Vorgestern waren wir in Köln. Genauer gesagt im Vintage. Dort bot der Verein der Prädikatsweingüter (VdP) Fachpublikum von 14 Uhr bis 17 Uhr die Möglichkeit, die Großen Gewächse von der Nahe, aus Rheinhessen, aus der Pfalz und von der Ahr zu verkosten. Wir dachten, wir kommen mal sehr pünktlich, letztes Mal war es ja so voll und da wird es dann schwierig, konzentriert zu verkosten. Um zwei Uhr hatten wir unser Glas und unseren Notizblock auf einen der Stehtische gelegt und begannen, die GGs von Bassermann-Jordan zu begutachten.
Zehn Minuten später standen auf der anderen Hälfte des Stehtisches sechs Gläser einer Gruppe von Weinliebhabern, die ganz natürlich zunehmend den Stehtisch okkupierten, weil neben den sechs Gläsern auch noch Platz für die drei Blöcke sein musste. Dazu standen dort eine Flasche Wasser, ein Spucknapf und zwei Kerzen, die immer wieder angezündet wurden, nachdem wir sie, weil störend, ausgeblasen hatten.

Weitere zehn Minuten später war die untere Etage des Vintage zum Bersten gefüllt, ich vermisste schmerzlich meine Ohrenschützer und leichtere Kleidung. Die kleinen Spucknäpfe, ich habe insgesamt 12 gezählt für ca. 600 Leute, waren alle Nasen lang voll, verschwanden dann zwecks Entleerung oder wurden, während wir uns einen Wein vom nächsten Winzer holten, einfach entwendet, weil man sie woanders brauchte. An die ausgestellten Weine kam man kaum noch heran, weil viele während der Verkostung der verschiedenen Lagen einfach penetrant vor den Winzertischen herumlungerten, statt sich in die Tiefe des Raums zurückzuziehen.
Es dauerte nicht lange, bis wir den Eindruck hatten – was von zahlreichen Äußerungen untermauert wurde –, dass viele eh nur zum Saufen da waren.
In der oberen Etage war es zwar dann ruhiger, dafür hatte man sich den Witz einfallen lassen, in der offenen Showküche so was wie Lauchkuchen zuzubereiten. Lauch! Jenes Gemüse, das bekannt dafür ist, eine fantastische olfaktorische Symbiose einzugehen mit filigranen Rieslingen aus Rheinhessen.
Auch oben bildeten sich zunehmend Gruppen von Menschen – die Anzahl an Frauen in Dreiergruppen mit ähnlichem Aussehen: Polo-Ralph-Lauren-Bluse, blondiertes Haar, Sonnenbankbräune mit Cremeschimmer war auffällig hoch –, die eher zum, sagen wir mal, Lustwandeln vor Ort waren. Bei uns am Tisch stand ein urkölsches Paar, welches sich von Minute zu Minute immer schwerer auf dem Tisch abstützte, während abwechselnd neue Getränke geholt wurden, wobei sich der Aktionsradius zunehmend verringerte.
Ach so, ja. Nach anderthalb Stunden haben wir die Veranstaltung dann verlassen. Es waren wirklich schöne Weine dabei, glaube ich.
Es ist ja ganz herrlich, wenn man weinbegeisterte Freunde oder Bekannte hat, die einen dazu einladen, mitzuhelfen, die Kellerbestände auf die bestmögliche Art und Weise zu dezimieren – indem man sie mit Menschen trinkt, die sich ebenso daran erfreuen können wie man selbst. Jörg hat einen solch beeindruckenden Kelle, in dem vor allem der deutsche Riesling und der französische Burgunder zu Hause sind, daneben aber auch noch einige andere Spezialitäten, unter anderem gereifte Gewächse aus dem Bordeaux.
Und Bordeaux war auch das Thema des Abends. 13 Weine standen an, blind verkostet mit drei Piraten zur Auflockerung.
Leicht eingestiegen sind wir mit einem Château Tour de Mirambeau, Cuvée Passion aus dem Jahr 2004. Ein Vertreter des Entre-deux-Mers, einem Bordeaux-Gebiet, welches selten Beachtung findet. Dass es hier allerdings neben lauter Mittelklasse auch etwas gibt, was an der Oberklasse kratzt, zeigt diese Cuvée Passion. 70 % Sauvignon Blanc und 30 % Semillion finden sich zu einem klassischen trockenen weißen Bordeaux mit feiner Säure und guter Länge. Es finden sich etwas Melone und Quitte und vor allem Pfirsich.

Dem Mirambeau folgte der weiße Wein des Château Smith Haut Lafitte, Grand Cru Classé de Graves. Eines der wenigen Châteaux, deren weiße Weine berühmter sind als die roten.
Wir haben an diesem Abend den 1996er probiert, der seinen Höhepunkt leider überschritten hat. Neben einer beeindruckenden Bernsteinfarbe strömte aus dem Glas das, was man in die Nase bekommt, wenn man einen Geigenbogen über bernsteinfarbenes Kollofonium reibt, dazu Honig, Malz und reife Quitte. Am Gaumen kommt etwas Nussiges hinzu – und das Alter.
Jörg hat die Rotweine in zwei Fünfer-Flights geteilt und bei verdeckter Verkostung die drei bordeauxfernen Gewächse untergemischt.
Begonnen hat es mit zwei klassischen bürgerlichen Châteaux – Château Bernadotte, Haut Médoc 2003 und Château Paloumey, ebenfalls Haut Médoc aus dem Jahr 2000.
Bernadotte gehört mittlereile zum Champagnerhaus Roederer und ist schon seit langem eine feste Bank unter den Cru Bourgeois, eine, die auch locker unter den klassifizierten Cru mithalten kann.
Der Wein wirkt in der Nase sehr frisch und relativ leicht, Tannine sind beim Schnuppern nur schwer zu erkennen, eher medizinisch eukalyptische Noten mit etwas Pfeffer und Himbeer.
Am Gaumen wirkt der Wein dann relativ alkoholstark mit sehr deutlichen Tanninen, cabernetgeprägt mit klarer Säure und Geschmack nach Paprika und Pfeffer mit ganz leichtem Salz. Ganz frisch ist dieser Wein, mit einer leichten Süße, nicht zu komplex, aber fein gemacht – ein Wein, den ich, ehrlich gesagt, als 2006er eingeschätzt habe und nicht als drei Jahre älter. Diese drei Jahre allerdings darf er mindestens noch liegen, um noch ein wenig runder zu werden.
Eine ähnlich falsche Jahrgangseinschätzung hatte ich beim 2000er Château Paloumey, den ich ebenfalls drei bis vier Jahre jünger eingeschätzt hatte.
In der Nase deutlich erdiger als der Bernadotte, hatte ich zunächst das Gefühl, einen Burgunder im Glas zu haben. Erst allmählich entwickeln sich merlot- und cabernettypische Fruchtaromen, dazu kommt ein leichtes Salzgebäck. Der Wein hat enorm viel Kraft und Saft, wirkt überhaupt kein bisschen alt.

In der zweite Runde befanden sich zwei 1998er im Glas.
Da hatten wir zum einen den 1998er Almaviva aus dem Gemeinschaftsprojekt von Philippe Rothschild und Concha y Toro in Chile. Dagegen gab es Château Patris 1998, St. Emilion.
Almaviva gehört regelmäßig zu den besten Weinen, die in Chile produziert werden. Das kann man bei diesem 1998er schon nachvollziehen, auch wenn es der erste Jahrgang der 1997 gegründeten Bodega ist. Cabernet wird hier vornehmlich im Maipo-Valley angebaut und dazu werden 85 ha erster Lagen verwendet. 26 % Carmènere kommen im 1998er hinzu sowie 2 % Cabernet Franc. Ausgebaut wird 16 Monate in französischer Eiche.
Der Wein besticht in der Nase durch eine leichte Süße mit milden orientalischen Gewürzen und Pfeffer. Er wirkt kühl und mineralisch mit einem deutlichen Duft nach Zigarrenkiste. Dieses Zedernholz schmeckt man selbst am Gaumen, wo sich auch die Mineralität wiederfindet. Sehr geschliffen ist dieser Wein, ausgesprochen gut gemacht. Immer noch sehr frisch mit leichten Süßholz- und Korianderaromen neben der satten Backpflaumenfrucht.
Was unterscheidet ihn von den Bordeaux? Die Süße, würde ich sagen. Es ist eine warmweiche Süße, die man in der Form nicht findet im Bordeaux, und das Fehlen des leicht Salzigen verrät die Abstinenz des Meeres.
Der Château Patris dagegen fällt etwas ab. Dieser Wein trägt 80 % Merlot und 20 % Cabernet Franc in sich, doch waren wir uns eigentlich sicher, dass dies ein Cabernetwein sein würde. Wie man sich doch täuschen kann.
Das Schloss liegt am selben sandigen, mit Kies durchsetzten Hang wie Angelus, Ausone oder Pavie. 40 Jahre alt sind die Rebstöcke im Durchschnitt und bekannt geworden ist, dass Château als Hardy Rodenstock den Wein als nicht qualifiziertes Gewächs einer Probe von Spitzengewächsen des 2000er Jahrgangs untergeschoben hat und ziemlich klar in die Spitzengruppe gewählt wurde.
In die Spitzengruppe des Abends ist der Wein bei mir nicht gelangt. Ehrlich gesagt, habe ich den Wein schlicht vergessen und mir Dinge aufgeschrieben wie "etwas schokoladig, relativ erdig, rote Früchte".
Deutlich präsenter ist mir dagegen der 1989er Sociando-Mallet, wiederum Haut-Médoc. Das war der beste Wein der ersten Runde. Unglaublich klar und präsent wirkt der Wein, den ich in die Mitte der Neunziger eingestuft hätte. Schon in der Nase ist dieser tiefdunkle Cru Bourgeois – von dem behauptet wird, dass er immer wieder der Beste aller bürgerlichen Châteaus ist und ihm durchaus eine 3ème Qualifizierung gut anstehen würde – sehr fein balanciert zwischen dunkler Erde, dunklen Früchten, Veilchen und Eukalyptus. Enorm viel Tannin hat er, der Mund zieht sich zusammen, wohlgemerkt, er hat schon zwanzig Jahre auf dem Buckel, Pfeffer hat er und er wirkt geradezu angriffslustig. Zum Schluss verbindet sich ein leichte Süße mit einem langen, trockenen Abgang. Großartig.

Den zweiten Teil nach der Quiche hat dann der nächste Pirat eingeleitet. Ein 1990er Marchese di Villamarina, Sella e Mosca, Sardinien. Er sagte mir, ehrlich gesagt, nicht viel. Ich musste erst nachschauen und habe herausbekommen, dass Sella e Mosca auf Sardinien 650 Hektar (!) unter Reben stehen hat und immer wieder die drei Gläser im Gambero Rosso erreicht.
Ich gehe mal davon aus, dass dieser Wein sowohl von Cannonau als auch von Cabernet geprägt wird. Zartsüß wirkt er in der Nase mit Gewürzen, Kräutern und Süßkirschen, am Gaumen sehr weich, fast ein wenig zu fruchtig mit einer immer noch schönen Frische. Da liegen noch einige reife Pflaumen im Hintergrund, bevor es ins lange Finale geht. Ein sehr guter Wein.
Begleitet wurde er von einem 1986er Chateau Gazin aus dem Pomerol, dem man nun endlich auch mal das Alter anmerkte. Bei den anderen habe ich mich ja regelmäßig verschätzt. Man musste sich durch einen Schwall warmen Gummis kämpfen, bevor man diesen Wein genießen konnte. Weich und rund war er mit einer schönen Tiefe. Dunkle Beeren am Gaumen, dabei immer noch eine feine Säure.
Ebenfalls aus dem Jahr 1986 stammt der Wein vom wunderschönen 250 ha-Gut Beychevelle aus dem St. Julien. In den letzten Jahren hat der Wein mir selten gefallen, aber der 1986er war sehr spannend. Ein Geruch von alter Wäsche strömte aus dem Glas, etwas Erdig-Pilziges, Animalisches. Irgend jemand sagte, das würde ja nach salzigem Popcorn mit ranzigem Öl riechen. Im Mund dann reiner Bordeaux: Früchte, Zedernholz, rohes Rindfleisch, Menthol, Jodsalz – relativ schlank, weich und schön.
Gepaart hat Jörg diesen Wein mit einem 1989er Dominus von Christian Moueix aus dem Napa Valley. Und auch hier merkt man – wie auch beim Almaviva –, das ist französisch geprägt, kommt aber aus einer wärmeren Gegend, was den Wein nicht schlechter macht, aber anders. Weich ist er zunächst, eine sahnige Nase hat er, buttrig, vanillig, mit warmen, weichen Früchten, nicht zu tief, nicht zu lang. Geerdet ist er, sagte jemand, und ich kann nur zustimmen. Geerdet, balanciert, reif und gut.
Der letzte in der Reihe war dann auch der Älteste. Einen 1978er Ducru-Beaucaillou aus dem St. Julien hatte Jörg uns eingeschenkt. Dass der Wein ein gewisses Alter erreicht hatte, sah man an den bräunlichen Reflexen am Glasrand. In der Nase und am Gaumen konnte man das viel weniger spüren. Ein zurückhaltender Duft nach Holz und Kartoffel mit etwas Cassis und kühler Mineralität. Zedernholz kommt dazu und Leder und Tabak. Ein sehr guter Wein, der noch einige Frische in sich trägt sich, sich aber leider ein wenig schnell verabschiedet.

Nach dieser Tour de Force hat sich Jörg für einen Wein zum Ausklang entschieden, der aus einer ganz anderen Ecke stammte, aber wunderbar gepasst hat – viel besser, als ein Sauternes es geschafft hätte, einen Gegenpol zu bilden.
Vom Weingut Rudolf Fürst gab es eine 1993er Rieslaner Auslese aus dem Bürgstadter Centgrafenberg. Wenn Rieslaner gut sind, dann vereinen sie tatsächlich das Beste aus den Sorten Riesling und Silvaner. In diesem hier fand sich ein Korb voller Blüten, bei denen die Kamille etwas herausstach. Satter, reifer, in Honig geschwenkter Pfirsich mit einer leichten Schärfe und einer sehr angenehmen, markanten frischen Säure. Das war herrlich entspannend.

Was dann noch kam, nachdem wir eine Stippvisite im Keller gemacht haben, ist definitiv noch eine Beschreibung wert.
Marie Thérèse Chappaz ist Winzerin in Fully in der Region Vallais in der Schweiz. Bis vor kurzem hat sie 1,5 Hektar bewirtschaftet, die ihr Onkel 1880 angelegt hatte. Mittlerweile ist der Betrieb auf 6,5 Hektar angewachsen. Neben Dôle und Fendant finden sich reinsortige Petite Arvine, Malvoisie, Humagne, Pinot, Syrah und auch Marsanne. Von dieser Rhône-Rebsorte haben wir den Grain Noble aus dem Jahr 2001 probiert.
Eine Melange aus Klebstoffnoten, etwas Ammoniak, Honig und satten Feigen stehen im Glas. Im Mund dann eher Dörrobst, Virginiatabak und Karamellkekse. Sehr dicht mit erstaunlich viel Säure. Sehr spannend.

Als endgültigen Abschluss gab es dann noch eine vorzügliche 2003er Beerenauslese von Emrich-Schönleber aus dem Monzinger Halenberg. Eine leicht gummierte Spontinote, vermischt sich mit Mineralen und dem Duft von reifem Steinobst. Eine feine, glatte Säure verbindet sich mit karamelisiertem, zitronigem Schiefer. Dazu finden sich gewürzte Pfirsiche und Aprikosen, hach. Hab' Dank Jörg. Ich hör' jetzt auf.


Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich bei pivu einen Artikel über die Rückbesinnung des Deinhardschen Weingutes auf alte Werte und alte Namen gelesen und habe mich spontan dazu entschlossen, mir ein Probierpaket des Winningschen Weingutes zu bestellen. Die Flaschenausstattung ist ausgezeichnet. Schwere dunkle Flaschen tragen ein auf hochwertigem Papier gedrucktes Gold mit feiner Prägung. Die Machart der Weine, Spontanvergärung, Verzicht auf Filtration, extreme Selektion der Trauben deutet darauf hin, dass der neue Besitzer in die Spitzenliga der deutschen Weingüter zurückkehren möchte.

Den ersten Wein, den Deidesheimer Paradiesgarten fand ich durchaus bemerkenswert in seiner traditionellen Machart. Ich mag diese Weine. Mein Weblog in der neuen Gestaltung hat damals genau mit einem solchen Wein, dem Ruppertsberger Reiterpfad derer von Bürklin-Wolf und einem entsprechenden Artikel in Marion Scheuermanns Büchlein Wein und Zeit begonnen.
Die drei Weine, die Siggi und ich geöffnet haben, waren jeder auf seine Art noch nicht wirklich überzeugend. Ein seltsamer Weinabend. Den 2006er Halenberg von Emrich-Schönleber, den wir gleichsam als befriedigendes Gegenstück zu unserer Enttäuschung konsumieren wollten, hat uns ebenfalls nicht überzeugt, zu deutlich stachen die Alterungsnoten hervor, zu schnell verabschiedete er sich vom Gaumen, während der Ruppertsberger Reiterpfad, der uns von den Dreien noch am wenigsten zugesagt hat und von dem mehr als die Hälfte in der Flasche geblieben ist, am nächsten Tag deutlich angenehmer geschmeckt hat.
Lediglich 1.000 Flaschen hat man abgefüllt von diesem Riesling, der auf einem Bett von Buntsandstein und Kies gewachsen ist. Der Wein wirkte auf uns allzu stark säurebetont mit einem stark gemüsigen Einschlag und einem Mangel an Frische und Würze.
Diese Würze und Mineralität kam über Nacht noch mal deutlicher in den Vordergrund. Da hat anscheinend das Karaffieren, man nennt es wohl so, nicht weitergeholfen. Sehr viel Zeit brauchte der offene Wein, nicht nur Luft.

Tiefer als der Ruppertsberger kommt der Riesling aus der altehrwürdigen Forster Lage daher. Cremiger, würziger mit einem Hang zur Nelke in Verbindung mit Aprikosen. Aber auch dieser überzeugt uns nicht. Da ist zu wenig Kraft, zu wenig Frische vor allem. Natürlich merkt man ihm eine Verschlossenheit an, die ich auch von vielen Bürklin-Wolfschen Weinen kenne. Die brauchen oft sehr, sehr viel Zeit. Aber das scheint mir nicht das einzige Problem zu sein.

Es gibt Kenner die behaupten, dass diese knapp 7,5 Hektar kleine Lage mit zu den besten Riesling-Lagen überhaupt gehört. Im Untergrund findet sich ein urzeitliches Kalksteinriff mit feinsandiger Lößauflage und mergeligem Kies, welcher früher auch Grien oder Grain genannt wurde.
Dieser ebenfalls unfiltriert und spontanvergorene Riesling zeigte sich noch rastlos, noch verschlossen mit einer leichten Veränderung während des Abends in Richtung Opulenz. Ein wenig. Es zeichnet sich eine eigene charaktervolle Mischung aus Gewürzen, Gemüsigem, Floralem und Fruchtigen ab, die man durchaus verfolgen sollte. Ein Wein für die nächsten Jahre, dem das Rückgrad erst noch erwachsen muss.

Das Haus zu den fünf Ringen gehört zu den wenigen historischen Gebäuden der im Krieg zu über 90 Prozent zerstörten Stadt Goch. Zusammen mit dem historischen Rathaus, dem Van-den-Bosch-Haus und dem Mosters-Haus bildet es ein Ensemble von Gebäuden aus dem 16. Jh. Das Gebäude diente ursprünglich als adliges Stadtwohnhaus, in den Kellerräumen befand sich ab 1828 eine große Weinhandlung. Später wurde im hinteren Gebäudeteil Bier gebraut. Bis in die Mitte des 20. Jh.'s bekam man hier das dunkle, niederrheinische Alt der Familie Janßen. Nach dem Krieg baute die Familie dann einen Getränkeverlag auf, der in den Achtzigern in ein Gewerbegebiet verlegt wurde. Das Haus wurde an die Stadt veräußert und befindet sich im Stadium der Renovierung. Dabei ist es nach dem Guss einer neuen Bodenplatte so weit nutzbar, dass das Museum Goch die Räumlichkeiten als Ausstellungsfläche für heimatkundliche Objekte verwendet.

Dieses mit zu den schönsten historischen Gebäuden am Niederrhein zählende Haus bot uns die Kulisse für den dritten Teil des Gocher Weinzyklus. Champagne – Die Grande Dame wird niemals alt war das Thema, zu dem der Veranstalter, der Gocher Juwelier Georg Schotten, geladen hatte, um Funkelndes miteinander zu verbinden: die Präsentation seiner Winterkollektion in Verbindung mit einer Reise durch die Champagne.

Michael van den Höövel und ich haben dabei versucht, mit den sechs präsentierten Champagnern eine Auswahl zu treffen, die verdeutlicht, wie heterogen und spannend dieses Weinbaugebiet ist – auch abseits der wenigen bekannten Namen. Sechs Schaumweine aus den unterschiedlichen Regionen der Champagne, ein Abbild verschiedener Rebsorten und Cuvées bis hin zu von Pinot Noir bzw. von Chardonnay geprägten Jahrgangschampagnern. Dabei wechselten sich Winzerchampagner mit denen großer und kleiner Häuser ab.

Einen wunderbar leichten Einstieg bot der Winzerchampagner von Franck Pascal. Ungewöhnlich in seiner Art, Pinot Meunier geprägt und ohne Dosage abgefüllt, fand er doch Zuspruch; denn er kommt nicht so knochentrocken daher, wie man auf Grund der fehlenden Dosage hätte vermuten können. 4 Hektar besitzt Franck Pascal im Tal der Marne und beginnt mit einem Flaschenpreis von 26 Euro. Cremig ist sie, diese Cuvée de Reserve mit feiner Hefe und einem schönen Duft von reifen Äpfeln. Für mich ein ausgezeichneter Bankett-Champagner, den es ebenso mit einer geringen Dosage von 3 Gramm gibt.

Ganz anders präsentierte sich der Roederer Brut. Druckvoller und säurebetonter zeigt sich der Einstiegswein von Louis Roederer. 4 Hektar Pascal gegen 300 Hektar Roederer (200 ha plus 100 ha zugekaufte Reben), Winzerfamilie gegen Glamour und Marketing. So kontrastreich ging es zu.
Diesem Wein werden verschiedene in Eichenfässern ausgebaute Reserveweine zugesetzt. Er setzt sich zusammen aus etwa einem Drittel Chardonnay und zwei Dritteln Pinot, davon wiederum ca. 15 % Pinot Meunier. Neben den klaren Hefearomen strömt der Duft von Mandeln aus dem Glas, dazu viel Zitrus und frische Orange und grüner Apfel. Der Wein ist sehr straff und mineralisch – ein ausgewogener, kräftiger, klarer, beeindruckender Stil aus Reims.

Drappier liegt in einem der Satellitengebiete der Champagne, an der Côte de Bar im Departement Aube. Lange haben sich Winzer wie Politiker aus den Departements der Marne und Aube um die Zugehörigkeit der Aube-Gebiete zur Appellation Champagne gestritten. Wie Stiefkinder wurden die Gebiete behandelt, in denen der Champagner lange Saulte Bouchon hieß und der Weinbau vor allem durch die Mönche des Klosters Clairveaux forciert wurde. Seit einigen Jahrzehnten ist das kein Thema mehr, man hat zusammengefunden, nicht zuletzt durch den gemeinsamen Feind, der sämtliche Champagnergebiete in den Weltkriegen entweder verwüstet oder ausgebeutet hat.

Mit 50 Hektar gehört Drappier zu den kleinen, ausgezeichneten Betrieben in dieser Gegend. Sie tragen das im Namen, was so einige alteingesessene Häuser – Ruinart ist das beste Beispiel – gemacht haben, bevor sie sich dem Vertrieb von Champagner gewidmet haben. Die Drappiers waren Tuchhändler. Irgendwann hat man dem Kunden als Mitbringsel den geschätzten Champagner mitgegeben und der wurde dann zunehmend so beliebt, dass das Geschäft einträglicher war als das des Tuchhandels.
Der Rosé aus einem kleinen Wingert namens Val des Demoiselles, Tal der Jungfrauen, stammt zu 100 Prozent aus Pinot Noir, der bei Drappier drei Tage auf der Maische belassen wird. Ein kräftiger Champagner mit dem Duft von roten Früchten und ein wenig Veilchen und leichten Gewürzen. So kräftig, dass er dem Essen in der Pause nach der Präsentation von Schottens Kollektion mühelos standhalten konnte.

Der zweite Teil der Tour durch die Champagne begann mit der Vorstellung eines kleinen Hauses aus dem Ort Avize, einem der Zentren der Côte de Blancs. Das 11-Hektar-Weingut De Sousa & Fils hat hier zu einem eigenen klaren Stil gefunden. Ausgezeichnete biodynamische Weinbergsarbeit ausschließlich in Gran Cru Lagen, Spontanvergärung und Ausbau in Barriques, in diesem Fall in 15 Prozent neuen Fässern. Das Ergebnis ist ein wunderbar cremiger Chardonnay mit Aromen von frischem Brioche, Nüssen und Zitrus. Je länger der Wein steht, desto stärker werden die Aromen von reifen Orangen. Für 35 Euro ist dies ein wunderbar reifer und fülliger Champagner sehr guter Qualität.

Ebenfalls biodynamisch arbeitet Fleury Pere & Fils. Er gehört mit zu den Pionieren in der Champagne. Bekannt geworden als Winzer des Jahres 1993 im Gault Milliau, macht er für mich momentan mit die besten Champagner unterhalb der 100 Euro-Grenze. Der 1996er Millésime hat große Klasse. Eine wunderbare Verbindung aus Frische und Alterungsnoten, reifer Hefe, mürbem Apfel und frischen roten Beerenfrüchten und ein wenig Tabak. Eine klare Pinot Noir-Dominanz sorgt für Kraft. Sehr, sehr harmonisch steht er dem letzten Wein des Abends in nichts nach.

Der Billecart-Salmon Cuvée Nicolas-François Billecart 1998 Millésime zeigt ähnlich herrlich harmonische Reife. Chardonnay von der Côte de Blancs und zehn Prozent Pinot Noir aus der Montagne de Reims sowie eine leichte Dosage, die bei Billecart 10 Jahre lang in Holzfässern gelagert wird, bilden einen weichen, Brioche und Zitrus geprägten Wein.

Es gab eine deutliche Lagerbildung bei den beiden letzten Jahrgangschampagnern. Da mochte der eine lieber Pinot Noir, die andere präferierte den Chardonnay. Außergewöhnliche Klasse kann man beiden Häusern bescheinigen. Das sind beides Weine, die in ihrer Klarheit und Tiefe auf wunderschöne Art die Einzigartigkeit der Champagne präsentieren – und nicht zuletzt einen gelungenen Schlusspunkt für den Abend gesetzt haben.
Unsere kleine Bonner Weinrunde hat letzten Mittwoch einen Weißburgunder-Rundumschlag gemacht. Wir hatten Glück mit dem Wetter und so konnten wir die erste Runde in unserer neuen Wohnung sogar auf der Terrasse genießen, was ja zunehmend seltener wird in diesem Sommer.
Acht Weine standen an, zwei stachen preislich heraus, das Mittelfeld lag bei 8 bis 15 Euro. Es gab ein großes Gewächs von über 20 Euro und den momentan bei Aldi verfügbaren Fritz Keller Editionswein für knapp 6 Euro. Wir haben blind verkostet und zu viert ein ziemlich einheitliches Bild der vorhandenen Qualitäten gehabt. Ich werde beschreiben, wie wir sie blind verkostet haben.
Hofstätter, Pinot Bianco 2007, Alto Adige
Riffel, Weissburgunder Turm 2007, Binger Schlossberg Schwätzerchen, Spätlese, Rheinhessen
Hiedler, Pinot Blanc Spiegel 2006, Kamptal
Albert Mann, Pinot Blanc Auxerrois 2007, Elsass
Fritz Keller, Edition 2008, Baden
Erbeldinger, Gundheimer Mandelbrunnen 2008, Rheinhessen
Salwey, Henkenberg Großes Gewächs, 2007, Baden
Wagner-Stempel, Siefersheimer Weissburgunder 2008, Rheinhessen
Es gibt Begegnungen mit Weinen, die man so schnell nicht vergisst. Immer wieder treffe ich auf wirklich gute Weine, außerordentliche Weine, aber selten auf solche, die einfach bleiben werden – in der Nase, auf der Zunge, im Gedächtnis.
Michael hatte am Samstag eine kleine Gruppe von Freunden eingeladen, um einige außergewöhnliche Champagner zu probieren, und was wir an diesem Abend öffnen konnten, war wirklich vom Feinsten, ohne Übertreibung. Ich werde die Weine und die Weingüter der Reihe nach in verschiedenen Beiträgen vorstellen.
Folgende Champagner hatten wir im Glas:
Drappier, Blanc de Blancs Signature
Devaux, Le Millesime "D" de Devaux 1996