Zu gegebenem Anlass ein Glas Pinot Noir 2007 von Alexander Gysler, den ich am Mittwoch besucht habe. Neben dem Sekt habe ich Silvaner von alten Reben, den Riesling JC 2007, Grauburgunder und Huxelrebe Beerenauslese und Trockenbeerenauslese mitgebracht. All dies wird man ab Überwoche bei Feinkost Ackermann in Bonn-Dottendorf erwerben können. Dort wird es dann ein originalverkorkt®-Regal geben. Ich freu' mich. Zu all dem später mehr. Erst mal ein wenig Geburtstag feiern…

Herrliche Frucht und eine schöne Perlage. Ein kräftiger und doch eleganter Winzersekt mit viel Substanz aus Pinot Noir, weiß gekeltert.
Ich würde sagen, es gibt schlechtere Voraussetzungen, um guten Wein machen zu können als die, die Sara Pérez vorgefunden hat. War ihr Vater, Professor José Luis Perez, doch einer der Vorreiter, ja Wiederentdecker des Priorat. Zusammen mit René Barbier und anderen hat er damals jene Kooperative gegründet, aus der dann die Weine hervorgegangen sind, die man längst als Kultweine bezeichnet und seit zwei Jahrzehnten zu den Besten Spaniens zählen. Perez' Wein hört auf den Namen Clos Martinet, der Wein von René Barbier auf den Namen Clos Mogador.
Sara Pérez nun hat schon sehr früh auf dem Weingut mitgeholfen, und wenn sie auch zunächst Biologie und Philosophie studiert hat, den Abschluss hat sie als Önologin gemacht. Clos Martinet betreut sie schon länger, nebenbei ist sie ebenso Beraterin und Weinmacherin der Kooperative Cims de Porrera. Dabei kann man einen klaren Stil erkennen, der sich in diesem Wein genauso zeigt. Es sind vom Schieferboden geprägte Weine, die ebenso elegant wie frisch sind, wo der Einsatz von frischem Holz zurücksteht hinter dem Ausdruck der optimal gereiften Reben. Das ist nichts Heißes, nichts Marmeladiges.

Ihr Weingut Venus la Universal führt sie übrigens mit ihrem Mann, René Barbier Junior. Und mit diesem zusammen sowie mit einigen Freunden hat sie darüber hinaus auch noch das Projekt La Vinya des Vuit gegründet, auf dessen 4 Hektar biologisch-dynamisch gearbeitet wird. Ziemlich umtriebig also, die Frau.
Dido, der zunächst Aeneas hieß, was aber wenig weiblich klang und dann umbenannt wurde, ist der Zweitwein von Venus La Universal. Bestimmt wird er durch alte Grenachereben, etwas Cabernet, etwas Merlot und Syrah. Das ist ein ganz schön kräftiger Brummer, den Sara Pérez da vinifiziert hat. Kräftige Kirschen und Waldbeeren bestimmen diesen dunklen Wein, dazu etwas Holz, aber nicht viel, etwas Duft von rohem Rindfleisch und Leder. Saftig ist er, der Wein, und mineralisch würzig. Zu den Fruchtaromen und der Würze gesellt sich etwas Lakritze und etwas Rauchig-Tabakwürziges. Der Wein hat eine schöne, stimmige Balance aus Kraft und Eleganz mit ordentlich langem Abgang. Das ist ein sehr charaktervoller, individueller Stoff.
Aufgefallen ist mir der Celler el Masroig durch den etnic, hier beschrieben. Dieser wunderbar weiche und saftige Wein bleibt auch nach mehrmaligem Genuss eine Wonne. Der kleine Bruder dieses Weins hört auf den Namen Fred, Solà Fred, um genau zu sein. Solà Fred besteht zu 90% aus Carinena und zu 10% aus Garnacha.

Die beiden Weine sind nicht miteinander zu vergleichen. Der etnic lebt von seinen satten, gesetzten Früchten in Verbindung mit leichten Röstaromen und sehr weichen Holzaromen, der Solà Fred ist ein Alltags- oder Bankettwein. Frische, saftige Kirschen bestimmen ihn in der Nase, eher Erdbeeren und Johannisbeeren dominieren im Gaumen. Hinzu kommen Würz- und leichte Erdnoten. Dabei bewahrt der Wein eine angenehme mineralische Kühle. Das Ganze hat viel Energie und Schwung und ist für einen Jungwein dieses Preis ausgezeichnet gemacht.
Ein Wein, den man viel zu selten im Glas hat – ein frischer, unkomplizierter spanischer Rotwein, nicht durch Holz verfälscht, sondern geprägt von der satten Frucht der Carignan.
Manchmal kommen einem ja Weine unter, die einfach eine schöne Geschichte liefern. Dies ist so ein Wein. Weil Sarah, die Tochter meines Partners Michael, wusste, dass ich Sauvignon Blancs für einen SB-Abend sammle, hat sie mir letztens den Wein der Bodega José Pariente mitgebracht. Mein Spanienimporteur hat ihn ebenfalls im Programm und ich habe mir jetzt kürzlich ein Buch über Weinfrauen gekauft, in dem es die Geschichte zu diesem Wein gibt, denn dieser Wein wird nicht etwa von José angebaut, nein, der hat nicht mal die Bodega gegründet. Vielmehr war es seine Tochter Maria Victoria, die die Bodega nach ihrem verstorbenen Vater benannt hat. Ob sie dies getan hat, weil dieses Land tendentiell nicht unbedingt die Gleichberechtigung der Geschlechter in den Mittelpunkt des Interesses stellt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Einigermaßen klar ist aber, dass sie als Frau in der von Männern dominierten spanischen Weinwirtschaft gegen viele Widerstände anzukämpfen hatte. Erfolgreich übrigens, Victoria Pariente hat nämlich schon einige Jahre vorher einen gewissen Ruhm erlangt, als sie mit ihrer Namensvetterin Victoria Benavidis das Label Dos Victorias gründete, um direkt mit dem 1998er Verdejo mit der Auszeichnung des besten Weißweins Spanien gekürt zu werden. Dies hatte einen, in der Qualität der Weine begründeten ordentlichen Aufstieg der beiden Frauen zur Folge, 2005 hat der Wine Enthusiast den holzfassausgebauten Verdejo zu den Top 100 Weinen der Welt gezählt, der Decanter nannte ihn den besten Weißwein Spaniens.
Was auch immer man von Rankings halten mag, schlechte Weine produzieren die beiden Frauen nicht. Victorias Vater übrigens war einer der Ersten, der Verdejo im Rueda angebaut hat, nur hat er den Wein in der örtlichen Bar ohne Etikett verkauft, statt ihn, wie es seine Tochter dann gemacht hat, zu vermarkten. Diese hat mitterweile eine große Stange Geld in ein neues Weingut investiert, dessen erster Jahrgang der 2008er ist. Damals, beim ersten Wein, hat sie mit 8.000 Euro begonnen.
Verdejo wie Sauvignon Blanc wachsen auf der Hochebene des Douro, in der Meseta, im nördlichen Spanien. Der Boden besteht aus angeschwemmten Steinen, teils mit Kalk durchsetzt. Der Sauvignon Blanc übrigens stammt von den ersten Sauvignon Blanc Rebstöcken, die in der D.O. Rueda gepflanzt wurden. Sie sind mittlerweile über 25 Jahre alt.

Der Wein duftet wie ein tropischer Obstsalat. Zitrusfrüchte, Limettenschale, Mangos, etwas Ananas und etwas sortentypisches geschnittenes Gras. Dabei wirkt er schon in der Nase durchaus mineralisch und sehr frisch. Er erinnert in seinem Fruchtbouquet zunächst an Übersee-Sauvignon, wirkt aber schlanker.
Im Mund ist der Wein angenehm schlank und klar, mit Zitrusnoten, Stachelbeeren, grünem Apfel und Mineralen. Im Abgang wirkt er ein wenig austrocknend, störend ist das aber nicht. Ein sehr schöner Sauvignon Blanc für unter 10 Euro.
Eigentlich heißt der Wein Tina 41. Das kann nicht darauf zurückgeführt werden, dass die Halbschwester des Chefönologen Tina heißt und schon 41 Lenze erlebt hat, nein, es ist lediglich die Fassnummer, besser gesagt die Tanknummer, in der der Grundstoff dieses Weines zusammengeschmolzen wurde. Eine Namensgebung wie bei Penfolds, wo die Weine dann BIN (Barrel Identification Number) heißen, BIN 389 zum Beispiel.
Der Wein, ich nenne ihn mal weiter Tina, wurde von den jungen Reben des Weingutes gemacht, von Grenache, von Carignan, von Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah – ein moderner Blend also, die Verbindung alter Rebsorten wie Grenache und Carignan mit den internationalen Standardrebsorten. Das geht zurück auf die Idee des Önologen Albert Costa, der nicht zuletzt bei großen australischen Gütern in die Lehre gegangen ist.
Für dieses Projekt wurde sogar ein eigenes Weingut gegründet, welches sich Clos l'Asentiu nennt und in Kooperation mit Vall Llach auf dem Etikett auftaucht. Ach ja, das Etikett. Das Etikett ist so modern gehalten wie der Wein und fällt direkt auf. Schöner wäre es gewesen, die weiße Buchstaben-Zahlen-Kombination direkt auf die Flasche zu bringen, wie es früher auf Portweinflaschen üblich war, hier ist es allerdings nur ein schwarzes, bedrucktes Papieretikett.

Aber nun zu Tina. Tina wirkt ein wenig wie eine fette Ente. Hochreife dunkle Kirschen, Pflaumen und Rosinen mischen sich mit Röstnoten, Kaffee, dunkler Schokolade und etwas Lakritze. Das alles schwimmt in Alkohol. Das merkt man erst etwas später, nicht direkt im Mund, aber in der Kehle, da wirkt der Wein brandig und kann dann auch seine 15 % Vol. nicht mehr verheimlichen. Angenehm finde ich lediglich, dass Tina 41 nicht auch noch Röstholz von frischem Barrique mit sich herumschleppen muss. Aber es reicht auch so schon. Von fast allem etwas zu viel.
Das Bedrückende an diesem Wein ist, um es vorweg zu sagen, die schlechte Qualität der Korken. Allein drei Flaschen meines Sechser-Kartons hatten bisher Kork. Das ist sehr ärgerlich wegen des Preises und auch wegen des entgangenen Genusses eines Weines, der ansonsten sehr viel Spaß macht. Leichte Alterungsnoten mischen sich in eine Melange aus Honig, sattem hochreifen Steinobst und etwas Panna Cotta.

Ein sehr cremiger Riesling mit einigem Restzucker, feiner Säure, schönen Mineralen und herrlichen Südfrüchten. Allein der Abgang scheint etwas kurz geraten bei diesem reifen Wein, über dessen Schöpfer und Weingut so viel geschrieben worden ist in den letzten Jahren, dass ich mir das an dieser Stelle spare.
Amüsant aber ist, wo ich gerade die bisherigen drei Artikel verlinke, dass im ersten steht, dass ich den 2005er Saar Riesling bei einem Freund getrunken habe, der sonst keinen Riesling trinkt und dieser der Einzige sei, den er mögen würde. Gestern habe ich der Burgunderfrau einen eingeschenkt und siehe da, jene, die sonst Riesling als Fiesling verschmäht, fand Gefallen an diesem vollen, reifen Tropfen, dem anscheinend eine gewisse Riesling-Markanz abgeht, die die meisten anderen Weine dieser Rebsorte sonst wohl vorweisen.
Allein hier Artikel 1, 2 und 3.