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In Neuseeland – Teil 11: Marlborough, Framingham und Seresin

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Wer einmal die andere Seite von Marlborough kennenlernen will, also die, bei der Sauvignon Blanc zugunsten der anderen Sorten etwas stärker in den Hintergrund tritt,  der sollte (neben bereits erwähnten Wineries) erstens Framingham besuchen und zweitens die Mitglieder der MaNa-Gruppe.

Framingham
Framingham ist bisher in Deutschland so gut wie gar nicht vertreten, doch ich halte es für eines der besten neuseeländischen Weingüter überhaupt. Dass man es hier kaum kennt, liegt wahrscheinlich auch daran, dass es erstens eben nicht auf den typisch tropischen Sauvignon Blanc setzt und zweitens vor allem berühmt ist für die außerordentlich guten Rieslinge und anderen aromatischen Rebsorten. Zu verdanken ist dieser Erfolg vor allem dem Weinmacher Andrew Hedley. Diesen höchst sympathischen und kompetenten Menschen habe ich während eines Naturwein-Symposiums in Martinborough kenngelernt, dass er dort gehalten hat. Er gehört neben seiner Tätigkeit als Weinmacher zu den wenigen, die diese Weine in kleinen Mengen nach Neuseeland importieren. Andrew kommt ursprünglich aus dem Norden Englands und hat dort seinen PhD in Chemie gemacht bevor er 1993 nach Neuseeland gegangen ist.

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Seit 1998 ist er Weinmacher und verantwortet mittlerweile 16 Jahrgänge. Obwohl er 2006 an Kehlkopfkrebs erkrankt ist und seitdem nur mit so einem kleinen Handgerät reden kann, was sich mechanisch metallisch anhört, hält ihn das glücklicherweise keineswegs davon ab, öffentlich aufzutreten und über seinen Themen zu reden und trotz des monotonen, leblos wirkenden Sounds dieses Geräts ist Andrew ein Mensch, der einen sofort in seinen Bann schlägt.

Framingham_02Andrew Hedley, Copyright Fotos mitte und rechts: Framingham.co.nz

 

Der erste Weingarten des Weinguts Framingham wurde 1981 vom ebenfalls englischstämmigen Rex Brooke-Taylor angelegt. Somit gehört diese mit Riesling bestockte Fläche zu den ältesten in Marlborough und sie wird, wie die anderen Flächen auch, auf ökologischen Weinbau umgestellt. Der erste Wein unter dem Namen Framingham wurde 1994 auf den Markt gebracht, zwischenzeitlich wurde das Weingut an Constellation Brands verkauft, mittlerweile befindet es sich im Besitz des Unternehmens Sogrape. Die Portugiesen sind zwar ebenfalls ein großer Player, aber immer noch in Familienbesitz, was eine ganz andere Unternehmenskultur ermöglicht.

Framingham_01Copyright Fotos: Framingham.co.nz

 

Zwar werden hier auch rote Weine erzeugt, allen voran der hervorragende Pinot Noir aus der F-Serie und auch ein Montepulciano, daneben ein ungewöhnlich mineralisch-erdiger Sauvignon Blanc (F-Series) und ansonsten Gewürztraminer, Pinot Gris und vor allem Riesling. Die Rieslinge, an denen Andrew Herz hängt, vor allem die aus der F-Serie (zum Beispiel der Old Vines Riesling oder die Auslese 2011) aus dem schon angesprochenen alten Weinberg, gehört zum Besten, was ich aus der Sorte außerhalb Deutschlands bisher probiert habe und auch im Vergleich mit großen deutschen Rieslingen ist das eine Wucht. Es ist eine Schande, dass man das hierzulande nicht bekommt!

MaNa
Da ich nicht alle Weingüter der Winzergruppe MaNa einzeln treffen konnte, haben wir den Spieß während meines Aufenthalts umgedreht. Wir haben ein Speed-Dating im Weingut Hans Herzog vereinbart. Ich habe mich auf die Terrasse des bekannten Weinguts-Restaurants gesetzt und die Gruppenmitglieder hatten jeweils zwanzig Minuten Zeit, sich und ihre Weine vorzustellen. Das war durchaus witzig, viel zu kurz, um die Weingüter und die Menschen dahinter wirklich kennenzulernen, aber nach einem Tag mit 50 Weinen beim Regionaltasting, einem Rundgang durch das Weingut von Villa Maria und einem Nachmittag bei Yealands das Äußerste, was noch drin war. Und schließlich haben wir alle zusammen gespeist, was nach dem Tag in dieser Runde ein großes Vergnügen war.

Ob MaNa auch eine Bedeutung in Maori hat, weiß ich nicht, aber es ist offensichtlich die Abkürzung für MArlborough NAtural Winegrowers. Ursprünglich bestand die Gruppe aus den Weingütern Seresin, Huia, Hans Herzog, Fromm und Te Ware Ra, mittlerweile haben sich jedoch Clos Henri und RockFerry angeschlossen. Di e Mitglieder der Gruppe müssen zertifiziert sein (bio-organisch oder biodynamisch), ihre Weine müssen ihn Marlborough entstehen und in der eigenen Winery entstehen und sie die Weine werden alle von den Gruppenmitgliedern probiert und getestet, bevor sie auf den Markt kommen.

Seresin
Seresin ist das Herzensprojekt eines weitgereisten neuseelandstämmigen Kameramanns, der sein Geld unter anderem mit Hollywood-Produktionen verdient hat. Ohne den guten Salaire, den man dort erhält, wäre der Aufbau eines solchen Gutes nicht möglich. Der Aufbau und Betrieb eines Weinguts ist nichts, was man mit kleinen Mitteln finanzieren könnte und ich habe einige Projekte in Neuseeland (und natürlich auch anderswo) gesehen, wo sich Investoren schlichtweg übernommen haben. Nun hat man in Neuseeland zumindest den Vorteil, dass man dort damit rechnen kann, das selbst in schlechteren Jahren noch genügend Ernte eingefahren werden kann – im Gegensatz zu manchen Totalausfällen, die in Mitteleuropa viel häufiger vorkommen.

Seresin_01Copyright Fotos: Seresin.co.nz

 

Michael Seresin jedenfalls hat auf seinen Reisen, die ihn nicht nur nach Kalifornien führten sondern oft vor allem auch nach Europa, italienische Lebenskultur schätzen gelernt und ist ursprünglich irgendwann dort auf die Suche gegangen, um den geeigneten Platz für ein Landgut zu finden. Doch ist es dort gar nicht so einfach, etwas Vernünftiges und Bezahlbares zu erwerben und außerdem fing während seiner Suche der Sauvignon-Blanc-Boom in seiner Heimat an. Ein Grund, sich Marlborough doch noch mal genauer anzuschauen. Im Wairau Valley ist er dann fündig geworden und hat sich sein in Italien präferiertes Dolce Vita nach Marlborough adaptiert. Begonnen hat er mit dem Erwerb einer 45 Hektar Fläche, dem Home Vineyard im zentralen Wairau mit seinen alten Flussbetten, den Kieseln und dem gut drainagierten alluvialen Schwemmland, wo natürlich Sauvignon Blanc angebaut wurde, aber auch Chardonnay, Riesling, Pinot Gris, Pinot Noir und Semillon. Im Omaka Valley kam später der 51 Hektar große Raupo Creek Vinyard dazu. Seresin war einer der ersten, die bewusst aus der Ebene in die Foothills gegangen sind um die Ton-Lehm-Böden für den Anbau von Pinot Noir und Chardonnay zu nutzen. Neben dem Wein stehen hier 25 weitere Hektar bepflanzt mit Olivenbäumen, Obstbäumen, Gemüsefeldern und weiter in der Ebene auch mit Weideland. Seresin Estate funktioniert wie eine italienische Fattoria, wozu natürlich auch ein Restaurant gehört, das sich am Homeblock befindet und die Ernte des komplett biodynamisch zertifizierten Landes verarbeitet. Vor einiger Zeit sind noch einmal 15 Hektar Weingarten hinzugekommen. Der Tatou Vineyard, umgeben von Olivenbäumen und mit Sauvignon und Pinot bepflanzt, liegt etwas westlich des Home Vineyard.

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Copyright Foto rechts: Seresin.co.nz

 

Bei Seresin und auch später bei den anderen Mitgliedern von MaNa lässt sich gut ablesen, dass es vor allem auch in Marlborough längst nicht mehr nur um Sauvignon Blanc geht. Pinot Noir findet hier ausgezeichnete Bedingungen und präsentiert sich in einem fruchtbetonten, frischen Stil. Gerade mit den Weinbergsmethoden der MaNa-Mitglieder entstehen hier strukturierte, Pinots mit großer Persönlichkeit. Für mich besonders empfehlenswert bei Seresin sind die Pinot Noirs, die Chardonnay Reserve und Chiaroscuro, ein Blend von Chardonnay, Pinot Gris und Riesling, eine wirklich ungewöhnliche Mischung aus dem 500-Liter-Punchon.

Map_Neuseeland_Marlborough

In Neuseeland:

Teil 1: Auckland, Waiheke und die Bucht von Man'O'War

Teil 2: Einige erste Gedanken zum Neuseeländischen Weinbau

Teil 3: In Hawke's Bay

Teil 4: In Hawke's Bay bei Craggy Range und Elephant Hill

Teil 5: In Hawke's Bay bei Trinity Hill und Sileni

Teil 6: In Martinborough bei Ata Rangi

Teil 7: In Martinborough und Gladstone

Teil 8: In Nelson bei Woollaston und Neudorf

Teil 9: In Marlborough, Johanneshof, Greywacke, Dog Point

Teil 10: In Marlborough, über Sauvignon Blanc, einen Besuch bei Yealands und die Nachhaltigkeit

Die Reise erfolgte auf Einladung und wurde mit mir und nach meinen Wünschen hervorragend organisiert von: nzwine-2x

 

 

In Neuseeland – Teil 10: Über Sauvignon Blanc, einen Besuch bei Yealands und die Nachhaltigkeit

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Das, was das Wein-Reisen ausmacht ist ja, dass man tatsächlich die Weinregionen noch einmal anders oder vielleicht überhaupt erst versteht. So erging es mir mit Marlborough und dessen Sauvignon Blanc. Denn dieses Gebiet ist, ich erwähnte es bereits, letztlich mit einem ganz bestimmten Sauvignon-Blanc-Stil bekannt geworden und der war und ist so erfolgreich, dass er mit Marlborough quasi gleichgesetzt wird. Die Weinmacher in Marlborough aber sind schon ein ganzes Stück weiter als und das so auf der anderen Seite der Erdhalbkugel vorkommt. Denn das, was wir als Marlborough-Sauvignon-Blanc kennen ist eine Form der Terroirs. Eines Terroirs, um genau zu sein. dieses Terroir setzt sich zusammen aus der besonderen Bodenstruktur und des Mikroklimnas im Wairau Valley und einer bestimmten Machart im Keller. Hier trifft Sauvignon Blanc auf ein altes Flussbett samt typischer alluvialer Schwemmböden mit Flusskiesel. Das Tal ist Richtung Meer hin kühler und windiger als Richtung Inland wo auch die Böden etwas grob-kiesiger sind. Über das ganze Tal hinweg entsteht intensiv tropisch-fruchtiger Wein der, wenn die die Sauvignon-Blanc-Stöcke noch jung sind, noch zusätzlich die stark pyrazinhaltigen, grünen Aromen einbindet. dies alles wird beim typischen Marlborough-Sauvignon-Blanc ziemlich kalt vergoren, was das Tropische noch fördert.

Yealands_PazifikDer Weinberg von Yealnds beginnt direkt an der Bruchkante zum Pazifik

Neben dem Wairau Valley gibt es aber noch ein paar andere Gegenden in Marlborough, und die dortigen Gegebenheiten lassen einen ganz anderen Sauvignon Blanc entstehen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Awatere Valley. In diesem Bereich, der am Südrand von Marlborough liegt, habe ich ein wirklich spezielles Weingut besucht. Es heißt Yealands, wie sein Gründer Peter Yealand und es zeigt, was man leisten kann, wenn man eine konkrete Idee von nachhaltigem Wirtschaften hat.

Yealands_WeingutMitten im 1.000 Hektar-Weinberg liegt das moderne, mit Solarzellen bestückte Weingut. Foto Copyright: Yealands

Peter Yealands hat dort vor einigen Jahren Land gekauft. Das dürfte nicht so teuer gewesen sein denn es war trocken, unbepflanzt und nur von einigen Schafen bewohnt. Es ist eine ganze Menge Land, das er sich dort zugelegt hat und so stehen heute 1.000 Hektar unter Reben. Es sind 1.000-Hektar Single-Vineyard mit 1.6 Millionen Rebstöcken auf 4.000 Kilometer Rebzeilen, die sich über die Hügel ziehen. Und weil Peter ein ordentlicher Mensch ist hat er sie auch nicht einfach so wild wachsen lassen sondern er hat sich ein Instrument gebaut (er macht Vieles einfach am liebsten selbst) mit dem er mit Hilfe von GPS-Koordinaten die Rebzeilen genau abstecken konnte, so dass sie sich wie die 6. römische Legion in Schlachtordnung über die Hügel ziehen.

YealandsRechts oben: Mr. Peter Yealand, ein Charakterkopf mit ziemlich klaren Ideen. Rechts unten: Das Strauchwerk wird gesammelt, gepresst und als Brennmaterial verwendet. Fotos links Copyright: Yealands.

Die Perfektion, mit der er beim Anbau ans Werk gegangen ist, hört hier jedoch längst nicht auf. Denn Peter Yealand wollte nicht irgendein Weingut errichten sondern er wollte das nachhaltigste Weingut errichten, das es bis zu diesem Zeitpunkt gab. Als er am 08.08.08 (sic!) das Weingut offiziell eröffnete war es bereits carboNZeroCertTM zertifiziert. Was heißt das konkret vor Ort? Zunächst einmal hat man dort, wo es vorher nur Steppe gab, Flora und Fauna implementiert (200.000 Pflanzen) und eine ganze Reihe größerer Teiche geschaffen, aus denen sich im Zweifel auch der Weinberg bewässern lässt, ohne dass das Grundwasser angezapft werden muss.

Yealnds_SchweineMan begegnet Schafen, Schweinen und Hühnern im Weinberg.  Das Bodenprofil zeigt den typischen Schwemmlandboden.

Neben der großflächigen Ausstattung mit Sonnenkollektoren (die größte in Neuseeland mit 297 Panels und 133.000kWh pro Jahr), einer eigenen Wasseraufbereitungsanlage oder dem Einsatz von Bio-Kraftstoff in landwirtschaftlichen Geräten werden beispielsweise sämtliche Rebschnitte gesammelt, gepresst und als Brennmaterial für den Winter verwendet. Alles, was im Weingut, aber auch im Vorfeld bei den Zulieferern und auch nachher beim Verschiffen passiert, wird in den Carbon-Footprint mit aufgenommen und das Weingut arbeitet von „cradle to grave“ CO2-neutral. In den Weinbergen liegen heute die größten Komposthaufen Neuseelands, mit dem der Weinberg gedüngt wird, der in diesem Jahr die Öko-Zertifizierung erhält. Anderthalbtausend Schafe bearbeiten den Weinberg. Es ist eine kleine Rasse, die nicht an die Trauben kommt, so dass sie das ganze Jahr über grasen kann. Unterstützt werden sie von Kunekune-Schweinen und jeder Menge Hühner, die beide effektiv als Schädlingsbekämpfer arbeiten.

Wer jetzt meint, ich würde hier ungefiltert eine Werbebotschaft abtippen, liegt falsch. Aber ich habe mir das Weingut einen Tag lang angesehen und bin bis heute begeistert, mit welcher Konsequenz dort gearbeitet wird. Das habe ich, vor allem in dieser schieren Größe sonst noch nirgendwo gesehen. Wer also mal in Marlborough aufschlägt, sollte dieses Weingut definitiv einen Besuch abstatten und sich selbst überzeugen.

Yealands_MulchDer Kompost besteht vor allem aus Mulch und zerkleinerten Muschelschalen, die an der Küste leicht zu bekommen sind.

Der Weinberg beginnt übrigens direkt oberhalb des Pazifik. Hier im Awatare District – Awatare bedeutet auf Maori schneller Strom – ist es im Weinberg deutlich kühler, trockener und windiger als in denWeinbergen des Wairau Valley. Dies führt, zusammen mit der Bodenbeschaffenheit von alluvialem Schwemmland mit Kies und Löss zu einer anderen Typizität denn durch das Klima sind die Beeren kleiner, dickschaliger und verfügen, was z.B. den Sauvignon Blanc angeht über ganz andere Aromen. Nimmt man zum Beispiel den Yealands Single Vineyard Sauvignon Blanc 2014 als Beispiel und geht davon aus, dass die Kellertechnik ähnlich wie bei typischen Marlborough-Sauvignons abläuft, dann hat man hier viel mehr Guave, Johannisbeere, Kräuter und Zitrus statt der typischen Wairau-Maracuja.

Yealands_lookoutEin schlichtweg beeindruckender Weingarten

Die Weine bei Yealands sind klar und typisch gemacht. Man erkennt die neuseeländisch-australische Schule der Weinmacherin Tamra Kelly-Washington. Hier findet man saubere Kellertechnik mit typisch kühler Vergärung und Reinzuchthefen. Auch wenn diese Weine größtenteils nicht meiner persönlichen Neigung entsprechen, gefallen mir doch speziell die Estate Single Blocks und der Gemischte Satz aus Riesling, Pinot Gris und Gewürz. Als Kritiker würde ich auch die anderen Weine hoch bewerten, weil sie einfach gut gemacht sind. Ich weiß, dass ich mit dem ausgezeichneten Material, das dort im Keller angeliefert wird, anders umgehen würde, aber das ist Geschmacks- und nicht Qualitätssache.

Auf jeden Fall hat mich der Besuch bei Yealands sowohl der Sauvignon-Blanc-Lagen-Diversität von Marlborough näher gebracht als auch der Idee von Sustainability, von der ja in Neuseeland allerorts die Rede ist. Und, um es noch einmal zu sagen, die Konsequenz dort hat mir stark imponiert.

Map_Neuseeland_Marlborough

In Neuseeland:

Teil 1: Auckland, Waiheke und die Bucht von Man'O'War

Teil 2: Einige erste Gedanken zum Neuseeländischen Weinbau

Teil 3: In Hawke's Bay

Teil 4: In Hawke's Bay bei Craggy Range und Elephant Hill

Teil 5: In Hawke's Bay bei Trinity Hill und Sileni

Teil 6: In Martinborough bei Ata Rangi

Teil 7: In Martinborough und Gladstone

Teil 8: In Nelson bei Woollaston und Neudorf

Teil 9: In Marlborough, Johanneshof, Greywacke, Dog Point

Die Reise erfolgte auf Einladung und wurde mit mir und nach meinen Wünschen hervorragend organisiert von: nzwine-2x

 

 

Werlitsch 2011 – Liebeserklärung an einen Wein

20/Mai/15 12:30 kategorisiert in: Bio & Biodyn, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Weiß, Österreich

Manchmal plöppt in der Weinwelt, und zwar vor allem auf facebook ein Wein oder Weingut auf und alle schreiben darüber. So viel und so, dass dann andere, die das lesen, sich fragen, wieviel das Weingut denn wohl für die Promotion bezahlt hat. Das ist normalerweise nicht der Fall. Es ist vielmehr so, dass die Zunft der Weinschreiber so klein ist, dass solche Weine schnell die Runde machen.

Doch kann eigentlich über außergewöhnliche Weine jemals genug gesagt werden? Nicht, wenn sie so vielschichtig sind und sich immer wieder so neu und doch so vertraut präsentieren, wie es ein Wein von Ewald Tscheppe tut. Der Wein ist vor einiger Zeit durch die hiesige Weinszene gereicht worden, als große Offenbarung. Weil dieser Wein tatsächlich eine solche Offenbarung ist, ist es gut, dass er und sein Erzeuger diese Aufmerksamkeit bekommt. Denn Ewald Tscheppe, der aus einer traditionsreichen steirischen Weinbaufamilie stammt, gehört nicht zu jenen, die besonders laut wären. Für diesen Typ Winzer dauert es deutlich länger, bis er entdeckt wird – wenn es überhaupt geschieht.

Ewald_Tscheppe

Die Familie Tscheppe ist in Glanz an der Weinstraße in der Südsteiermark beheimatet. Dort bewirtschaftet sie seit dem 17. Jahrhundert die Weingärten, die teils in Steillagen terrassiert sind und deren Sockel der Opok bildet – so nennt man dort den Kalkmergel mit besonders hohem ph-Wert. Seit einigen Jahren haben die beiden Brüder den Besitz des Vaters Andreas Tscheppe sen. geteilt. Der Bruder, Andreas jun. firmiert unter eigenem Namen und Ewald und seine Frau Brigitte haben ihren Betrieb Werlitsch genannt. Werlitsch ist der Name des Hofs, auf dem die Familie beheimatet ist.

Die beiden Brüder, die bei der Wiener Weinmesse Vievinum im letzten Jahr auch direkt nebeneinander standen, bewirtschaften die gleichen Weinberge und sie tun es auf die gleiche Weise, denn sie haben sich beide dem biodynamischen Weinbau verschrieben. Eine durchaus unterschiedliche Stilistik entwickelt sich erst im Weinkeller, der teils noch von beiden genutzt wird. Wenn man die Weine probiert, zeigt sich eindrücklich, dass schon das Drehen an wenigen Stellschrauben völlig unterschiedlich wirkende Weine zustande bringt. In beiden Betrieben geht es vor allem um Sauvignon Blanc, Morillon, wie der Chardonnay dort genannt wird und um Gelben Muskateller.

Ewald Tscheppes Landwein Werlitsch wird aus 50% Morillon und 50% Sauvignon Blanc gekeltert. Die Reben für diesen Wein stammen aus den kargsten und steilsten Lagen, die Tscheppe im Besitz hat. Der Saft bleibt lange auf der Maische und das im offenen großen Holzbottich. Nach dem langsamen Pressen wird der Wein zwei Jahre auf der Feinhefe im großen Holzfass gelagert, bevor er auf die Flasche kommt.

werlitsch

Soweit zum Hintergrund. Der spielt allerdings zunächst einmal, wenn man den Wein öffnet und ins Glas gießt, keine Rolle mehr. Man kann über dieses Wissen verfügen oder nicht, wenn der Wein ins Glas rinnt, trüb und orange wie ein modernes Craftbeer, dann spielt all das für eine Zeit keine Rolle mehr. Den Vergleich mit dem Craftbeer nutzte ich natürlich bewusst, denn sowohl in der Farbe als auch im Aroma ist es genau das, woran dieser Wein im ersten Moment erinnert. Es ist die Hefe, die zunächst den Charakter bestimmt, und so etwas wie die typischen momentan gefragten Aromahopfen wie Amarillo oder, mit Blick auf den verwendeten Sauvignon Blanc auch Nelson Sauvin. Schnell aber verändert sich der Wein im Glas und was dann über die nächsten Stunden oder Tage hinweg passiert ist einfach beeindruckend schön. Wenn man alles, was man sonst so mit Wein verbindet zunächst einmal zur Seite lässt und sich auf diesen Wein einlassen mag – vor allem, wenn man keine Erfahrung mit Orange-Weinen hat – dann ist dies ein Erlebnis, wie man es mit Getränken nur selten hat. Dieser Wein ruht auf unglaubliche Weise in sich selbst, ist ruhig und gelassen wie sein Erzeuger, öffnet sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen demjenigen, der sich Zeit mit ihm lässt. Die Frucht changiert im Laufe des Abends von grüner und gelber zur orangener und leicht kandierter Frucht. Es gibt neben hefigen Anklängen auch malzige. Es gibt Kräuter, viele Kräuter und Gewürze (Brotgewürz,Thymian, Fenchelblüte), dazu Tabak, Nüsse, Mandeln, Speck und immer ein wenig Salz dabei. All das verbindet sich in höchster Komplexität ohne auch nur eine Spur anstrengend zu sein. Das ist Wein wie ein Naturschauspiel außerhalb der Stadt. Man ist mit seinen ganzen Sinnen gefangen, aber es hat nichts Hektisches, nichts Lautes. Einen Wein zu machen, der so geerdet ist und gleichzeitig so zu schweben scheint, ist nicht einfach zu machen. Dazu muss man schon im Weinberg und ebenso im Keller sehr genau nach innen und nach außen hören, muss sich ganz einlassen auf das, was die Natur einem da angeboten hat. Ewald Tscheppe kann das, keine Frage. Und selbst wenn wir, als Betrachter, als Erschmecker, als Genießer der Idee der Biodynamie, der Tscheppe folgt, kritisch gegenüber stehen mögen, so kommen wir doch nicht umhin, diesen Wein als außergewöhnlich zu groß zu bezeichnen. Dass diese Größe aber nur deshalb möglich ist, weil Tscheppe sich so intensiv auf die Natur und seine Art der Bewirtschaftung einlässt, finde ich bei diesem Wein so offensichtlich wie bei kaum einem zweiten. Es ist gut, dass wir Menschen haben, die sich darauf einlassen, die sich nicht beirren lassen und diese Hilfsmittel nutzen, um Weine von solcher Tiefe und solcher Größe und vor allem Schönheit erzeugen.

Dieser Wein ist einer der großen der Weinwelt, das würde ich ohne zu zögern sagen. Im Gegensatz zu vielen höchst bewerteten Weinen allerdings kostet dieser Wein hier etwa so viel wie eine gute Kiste Craftbeer. Wenn mich jemand fragen würde, welchen Wein ich in einer Originalkiste mit auf eine einsame Insel nehmen würde, dann wäre es genau dieser Wein. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ich mir davon im Gegensatz zu anderen höchst bewerteten Weinen aus dem Burgund, dem Bordelais oder sonst woher auch persönlich eine Kiste leisten könnte.

In Neuseeland – Teil 8: Nelson, bei Woollaston und Neudorf

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Als ich Samstagmorgen in der Lodge in Martinborough aufwache, ist es später als gedacht. Zwar habe ich nachts immer noch mit Jetlag-Nachwirkungen wachgelegen doch bin ich irgendwann wieder eingeschlafenen und habe nicht gemerkt, dass die Weckzeit, die ich mir gestellt hatte, nur für Wochentage eingestellt war, aber nicht für Samstage. So bin ich Hals über Kopf abgereist und durch den Morgennebel gefahren, der über den Weiden des Tals lag, zurück durch die Tararua Range zum Flughafen von Wellington. Die kurze Flugstrecke entschädigt jedoch für das ganze Gehetze, das sich am Flughafen noch fortgesetzt hat, da man das Terminal geändert hat, ohne dass ich es mitbekommen hätte. Die Route führt bei wolkenlosem Himmel fast im Tiefflug über den Pelorus Sound. Was für eine fantastische Szenerie bietet dieses Land doch immer wieder – diesmal im Anflug auf Nelson, der Gebietshauptstadt eines Weinbaugebiets, das gerade einmal 963 Hektar bzw. zwei Prozent zur Gesamtweinproduktion Neuseelands beiträgt.

Nelson_Woolaston_02Das Weingut Woollaston und die preisgekrönte Architektur der gläsernen Villa fügen sich in die rolling hills ein. Uüberall finden sich Objekte von Bildhauern in residence. Foto Copyright: Woollaston Estates

Nelson schmiegt sich zwischen Meer und Berge und ist ursprünglich weniger für Wein bekannt als für Hopfen. Der unter Craft-Beer-Kennern wohl bekannteste Hopfen dieser Gegend ist der Nelson Sauvin. Das Witzige dabei ist, dass er im Bierbereich das ist, was Sauvignon Blanc im Weinbereich abdeckt. Er ist der Aromahopfen, der nach Stachelbeere, Trauben und Grapefruit schmeckt. Ganz so, als hätten Nelson Sauvin und Sauvignon Blanc einen gleichen Ursprung. Neben Nelson Sauvin stammen aus dieser Gegend ebenso die Hopfensorten Dr. Rudi (früher Super Alpha), Green Bullet, Kohatu, Motueka, Pacific Gem, Pacific Jade, Southern Cross, Sticklebract, Wakatu und eine Neuzüchtung namens Waimea. Diesen Namen gibt es nicht nur mehrfach auf den Hawaiianischen Inseln sondern auch in Appleby, nahe Nelson. Und nicht nur jener Hopfen wurde so benannt sondern auch das Weingut Waimea Estates. Im Angebot dieses Gutes zeigt sich, wofür das Gebiet bekannt geworden ist. Es sind vor allem die aromatischen weißen Rebsorten sowie Pinot Noir und Chardonnay. Auch wenn, wie so gut wie überall, der Sauvignon Blanc die erste Geige spielt, findet man bei Waimea ebenso Sauvignon Gris, Riesling, Grünen Veltliner, Viognier, Pinot Gris und Gewürztraminer. Die Weine, die ich im Regionaltasting probiert habe, wurden fast alle recht kalt vergoren. Neben dem Weinen von Neudorf, auf die ich gleich noch näher eingehen werde, gehörten die Weine von Richmond Plains und Woollaston zu den erfreulichen Ausnahmen.

Nelson_Woolaston_04Rechts: Ein kleiner Querschnitt durch den Boden von Mahana. Foto  Copyright: Woollaston Estates

Woollaston at Mahana
Überhaupt Woollaston. In diesem außergewöhnlichen Weingut fand das Regional Tasting statt. Es liegt vielleicht 770 Meter entfernt vom Meer und dem vor der Küste gelagerten Rabbit Island in den Hügeln. Der Name Woollaston ist in Neuseeland bekannt, denn der Vater des Weingutsgründers Philip Woollaston war Toss Woollaston, einer, wenn nicht der bekannteste neuseeländische Maler des 20. Jahrhunderts. Seine Familie hat über Jahrzehnte die wohl größte private Kunstsammlung in Neuseelands zusammengesammelt, von dessen Exponaten ein Teil im Weingut und um das Weingut herum zu finden ist.

Nelson_Woolaston_03Foto rechts, Copyright: Woollaston Estates

Das Weingut selbst existiert seit 2000 und ist eine wirkliche Entdeckung. Die Weingärten liegen im Mahana Vineyard rund um das Anwesen sowie im The Burke’s Bank ant the Red Shed Vineyard. Mahana bedeutet warm auf Maori und sagt etwas über Lage und Bodenstruktur aus. Mahana liegt in der Höhe auf 100 Meter und besteht aus in Lehm gebundenen Schotter aus der Eiszeit. Hier stehen die Chardonnay- und Pinot-Reben, Riesling und Pinot Gris. Weiter unten im Tal, in den Waimea Plains stehen die Rebstöcke für die aromatischeren Weine, für Sauvignon Blanc, Pinot Gris und Riesling. Vor einigen Jahren wurde das Weingut auf ökologischen Anbau umgestellt und zertifiziert. Das Weingut wurde direkt auf vier Ebenen geplant, so dass der Produktionsprozess ohne Umpumpen von statten gehen kann. Ich hatte das große Glück, den Weingutsrundgang und das Tasting mit Michael Glover machen zu können, der wenige Tage zuvor eingetroffen war.

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Michael kommt ursprünglich aus Nelson, ist aber als Weinmacher jahrelang durch die Welt gereist und hat viele Jahre lang auf dem Weingut Bannockburn Vineyards in Australien den Stil bestimmt. Ich bin das erste Mal mit den Weinen dieses Weinguts in Kontakt gekommen, aber es wird nicht das letzte Mal sein, vor allem, seitdem ich die ersten Experimente von Michael Glover probiert habe, einem äußerst sympathischen Weinmacher, der vor Energie nur so strotzt. Es werden Weine mit Kanten und Ecken entstehen, die sich aus der Stilistik, die man sonst in Nelson gerne findet, deutlich bzw. noch deutlicher abheben werden.

Neudorf Vineyards
Ganz in der Nähe von Woollaston liegen die Upper Moutere Hills, wo die Neudorf Vineyards liegen. Neudorf schwebt in diesem Anbaugebiet, das kann man ohne Übertreibung sagen, über allem. Die Weine profitieren davon, dass ihre Reben meist schon mehrere Jahrzehnte alt sind. Es ist ähnlich wie bei Ata Rangi und, was Chardonnay angeht, bei Kumeu Rivers: neben aller Arbeit und einem exzellenten Weinbergsmanagement profitiert die Qualität des Weins erheblich vom alten Rebbestand. Dieser wird bei Judy und Tim Finn biologisch-organisch bewirtschaftet. Die beiden haben das Gut Ende der 1970er gegründet. Auch hier gibt es die Parallele zu Ata Rangi. Sie sind ins Weingeschäft eingestiegen als dies in Neuseeland noch kaum existent war. Sie haben jede Menge Lehrgeld bezahlt und sind über die Jahrzehnte hinweg mit aller Erfahrung und altem Rebbestand zur Avantgarde in Neuseeland geworden. Wenn es für Chardonnay einen Cru-status gebe wie es ihn mittlerweile für Pinot Noir gibt, dann würde der Moutere Chardonnay von Neudorf neben dem Hunting Hill oder Coddington Chardonnay von Kumeu Rivers ganz oben stehen.

Nelson_Neudorf_03Möchte man hier wieder weg?

 

Neudorf – die Weine
Neben den hervorragenden Sauvignon Blanc und Lagen-Pinot-Gris haben Todd Stevens, der Winemaker, und ich uns vor allem intensiv mit den Chardonnays und Pinots beschäftigt. Es startet mit dem Estate Chardonnay 2013. Wenn es um guten, oder besser sehr guten Chardonnay geht, dann dreht sich in Neuseeland alles um den säurebetonten, kleinbeerigen Mendoza-Klon. So ist es auch hier. Er mischt sich hier mit Klon 15, 95, 8021, 548 zu 86% aus den Moutere-Hills (Neudorf Home Block, Neudorf Hill Block,Kina Beach, Renart und Flaxmore Vineyards) mit Lehm-Schotter-Gemisch plus einer 14%-Charge aus dem Lord Rutherford Vineyard in den Waimea Plains vom alluvialen Schwemmland. Die Trauben wurden whole bunch gepresst und mit weinbergseigener Hefe vergoren. Der Wein hat zu 100% malolaktische Gärung durchlaufen und wurde in einem kleinen Teil in neuem Holz ausgebaut. Dies gibt dem Wein einen leichten Schwung, einen Touch von Holzstruktur und Tiefe. Der Chardonnay duftet vor allem nach diversen Zitrusfrüchten und Fenchelsaat. Er präsentiert eine wunderbare Mischung aus Cremigkeit und frischer Säure und endet ausgesprochen lang.

Nelson_Neudorf_05Die Anfänge von Neudorf 1978. Foto Copyright: Neudorf Estates

Neu und in kleiner Menge wird der 25 Rows Chardonnay angeboten. Er ist die pure und kristallklare Antwort darauf, dass man in der so genannten Neuen Welt auch Chardonnays produzieren kann, die ihren Gegenpart im Chablis finden. Dieser Wein aus 100% Mendoza-Klon schafft es in beeindruckender Weise. Hier wurde nur 50% des Weins durch eine malolaktische Gärung geschickt, die Weine wurden in alten, größeren Fässern (Puncheons) ausgebaut, wobei nur ganz selten die Hefe umgerührt wurde. Der Clou ist, dass die Rebstöcke auf deutlich basischem, mineralischen Boden im Neudorf Hill Block stehen. So schmeckt man neben aller Grapefruit und Limette vor allem nassen Stein, Trockenkräuter und Brotgewürz. Der Wein vibriert auf der Zunge und hat eine hervorragende Länge.

On top gibt es den 2013er Moutere Chardonnay aus dem Neudorf Home und dem Neudorf Hill Block. Beeindruckend kraftvoll, reich und geradezu explosiv zeigt sich dieser Wein, dessen Rebstöcke teils direkt am Haus stehen, zu 1005 aus Mendoza-Klon bestehen, zu 100% Säureabbau genossen haben und zu 26% in neuem französischen Holz vergoren wurden. Hier verbindet sich der Duft von Blüten mit gerösteten Nüssen und dem typischen Flint-Geruch der oft entsteht, wenn spontan vergorener Chardonnay auf Holz trifft. Am Gaumen präsentiert sich der Wein aromatisch, frisch und gleichzeitig saftig und dicht mit einer superben Länge. Das ist großes Chardonnay-Kino mit einem gekonnten Holzeinsatz, der immer nur leicht unterstützt aber nie dominiert.

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Etwas kräftiger ist der Holzeinsatz beim Pinot, und doch bleibt er immer auf der unterstützenden Seite, vielleicht etwas mehr führend. Der 2012er Tom's Block Pinot Noir  präsentiert sich gerade in perfekter Verfassung. Der Pinot Noir vom Abel-Klon sowie den Varietäten 5, 10/5, 667, 777 und 115 stammt zum überwiegenden Teil aus Moutere (Neudorf Home Block, Kina Beach, Renart und Flaxmore) sowie dem Rutherford Vineyard in den Waimea Plains. Er wurde komplett entrappt, spontan vergoren im Open Top Fermenter. Tom’s Block Pinot duftet nach Pflaumen und Kirschen, Nüssen, Feld, Wiese und Wald. Das Tannin ist bestens integriert und seidig, die Frucht präsent, frisch und zupackend, die Säure hervorragend. Im Gegensatz dazu präsentiert sich der 2013er Tom’s Block Pinot Noir etwas wärmer und noch fruchtbetonter. Das wärmere Jahr gibt hier das Üppigere, wie es ja auch schon in Martinborough zu schmecken war. Dies findet sich auch im Moutere Pinot Noir 2013, dem Pendant zum Icon-Chardonnay. Der Pinot stammt vor allem aus dem Home Block vom 15 bis 33 Jahre alten Rebstöcken und ist eine Mischung verschiedener französischer Klone und dem Abel-Klon. Im Prinzip wurde der Wein genauso verarbeitet wie Tom’s Block, 21% der Fässer sind neue französische Eiche. Wald- und Wildnoten verbinden sich mit dunkler Frucht und Gewürzen wie Süßholz. Beeindruckend ist die Balance dieses noch so jungen Weins, wunderbar die Kraft und Komplexität und die jetzt schon gut integrierten Tannine. Wenn man bei Neudorf mit den Chardonnay schon auf Grand Cru Niveau angelangt ist, so spielen die Pinots definitiv in guter Premier-Cru-Liga.

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Nelson, der kleine Nachbar des großen Gebietes Marlborough, hat viele deutsche Wurzeln, auf die nicht zuletzt der Name des Weinguts Neudorf an der Neudorf Road hinweist. Mitte des 19. Jahrhunderts pflanzten sind Rebstöcke, Hopfen und Obstplantagen, die hier immer noch weit verbreitet sind. Das Gebiet macht sich einen immer besseren Namen mit Wein – und das ist, wenn man Woollaston oder Neudorf probiert auch kein Wunder. Daneben gibt es die, die im Prinzip so schmecken, wie im Nachbargebiet. Das liegt an der angewandten Technik. Da gibt es noch viel Luft nach oben, denn Eisbonbon und Hyperfrische können viele. Da bin ich gespannt, wo es insgesamt hingeht.

Map_Neuseeland_Nelson

In Neuseeland:

Teil 1: Auckland, Waiheke und die Bucht von Man'O'War

Teil 2: Einige erste Gedanken zum Neuseeländischen Weinbau

Teil 3: In Hawke's Bay

Teil 4: In Hawke's Bay bei Craggy Range und Elephant Hill

Teil 5: In Hawke's Bay bei Trinity Hill und Sileni

Teil 6: In Martinborough bei Ata Rangi

Teil 7: In Martinborough und Gladstone

Teil 8: In Nelson bei Woollaston und Neudorf

Teil 9: Marlborough, im Johanneshof, bei Greywacke und Dog Point

Die Reise erfolgte auf Einladung und wurde mit mir und nach meinen Wünschen hervorragend organisiert von: nzwine-2x

 

 


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