originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Rosé-Sommer: Ganz schön extrem, der 2009er Rosé von Roxanich

20/Aug/14 19:43 kategorisiert in: Borgonja, Rosé

Einer der ungewöhnlichsten, beeindruckendsten und auch besten Weine meines Rosé-Sommers ist für mich bisher definitiv der Roxanich Rosé 2009.

Roxanich Rosé 2009

Das Weingut Roxanich an solches ist schon eine längere Beschreibung wert. Es ist eines der wenigen Weltstars unter den Weingütern des ehemaligen Ostblocks. Präziser gesagt liegt es in Istrien im früheren Jugoslawien. Dort hat Mladen Rožanic vor einigen Jahren ein komplett ungewöhnliches Projekt gestartet (erster Jahrgang 2007). Das große Problem im Weinbau der ehemaligen Ostblockländer ist ja immer noch das Verhaftetsein in alten Strukturen der Planwirtschaft inklusive einem Investitionsstau der oft nur durch externe Geldgeber oder heimische Weinenthusiasten überwunden werden kann, die im Ausland zu Geld gekommen sind. Es ist notwendig, die Zeit der Planwirtschaft und Gleichmachung zu überwinden und alte Traditionen mit moderner Önologie zu verbinden. Der letzte Satz hört sich an wie aus dem Marketingprospekt so vieler Weingüter, doch hier ist dies tatsächlich essentiell. Die Weinbautradition im Osten Europas ist ja viel älter als die im Westen. Bis hin zum schwarzen Meer wird seit 4.000 Tausend Jahren Wein produziert – bei uns erst seit knapp 2.000 Jahren. Entsprechend gibt es dort eine große Bandbreite an alten, ja uralten Rebsorten. Allein in der Türkei soll es um die tausend Rebsorten geben, die kaum mehr kultiviert werden, die aber neu entdeckt werden sollten. In Istrien gibt es weniger aber es gibt diese autochthonen Sorten und auch jene, die sich mit eher westeuropäischen Rebsorten gekreuzt haben. Eine davon ist beispielsweise die Borgonja, aus der der noch zu beschreibende Rosé entstanden ist.

Mladen Rožanic, der seinen Nachnamen mit dem Titel Roxanne von Sting kombiniert hat und somit einen international aussprechbaren Namen für sein Weingut gefunden hat, verbindet tatsächlich alte Weinbautradition (Tonamphoren, lange Maischestandzeit, alte Rebsorten) mit moderner Kellertechnik, Edelstahl und Temperaturkontrolle. Das Herzstück seines Weinguts sind aber nicht Edelstahl oder Amphoren, die dienen eher Experimenten. Das Herzstück sind uralte 50 und 70 Hektoliter Holzgärtanks und eine Batterie von großen bis kleinen Holzfässern aus regionalem Holz mit einem Volumen von 36 Hektoliter bis zum Barrique. Bekannt geworden ist er vor allem mit maischevergorenen Weinen wie Milva (maischevergorener Chardonnay) oder Antica (maischevergorener Malvasija Istrija). Heute bewirtschaftet das Gut 25 Hektar und gehört für mich neben Georgio Clai, Zidarich oder Radikon zu den erfahrendsten Orange-Wine-Produzenten, die für mich als erste gezeigt haben, welche Berechtigung dieser Weintyp wirklich hat und das – ganz nebenbei gesagt – vor allem als Essensbegleiter.

 Mladen RosanicMladen Rožanic, Foto Copyright Weingut Roxanich

Doch zurück zum Rosé. Die Rebsorte, die Rožanic für diesen Rosé verwendet hat, ist die Borgonja, und wie der Name schon vermuten lässt, hat diese Rebsorte tatsächlich etwas mit dem Burgund zu tun, denn eine der Elterntrauben ist der Pinot Noir, der sich irgendwann in Istrien mit einer anderen, wohl lokalen Trauben gekreuzt hat. Der Rosé ist knochentrocken (Restzucker ca. 1 Gramm) und hat jede Menge Gerbstoffe. Das ist kein schmeichelnd-duftiges Sommerweinchen sondern ein wirklich ernstzunehmender Wein, bei dem nur die Farbe noch daran erinnert, dass man ihn in die Kategorie „Rosé ist was für Mädchen“ einordnen könnte. Der Rosé verbindet auf sehr gekonnte Weise Frucht (Kirsche, Wald-Erdbeere, Hagebutte, Johannisbeere) mit einer Ahnung von Holz, mit einem leicht nussig-mandeligen Aroma, mit Mocca, mit Stein, mit Ton. Damit meine ich nicht, dass der Wein so schmecken würde, als käme er aus einer Amphore sondern eher, als hätte er eine Stunde vorher in einem offenen Tonkrug gestanden und hätte davon so etwas Trockenes, leicht Stumpfes. Das ist keineswegs störend, es ist nur besonders. Die Tannine sind präsent aber sehr gut eingebunden, die Säure ist voll da. Es gab dazu Merguez, Ziegenfrischkäse und leicht angegrillte Wassermelone – perfekt!

Den Wein hatte ich ab Weingut. Roxanich-Weine gibt es bei Orange Wines und mittlerweile auch bei Lobenberg. Den Rosé finde ich gerade nirgendwo aber es lohnt sich, das sollte klar geworden sein, Ausschau danach zu halten.

Rosé-Sommer: Lagrein-Rosé von Martin Gojer

19/Aug/14 14:29 kategorisiert in: Alles Bio, Lagrein, Rosé

Eine der für mich spannendsten Neuentdeckungen auf der Vievinum war für mich ausgerechnet kein Österreicher, sondern ein Winzer aus Südtirol. Martin Gojer ist sein Name und er bewirtschaftet den Hof Pranzegg am Fuße des Kohler Berges bei Bozen. Das aus dem 15. Jahrhundert stammende Gut gehört der Familie seit den 30ern. Bevor Martin 2009 seinen ersten Jahrgang heruasgebracht hat, hat er einige Jahre Vorarbeiten geleistet, neu angepflanzt, die Bewirtschaftung verändert und experimentiert.

Pranzegg_Jacob

Heute gibt es bei ihm vier Weine. Einen sensationellen weißen gemischten Satz names Caroline, auf denen ich an anderer Stelle zu sprechen kommen werde, eine rote Cuvée aus Vernatsch, Barbera und Lagrein names Campbill, einen Lagrein mit etwas Cabernet Franc und Teroldego namens Quirein und schließlich den Jacob, einen Rosé aus Lagrein, der nach der Kapelle St. Jakob in der Au in Zwölfmagrein benannt ist, an deren Rückseite sich der Weinberg befindet. Hier stehen 15 bis 40 jahre alte Lagrein-Rebstöcke auf Porphyrboden, deren Beeren im September geerntet und ins Betonfass gelegt werden.

Der 2013 Pranzegg Jacob Lagrein Rosé ist deutlich kantiger als sein abendliches Pendant, der Rosé von Manincor. Der Jacob ist etwas wilder, hat weniger Himbeer- denn Johannisbeernoten in der Frucht, und alleine diese Johannisbeere hat ja immer auch etwas Säuerliches und auch Gerbstoffiges. Man schmeckt den Boden deutlich in diesem Wein, er ist mineralisch-salzig und hat eine leichte, pikante Bitternote zum Schluss. Neben dem Manincor-Schmeichler, denn ich immer auch gerne solo trinken würde, ist der Jacob für mich ein eindeutiger Tischwein, der seinen Platz neben kräftigen Speisen hat.

Gefunden habe ich ihn bei Berg-Wein für €12.90.

Rosé-Sommer: Rosen aus Südtirol – La Rose de Manincor

19/Aug/14 14:26 kategorisiert in: Alles Bio, Lagrein, Rosé

In einer Reihe ganz ungewöhnlicher und sicher nicht massenkompatibler Rosé, die ich in der letzten Zeit probiert habe, sticht der Rose de Manincor auf eine besondere Art heraus. Er dürfte so ziemlich jedem schmecken und hat doch einen angenehm eigenen Charakter. Er hat halt weniger Ecken und Kanten, ist kein Freak sondern ein gekonnt gemachter Saftabzug von Manincors besten Rotweinen.

la_rose_de_manincor

Manincor, das ist das Weingut der Grafen Goëss-Enzenberg in Südtirol, eines der größten Privatweingüter dort und eines, das schon vor langer Zeit auf Biodynamie umgestellt hat. Bei Manincor trifft diese Wirtschaftsweise auf adlige Eleganz und Gelassenheit. Das führt zu in sich ruhenden Weinen, die mit zum Besten gehören, was Südtirol zu bieten hat. Ich habe dort noch nie einen Wein probiert, der mir nicht gefallen hätte. Und dort werden eine ganze Menge Weine produziert.

La Rose de Manincor ist eine Cuvée von Lagrein, Merlot, Cabernet, Pinot, Petit Verdot, Tempranillo und Syrah. Es ist, wie gesagt, der Saftabzug jener Weine, die dann konzentrierter in die teuren Cuvée einfließen. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Anderswo kommt dann gerne mal ein ziemlich dünnes Rinnsal heraus, was die Bezeichnung Wein kaum verdient. Beim Manincor ist das anders. Der Wein ist eigenständig, duftig, fein und hat eine sehr angenehme helle Frucht. Himbeeren und Kirschen sind hier das Stichwort, aber ebenso eine leicht süße Rhabarbernote, die von Trockenkräutern abgerundet wird. Der Wein ist fruchtbetont, hat aber einen Unterbau, den er von der Qualität der Trauben und der Arbeit im Weinberg bekommen hat, zum anderen auch vom fünfmonatigen Holzausbau. Das sorgt für Tiefe und eine cremige Note am Gaumen, die mit einer schönen Frische einhergeht. Der Wein hat der ganzen Weinrunde viel Spaß gemacht.

Den Wein gibt es bei vinaturel für €15,-

Rosé-Sommer: Pardevalles Prieto Picudo Rosado

12/Aug/14 12:30 kategorisiert in: Prieto Picudo, Rosé, Rot, Spanien

Es ist wahrscheinlich noch keine drei Jahre her, da kannte selbst in Spanien kaum jemand die rote Rebsorte Prieto Picudo – und wenn, da war es vielleicht ein Wein, den Spanienkenner dieser Rebsorte zuordnen konnten, der Klassiker Don Suero der Bodegas Vinos de León . Das ändert sich langsam – auch wenn die auf 5.200 Hektar angebaute Rebsorte noch keine feste Größe im spanischen Rebsortenspiegel darstellt, denn eine Reihe weiterer Bodegas widmet sich so langsam dieser ungewöhnlichen Rebsorte.

Pardevalles_01

Prieto Picudo stammt aus der Provinz León und wird auch vor allem dort angebaut. Vor einiger Zeit hat der Spanienexperte David Schwarzwälder mal einige Weine aus dieser Rebsorte in Hamburg vorgestellt und ich war ziemlich beeindruckt. Dunkel wie Mencia, dabei zwar mit ordentlich Alkohol ausgestattet, aber auch mit präsenter Säure, viel (Kirsch-)Frucht und immer elegant. Ein Wein, der mir damals besonders gut gefallen hat, war der Carroleón der Bodegas Pardevalles. Als ich dann kürzlich die Paaarungen des schon erwähnten Rosé-Abends zusammengestellt habe, erinnerte ich mich daran, dass David Schwarzwälder mir den Pardevalles Prieto Picudo Rosado 2012 ans Herz gelegt hat.

100% Prieto Picudo aus Valdevimbre in der Provinz León ergeben einen Rosé mit einer Farbe, die eigentlich direkt zum Öffnen auffordert. Zumindest empfinde ich das so. Dieses tiefe Rosé mit rotem Schimmer schreit geradezu danach, ins Glas gegossen zu werden. Das, was die Farbe verspricht, hält das Aroma. Da sind viele Erdbeeren drin, abgerundet mit einigen dunkleren Beeren, den für Prieto typischen Kirschen und einer Grapefruitnote. Auf Grund der Herstellung hat der Wein noch etwas ganz leicht Moussierendes, was ihn neben der Säure zusätzliche Frische verleiht.

Nach der Lese wird der Prieto Picudo entrappt und im Edelstahl einer kalten Gärung unterzogen. Dann wird abgepresst und leicht gefiltert. Danach wird eine weitere Tranche Trauben hinzugegeben, worauf eine weitere Gärung stattfindet, die aber diesmal intrazellulär (maceration carbonique) stattfindet. Daher stammt nicht nur die betont frische Frucht sondern auch der leichte Blubber. In der Provinz León wird diese typische Herstellungsweise clarete de aguja genannt.

Mit 13,5% hat der Wein einen für Spanien schon fast niedrig zu nennenden Alkoholgrad und mit 30mg einen für konventionelle Weine geringen Schwefelanteil. Als Auftakt (nach den restsüßen Schaumweinen) fand ich diesen Wein für einen Rosé-Abend gerade richtig. Der Wein ist einerseits unkompliziert, andererseits wirklich gut gemacht und hat vor allem durch die spezielle Herstellungsmethode einen eigenen Charakter.

Das ist vor allem dann beeindruckend, wenn ich den Preis verrate. Ich habe den Wein bei Vinos Barrón für gerade einmal €6.70 erworben. Der Wein ist für mich eindeutig eine Kaufempfehlung. Und damit einher geht, die anderen Weine der Bodega zu probieren. David Schwarzwälder findet, dass der Weißwein aus der ebenfalls in León autochthonen Sorte Albarin Blanco einer der besten Weißweine Spaniens ist und der kostet gerade einmal €9.50. Hinzu kommen drei Qualitätsstufen des roten Prieto Picudo. Das gibt also mal auf einen Schlag die Möglichkeit, einen neuen Teil der spanischen Weinlandschaft zu entdecken.

 


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