originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Buchertberg gemischter Satz weiss 2011, Herrenhof Lamprecht, Südsteiermark

14/Mai/13 22:44 kategorisiert in: Alles Bio, Gemischter Satz, Weiß, Österreich

Ich muss mal gerade meiner Begeisterung Ausdruck verleihen. Normalerweise lasse ich Weinbeschreibungen ein wenig sacken, probiere Weine wenn möglich über drei Tage hinweg und schreibe dann. Jetzt möchte ich aber spontan einen Wein loben, der mir grade jetzt auf der Zunge liegt und ausnehmend gut gefällt.

Buchertberg weiß 2011

Es handelt sich um den gemischten Satz von 25 plus x verschiedenen Sorten, die heutzutage oder historisch in der Südsteiermark vorkommen und die der junge Winzer Gottfried Lamprecht frisch auf eine ehemalige Obstwiese gepflanzt hat, die Buchertberg heißt und zum Herrenhof Lamprecht gehört und vor langer Zeit schon unter Reben gestanden hat. Dieser Wein, der zunächst leicht tropisch nach Sauvignon Blanc riecht, sich dann aber von da weg bewegt in einer komplexe, cremige und leicht holzbetonte Richtung, straft all jene Lügen, die meinen, guter Wein könne eigentlich nur von alten Reben und besten Lagen stammen. Wer diesen wein trinkt weiß: es ist quatsch. Es kommt vor allem auf die Hand des Winzers an. Auf den richtigen Lesezeitpunkt und für das richtige Händchen im Keller. Wobei hier klar gesagt werden muss, dass Gottfried gerade mal ein wenig schwefelt – und das war's. 25 Rebsorten also, Grau- und Weißburgunder, Sauvignon, Riesling und einige andere Aromarebsorten wie Furmint und Muskateller gibt es hier und dann noch ein paar alte Sorten, die man in Jancis Robinsons dickem Buch über die Rebsorten dieser Welt nachschlagen muss oder die vielleicht in den alten fränkischen gemischten Sätzen vorkommen, die ich zu Anfang des Jahres mal probieren durfte.

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Was ist das nun für ein Wein? Es ist einer, der ziemlich perfekt ausbalanciert ist zwischen Frucht und Säure, Saft und Körper, Würze, Mineralität und einer leichten Salzigkeit, wo der Holzeinsatz sehr angenehm den Stil des Weines unterstreicht, ohne ihn zu prägen. Wunderbar ist die frische Frucht zu Anfang, die dann aufkommende salzige Mineralik und die Gesteinswürze, die dann wiederum im Laufe des Abends in eine geradezu sinnlich-reife Frucht übergeht. Da, wo vorher Exotik war ist jetzt Marille, Birne und reifer Apfel, alles immer noch unterstrichen vom Gestein. Der wirklich Knaller ist, dass es den Buchertberg für 12.95 bei Probiowein gibt und dies ist ein äußerst fairer Preis für ein Wein, der gleichzeitig unkompliziert und komplex ist, der Tiefe hat und doch sehr viel Trinkspass heraufbeschwört, den man ziemlich schnell wegtrinken kann und dann tut es einem leid, dass er schon leer ist.

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Probiert habe ich den Wein übrigens in drei Gläsern. Als Referenzglas hält immer das Gabriel-Glas her, der Unimog unter den Weingläsern, in dem der Wein sich relativ spät entfaltet. Hier finden sich zu Beginn ein paar Noten von Austernschalen, kombiniert mit exotischer Sauvignon Blanc-Frucht. Im Zalto-Glas Bordeaux öffnet sich der Wein viel schneller, hier wird der Sauvignon Blanc zur Seite geschoben und es offenbaren sich leicht salzige Noten und vor allem die Würze, die im neuen Zwiesel Wine Classics Chardonnay-Glas etwas länger braucht. Das Glas (links im Bild) ist ziemlich neu auf dem Markt und ich hatte das Glück, die ganze Serie von Zwiesel zum Testen zur Verfügung gestellt zu bekommen, was ich jetzt auch tatsächlich mache. Bei Freunden und Bekannten kommt das Glas mit dem durchaus eigenen Design spontan nicht besonders gut an, da die meisten die moderne Form mit dem Kamin zuoberst stört. Das stört mich beim Chardonnay-Glas nicht, da die Proportionen für mich stimmig sind, bei schlankeren Gläsern wie dem Riesling oder Sauvignon-Glas ist das problematischer, zumal ich dann mit der Nase ziemlich schnell gegen das Glas stoße. Vom Effekt her, von der Auffächerung der Aromen und der dann wieder erfolgenden Konzentration ist das Chardonnay-Glas gelungen, es liegt gut in der Hand, auch wenn es nicht die Leichtigkeit besitzt, die das Zalto-Glas so einmalig macht.

 

Marcillac Lo Sang del Païs 2011

09/Mai/13 15:38 kategorisiert in: Fer Savadou/Mansois, Rot, Frankreich

Kürzlich habe ich eine Weinentdeckung gemacht, wie ich sie liebe: ein kleiner Wein aus einer fast völlig unbekannten Rebsorte aus einer ursprünglichen, ebenso unbekannten Landschaft. Der Marcillac, den ich in der Weinhalle gekauft habe, wo ich ihn jetzt nicht mehr finde, stammt von der Domaine du Cros und seinem Winzer Philippe Teulier. Seine 22 Hektar umfassende Domaine ist praktisch die Domaine des Marcillac, das insgesamt aus lediglich 160 Hektar Rebfläche besteht. Das Gebiet liegt im Herzen des Aveyron im Südwesten Frankreichs, das vor allem durch seine Messe (Laguiole), durch seinen Käse (Laguiole) und seine Rinderrasse (Aubrac) bekannt ist.

Marcillac Lo Sang del Pais 2011

Viel seltener trifft man die dortige Rebsorte Fer Savadou, die die Einheimischen Mansois nennen. Wenn man den Wein im Glas hat und schon mal den einen oder anderen Wein aus dem Südwesten Frankreichs getrunken hat, kann die etwaige Herkunft erahnen. Der Wein schmeckt einfach ursprünglich, eigenwillig würzig, so wie Tannat, Duras oder Bracol eigenwillig, charakterstark und würzig schmecken. Das Besondere dieses Weins ist die die Kombination von Gewürzen, Himbeeren, Johannisbeeren und präsenten Gerbstoffen, die jedoch komplett weich und rund sind. Dazu hat der Wein gerade einmal 12.5% Alkohol und  - er kostet keine 9 Euro! Entsprechend ist dies ungewöhnlich viel eigenständiger, charaktervoller Stoff für's Geld. Dieser Stoff, der in einem dem Wein ebenbürtig ländlichen Flaschendesign angeboten wird, beliebt zudem noch einige Jahre zu altern, so dass man ihn getrost in größeren Menge weglegen kann, wenn man ihn nicht direkt großherzig an Freunde verteilt.

In der Weinhalle scheint er gerade ausverkauft, den 2012er allerdings gibt es bei Pinard de Picard. Und da gibt es auch noch einen etwas teureren, eine Cuvée de Vieilles Vignes, die ich auch unbedingt mal probieren möchte. Diese südwestfranzösischen Weine machen einfach immer wieder großen Spaß.

 

 

 

Die Toskana auf der Vinitaly – Meine Shortlist

05/Mai/13 13:56 kategorisiert in: Rot, Italien, Sangiovese

Es war mein erster Besuch auf der Vinitaly, Italiens größter Weinmesse. Knapp 4.300 Aussteller tummeln sich auf 95.000 qm und buhlen um die Gunst des Publikums. Im Gegensatz zur Prowein, wo Importeuere und Hersteller aus aller Welt ihre Weine präsentieren, dreht sich in 11 Hallen praktisch alles um die italienischen Anbaugebiete. Wenn man dann nur zwei Tage Zeit hat, muss man sich auf einige wenige Dinge konzentrieren. Für mich hieß das: Toskana, und dieses Gebiet ist ja immer noch groß genug. Das Schöne allerdings ist, dass man einen Termin mit den Konsortien der jeweiligen geschützten Gebiete machen kann und so gab es an einem Tag Chianti und Chianti Classico, am anderen Brunello di Montalcino, jeweils so um die hundert Stück.

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Natürlich sind nicht alle Winzer in den Konsortien organisiert und so habe ich auch abseits noch ein wenig rumgeschnüffelt und probiert. Ein Winzer, ein Prominenter gar ist übrigens gerade kürzlich aus dem Konsortium der Brunello-Erzeuger herausgeflogen. Es ist der Inhaber des Weingutes, dem ein ehemaliger Mitarbeiter kürzlich die Fässer der gesamten letzten Jahrgänge geöffnet hat. Die Geschichte ist schon wirklich schräg, denn nachdem man Gianfranco Soldera vom Weingut Case Basse, einem der renommiertesten Güter des Gebietes seiner gesamten letzen Jahrgänge beraubt hatte, haben andere Winzer des Gebietes ihm aus Solidarität angeboten, ihm einen Teil ihrer Ernte zu überlassen um einen Solidaritätswein produzieren zu können. Was macht Soldera? Er weist dies nicht nur brüsk zurück sondern ereifert sich öffentlich über diese „Unverschämtheit“. Was er denn mit diesem minderwertigen Zeuchs solle? Seine Kunden seien andere Qualitätsstandards gewohnt. Es verwundert nicht, dass die anderen Winzer der Vereinigung gelinde gesagt wenig amüsiert waren.

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Doch vom Popcorn zurück zu ernsten Themen: Auch wenn 2010 vielleicht nicht der beste aller Chianti-Jahrgänge ist – die Winzer hatten mit ziemlichen Widrigkeiten zu kämpfen, der Sommer war einigermaßen verregnet und kurz, die Ernte verlief bis weit in den Oktober hinein und wer zu früh geerntet hat, hatte das Nachsehen – verfügen viele Weine doch über eine große Eleganz und gute Länge. Allerdings wird in einer solchen Horizontale schnell offensichtlich, wie stilistisch unterschiedlich die Weine sich präsentieren – die Vorbilder scheinen häufig eher im Bordeaux als in der Toskana zu liegen.

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Klare Favoriten im Chianti
Über die besten Weine gab es in meiner kleinen Dreier-Verkoster-Runde überhaupt keine differenten Ansichten. Besonders stark, ungewöhnlich, denn es gab in den letzten Jahren auch deutlich schwächere Weine aus diesem Hause, ist der 2010er Chianti Classico von Isole & Olena. Auf praktisch gleichem Niveau liegt der Chinati Classico von Fontodi, der uns sogar noch besser gefallen hat als die Reserva aus gleichem Hause. Beeindruckend auch der Casanuovo di Nittardi, ein kraftvoller, superreifer Chianti mit großer Länge. Dieser wird in unserer Bewertung nur von der 2009er Riserva Nittardi getoppt, die noch ein wenig kraftvoller, noch eine Spur bissiger und gleichzeitig noch eleganter daher kommt. Zwei Namen sollten noch genannt werden, deren Weine unbedingt mit in die Spitzengruppe gehören: der Fonterutoli und die Castello Fonterutoli genannte Riserva aus dem Hause Mazzei hat uns ebenso überzeugt wie der Brolio 2010 sowie der Castello di Brolio 2010 aus dem Hause der Barone Ricasoli. Auf diesem eleganten Niveau macht Chianti große Freude. Abseits des Consorzio waren es die Weine aus dem Hause Riecine, die ich gerne noch mal in Ruhe verkosten möchte. Ich habe sie auf der ViViT aufgespürt, einem eigenen Bereich, in dem vornehmlich Vin Naturel und biodynamisch erzeugter Wein zu entdecken war.

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Brunello mit fantastischen Weinen
Bei der ViViT haben wir auch einen meiner persönlichen Highlights der Messe aufgetan. Es ist der Brunello aus dem Hause Stella di Campalto. Der abgebildete 2007er Brunello der Podere San Giuseppe di Stella di Campalto ist ein unglaublich subtiler, eleganter und harmonischer Brunello. Wenn ich die Wahl gehabt hätte, mir einen Brunello mitzunehmen, hätte ich diesen genommen (trotz des sensationellen Uccelliera). Dieser positive Eindruck hat sich am zweiten Tag noch einmal bestätigt, denn da war Brunello-Tag. Stella die Campalto gehört nicht zum Consortio, jedoch hat die Winzerin ihre Weine zusammen mit Pian del Orino und Salicutti angeboten, zwei Weingüter, die ich selber mit Freude verkauft habe und die heute bei vinaturel zu finden sind. Ob das für Stella di Campalto ebenso gelten wird?

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Neben den Weinen, die zum Consortio gehören, sollte neben den wieder einmal exzellenten Erzeugnissen von Pian del Orino noch der klassische Brunello von Lisini erwähnt werden – fein, lang, dicht und elegant. Überhaupt ist der 2008er Jahrgang in der Breite ganz hervorragend gelungen, während sich der 2007er Riserva-Jahrgang deutlich heterogener gibt. Eine ganze Reihe der lange gelagerten Brunelli schien ein wenig spröde, ja austrocknend. Die Riserva-Weine der folgenden Weingüter allerdings sind für mich über alle Zweifel erhaben. Hier steht Eleganz, Kraft, dichte Struktur, feine Säure und Finesse in einem harmonischen Miteinander. Überraschend gelungen fand ich die Pian del Vigne Riserva aus dem Hause Antinori, modern, weich, rund, aber doch charaktervoll. Sehr gut die Qualität von Fanti, von Castiglion del Bosco und von Sassetti Livio. Großartig beide Brunello-Qualitäten von Vasco Sassetti und Val di Suga, schlichtweg genial die drei Weine (hier haben wir auch noch den Rosso mit probiert) von Uccelliera. Bei der Probe des Consorzio war das unser Spitzenreiter – moderner, höchst eleganter Brunello von großer Schönheit.

 

Dog Point Pinot Noir 2009, Marlborough

11/Mrz/13 22:30 kategorisiert in: Alles Bio, Pinot Noir / Spätburgunder, Rot, Neuseeland

Es ist eine ganze Zeit her, dass ich neuseeländischen Pinot Noir getrunken habe. Es ist zu lange her. Bisher haben mich die Pinots von der Insel ob ihrer ausgezeichneten Qualität überzeugt, und so war es auch diesmal. Es gab den Wein zu handgemachten Tagliatelle, Kräutersaitlingen und Lamm, dass ich vorher in frischen, dezent aromatischen Salbei und Knoblauch eingelegt hatte. Dazu gab es warmen Radicchio aus dem Ofen, eingelegt in Öl und Balsamico. Das war die passende Kombination für einen Wein, der eine fabelhafte Balance zwischen purer Trinkfreude und Anspruch bietet. Normalerweise schreibe ich hier über Weine, die ich über mindestens zwei Tage verkostet habe, beim Dog Point ist mir dies nicht gelungen. Wir haben ihn ziemlich schnell geleert.

© Dog Point. Ivan Sutherland und James Healy

© Dog Point. Ivan Sutherland und James Healy

Der Wein erinnert mich in seiner Stilistik eher an deutschen Spätburgunder denn an Frankreich. Schon gar nicht erinnert er mich an Weine aus Australien oder Kalifornien. Der Dog Point  ist eher der fruchtige Vertreter. Hier finden sich frische Früchte – die Betonung liegt die ganze Zeit über auf Frische – eingebettet in eine erdige und würzige Note. Das Holz – immerhin lag der Wein 18 Monate im Fass – ist zurückhaltend. Der Wein wurde auch nur zum Teil in neuem Holz ausgebaut. Auch wenn der Wein eigentlich noch zu jung ist – am Gaumen findet sich das Holz etwas mehr im Vordergrund, was sich irgendwann ändern wird, und zwar dann, wenn auch die Frucht ein wenig in den Hintergrund tritt – macht das Trinken einfach Spaß. Hier ist nichts schwer, nicht überreif, nichts zu konzentriert. Das mag ich. Leider ist der Wein relativ teuer, was mich davon abhält, ein paar mehr Flaschen in den Keller zu legen.

Dog_Point Pinot 2009

Dog Point übrigens gehört den Ehepaaren Sutherland und Healy. Beide hatten früher führende Positionen beim Icon-weingut Cloudy Bay. Ich schätze, dass sie das Gut verlassen haben, als dieses an Veuve Cliquot verkauft wurde. Sie wollte mehr "Hands on" machen. Ihr Spezial-Sauvignon Blanc wurde gerade von irgendwem zum besten Sauvignon Blanc Neuseelands gekührt und wenn ich Jamie Goode lese, dann ich das wohl auch keine ganz absurde Einschätzung. Vielleicht komme ich noch mal dazu, den Sauvignon Blanc des Gutes zu trinken und den Chardonnay, denn der soll auch ganz hervorragend sein.

Gekauft bei Tesdorpf für € 29.90


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