinobst mit ein wenig Zitrus, nein Grapefruit, und fällt am Gaumen vor allem durch seine Cremigkeit bei gleichzeitiger Frische auf. Ein gutes Bier ist das, aber es hat seinen Preis und so muss man für die Flasche €14,99 berappen. Auf der Website der Malzmühle ist das Bestellen irgendwie möglich, aber umständlich.

Mir bleibt am Vorabend des Weihnachtsfestes nur, Euch und Ihnen einen gutes, und frohes solches zu wünschen, hoffentlich mit einem gelungenen Festtagsschmaus und einem schönen Wein im Glas!


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