originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Rosé-Sommer: Lagrein-Rosé von Martin Gojer

19/Aug/14 14:29 kategorisiert in: Alles Bio, Lagrein, Rosé

Eine der für mich spannendsten Neuentdeckungen auf der Vievinum war für mich ausgerechnet kein Österreicher, sondern ein Winzer aus Südtirol. Martin Gojer ist sein Name und er bewirtschaftet den Hof Pranzegg am Fuße des Kohler Berges bei Bozen. Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Gut gehört der Familie seit den 30ern. Bevor Martin 2009 seinen ersten Jahrgang heruasgebracht hat, hat er einige Jahre Vorarbeiten geleistet, neu angepflanzt, die Bewirtschaftung verändert und experimentiert.

Pranzegg_Jacob

Heute gibt es bei ihm vier Weine. Einen sensationellen weißen gemischten Satz names Caroline, auf denen ich an anderer Stelle zu sprechen kommen werde, eine rote Cuvée aus Vernatsch, Barbera und Lagrein names Campbill, einen Lagrein mit etwas Cabernet Franc und Teroldego namens Quirein und schließlich den Jacob, einen Rosé aus Lagrein, der nach der Kapelle St. Jakob in der Au in Zwölfmagrein benannt ist, an deren Rückseite sich der Weinberg befindet. Hier stehen 15 bis 40 jahre alte Lagrein-Rebstöcke auf Porphyrboden, deren Beeren im September geerntet und ins Betonfass gelegt werden.

Der 2013 Pranzegg Jacob Lagrein Rosé ist deutlich kantiger als sein abendliches Pendant, der Rosé von Manincor. Der Jacob ist etwas wilder, hat weniger Himbeer- denn Johannisbeernoten in der Frucht, und alleine diese Johannisbeere hat ja immer auch etwas Säuerliches und auch Gerbstoffiges. Man schmeckt den Boden deutlich in diesem Wein, er ist mineralisch-salzig und hat eine leichte, pikante Bitternote zum Schluss. Neben dem Manincor-Schmeichler, denn ich immer auch gerne solo trinken würde, ist der Jacob für mich ein eindeutiger Tischwein, der seinen Platz neben kräftigen Speisen hat.

Gefunden habe ich ihn bei Berg-Wein für €12.90.

Rosé-Sommer: Rosen aus Südtirol – La Rose de Manincor

19/Aug/14 14:26 kategorisiert in: Alles Bio, Lagrein, Rosé

In einer Reihe ganz ungewöhnlicher und sicher nicht massenkompatibler Rosé, die ich in der letzten Zeit probiert habe, sticht der Rose de Manincor auf eine besondere Art heraus. Er dürfte so ziemlich jedem schmecken und hat doch einen angenehm eigenen Charakter. Er hat halt weniger Ecken und Kanten, ist kein Freak sondern ein gekonnt gemachter Saftabzug von Manincors besten Rotweinen.

la_rose_de_manincor

Manincor, das ist das Weingut der Grafen Goëss-Enzenberg in Südtirol, eines der größten Privatweingüter dort und eines, das schon vor langer Zeit auf Biodynamie umgestellt hat. Bei Manincor trifft diese Wirtschaftsweise auf adlige Eleganz und Gelassenheit. Das führt zu in sich ruhenden Weinen, die mit zum Besten gehören, was Südtirol zu bieten hat. Ich habe dort noch nie einen Wein probiert, der mir nicht gefallen hätte. Und dort werden eine ganze Menge Weine produziert.

La Rose de Manincor ist eine Cuvée von Lagrein, Merlot, Cabernet, Pinot, Petit Verdot, Tempranillo und Syrah. Es ist, wie gesagt, der Saftabzug jener Weine, die dann konzentrierter in die teuren Cuvée einfließen. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Anderswo kommt dann gerne mal ein ziemlich dünnes Rinnsal heraus, was die Bezeichnung Wein kaum verdient. Beim Manincor ist das anders. Der Wein ist eigenständig, duftig, fein und hat eine sehr angenehme helle Frucht. Himbeeren und Kirschen sind hier das Stichwort, aber ebenso eine leicht süße Rhabarbernote, die von Trockenkräutern abgerundet wird. Der Wein ist fruchtbetont, hat aber einen Unterbau, den er von der Qualität der Trauben und der Arbeit im Weinberg bekommen hat, zum anderen auch vom fünfmonatigen Holzausbau. Das sorgt für Tiefe und eine cremige Note am Gaumen, die mit einer schönen Frische einhergeht. Der Wein hat der ganzen Weinrunde viel Spaß gemacht.

Den Wein gibt es bei vinaturel für €15,-

Rosé-Sommer: Rosa Caolina 2013, Tenuta di Castellaro, i Vigneri, Lipari

21/Jul/14 12:31 kategorisiert in: Abschweifungen, Alles Bio, Corintho, Gemischter Satz, Nero d'Avola, Rosé

Im letzten Jahr habe ich die Weine der i Vigneri für mich entdeckt. Das ist ein loser Zusammenschluss von Winzern, die auf und um Sizilien arbeiten und  - man kann es so sagen – einen gemeinsamen Fixpunkt haben: den Önologen Salvo Foti. Salvo Fotis Idee von Wein basiert auf der möglichst traditionellen und natürlichen Be- und Erarbeitung von Wein. Unter seiner Ägide werden die Rebstöcke beim Neuanlegen in Albarello-Erziehung (Buscherziehung) gesetzt, die Weinberge werden ökologisch bearbeitet, die Weine im Keller (natürlich) spontanvergoren, teils wird die Maische mit Füßen getreten, seine eigenen Weine werden nicht geschwefelt, und, und, und. Wer hier regelmäßig ließt, kennt die Idee eines Naturweins.

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Copyright: Tenuta di Castellaro

Ein Weingut, dass zum Verbund zählt, dessen Markenzeichen die Burgunderflasche mit dem Albarello-Stock ist, ist die Tenuta di Castellaro des Österreich-Italieners Massimo Lentsch. Dieses Weingut befindet sich genau hier, auf der Lipari, nördlich über Sizilien. Die Inseln sind, wie Sizilien auch, vulkanischen Ursprungs. Endsprechend findet sich hier poröses weißes Magmagestein, der Bimstein (darauf stehen die weißen Reben für den Bianco Pomice) genauso wie Obsidian, dass eher aussieht wie schwarzes Glas und beim schnellen Abkühlen der Magma entsteht (darauf stehen die Reben für den Nero Ossidiana). Ein weiterer Bestandteil der Bodenstruktur ist Kaolin, auch Porzellanerde genannt. Kaolin ist ein feines, weißes, eisenfreies Gestein, dass auf den Äolischen Inseln, wozu Lipari ja gehört, schon in der Römerzeit abgebaut wurde. Genau oberhalb der historischen Stollen liegt der Weinberg, der dem Rosa Caolina seinen Namen gegeben hat. Der Weinberg setzt sich aus 60% Corinto, 30% Nero d'Avola und 10% weiterer, diverser heimischer Sorten zusammen – ein historischer fieldblend gewissermaßen. Die Reben wurden Mitte September gelesen, direkt gepresst, statisch geklärt – also kein Mostklärung – und drei Monate bei 20 Grad vergoren.

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Was bei diesem sorgsamen Umgang mit dem Wein herauskommt, ist einfach sehr gelungen, ich kann es nicht anders sagen. Natürlich sollte ein Rosé, der stattliche €18.50 kostet, auch etwas bieten. Aber das hier ist wirklich sehr gelungen: viele Stein, viel Rhabarber, rote Johannisbeeren und Kräuter. DieserWein ist durch und durch ungewöhnlich, tauchen hier doch Aromen von Rosmarin und Minze genauso auf wie Pfeffer und Berberizen. Das ist ganz eindeutig ein Wein zum Essen. Mit Essen, mit Gegrilltem, ich würde hier in Würde geangelten, gegrillten Thunfisch empfehlen, ist das ein Knaller.

Den Wein habe ich von vinaturel.de bekommen. Er kostet €18.50

 

Rosé-Sommer: Alles andere als lame – der LAM Syrah Rosé 2012 von Lammershoek

11/Jul/14 09:00 kategorisiert in: Alles Bio, Rosé, Rot, Südafrika, Syrah / Shiraz

Das erste Mal traf ich Craig Hawkins und seine Weine auf der 2012er RAW in London. Es war eines dieser besonderen Weinerlebnisse, denn neben all den schlechten bis teils hervorragenden Naturweinen aus Europa standen dort ein paar vereinzelte Winzer aus Übersee. Francois Morisette aus Kanada, Tom Shobbrook aus Australien und Craig Hawkins aus Südafrika. Alles, was ich von den dreien im Glas hatte, blew my mind, war outstanding, wenn ich mich, so wie die drei, im englischen Sprachraum bewegen würde.

Craig_Lammershoek

Craig Hawkins hat ein eigenes kleines Projekt names Testalonga – ich werde irgendwann darauf zurückkommen – und ist ansonsten der kreative Kopf hinter der Lammershoek Winery in Swartland. Das Weingut wird seit den 1990ern von Paul und Anna Kretzel geführt und Craig Hawkins ist so etwas wie der Schwiegersohn in spe. Craig hat auf Lammershoek Experimentiermöglichkeiten wie sonst wohl nur wenige Weinmacher. Das nutzt er und entsprechend kommen total ungewöhnliche, teilweise geniale Weine dabei raus. Dass zu diesem Zweck die Weinberg zu natürlich wie möglich bewirtschaftet werden, verwundert dabei nicht wirklich. Im Keller sind die Grundlagen Spontanvergärung, Verzicht auf Zusatzstoffe aus einer geringen Menge Schwefel bei der Abfüllung – wenn nötig – keine Filtration etc.

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Der LAM Syrah Rosé, den ich die letzten Tage im Glas hatte, gehört zur Basislinie. Es sind die einfachsten, die am wenigsten experimentellen und gleichzeitig die trinkfreudigsten Weine. Hier gibt es neben dem Syrah-Rosé Chenin Blanc, Pinotage, Syrah und Blends. Die klassischen Weine aus den besten Lagen firmieren unter Lammershoek und das eigentliche Experimentierfeld findet sich in der CellerFoot-Linie. Da gibt es ungeschwefelten Pinotage-Rosé (auch darauf komme ich zurück), die ungarische Sorte Harslevelü reinsortig und eine rote Cuvée, die Craig in alten Barriques unter Wasser ausgebaut hat – Dirk Würtz war ganz begeistert von diesem Wein.

Der LAM Rosé hat schlanke 11,8% Alkohol und wurde 11 Monate in alten Eichenfässern ausgebaut. Auch das hier ist, wie beim letzten besprochenen Rosé von Majas, keine Fruchtbombe sondern ein Rosé auf der würzig-herben Seite mit viel Geschmack nach kargem Boden, der typischen Würze des Syrah – inklusive einem Hauch weißen Pfeffers, würde ich sagen. Natürlich gibt es Früchte, Erdbeeren vor allem, aber eben kein bisschen vordergründig oder kitschig. Das ist ein Wein – er kostet bei vinpur € 12,00 -  den man auch auf Grund seiner knackigen, bestens eingebundenen Säure einfach so wegtrinken möchte. Vor allem, wenn es dazu eine Schale frischer Erdbeeren gibt.


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