originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



The Wine Century Club

17/Okt/14 12:30 kategorisiert in: Abschweifungen, Bücher

Letztes Jahr bin ich irgendwann während meiner Recherche zu einer bestimmten Rebsorte über The Wine Century Club gestolpert. Dieser wurde von Deborah und Steve de Long gegründet. Die New Yorker sind Wein-Freaks die mit De Long Wine Einiges an Kartematerial, Verkostungsbücher und Ähnliches anbieten.

100_Membership_grapes

Mitglied im The Wine Century Club wird man, wenn man mindestens hundert verschiedene Rebsorten in rebsortenreinen Weinen probiert hat. Auf der Website kann man sich eine Tabelle runterladen, in der man die Weine eintragen kann. Das alles ist nicht viel mehr als ein Spaß. Aber er macht doch noch mal bewusst, welch große Auswahl an Rebsorten wir neben den gängigen doch eigentlich haben. Und es fördert den Entdeckersinn, diese neu oder noch mal neu kennzulernen. Einen guten Überblick verschafft dabei natürlich Wine Grapes von Robinson, Harding und Vouillamoz. Es ist das Standardwerk über Rebsorten und eine wirklich spannende Lektüre, nicht nur für Freaks. Die gebundene Ausgabe kostet zwar knapp 100 Euro, aber die Kindle-Version nur €20,-

Irgendwann dachte ich, dass The Wine Century Club ein fake sein, weil ich die Liste mit den Weinen schon vor einem dreiviertel Jahr hochgeladen und nie mehr etwas gehört hatte. Doch in dieser Woche kam tatsächlich Post aus New York…

Abzuspeichern in der Kategorie: Popcorn

Apropos Kölsch: 111 x Lecker, 1 x Malzmühle und 1 x frohes Fest

24/Dez/13 13:37 kategorisiert in: Bier, Bücher

Wo ich mit dem letzten Artikel schon in Köln angekommen bin, folgt gleich noch eine passende Buchempfehlung, zumindest zu Nachweihnachten (schließlich gibt es zu Weihnachten ja häufig Gutscheine oder man muss etwas in der Buchhandlung seiner Wahl umtauschen).

lecker

Es ist immer so eine Sache, über Orte und Restaurants zu lesen, die man teilweise kennt und an denen lieb gewordene Erinnerungen haften. Dann kommt, gerade zur Weihnachtszeit bei mir eine leicht sentimentale Stimmung auf. So ist 111 MAL LECKER ESSEN IN KÖLN aus dem Kölner Emons Verlag für mich ein Buch mit vielen kulinarischen Bekannten, doch auch mit diversen Unbekannten und mein Freund Torsten Goffin hat dort zusammen mit dem umtriebigen Carsten (Sebastian) Henn einen Pfad durch den Dschungel der Kölner Gastronomie geschlagen. Schon auf den ersten Seiten wird für mich klar: dieses Buch ist ein Glücksfall. Denn erstens sind diese beiden Autoren gastronomisch beschlagen – ok, das sollte man auch voraussetzen bei einem solchen Führer.

Doch zweitens haben sie kein Problem damit, auch eine Frittenbude, den Frikadellenmann oder eine Currywurst zu empfehlen. Und das ist genau und exakt das, was ich sonst regelmäßig vermisse und weswegen solche Hefte wie der Feinschmecker bei mir nicht auf dem Tisch landen. Denn gibt einfach zu viele Publikationen, in denen zwar gerne der letzte Schrei aus der Küche Paraguays abgebildet ist, vollfarbig und mehrseitig, aber Küche für mich als Normalo gänzlich fehlt. Ich aber wüsste gerne, wo ich in einer Stadt wie Köln einfach mal eine gute Falafel bekomme oder mittags eine vernünftige Suppe. Torsten Goffin und Carsten Henn haben dies herausgefunden bzw. wussten es möglicherweise schon vorher und haben es noch mal abgeglichen. Die feinere Küche wird dabei übrigens nicht gänzlich außer acht gelassen, doch bildet sie eben nicht den Schwerpunkt, was auch deswegen nachvollziehbar ist, weil es zur Haute Cuisine eh schon genug Literatur gibt.

malzmuehle

Der dritte Glückfall ist, das beide schreiben können und das ist nun wirklich nicht die Alltäglichkeit bei solchen Führern. Man merkt ihnen den Spaß an und sie können diesen in Worte fassen. Und wir, die wir Köln vielleicht schon gut zu kennen glauben oder möglicherweise auch noch gar nicht, wir können uns das nächste Mal mit Himmel un Äd, mit Sauerbraten oder auch gutem Curry den Bauch vollschlagen und müssen gar nicht erst lange suchen. Dabei fällt mir noch einen weiterer, nicht zu unterschätzender vierter Glücksfall ein: Torsten Goffins Blog ist so etwas wie die Fortführung des Führers mit anderen Mitteln. Denn eigentlich ist ein solcher Führer ja mit seinem Erscheinen schon wieder veraltet. Nicht so dieser, denn man kann davon ausgehen, das man beim Verfolgen von Torsten Goffins Blog Allem Anfang… beachtenswerte Änderungen der Kölner Gestronomie mitbekommt.

von_muehlen

Weil man beim Lesen durchaus in  Trinklaune kommen kann, habe ich mir dazu ein besonderes Bier geöffnet. Es ist eine Spezialabfüllung der Kölner Brauerei Malzmühle (findet im Buch Erwähnung auf Seite 71) Das Bier wird dort nur ab und zu gebraut. Es ist kein einfaches Kölsch und deshalb heißt es auch nicht Mühlen, vielmehr kommt es mit Champagner-Korken daher und mit Agraffe, nennt sich von Mühlen und wurde mit Champagnerhefen vergoren. Entsprechend hat das Bier eine feine Perlage. Im Duft und Geschmack ist es fruchtig, erinnert ein wenig an Steinobst mit ein wenig Zitrus, nein Grapefruit, und fällt am Gaumen vor allem durch seine Cremigkeit bei gleichzeitiger Frische auf. Ein gutes Bier ist das, aber es hat seinen Preis und so muss man für die Flasche €14,99 berappen. Auf der Website der Malzmühle ist das Bestellen irgendwie möglich, aber umständlich.

Mir bleibt am Vorabend des Weihnachtsfestes nur, Euch und Ihnen einen gutes, und frohes solches zu wünschen, hoffentlich mit einem gelungenen Festtagsschmaus und einem schönen Wein im Glas!

Aktuelle Weinbücher für den Gabentisch

19/Dez/13 14:05 kategorisiert in: Bücher

Für jene, die sich kurzfristig noch einer oder zwei Weinbücher unter den Gabentisch legen wollen, weil sie als Weinneulinge oder Fortgeschrittene noch etwas lernen wollen, habe ich zwei kurze Empfehlungen.

sniff

Richard Betts: The Essential Scratch & Sniff Guide to Becoming a Wine Expert
Die erste kommt aus den USA, hat so wenige Seiten, dass diese nicht mal nummeriert sind (24) und wurde in der Form eines Sketch-Books gezeichnet. Es behandelt die Basics beim Weinprobieren und wurde von Richard Betts, einem der weltweit raren Master-Sommeliers verfasst.

Die anschaulichen Basics die sich um Farbe und Geruch, den Duft von Beeren oder den Geruch von nassem Hund oder Katzenpisse  drehen, werden ergänzt durch Geruchsproben von Aromen. Diese kann man aktivieren, in dem man über bestimmt Flächen kratzt. Zugegeben, das riecht meist eher wie aus dem Forschungslabor von Haribo und doch finde ich es nicht gänzlich daneben, denn es vermittelt zumindest einen Eindruck. Vielleicht kann die Aroma-Industrie ja noch ein bisschen dran feilen, für die zweite Auflage. Die erste liegt im Ranking von Amazon in den USA gerade auf Platz 63. Nicht etwa in der Abteilung Food & Beverages, nein, im Gesamtranking. Es gibt also, das zeigen die Zahlen ganz deutlich, einen Markt für ein so simples wie anschauliches Buch (zumindest in den USA). Wein will besser verstanden werden. Dieses Bilderbuch unternimmt einen Schritt in die richtige Richtung und ist – nett. Richard Betts Credo lautet dabei: "Wine is a grocery, not a luxury." Um das Lebensmittel besser zu verstehen, hat er dieses Buch entwickelt. Man kann es beispielsweise bei Amazon für €13,70 käuflich erwerben (affiliate link).

André Dominé: Wein
Das zweite Buch ist der genaue Gegensatz zum ersten. 944 (durchnummerierte) Seiten statt 24. Text und Bild statt Zeichnungen.  Es ist ein klassisches Weinbuch und die Erstausgabe war für mich als angehender Weinliebhaber lange Zeit ein Standardwerk. Entsprechend oft habe ich es Freunden auch schon empfohlen oder geschenkt. Es kommt nicht laut und extremistisch daher sondern will einfach informieren, ohne viel Allüren. Es ersetzt zunächst einmal die alte Auflage. Das war nötig, denn sie war in die Jahre gekommen und wie alles andere auch, verändert sich die Weinwelt rapide. Entsprechend wurde Wein von André Dominé deutlich überarbeitet und aktualisiert. Dazu beigetragen haben Autoren wie Wolfgang Faßbender, Eckhard Supp, David Schwarzwälder, Ulrich Sautter oder Steffen Maus. Diese Autoren wissen einfach, wovon sie reden, und das ist gut.

wein_01

Es ist ein Werk, mit dem man sich samt einem  guten Glas Wein in die Ecke setzen und für Stunden verabschieden kann, ein Buch, das genügend Stoff bietet um immer wieder neu hin und her zu blättern. Es liefert einen aktuellen und umfassenden Überblick über die Weingebiete und Weine dieser Welt. Darüber hinaus beschäftigen sich die Autoren mit der Herstellung bzw. den verschiedenen Herstellungsarten des Rebsaftes und schauen auch gerne mal über den direkten Tellerrand hinaus, wenn es zum Beispiel um die Herstellung von Weingläsern geht. Was mir bei der Erstausgabe besonders gefiel war Dominés früher, ernsthafter Blick auf die Bioweine dieser Welt. Das, was Ende der Neunziger bei vielen noch als Orchideengewächs galt, hat er damals schon ernst genommen. Heute ist dieser Wein längst in der Mitte der Weingesellschaft angelangt. Das Thema bleibt entsprechend auch in dieser Ausgabe präsent. Das Buch spricht grundsätzlich alle entscheidenden Weinthemen an, wirft einen Blick in alle Anbaugebiete, zeigt Kartenmaterial und hebt Weine und Weingüter exemplarisch hervor. Dabei bleibt es immer verständlich und fällt nicht in einen abgehobenen Sprachduktus.

Wer sich etwas tiefer in die Welt des Weines hineinbewegen möchte, sollte sich diesen Klassiker ernsthaft anschaffen. Die € 39,90 sind gut investiert. während die erste buchempfehlung natürlich im Wesentlichen ein schöner Gag ist, freue ich mich hier, wieder ein aktuelles und umfassendes Werk zu haben, das ich weiterempfehlen kann. (affiliate link)

Die Aktion – Jeden Tag ein Buch – war ein toller Erfolg

18/Jul/13 00:07 kategorisiert in: Bücher, Im Netz

Als Weinblogger lese ich mehr Foodblogs als Weinblogs. Sie sind animierender und weltläufiger, häufig besser geschrieben und noch besser fotografiert. Eines davon betreibt Arthurs Tochter, mit bürgerlichem Namen heißt sie Astrid Paul. Ich konnte sie glücklicherweise vor einigen Wochen im Schlosshotel Lerbach bei dieser Veranstaltung kennenlernen. Ihr Blog lese ich schon viel länger und sie meines netter Weise auch. Deshalb war es für mich keine Frage, dass ich mich an der Aktion Jeden Tag ein Buch beteiligen würde. Es ist aber nicht nur die gegenseitige Sympathie, die mir in Astrids Zusammenfassung sogar eine namentliche Erwähnung eingetragen hat, es ist die Aktion selbst, die einen kleinen neuen Horizont öffnet und mich endlich mal wieder dazu gebracht hat, ein paar Bücher zu erwähnen. Ich hatte mal beizeiten in diesem Blog damit angefangen, dann aber schnell wieder aufgehört. Aus Gründen. Aus Zeitmangel vor allem. Und dann hatten ständig andere Themen Vorrang. Was ich so schön finde dabei: die Aktion gibt Iden für die die Buchauswahl der Sommerpause und sie zeigt, dass trotz aller Online-Affinität das gedruckte Buch doch noch mal viel schöner ist.

So haben also Astrid Paul und Stephanie Kosten, die hier irgendwo um die Ecke in Hamburg ihren Kleinen Kuriositätenladen betreibt, diese einwöchige Veranstaltung organisiert und hier zusammengefasst. Leute, es sind 139 Buchbesprechungen geworden, in sieben Tagen. Es waren 55 Blogger, die sich daran beteiligt haben. Ich finde es großartig und muss nun, bevor ich in die Buchhandlung gehe, erst einmal alle, oder zumindest die meisten Beiträge lesen. Weil das Ganze so ein großer Erfolg war, wird die Aktion vom 11.11. bis 17.11.2013 fortgesetzt. Das ist gut, denn eigentlich hätte ich gerne noch zwei, nein mindestens drei Bücher mehr besprochen.


Weiterblättern »