originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Drei Mal Bier: Ø-Bryg – Dampskipsøl, Emelisse – Smoked Rye IPA, Malmgård – Ceci n’est pas une Belge

14/Nov/14 12:30 kategorisiert in: Cascade, Drei Mal Bier, Hopfensorten, Nelson Sauvin, Simcoe, Tradition

Draußen hat der Herbst längst Einzug gehalten und wir müssen zwischenzeitlich schon mal die Heizung aufdrehen. Gerade hier in Hamburg pfeift es gerne mal kalt durch die Gassen und da macht es Spaß mal einige Biere probieren, die eher zum Herbst als zum Sommer passen. Die ersten der Herbst-Reihe bilden zwei rauchige Biere und ein Starkbier aus Finnland.

Drei_Mal_Bier_Bryg_Belge_Emelisse

Ø-Bryg Dampskipsøl
Tja, da wo Steam Beer draufsteht ist nicht unbedingt Dampfbier drin und schon gar keins, dass an das traditionelle Brauverfahren aus Franken erinnern würde. Steem Beer ist eine kalifornische Bierart, und zwar so eine für Blue Collar Worker, also ein einfaches Arbeiterbier, eine Mischung aus Lager und Ale. Der Biertyp ist zu einer Zeit entstanden, wo man in Kalifornien einfach keine Möglichkeiten des kühlen Brauens hatte. Das Land ist heiß und es gab keine Kühlmöglichkeiten. Also hat man auf bestimmte Lager-Hefen zurückgegriffen, die eine Fermentation auch bei höheren Temperaturen erlaubt.

Der Däne Erik Nielsen hat seine Ein-Mann-Brauerei 2010 in der dänischen Hafenstadt Svendborg gegründet und braut bei Œrbæk. Erfahrung hat er im Heimbrauen seit 2001 gesammelt, dann aber irgendwann den Sprung in die Selbständigkeit gewagt. Sein 2010 erschienen erste Bier. Das Brown Ale wurde denn auch direkt als bestes neues Bier Dänemarks ausgezeichnet, womit eine kleine Erfolgsgeschichte begann. So wird es wohl auch nicht mehr lange dauern, bis er seine eigene Anlage hat um nicht mehr anderswo brauen zu müssen.

Bryg_Dampskipsol

Das Dampfschiffbier hat einen Alkoholgehalt von 5,5% und einen IBU von 30. Nielsen verwendet Pale-Ale- und Cara-Munich-Malz sowie Nelson-Sauvin-Hopfen aus Neuseeland. Das Bier ist dunkel-bernsteinfarben mit mittlerer Schäumung. Der duft ist zitronig mit leicht herber, kräutriger Note und einer leichten Karamellsüße. Ähnlich am Gaumen: Noten von Karamellmalz, etwas zitronig, leicht herb, die Zitronen werden von Grapefruit ausgetauscht, in denen ein paar Tannennadeln stecken. Zum Schluss wird es noch ein wenig herb bei gleichzeitig malziger Süße. Man kann es schon lesen, es ist kein Bier, das mich wirklich begeistert hat. Es ist natürlich auch kein typisches Steambeer, wie es früher gebraut wurde, da ist es dann schon komplexer. Es ist allerdings auch kein Dampfbier, wie ich es erwartet hatte. Es ist solide, aber nicht begeisternd.

Emelisse Smoked Rye IPA
Das ändert sich schlagartig beim zweiten Bier des Abends. Es stammt von den ziemlich umtriebigen Brauern der Emelisse-Brauerei in Kamperland. wer mal bei ratebeer reinschaut kann sehen, was ich meine. Da sind bestimmt drei Dutzend Biere aufgeführt. das bürgt natürlich nicht für Qualität, aber die steckt in dieser Flasche auf jeden Fall drin. Das Smoked Rye greift eine alten Brautradition auf, weil früher viele Biere deshalb einen leichten Rauchton hatten, weil das verwendete Getreide geröstet worden war. Weshalb? Weil es in dem Teil von Holland feucht und tendenziell kalt ist und das feuchte Getreide über offenem Feuer getrocknet wurde.

Emelisse_Smoked_Rye

Emelisse hat für das Bier 20% Roggenmalz und 10% Bamberger Rauchmalz verwendet. Dazu kommt IPA-Hopfen der Typen Simcoe und Cascade. Das Bier hat 6,2% Alkohol bei IBU 55. Um es vorab zu sagen, wer auf Dampfbier aus Bamberg und Umgebung steht, wird bei diesem Bier nicht das finden, was er erwartet. So stark ist der Einfluss des Rauchs nicht. Außerdem ist es natürlich ein IPA, was auch nix mit Rauchbier zu tun hat. Was ich hier gelungen finde, ist die Kombination aus diesem frisch-fruchtig-bitteren IPA und der leichten Rauchnote. In der Nase also die etwas schräge Mischung aus IPA-Mango und Grapefruit mit Bacon. am Gaumen leicht röstige Malznoten, leichte Mango-, Gapefruit- und Maracujanoten, dann Bitterstoffe und etwas weißer Pfeffer. Speziell, aber wirklich nett.

Malmgård Ceci n’est pas une Belge
Eigentlich ist Malmgård ein über vierhundert Jahre altes, historisches Anwesen mit 500 Hektar biologisch-organisch bewirtschafteter landwirtschaftlicher Fläche. Seit einiger Zeit aber betreibt Johan Creutz, der 16. Creutz, der das Anwesen führt, eine kleine Mikorbrauerei. Das Getreide für die Malze stammt vom eigenen Land und Creutz hat das Glück, über besonders gutes, weiches Wasser auf seinem Land zu verfügen. Seine Biere kommen ohne jede weiteren Zusätze aus und werden nicht filtriert.

Das Malmgård hat einen Alkoholgehalt von 8% bei 28 IBU. Es ist belgisch und auch wieder nicht. Daher der Name, der gleichzeitig eine Reminiszenz an den belgischen Maler René Magritte darstellt. Creutz verwendet hier eine spezielle belgische Hefe, heimisches Gerstenmalz und mir unbekannte Hopfensorten für diesen Ale-Stil. Das kupferfarbene Bier duftet nach Getreide, Hefe und leichter frucht von mürbem Apfel und Pfirsich. Am Gaumen kommen ein paar rote Beeren hinzu, etwas Wacholder und ansonsten wieder Apfel. Dominant ist auch hier eher die würzige Hefe und das Gerstenmalz, unterstrichen von einem Pfefferton. Das Bier endet leicht süß und erdig. Schön, balanciert, schöne Länge, der Alkohol schlägt nicht durch.

Die Biere habe ich bei Bier-Deluxe erworben.

 

Drei Mal Bier: Buddelship Mitschnagger, Blanker Hans, Brügge

Die Hamburger Bierszene ist um zwei weitere Craftbeer-Brauereien reicher. Nach Ratsherrn und Kehrwieder heißen die beiden neuen Buddelship und Von Freude. Von Freude wird Thema eines späteren Artikels sein, hier geht es heute um drei Biere des Hamburgers Simon Siemsglüß, der bei einem längeren Aufenthalt in Kanada seine Liebe zu Craftbeer entdeckt hat. Eigentlich wollte er dort bleiben und schon dort mit dem Brauen anfangen, hat sich dann aber doch entschieden, sich in Berlin zum Brauer ausbilden zu lassen um dann an diversen weiteren Stationen im Ausland Erfahrung zu sammeln. Zum Beispiel bei Evin O’Riordain von The Kernel, einer der für mich besten Brauereien, die es momentan gibt.

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Nun ist Siemsglüß zurück in der Hafenstadt und hat in Stellingen eine alte Fischfabrik aufgetan, in der er ganz alleine seine 10-Hektoliter-Anlage konstruiert und aufgebaut hat. Das ist Craft, sprich Handwerk pur. Gebraut wird das obergärige Bier in offenen Gärbottichen, das untergärige in zylondrokonischen Tanks. Siemsglüß baut zwei Linien auf. Im Heimathafen gibt es heimische Biere wie Pilsener, Weiße oder Rotbier, Auf hoher See finden sich dann die exotschen Biere wie IPA oder Saisonbiere.

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Buddelship Mitschnagger Pils
Zu den typischen Bieren des Nordens gehört das Pils in einer besonders herben, nordisch kühlen Art. Siemsglüß‘ Pils ist eher moderat hopfig und deutlich malzig. Es schmeckt nach Getreide, Zitrus mit grasigen Noten und einer ganz leichten Süße und einer angenehm präsenten Kohlensäure. Das ist ein ehrliches, gut gemachtes Pils mit 5,3% Alkohol, 12,5% Stammwürze und ca. 40 Bittereinheiten. Siemsglüß verwendet hier Hopfen der Sorte Northern Brewer, Saphir und Saaz.

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Buddelship Blanker Hans Weißbier
Auch die Weiße, man glaubt es kaum, hat ihre Tradition im Norden und ist nicht etwa ein bayrisch-fränkisches Phänomen. Mit dem Aussterben der vielen Brauereien im Norden ist jedoch irgendwann auch die Weiße praktisch gänzlich verschwunden. Mit Ratsherrn (ganz seltsame Weiße, ehrlich) und dem Blanken Hans kommt das Bier langsam zurück nach Hamburg. Überzeugt hat mich jedoch auch diese Weiße nicht. Sie schmeckt insgesamt ziemlich unspektakulär fruchtig (Aprikose, Banane) und leicht süßlich malzig mit zurückhaltender Kohlensäure. Wirkt auf mich etwas parfümiert und war nicht mein Fall. Das Bier hat 5,3% Alkohol, eine Stammwürze von 13,5% und ca. 12 Bittereinheiten. Gebraut wird es mit Hallertauer Mittelfrüh.

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Buddelship Brügge Belgian Season
Diesen Bierstil dürfte Siemsglüß in Kanada schätzen gelernt haben, denn dort gibt es viel belgisch inspiriertes Bier wie beispielsweise das Saisonbier. dieses hier wird mit East Kent Golding, Citra und Galaxy gebraut und hat bei 5,6% Alkohol 13,5% Stammwürze und ca. 30 Bittereinheiten. Genutzt wird neben Pilsener-, Weizen-, Pale-ale- und Wiener Malz eine spezielle belgische Hefe. Das Bier wird nur kurz gelagert und hat den für Saisonbier typischen leichten Karamell-Geschmack. Brotkruste hatte ich in der Nase, Aprikose, Zitrone, Mango, Vanille, gelben Apfel und Gewürze. Am Gaumen weich mit leichter Herbe und balanciertem Kohlensäureeinsatz. Das ist ein tolles, harmonisches, im deutschen Biermarkt bisher selten anzutreffendes Bier, von dem ich gerne eine Kiste im Keller hätte.

In der Buddelship-Brauerei geht es übrigens Ende des Jahres weiter mit heimischen Biersorten (Schwarzbier und Rotbier) sowie einem Pale Ale und einem Gotland-Porter. Ich bin gespannt.

Drei Mal Bier: Pilsss vom Brauprojekt 777, Schönramer Grünhopfen Pils und Ratsherrn Lager

Neben dieser mittlerweile großen Anzahl heimischer, europäischer und Überseeischer Variationen von Pale ales, Indian Pale Ales, Porter, Saisonbiern usw. kann man schon mal vergessen, dass es ja auch noch die deutschen Klassiker gibt, die einer Generalüberholung oder zumindest einer Aufwertung bedürfen. Pils ist ja jetzt nicht per se langweilig, nur weil die Deutschen Generalbevollmächtigten für Fernsehbier daraus eine Einheitsplörre gebraut haben. Deshalb geht es im heutigen Teil der Serie Drei Mal Bier um Pils und Lager. Ich hätte ja gerne auch noch Export dabei gehabt, habe aber kein passendes gefunden. Eigentlich sind Pils, Export und Lager die drei gängigsten Bezeichnungen für Biere, die ab dem 19. Jahrhundert deutschlandweit gebraut wurden.

Pils

Es waren bayrische Braumeister, die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Böhmen auswanderten und dort nicht nur exzellentes weiches Wasser vorfanden sondern auch den charakteristischen böhmischen Hopfen, der dann Verwendung im Pilsener Urquell fand – erstmals gebraut im Jahre 1842. Das stark gehopfte, bittere Bier fand im Deutschen Reich zunächst wenig Anklang. Man war eher Gose, Berliner Weiße oder ähnlich zurückhaltende Biere gewöhnt. Erst in den 1870ern wurde Pilsener von Berlin aus Mode. Bis heute gilt für Pils die untergärige Brauart mit bestimmten ursprünglich böhmischen Hopfensorten.

Auch das Export ist ein hopfenbetontes untergäriges Bier, das eine hohe Stammwürze aufweist. Das Export war, wie der Name suggeriert, für den Export gedacht. Dazu wurde das Bier stark eingebraut, um es bei Reisen lagerfähig zu machen und, um es am Bestimmungsort mit dortigem Wasser wieder zu strecken. Im Deutschsarachigen Raum steht das Export für Wiener, Münchener und Dortmunder Brauarten. In anderen Ländern wird der Begriff häufig für Starkbiere verwendet.

Lagerbier ist eigentlich der Oberbegriff für lagerfähige, stärker gehopfte und würzige untergärige Biere wie Pils und Export. Das Bier wurde traditionell in der Brauerei gelagert und gereift. Heute wird der Begriff stärker im Gegensatz zum Pils verwendet. Beides ist zwar Untergärig mit einer Stammwürze von 11 bis 14%, jedoch ist ein Lager heute nur noch schwach gehopft. Im englischsprachigen Raum wird das Lager dagegen auch heute noch im traditionellen Sinn verwendet.

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Ratsherrn Lager
Dieses Bier der Ratsherrn sollte auf jeden Fall vor dem Pils getrunken werden, denn es ist leichter und weniger bitter. Das orangene Bier hat eine leicht malzige Toastnote, wirkt leicht säuerlich und grasig, bevor Bisquitnoten, rote Frucht, Zitrus und Toffee einsetzen. Das Lager ist moderat bitter, etwas süßlich und auch im Mund fruchtig – einfach, nicht sonderlich bitter, stiltypisch und gut. Der Alkoholgehalt liegt bei 5.4% und die Bittereinheiten bei 22.

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Brauprojekt 777 Pilsss
Die kleine Brauerei in Voerde am Niederrhein braut ja ein Mal im Monat nach Lust und Laune verschiedene Bierarten wie IPA, Red Ale, Alt, Single Hop oder eben auch Pils. Das Pils erscheint unfiltriert und entsprechend leicht trüb und dunkel. Es riecht nach würzig-kräutrig mit deutlichem bitterem Hopfenakzent. Am Gaumen zunächst eine ganz leichte Süße, Getreide und ein Hauch von Salz. Dann setzt die herbe Würze ein. Die Bitternote ist deutlich, dazu kommt ein Hauch von Zitrus. Das Bier hat einen guten, langen und betont bitteren Nachhall. Ein echtes Pils. Der Alkoholgehalt liegt bei 5%. Die Stammwürze bei 12% und die Boittereinheiten bei 36 IBU. Es wurden Pilsener-, Münchener- und helles Karamell-Malz sowie Tradion-, Willamette- und Herkuleshopfen verwendet.

gruenhopfen

Schönramer Grünhopfen Pils
Die Schönramer Brauerei taucht in meiner Reihe erstaunlicher Weise das erste Mal auf, obwohl sie für mich zu den besten Brauereien in Deutschland zählt. Eigentlich ist dies eine Chiemgauer Traditionsbrauerei, die sich aber mit Eric Toft einen Braumeister leistet, der aus den USA stammt. Damit verbindet sie Tradition und morderne Bierstile auf eine Weise, wie das kaum jemand sonst hinbekommt. Das zeigt auch dieses Pils, bei dem nicht etwa getrockneter Hopfen (wie sonst meist üblich und auch beim traditionellen Schönramer Pils gemacht) verwendet wird, sondern frischer vom Typ Spalter Select und Hersbrucker. Der Hopfendolden wird nicht nur beim ersten Einbrauen verwendet, sondern noch mal beim Abläutern. Das Bier erscheint kräuterwürzig mit Zitrus- und Grapefruitnoten, dazu deutlich bitter, wie es eben bei einem Pils sein soll. Das Bier hat ein angenehm zurückhaltendes und doch präsentes malziges Gerüst mit einer ganz leichten Süße. Vor allem ist dieses Bier auch dank der Zitrusnoten ultrafrisch mit schlankem Körper und feiner Frucht. Ich würde ohne zu zögern behaupten, dass das das beste Pils ist, was ich bisher getrunken habe. Der Alkoholgehalt liegt bei 5%. Die Stammwürze ist mit 11,9% angegeben und die Bittereinheit mit 45.

 

 

Karte der Craft-Beer-Hersteller

06/Sep/14 22:15 kategorisiert in: Drei Mal Bier

Habt Ihr Euch schon mal gefragt, wo in Eurer Nähe handwerklich Bier gebraut wird? Oder ob dort, wo Ihr Euren Urlaub verbringen werdet zufälligerweise eine Mikrobrauerei ihr Bierwesen treibt? Oder es vielleicht einen Landgasthof mit einem entsprechenden Bierausschank gibt?

mikrobrauereikarte

Hier entsteht gerade eine Landkarte, die Euch genau diese Fragen beantwortet. Sie ist noch beta, aber sie entwickelt sich – mit Eurer Hilfe.


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