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Rosésommer: Wunderbares Burgund

11/Sep/14 12:30 kategorisiert in: Alles Bio, Gamay, Pinot Noir / Spätburgunder, Rosé

Zwei der schönsten Rosé, die mir bisher untergekommen sind, sind die beiden Burgunder-Rosé der Herren Jouveaux und Pataille. Alexandre Jouveauxs Weine sind selten zu finden und ich bin eher durch Zufall in einem Laden in Belgien über die ungewöhnlichen Etiketten gestolpert – bei der Recherche habe ich die Weine dann in meinem meiner Lieblingsblogs gefunden. Jouveaux, ehermaliger Fotograf von Chanel hat sich 1999 ein kleines Stück Land im Mâconnais gekauft. Die Parzellen, auf denen seine fünf Weine entstehen sind so klein, dass er gerade einmal 6.000 Flaschen erzeugt, nicht pro Wein sondern pro Jahr. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb er praktisch nie irgendwo erwähnt wird. Er geht nicht zu Messen, er reicht keine Weine ein, aber diese 6.000 Flaschen sind schneller weg als man gucken kann. Ann-Claude Leflaive, die Grand Dame des Chardonnay soll übrigens eine eifrige Käuferin sein.

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Der Rosé, um den es hier geht ist, wie alle Weine von Jouveaux, ein Tafelwein. Daher kann er damit im Prinzip machen, was er will – der Wein muss kaum vorgegebenen Standards entsprechen außer seinen eigenen. Rosé ist eigentlich sowieso nicht vorgesehen im Burgund und eine Cuvée aus Gamay (60%) und Pinot (40%) schon gar nicht. Die Weine fallen unter die Kategorie vin naturel, denn weder im Weinberg noch im Keller werden künstliche Additive zugesetzt. Der Wein wird weder geschönt noch filtriert, er vergärt spontan, bleibt nicht allzu lange auf der Maische (im Falle des Rosé) und wandert dann ins alte Holzfass. Geschwefelt wird nur zum Schluss, und das ganz zurückhaltend. Jouveauxs Rosé Uchizy 2010 ist ein stiller aber nachdrücklicher Vertreter seines Fachs. Er ist kein Wein, der bei einer größeren Roséprobe nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Dafür ist er zu scheu. Er will, dass man sich ganz in Ruhe mit ihm beschäftigt. In diesem Wein verbinden sich typische Erdbeeraromen – aber eher die von kleinen Walderdbeeren – mit einer ganz leichten Röstnote, mit Salz, mit Blüten und etwas säuerlichen roten Johannisbeeren. Alles bleibt fein und zurückhaltend doch balanciert und mit einer schönen Länge.

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Deutlich offensiver und präsenter ist der Fleur de Rosé 2008 von Sylvain Pataille. Pataille lebt und arbeitet in der AOP Marsannay. Es ist die nördlichste AOP der Côte de Nuits, sie liegt mittlerweile am Stadtrand des ausufernden Dijon. Er hat ebenso wie Jouveaux seine ersten Parzellen im Jahr 1999 angekauftt. Die Vorgeschichte dazu allerdings ist anders, denn Pataille hat im Gegensatz zu Jouveaux in Beaune und Bordeaux Önologie studiert und war zunächst als Berater tätig. Neben extrem klaren, sauberen und präzisen Chardonnays und Pinots, füllt Pataille in manchen Jahren einen Rosé ab. Dieser ist absolut selten zu finden und eigentlich nur für wenige französische Gastronomen gedacht, die sowieso seine Weine beziehen. Der Rosé ist kein Nebenprodukt, das bei der Mostkonzentration der Burgunder anfallen würde. Vielmehr unterlaufen die Trauben (85-90% Pinot Noir und 10-15% Pinot Gris!) eine Kohlensäuremaischegärung, bevor sie dann für 15 Monate ins bis zu 40% neue Holz wandern. Diese macération carbonique wird normalerweise vor allem für die Erzeugung jung zu trinkender Weine wie dem Beaujolais Nouveau eingesetzt. Dies hier aber ist kein jung zu trinkender Wein. Der 2008er Fleur de Rosé dürfte jetzt vielleicht gerade seinen Zenit erreichen. Und die Kombination von Ganztraubenmaischung und Holzfasslagerung scheint Sinn zu machen, zumindest für bestimmte Weine. Der Fleur de Rosé jedenfalls schafft eine geradezu perfekte Balance zwischen burgundischer Kraft, Finesse und Leichtigkeit. Er verbindet die leichten, schwebenden Aromen von Erdbeeren und Himbeeren mit leicht rauchigem Holz, mit Orangenschalen, mit fein säuerlicher Kirsche und Hagebutte. Der Wein ist neben dieser gereiften Frucht deutlich salzig-mineralisch, hat eine klar definierte feine Säure und eine brillante Länge. Mochte ich den Vinudilice von Salvo Foti schon ausgesprochen gerne als Vertreter der kräftigeren, kantigen Art, so ist das hier für mich der perfekteste Vertreter einer eleganten und doch kraftvollen Form von Rosé, die ich bisher probieren durfte.

Die Weine von Alexandre Jouveaux gibt es bei terrovin.be, die auch nach Deutschland liefern und an sich schon ein tolles Programm haben und den Fleur de Rosé wird es als Jahrgang 2011 ab KW48 bei Lobenberg geben.

Rosé-Sommer: Cask-Force – 2010er Pinot-Rosé aus dem Fass

05/Sep/14 12:30 kategorisiert in: Alles Bio, Pinot Noir / Spätburgunder, Rosé

Ist Rosé eigentlich was für jetzt und gleich oder lohnt es sich, den Wein in den Keller zu legen? Bei 99,5% des weltweit produzierten Rosé dürfte es die Qualität des Weines wohl kaum verbessern, wenn man ihn Jahre im Keller verschwinden lässt. Bei einigen wenigen, ambitionierteren Exemplaren jedoch macht das durchaus Sinn. Wer den Herrenhof Lamprecht Pinot Rosé 2010 von Gottfried Lamprecht in seinem Frühstadium probiert hat, dürfte die gleiche Idee gehabt haben. Der Wein war zwar damals schon gut, doch hatte der Wein so viel Rückgrat, Kraft und Säure und darüber hinaus noch Holz, da klar war: Es macht Sinn, den Wein wegzulegen. Das Gleiche gilt für den ebenfalls im Holz ausgebauten Enderle & Moll Spätburgunder 2010. Auch dieser Wein hat so viel Holz gesehen, dass sich dieses erst einmal integrieren wollte.

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Vier Jahre hatten die beiden nun auf dem Buckel, eine lange Zeit für Rosé und für beide Weine auch eine Grenze, nach deren Überschreitung es nicht mehr besser werden dürfte. Als wir die Weine im Juli geöffnet haben, waren sie jedoch gut drauf und haben großen Spaß gemacht. Der Ausbau des Rosé im Holz führt zu einer Verwandlung hin zu etwas, was dem Rotwein ähnlich ist und doch mehr Leichtigkeit, mehr Schwebendes hat. Bei beiden Weinen ist es so, dass sie ihm Idealfall hätten Rotwein werden sollen. Doch der Jahrgang und das jeweilige Mikroklima im Weinberg gaben das nicht her.

Gottfried Lamprechthier der Podcast mit ihm – hat seine Pinot-Reben 2005 am Buchertberg gepflanzt. Der Winzer aus der Steiermark hat insgesamt junge Anlagen, da er vor etwa zehn Jahren erst wieder begonnen hat, im Heimatort Wein zu machen. Der Pinot ist eine Rarität in diesem Teil der Steiermark. Und so ungewöhnlich seine Pinot-Abüllungen sind, so selten ist erst recht ein Pinot-Rosé. Die Trauben für diesen Wein wurden angepresst und vier Tage auf der Maische belassen. Der spontan vergorene Wein hat dann im gebrauchten Barrique gelagert und ist im Juni 2011 abgefüllt worden. Zum ersten Mal habe ich den Wein damals ziemlich jung getrunken. Damals war der Wein noch ziemlich primärfruchtig. Das ist jetzt weg. Zurückhaltendes Holz trifft hier auf Trockenkräuter und die Früchte gehen eher in Richtung Hagebutte und Berberitzen. Gerade letztere, mit  ihrem leicht säuerlichen Geschmack, den der Wein ebenfalls immer noch besitzt. Jedenfalls hat er eine ziemlich gelungene Struktur und eine schöne Länge.

Bem Spätburgunder Rosé 2010 von Enderle & Moll liegt der Fall ähnlich. Was an Traubenmaterial nicht hundertprozentig in den Pinot passt, wird Rosé. Die Trauben werden für diesen Rosé im Weinberg wie im Keller genau so behandelt, wie der Rotwein – nur dass natürlich der Saft früher abgepresst wird. Der Ertrag im Weinberg liegt bei um die 40hl. Entsprechend konzentriert ist die Frucht und Würze dieses Weins. Auch hier haben sich die primärfruchtigen Erdbeer- und Himbeernoten längst abgeschliffen. Das Holz ist deutlich präsenter als beim Rosé vom Herrenhof. Hinzu kommen auch hier trockene Kräuter, vor allem Minze, die auch beim jungen Rosé von Enderle & Moll immer präsent ist.

Unterm Strich sind das beides Rosé-Vertreter, wie ich sie mag. Sie schaffen genau die Balance zwischen ernstfhaften, kräftigem, relativ komplexem Wein und der frischen Leichtigkeit, die ich vor allem im Sommer gerne habe. Zudem passen sie exzellent zu Sommerküche und Grill. Wer einen solchen Wein lieber primärfruchtig haben will, trinkt ihn besser jünger. Wer mehr Tiefe und Balance haben will, warte zwei, drei Jahre ab.

 

Die Vorpremière der Großen Gewächse des VDP, Jahrgang 2012 – Früh- und Spätburgunder

30/Aug/14 16:32 kategorisiert in: Frühburgunder, Pinot Noir / Spätburgunder

Den Abschluss der Großen-Gewächs-Probe bildeten die 72 Früh- und Spätburgunder aus insgesamt acht Anbaugebieten.

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Ahr
Zum Auftakt ging es an die Ahr, und zwar mit drei Frühburgundern, von denen der Dernauer Pfarrwingert von Werner Meyer-Näkel einen ziemlich genialen Auftakt geboten hat. Dieser Wein ist für mich Frühburgunder in annähernder Perfektion. Er hat für mich genau den Sex, für den ich Frühburgunder liebe: eine gewisse nonchalante Grundentspanntheit, reife, verspielte Frucht, seidige Tannine, vollen Körper, viel Saft – das ist hier sehr attraktiv gemacht. Dem steht der Frühburgunder aus dem Recher Herrenberg von Alexander Stodden qualitativ in nichts nach. Auch dieser Frühburgunder ist einfach köstlich, tief, intensiv, geheimnisvoller als der üppige Pfarrwingert, voller Würze und etwas präsenterem Holz-Vanille-Ton. Überhaupt liefern sich Meyer-Näkel und Stodden an der Jahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf höchstem Niveau. Da kommen Adeneuer und Kreuzberg nicht ganz mit. Und das schraubt sich immer weiter hoch: ein kraftvoll cremiger, fast sahniger Spätburgunder aus dem Ahrweiler Rosenthal von Stodden – vielleicht Stoddens bester Wein aus 2012, gefolgt von zwei Bad Neuenahrer Sonnenbergen, der Meyer-Näkelsche sehr reif mit intensiver Kirschnote, trotz der Reife sehr elegant und finessenreich. Der Stoddensche trumpft mit einer intensiven Frucht-Creme-Holz-Note, die den Wein schon im ersten Moment sehr begehrenswert macht, nur ein wenig zu viel Alkohol hinten raus macht ihn jetzt noch schwer einschätzbar. Während ich Stoddens Dernauer Hardtberg und den Recher Herrenberg momenta noch zu holzlastig finde und vor allem den Herrenberg etwas zu karamellig, trumpft Meyer-Näkel mit zwei hervorragenden Weinen aus Walporzheim auf. Der Kräuterberg hat das, was der Name schon andeutet: Kräuter, frische Kräuter und Trockenkräuter in verschwenderischer Frucht, sinnlich, tief mit nahezu perfekter Säure. Der Pfarrwingert mit viel saftiger Frucht, mit Gripp, fein, elegant und – wie alle anderen Meyer-Näkelschen Weine – sehr sinnlich. Ich kann mich nicht daran erinnern, bessere Weine aus diesem Haus probiert zu haben.

Was ich mir in den Keller legen würde: Frühburgunder Dernauer Pfarrwingert von Meyer-Näkel, Ahrweiler Rosenthal von Stodden, Walporzheimer Kräuterberg von Meyer-Näkel, Walporzheimer Pfarrwingert von Meyer-Näkel

Sachsen, Rheingau & Rheinhessen
Die nächste Gruppe an Weinen bildete das Rheingau und das einzelne Große Gewächs aus Sachsen. Es ist die Hauslage Schloss Proschwitz des gleichnamigen Gutes des Prinzen zur Lippe. Dieser Pinot ist ganz anders als der Rest. Er wirkt leichter, spielerischer, dabei mineralisch und fein. Fand ich sehr gelungen. Im Rheingau dann gab es keine großen Überraschungen, außer das mir die beiden Pinots des Platzhirschen August Kesseler nicht so gut gefallen haben, dass ich in Erwägung ziehen würde, sie mir irgendwann zuzulegen. Kirschlikör hier, Cassis-Crème dort. Ja, alles fein, saftig, elegant und mit angenehm wenig Holz. Aber irgendwie war mir das für den Moment zu vordergründig, was es im Schlossberg und im Höllenberg zu entdecken gab.

Aus Rheinhessen wurden insgesamt fünf Weine präsentiert, zwei Pinots von Neus, einer von Schloss Westerhaus und zwei von Gutzler aus den Westhofener Lagen. Das Brunnenhäuschen fand ich in seiner Entspanntheit wunderbar. Gemacht nach alter Tradition, ohne zu viel modernen Schnickschnack-Holzeinsatz, nicht zu viele Gerbstoffe, dafür schöne Frucht, aber eine tiefgehende, nicht oberflächliche. Vor allem aber bietet dieser Wein Trinkfluss schon ab dem ersten Moment – das geht vielen Weinen ab, diese Lust, den Wein in großen Schlücken zu trinken, sollte trotz aller gewollter Tiefe und Komplexität doch auch bei Großen Gewächsen eines der obersten Gebote sein. Bei den Gutzlerschen Weinen ist das der Fall.

Was ich mir in den Keller legen würde: Westhofener Brunnenhäuschen von Gutzler

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Pfalz & Franken
Christmanns Idig kann ich, ehrlich gesagt, schlecht bewerten. Ich weiß nicht ob es die Flasche war oder ob es der Wein ist, es fand sich kaum Frucht, der Wein wirkte leicht oxydiert und es fand sich ganz hinten eine leichte Krautnote. Und obwohl sich das jetzt gar nicht so toll anhört, hatte der Wein trotzdem Klasse, war kühl und elegant – den muss ich noch mal zu einer anderen Zeit probieren. Hansjörg Rebholz’ Pinot ähnelt den Rieslingen 2013 aus der gleichen Lage durchaus. Der Wein stammt nicht aus 2012 sondern aus 2009 und hat einen gewissen Reifevorteil. Der benötigt er wohl auch denn er wirkt immer noch teilverschlossen. Der offenere Teil ist saftig, herrlich saftig, frisch, fein gewirkt in seiner Tanninstruktur, dazu salzig-mineralisch und auch er hat das, was Meyer-Näkels und Gutzlers Weine haben: er hat Zug, er packt zu und man will ihn unbedingt trinken. Dr. Wehrheims Birkweiler Kastanienbusch »Köppel« liegt für mich qualitativ auf gleichem Niveau. Er hat weniger offensive Frucht aber ebenso viel Zug. Er wirkt insgesamt noch eine Spur feiner und elegant und, ja ich muss es so sagen: burgundischer. Es ist der Pinot, der mich bisher am ehesten ins Burgund versetzt. Boris Kranz Kalmit ist genau so puristisch radikal wie sein Konterpart, der Riesling aus gleicher Lage. Ein kraftvoller, starker, fruchtreduzierter steiniger Wein. Für Puristen ist dieser Wein ein Muss. Daneben stehen dann die beiden Vertreter aus dem Hause Becker, der Kammersberg und der Sankt Paul. Das sind zwei Tannin-Granaten par excellence. Es sind vielleicht die größten Weine der Probe, Monolithen mit gigantischem Potenzial, das sich zwar hinter einem dicken Vorhang aus Gerbstoffen und Holz versteckt und doch deutlich wahrnehmbar ist. Ein großer tiefer stiller See voller dunkle, reifer Frucht und gezügelter Kraft.

Der Pinot aus dem Sulzfelder Maustal hatte zum Glück das, was die Weißweine aus dem Zehnthof Luckert diesmal leider etwas vermissen ließen: Kraft und Dichte. Und das, obwohl der Weine zunächst einmal leicht und spielerisch über die Zunge tänzelt. So ein Wein ist nach den beiden Schwergewichten aus dem Hause Becker eine Erholung und eine willkommene Abwechslung – zumal es mit Benedikt BaltesKlingenberger Schlossberg direkt sehr gerbstoffreich weitergeht. Zunächst fein, duftig, voller Kräuter und feiner Frucht, am Gaumen kraftvoll mit viel Potential und einer momentan noch etwas störenden Bitternote, die jedoch mit zunehmender Reife verschwinden – ein toller Wein, der für mich auf Augenhöhe mit den Pinots aus dem Hause Rudolf Fürst liegt. Auch diese haben dieses sehr reife Tannin und die Kräuternoten, die auch Baltes’ Wein auszeichnen. Mir gefällt aktuell der Schlossberg am besten – genau weil er etwas Wildes in sich trägt.

Was ich mir in den Keller legen würde: Siebeldinger Im Sonnenschein 2009 vom Ökonomierat Rebholz, Birkweiler Kastanienbusch von Dr. Wehrheim, Ilbesheimer Kalmit von Kranz und Schweigener Kammerberg von Friedrich Becker sowie Klingenberger Schlossberg von Rudolf Fürst und vom Weingut der Stadt Klinberg sowie Sulzfelder Maustal vom Zehnthof Luckert

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Württemberg & Baden
Bei der Klasse, die hier an Pinots auf dem Tisch stand, fällt es mir schwer, den Württembergern gerecht zu werden. Vorher Fürst, Stadt Klingenberg und Luckert und den vierten aus der Gruppe, nämlich den Pinot von Schmitt‘s Kinder habe ich gar nicht erwähnt, obwohl er mir besser gefällt als die meisten Weine aus Württemberg und als alle Weine vom Kaiserstuhl, denen es an Säure mangelt, die es als Rückgrad für gute Pinots einfach braucht.

Zwei Weine möchte ich hervorheben und sie stammen aus der selben Lage. Da wäre Rainer Schaitmanns Fellbacher Bergmandel und Markus Heids Bermandel, der ziemlich saftig und reif um die Ecke kommt. Er bietet viel Trinkfluss, ist jetzt schon sehr offen, muss aber noch die Menge an Holz und Gerbstoffen verarbeiten, die Heid ihm mitgegeben hat. Schnaitmanns Bergmandel ist etwas wärmer, wirkt etwas alkoholischer mit einer leichten Bitternote hinten raus, die Frucht ist etwas gekocht.

Zum Schluss und zum Gedächtnis vier Weine von Bernhard Huber. Beim Bienenberg habe ich spontan den Eindruck, der Wein können aus dem Pauillac kommen. Pauillac-Pinot erster Güte mit satter Cassis-Frucht, Zedernholz, etwas Minze, dann eine phantastische Säure. Die Parzellen Wildenstein, ebenfalls aus dem Bienenberg wirkt dann noch saftiger und etwas fordernder. Die Sommerhalde ist dicht wie ein Scheunentor, wirkt jedoch am leichtesten von allen vier Weinen. Und dann, ja dann der Schlossberg – auch hier wieder diese Cassis- und Zedernholznoten und dazu etwas Paprika (wieder dieser Pauillac-Eindruck), dann kommt langsam die Kirsche durch, die Kräuter, das fest Gewirkte, das Kühle – ein traumhaft schöner Wein und ein großer Wurf.

Was ich mir in den Keller legen würde: Malterdinger Bienenberg Wildenstein und Schlossberg von Bernhard Huber

Gedankt sei dem VDP und den vielen Helfern – die Veranstaltung war glänzend organisiert.

Weitere, lesenswerte Berichte finden sich bei Felix Bodmann (der Schnutentunker) und Dirk Würtz.

Hier geht es zu den Notizen Rheinhessen & Pfalz

Hier geht es zu den Notizen Rheingau & Nahe

Hier geht es zu den Notizen Mosel, Mittelrhein, Franken, Baden & Württemberg

Hier geht es zur Erläuterung, was ein Großes Gewächs überhaupt ist

 

Rosé-Sommer: i Vigneri Vinudilice – in jeder Hinsicht extrem und einfach großartig

29/Aug/14 19:58 kategorisiert in: Alles Bio, Graciano, Minella, Rosé, Weinrallye

Es ist mal wieder Weinrallye-Zeit und das aktuelle Thema, dass culinary pixel a.k.a. Annette Sander ausgewählt hat, passt wunderbar in meine aktuelle Rosé-Sommer-Reihe. Weil das so gut zusammen passt, habe ich mir den vielleicht ungewöhnlichsten Rosé ausgesucht, den man überhaupt bekommen kann.

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Im März habe ich eine Veranstaltung des Weinhändlers vinaturel besucht. Auf dieser Fachverkostung für Gastronomen und Sommeliers aus dem Großraum Hamburg standen jede Menge Weine über die ich gerne noch mehr als einen Nebensatz schreiben würde. Hier und jetzt aber geht es vor allem um einen Wein, den ich erst ganz zum Schluss probiert habe, der mich allerdings nachhaltig beeindruckt hat.

Es handeltsich um die 2013er Ausgabe des Rosé Vinudilice des sizilianischen Weinmachers und Beraters Salvo Foti. Dieser ist eine Institution unter Siziliens Winzern und berät eine größere Gruppe von Weinmachern (i Vigneri), die sich durchweg der Herstellung möglichst natürlicher Weine nach alter Tradition verschrieben haben. Dazu gehört unter anderem die Albarello-Bepflanzung in der die einzelnen Stämme in Buschform und mit ca. 10.000 Stück pro Hektar bepflanzt werden. Außerdem wird sehr viel Aufmerksamkeit auf die Rekultivierung alter Weinberge, vor allem am Etna gelegt und genau aus einem solchen Weinberg stammt dieser Rosé.

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Ich wenn ich den Wein im März probieren konnte hat es bis Juni gedauert, bis der Wein tatsächlich bei mir angekommen ist und es war bis Juni gar nicht klar, ob er überhaupt für die von mir ausgerichtete Probe im Juli zur Verfügung stehen würde. Also habe ich mich beizeiten um Alternativen bemüht und ein Mitglied von Salvo Fotis Winzergruppe I Vigneri auf der Vinitaly angesprochen. Es stellte sich heraus, dass ausgerechnet einer jener Winzer bzw. Unternehmer war, die bei mir in Hamburg die Enoteca I Vigneri und das Restaurant Gallo Nero führen. Und genau dort liegen, so erfuhr ich in Verona, noch kleine Kontingente Vinudilice aus den Jahren 2008 bis 2010 sowie, wovon ich noch gar nicht gehört hatte, ein Vino Spumante aus dem gleichen Weinberg.

Dieser Weinberg gehört mit seinen 1.300 Metern zu den höchsten in Europa und wurde vor knapp 200 Jahren als Gemischter Satz (Alicante, Graciano, Minella und andere)am nördlichen Etna angelegt. Er hat gerade einmal eine Fläche von 0,38 Hektar und die ältesten Stöcke sind so alt wie der Weinberg, der umgeben ist von Steineichen (Ilice). Der Wein wird so traditionell wie möglich in alten Holzbottichen verarbeitet, die Trauben mit Füßen gepresst, der Saft läuft natürlich ab, er wird nicht gefiltert oder geschönt und auch nur ganz zurückhaltend geschwefelt. 2009 hat Salvo Foti gar nicht geschwefelt – und das hat man dem Wein auch deutlich angemerkt.

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So besonders die Rahmenbedingungen für diesen Wein sind, so besonders ist er selbst. Es ist definitiv in all seinen Facetten (2013, 2010, 2009, 2008 und Spumante) Rosé, wie man ihn so gut wie nie zu probieren bekommt.

Der Vino Spumante gehört zu den interessantesten Schaumweinen, die ich bisher aus Italien probiert habe. Fein, fast grazil mit einer ziemlich perfekten Säure, dann scheinen irgendwann die leicht oxydativen Noten durch, die vom Grundwein stammen, der in offen Bottichen vergoren wird. Im Gegensatz zum stillen Rosé wird der Schaumwein leicht gefiltert und strahlt in einem Lachston während der Stillwein eher aussieht wie verdünnter Erdbeersirup. Was mich hier, wie beim jungen 2013er beeindruckt ist die mineralische Note, die sich mit den leicht oxydativen Noten von Fallobst verbindet in das einige rote Früchte gerührt wurden über dann jemand eine ganze Menge Trockenkräuter gestäubt hat, und zwar die guten, die selbst in großen Bünden unter der Decke hingen. Schließlich hat dann noch jemand eine Zigarette mit Virginiatabak darüber gebröselt. Am Gaumen dann wirkt der Wein viel weniger oxydativ. Das gilt auch für den 2010er, bei dem vor allem am zweiten Tag die Virginatabaknoten voll durchkommen während der fast braune Apfel etwas in den Hintergrund tritt. Trotzdem hat man in der Nase dien reifen, süßen Noten von überreifem Kernobst. Süße auch am Gaumen, obwohl der Wein ziemlich durchgegoren sein dürfte. Man hat ihn sehr reif gelesen und trotzdem hat der Wein um die 12% Alkohol und eine sehr präsente Säure. Das strafft ihn, gibt ihm Druck trotz der Reife. Gerade beim 2010er fügt sich das zu einem harmonischen Gesamtbild. Dem 2009er merkt man an, dass er komplett ohne Schwefel verarbeitet wurde, er präsentiert sich etwas müde, während der 2008er noch in voller Pracht da steht, reif, dicht, tief, wie ein Tawny-Port-Rosé – aber ohne den Alkohol. Die Walnussnoten aber sind da und verbinden sich am Gaumen mit reifen roten Früchten und mit diesem etwas austrocknenden Zug bei dem ich immer glaube, der Wein muss mal eine Zeit im Ton oder so gelegen haben – hat er aber nicht. Das alles ist wild und ungewöhnlich und wunderbar. Solche Weine findet man einfach sehr, sehr selten.

Die aktuellen Jahrgänge des Vinudilice und anderer Weine der Winzergruppe findet man vinaturel, der 2013er ist aber schon ausverkauft denn e sgab lediglich 300 Flaschen. 2008, 2009, 2010 und Spumante gibt es bei I Vigneri/Gallo Nero für um die 40 Euro auf Anfrage.

Vielen Dank an Annette für die Ausrichtung der Weinrallye in diesem Monat. Bei ihr findet man hier auch den Hinweis auf alle anderen Beiträge.


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