Während ich mit meinem Sohn durch den Laden strich, bauten Mitarbeiterinnen schon die Regale ab. Während ich Florian zu erklären versuchte, dass es die »leckere Milch« wohl bald nicht mehr geben werde, versuchten alle ihre Fassung zu wahren. Ich habe den letzten Chateauneuf-du-Pape 2000 von Pierre André und den letzten wunderbaren Port von Casal de Jordoes gekauft, mit 20 % Rabatt. Mehr war bei mir nicht drin.
Der Herr Huber und sein Bioladen werden mir fehlen. Er schafft es einfach nicht mehr, sich mit seiner schlechten Lage gegen die Konkurrenz aus Denns und Basics und den Bioabteilungen der Discounter durchzusetzen. Er wird mir fehlen; denn er hat Sinn für Wein und verkaufte eine entsprechend gute kleine Auswahl. Außerdem hatte er Vorzugsmilch, die ich nun in Bonn wohl nicht mehr bekomme. Schade und viel Glück!
Neuigkeiten von Wine & Co.
Den 2005er Coulée fand ich ja bei der Prowein sehr speziell unter den eh schon speziellen Weinen von Nicolas Joly, die mir allerdings bisher sehr gut gefallen hatten.
Die Werbung von Wine & Co. ist es auch, wie immer.*höhö*
Ich war ja ganz froh, dass ich einfach so durch die Hallen schlendern konnte. Ich musste keine Verträge abschließen, nichts ordern, keinen Artikel schreiben, ich konnte mich einfach treiben lassen. Und das habe ich gemacht.
Von der Samstagsveranstaltung der Bio-Dynamiker schon sehr positv gestimmt, habe ich mich zunächst zu den Weinen der Bio-Verkostungszone begeben. Die Verkostungszone, gegliedert in drei Themenbereiche, ist eine wirklich gute Idee der Messeorganisatoren. Im Weißweinbereich konnte man 440 Weißweine unter 12 Grad Alkohol probieren, der Rotweinbereich bot eine große Auswahl österreichischer Cuvées, vornehmlich aus autochthonen Rebosrten gekeltert, der Bioweinbereich schließlich zeigte 50 Weine, die eine Fachjury der Zeitschrift Weinwirtschaft herausgefiltert hatte.
Besonders aufgefallen sind mir hier:
2006er Riesling Auslese '36 Reiler Mullay-Hofberg, Mosel, Weingut Melsheimer
2006er Lorcher Kapellenberg Riesling, Rheingau, Weingut Graf von Kanitz
2006er Rotschiefer Riesling trocken, Rheinhessen, Weingut Heyl zu Herrnsheim
2005er Crozes Hermitage AOC Les Meysonniers, M. Chapoutier
2004er Levante IGT Toscano, Tenute Loacker
2004er Costers de Mas Igneus Priorat, Mas Igneus
Später bin ich dann mit meinem Onkel, der für GV-Partner unterwegs war, durch die Hallen getingelt und habe diverse Zulieferer besucht. Für mich interessant war die Verkostung diverser Weine des Kult-Weingutes Brancaia, der TRE 2005, der Utraia 2005, IL BLU 2004, 2005, 2006. Insgesamt sehr, sehr stoffige Weine mit enormem Potential. Weine, die fast für die nächste Generation gemacht scheinen. Gut gefallen hat mir die gesamte gezeigte Palette der Niepoort-Weine, Fabelhaft, Redoma, Vertente.
Highlight dann die Verkostung folgender Ports bei Symington:
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1998er Graham’s Quinta Dos Malvedos Vintage-Port,
1996er Dow’s Quinta do Bomfim Vintage-Port,
1995er Warre’s Quinta da Cavadinha Vintage-Port.
Das ist fantastisch, was in diesen Flaschen steckt, jetzt schon. Und wie vielschichtig einerseits und unterschiedlich andererseits diese Einzellagen-Ports sich darstellen. Die haben wirklich Charakter.
Später dann der Gang durch den Bereich der VDP-Weingüter. Hat denen eigentlich schon mal jemand erklärt, dass das Auge mittrinkt? Das ist ja furchtbar altbacken, das Standdesign. Im krassen Gegensatz dazu die Weine. Tolle Rieslinge, Weißburgunder (die Sorte macht sich immer besser, finde ich), schöne Scheureben aus Rheinhessen. Ein guter Jahrgang, den man da probieren konnte. Es ist schwer, alle die Weine zu beschreiben, die mir gut gefallen haben. Vielleicht später mal ausgewählte Highlights.
Ganz anders dagegen das Standdesign von Message in a Bottle, dem Verband junger Winzer aus Rheinhessen.
Da gab’s dann um 18 Uhr laute Musik und Ühriges aus kleinen Flaschen. Ein wohltuender Kontrast für das ermüdete Auge und die lahme Zunge.
Ich habe mir von die wineandco extra das Newsletter bestellt, weil die haben immer so gelunge Ubersetzung …
Wenn ich über Weine schreibe, warum dann nicht auch über die, die diese Weine vertreiben? Bei meinen Zugriffszahlen bin ich mangels Interesse der anderen Seite eh nicht käuflich.
Ich habe gestern den 2008er Katalog von Pinard de Picard erhalten. Irgendwann einmal war ich bei Recherchen über die Website gestolpert. Die fand ich schon sehr aussagekräftig, grafisch ambitioniert, aber ein wenig zu dicht gedrängt – in positiver Weise auffällig allemal. Das Angebot des Handelshauses aus dem Saarland zeugt von Kompetenz, die umfangreichen Artikel zu Winzern und Wein stecken voller Hingabe und Begeisterung. Die grafische Ausarbeitung wirkt im Katalog geschlossener und harmonischer als im Web. Das besondere Augenmerk liegt neben dem Drang zu kompromissloser Qualität auf bio-dynamisch, biologisch oder naturnahem Ausbau, was sich zunehmend mehr bedingt. Die Auswahl an deutschen, österreichischen und französischen Winzern ist beindruckend, wenn man vor allem verfolgt, wann die drei Inhaber teilweise die Weine ins Programm genommen haben, während noch kaum jemand sonst über sie sprach. Auch mit ihrem Angebot im Web waren sie sehr früh dran. Seit 1997 existiert die Seite, und dass über 40 % des Umsatzes über das Internet erzielt werden, spricht für diesen Vertriebsweg. Was allerdings nur funktioniert, wenn die Seiten gepflegt werden und die Informationen so umfangreich sind, dass man sich als Käufer ein stimmiges Bild schaffen kann, um später beim Wein im Glas nicht enttäuscht zu werden.