originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



La Belgique, le Vin

02/Apr/11 11:43 kategorisiert in: Bücher, Weiss, Belgien

Ich hatte ja schon überlegt, ob ich nicht als Thema der 44. Weinrallye Weine aus BeNeLux nehmen sollte. Das wäre ein Spaß gewesen, aber für viele wohl zu schwierig, an geeignetes Verkostungsmaterial zu kommen. So breit gesät ist der Wein dort ja nicht. Und für mich ist auch die Frage noch nicht beantwortet, ob es dort überhaupt eine nennenswerte Anzahl guten Weines gibt. Ich kenne einige ganz ordentliche Tropfen von der luxembourgischen Seite der Mosel, leichte Weißweine, vornehmlich aus Elbling gekeltert und auch vom Rivaner. Den einzigen niederländischen Qualitätswein, den ich bisher probiert habe, fand sich als Blindgänger bei einer unserer Bonner Weinrunden, ein Auxerrois aus Thorn, Limburg.

Was mir bis vor Kurzem weniger bekannt war ist die Tatsache, dass auch in Belgien Wein angebaut wird, einige Weißweine und Sekte sind mir empfohlen worden und ich werde darüber in Kürze was schreiben. Als Einleitung gewissermaßen möchte ich eine Buch vorstellen, dass mich überhaupt erst einmal dazu gebracht hat, nach belgischen Weinen zu fanden. La Belgique, le Vin wurde Ende 2009 in der kleinen, ambitionierten Edition shadowsopinions herausgebracht und ist so etwas wie ein Kompendium der belgischen Weinszene.

Mit ambitioniert meine ich, dass dieses Buch optisch ansprechend gestaltet wurde und über eine Menge ausgesprochen abwechslungsreicher Fotos von Cici Olsson und Texten von René Sépul verfügt, die den Stil und die Vorlieben der jeweils vorgestellten Orte und Personen sehr deutlich machen. Bei den Fotos scheint immer wieder der belgische Sinn für trockenen, surrealen Humor hervor, beispielsweise wenn der Autor und Sommelier Eric Boschmann im Smoking auf dem Sofa abgebildet wird und man die Schwimmflossen an seinen Füßen magritte-like erst beim zweiten Blick entdeckt.

Dies ist ein Buch, für das ich gerne knapp 25 Euro ausgebe weil offensichtlich ist, dass alle mit Spaß bei der Sache waren. Es eint die Lust am Wein und zwar von verschiedenen Seiten aus betrachtet. Denn man gewinnt hier nicht nur einen Überblick über die Vorlieben der Weinhändler des Landes, aufgeteilt in Regionen und in der Klappe des Buches farblich kodiert hervorgehoben. Das Buch stellt ebenso Restaurants mit hervorzuhebender Weinkarte vor, Importeure und – hier finden sich auch die Winzer des Landes wieder. Und was die so produzieren werde ich, wie gesagt, beizeiten probieren.

Eines jedenfalls ist klar. Wer sich gerne auf französische Manier den Freuden des Genusses hingibt, ist in Belgien sehr gut aufgehoben. Das gibt es nicht nur sehr viel gutes Bier zu entdecken, die Gastroszene ist genau so exzellent wie die der Händler und das gilt natürlich auch für die Auswahl an Weinen. Wenn Matthias drüben bei Chezmatze schreibt, dass französische Lebensart gar nicht so weit von uns entfernt liegt, nämlich in Lüttich, und er nicht versteht, warum immer alle nach Maastricht fahren, was vielleicht nach aussen ansprechender wirkt aber viel weniger zu bieten hat, dann kann ich ihm da nur beipflichten.

La Belgique, le Vin, SH-Op Editions, 222 Seiten, französische und flämische Ausgabe erhältlich

Spanien und seine Weine, Hallwag-Verlag, 2010

23/Feb/11 12:32 kategorisiert in: Bücher

Neben meiner Liebe zum Wein kommt in diesem Blog meine Spaß an gut gemachten Büchern viel zu kurz. Daher habe ich mir vorgenommen das zu ändern und in loser Folge einige Publikationen nach und nach mit ein paar Sätzen vorzustellen. Ich beginne mit einem Buch, dass ich noch nicht von vorne bis hinten gelesen habe, was ich auch gar nicht muss, um hier darauf eingehen zu können, kann es doch durchaus als Nachschlagewerk zu den spanischen Weingebieten gesehen werden und so nutze ich es auch.

Auf 288 Seiten fassen David Schwarzwälder, Wolfgang Hubert und Jürgen Mathäß in Spanien und seine Weine den aktuellen Stand des spanischen Weinbaus zusammen; klar, umfangreich und meiner Ansicht nach sehr kompetent. Die Autoren schaffen dabei nicht nur einen Überblick über die Vielzahl an Apellationen und Rebsorten, sie gehen genauso in einem kurzen Abriss auf die Geschichte ein und widmen sich den jeweiligen geologischen, klimatischen und mikroklimatischen Besonderheiten, meist anhand einiger besonders ausgewählter und als prägnant empfundener Weine und Winzer der jeweiligen Regionen.

Eingeleitet wird das von der Spanischen Handelskammer ICEX geförderte Buch mit einem Überblick über das spanische Weingesetz, den Stand und die Historie der Kellertechnik, die wesentlichen spanischen Rebsorten und beispielsweise auch über den Bioanbau in Spanien, der dabei ist, in der Fläche den Franzosen und Italienern den Rang abzulaufen.

Die einzelnen Kapitel beginnen mit einem kurzen Überblick über Rebflächen, Kellereienanzahl, Produktionmengen, Weintypen und zugelassene Rebsorten. Hinzu kommen 10 Überblickskarten und eine gute, aussagekräftige Bildauswahl. Die Kapitel sind flüssig und mit viel Elan und Liebe zum Thema geschrieben, ich habe das Gefühl, dass den Autoren ein solches Buch in deutscher Sprache immer gefehlt hat und sie sich vorgenommen hatten, einen Standard zu setzten. Wohlgemerkt ist dies kein Kompendium der Jahrgangs- und Winzerbewertungen, dazu kann man sich den Guia Penin
danebenlegen.

Glossar, Namens- und Produzentenverzeichnis sind selbstversändlich vorhanden, der Hallwag-Verlag hat sich zusätzlich die Mühe gemacht, Kontaktdaten der vorgestellten Winzer mit hinzuzufügen. Das finde ich sehr löblich. Den vom Verlag angekündigten "umfangreichem Serviceteil mit qualifizierten Bezugsquellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie Adressen für Spanieninteressierte." habe ich allerdings bisher in meiner anscheinend vorhandenen Blindheit nicht finden können.

Spanien und seine Weine: Von Klassik bis Avantgarde

Oz and James's Big Wine Adventure

17/Feb/09 20:27 kategorisiert in: Abschweifungen, Bücher, Im Netz

In den letzten Jahren lief jeweils eine Staffel von Oz Clarkes und James Mays Wine Adventure im BBC. Das ist eine jener Fernsehserien, die aus einer typisch britischen, in Deutschland leider unbekannten unnachahmlichen Mischung aus Spaß und Information besteht. Der Weinfreak, der dem Autofreak – der sich lediglich dafür interessiert, eine vernünftige Flasche Wein zu einem vernünftigen Preis zu bekommen – erklären will, wie Wein gemacht wird und was es da so alles an unterschiedlichen Möglichkeiten gibt. Ach, was erzähle ich? In der ersten Staffel reisen sie durch Frankreich, in der zweiten durch Kalifornien.

Das gibt es jetzt bei amazon.uk inklusive Versand für unter 20 Euro. Das lohnt sich.

via

Danke, Frau Heidenreich

18/Okt/08 17:01 kategorisiert in: Abschweifungen, Bücher, Im Netz

Reich-Ranicki war dankenswerterweise der Auslöser der Debatte um das Niveau des Deutschen Fernsehens, aber es ist Elke Heidenreich, die nun ohne Angst vor Blessuren und dem möglichen Verlust ihrer Sendung Klartext redet und ihrem Sender, den wir alle mit bezahlen und von dem viele von uns mehr verlangen als täglich Kerner und noch eine weitere Kochsendung, die Leviten liest. Der aktuelle, zweite Artikel ist hier zu lesen und dafür danke ich ihr sehr; denn er zeigt mal wieder, wie wenig Kultur hinter den Kulissen herrscht.


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