originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Axel Koehler, Heimersheimer Riesling 2009, Rheinhessen

Auf einem Bett aus vollreifer Maracuja lümmelt sich ein wenig Vanillecrème und grüner Tee (jedoch nur in der linken unteren Ecke des Glases), ein Hauch von Süßholz und salziges Gestein. Das Gesteinssalz wirkt auf der Zunge dabei deutlich dominanter als in der Nase.

Später dann, am zweiten Tag verlässt das Samtigweiche, das Maracujahaft-Süße den Wein und die Grapefruit drängelt sich nach vorne und verbinden sich mit der Würze des Rotliegenden Gesteins.

Die Weine von Axel Koehler, hier habe ich mehr über ihn geschrieben, gefallen mir dieses Jahr noch besser als im letzten Jahr. Die Weine sind so voller Spannung und Dichte wie nur wenige, die ich dieses Jahr (in dieser Preisklasse) probiert habe. Sie sind ein klein wenig weniger wild als vorher ohne auch nur eine Spur an Charakter eingebüßt zu haben.

Ich sage jetzt mal: Kaufen kann man die Koehlerschen Weine ab kommenden Freitag hier bei mir unter gleicher Adresse. Denn dann sollte ich endlich so weit sein mit meinem Webshop.

Domaine de l'Horizon Blanc et Rouge 2007

Es ist Thomas Teibert nicht direkt in die Wiege gelegt, das Winzerhandwerk denn er stammt nicht aus einer Winzerfamilie. Aufgewachsen ist er bei Ulm, Schreiner sollte er werden nachdem er die Realschule abgeschlossen hatte, Küfer ist er stattdessen geworden, nicht zuletzt aus einer frühen Liebe zum Wein resultierend und aus der Freundschaft mit dem Ulmer Weinhändler Manfred Böhm. Dabei hat er sein Handwerk in renommierten Betrieben gelernt und danach ein Studium der Önologie in Geisenheim angeschlossen.

Seine nächste Stufe auf der persönlichen Erfolgsleiter hat er bei Manincor in Südtirol erreicht wo er Betriebsleiter wurde und nicht zuletzt den Wein verantwortet hat den manche in 2003 als besten Weißwein Italiens betitelt haben, den Sauvignon Blanc Lieben Aich, ein holzfassausgebautes Schmuckstück, das weder protzt noch schreit sondern mit schierer Präzision und Feinheit besticht. Eine burgundische Art, Wein zu bereiten, würde ich sagen, wenn ich jetzt den Blanc 2007 probiere.

Es hat ihn nicht allzu lang in Südtirol gehalten weil er viel zu sehr “französisch denkt", wie er sagt. So hat er sich, nach der Heirat mit einer Tochter von Gérard Gauby, auf die Suche nach geeignetem Terroir gemacht um die Weine zu machen die er machen will und ist im Languedoc fündig geworden, genau gesagt in Calce, im katalanischen Teil.

Er arbeitet, wie auch schon bei Manincor, strikt biologisch-dynamisch auf den hageren, steinigen und trockenen Böden auf dem uralte Rebstöcke stehen. 12 Hektoliter holt er gerade einmal aus dem Hektar heraus, die Weine besitzen also Auslese-Charakter und entsprechend ist dann auch ihr Preis. 28 Euro für Rot- und Weisswein muss man berappen wenn man in den Genuss dieser Weine kommen will. Dafür finden sich keine Reißer im Glas sondern stille Gesellen, die Luft brauchen und Zeit.

Die habe ich glücklicher Weise jetzt ein wenig mehr als in den letzten Wochen in den es so viel zu tun gab vor den Ferien, dass ich kaum zum Weinsinnieren gekommen bin und zum Schreiben.Während der Regen an die Scheiben prasselt und die Jungs mich gerade mal nicht braucne während im Wohnzimmer eine Lego-Star Wars-Landschaft entsteht denke ich an die beiden Weine zurück, lese noch mal die Notizen, haben die Weine auf der zunge, die Landschaft im Kopf, die Hitze, die Dürre, die Berge im Hintergrund, das Gezirpe der Zikaden.

Die Weine von Thomas Teibert also sind Langstreckler, die sich vielleicht jetzt gerade erst wirklich zu öffnen beginnen, die am zweiten Tag besser sind als am ersten und die in der Fachwelt direkt mit diesem ersten Jahrgang 2007 eingeschlagen sind. Parker hat der Cuvée aus Macabeu, Grenache Gris und Grenache Blanc auf Anhieb genau so 93 Punkte gegeben wie dem Rouge und in der Tat ist dieser Wein bestechend. Er wirkt so gar nicht alkoholisch wuchtig, wie ich es bei fielen in der gnadenlosen Sonne gedörrten Weißen dieser Region finde. Der Wein verbindet ein blumiges Bouquet mit der Frische von Limetten und Grapefruit, dazu kommt Steinobst und eine leichte Nussigkeit. Der Clou dieses auf Kalk und Schiefer gewachsenen Weines ist die Mineralität, die die 50 bis 80 Jahre alten Rebstöcke aus der Tiefe holen und diesen Wein dominieren.

So wie sie auch den Roten aus Grenache und Carignan dominieren, dieser Cuvée aus Brombeeren, Holunder, Grantapfel, Honig, Pflaume und Ingwer, der einerseits eine südfranzösische Wärme in sich trägt, andererseits eine eher burgundisch anmutende Süße. Beeindruckend ist die Frische und Leichtigkeit beider Weine bei zweifellos vorhandener Konzentration und, bezeichnen wir es mal gewagt: intellektueller Tiefe.

Domaine de l'Horizon Blanc et Rouge 2007, je 28 Euro

Domaine Richeaume, Rosé 2009, Provence

Auf der Suche nach passablem Rosé bin ich kürzlich nach langer Zeit mal wieder bei den Weinen der Domaine Richeaume gelandet. Die Domaine Richeaume ist das Weingut eines großen Individualisten und mittlerweile auch das des ebenso nonkonformistischen Sohnes. Es ist die Domäne des Henning Hoesch, der, einer Dürener Chemiefabrikantenfamilie enstammend und in Yale zum Historiker promoviert, sein Herz an die Montagne St. Victoire verloren hat und, anstatt einer vielversprechenden Universitätskarriere zu folgen, Anfang der Siebziger ganz andere Ziele in den Blick nahm, mit Ideen, die damals noch sehr selten vorkamen und ungewöhnlich waren. Themen wie Naturschutz, biologische Landwirtschaft, Kreislaufwirtschaft spielten damals kaum eine Rolle. Und so kann man Hoesch, der die Ausbeutung einer liebgewonnenen alten Kulturlandschaft nicht gut ertragen konnte, durchaus als Avantgarde, als Vorreiter sehen.

1972 stießen er und seine Frau auf das 65 Hektar große Gut zwischen Rousset und Puyloubier, das voller bauhistorischer Relikte aus der Römerzeit ist und im Mittelalter vom Templerorden betrieben wurde. Drei Hektar dieses Gutes konnten sie damals in Besitz nehmen und es bis heute auf 25 Hektar erweitern. Wie behutsam Hoesch in die Landschaft eingegriffen hat, wie konsequent er die Monokultur Wein in die Vielfalt der Natur der Provence eingebettet hat, dort, zischen Château Noir und Montagne St. Victoire, jenen Orten, die Paul Cézanne Zeit seines Malerlebens immer wieder umkreist hat, sieht man auf seinem informativen Internetauftritt.

Ich bin nicht unbedingt ein Fan des Rosé, lediglich zu Crémant oder Champagner ausgebaut kann ich ihm durchaus etwas abgewinnen. Wenn ich einen Rosé mag, ist es der des Château la Canorgue aus dem Luberon, sonst kommt bei mir selten einer auf den Tisch.

Der Rosé von Richeaume allerdings gefällt mir ausnehmend gut. Er ist so eigenständig, subtil, elegant und – was ich Rosé bisher immer abgesprochen habe – ich stelle eine gewisse Tiefe fest. Grenache, Syrah und Carignan werden hier im Saignée-Verfahren angepresst und kurz auf der Maische gelassen, sodass der Wein seine lachsrote Farbe annimmt. Danach wird er im Holzfass ausgebaut. Zitrus-, Himbeer- und Erdbeeraromen verbinden sich mit einem leichten Hauch von Karamell, mit einem schönen Hauch von Gerbsäure unterstützt. Das ist wirklich ein feiner Wein!

Fotos der Domaine stammen von der Website

Villa Bäder, Grauburgunder 2009 und Dornfelder 2008, Rheinhessen

Ich muss zugeben, es ist keine eigene Entdeckung, sondern die meines Partners Michael, der das sympathische Winzerehepaar Bäder entdeckt hat. Auf der Prowein konnte ich Katja und Jens Bäder dann am Stand von A Message in a Bottle selber kurz kennenlernen und ein Besuch im Weingut steht dringend an.

Denn das, was die Bäders an Weinen so auf die Flasche ziehen, gefällt mir. Die Weine besitzen durch die Bank weg Charme, Charakter, sind dabei süffig und fördern den Spaß am Wein ungemein. So kommt es, dass ich zum ersten Mal in der Geschichte dieses Blogs einen Satz über Dornfelder verliere. Diesen hier finde ich durchaus trinkbar, ja, ich sage es nicht gerne, aber es macht Spaß, ihn zu trinken. Dieser Dornfelder von über 30 Jahre alten Reben – der Vater hatte diese Sorte schon vor Jahrzehnten gepflanzt – stellt ein durchaus fruchtig-würziges Vergügen dar, wobei die Frucht sich eher keusch in den Hintergrund begibt, während der Spot sich deutlich auf Gewürze richtet, auf Bittermandel und auch ein wenig Marzipan.

Der frische 2009er Grauburgunder, auch nicht unbedingt zu meinen Lieblingssorten gehörend, zu fett und schwer kommt er häufig daher, ist einer, den ich jedem ans Herz legen kann. Dieser Gutswein schwingt leicht und luftig, wirkt trotz aller Frucht fast ein wenig floral mit feiner Kräuterwürze, dabei behält er seinen typisch cremigen Schmelz. Hach, Terrasse, ich komme!

Und über die Oberliga, Früh- und Spätburgunder und den  Lagenriesling La Roche schreibe ich später.

Silvaner 2009, Weingut Gysler Rheinhessen

Ach, da haben wir gestern doch glatt inoffiziell die Spargelsaison eröffnen können. Offiziell gibt es den erst frühestens am Wochenende, zumindest am Niederrhein. Dass mein Gastgeber trotzdem welchen bekommen hat, liegt wohl daran, dass er seit vielen Jahren bei seinem bevorzugten Spargelbauern ein sehr guter Kunde ist.

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Ich kam ziemlich abgehetzt in Goch an, hatte viel länger gebraucht für die Strecke und das Essen stand schon auf dem Tisch. Spargel satt, Schinken satt, zerlassene Butter satt und ich konnte frischen 2009er Silvaner von Alexander Gysler mitbringen. Ein herrlich stoffiger Gutssilvaner ist das geworden mit einer schönen Kräuternote und ordentlicher, leicht salziger Mineralität. Zu diesem Gericht eine kongeniale Ergänzung.

Und solch ein Essen ist ja immer wieder echtes Soulfood!

Valpolicella Classico Superiore Casal Vegri 2006, Ca' la Bionda, Veneto

Ich muss gestehen, wenn ich an Valpolicella denke, denke ich an den Offenausschank von Pizzabuden, in den leichter, fader roter Wein direkt neben den Soave-Pullen steht. So ein bisschen, wie das italienische Pendant zum Trollinger gewissermaßen.

Allerdings haben mich zwei Winzer bei der Prowein eines Besseren belehrt. Zum einen war das Hans Hengerer am Stand der Jungen Schwaben, dessen Trollinger wie Lemberger, vor allem aber der Cabernet Franc ausgezeichnet war. Zum anderen habe ich bei Vinaturel den Winzer Alessandro Castellani von Ca' la Bionda getroffen.

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Dessen Weine sind schlichtweg eine Wucht. Neben Valpolicella habe ich zwei Amarone probiert, die so überhaupt nichts mit Überreife oder Süße zu tun haben, sondern expressiv, fruchtig, dicht und unglaublich frisch und mineralisch daherkommen.

Der kleine Bruder – dessen Trauben aus den Sorten Corvina, Corvinone und Rondinella im Gegensatz zum Amarone nicht angetrocknet werden – der Valpolicella der Einzellage Casal Vegri hat nichts, aber auch gar nichts mit dem zu tun, was ich bisher unter dieser Gebietsbezeichnung probiert habe. Der Duft von kräftigen, frischen Sauerkirschen steht im Glas, verbunden mit einem Hauch von Waldfrüchten, dunkler Schokolade und einigen kräutrigen Aromen und leichtem Holz. Faszinierend, wie frisch, saftig und gleichzeitig dicht dieser Valpolicella wirkt.

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Das ist ein Wein, der im Regal vermutlich leicht übersehen wird, weil die Region einen schlechten Ruf hat und der Wein dafür den meisten wohl deutlich zu teuer vorkommen wird. Man muss ihn also bewerben und Überzeugungsarbeit leisten. Wer ihn allerdings probiert hat, wird ihn sicher auch noch ein zweites Mal trinken wollen, da bin ich mir ziemlich sicher.

Valpolicella Classico Superiore Casal Vegri 2006, Ca' la Bionda, Veneto, 14.90 Euro

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