originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Drei Mal Bier: Pilsss vom Brauprojekt 777, Schönramer Grünhopfen Pils und Ratsherrn Lager

15/Okt/14 12:30 kategorisiert in: Bier

Neben dieser mittlerweile großen Anzahl heimischer, europäischer und Überseeischer Variationen von Pale ales, Indian Pale Ales, Porter, Saisonbiern usw. kann man schon mal vergessen, dass es ja auch noch die deutschen Klassiker gibt, die einer Generalüberholung oder zumindest einer Aufwertung bedürfen. Pils ist ja jetzt nicht per se langweilig, nur weil die Deutschen Generalbevollmächtigten für Fernsehbier daraus eine Einheitsplörre gebraut haben. Deshalb geht es im heutigen Teil der Serie Drei Mal Bier um Pils und Lager. Ich hätte ja gerne auch noch Export dabei gehabt, habe aber kein passendes gefunden. Eigentlich sind Pils, Export und Lager die drei gängigsten Bezeichnungen für Biere, die ab dem 19. Jahrhundert deutschlandweit gebraut wurden.

Pils

Es waren bayrische Braumeister, die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Böhmen auswanderten und dort nicht nur exzellentes weiches Wasser vorfanden sondern auch den charakteristischen böhmischen Hopfen, der dann Verwendung im Pilsener Urquell fand – erstmals gebraut im Jahre 1842. Das stark gehopfte, bittere Bier fand im Deutschen Reich zunächst wenig Anklang. Man war eher Gose, Berliner Weiße oder ähnlich zurückhaltende Biere gewöhnt. Erst in den 1870ern wurde Pilsener von Berlin aus Mode. Bis heute gilt für Pils die untergärige Brauart mit bestimmten ursprünglich böhmischen Hopfensorten.

Auch das Export ist ein hopfenbetontes untergäriges Bier, das eine hohe Stammwürze aufweist. Das Export war, wie der Name suggeriert, für den Export gedacht. Dazu wurde das Bier stark eingebraut, um es bei Reisen lagerfähig zu machen und, um es am Bestimmungsort mit dortigem Wasser wieder zu strecken. Im Deutschsarachigen Raum steht das Export für Wiener, Münchener und Dortmunder Brauarten. In anderen Ländern wird der Begriff häufig für Starkbiere verwendet.

Lagerbier ist eigentlich der Oberbegriff für lagerfähige, stärker gehopfte und würzige untergärige Biere wie Pils und Export. Das Bier wurde traditionell in der Brauerei gelagert und gereift. Heute wird der Begriff stärker im Gegensatz zum Pils verwendet. Beides ist zwar Untergärig mit einer Stammwürze von 11 bis 14%, jedoch ist ein Lager heute nur noch schwach gehopft. Im englischsprachigen Raum wird das Lager dagegen auch heute noch im traditionellen Sinn verwendet.

ratsherren_lager

Ratsherrn Lager
Dieses Bier der Ratsherrn sollte auf jeden Fall vor dem Pils getrunken werden, denn es ist leichter und weniger bitter. Das orangene Bier hat eine leicht malzige Toastnote, wirkt leicht säuerlich und grasig, bevor Bisquitnoten, rote Frucht, Zitrus und Toffee einsetzen. Das Lager ist moderat bitter, etwas süßlich und auch im Mund fruchtig – einfach, nicht sonderlich bitter, stiltypisch und gut. Der Alkoholgehalt liegt bei 5.4% und die Bittereinheiten bei 22.

lass_zischen

Brauprojekt 777 Pilsss
Die kleine Brauerei in Voerde am Niederrhein braut ja ein Mal im Monat nach Lust und Laune verschiedene Bierarten wie IPA, Red Ale, Alt, Single Hop oder eben auch Pils. Das Pils erscheint unfiltriert und entsprechend leicht trüb und dunkel. Es riecht nach würzig-kräutrig mit deutlichem bitterem Hopfenakzent. Am Gaumen zunächst eine ganz leichte Süße, Getreide und ein Hauch von Salz. Dann setzt die herbe Würze ein. Die Bitternote ist deutlich, dazu kommt ein Hauch von Zitrus. Das Bier hat einen guten, langen und betont bitteren Nachhall. Ein echtes Pils. Der Alkoholgehalt liegt bei 5%. Die Stammwürze bei 12% und die Boittereinheiten bei 36 IBU. Es wurden Pilsener-, Münchener- und helles Karamell-Malz sowie Tradion-, Willamette- und Herkuleshopfen verwendet.

gruenhopfen

Schönramer Grünhopfen Pils
Die Schönramer Brauerei taucht in meiner Reihe erstaunlicher Weise das erste Mal auf, obwohl sie für mich zu den besten Brauereien in Deutschland zählt. Eigentlich ist dies eine Chiemgauer Traditionsbrauerei, die sich aber mit Eric Toft einen Braumeister leistet, der aus den USA stammt. Damit verbindet sie Tradition und morderne Bierstile auf eine Weise, wie das kaum jemand sonst hinbekommt. Das zeigt auch dieses Pils, bei dem nicht etwa getrockneter Hopfen (wie sonst meist üblich und auch beim traditionellen Schönramer Pils gemacht) verwendet wird, sondern frischer vom Typ Spalter Select und Hersbrucker. Der Hopfendolden wird nicht nur beim ersten Einbrauen verwendet, sondern noch mal beim Abläutern. Das Bier erscheint kräuterwürzig mit Zitrus- und Grapefruitnoten, dazu deutlich bitter, wie es eben bei einem Pils sein soll. Das Bier hat ein angenehm zurückhaltendes und doch präsentes malziges Gerüst mit einer ganz leichten Süße. Vor allem ist dieses Bier auch dank der Zitrusnoten ultrafrisch mit schlankem Körper und feiner Frucht. Ich würde ohne zu zögern behaupten, dass das das beste Pils ist, was ich bisher getrunken habe. Der Alkoholgehalt liegt bei 5%. Die Stammwürze ist mit 11,9% angegeben und die Bittereinheit mit 45.

 

 

Karte der Craft-Beer-Hersteller

06/Sep/14 22:15 kategorisiert in: Bier

Habt Ihr Euch schon mal gefragt, wo in Eurer Nähe handwerklich Bier gebraut wird? Oder ob dort, wo Ihr Euren Urlaub verbringen werdet zufälligerweise eine Mikrobrauerei ihr Bierwesen treibt? Oder es vielleicht einen Landgasthof mit einem entsprechenden Bierausschank gibt?

mikrobrauereikarte

Hier entsteht gerade eine Landkarte, die Euch genau diese Fragen beantwortet. Sie ist noch beta, aber sie entwickelt sich – mit Eurer Hilfe.

Drei Mal Bier: Austmann Humbledugg, Tre Gamle Damer, Northumberland

01/Sep/14 12:30 kategorisiert in: Bier

Ein Austmann, das war früher eine Handlungsreisender, der vor allem im Ausland unterwegs war und, wenn er zurück nach Hause kam, viel zu erzählen hatte.

norweger_bier

Austmann steht seit Ende 2012 für eine kleine norwegische Craftbeer-Brauerei, die auf Ihrer Website allerdings nicht so viel zu erzählen hat. Was ich erfahren habe ist, dass es drei Jungs aus Trondheim sind, die hier Craftbeer brauen. Laut ratebeer gibt es schon über dreissig verschiedene Abfüllungen, die Drei sind also experimentierfreudig. Hier in Deutschland gibt es bisher vier Biere, von denen ich drei vorstelle – das vierte, ein Blaubeer-Stout, kommt später an die Reihe.

humledugg

Austmann Humbledugg IPA
Das Indian Pale Ale mit dem Namen Hopfentau wird mit den Aromahopfen Magnum, Waimea, Pacifica und Cascade gebraut. Neben zwei typischen amerikanischen Hopfen gibt es hier zwei aus Neuseeland. Und wie wir das schon von neusseländischen Sauvignon Blanc kennen, hat auch das Bier eine deutlich exotische Note. Im Glas ist es dunkel orange, so Richtung Bernstein mit einer ziemlich festen, etwas ins Bräunliche gehenden Schaumkrone. Es duftet schon aus dem Glas heraus deutlich exotisch fruchtig nach Limetten, Grapefruit, Ananas, etwas Maracuja und Karamellzucker.

Im Mund ist es deutlich unspektakulärer, als ich es vom Duft erwartet hätte. Weniger tropische Frucht, eher ein bisschen floral mit Aprikosen, ziemlich trocken aber mit einem unschönen Hefeton und einer nicht ganz ausgewogenen Bitterkeit. Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht besonders gelungen. Der Alkoholgehalt liegt bei 6,5%.

belgian_ale

Austmann Tre Gamle Damer Belgian Pale Ale
Die die alten Damen wurden zum ersten Mal bei der Eröffnung der Brauerei zu ehren jener Damen gebraut, die die Eröffnung, finanziell unterstützt haben. Das Bier für zwei Mütter und eine Tante wurde mit den Hopfensorten Waimea, Perle und Amarillo gebraut, sowie mit Münchner Malz, hellem Weizenmalz, Carapils, Pilsener Malz und Pale Ale Malz. Das Bier ist dunkel bernsteinfarben und ziemlich trüb. Die Schaumkrone ist niedrig und leicht cremefarben. Es duftet deutlich nach süßen Karamellmalzen mit einer leichten Gewürznote. Amarillo und Waimea, also tropische Hopfenaromen finden sich hier nicht.

Auch am Gaumen kaum eine Spur von Aromahofen. Das Bier wird von den Malzen und der belgischen Hefe bestimmt, das Bier hat eine leichte Süße und ist moderat bitter. Geschmacklich sind es eher moderat ausgeprägte heimische Steinobstsorten, Karamell, einige Gewürze und ein leicht floraler Ton. Das Ale hat eine schöne, cremige Textur und schmeckt ziemlich ausgewogen. Es ist deutlich gelungener als das IPA. Der Alkoholgehalt liegt bei 5,5%.

brown_ale

Austmann Northumberland Brown Ale
Benannt wurde das Bier nach der englischen Grafschaft, in der der auch der Stile des Brown Ales beheimatet ist. Für das Bier wurden sieben verschiedene Malze verwendet, Röstmalze, Karamellmalze, Schokoladenmalz. als Hopfen findet sich hier Magnum und Fuggle. Diese Malze geben dem Bier eine dunkelbraune Farbe, eine zurückhaltende, beige Schaumkrone und einen ziemlich komplexen röstig, schokoladig, moccaartigen Duft, bei dem aber eine leichte Säure mitschwingt, so dass ich nicht den Eindruck bekomme, das Bier wäre schwer und allzu konzentriert.

Genau das bestätigt sich im Mund. Der Geschmack ist nussig, mit Röstnoten, Espresso, etwas Hefe, leichter Süße und einer guten Säurebalance. Es ist trotz der Malze und der üppigen Geschmacksnoten angenehm leicht und frisch. Es ist mir Abstand das Beste der drei Biere und eine klare Empfehlung. Der Alkoholgehalt liegt bei 5,5%.

Ich habe die Biere in Bonn bei P&M bekommen. Im Netz gibt es die Biere bei Bier-Deluxe.

 

Das Einfache ist oftmals das Besondere – gute Pasta, eine Dose Sardinen, eine Flasche Rosé und ein Bier

08/Aug/14 12:30 kategorisiert in: Bier, Pinot Noir / Spätburgunder, Rosé

Die letzten zwei Wochen habe ich in meiner rheinländischen Heimat in Bonn verbracht und konnte nicht umhin, bei meinem früheren Feinkosthändler Olaf & Olaf vorbeizuschauen. Dort habe ich den Ziegenfrischkäse gefunden, den ich für den Rosé-Weinabend haben wollte, den ich für meine alte Bonner Weinrunde organisiert habe, und dessen Inhalt hier so nach und nach reintröpfeln wird.

wpid-wp-1407148009570.jpeg

Man geht bei Olaf allerdings nicht einfach so mit lediglich einer Portion Ziegenfrischkäse aus dem Laden und so sind mir ein paar Dinge an den Fingern kleben geblieben. Zum Beispiel die Sardinhas Petingas Picantes, scharf eingelegte, extra kleine und feine Sardinen des portugisischen Vertriebs José, dessen aufwändig gestaltete Verpackung fast so gut ist, wie der Inhalt. Diese Sardinen mitguter Pasta, dem Öl, der Chili und den weiteren eingelegten kleinen Gemüse aus der Dose – mehr braucht es nicht, um glücklich zu sein.

Ach doch, ein passendes Getränk wäre schön. ich habe zwei ausprobiert. Da wäre zum einen eine Flasche Enderle & Moll Spätburgunder Rosé 2012, den ich ein paar Tage zuvor bei Surk-ki Scharade in der Vincaillerie in Köln mitgenommen habe. Surk-ki, die Frau mit dem ungewöhnlichen Namen, gehört hier in Deutschland zu den Naturweinvertreibern der ersten Stunde und überzeugt mittlerweile auch deutsche Winzer, in Sachen Naturwein immer stärker die Grenzen auszuloten. Sven Enderle ist einer davon, und der macht mit seinem Kompagnon Florian Moll seit Jahren immer bessere und charaktervollere badische Spätburgunder. Im letzten Jahr haben die beiden für Sur-ki zum ersten Mal eine Charge Grauburgunder ungeschwefelt abgefüllt – ein Experiment, das wohl keine Eintagsfliege bleiben wird.

Der Rosé der beiden kommt immer dann zustande, wenn die Spätburgundertrauben nicht dem entsprechen, was er für seine Rotweine haben will. Das ist nicht direkt Ausschussware sondern hängt mit einem bestimmten Geschmacksbild zusammen, dass die Trauben nach der Lese bieten. Wenn die Trauben nicht so schmecken, wie Sven es sich vorstellt, wird es Rosé. Mehr als 30 bis 40 Hektoliter pro Hektar kommen auch für den Rosé nicht zustande und entsprechend intensiv ist der Wein. Der 2012er kombiniert viel Himbeerfrucht mit Kräutern, Stein und einem guten Schuss Minze. Die Intensität und Frucht passt ziemlich gut zu den scharfen Sardinen. Der Rosé hatte genügend Kraft und die saftige Frucht hielt die Schärfe in Schach.

Ziemlich spektakulär war das Pfefferbier vom weißen Kampot-Pfeffer, dass freigeist Bierkultur in der Braustelle Köln gebraut hat. Die Braustelle Köln mit Sebastian Sauer und Peter Esser ist für mich im Moment eine der, wenn nicht die ungewöhnlichste Brauerei in Deutschland. Ich will nicht sagen, Pale Ale kann mittlerweile jeder und ist schon ein alter Hut, aber was in der Braustelle passiert, geht weit über die Interpretation englischer und amerikanischer Brautradition hinaus. Hier wird wirklich experimentiert – und zwar mit dem Wissen um alte Braukultur und Brauverfahren in Deutschland. Eines dieser mehr als gelungenen Experimente war eine Serie von Pfefferbieren mit schwarzem, weißem und rotem Pfeffer, die hier entstanden sind und die, wie schnell klar wurde, exzellente Essensbegleiter sind. Diese Biere sind zusammen mit Hennes Finest entstanden und dieser Laden ist der vielleicht beste Pfefferimporteur der Republik. Das klingt jetzt alles nach ein bisschen viel Superlativen, aber was soll ich sonst sagen? Das Freigeist Bierkultur Kampot White ist einfach sehr gelungen – und das auf Grund der Braukunst und der besonderen Inhaltsstoffe. Freigeist verbindet kambodschanischen Pfeffer mit dem typischen Aroma eines Weißbieres und man hat so einen Effekt wie Erdbeeren mit grünem Pfeffer – nur besser. Erst kommt ein wtf? Und dann leuchtet die Birne der Erkenntnis auf: Es kommt zusammen, was zusammen gehört. Der Pfeffergeschmack ist jedenfalls sehr gut abgestimmt. Er ist präsent, aber nicht überbordernd, die Schärfe passt zur Süße des Bieres und beides wiederum zu Sardinen und Chili. Vielen Dank an Torsten, der mir eine Flasche hat zukommen lassen.

Den Rosé gibt es, wie gesagt, bei La Vincaillerie für nen 10er. Das Bier dürfte momentan kaum noch zu bekommen sein doch die Pfefferbiere sollen neu aufgelegt werden.

 

 


Weiterblättern »