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Domaine Huet – Alles im Fluss

Stephan Bauer war auf einer Veranstaltung, bei der wir wohl eigentlich am gleichen Tisch gesessen hätten. Obgleich ich mich über Wochen auf den Abend gefreut hatte – ich bin seit vielen Jahren ein großer Fan des Weinguts Huet, bzw. seiner Weine – musste ich schließlich doch auf Grund einer akuten Grippeerkrankung passen. So sind die Kelche, die im Folgenden beschrieben werden, einfach an mir vorüber gegangen. Gott sei Dank aber, hat Stephan den Part des Chronisten übernommen:

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Heraklits Ausspruch „Pánta chorei kaì oudèn ménei“, lose übersetzt als „Alles fließt und nichts bleibt“, beschreibt vielleicht am besten, in welcher Phase sich die Domaine Huet in Vouvray derzeit befindet.

Vor nahezu drei Jahren verließ Noël Pinguet die Domaine. Er hatte sie über die vergangenen dreißig Jahre zu einer der besten Adressen für Chenin Blanc der Loire geführt. Schon vor Noël Pinguet wurden auf der Domaine herausragende Vouvrays erzeugt, jedoch nahm davon lange Jahre nur ein klitzekleiner Teil der Weinwelt Notiz. Unter Noël Pinguet, dem Schwiegersohn von Gaston Huet, wurde 1989/1990 die Biodynamie auf der Domaine eingeführt und der Ruf als einer der ein bis zwei Top-Domaines für Vouvray begründet.

2003 kaufte die Familie Hwang die Domaine von der Familie Huet, Noël Pinguet blieb aber fortgesetzt für die Arbeit im Weinberg, Keller und Vertrieb verantwortlich. Im Februar 2012 gab Noël Pinguet dann überraschend seinen Abgang bekannt, gut drei Jahre vor dem geplanten Ausstieg, und das nicht friedlich, sondern begleitet von öffentlich bekannt werdenden Differenzen mit der Familie Hwang. Ihm passte laut Presseberichten zum einen nicht, dass die Hwangs den Anteil der trockenen Vouvrays erhöhen wollte, zum anderen, dass sie den Vertrieb zulasten des kleinteiligen Verkaufs an Endverbraucher, Restaurants, usw. verbreitern wollen.

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Seit dem Jahrgang 2012 sind nun Jean-Bernard Berthomé, der langjährige Kellermeister der Domaine, und Benjamin Joliveau, den Pinguet als seinen Nachfolger auserkoren und vier Jahre angelernt hatte, ohne Pinguet für die Weine verantwortlich. An sich wären die Voraussetzungen da gewesen, die Domaine wieder in ruhigere Fahrwasser zu führen. Zwei schwierige erste Jahrgänge (2012 und 2013) und ein Eklat über Weinbewertungen und Hausverbote mit zwei der einflussreichsten englischsprachigen Journalisten und Blogger über die Weine der Loire, Jim Budd (Jim’s Loire) und Chris Kissak (The Wine Doctor), legten dem neuen Team jedoch einige Steine in den Weg.

Am Ende geht es aber um den Wein, und um den kümmert sich in Deutschland ganz besonders der Weinhändler Vinaturel. Als Pinguet die Domaine Huet verließ, waren Teil seines Abschiedspakets große Teile der Schatzkammer,beispielsweise sämtliche Weine vor 1971 und alle Weine aus dem Jahrhundertjahrgang 1989. Diese Schatzkammer kaufte zum einen Teil Berry Brothers & Rudd aus England und zum anderen eben Vinaturel. Dass ein deutscher Weinhändler die Gelegenheit bekam, ein so wichtiges Stück Weingeschichte zu erwerben, ist schon ein großer Erfolg. Dass Vinaturel die Gelegenheit wahrnehmen konnte, ist ein noch viel größerer Erfolg. Und dass Vinaturel Weinliebhabern die Chance gibt, zu bezahlbaren Preisen diese außerweltlichen Weine im Rahmen von Verkostungen und Dinners kennenzulernen und auch wiederzutreffen, ist geradezu ein Geschenk des Himmels.

Ende 2012 hatte ich das Glück, bei einer denkwürdigen Probe mit anschließendem Dinner von Weinen der Domaine Huet im Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg dabei zu sein. Probiert wurden Weine von 1919 bis 1989, unter anderem Legenden wie der 1947 Vouvray Le Mont Moelleux oder eine feine Reihe verschiedener 1989er Vouvray Moelleux. Dabei konnten auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Weinbergen, Le Mont, Le Haut Lieu und Clos du Bourg, sehr schön herausgeschmeckt werden: Le Mont häufig sehr fest und sehr pikant-würzig, Le Haut Lieu transparent und mit der klarsten Frucht, Clos du Bourg sehr ausladend und expressiv. Es mag etwas vermessen klingen, aber bei einem Weingut wie Huet kommen diese Unterschiede erst mit 25+ Jahren Flaschenreife wirklich gut zur Geltung.

Es braucht schon perfekt gelagerte Flaschen aus einem Keller wie dem kühlen Tuffsteinkeller der Domaine Huet, um eine Probe wie die Huet Probe Ende 2012 in all ihren Nuancen so erfolgreich zu gestalten, wie dies gelungen ist. Nur bei solchen perfekt gelagerten Flaschen lässt sich dann feststellen, dass ein Jahrgang wie 1961 noch Flaschenreife vertragen kann und dass auch nahezu 100 Jahre alte Flaschen immer noch frisch schmecken können.

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Ein solches unvergessliches Ereignis ist kaum zu wiederholen. Gleichwohl freute ich mich sehr, als Vinaturel eine weitere Tour durch einige von Deutschlands Top-Restaurants mit Weinen der Domaine Huet ankündigte. In Hamburg fand Vinaturel mit dem Mercier und Camier im Literaturhaus an der Alster einen würdigen Restaurantpartner, der mit Ingolf Klinder einen von Hamburgs derzeit ambitioniertesten Küchenchefs stellt und daneben ein atemberaubendes Ambiente bieten kann.

Zu Beginn wurden einige der aktuellen Weine eingeschenkt, auf die ich sehr gespannt war, von denen ich aber wegen verspäteter Ankunft nur zwei probieren konnte: 2012 und 2013 Vouvray Le Mont Sec. Sowohl 2012 als auch 2013 waren vom Witterungsverlauf her problematische Jahrgänge an der gesamten Loire, die nur Minierträge zuließen und eine sorgfältige Selektion erforderten. Beide Weine waren derzeit sehr schwer einzuschätzen, da sie noch sehr fest in der Struktur sind, insbesondere der 2013er jahrgangsbedingt über eine fordernde Säure verfügt und sich die Konzentration der Aromen in beiden Weinen erst noch entspannen muss. Ich würde davon absehen wollen, diese beiden Weine jetzt einordnen zu wollen, eine vernünftige Einschätzung wird erst in zwei bis drei Jahren möglich sein.

Unser Dinner startete mit einem Kalbskuttelragout und dem 2007 Crémant de Vouvray Pétillant Brut. Bei den Crémants war die Domaine Huet für mich noch nie der Star der Region, und auch dieser 2007er Crémant war lediglich gut, versprühte aber nicht den Esprit, den die Stillweine haben.

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Überraschend groß war anschließend der 2011 Vouvray Le Mont Sec, der zu lauwarmem Hummer mit Blumenkohl und einer köstlichen Sauce Maltese eingeschenkt wurde. Vermutlich werden 2012 und 2013, aber auch 2010, etwas länger brauchen, um sich zu öffnen, als dieser 2011er Le Mont Sec, der jetzt bereits die Komplexität zeigte, die die trockenen Weine auszeichnet mit ineinander gewobenen Aromen, etwas Quitte, pikanter Ingerwürze und einem harmonischen Mundgefühl. Dieser Wein war der lebende Beweis dafür, dass bei Spitzenweingütern wie Huet der Jahrgang keine ganz so große Rolle spielt wie bei minderen Erzeugern. Wirkte der Wein kurz nach der Füllung noch etwas undefiniert, so hat er jetzt schon ein Niveau an Komplexität erreicht, was Ende 2012 kaum möglich schien.

Ein sehr kontroverser Wein folgte zum nächsten Gang, einem Malaysischen Curry in Kokosmilch mit Steinbutt und knusprigem Schweinebauch: 2008 Vouvray Le Haut Lieu Demi-Sec. Diesen Wein hatte ich zuvor schon einmal im Glas und hielt ihn seinerzeit für fehlerhaft, allerdings bizarr fehlerhaft. Er roch stechend, etwas nach Hühnerbrühe, nach Käserinde, nach oxidierendem Traubensaft. Dann folgte aber im Mund eine atemberaubende Brillanz der Aromen, eine wunderbare Harmonie aus moderater Süße und rassiger Säure, eine divin wirkende Transparenz der Frucht (Aprikose, Quitte, jeweils in perfekter Reife). Dass sich der Wein jetzt nahezu exakt identisch präsentierte, spricht gegen einen Flaschenfehler und dafür, dass der Wein eben so riecht wie er riecht. Ich habe damit immer noch meine Probleme, kann aber angesichts dieses nahezu perfekten Mundeindrucks des Weins darüber hinwegsehen, zumal der Wein zum Malaysischen Curry deutlich weniger extrem wirkte als solo getrunken. Es wird spannend sein, diesen Wein über die nächsten 5-10 Jahre zu verfolgen.

Dann wurden die servierten Weine gereifter. Zur ungestopften Gänseleber mit Brioche, kandierter Bete und Granny Smith, hausgemacht im Mercier und Camier, servierte das gut aufeinander abgestimmte Serviceteam einen Klassiker aus dem Hause Huet, den 1989 Vouvray Le Haut Lieu Moelleux 1ère Trie. Die 1ère Trie Auslesen der besten Botrytis- und Passerilage-Trauben werden nur in den besten Jahrgängen erzeugt und waren 1989 quasi nach Gusto der Domaine in den einzelnen Lagen möglich. Der 1989 Le Haut Lieu Moelleux zeigte sich an dem Abend wieder von einer sehr guten Seite, aus dieser Flasche gar nicht mal sonderlich süß, vielleicht etwas verschlossener als aus einer zuletzt Mitte letzten Jahres getrunkenen Flasche, aber immer noch mit diesem sehr feinen Duft von getrockneten Aprikosen und Quittenbrot, der diesen Wein ausmacht.

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Als nächstes kam ein Duo von nicht ganz einfach zu trinkenden Weinen: 1994 Vouvray Le Mont Sec und 1998 Vouvray Le Haut Lieu Sec zu einem Stück vom Kalbsrücken mit Karottenpüree, karamellisiertem Chicoree und einem intensiven Jus. Beide Weine wirkten gut, aber nicht übermäßig gereift, der 98er deutlich jünger als der 94er, beide angenehm cremig und würzig. Beide Weine verfügten aber auch über eine wirklich markante Säure, die man bei dem 94er auch brachial nennen könnte. Diese brachiale Säure ließ den 94er etwas bäuerlicher auftreten als dies bei den Huet Weinen normalerweise der Fall ist. Der 98er hingegen hatte die gewohnte Finesse und hätte solo getrunken vielleicht noch mehr geglänzt als zum Kalb. Beide Weine harmonierten am besten mit dem bitteren Chicoree.

Zum Käsegang, einem Epoisses von Berthaut mit Kartoffeln, fuhren die Gastgeber einen weiteren Klassiker aus dem Huet Programm der letzten 80 Jahre auf, den 1959 Vouvray Le Haut Lieu Moelleux, einen Wein, der im Dezember 2012 fast noch zu jung wirkte und sich auch jetzt absolut zeitlos präsentierte. Die klassischen Altersnoten wie Pilze oder Honig konnten hier allenfalls im Hintergrund erahnt werden. Im Vordergrund stand eher eine wunderbare Frische, eine nur noch in ihren Konturen zu schmeckende Süße und eine sehr harmonische Säure, eine klare Quitten- und Birnenfrucht. Bei den Moelleux und Demi-Sec Weinen von Huet aus großen Jahrgängen bekommt man den Luxus geboten, sich nicht darüber freuen zu müssen, dass ein alter Wein noch gut trinkbar ist, sondern sich darüber freuen zu können, über 50 Jahre alte Weine auf ihrem Höhepunkt erleben zu dürfen.

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Zum Schluss wurde zu einer Tarte Tatin noch ein weiterer Klassiker der Domaine eingeschenkt: der 1989 Vouvray Clos du Bourg Moelleux 1ère Trié „Témoin“. Der Wein heißt „Témoin“, weil er Zeuge der ersten geglückten Biodynamie-Experimente der Domaine im Jahrgang 1989 vor der vollständigen Umstellung ein Jahr später ist. Der Wein ist extrem: einer extrem ausgeprägten Säure steht eine verschwenderische Süße entgegen. Dass der Wein weder ins unangenehm Süß-Saure noch in die manchmal zum Beispiel am Neusiedlersee zu findende „Rekordwerte“ Stilistik geht, spricht für ihn und das gute Verständnis von Pinguet von Harmonie. Reife und getrocknete Aprikosen, Honig, eine feine Botrytis-Würze finden sich in dem 1989er „Témoin“, bei dem man sich gut vorstellen kann, zu welcher Komplexität er in mehreren Jahrzehnten in der Lage sein wird (jedoch auch jetzt schon ist).

Vermutlich wird diese Serie von Diners vorerst oder endgültig die letzte sein, die Vinaturel mit den gereiften Huet Weinen veranstaltet, die Vorräte sind mittlerweile größtenteils verkauft. Einige Flaschen werden sicher noch die nächsten Jahrzehnte überleben und dann auf ihrem Höhepunkt serviert werden. Dass jedoch ein derart großer Keller perfekt gereifter Flaschen, letztlich eines Weintyps, der nicht jeden Geschmack trifft, den Weinfreunden der Welt eröffnet wird, wird im Zweifel nicht mehr oft vorkommen. Dabei gewesen sein zu dürfen, ist ein großes Privileg, das mir in den nächsten Jahrzehnten bei der einen oder anderen Flasche gereifter Huet Weine wieder in Erinnerung gerufen werden wird. Letztlich geht es hier um Weine, die über jede Mode, jeden Trend, jede Kurzfristigkeit erhaben sind, Weine, die so unaufgeregt sind wie die Loire, die friedlich unterhalb der Weinberge vorbeifließt.

Die ersten 11 Jahrgänge Siefersheimer Heerkretz von Wagner-Stempel – ein Probenbericht

29/Jan/15 11:11 kategorisiert in: Bio & Biodyn, Riesling, Weingüter, Weiß, Deutschland

Es dürfte so etwa 2003 gewesen sein, als ich das erste Mal einen Wein von Daniel Wagner im Glas hatte. Möglicherweise war es ein Riesling vom Porphyr, der damals noch etwas wilder war als heute und deutliche Sponti-Noten aufwies. Für mich war schnell klar, dass das Weingut Wagner-Stempel ein Betrieb war, den ich besser kennenlernen wollte. So ist es geschehen und bis heute ist er mir einer der liebsten in Rheinhessen. Das hat natürlich viele Gründe. Zunächst ist da die unbestrittene Weinqualität, die sich dank akribischer Arbeit im Weinberg immer weiter verbessert hat. Dann ist da der moderate Preisanstieg der Weine über die letzten Jahre. Wagner-Stempel gehört ja zu den Spitzenbetrieben in Deutschland und die Gutsweine kosten auch heute noch keine € 9,- im Handel. Der Ortswein Siefersheimer Riesling vom Porphyr liegt unter € 15,- und gehört für mich beständig zu den besten trockenen Rieslingen, die man unterhalb der Großen Gewächse überhaupt kaufen kann. Da ist die besondere Lage in der Rheinhessischen Schweiz, die das manchmal Mächtige im Rheinhessischen Wein mit dem eher Spielerischen, Säurebetonteren der unweit entfernten Nahe verbindet und da ist natürlich der Mensch, der hinter den Weinen steht. Mit ihm, Daniel Wagner, habe ich letzten Samstag eine Probe in Berlin veranstaltet und wir haben die ersten elf Jahrgänge des Weins geöffnet, mit dem er bekannt geworden ist, dem Riesling Großes Gewächs aus dem Siefersheimer Heerkretz.

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So sieht es aus im Heerkretz: alles voller Stein.

Den Siefersheimer Heerkretz, bis in die 1930er Jahre noch durchaus bekannt für seine Weinlagen, hatte jahrzehntelang niemand mehr auf dem Plan, bis der junge Daniel Wagner sich in den 1990er Jahren aufgemacht hat, dies wieder grundlegend zu ändern. Revolution war angesagt in Rheinhessen. Junge Winzer wie Klaus-Peter Keller, Phillip Wittmann, Hans-Oliver Spanier, Alexander Gysler oder eben auch Daniel Wagner waren angetreten, die Qualität der Weine und das Bild, dass der Weinbau nach außen gab, grundlegend zu ändern. Die Qualität haben sie jeder für sich, aber auch gemeinsam in ständigem Gespräch und Austausch über den Wein in neue Höhen geschraubt. In einer Interessensgruppe, die sich irgendwann den programmatischen Titel message in a bottle gegeben hat, entstand gleichzeitig eine für Rheinhessen neue Form des Marketings, die wichtig war für das Weinland und die Aufbruchstimmung deutlich nach außen getragen hat.

Den Jahrgang 2002 hat Daniel zum ersten Mal bei der Zeitschrift Der Feinschmecker angestellt – und wurde auf Anhieb Deutscher Rieslingpreisträger 2003. Mit diesem Jahrgang hat er sich in die Riege der Spitzenwinzer Rheinhessens katapultiert, und das nachhaltig. Zumal schnell klar wurde, dass er auf der breiten Klaviatur spielen kann. Neben Riesling beherrscht er den Silvaner (sein erster Wein 1993), die Scheurebe, den Sauvignon und Chardonnay, Sankt Laurent, Merlot, Früh- oder Spätburgunder und neben den trockenen Gewächsen sollte man viel stärker auch die süßen Spätlesen und Auslesen beachten. Daniel ist in seiner leisen Art ein akribischer Arbeiter – im Weinberg wie im Keller und man kann hier im Blog einige seiner Jahrgangsberichte lesen, die zeigen, mit wie viel Herzblut er im Wingert engagiert ist.

Mit dem 2002er Heerkretz habe ich also angefangen, diesen Wein zu sammeln und jetzt, nach elf Jahren stand es an, einmal eine Vertikale dieses Weins zu präsentieren. So sind wir am vergangenen Samstag in einer kleinen Gruppe im Berlin Schmidt Z & Ko. zusammengekommen, und haben zusammen mit Daniel Wagner probiert, während er uns die Besonderheiten der jeweiligen Jahrgänge näher gebracht hat.

Heerkretz_02Die Halbstücke in denen Heerkretz, Höllberg und Porphyr schlummern. Außerdem jene Gewölbebögen, die die Etiketten prägen.

Rheinhessen rund um Siefersheim unterscheidet sich wesentlich zu den anderen Spitzenlagen Rheinhessens, vor allem jenen in Westhofen, wo die Kellerschen und Wittmannschen Spitzenlagen beheimatet sind. Das Gebiet wird auch die Rheinhessische Schweiz genannt, was erahnen lässt, dass es dort hügeliger ist als in anderen Teilen Rheinhessens. Hier bricht nicht der Rotliegende hervor wie es in Nierstein der Fall ist und es ist auch nicht der Kalkstein mit tonigem Mergel, wie es etwa in Westhofen der Fall ist. Hier liegen die Rotliegenden Schichten viel tiefer, darüber prägt schwarzer Melaphyr und vor allem rosaroter Porphyr den Boden. Dieser ist nicht so reintönig vorhanden wie an der nur unweit entfernten Nahe, prägt aber doch den Stil der Weine, den man als Melange aus Nahe und Rheinhessen einordnen kann. Das Goldene Horn, westlich des Ortes ist der große Porphyr-Buckel, dessen südlicher Teil Heerkretz genannt wird, während die zweiten Große-Gewächs-Lage, der Höllberg, nördlich liegt und wesentlich weniger steinig ist. Was die Winzer an Stein im Boden haben (siehe Bild) ist gewaltig und so prägen Steinwerke voll mit quarzithaltigem rosaroten Porphyr, auch Rhyolith genannt, den Heerkretz. Dieses Gestein ist ausgesprochen sauer, der Wein hat also immer einen niedrigen pH-Wert, der ihn von den Westhofener Weinen deutlich unterscheidet. Genau diese schlanke und säurebetonte Art bei deutlicher Frucht hat mir immer besonders gut gefallen.

Siefersheimer Heerkretz 2002 bis 2008
Dieser spezielle Typus zeigt sich auf wunderbare Art direkt im ersten Wein des Abends, dem 2002er Siefersheimer Heerkretz. Die Säure trägt und prägt den Wein bis heute, macht ihn frisch und brillant. Hätte jemand gesagt, der Riesling wäre 13 Jahre alt, hätte ich es kaum geglaubt. Lediglich eine ganz leichte Alterungsnote, aber weit von jeglicher Firniss entfernt, deutet das Alter an. Ansonsten ist der Wein absolut stimmig, fokussiert mit Blütenduft, leichter Cremigkeit, Salzigkeit und einer Kräuternote. Das ist eines der schönsten Exemplare an 2002er Riesling, das ich bisher getrunken habe – und ein toller Einstieg in die Probe. 750 Liter hat Daniel übrigens davon ausgebaut. Es sind alte Reben, die er in den Jahren 2000 bis 2002 dazu gekauft hat. Damals, als niemand außer ihm den Heerkretz auf dem Plan hatte, kostete der Quadratmeter dort übrigens 1,20 DM. Das kann man heute kaum glauben, das ist gerade 15 Jahre her. Der Wein ist übrigens noch mit Reinzuchthefen komplett im Edelstahl vergoren. Kann man deshalb einen Mangel an irgendwas feststellen? Nein, absolut nicht. Geerntet wurden die Trauben, nachdem der Oktober 2002 sehr kühl war übrigens erst am 16. November, ein sehr später Lesezeitpunkt.

Der 2003er Siefersheimer Heerkretz ist ein typischer Ausdruck des Jahrgangs. Ihm fehlt die Säure. Die Lesemannschaft hat damals bereits am 10. September vorgelesen – kerngesundes Material mit bereits 92 Grad Oechsle. Heute merkt man neben dem Mangel an Säure doch deutlich mehr Alkohol als bei allen anderen Weinen. Die Cremigkeit, das Salzige und die typische, saftige Frucht, die die Heerkretz-Rieslinge auszeichnet ist aber auch hier vorhanden.

2004 ist für Daniel Wagner das Jahr, welches ihm selbst nicht gut gefällt – was ich bei diesem Heerkretz gar nicht nachvollziehen konnte. Er bemängelt eine grüne Note in allen Weinen, die für ihn kaum zu erklären sei, denn das Lesegut sei reif und gesund gewesen und die einzige Erklärung sei für ihn der Stress der Reben im Jahr zuvor. Wenn überhaupt, dann konnte ich beim 2004er Siefersheimer Heerkretz lediglich eine ganz leichte Sauvignon-Note feststellen, ein bisschen Pyrazin, aber kaum der Rede wert – und bei Pyrazin in allem, was nicht junger Sauvignon Blanc ist, reagiere ich gern allergisch (im bildlichen Sinne). Dieser Wein ist klar, hell, mit feiner Säure und schlankem Körper ausgestattet.

Heerkretz_03Das Schmidt Z & Ko.

Neben dem schlanken Persönchen aus 2004 wirkt der 2005er Siefersheimer Heerkretz fast wie ein Boxer – allerdings, wie ein elegant schlagender Athlet. Der Wein wirkt buttrig, cremig mit warmen gelben Noten, er ist enorm saftig und verfügt dabei über ordentlich Druck. Über dem Saft verwirbeln Kräuter, als Basis findet sich rauchig-salziges Gestein. Der Wein hat vielleicht am meisten Süße von allen, erinnert ein wenig an 2003, ist aber viel fester gewirkt. Die Trauben für diesen Wein hatten nur einen kleinen, dafür aber konzentrierten Wuchs. Gerade einmal 20 Hektoliter konnte Daniel Wagner damals ernten.

Mit dem 2006er Siefersheimer Heerkretz hatten wir dann wieder einen großen Riesling im Glas. Der Wein präsentierte sich wunderbar frisch mit einem Bukett aus Blumen und frisch geschnittenem Kern- und Steinobst – alles in der leicht gelben Richtung. Dann kommen die Kräuter, fast wie eine Infusion, kombiniert mit Orangen- und Zitronenblüten. Herrlich die Säure, die Klarheit dieses Weins. Und das trotz des Stresses, den die Rebstöcke am 3. Oktober hatten. 80 Liter hat es auf jeden Quadratmeter des Heerkretz geregnet – doch die Rebstöcke haben es gut verkraftet.

Vielleicht ist der 2007er Siefersheimer Heerkretz der kompletteste, der typischste Heerkretz der gesamten Vertikale. Sebastian Bordhäuser, ein Teilnehmer der Runde, meinte später, der wäre ihm schon fast zu perfekt gewesen. War das Langeweile auf Grund von Perfektion? Ich kann es für mich nicht bestätigen. Ich mag in diesem Falle dieses Gelungene. Genau nach 150 Tagen Vegetationszeit, nach einem feuchten Sommer einem kühlen und trockenen September und Oktober wurde der Riesling geerntet. Viel Saft findet sich hier, Rauch, Stein, Salz, wiederum die leicht tänzelnden Säure. Der Wein ruht in sich selbst und hat sicher noch viele Jahre vor sich.

2008 dagegen war kompliziert und das merkt man dem Wein auch ein wenig an. Liegt der 2007er auf der gelben Seite, wirkt der 2008er Siefersheimer Herrkretz eher etwas grüner und deutlich kräutriger. Hier hat sich Daniel etwas verkalkuliert, wie er sagte. Die Trauben waren zwar sehr gesund aber irgendwann ging es nicht mehr weiter. Der Weinberg hing voll, doch die Mostgewichte kamen nicht so richtig zustande. Mit Hans-Oliver Spaniers Ratschlag im Ohr „ach Daniel, die Botrytis wird’s schon richten“, hat er dann nach seinem Geschmack zu früh geerntet. Ist es deshalb ein Wein, der negativ aus dem Rahmen fällt? Nein, gar nicht. Er ist so etwas wie die ungezogene kleinere Schwester des hübschen 2007ers, etwas dreckiger, etwas kühler aber eben so gar nicht weniger attraktiv.

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Siefersheimer Heerkretz 2009 bis 2013
Eine gewisse Veränderung des Stils beginnt mit 2009. Hier hat Daniel Wagner zum ersten Mal Holz eingesetzt, und zwar Halbstückfässer. Ein Teil des Weines wird jedoch weiterhin im Edelstahl ausgebaut – zumindest bis einschließlich 2011 denn seit 2012 gibt es nur noch das traditionelle Halbstückfass. Zwar deutete das, was wir vom  2009er Siefersheimer Heerkretz auf eine tolle Qualität hin, doch wirklich zu beurteilen war sie nicht. Hatte die erste Flasche einen deutlichen Korkschmecker, war es bei der Konterflasche wohl ein verdeckter. Der Wein hatte einen ungewöhnlichen Chrysanthemen-Geruch und wirkte matt und leicht pappig und kurz hinten raus, was nicht zum Rest des Weines, zum eigentlichen Volumen passte.

Der 2010er Siefersheimer Heerkretz war für mich neben dem etwas überraschend großartigen 2002er eindeutig das Highlight der Probe. Gerade einmal 19 Hektoliter pro Hektar hat der Jahrgang gebracht, noch weniger als 2005. Dafür aber ist die Qualität beeindruckend, der Wein vibrierend frisch, fordernd, salzig-steinig-mineralisch und voller Kräuter. Hier ist die Primärfrucht schon so gut wie weg, was bleibt ist eine Stein- und Kernobstfrucht, die sich wunderbar ins Gesamtbild integriert hat, unterlegt mit einer perfekten Säure. Wer den 2010er Heerkretz im Keller hat, wird noch viele Jahre großen Spaß mit dem Wein haben.

Der 2011er Siefersheimer Heerkretz stach aromatisch am stärksten aus dem Gesamtbild des Heerkretz heraus, als Einziger, muss man sagen. Entsprechend bin ich äußerst gespannt, wie sich dieser Wein entwickeln wird. Momentan erinnert er eher an einen Traminer denn an einen Riesling, was vor allem an der unglaublichen Würze liegt. Es ist der erste Wein, der eine Bio-Qualifikation hat, denn mit dem Jahrgang 2011, hat Daniel Wagner die Umstellung abgeschlossen. Der 2011er ist, wie schon gesagt, der würzigste der Weine, der mineralischste, der rauchigste und dunkelste der Weine und auch der kühlste. Er hat enormen Druck und eine feine, klare Säure. Wenn hier der Riesling in der Aromatik wieder die Oberhand gewinnen sollte im Laufe der Zeit, dann wird das möglicherweise das Heerkretz-Monument werden. Daniel Wagner jedenfalls glaubt daran und erklärt ihn zu seinem bisher besten Heerkretz – und er sollte es wissen.

Mit dem 2012er Siefersheimer Heerkretz hat Daniel dann ganz auf den Ausbau im Holz umgestellt. Er nennt dafür vor allem historische Gründe, denn Wein in dieser Gegend ist früher immer in solchen Gebinden ausgebaut worden und entsprechend nach historischem Vorbild hat er sie anfertigen lassen. Der Wein wird vor allem von Primärfrucht bestimmt. Diese ist hell und erinnert an Zitrusfrüchte, die mit Kräutern abgeschmeckt sind. Neben all der Frucht dominiert auch hier wieder Steinwürze, allerdings viel weniger, als beim 2011er. Brillant, wie bei fast allen Weinen außer 2003 und 2005 präsentiert sich die Säure und wunderbar fein ist die cremige Note am Gaumen. Für Daniel Wagner war 2012 eine der entspanntesten Lesen, und genauso entspannt präsentiert sich der Wein.

Heerkretz_05Daniel Wagner gehört zu den nachdenklichen und ruhigen Vertretern seines Fachs.

Für mich hat die Probe, die der Sommelier des Hauses, Jan Wilhelm Buhrmann uns vor Ort organisiert und eingeschenkt hat, zu einem ausgesprochen befriedigenden Ergebnis geführt. Es gab nur eine Ausfall, und da gleich samt der Konterflasche, das ist Pech und Schade, denn 2009 wäre sicher ein weiteres Highlight gewesen. Ansonsten war die Serie ein reiner Ausdruck des Terroirs, wie ich es verstehe, in Kombination mit den jeweiligen Wetterbedingungen. Bis heute zeigen die Weine kaum Alterungserscheinungen – das ist vielleicht die größte Überraschung dieser Probe. Nicht mal 2003 wirkte alt. Ihm fehlte die Säure, ja, er hatte einen Anflug, aber auch nur einen Anflug von Firniss in der Nase, doch alt schmeckt anders. Eigentlich ist der 2002er Jahrgang der einzige, von dem man sagen könnte, dass er jetzt wohl auf dem Punkt der vollen Trinkreife angekommen ist. Alles andere (und auch der 2002er) hat noch viele schöne Jahre vor sich. Und bei der Qualitätsdichte kann man eigentlich nur sagen, dass man dieses Gewächs eigentlich blind kaufen und weglegen kann.

Vielen Dank an den Miteigner des Schmidt Z & Ko., Carsten Schmidt sowie den Sommelier Jan Wilhem Buhrmann für die tolle Organisation und eine dicke Empfehlung für den Laden mit einer ausgezeichneten Weinauswahl, guten Küche und angenehmen Atmosphäre).

Axels letzte Weine: Koehler Silvaner (Krähberg) 2010 und Silvaner Auslese 2010

20/Nov/14 12:30 kategorisiert in: Bio & Biodyn, Silvaner, Weiß, Deutschland

Als ich 2009 mit Alexander Gysler, dessen Weine ich damals schon in mein Programm aufgenommen hatte, in seiner Probierstube saß und ihn fragte, wessen Weine er mir aus seinem näheren Umfeld noch empfehlen würde, fiel ohne zu zögern der Name Axel Koehler. Axel hatte 2007 seinen ersten Jahrgang vinifiziert und zwar im gleichnamigen Weingut seines Vaters. Er war damals schon längst kein Neueinsteiger mehr. Er hat schon Jahre zuvor in Geisenheim studiert und zwar in einem Jahrgang mit Leuten wie Daniel Wagner. Leider aber konnte er nach dem Studium nicht ins heimische Weingut. Zu unterschiedlich waren die Interessen zwischen ihm und seinem Vater. Das ist nicht ungewöhnlich, gerade im Weinbereich und gerade in den 1990er Jahren, wo es einen großen Umbruch gab. Was vorher kleinkariert und verschlossen und wenig qualitätsorientiert wirkte, wollte die damals noch junge Garde, die sich später zu Message in a Bottle zusammengeschlossen hat, aufbrechen. Zu diesen Leuten gehörte Phillip Wittmann, Daniel Wagner, Hans-Oliver Spanier, Alexander Gysler und eben auch Axel Köhler. Während Alexander Gysler viel schneller in die Verantwortung gezogen wurde als er erwartet hatte – sein Vater ist 1999 verstorben -, und Daniel Wagner und Phillip Wittmann bei ihren Vätern auf deutlich mehr Offenheit stießen, ist Axel Köhler in die Ferne gezogen und hat auf anderen Weingütern gearbeite. Neben dem schon erwähnten Weingut Wittmann war er bei Marc Kreydenweiss oder auch bei Louis Latour.

Axel Koehler
Im alten Keller probieren wir den 2010er Jahrgang aus dem Fass.

Schließlich jedoch wollte sich sein Vater mehr und mehr zurückziehen und Axel wollte seine Chance nutzen. Es sind jedoch unterm Strich nur vier Jahrgänge geworden, die er vinifizieren konnte. Danach hat er entnervt aufgegeben weil er keine Perspektive sah, das Weingut letztlich doch nicht so führen konnte, wie er wollte und auch nicht investieren konnte. Der Fall Axel Köhler ist leider einer, bei dem dieser Umbruch, dieser Generationswechsel überhaupt nicht geklappt hat. Axel jedoch hat noch ganz andere Interessen, die er nun weiter verfolgt. Ich selber habe seine Weine zwei Jahre lange verkauft, bis auch ich einen anderen Weg eingeschlagen habe. Was aber trotzdem bleibt ist ein Verlust, denn Axel Koehler gehörte für mich zu den talentiertesten Weinmachern, die wir hatten. Und es war einer, der vor hatte, im alternativen Weinbau, beim Naturwein weiter zu gehen, als es die meisten anderen gemacht hatten.

Restzuckergehalt auf dem Fass notiertRestzuckergehalt des Silvaners während der Gärung auf dem Fass notiert

Sein Können bestätigt sich noch einmal in den Silvanern, die er 2010 vinifiziert hat. Der trockene Silvaner 2010 aus der Lage Krähberg in Heimersheim gehört mit zum Schönsten, was ich an Silvanern aus diesem Jahr getrunken habe. Es ist ein erdig-steiniger Wein vom Kalkmergelboden mit rauchigen Noten, einer verhaltenen doch immer präsenten Frucht und einer wunderbaren Cremigkeit am Gaumen. Das hat so viel Stil, wie man es von einem guten Burgunder erwartet, aber nicht unbedingt von einem rheinhessischen Silvaner. Dieser burgundische Eindruck mag auch dadurch zustande kommen, dass der Wein einen biologischen Säureabbau durchgemacht hat und die fünf Promille Säure wenig auffallen.

Die Silvaner Auslese 2010 liegt mit ihren 119 Grad Öchsle ein Grad unter einer Beerenauslese. Der Wein hat dabei im Gegensatz zum trockenen Lagenwein eine markante Säure von knapp 13 Promille. Das balanciert die Süße und macht sie nicht pappig. Silvaner als quasi Beerenauslese muss man lange suchen. Und da Silvaner für so eine Form von Wein oft zu wenig Säure hat, ist das auch kein Wunder. Hier passt es und es kommt ein markanter, ungewöhnlicher Weine zu stande, denn trotz aller Süße bleibt natürlich die geschlamckliche Charakteristik des Silvaners – und die erwartet man hier eigentlich nicht.

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Wer Interesse an diesen beiden Weinen an – es sind die letzten ihrer Art – kontaktiere mich bitte direkt per Mail (info ät originalverkorkt punkt de). Ich kann noch einigen Flaschen dieser außergewöhnlichen Weine vermitteln. Beide Weine dürften exzellent zur Gans passen, die Auslese zu einer Gänseleber aus vernünftiger Aufzucht, der trockene Lagenwein zur Weihnachtsgans. Der Silvaner (Krähberg) kostet € 14.90, die Auslese gibt es in zwei Varianten. Die 0,75l-Flasche liegt bei € 18,-, die 0,5l-Flasche bei € 12,-.

Weiterführende Artikel:

Zu Gast in den Weingütern Koehler und Riffel

Koehlers Alzeyer Rothenfels Riesling 2008

Weinrallye 38: Underdog Scheurebe

Zur 800 eine Flasche 738: a.k.a. Jacquesson is in da house

Zum Artikel mit der Nummer 800 gibt es mal wieder etwas Feines im Blog. Just gestern hat Champagne Jacquesson die aktuelle Cuvée der 700er Serie dem Fachpublikum in Hamburg vorgestellt. Das ist durchaus ein Ereignis, denn die Erzeugnisse des Champagnerhauses der Brüder Laurent und Jean Hervé Chiquet haben sich zu einigen der feinsten der gesamten Champagne entwickelt. Vor allem, seitdem die beiden Brüder das Haus 1988 von ihrem Vater übernommen haben um noch einmal viel aufwendiger und konsequenter im Weinberg und im Keller zu arbeiten. Das war durchaus ein Risiko, denn man hat die gesamte, vorher schon sehr gut laufende Linie erneuert. Begonnen hat dies mit dem Basis-Champagne, dem typischen Brut, der hier Perfection Brut hieß und mit dem Jahrgang 2000 zum Extra-Brut Cuvée No. 728 wurde. Dabei ist Extra Brut schon etwa übertrieben um die Leute nicht zu verschrecken (und möglicherweise je nach Jahrgang auch Spielraum zu haben), denn eigentlich ist dieser Champagne ein Brut Nature mit gerade einmal 1 bis 3 Gramm Dosage auf einen Liter.

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Die 700er-Serie stammt im Wesentlichen aus einem Jahr. Der erste der Serie, die Cuvée No. 728, wurde mit dem Grundwein aus 2000 gefüllt, der mit Reservewein der vorherigen Jahre assembliert wurde. Mit der aktuellen Füllung Cuvée No. 738 sind wir entsprechend zum Zehnjährigen beim Grundweinjahrgang 2010 angekommen. Dieser ist eine Cuvée aus 61% Chardonnay, 18% Pinot Noir und 21% Meunier. Der Wein stammt zu 67% aus dem Jahr 2010 und zu 33% aus Reserveweinen. Er wurde spontan vergoren, auf der Feinhefe in Holzfudern ausgebaut und unfiltriert abgefüllt. Schließlich wurde der 738 mit 2,5% Dosage im April 2014 degorgiert. All das steht angenehmer Weise auf der Flasche. Diese wurde im zehnten Jahr im Design noch mal etwas geändert. Und zwar mit einem etwas geordneteren und auch plakativeren Etikett. Die Seriennummer ist weiterhin rot, dafür aber bold, größer und außerdem nicht mehr in Serifenschrift. Die Typo für den Namen des Hauses dagegen wurde deutlich schlanker gesetzt. Das Etikett wirkt ensprechend aufgeräumter.

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Wer nun glaubt, die geringe Dosage würde zu einem eher kargen Champagner führen, wird eines Besseren belehrt. Eine hohe Dosage wäre bei diesem Wein kontraproduktiv denn der 738 hat genügend Volumen und Opulenz. Es ist ein weiniger, komplexer und kraftvoller Champagner, der eine gewisse Süße vom reifen Lesegut suggeriert, nicht aber einen süßen Geschmack. Kraft ist auch das, was ihn vom Vorgänger, dem 737 abhebt. Der Wein hat mehr Power und ist auch komplexer. Dabei bleibt der Champagne neben aller Kraft immer elegant, klar, hat eine tolle Säure und neben dem Weinigen, dem Einfluß von Holz und Hefe auch so etwas wie ein Fußabdruck des Bodens in Form einer kalkig-steinigen Mineralität.

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Eigentlich ist dieser Champagne die Einsteigsqualität des Hauses. Allerdings auf einem Niveau, wie es andere in ihrer gesamten Palette der Erzeugnisse nicht hinkriegen. Der Preis entspricht auch nicht unbedingt einem Einstiegsprodukt, denn er liegt bei um die 45 Euro. Aber, so viel kostet ein Veuve Clicquot ja auch (haha!). Wenn man allerdings wirklich ein besonders gelungenes Exemplar haben möchte, das genau den Spagat zwischen der besonderen Eleganz eines sehr guten Markenchampagners und dem markanten Charakter eines Winzerchampagners haben möchte, liegt bei diesem Wein genau richtig. Und bei der Cuvée No. 738 erst recht. Für mich ist das einer der Champagner, die ich am meisten wertschätze.

P.S.: Wer noch eins drauflegen will: Jacquesson bringt zusammen mit dem 738 noch den fünf Jahre älteren Cuvée No. 733 als Degorgement Tardif auf den Markt. Der Wein hat einfach fünf Jahre länger auf der Feinhefe gelegen, und das ist, also das ist… *seuftz*

Die Weine gibt es alle bei Weine Visentin, der auch den Generalimport für Deutschland hat. Man bekommt den 738 aber beispielsweise auch in der Weinhalle.

 


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