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Rosé-Sommer: i Vigneri Vinudilice – in jeder Hinsicht extrem und einfach großartig

29/Aug/14 19:58 kategorisiert in: Alles Bio, Graciano, Minella, Rosé, Weinrallye

Es ist mal wieder Weinrallye-Zeit und das aktuelle Thema, dass culinary pixel a.k.a. Annette Sander ausgewählt hat, passt wunderbar in meine aktuelle Rosé-Sommer-Reihe. Weil das so gut zusammen passt, habe ich mir den vielleicht ungewöhnlichsten Rosé ausgesucht, den man überhaupt bekommen kann.

weinrallye

Im März habe ich eine Veranstaltung des Weinhändlers vinaturel besucht. Auf dieser Fachverkostung für Gastronomen und Sommeliers aus dem Großraum Hamburg standen jede Menge Weine über die ich gerne noch mehr als einen Nebensatz schreiben würde. Hier und jetzt aber geht es vor allem um einen Wein, den ich erst ganz zum Schluss probiert habe, der mich allerdings nachhaltig beeindruckt hat.

Es handeltsich um die 2013er Ausgabe des Rosé Vinudilice des sizilianischen Weinmachers und Beraters Salvo Foti. Dieser ist eine Institution unter Siziliens Winzern und berät eine größere Gruppe von Weinmachern (i Vigneri), die sich durchweg der Herstellung möglichst natürlicher Weine nach alter Tradition verschrieben haben. Dazu gehört unter anderem die Albarello-Bepflanzung in der die einzelnen Stämme in Buschform und mit ca. 10.000 Stück pro Hektar bepflanzt werden. Außerdem wird sehr viel Aufmerksamkeit auf die Rekultivierung alter Weinberge, vor allem am Etna gelegt und genau aus einem solchen Weinberg stammt dieser Rosé.

vinudilice_vier

Ich wenn ich den Wein im März probieren konnte hat es bis Juni gedauert, bis der Wein tatsächlich bei mir angekommen ist und es war bis Juni gar nicht klar, ob er überhaupt für die von mir ausgerichtete Probe im Juli zur Verfügung stehen würde. Also habe ich mich beizeiten um Alternativen bemüht und ein Mitglied von Salvo Fotis Winzergruppe I Vigneri auf der Vinitaly angesprochen. Es stellte sich heraus, dass ausgerechnet einer jener Winzer bzw. Unternehmer war, die bei mir in Hamburg die Enoteca I Vigneri und das Restaurant Gallo Nero führen. Und genau dort liegen, so erfuhr ich in Verona, noch kleine Kontingente Vinudilice aus den Jahren 2008 bis 2010 sowie, wovon ich noch gar nicht gehört hatte, ein Vino Spumante aus dem gleichen Weinberg.

Dieser Weinberg gehört mit seinen 1.300 Metern zu den höchsten in Europa und wurde vor knapp 200 Jahren als Gemischter Satz (Alicante, Graciano, Minella und andere)am nördlichen Etna angelegt. Er hat gerade einmal eine Fläche von 0,38 Hektar und die ältesten Stöcke sind so alt wie der Weinberg, der umgeben ist von Steineichen (Ilice). Der Wein wird so traditionell wie möglich in alten Holzbottichen verarbeitet, die Trauben mit Füßen gepresst, der Saft läuft natürlich ab, er wird nicht gefiltert oder geschönt und auch nur ganz zurückhaltend geschwefelt. 2009 hat Salvo Foti gar nicht geschwefelt – und das hat man dem Wein auch deutlich angemerkt.

vinudilice_erdbeersaft

So besonders die Rahmenbedingungen für diesen Wein sind, so besonders ist er selbst. Es ist definitiv in all seinen Facetten (2013, 2010, 2009, 2008 und Spumante) Rosé, wie man ihn so gut wie nie zu probieren bekommt.

Der Vino Spumante gehört zu den interessantesten Schaumweinen, die ich bisher aus Italien probiert habe. Fein, fast grazil mit einer ziemlich perfekten Säure, dann scheinen irgendwann die leicht oxydativen Noten durch, die vom Grundwein stammen, der in offen Bottichen vergoren wird. Im Gegensatz zum stillen Rosé wird der Schaumwein leicht gefiltert und strahlt in einem Lachston während der Stillwein eher aussieht wie verdünnter Erdbeersirup. Was mich hier, wie beim jungen 2013er beeindruckt ist die mineralische Note, die sich mit den leicht oxydativen Noten von Fallobst verbindet in das einige rote Früchte gerührt wurden über dann jemand eine ganze Menge Trockenkräuter gestäubt hat, und zwar die guten, die selbst in großen Bünden unter der Decke hingen. Schließlich hat dann noch jemand eine Zigarette mit Virginiatabak darüber gebröselt. Am Gaumen dann wirkt der Wein viel weniger oxydativ. Das gilt auch für den 2010er, bei dem vor allem am zweiten Tag die Virginatabaknoten voll durchkommen während der fast braune Apfel etwas in den Hintergrund tritt. Trotzdem hat man in der Nase dien reifen, süßen Noten von überreifem Kernobst. Süße auch am Gaumen, obwohl der Wein ziemlich durchgegoren sein dürfte. Man hat ihn sehr reif gelesen und trotzdem hat der Wein um die 12% Alkohol und eine sehr präsente Säure. Das strafft ihn, gibt ihm Druck trotz der Reife. Gerade beim 2010er fügt sich das zu einem harmonischen Gesamtbild. Dem 2009er merkt man an, dass er komplett ohne Schwefel verarbeitet wurde, er präsentiert sich etwas müde, während der 2008er noch in voller Pracht da steht, reif, dicht, tief, wie ein Tawny-Port-Rosé – aber ohne den Alkohol. Die Walnussnoten aber sind da und verbinden sich am Gaumen mit reifen roten Früchten und mit diesem etwas austrocknenden Zug bei dem ich immer glaube, der Wein muss mal eine Zeit im Ton oder so gelegen haben – hat er aber nicht. Das alles ist wild und ungewöhnlich und wunderbar. Solche Weine findet man einfach sehr, sehr selten.

Die aktuellen Jahrgänge des Vinudilice und anderer Weine der Winzergruppe findet man vinaturel, der 2013er ist aber schon ausverkauft denn e sgab lediglich 300 Flaschen. 2008, 2009, 2010 und Spumante gibt es bei I Vigneri/Gallo Nero für um die 40 Euro auf Anfrage.

Vielen Dank an Annette für die Ausrichtung der Weinrallye in diesem Monat. Bei ihr findet man hier auch den Hinweis auf alle anderen Beiträge.

Rosé-Sommer: Lagrein-Rosé von Martin Gojer

19/Aug/14 14:29 kategorisiert in: Alles Bio, Lagrein, Rosé

Eine der für mich spannendsten Neuentdeckungen auf der Vievinum war für mich ausgerechnet kein Österreicher, sondern ein Winzer aus Südtirol. Martin Gojer ist sein Name und er bewirtschaftet den Hof Pranzegg am Fuße des Kohler Berges bei Bozen. Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Gut gehört der Familie seit den 30ern. Bevor Martin 2009 seinen ersten Jahrgang heruasgebracht hat, hat er einige Jahre Vorarbeiten geleistet, neu angepflanzt, die Bewirtschaftung verändert und experimentiert.

Pranzegg_Jacob

Heute gibt es bei ihm vier Weine. Einen sensationellen weißen gemischten Satz names Caroline, auf denen ich an anderer Stelle zu sprechen kommen werde, eine rote Cuvée aus Vernatsch, Barbera und Lagrein names Campbill, einen Lagrein mit etwas Cabernet Franc und Teroldego namens Quirein und schließlich den Jacob, einen Rosé aus Lagrein, der nach der Kapelle St. Jakob in der Au in Zwölfmagrein benannt ist, an deren Rückseite sich der Weinberg befindet. Hier stehen 15 bis 40 jahre alte Lagrein-Rebstöcke auf Porphyrboden, deren Beeren im September geerntet und ins Betonfass gelegt werden.

Der 2013 Pranzegg Jacob Lagrein Rosé ist deutlich kantiger als sein abendliches Pendant, der Rosé von Manincor. Der Jacob ist etwas wilder, hat weniger Himbeer- denn Johannisbeernoten in der Frucht, und alleine diese Johannisbeere hat ja immer auch etwas Säuerliches und auch Gerbstoffiges. Man schmeckt den Boden deutlich in diesem Wein, er ist mineralisch-salzig und hat eine leichte, pikante Bitternote zum Schluss. Neben dem Manincor-Schmeichler, denn ich immer auch gerne solo trinken würde, ist der Jacob für mich ein eindeutiger Tischwein, der seinen Platz neben kräftigen Speisen hat.

Gefunden habe ich ihn bei Berg-Wein für €12.90.

Rosé-Sommer: Rosen aus Südtirol – La Rose de Manincor

19/Aug/14 14:26 kategorisiert in: Alles Bio, Lagrein, Rosé

In einer Reihe ganz ungewöhnlicher und sicher nicht massenkompatibler Rosé, die ich in der letzten Zeit probiert habe, sticht der Rose de Manincor auf eine besondere Art heraus. Er dürfte so ziemlich jedem schmecken und hat doch einen angenehm eigenen Charakter. Er hat halt weniger Ecken und Kanten, ist kein Freak sondern ein gekonnt gemachter Saftabzug von Manincors besten Rotweinen.

la_rose_de_manincor

Manincor, das ist das Weingut der Grafen Goëss-Enzenberg in Südtirol, eines der größten Privatweingüter dort und eines, das schon vor langer Zeit auf Biodynamie umgestellt hat. Bei Manincor trifft diese Wirtschaftsweise auf adlige Eleganz und Gelassenheit. Das führt zu in sich ruhenden Weinen, die mit zum Besten gehören, was Südtirol zu bieten hat. Ich habe dort noch nie einen Wein probiert, der mir nicht gefallen hätte. Und dort werden eine ganze Menge Weine produziert.

La Rose de Manincor ist eine Cuvée von Lagrein, Merlot, Cabernet, Pinot, Petit Verdot, Tempranillo und Syrah. Es ist, wie gesagt, der Saftabzug jener Weine, die dann konzentrierter in die teuren Cuvée einfließen. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Anderswo kommt dann gerne mal ein ziemlich dünnes Rinnsal heraus, was die Bezeichnung Wein kaum verdient. Beim Manincor ist das anders. Der Wein ist eigenständig, duftig, fein und hat eine sehr angenehme helle Frucht. Himbeeren und Kirschen sind hier das Stichwort, aber ebenso eine leicht süße Rhabarbernote, die von Trockenkräutern abgerundet wird. Der Wein ist fruchtbetont, hat aber einen Unterbau, den er von der Qualität der Trauben und der Arbeit im Weinberg bekommen hat, zum anderen auch vom fünfmonatigen Holzausbau. Das sorgt für Tiefe und eine cremige Note am Gaumen, die mit einer schönen Frische einhergeht. Der Wein hat der ganzen Weinrunde viel Spaß gemacht.

Den Wein gibt es bei vinaturel für €15,-

Rosé-Sommer: Rosa Caolina 2013, Tenuta di Castellaro, i Vigneri, Lipari

21/Jul/14 12:31 kategorisiert in: Abschweifungen, Alles Bio, Corintho, Gemischter Satz, Nero d'Avola, Rosé

Im letzten Jahr habe ich die Weine der i Vigneri für mich entdeckt. Das ist ein loser Zusammenschluss von Winzern, die auf und um Sizilien arbeiten und  - man kann es so sagen – einen gemeinsamen Fixpunkt haben: den Önologen Salvo Foti. Salvo Fotis Idee von Wein basiert auf der möglichst traditionellen und natürlichen Be- und Erarbeitung von Wein. Unter seiner Ägide werden die Rebstöcke beim Neuanlegen in Albarello-Erziehung (Buscherziehung) gesetzt, die Weinberge werden ökologisch bearbeitet, die Weine im Keller (natürlich) spontanvergoren, teils wird die Maische mit Füßen getreten, seine eigenen Weine werden nicht geschwefelt, und, und, und. Wer hier regelmäßig ließt, kennt die Idee eines Naturweins.

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Copyright: Tenuta di Castellaro

Ein Weingut, dass zum Verbund zählt, dessen Markenzeichen die Burgunderflasche mit dem Albarello-Stock ist, ist die Tenuta di Castellaro des Österreich-Italieners Massimo Lentsch. Dieses Weingut befindet sich genau hier, auf der Lipari, nördlich über Sizilien. Die Inseln sind, wie Sizilien auch, vulkanischen Ursprungs. Endsprechend findet sich hier poröses weißes Magmagestein, der Bimstein (darauf stehen die weißen Reben für den Bianco Pomice) genauso wie Obsidian, dass eher aussieht wie schwarzes Glas und beim schnellen Abkühlen der Magma entsteht (darauf stehen die Reben für den Nero Ossidiana). Ein weiterer Bestandteil der Bodenstruktur ist Kaolin, auch Porzellanerde genannt. Kaolin ist ein feines, weißes, eisenfreies Gestein, dass auf den Äolischen Inseln, wozu Lipari ja gehört, schon in der Römerzeit abgebaut wurde. Genau oberhalb der historischen Stollen liegt der Weinberg, der dem Rosa Caolina seinen Namen gegeben hat. Der Weinberg setzt sich aus 60% Corinto, 30% Nero d'Avola und 10% weiterer, diverser heimischer Sorten zusammen – ein historischer fieldblend gewissermaßen. Die Reben wurden Mitte September gelesen, direkt gepresst, statisch geklärt – also kein Mostklärung – und drei Monate bei 20 Grad vergoren.

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Was bei diesem sorgsamen Umgang mit dem Wein herauskommt, ist einfach sehr gelungen, ich kann es nicht anders sagen. Natürlich sollte ein Rosé, der stattliche €18.50 kostet, auch etwas bieten. Aber das hier ist wirklich sehr gelungen: viele Stein, viel Rhabarber, rote Johannisbeeren und Kräuter. DieserWein ist durch und durch ungewöhnlich, tauchen hier doch Aromen von Rosmarin und Minze genauso auf wie Pfeffer und Berberizen. Das ist ganz eindeutig ein Wein zum Essen. Mit Essen, mit Gegrilltem, ich würde hier in Würde geangelten, gegrillten Thunfisch empfehlen, ist das ein Knaller.

Den Wein habe ich von vinaturel.de bekommen. Er kostet €18.50

 


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