originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Maskow, Neumann, Raffelt talk about Champagne at Prowein

11/Mrz/15 12:53 kategorisiert in: Champagne

Vom 15.-17.03.2015 ist Prowein in Düsseldorf und an allen drei Tagen gibt es eine Champagne Lounge. Sie befindet sich in Halle 12 D 10 und stellt in einem entspannten Ambiente das Know-How von “Maisons de Champagne” vor. Es gibt dort eine Champagner-Bar und Ausstellerstände und – und jetzt komme ich ins spiel – es wird dort ein Rahmenprogramm geben.

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Am Sonntag leitet der Champagne-Meister aller Klassen Boris Maskow von 14h bis 15.30h eine geführte Verkostung zum Thema "Norden und Süden der Champagne – Champagnerregionen im Vergleich".

Am Montag spricht die Champagner-Charakterfrau Nicola Neumann von 15h bis 17.30h über die richtige Champagnerauswahl für das Restaurant und den Weinhandel anhand von Beispiel-Champagnern.

Am Dienstag leite ich um 12h eine geführte Verkostung zum Thema "Das Terroir der Champagne – weit mehr als Kalk und Kreide ", wo es um Wechselspiele zwischen Rebsorten und Terroir geht.

Nach Bedarf wird das Rahmenprogramm in englischer Sprache stattfinden. Weitere Infos gibt es hier. Kommt zahlreich, es ist das erste Mal, dass wir die Champagne Lounge so begleiten und die Termine haben nicht mehr Einzug gefunden in den großen Veranstaltungskatalog.

 

 

2004 – zehn Jahre später: Schaumweine, Rieslinge und Barolo

Die Vorbereitung und Gestaltung eines Weinabends mit Freunden gehört zu den schönsten Dingen, denen man sich als Weinliebhaber widmen kann. Das wird noch schöner, wenn man es zu zweit macht, denn dann kann man so nerdig sein wie man will, man findet immer Verständnis und muss es nicht an der Familie auslassen, die einen sowieso schon für völlig verrückt hält. So ein Weinabend ist schließlich nicht mal eben so vorbereitet, da kann man sich Tage, was sag ich, Wochen mit beschäftigen, ohne dass es langweilig werden würde.

So hatte ich schon vor Monaten das Gefühl, dass der Advent die richtige Zeit wäre, um mal wieder einen solchen Abend zu gestalten und Wein und korrespondierende Speisen auf den Tisch zu stellen. Ich wusste, dass ich gerne mal einen Abend mit zehn Jahre alten Weinen machen würde um zu sehen, wo die in den unterschiedlichen Regionen gerade so stehen, wie sie sich präsentieren. Also habe ich mich mit meinem Freund B. besprochen und wir haben die Sache in Angriff genommen. Schnell war klar, dass es Riesling geben würde und Bordeaux. Barolo war mit im Spiel, Brunello, Roussillon, Nord- und Südrhône. Viel zu viel natürlich und wir haben dann irgendwann eine geographische Linie in Form eines Breitengrads gezogen, so dass es über Bordeaux, Nord-Rhône und Barolo nicht hinausging. Es sollte also ein eher nördlich geprägter Weinabend werden mit einer deutlichen, auch der Jahreszeit entsprechenden Hinwendung zu roten Weinen.

Nachdem irgendwann die Reihenfolge stand: Schaumweine, Riesling auf Großem-Gewächs-Niveau, Barolo, Cornas, Bordeaux und Reparatur-Spätlese, war das begleitende Essen die entscheidende Frage (im Restaurant ist es natürlich anders herum, da sollen die Weine die Speisen begleiten aber bei Wein-Nerds sollen die Speisen die Weine unterstützen). Neben der stimmigen Kombination war mir wichtig, vor allem am Abend selbst nicht gehetzt in der Küche zu stehen und deshalb mussten die Speisen einfach aber raffiniert bzw. gut vorbereitbar sein. Wenn nun der Freund nicht nur einen bemerkenswerten Weinkeller besitzt sondern auch noch eine kleine Herde Galloways und Nachbarn mit eigener Jagd, dann ist schnell klar, auf was die Speisenfolge hinausläuft.

 

Wegeler Erben Geheimrat »J« Rheingau Riesling Sekt Brut, Olivier Horiot Sève »En Barmont« Blanc de Noirs, Jacquesson Avize Champ Caën Blanc de Blancs
Ursprünglich sollte es ein Schaumwein, genauer gesagt, der Sève Blanc de Noirs von Olivier Horiot sein, doch dann meinte B., er habe noch eine Jacquesson Einzellage Blanc de Blancs und schließlich hatte ich mitbekommen, dass man bei Wegeler den Geheimrat »J« brut frisch degorgiert hatte. So wurde dann aus einem Entrée ein vollständiger Dreier-Flight mit begleitendem Gang. Es gab die Wein in jedem Flight zunächst blind, dann haben wir dazu irgendwann die Speisen gereicht und irgendwann wurde aufgedeckt. So kann man sich zunächst ganz auf die Weine konzentrieren, dann auf die Veränderungen am Gaumen, wenn das Essen dazu kommt und schließlich, wenn die Weine aufgedeckt werden, das plötzlich erweiterte Wissen mit der eigenen Meinung abgleichen, die man hatte, bevor der Name ins Spiel kam.

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Der Geheimrat »J« ist eine klassische, ja alterwürdige Riesling-Marke, bei der nicht die Lage (wie sonst üblich bei dem Niveau) auf dem Etikett steht, sondern der Markenname für Qualität bürgen soll. Ungefähr 15 verschiedene Erste-Gewächs-Lagen des Rheingaus finden sich in diesem Wein, den es als Stillwein schon lange gibt, als Sekt seit 1987. Ein größerer Teil der Trauben dieses Brut haben Auslese-Charakter und das merkt man im Duft direkt. Reifer Riesling strömt aus dem Glas, reifes Kernobst, Steinobst, leichtes Petrol, Hefe, Vanille, alles üppig und dicht. Ich denke, jeder von uns hatte bei dieser ausgeprägt üppigen Nase etwas Bedenken, dass das am Gaumen etwas zu viel sein könnte – eventuell am oberen Brut-Süße-Bereich. Doch diese Befürchtungen zerstreuten sich mit dem ersten Schluck. Der Wein ist saftig, reif, aber ganz klar strukturiert, trocken, deutlich mineralisch, kraftvoll und lang. Er steht neben den beiden dann folgenden Champagnern mit einer ganz deutlich eigenen Prägung, hier will man gar nicht mit Champagner vergleichen, das ist versekteter Riesling auf hohem Niveau (auch preislich, die Flasche kostet ab Weingut €57,-).

Von allen Flights, ist das der, der letztlich in sich am wenigsten zusammenpasst. Das ist zwar alles 2004 und alles Schaum, doch eben sehr unterschiedlich. Das gilt auch für das Degorgierdatum, das erfreulicher Weise bei allem Weinen aufgedruckt ist. Der Geheimrat frisch degorgiert, der Jacquesson später auch (ende 2013), der Sève En Baramont von Olivier Horiot dagegen liegt schon Jahre im Keller und wurde bereits 2009 verkorkt. Das merkt man ihm allerdings nicht an. Frisch steht der Champagner von der Côtes des Bars da, reinsortig aus Pinot gekeltert, aus der Einzellage en Baramont. Über Olivier Horiot und der speziellen Herkunft habe ich hier schon geschrieben, das führe ich an dieser Stelle nicht weiter aus. In der Nase gefällt mir der Wein zunächst am besten und auch das Mundgefühl ist besonders. Hier verbinden sich viele Kräuter, frisch und trocken mit Kalk, die Hefenoten tauchen nur entfernt auf und auch die Frucht spielt sich unterstützend im Hintergrund ab – bis auf einige Zitronenzesten direkt im Vordergrund. Horiot, der Mann, der eigentlich lieber Stillweinemacht, hat den Grundwein im Barrique fermentieren lassen und dort hat auch die malolaktische Gärung stattgefunden. Nach Holz schmeckt das hier alles trotzdem nicht – zum Glück. Es schmeckt eher klar und präzise mit leichtem Wachs und tonischen Noten, durch die die Kräuter, vor allem Rosmarin, immer stärker durchschlagen. Der Non-Dosé-Wein ist ein leiser Star, der erst später vom Jacquesson überholt wird. Man sollte dabei übrigens nicht vergessen, dass es Olivier Horiots erste Jahrgang war(!) – und schon allein dafür gebührt dem sympathischen Franzosen ein Chapeau!

Als dritten im Mund öffneten wir Jacquessons Champ Caïn aus Avize. Dieser Wein ist eigentlich für die Kraft, die er hat, zu früh geöffnet. Ihm zu Gefallen haben wir alle drei Schaumweine kurz vorher vorsichtig karaffiert, doch hätte man dies durchaus, zumindest für den Champ Caïn schon etwas früher in Angriff nehmen können. So brauchte er Zeit (die er bekam) und gewann deutlich mit dem Lachscarpaccio vom wilden, irischen Lachs, der, nur mit Fleur des Sel und rotem Kampot-Pfeffer gewürzt und mit einem sehr guten, mit Amalfi-Zitronen aromatisierten Olivenöl bestrichen für 30, 40 Sekunden bei 200°C Grad im Ofen erwärmt wurde (Beilage, Rauken etc. mit dem selben Öl, Salz, Pfeffer und einem weißen Balsamico). Es ist immer wieder erstaunlich, wieviel harmonischer ein zunächst zickiger Wein mit dem richtigen Essen werden kann hier. Hier ist es das Fette im Fisch, das vor allem den Jacquesson geöffnet hat. Irgendwann dann offenbart sich die ganze Kraft und Klasse dieses Chardonnay. Enorme Kraft, die Mineralität, Salzigkeit und auch das Basische des Kreidebodens schlägt voll durch. Gerade einmal 3.000 Flaschen werden von diesem Jahrgangs-Lieut-Dit gefertigt, das Kristalline und Komromisslose kommt mit etwas Wärme und Luft immer besser zur Geltung. Großer Stoff, natürlich ebenfalls ohne Dosage und im großen Holz ausgebaut. Champagner, der jetzt vielleicht überhaupt erst am Anfang seiner Trinkreife steht und den es auch erst seit kurzer Zeit auf dem Markt gibt, in der Weinhalle beispielsweise. Mehr zu Jacquesson gibt es hier.

 

Clemens Busch Pünderlicher Marienburg Riesling Spätlese ***, Robert Weil Kiedricher Gräfenberg Riesling Erstes Gewächs, Steffen Christmann Königsbacher Idig Großes Gewächs
Es war, ganz ohne Frage, zusammen mit den später folgenden Weinen aus dem Cornas, der schönste Flight des Abends. Hier trafen drei Rieslinge aus der Großes-Gewächs-Klasse (Busch war zu diesem Zeitpunkt noch nicht im VDP aber Riesling *** ist das stimmige Pendant) aus drei unterschliedlichen Anbaugebieten aufeinander. Ursprünglich hatte ich den Schlossberg Grand Cru von Albert Mann mit im Rennen schicken wollen, doch letztlich wollte ich es dann doch, der Stimmigkeit wegen, bei drei deutschen Weinen belassen. Clemens Buschs Hauslage präsentierte sich, wie die beiden anderen Weine auch, ganz herkunftstypisch, wobei Pünderich eben noch mit zur so genannten Terrassenmosel gehört, mit Weinen, die gerade auch im trockenen Bereich punkten und viel Kraft bergen. Der 2004er war am weitesten von den dreien und ungemein attraktiv. Er hat, auch das letztlich zur Mosel passend, eine ganz leichte Restsüße hinten raus und die verbindet sich in diesem gereiften Stadium mit den vielen Noten vom reifen und mürben Kernobst, mit dem fast kandiert wirkendenden Steinobst und passt wunderbar zur deutlichen Honignote in der Nase, die den Duft frischer Bienenwaben mit einem Hauch Wachs kombiniert. Hier stimmt für diesen Stil alles, der Wein hat genau den richtigen Säuregehalt für die ganz leichte Süße, und schmeckt wachsig weich, während sich unter das Obst Grapefruit und Gewürze mischen.

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Der Riesling aus dem Kiedricher Gräfenberg hatte ich am Vorabend des Vinocamps im Keller bei Wilhelm Wein probiert und mir wäre damals fast der Kit aus der Brille gefallen, so gelungen war. Die zweite Flasche im Weingut dagegen war damals (Flaschenvarianzen) deutlich weniger gut während diese hier am Samstagabend wieder viel von der Größe hatte, von der ich so begeistert war. Interessanterweise ist mir am Samstag die leichte und ungemein attraktive Holznote, die den Wein im Weingut geprägt hatte, nicht so aufgefallen. Weil hatte damals eine Reihe neuer Stockinger-Fässer erhalten, die ihren Fingerabdruck im Wein hinterlassen haben. von den drei Weinen im Flight wirkte der Weilsche Wein am jüngsten. Herrlich saftig, dabei klar und präzise, bei aller Kraft bleibt der Wein schlank, vor allem im Gegensatz zum deutlich üppigeren Idig. In der Nase das leichte Rheingaupetrol, Traubennoten und etwas Steinfrucht, am Gaumen einfach total präsent mit viel Biss. Das war ein großer trockener Rheingauriesling von einer Komplexität, Kraft und Präzision, wie man sie selten findet, dabei so vibrierend und klar, einfach umwerfend attraktiv.

Christmanns Idig wirkt neben dem Rheingau fast barock, viel cremiger, viel üppiger mit hochreifer Steinobstnase, leicht botrytisch angehaucht, stoffig ohne Ende. Am Gaumen ist der Wein weicher als die vorherigen, leicht wachsig wie der Wein von Busch, auch am Gaumen dies Cremige, was man schon in der Nase vermutet. Eigentlich ist das der genau passende Riesling für die Jahreszeit und es zeigt sich dann, dass er genau zum jahreszeitlichen Essen passt, denn keiner geht eine so schöne Alliance mit der Fasanenterrine samt Apfelbrunoise ein, wie der Idig. Zum Steinobst gesellen sich hier ein Hauch Maracuja, Mango und Pomelo, das Steinig-Mineralische legt sich fast wie Puder über die Frucht, die feine Säure balanciert die Opulenz und bändigt sie, damit der Wein nicht breit wird.

Drei trockene Rieslinge, zehn Jahre alt, sechs Stunden vorher doppelt dekantiert auf dem Höhepunkt ihrer Strahlkraft (ok, der Gräfenberg mag sich noch weiter zu seinem Vorteil entwickeln, aber die anderen beiden sind jetzt genau richtig zu öffnen, würde ich behaupten) – das ist ein sehr befriedigendes Erlebnis. Die erste Terrine meines Lebens habe ich neben dem Fleisch von vier frischen Fasanen mit fettem Schweinebauch und etwas Gänseleberpaté gefüllt, sowie mit Waldpilzen und Berberitzen.

 

Mauro Veglio Barolo Casteletto, Ascheri Barolo Vigna dei Pola, Bartolo Mascarello Barolo
Ich muss ja zugeben, dass ich kein besonderer Barolo-Experte bin. Man kann auch nicht für alles Experte sein und irgendwie habe ich mich auf diese Region nie eingelassen. Dafür gibt es ein paar wenige Freunde, aus deren Kellern ich schon den ein oder anderen gereiften Wein großer Namen probieren konnte – und natürlich immer wieder begeistert bin. Nur selbst habe ich nichts, bis auf zwei Flaschen. Die Flaschen von Mauro Veglio und Aschieri befinden sich denn auch eher durch Zufall im Keller, weil sie zusammen mit einem Barbaresco mal in einem Weinplus-Verkostungspaket lagen. Doch genau für einen solchen Abend habe ich sie zur Seite gelegt und ergänzt wurden sie durch einen großen Namen, durch den Wein eines Kauzes, eines unabhängigen Winzers namens Bartolo Mascarello, der allerdings schon vor einigen Jahren gestorben ist. Dies ist unter Strick der Flight, auf den wir auch hätten verzichten können, denn zehn Jahre Reife sind für Barolo einfach zu wenig. Erst das Consommé vom Fasan samt Frittaten hat mit seinem Umami die teils noch groben Gerbstoffe deutlich gerundet. Die Weine sind, wie bei Barolo üblich, nicht von Frucht geprägt sondern mehr von Leder, Waldboden, Pilzen usw.

Mauro Veglios Casteletto stammt aus Montforte, ist dunkel, dunkler als die anderen beiden Weine, aber am offensten und auch mit der deutlichsten Frucht. Er hat erfreulich wenig offensichtliches Holz. Neben den schon angesprochenen Aromen finden sich getrocknete Kräuter, dunkle Kirschen und dunkel aromatische Gewürze. Insgesamt eine ganze erfreuliche Flasche.

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Im Gegensatz dazu hatte ich beim Öffnen des Vigna dei Pola von Ascheri am Mittag das Gefühl, der Wein könne untrinkbar sein aufgrund höchst bitterer Tannine. Das hat sich dann bis zum Abend noch etwas gelegt, das Consommé tat sein Übriges aber eigentlich war der Wein ein fail, mittelmäßig, rustikal, ja ausgezehrt mit einem rostigen Nagel in einem See von Bitterkeit.

Bartolo Mascarello war eine Legende des Gebiets. Ein Verfechter der alten Schule des Barolo, ein Kämpfer für das Wahre und Gute, der gegen das Barrique genauso angekämpft hat wie gegen Berlusconi und der von 1990 an bis zu seinem Tod nicht mehr persönlich ans Telefon gegangen ist. Gestorben ist er 2005, dieser Wein hier ist von 2004, dürfte aber schon im Wesentlichen von seiner Tochter Teresa gemacht worden sein. Der Nebbiolo hat nach einer langen Mazeration (ca. 30 Tage in Zementtanks) zwei Jahre in mittelgroßen, alten Fässern aus slowenischer Eiche gelegen bevor er dann auf der Flasche nachgereift ist. Er präsentiert das, wofür diese Weine berühmt sind: Eine ungemein dichte Tanninstruktur die sich erst nach Jahrzehnten harmonisiert. Da dieser Wein von diesen Jahrzehnten erst eins auf dem Buckel hat, kann man heute nur erahnen, wie gut der Wein irgendwann sein wird. Es ist die Beschreibung eines Haltepunktes auf der Durchgangsreise. Es ist das Treffen mit einem dunklen, geheimnisvollen Charakter, der hier ein Bukett an Veilchen offenbart, in welches sich vereinzelt dunkle Kirschen mischen. Waldboden, etwas Trüffel, Anis und Fenchel stoßen dazu. Beeindruckend ist die Säure, die Frische, die Klarheit, das leicht Schwebende samt festem Fundament. Mehr kann ich über diese geheimnisvoll verschlossene Schönheit gerade gar nicht sagen.

Das Consommé stand acht Stunden auf dem Herd, bis ich die Karkassen herausgenommen habe. Neben Wacholder, Piment und weiteren Gewürzen dürfte vor allem die Orangenschale eine besondere Note geliefert haben. Abgeschmeckt habe ich das Consommé mit Madeira, mit echtem Madeira, nicht mit der Kochqualität.

> Im zweiten Teil gibt es drei Weine aus dem Cornas, drei aus St. Estèphe und eine Flasche von J.J. Prüm.

 

Zur 800 eine Flasche 738: a.k.a. Jacquesson is in da house

Zum Artikel mit der Nummer 800 gibt es mal wieder etwas Feines im Blog. Just gestern hat Champagne Jacquesson die aktuelle Cuvée der 700er Serie dem Fachpublikum in Hamburg vorgestellt. Das ist durchaus ein Ereignis, denn die Erzeugnisse des Champagnerhauses der Brüder Laurent und Jean Hervé Chiquet haben sich zu einigen der feinsten der gesamten Champagne entwickelt. Vor allem, seitdem die beiden Brüder das Haus 1988 von ihrem Vater übernommen haben um noch einmal viel aufwendiger und konsequenter im Weinberg und im Keller zu arbeiten. Das war durchaus ein Risiko, denn man hat die gesamte, vorher schon sehr gut laufende Linie erneuert. Begonnen hat dies mit dem Basis-Champagne, dem typischen Brut, der hier Perfection Brut hieß und mit dem Jahrgang 2000 zum Extra-Brut Cuvée No. 728 wurde. Dabei ist Extra Brut schon etwa übertrieben um die Leute nicht zu verschrecken (und möglicherweise je nach Jahrgang auch Spielraum zu haben), denn eigentlich ist dieser Champagne ein Brut Nature mit gerade einmal 1 bis 3 Gramm Dosage auf einen Liter.

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Die 700er-Serie stammt im Wesentlichen aus einem Jahr. Der erste der Serie, die Cuvée No. 728, wurde mit dem Grundwein aus 2000 gefüllt, der mit Reservewein der vorherigen Jahre assembliert wurde. Mit der aktuellen Füllung Cuvée No. 738 sind wir entsprechend zum Zehnjährigen beim Grundweinjahrgang 2010 angekommen. Dieser ist eine Cuvée aus 61% Chardonnay, 18% Pinot Noir und 21% Meunier. Der Wein stammt zu 67% aus dem Jahr 2010 und zu 33% aus Reserveweinen. Er wurde spontan vergoren, auf der Feinhefe in Holzfudern ausgebaut und unfiltriert abgefüllt. Schließlich wurde der 738 mit 2,5% Dosage im April 2014 degorgiert. All das steht angenehmer Weise auf der Flasche. Diese wurde im zehnten Jahr im Design noch mal etwas geändert. Und zwar mit einem etwas geordneteren und auch plakativeren Etikett. Die Seriennummer ist weiterhin rot, dafür aber bold, größer und außerdem nicht mehr in Serifenschrift. Die Typo für den Namen des Hauses dagegen wurde deutlich schlanker gesetzt. Das Etikett wirkt ensprechend aufgeräumter.

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Wer nun glaubt, die geringe Dosage würde zu einem eher kargen Champagner führen, wird eines Besseren belehrt. Eine hohe Dosage wäre bei diesem Wein kontraproduktiv denn der 738 hat genügend Volumen und Opulenz. Es ist ein weiniger, komplexer und kraftvoller Champagner, der eine gewisse Süße vom reifen Lesegut suggeriert, nicht aber einen süßen Geschmack. Kraft ist auch das, was ihn vom Vorgänger, dem 737 abhebt. Der Wein hat mehr Power und ist auch komplexer. Dabei bleibt der Champagne neben aller Kraft immer elegant, klar, hat eine tolle Säure und neben dem Weinigen, dem Einfluß von Holz und Hefe auch so etwas wie ein Fußabdruck des Bodens in Form einer kalkig-steinigen Mineralität.

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Eigentlich ist dieser Champagne die Einsteigsqualität des Hauses. Allerdings auf einem Niveau, wie es andere in ihrer gesamten Palette der Erzeugnisse nicht hinkriegen. Der Preis entspricht auch nicht unbedingt einem Einstiegsprodukt, denn er liegt bei um die 45 Euro. Aber, so viel kostet ein Veuve Clicquot ja auch (haha!). Wenn man allerdings wirklich ein besonders gelungenes Exemplar haben möchte, das genau den Spagat zwischen der besonderen Eleganz eines sehr guten Markenchampagners und dem markanten Charakter eines Winzerchampagners haben möchte, liegt bei diesem Wein genau richtig. Und bei der Cuvée No. 738 erst recht. Für mich ist das einer der Champagner, die ich am meisten wertschätze.

P.S.: Wer noch eins drauflegen will: Jacquesson bringt zusammen mit dem 738 noch den fünf Jahre älteren Cuvée No. 733 als Degorgement Tardif auf den Markt. Der Wein hat einfach fünf Jahre länger auf der Feinhefe gelegen, und das ist, also das ist… *seuftz*

Die Weine gibt es alle bei Weine Visentin, der auch den Generalimport für Deutschland hat. Man bekommt den 738 aber beispielsweise auch in der Weinhalle.

 

Champagne – Vol. 13 – Epilog

12/Jun/14 15:07 kategorisiert in: Champagne, Weinland Frankreich

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Es ist eine umfassende Reihe geworden, die virtuelle Reise durch die Champagne. Auch wenn der Überblick nicht vollständig ist, dürfte er doch einen ganz guten Ist-Zustand des Teils der Champagne abgeben, der vielen noch relativ unbekannt sein dürfte – die Champagne der kleinen, unabhängigen Häuser und Winzer. diese Champagne unterscheidet sich fundamental von dem, was wir normalerweise unter Champagne verstehen und wodurch sich diese auszeichnet. Assemblage beispielsweise, die Kunst der Vermählung von Rebsorten, Lagen und Jahrgängen, spielt eine wesentlich geringere Rolle. Es ist eine andere, eine weniger gefällige und auch ein weniger glatte Champagne. Es ist eine, die purer und individueller ist, als die bekannte. Hier nähert sich Champagne immer mehr dem an, was im Bereich des hochwertigen Stillweins ganz normal ist.

JOH15H012Copyright: CIVC, John Hodder

Das beginnt beim Anbau, wo es viele Möglichkeiten gibt, aber unter den besten und individuellsten Produzenten zumindest ein Grundkonsens herrscht: Der Boden muss leben, Der Weinberg muss leben. Und dieses Bodenleben erreiche ich nicht mit Stickstoff und auch nicht mit einer Menge Herbizide und Pestizide. Ob ich dann naturnah arbeite (ich muss jedes Mal schmunzeln, wenn ich diesen Begriff lese oder schreibe), biologisch oder biodynamisch, ist eine zweite Frage. In den Artikeln wurde zudem deutlich, wie viele Optionen man darüber hinaus im Keller hat. Zwei Entscheidungen prägen dabei den späteren Wein besonders: Führe ich eine malolaktische Gärung durch oder nicht und baue ich den Wein im Holz, in Emaille oder im Edelstahl aus. Dies sind individuelle Entscheidungen, die in der unterschiedlichen Kombination natürlich den Stil eines Winzers mit prägen. Darüber hinaus dürften im Gegensatz zu den Big Playern bei den meisten der genannten Winzer Enzyme tabu sein, oftmals wird spontan vergoren, nicht geschönt und nicht filtriert. Auf andere technische oder weinrechtliche Möglichkeiten wird oft bewusst verzichtet, beispielsweise auf Chaptalisation oder auch auf Kältestabilisation.

EPANDAGEAUXTERRESROUGESCopyright: Champagne Jacquesson

Befindet sie die Chamapgne deshalb in einem Umbruchprozess? Ja und nein, würde ich sagen. Der Umbruch findet statt, aber, machen wir uns nichts vor, er findet in einer Nische statt. Auch wenn diese immer größer werden mag, bleibt es eine Nische im einstelligen Prozentbereich. Herrschen tun hier weiterhin die großen Häuser, die Cooperativen mit den klingenden Namen und die Luxusgüterkonzerne und Kapitalgeber. Das ist schon lange so und dürfte sich auf absehbare Zeit nicht ändern. Sie haben aus der Champagne ein Business gemacht. Und sie haben dies mit einer Strategie erreicht, die bis heute aufgeht, auch wenn es eigentlich heiße Luft ist. Zu Beginn, also in der Historie der Champagne war der hohe Preis gerechtfertigt denn da waren die Produktionskosten sehr hoch. Später hat sich der Preis geregelt weil die Kundschaft wirtschaftlich höchst potent war. Doch wollte man mehr, man wollte eine breitere Oberschicht und gerne auch die Mittelschicht erreichen und trotzdem den exorbitanten Preis halten, wenn nicht sogar ausbauen. Dafür brauchte man eine Strategie und hat diese gefunden. Zunächst einmal wurden alle weggebissen, die auch nur entfernt als Schaumweinproduzenten den Begriff Champagne verwendet haben. Das ist in gewissem Maße nachvollziehbar. Warum beispielsweise sollte ein Schaumwein aus Deutschland nach methode champenois gemacht sein? Darauf kann man zugunsten des Markenrechts gerne verzichten und es methode traditionelle nennen. Aber muss tatsächlich die alte Sorte der Champagnerbratbirne wirklich unbenannt werden, nur weil man aus ihr ein paar Flaschen Birnenschaumwein machen kann?

104LECLOSLe Clos, Copyright: Champagne Jacquesson

Entscheidend aber war etwas anderes um die Marke eines ganzen Gebietes begehrenswert zu halten: es war das Postulat, dass es hier eine Einzigartigkeit der Kombination aus Terroir und Klima gibt, die räumlich stark begrenzt ist und deshalb zu einem knappen Warenangebot führt – und das auch dann wenn man Champagne in jedem Discounter findet. Diese postulierte Einzigartigkeit findet man in der Champagne tatsächlich – aber sie beschränkt sich auf wenige Teilgebiete mit besonderer Bodenbeschaffenheit. Große Teile der Champagne werden bis heute dazu genutzt, technisch aufgepeppte Massenware zu produzieren, die unbotmäßig überteuert ist. Das wäre ja auch alles kein Problem, wenn diese Preise nicht auch zu sehr hohen Traubenpreisen und extrem hohen Bodenpreisen geführt hätten. So hat sich daraus ein Preisdiktat entwickelt, bei dem der Konsument in die Röhre schaut. Die Land- oder Weinbergsbesitzer dagegen freuen sich. Sie könne gut davon leben und ich will ihnen das nicht neiden. Ich habe es im ersten Teil schon einmal angesprochen. Das Gebiet an der Marne war lange, sehr lange nicht unbedingt begünstigt und vom Glück verwöhnt. Im Gegenteil, hier war man bitterarm – das hat sich glücklicherweise geändert (ich empfehle dazu bedingt das Buch von Don und Petie Kladstrup, Champagner – die dramatische Geschichte des edelsten aller Getränke – ich empfehle es nur bedingt, weil es einige handwerkliche Schwächen hat, aber es gibt trotzdem einen guten historischen Überblick).

5263951652_a311a17932_zCopyright: Champagne Tarlant

Die Höhe der Preise hat allerdings andererseits einige der Winzer, die ich in den letzten Artikeln erwähnt habe überhaupt erst in die Lage versetzt, selber Wein zu produzieren. Insofern hat das Alles natürlich sein Gutes. Andererseits würde ich mir als Konsument wünschen, dass eine Einstiegscuvée, also der übliche Brut des Hauses, und zwar der eines kleinen, guten Produzenten auch für deutlich unter zwanzig Euro zu haben wäre (wenn man in die Champagne fährt, kriegt man solche Weine vor Ort noch immer). Wenn man nicht das ganze Brimborium um die Marke Champagne veranstalten würde, wäre das auch kein Problem, sollte man meinen. So aber kauft man immer zwangsläufig diesen Hauch von Luxus mit, den ich beispielsweise gar nicht haben will. Ich will einfach guten Wein kaufen, Wein aus der Champagne. Das geht im Bordelais und in der Bourgogne ja auch noch. Die Verwerfungen innerhalb der Weingebiete, die von Versicherungen und Luxusgüterkonzernen und anderen Mogulen beherrscht werden, treten allerdings auch im Bordelais deutlich zu Tage und das könnte in zukunft auch im Burgund passieren, denn dort hat sich der Luxusgüterkonzern Lous-Vuitton-Moët-Henessy (LVMH) gerade für eine astronomische Summe ein Burgunder-Weingut gekauft. Wenn das Nachahmer findet, wird die eh schon teure Bourgogne noch teurer. Moët übrigens baut gerade auf der grünen Wiese ein Champagne-Werk mit einem stündlichen Ausstoß von 18.000 Flaschen. Das ist nicht so viel wie bei den großen Brauseherstellern – aber es ist eben auch nicht mehr soweit davon entfernt.

Gibt es also, um für mich zur Frage des ersten Artikels der Reihe zurückzukommen, einen Mythos Champagne? In der Wikipedia heißt es zur Begriffsklärung unter anderem: „In einem weiteren Sinn bezeichnet Mythos auch Personen, Dinge oder Ereignisse von hoher symbolischer Bedeutung oder auch einfach nur eine falsche Vorstellung oder Lüge.

Was mich angeht, ich würde Champagne gerne unter „falsche Vorstellung“ einsortieren. Ich würde die Marke gerne vom Sockel heben und wieder etwas Irdisches oder besser, Geerdetes daraus machen. In diesem Traum hätten natürlich auch die teuren Champagner ihren Platz – exzellente oder außergewöhnliche Qualität soll ruhig ihren Preis haben. Doch wie schön wäre es, von Cédric Bouchard, von Demarne-Frison oder Tarlant auch mal einfach so eine Flasche öffnen zu können. Bei einem meiner liebsten Erzeuger, Larmandier-Bernier, wäre das vor zehn Jahren noch eher möglich gewesen. Seitdem sind die Preise marktkonform um mindestens 50% angestiegen. Mein Gehalt hat das nicht geschafft, das muss ich zugeben. So bleibt, also für die Normalos nur, sich das Geschäft von außen zu betrachten oder sehr selten mal hier und da fast verschämt eine Flasche zu öffnen und ansonsten fast zwangsläufig Teil eines Mythos zu sein, den kaum einer braucht.

2969049257_0ab68cffb4_zEin Fass ohne mit Boden, Copyright: Champagne Tarlant

Meine eigenen Notizen habe ich mit einigen Quellen abgeglichen, die ebenfalls viel Information rund um das Thema liefern. Da wären, was deutschsprachige Literatur angeht, vor allem Boris Maskow und Gerhard Eichelmann zu nennen. Erster ist ein ausgewiesener und honorierter Fachmann und betreibt die Website sparkling-online.de, deren kurzweilige Weinbeschreibungen einen immer wieder schmunzeln lassen. Letzterer ist bekannter für den Eichelmann, einen Führer für den Deutschen Wein, doch auch Eichelmann ist ein ausgewiesener Kenner der Champagne und hat bereits mehrere Bücher verfasst. Das aktuellste von 2012 heißt schlicht Champagne. Eine exzellente englischsprachige Quelle ist die Website von Peter Liem, champagneguide.net. Die volle Seite kann man allerdings nur dann nutzen, wenn man einen jährlichen Obulus von €65,- zahlt. Darüber hinaus habe ich in die Werke von Richard Juhlin und Michael Edwards geschaut. Das schönste Blog zum Thema betreibt Thomas Iversen, von dem ich auch einige Fotos veröffentlichen durfte. Das Blog Mad about Wine ist jede Zeile wert. Den schönsten Fotostream auf flickr hat übrigens das Haus Tarlant. Wer ein wenig Champagne-Mood tanken will, ist hier gut aufgehoben.

Es macht Spaß und schont den Geldbeutel, wenn man sich selber in die Champagne aufmacht. Darüber hinaus aber gibt es einige sehr engagierte Händler, die diese Chamapgne, die gar nicht so leicht verkäuflich sind wie ihre ungleich bekannteren Pendants von Feuillatte und Co. Zu nennen sind da beispielsweise Vinaturel, Noble Wine, Wein nach Maß, Sébastien Visentin, Bernd Kreis, K&U Weinhalle oder Wein Wuttke, um nur einige zu nennen.

 

Die bisherigen Artikel:

Teil 12: Côte des Bar von Courteron nach Urville

Teil 11: Côte des Bar von Bar-sur-Seine nach Les Riceys

Teil 10: Von Vertus nach Montgueux

Teil 9: Côte des Blancs in Vertus

Teil 8: Côte des Blancs in Le-Mesnil-sur-Oger

Teil 7: Côte des Blancs in Avize

Teil 6: Côte des Blancs von Épernay nach Cramant

Teil 5: Vallée de la Marne, am linken Ufer zurück nach Épernay

Teil 4: Vallée de la Marne, am rechten Ufer von Dizy nach Crouttes

Teil 3 Vallée de la Marne, rund um Aӱ

Teil 2: Montagne de Reims

Teil 1: Auf der Suche nach einem Mythos

 


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