originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Schluck für Schluck ein neues Weinmagazin

20/Jul/15 12:00 kategorisiert in: Bücher

Schon seit Jahren schwebt mir die Idee eines Wein(und mehr)magazins im Kopf herum. Doch Job, Familie, der Blick auf den Kalender und das Konto und nicht zuletzt die Veränderungen im Zeitschriftenmarkt haben, zusammengenommen, dafür gesorgt, dass es bei einer Idee geblieben ist. Julia Klüber und Paul Truszkowski haben es nicht beim Träumen belassen und sind momentan dabei, mit Art Director Christian Schärmer und Chefredakteur Manfred Klimek ein neues und anderes Weinmagazin auf die Beine zu stellen.

Schluck

Es freut mich sehr, dass ich mit an Bord bin und wenn ich sehe, wer desweiteren für das Magazin schreiben wird – es sind ein paar gute Freunde und Bekannte darunter – dann kann das nur ein großartiger Mix werden und etwas, was es in der hiesigen Weinmagazin-Landschaft so noch nicht gab.

Also, tragt Euch mit Eurer Mailadresse hier in die Liste ein damit Ihr darüber informiert werdet, wie es mit schluck weitergeht. Mein Bitte: gebt dem Magazin eine Chance, indem Ihr die ersten Ausgaben kauft, die Euch dann hoffentlich überzeugen werden, dass es möglich ist, auf diesem Markt ein Weinmagazin zu erzeugen, das geblättert, geschaut und gelesen werden will.

 

Drei Buchempfehlungen für den Gabentisch – Auf die Hand, Der Weinatlas und Natural Wine

17/Dez/14 12:30 kategorisiert in: Bücher

Spätestens zu Weihnachten gibt es hier immer ein paar Lesempfehlungen. Eigentlich sollten es im Laufe des Jahres viel mehr sein, und dann schiebe ich es doch immer wieder auf. Heute aber ist es soweit:

Auf die Hand von Stevan Paul

Im April hat Stevan unser Podcast-Gespräch genutzt, um zum ersten Mal sein neues Buch Auf die Hand anzukündigen. Seitdem ist eine ganze Welle durch die Medien gerauscht, es gibt ein eigenes Blog dazu und überhaupt ist das Buch in diesem Land genau zum richtigen Zeitpunkt erschienen, denn der Stevan hat halt einen guten Riecher für Trends. Trotzdem liegt es natürlich auf der Hand (ha ha ha, Wortwitz!), dass ich das Buch hier noch mal vorstelle. Überall gibt es Bewegung, was Fastfood und Streetfood angeht, die eigentlich Slowfood sein möchte: Essen auf die Hand, das aber nicht hinuntergeschlungen werden soll, sondern das aus guten, frischen Produkten besteht und einfach schmecken soll, liegt voll im Trend.

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Stevan stellt in seinem Buch nicht nur eine große Menge an Rezepten sondern auch Menschen vor, die genau dieses Essen auf die Hand anbieten. Das Spektrum reicht dabei vom Butterbrot mit selbstgebackenem Brot über die obligatorischen Burger-Varianten und Pastrami hin zur Küche des Mittelmeers und zu einigen asiatischen Varianten. Natürlich ist Auf die Hand kein Buch, in dem man bahnbrechend neue Rezepte entdeckt, das soll es aber auch nicht sein. Es sind eher die Feinheiten und die Umsetzbarkeit, die beeindrucken. So zum Beispiel der Wunderteig für Burger-Buns und Hot-Dog-Brötchen, die man einfach mal in dieser Form gebacken haben sollte, weil man sie dann immer wieder backt und keine anderen Buns mehr haben möchte. Auch der moderne Hamburger-Klassiker, den Stevans Freund Oliver Trific für einen Londoner Burger Monday kreiert hat, findet sich hier. Ganz und gar nicht unerwähnt bleiben sollte die kongeniale Zusammenarbeit mit der Fotografin Daniela Haug, deren Arbeit dieses schön gestaltete Buch mindestens so bereichert, wie die Schreibe und der Esprit von Stevan. Für Menschen, die auch selber mal was Schnelles für sich und vor allem für die Familie auf die Hand zaubern wollen, ist das genau das richtige Buch. Und es ist, nebenbei gesagt, ein Kochbuch, das zwar nicht speziell für Kinder geschrieben wurde, das aber besser ist als so ziemlich jedes Kinderkochbuch, das ich kenne. Denn das, was hier drin steht, schmeckt meinen Kindern von drei bis zwölf fast durchweg ausgezeichnet und sie können dabei helfen, die Speisen mit zuzubereiten. Das muss ein Kochbuch, das sich ja im Alltag bewähren soll, erst einmal schaffen.

Erschienen im Christian Brandstätter-Verlag, 248 Seiten, für € 34,90 erhältlich.

 

Der Weinatlas von Hugh Johnson und Jancis Robinson

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Als ich Anfang der 1990er zum Wein kam, habe ich mir in rascher Folge zwei Bücher zugelegt. Das erste war der Kleine Johnson des Autors Hugh Johnson, das zweite war Der Große Weinatlas des gleichen Herausgebers. Dieses Buch hat mich lange begleitet und hat mir in Zeiten, in denen man noch nicht so schnell im www nach Informationen und Karten suchen konnte, die Weinwelt deutlich strukturiert und näher gebracht. Dieses Buch, das 1971 zum ersten Mal erschienen ist und ich mir in der Auflage von 1992 zugelegt habe, ist nun in der siebten Auflage erschienen. Neben Johnson erscheint auch die fast omnipräsente Jancis Robinson, die an mittlerweile mindestens drei Standardwerken der Weinliteratur (neben dem Weinatlas ist es Grapes und das Oxford-Kompendium), maßgeblich beteiligt ist. Der Umfang des Buches, das nur noch Der Weinatlas heißt, hat sich in den letzten zwanzig Jahren von 320 auf knapp 400 Seiten erweitert, was kein Wunder ist, denn die Weinwelt ist in dieser Zeit ebenfalls komplexer geworden. Wie damals auch schon, ist das Buch folgendermaßen gegliedert: Im ersten Teil gibt es einen knappen Aufriss zur Geschichte des Weins, zu Rebsorten, zu Terroir, zur Arbeit im Weinberg und im Keller und zu so praktischen Themen wie dem richtigen Servieren des Weins. Nach diesem 40seitigen Bereich geht es in die Gebiete. Allein 22 Seiten umfasst das Burgund. In den Karten findet man praktisch jede Einzellage. Zudem werden die Gebiete jeweils mit ihren Besonderheiten erklärt. Das spezifische Terroir, die Stilistik, Wettereinflüsse und diverse Winzer werden vorgestellt. Man erfährt, wie hoch die Durchschnittstemperaturen und die Niederschläge sind und welche Krankheits- und Umweltgefährdungen vorhanden sind.

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Auch wenn ich selbst natürlich viel im Netz recherchiere, möchte ich auf ein solches Buch auch heute nicht verzichten. Wein wird mit Hilfe dieses Kartenmaterials einfach plastischer, Zusammenhänge offensichtlicher. Dabei muss ich zugeben, dass ich schon immer gerne durch Kartenmaterial geblättert habe. Ist ein solches Buch auf Grund der Kartenverfügbarkeit von Google-Maps deswegen so etwas wie ein Dinosaurier? Ich finde das nicht. Für mich bleibt der Wein-Atlas in Kombination mit Wein von André Dominé, dessen Neuauflage ich im letzten Dezember vorgestellt habe gerade für jene, die sich einigermaßen neu mit dem Thema beschäftigen, ein eindeutige Empfehlung. Für Profis dagegen bleibt es ein übersichtliches Nachschlagestandardwerk.

Das Buch ist im Hallwag-Verlag erschienen, hat 400 Seiten und kostet € 49,90.

 

Natural Wine – An introduction to organic and biodynamic wines made naturally von Isabelle Legeron

Isabell Legeron, französische Master of Wine ist die Frau, wenn es um die Promotion möglichst natürlich hergestellter Weine geht. Sie ist diejenige, die in London, und diesmal auch in Wien die RAW, den Salon für Naturweine organisiert hat. Sie gibt damit einer Bewegung Ausdruck, die in den letzten Jahren immer stärker geworden ist. Es ist die Bewegung der Produzenten und Verbraucher, die ein möglichst natürlich und nachhaltig erzeugtes Produkt namens Wein genießen wollen und dies vorzugsweise unkonventionell und ohne den sonst beim Wein üblichen Habitus. Das Buch Natural Wine ist das erste umfassende Kompedium über diese Szene, die sich für mich gleichermaßen aus großen Könnern und hoffnungsvollen Dilettanten zusammensetzt. Es gibt auf den Messen begeisternde Weine genauso wie mikrobiologisch gesehen höchst fragwürdige Weine. Das finde ich auch nicht weiter schlimm, auch wenn ich mir von ersteren mehr als von letzteren wünschen würde. Was vor allem passiert ist das Experiment, der Drang, Neues zu tun. Was hier ebenfalls passiert ist eine Veränderung in der Sensorik, eine Veränderung im Aromenspektrum und eine Veränderung dessen, was beim Wein für sauber oder unsauber gehalten wird. Das mitzuverfolgen, finde ich höchst spannend.

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Das Buch beschäftigt sich dabei mit der Frage, was denn natural wine überhaupt umfasst und wie er möglichst hergestellt werden soll. Darüber hinaus werden diverse Winzer und ihrer Weine vorgestellt. Es sind insgesamt 140 solcher Weine, die einer genaueren Betrachtung unterzogen werden und insofern ist es natürlich nur eine Auswahl. Doch um einen Überblick zu erhalten, ist das schon ganz gut. Man muss nur schauen, dass man in diesem Buch selbst nicht den Überblick verliert, denn es ist ziemlich furchtbar überambitioniert und unruhig gestaltet. Empfehlen möchte ich es trotzdem.

Erschienen ist es bei CICO books, umfasst 224 Seiten und kostet € 16,95

 

The Wine Century Club

17/Okt/14 12:30 kategorisiert in: Abschweifungen, Bücher

Letztes Jahr bin ich irgendwann während meiner Recherche zu einer bestimmten Rebsorte über The Wine Century Club gestolpert. Dieser wurde von Deborah und Steve de Long gegründet. Die New Yorker sind Wein-Freaks die mit De Long Wine Einiges an Kartematerial, Verkostungsbücher und Ähnliches anbieten.

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Mitglied im The Wine Century Club wird man, wenn man mindestens hundert verschiedene Rebsorten in rebsortenreinen Weinen probiert hat. Auf der Website kann man sich eine Tabelle runterladen, in der man die Weine eintragen kann. Das alles ist nicht viel mehr als ein Spaß. Aber er macht doch noch mal bewusst, welch große Auswahl an Rebsorten wir neben den gängigen doch eigentlich haben. Und es fördert den Entdeckersinn, diese neu oder noch mal neu kennzulernen. Einen guten Überblick verschafft dabei natürlich Wine Grapes von Robinson, Harding und Vouillamoz. Es ist das Standardwerk über Rebsorten und eine wirklich spannende Lektüre, nicht nur für Freaks. Die gebundene Ausgabe kostet zwar knapp 100 Euro, aber die Kindle-Version nur €20,-

Irgendwann dachte ich, dass The Wine Century Club ein fake sein, weil ich die Liste mit den Weinen schon vor einem dreiviertel Jahr hochgeladen und nie mehr etwas gehört hatte. Doch in dieser Woche kam tatsächlich Post aus New York…

Abzuspeichern in der Kategorie: Popcorn

Apropos Kölsch: 111 x Lecker, 1 x Malzmühle und 1 x frohes Fest

24/Dez/13 13:37 kategorisiert in: Bücher, Drei Flaschen Bier

Wo ich mit dem letzten Artikel schon in Köln angekommen bin, folgt gleich noch eine passende Buchempfehlung, zumindest zu Nachweihnachten (schließlich gibt es zu Weihnachten ja häufig Gutscheine oder man muss etwas in der Buchhandlung seiner Wahl umtauschen).

lecker

Es ist immer so eine Sache, über Orte und Restaurants zu lesen, die man teilweise kennt und an denen lieb gewordene Erinnerungen haften. Dann kommt, gerade zur Weihnachtszeit bei mir eine leicht sentimentale Stimmung auf. So ist 111 MAL LECKER ESSEN IN KÖLN aus dem Kölner Emons Verlag für mich ein Buch mit vielen kulinarischen Bekannten, doch auch mit diversen Unbekannten und mein Freund Torsten Goffin hat dort zusammen mit dem umtriebigen Carsten (Sebastian) Henn einen Pfad durch den Dschungel der Kölner Gastronomie geschlagen. Schon auf den ersten Seiten wird für mich klar: dieses Buch ist ein Glücksfall. Denn erstens sind diese beiden Autoren gastronomisch beschlagen – ok, das sollte man auch voraussetzen bei einem solchen Führer.

Doch zweitens haben sie kein Problem damit, auch eine Frittenbude, den Frikadellenmann oder eine Currywurst zu empfehlen. Und das ist genau und exakt das, was ich sonst regelmäßig vermisse und weswegen solche Hefte wie der Feinschmecker bei mir nicht auf dem Tisch landen. Denn gibt einfach zu viele Publikationen, in denen zwar gerne der letzte Schrei aus der Küche Paraguays abgebildet ist, vollfarbig und mehrseitig, aber Küche für mich als Normalo gänzlich fehlt. Ich aber wüsste gerne, wo ich in einer Stadt wie Köln einfach mal eine gute Falafel bekomme oder mittags eine vernünftige Suppe. Torsten Goffin und Carsten Henn haben dies herausgefunden bzw. wussten es möglicherweise schon vorher und haben es noch mal abgeglichen. Die feinere Küche wird dabei übrigens nicht gänzlich außer acht gelassen, doch bildet sie eben nicht den Schwerpunkt, was auch deswegen nachvollziehbar ist, weil es zur Haute Cuisine eh schon genug Literatur gibt.

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Der dritte Glückfall ist, das beide schreiben können und das ist nun wirklich nicht die Alltäglichkeit bei solchen Führern. Man merkt ihnen den Spaß an und sie können diesen in Worte fassen. Und wir, die wir Köln vielleicht schon gut zu kennen glauben oder möglicherweise auch noch gar nicht, wir können uns das nächste Mal mit Himmel un Äd, mit Sauerbraten oder auch gutem Curry den Bauch vollschlagen und müssen gar nicht erst lange suchen. Dabei fällt mir noch einen weiterer, nicht zu unterschätzender vierter Glücksfall ein: Torsten Goffins Blog ist so etwas wie die Fortführung des Führers mit anderen Mitteln. Denn eigentlich ist ein solcher Führer ja mit seinem Erscheinen schon wieder veraltet. Nicht so dieser, denn man kann davon ausgehen, das man beim Verfolgen von Torsten Goffins Blog Allem Anfang… beachtenswerte Änderungen der Kölner Gestronomie mitbekommt.

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Weil man beim Lesen durchaus in  Trinklaune kommen kann, habe ich mir dazu ein besonderes Bier geöffnet. Es ist eine Spezialabfüllung der Kölner Brauerei Malzmühle (findet im Buch Erwähnung auf Seite 71) Das Bier wird dort nur ab und zu gebraut. Es ist kein einfaches Kölsch und deshalb heißt es auch nicht Mühlen, vielmehr kommt es mit Champagner-Korken daher und mit Agraffe, nennt sich von Mühlen und wurde mit Champagnerhefen vergoren. Entsprechend hat das Bier eine feine Perlage. Im Duft und Geschmack ist es fruchtig, erinnert ein wenig an Steinobst mit ein wenig Zitrus, nein Grapefruit, und fällt am Gaumen vor allem durch seine Cremigkeit bei gleichzeitiger Frische auf. Ein gutes Bier ist das, aber es hat seinen Preis und so muss man für die Flasche €14,99 berappen. Auf der Website der Malzmühle ist das Bestellen irgendwie möglich, aber umständlich.

Mir bleibt am Vorabend des Weihnachtsfestes nur, Euch und Ihnen einen gutes, und frohes solches zu wünschen, hoffentlich mit einem gelungenen Festtagsschmaus und einem schönen Wein im Glas!


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