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Die Vorpremière der Großen Gewächse des VDP, Jahrgang 2012 – Früh- und Spätburgunder

30/Aug/14 16:32 kategorisiert in: Frühburgunder, Pinot Noir / Spätburgunder

Den Abschluss der Großen-Gewächs-Probe bildeten die 72 Früh- und Spätburgunder aus insgesamt acht Anbaugebieten.

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Ahr
Zum Auftakt ging es an die Ahr, und zwar mit drei Frühburgundern, von denen der Dernauer Pfarrwingert von Werner Meyer-Näkel einen ziemlich genialen Auftakt geboten hat. Dieser Wein ist für mich Frühburgunder in annähernder Perfektion. Er hat für mich genau den Sex, für den ich Frühburgunder liebe: eine gewisse nonchalante Grundentspanntheit, reife, verspielte Frucht, seidige Tannine, vollen Körper, viel Saft – das ist hier sehr attraktiv gemacht. Dem steht der Frühburgunder aus dem Recher Herrenberg von Alexander Stodden qualitativ in nichts nach. Auch dieser Frühburgunder ist einfach köstlich, tief, intensiv, geheimnisvoller als der üppige Pfarrwingert, voller Würze und etwas präsenterem Holz-Vanille-Ton. Überhaupt liefern sich Meyer-Näkel und Stodden an der Jahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf höchstem Niveau. Da kommen Adeneuer und Kreuzberg nicht ganz mit. Und das schraubt sich immer weiter hoch: ein kraftvoll cremiger, fast sahniger Spätburgunder aus dem Ahrweiler Rosenthal von Stodden – vielleicht Stoddens bester Wein aus 2012, gefolgt von zwei Bad Neuenahrer Sonnenbergen, der Meyer-Näkelsche sehr reif mit intensiver Kirschnote, trotz der Reife sehr elegant und finessenreich. Der Stoddensche trumpft mit einer intensiven Frucht-Creme-Holz-Note, die den Wein schon im ersten Moment sehr begehrenswert macht, nur ein wenig zu viel Alkohol hinten raus macht ihn jetzt noch schwer einschätzbar. Während ich Stoddens Dernauer Hardtberg und den Recher Herrenberg momenta noch zu holzlastig finde und vor allem den Herrenberg etwas zu karamellig, trumpft Meyer-Näkel mit zwei hervorragenden Weinen aus Walporzheim auf. Der Kräuterberg hat das, was der Name schon andeutet: Kräuter, frische Kräuter und Trockenkräuter in verschwenderischer Frucht, sinnlich, tief mit nahezu perfekter Säure. Der Pfarrwingert mit viel saftiger Frucht, mit Gripp, fein, elegant und – wie alle anderen Meyer-Näkelschen Weine – sehr sinnlich. Ich kann mich nicht daran erinnern, bessere Weine aus diesem Haus probiert zu haben.

Was ich mir in den Keller legen würde: Frühburgunder Dernauer Pfarrwingert von Meyer-Näkel, Ahrweiler Rosenthal von Stodden, Walporzheimer Kräuterberg von Meyer-Näkel, Walporzheimer Pfarrwingert von Meyer-Näkel

Sachsen, Rheingau & Rheinhessen
Die nächste Gruppe an Weinen bildete das Rheingau und das einzelne Große Gewächs aus Sachsen. Es ist die Hauslage Schloss Proschwitz des gleichnamigen Gutes des Prinzen zur Lippe. Dieser Pinot ist ganz anders als der Rest. Er wirkt leichter, spielerischer, dabei mineralisch und fein. Fand ich sehr gelungen. Im Rheingau dann gab es keine großen Überraschungen, außer das mir die beiden Pinots des Platzhirschen August Kesseler nicht so gut gefallen haben, dass ich in Erwägung ziehen würde, sie mir irgendwann zuzulegen. Kirschlikör hier, Cassis-Crème dort. Ja, alles fein, saftig, elegant und mit angenehm wenig Holz. Aber irgendwie war mir das für den Moment zu vordergründig, was es im Schlossberg und im Höllenberg zu entdecken gab.

Aus Rheinhessen wurden insgesamt fünf Weine präsentiert, zwei Pinots von Neus, einer von Schloss Westerhaus und zwei von Gutzler aus den Westhofener Lagen. Das Brunnenhäuschen fand ich in seiner Entspanntheit wunderbar. Gemacht nach alter Tradition, ohne zu viel modernen Schnickschnack-Holzeinsatz, nicht zu viele Gerbstoffe, dafür schöne Frucht, aber eine tiefgehende, nicht oberflächliche. Vor allem aber bietet dieser Wein Trinkfluss schon ab dem ersten Moment – das geht vielen Weinen ab, diese Lust, den Wein in großen Schlücken zu trinken, sollte trotz aller gewollter Tiefe und Komplexität doch auch bei Großen Gewächsen eines der obersten Gebote sein. Bei den Gutzlerschen Weinen ist das der Fall.

Was ich mir in den Keller legen würde: Westhofener Brunnenhäuschen von Gutzler

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Pfalz & Franken
Christmanns Idig kann ich, ehrlich gesagt, schlecht bewerten. Ich weiß nicht ob es die Flasche war oder ob es der Wein ist, es fand sich kaum Frucht, der Wein wirkte leicht oxydiert und es fand sich ganz hinten eine leichte Krautnote. Und obwohl sich das jetzt gar nicht so toll anhört, hatte der Wein trotzdem Klasse, war kühl und elegant – den muss ich noch mal zu einer anderen Zeit probieren. Hansjörg Rebholz’ Pinot ähnelt den Rieslingen 2013 aus der gleichen Lage durchaus. Der Wein stammt nicht aus 2012 sondern aus 2009 und hat einen gewissen Reifevorteil. Der benötigt er wohl auch denn er wirkt immer noch teilverschlossen. Der offenere Teil ist saftig, herrlich saftig, frisch, fein gewirkt in seiner Tanninstruktur, dazu salzig-mineralisch und auch er hat das, was Meyer-Näkels und Gutzlers Weine haben: er hat Zug, er packt zu und man will ihn unbedingt trinken. Dr. Wehrheims Birkweiler Kastanienbusch »Köppel« liegt für mich qualitativ auf gleichem Niveau. Er hat weniger offensive Frucht aber ebenso viel Zug. Er wirkt insgesamt noch eine Spur feiner und elegant und, ja ich muss es so sagen: burgundischer. Es ist der Pinot, der mich bisher am ehesten ins Burgund versetzt. Boris Kranz Kalmit ist genau so puristisch radikal wie sein Konterpart, der Riesling aus gleicher Lage. Ein kraftvoller, starker, fruchtreduzierter steiniger Wein. Für Puristen ist dieser Wein ein Muss. Daneben stehen dann die beiden Vertreter aus dem Hause Becker, der Kammersberg und der Sankt Paul. Das sind zwei Tannin-Granaten par excellence. Es sind vielleicht die größten Weine der Probe, Monolithen mit gigantischem Potenzial, das sich zwar hinter einem dicken Vorhang aus Gerbstoffen und Holz versteckt und doch deutlich wahrnehmbar ist. Ein großer tiefer stiller See voller dunkle, reifer Frucht und gezügelter Kraft.

Der Pinot aus dem Sulzfelder Maustal hatte zum Glück das, was die Weißweine aus dem Zehnthof Luckert diesmal leider etwas vermissen ließen: Kraft und Dichte. Und das, obwohl der Weine zunächst einmal leicht und spielerisch über die Zunge tänzelt. So ein Wein ist nach den beiden Schwergewichten aus dem Hause Becker eine Erholung und eine willkommene Abwechslung – zumal es mit Benedikt BaltesKlingenberger Schlossberg direkt sehr gerbstoffreich weitergeht. Zunächst fein, duftig, voller Kräuter und feiner Frucht, am Gaumen kraftvoll mit viel Potential und einer momentan noch etwas störenden Bitternote, die jedoch mit zunehmender Reife verschwinden – ein toller Wein, der für mich auf Augenhöhe mit den Pinots aus dem Hause Rudolf Fürst liegt. Auch diese haben dieses sehr reife Tannin und die Kräuternoten, die auch Baltes’ Wein auszeichnen. Mir gefällt aktuell der Schlossberg am besten – genau weil er etwas Wildes in sich trägt.

Was ich mir in den Keller legen würde: Siebeldinger Im Sonnenschein 2009 vom Ökonomierat Rebholz, Birkweiler Kastanienbusch von Dr. Wehrheim, Ilbesheimer Kalmit von Kranz und Schweigener Kammerberg von Friedrich Becker sowie Klingenberger Schlossberg von Rudolf Fürst und vom Weingut der Stadt Klinberg sowie Sulzfelder Maustal vom Zehnthof Luckert

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Württemberg & Baden
Bei der Klasse, die hier an Pinots auf dem Tisch stand, fällt es mir schwer, den Württembergern gerecht zu werden. Vorher Fürst, Stadt Klingenberg und Luckert und den vierten aus der Gruppe, nämlich den Pinot von Schmitt‘s Kinder habe ich gar nicht erwähnt, obwohl er mir besser gefällt als die meisten Weine aus Württemberg und als alle Weine vom Kaiserstuhl, denen es an Säure mangelt, die es als Rückgrad für gute Pinots einfach braucht.

Zwei Weine möchte ich hervorheben und sie stammen aus der selben Lage. Da wäre Rainer Schaitmanns Fellbacher Bergmandel und Markus Heids Bermandel, der ziemlich saftig und reif um die Ecke kommt. Er bietet viel Trinkfluss, ist jetzt schon sehr offen, muss aber noch die Menge an Holz und Gerbstoffen verarbeiten, die Heid ihm mitgegeben hat. Schnaitmanns Bergmandel ist etwas wärmer, wirkt etwas alkoholischer mit einer leichten Bitternote hinten raus, die Frucht ist etwas gekocht.

Zum Schluss und zum Gedächtnis vier Weine von Bernhard Huber. Beim Bienenberg habe ich spontan den Eindruck, der Wein können aus dem Pauillac kommen. Pauillac-Pinot erster Güte mit satter Cassis-Frucht, Zedernholz, etwas Minze, dann eine phantastische Säure. Die Parzellen Wildenstein, ebenfalls aus dem Bienenberg wirkt dann noch saftiger und etwas fordernder. Die Sommerhalde ist dicht wie ein Scheunentor, wirkt jedoch am leichtesten von allen vier Weinen. Und dann, ja dann der Schlossberg – auch hier wieder diese Cassis- und Zedernholznoten und dazu etwas Paprika (wieder dieser Pauillac-Eindruck), dann kommt langsam die Kirsche durch, die Kräuter, das fest Gewirkte, das Kühle – ein traumhaft schöner Wein und ein großer Wurf.

Was ich mir in den Keller legen würde: Malterdinger Bienenberg Wildenstein und Schlossberg von Bernhard Huber

Gedankt sei dem VDP und den vielen Helfern – die Veranstaltung war glänzend organisiert.

Weitere, lesenswerte Berichte finden sich bei Felix Bodmann (der Schnutentunker) und Dirk Würtz.

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Rosé-Sommer: i Vigneri Vinudilice – in jeder Hinsicht extrem und einfach großartig

29/Aug/14 19:58 kategorisiert in: Alles Bio, Graciano, Minella, Rosé, Weinrallye

Es ist mal wieder Weinrallye-Zeit und das aktuelle Thema, dass culinary pixel a.k.a. Annette Sander ausgewählt hat, passt wunderbar in meine aktuelle Rosé-Sommer-Reihe. Weil das so gut zusammen passt, habe ich mir den vielleicht ungewöhnlichsten Rosé ausgesucht, den man überhaupt bekommen kann.

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Im März habe ich eine Veranstaltung des Weinhändlers vinaturel besucht. Auf dieser Fachverkostung für Gastronomen und Sommeliers aus dem Großraum Hamburg standen jede Menge Weine über die ich gerne noch mehr als einen Nebensatz schreiben würde. Hier und jetzt aber geht es vor allem um einen Wein, den ich erst ganz zum Schluss probiert habe, der mich allerdings nachhaltig beeindruckt hat.

Es handeltsich um die 2013er Ausgabe des Rosé Vinudilice des sizilianischen Weinmachers und Beraters Salvo Foti. Dieser ist eine Institution unter Siziliens Winzern und berät eine größere Gruppe von Weinmachern (i Vigneri), die sich durchweg der Herstellung möglichst natürlicher Weine nach alter Tradition verschrieben haben. Dazu gehört unter anderem die Albarello-Bepflanzung in der die einzelnen Stämme in Buschform und mit ca. 10.000 Stück pro Hektar bepflanzt werden. Außerdem wird sehr viel Aufmerksamkeit auf die Rekultivierung alter Weinberge, vor allem am Etna gelegt und genau aus einem solchen Weinberg stammt dieser Rosé.

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Ich wenn ich den Wein im März probieren konnte hat es bis Juni gedauert, bis der Wein tatsächlich bei mir angekommen ist und es war bis Juni gar nicht klar, ob er überhaupt für die von mir ausgerichtete Probe im Juli zur Verfügung stehen würde. Also habe ich mich beizeiten um Alternativen bemüht und ein Mitglied von Salvo Fotis Winzergruppe I Vigneri auf der Vinitaly angesprochen. Es stellte sich heraus, dass ausgerechnet einer jener Winzer bzw. Unternehmer war, die bei mir in Hamburg die Enoteca I Vigneri und das Restaurant Gallo Nero führen. Und genau dort liegen, so erfuhr ich in Verona, noch kleine Kontingente Vinudilice aus den Jahren 2008 bis 2010 sowie, wovon ich noch gar nicht gehört hatte, ein Vino Spumante aus dem gleichen Weinberg.

Dieser Weinberg gehört mit seinen 1.300 Metern zu den höchsten in Europa und wurde vor knapp 200 Jahren als Gemischter Satz (Alicante, Graciano, Minella und andere)am nördlichen Etna angelegt. Er hat gerade einmal eine Fläche von 0,38 Hektar und die ältesten Stöcke sind so alt wie der Weinberg, der umgeben ist von Steineichen (Ilice). Der Wein wird so traditionell wie möglich in alten Holzbottichen verarbeitet, die Trauben mit Füßen gepresst, der Saft läuft natürlich ab, er wird nicht gefiltert oder geschönt und auch nur ganz zurückhaltend geschwefelt. 2009 hat Salvo Foti gar nicht geschwefelt – und das hat man dem Wein auch deutlich angemerkt.

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So besonders die Rahmenbedingungen für diesen Wein sind, so besonders ist er selbst. Es ist definitiv in all seinen Facetten (2013, 2010, 2009, 2008 und Spumante) Rosé, wie man ihn so gut wie nie zu probieren bekommt.

Der Vino Spumante gehört zu den interessantesten Schaumweinen, die ich bisher aus Italien probiert habe. Fein, fast grazil mit einer ziemlich perfekten Säure, dann scheinen irgendwann die leicht oxydativen Noten durch, die vom Grundwein stammen, der in offen Bottichen vergoren wird. Im Gegensatz zum stillen Rosé wird der Schaumwein leicht gefiltert und strahlt in einem Lachston während der Stillwein eher aussieht wie verdünnter Erdbeersirup. Was mich hier, wie beim jungen 2013er beeindruckt ist die mineralische Note, die sich mit den leicht oxydativen Noten von Fallobst verbindet in das einige rote Früchte gerührt wurden über dann jemand eine ganze Menge Trockenkräuter gestäubt hat, und zwar die guten, die selbst in großen Bünden unter der Decke hingen. Schließlich hat dann noch jemand eine Zigarette mit Virginiatabak darüber gebröselt. Am Gaumen dann wirkt der Wein viel weniger oxydativ. Das gilt auch für den 2010er, bei dem vor allem am zweiten Tag die Virginatabaknoten voll durchkommen während der fast braune Apfel etwas in den Hintergrund tritt. Trotzdem hat man in der Nase dien reifen, süßen Noten von überreifem Kernobst. Süße auch am Gaumen, obwohl der Wein ziemlich durchgegoren sein dürfte. Man hat ihn sehr reif gelesen und trotzdem hat der Wein um die 12% Alkohol und eine sehr präsente Säure. Das strafft ihn, gibt ihm Druck trotz der Reife. Gerade beim 2010er fügt sich das zu einem harmonischen Gesamtbild. Dem 2009er merkt man an, dass er komplett ohne Schwefel verarbeitet wurde, er präsentiert sich etwas müde, während der 2008er noch in voller Pracht da steht, reif, dicht, tief, wie ein Tawny-Port-Rosé – aber ohne den Alkohol. Die Walnussnoten aber sind da und verbinden sich am Gaumen mit reifen roten Früchten und mit diesem etwas austrocknenden Zug bei dem ich immer glaube, der Wein muss mal eine Zeit im Ton oder so gelegen haben – hat er aber nicht. Das alles ist wild und ungewöhnlich und wunderbar. Solche Weine findet man einfach sehr, sehr selten.

Die aktuellen Jahrgänge des Vinudilice und anderer Weine der Winzergruppe findet man vinaturel, der 2013er ist aber schon ausverkauft denn e sgab lediglich 300 Flaschen. 2008, 2009, 2010 und Spumante gibt es bei I Vigneri/Gallo Nero für um die 40 Euro auf Anfrage.

Vielen Dank an Annette für die Ausrichtung der Weinrallye in diesem Monat. Bei ihr findet man hier auch den Hinweis auf alle anderen Beiträge.

Die Vorpremière der Großen Gewächse des VDP, Jahrgang 2013 – Mosel, Mittelrhein, Baden, Württemberg & Franken

29/Aug/14 15:00 kategorisiert in: Abschweifungen, Riesling, Silvaner, Weiß, Deutschland

Mosel & Mittelrhein

Es gibt Riesling-Gebiete, da passt die Idee des großen Gewächses nur bedingt. Mosel und Mittelrhein sind für mich solche Gebiete. Der Riesling-Stil, der hier gepflegt wird vielleicht durch eine erste Lage repräsentiert, selten aber durch die Idee des Großen Gewächses. Das merkt man vor allem an der Mittelmosel. Natürlich sind Weinmacher wie Ernie Loosen oder Markus Molitor in der Lage, Weine im Stil eines Großen Gewächses zu machen, das ist gar keine Frage. Aber für mich passt dass nicht immer so ganz zusammen mit dem, was ich typisch finde. Bei Haart oder Fritz Haag zeigt sich das für mich exemplarisch.

 VorpremiereGGWiesbaden_CaroMaurer_by_VDP_01Master of Wine Caro Maurer uns Wine Advocate Stephan Reinhardt – Deutsche Weinspezialisten auf internationalem Parkett. Copyright: Ralph Kaiser, VDP. Die Prädikatsweingüter

Auch hier, an der Mosel hat das Wetter in den letzten Wochen vor der Lese gnadenlos zugeschlagen und es hat massiv geregnet. Da musste man noch einmal sehr viel Zeit in den Weinberg stecken. Reinhard Löwenstein ist jemand, der das getan haben dürfte. Die Weine sind wieder hervorragend geworden, nicht so brillant wie im sensationellen Vorgängerjahrgang, doch er geht diesen präzisen klaren Weg weiter, den er vor zwei Jahren eingeschlagen hat. So ist der dichte, tiefe, ernste Riesling aus der Uhlener Blaufüsser Lay für mich auch momentan das stärkste Gewächs von der Mosel, und zwar eines zum Weglegen, während ich Kirchberg und Uhlen Laubach schon jetzt trinken wollen würde. Clemens Buschs Weine aus der Pündericher Marienburg dagegen sind für mich momentan kaum zu beurteilen. Sie präsentieren sich mit enormer Säure, dazu ziemlich verschlossen. Ich hoffe mal, dass sich diese Säure irgendwann integrieren wird. Von den 28 Großen Gewächsen, die bei dieser Probe präsentiert wurden, kommen gleich sechs von Ernie Loosen. Darunter befindet sich auch der ziemlich gigantische Erdener Prälat, eine Wuchtbrumme voll reifer Frucht, jeder Menge Schieferwürze, viel Säure und einer Balance und Tiefgründigkeit, die diesen Wein zu einem großen Wein macht. Dicht folgt das Erdener Treppchen und das Graacher Himmelreich. Zumindest die drei der sechs Weine machen jetzt und auch die nächsten Jahre großen Spaß. Leise und doch nachhaltig haben sich bei mir dann noch die beiden Gewächse von von Othegraven in meine persönliche Bewertungsskala geschlichen. Ich finde, Andreas Barth hat einen guten Job gemacht, die Weine sind noch etwas scheu, unaufgeregt mit feiner Frucht und einer guten Säurestruktur.

Der Mittelrhein ist für mich ebenfalls kein klassisches Gebiet für Große Gewächse, die von der Struktur her ja trockene Auslesen sind. Der Mittelrhein ist ein Gebiet für saftige, fruchtbetonte Kabinette und Spätlesen. Und doch machen diese Weine Spaß. Sie reichen nicht an GGs der Nachbarn Rheingau, Rheinhessen oder Nahe heran, das macht aber nichts. Denn erstens verleugnen sie ihre Herkunft nicht und bleiben fruchtbetont und zweitens kann man sich diese Weine auch mit kleinerem Geldbeutel leisten. Und alterungsfähig sind diese Weine, vor allem mit der Säure aus 2013.

Was ich mir in den Keller legen würde: Der Oberweseler Oelsberg von Laius-Knab, die Bacharacher Wolfshöhle von Ratzenberger, den Uhlen „Blaufüsser Lay“ von Heymann-Löwenstein, Den Erdener Prälat von Dr. Loosen und den Ockfener Bockstein von von Othegraven.

 VDP_by_Ralf_Kaiser_01Copyright: Ralph Kaiser, VDP. Die Prädikatsweingüter

Baden & Württemberg

Baden ist mit sechs, Württemberg mit 16 Großen Riesling-Gewächsen ins Rennen gestartet. Bei den weißen Burgundersorten kommen natürlich in Baden noch eine ganze Menge dazu. Allein, die habe ich während der zwei Tage nicht mehr geschafft. Für mich lag der Fokus auf dem Riesling, dem Silvaner und den roten Burgundern. Daher habe ich auch die württembergischen Lemberger nicht mehr probieren können, was mich ich sehr Schade fand.

Insgesamt hatten die Weine eine gute Qualität, wenn mich auch kaum ein Wein umgehauen hat. Vor allem die badischen Rieslinge sind nicht so mein Fall, sie sind mir zu weich in der Säure. Unter den Württembergern sind mir drei Weine aufgefallen, die mir sehr gut gefallen haben. Die beiden Pulvermächer-Rieslinge von Beurer und Haidle sowie der Drusenstein von Ellwanger. Das sind drei wirklich ausdrucksstarke, würzige Rieslinge, wobei der Drusenstein der vielleicht dunkelste und tiefgründigste der drei Weine war, Haidles Pulvermächer präsentierte sich gelbfruchtig und etwas leichter als der von Beurer während dieser am meisten druck hatte, gelbe Frucht mit einer schönen Blütenaromatik kombiniert hat, unterlegt mit Steinsalz und Kräutern.

Was ich mir in den Keller legen würde: Stettener Pulvermächer von Beurer.

 

Franken

Die Franken haben es schon seit Jahren nicht leicht. Das Wetter schlägt seine Kapriolen und haut immer wieder hart zu. So kann man zu vielen Großen Gewächsen aus Riesling und Silvaner nur schweigen. Manche wie die von Bickel-Stumpf aus 2012 vermisst man schmerzlich. Trotzdem finden sich einige wirklich gute Weine. Ganz klar dazu gehören der Silvaner und auch der Riesling Kallmuth von Fürst Löwenstein. Das sind wilde Weine außerhalb des Mainstreams, phenolisch, dicht, steinig, kräutrig mit hellen Tabaknoten und viel Biss. Sie wirken fast so ein bisschen dahingrotzt, trotzig. Die haben mir beide Spaß gemacht. Stark auch die würzigen, dunklen, steinigen Küchenmeister von Paul Weltner. Mit besserem Wetter ginge das alles noch besser, aber das ist schon ziemlich gut. Salzig ist der Riesling, medizinisch wirkt er fast, auch hier wieder ein Hauch Tabak, Kräuter, ich mochte da sehr gerne. Neben dem fast tänzelnden Centgrafenberg von Fürst hat mir die Kollektion von Hans Wirsching dieses Jahr wieder deutlich besser gefallen als in den letzten Jahren. Spielerisch leicht präsentierten sich die Weine aus dem Kronsberg, fordernder, robuster die Weine aus dem Julius-Echter-Berg, der Riesling mit gelber Frucht, gelben Pflaumen, der Silvaner mit süßer Reife, Noten von Grapefruit, Kräutern und Stein.

Was ich mir in den Keller legen würde: Iphofener Julius-Echter-Berg Riesling von Hans Wirsching, Homburger Kallmuth Silvaner von Fürst Löwenstein, Rödelseer Küchenmeister Hohe Leite Riesling von Paul Weltner.

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Die Vorpremière der Großen Gewächse des VDP, Jahrgang 2013 – Rheingau und Nahe

29/Aug/14 10:15 kategorisiert in: Abschweifungen, Riesling, Weiß, Deutschland

Rheinhessen und Pfalz war schon mal ein interessanter Start in die erste deutsche Riesling-Liga und es folgen zwei weitere Gebiete mit hohem Renommee für trockenen Riesling.

Rheingau
Es ist mittlerweile keine neue Erkenntnis mehr, dass sich viel tut im Rheingau. Das war auch bitter nötig. Das gesamte Gebiet erschien einem zwischenzeitlich wie abgehängt – immer abgesehen von einigen wenigen Konstanten, die auch im Jahr 2013 wieder die Phalanx bilden.

Beginnen wir mit dieser Phalanx, beginnen wir mit dem Schlossberg von August Kesseler. Es ist der Inbegriff des eleganten, feinen, reifen und gleichzeitig packenden Weines mit einer präsenten und doch feinen Säure und einer Spur reifer Restsüße. Der Roseneck kommt übrigens ähnlich daher und steht dem Schlossberg kaum nach. Wilhelm Weils Gräfenberg übrigens auch nicht, auch dieser Grand Cru ist eine Bank, ist eine Messlatte, an der sich alle anderen weiter messen lassen müssen. Auch hier findet sich diese noble Eleganz, gepaart mit Komplexität und Tiefe. Die Wein-Aristokratie hat mit diesen beiden Gütern weiterhin ihre Vertreter im Spitzensegment und diese Weine machen noch einmal völlig klar, welcher Stil im Rheingau berechtigterweise für lange Zeit das Maß aller Dinge war – ein Stil, den allerdings zu wenige der alteingesessenen Güter in dieser Präzision noch hinbekommen haben und stattdessen eher Karikaturen des Rheingauer Weinstils abgeliefert haben. Dieser Noblesse hat sich mittlerweile ganz etwas anderes zur Seite gestellt. Es ist ein unkonventioneller und fordernder Stil, der meiner Ansicht mach vor allem Elemente der rheinhessischen Schule mit aufnimmt. Die Weine werden kühler, mysteriöser, mineralischer, die Phenolik ändert sich, die Maischestandzeiten sind verlängert worden und gerade die Arbeit im Weinberg hat sich verändert.

Wilhelm_weilWilhelm Weil von der Großen Lage Gräfenberg

Das merkt man vor allem bei Dirk Würtz bei Balthasar Ress, bei Mark Barth, bei Johannes Eser vom Johannishof und in diesem Jahr vor allem bei Achim von Oettinger. Achim von Oettinger hat wohl von allen am meisten Gas gegeben, denn er trat mit dem Marcobrunn, dem Siegelsberg und dem Hohenrain an und alle drei Weine sind Knaller. Alle haben von allem viel – viel Saft, viel Reife, viel Säure, viel Phenole, viel Würze. Aber da ist nirgendwo zu viel und es ist alles balanciert. Der Wein erinnerte mich spontan an den Auftakt zu Film Planet der Affen 2001: Odyssee im Weltraum. Im Hintergrund beginnt Strauss‘ Also sprach Zarathustra, die Sonne geht auf und der Blick fällt aus der Froschperspektive auf einen großen Monolithen. Nur, dass das in diesem Fall der Marcobrunn von Oetinger war – in der Jeroboam, um im Bild zu bleiben. Ein kantiger Monolith, der noch viel Zeit braucht. Dirk Würtz' Weine bei Balthasar Ress dagegen sind wilder, mit viel Sponti, mit Gummi, das ist noch eine Achterbahnfahrt – nicht ganz so hart wie bei Schäfer-Fröhlich an der Nahe, aber es geht in die Richtung. Auf jeden Fall sind es ebenfalls ziemlich extreme Weine, teils sehr reif, der Schlossberg zum Beispiel, meine Herren, so viel Saft und Reife und dass dann trocken kriegen, ohne dass der Alkohol zu hoch geht, das ist sehr gut gemacht, auch wenn sie noch ein bisschen mehr Druck am Gaumen haben könnten, aber die Weine sind ja auch noch nicht fertig, sie entwickeln sich erst. Ähnlich wild, aber wieder anders sind die Weine von Johannes Eser vom Johannishof, der unter anderem einen hervorragenden Rottland abgeliefert hat. Da ist viel ungezähmte Energie drin, viel Biss, viel reife Frucht die so wirkt, als hätte man alte Obstsorten von Streuobstwiesen genommen. Gleichzeitig kommt dann aber ein cremiges Mundgefühl um die Ecke und eine damit einhergehende Eleganz und Kühle, die ich der Nase nach nicht erwartet hätte. Weitere Weinmacher sollten erwähnt werden. Jakob Jung zum Beispiel, der einen hervorragenden Siegelsberg auf den Tisch gestellt hat, eher klassisch, mit viel gelber Frucht, mit Creme und einer gelungen Struktur am Gaumen. Joachim Flick präsentiert mit dem Königin Victoriaberg und dem Nonnberg gleich zwei exzellente Gewächse, Fred Prinz' Große Gewächse aus Hallgarten sollten nicht vergessen werden und der der VDP-Neuling Ralf Schönleber vom Weingut F.B. Schönleber, der einen erstaunlich kühlen, minzigen Jesuitengarten und einen ganz anderen, sehr exotischen St. Nikolaus vorgelegt hat. Den Preis für die schrägsten Weine (und das nicht im negativen Sinne) bekommen von mir in diesem Jahr wiederholt das Gut Baron zu Knyphausen mit diesem massiven Holzeinsatz im Wisselbrunnen, der sich, ich habe im letzten mal ein paar ältere Experimente probiert, im Lauf der Zeit durchaus einzufügen weiß und Andi Spreitzer für seinen Rosengarten. Riesling trifft Gin trifft Bas Reichenhaller, kann ich da nur sagen. Ein ziemlich irrs Gewächs, das man unbedingt später noch mal probieren sollte.

Was ich mir in den Keller legen würde: Das ist verdammt schwierig, würde ich mal sagen. Die Bandbreite ist so groß und die Auswahl exzellenter und vor allem spannender Weine so breit gefächert. Bei der Klassik würde ich mich für August Kesseler Rüdesheimer Berg Schlossberg entscheiden. Auch bei Balthasar Ress würde ich mich für den Berg Schlossberg entscheiden. Dann der Rüdesheimer Berg Rottland vom Johannishof, der Erbacher Siegelsberg von August Eser und der Erbacher Marcobrunn von Achim von Oetinger.

weil_flaschenWeil hat es sich nicht nehmen lassen, aus Anlass der Zehn-Jahrfeier der Vorpremière vier Gräfernberg-Jahrgänge in der Doppelmagnum  zu öffnen.

Nahe
Im kleinen, feinen Gebiet Nahe liegt die Messlatte ziemlich hoch. Dafür ist es übersichtlich, denn es sind lediglich acht Erzeuger, die ihre Großen Gewächse präsentiert haben. Die Nahe-Weine von Kruger-Rumpf mag ich ähnlich, wie ich den Scharlachberg gemocht habe. Die Weine haben ein sehr gutes Niveau mit viel Würze und einem Trend zu leicht angeräuchertem Holz. Das macht aber Spaß und, das sollte man nicht unterschlagen, ist auch bezahlbar für jene, die erst damit anfangen, in die Welt der Großen Gewächse einzusteigen. Mir gefiel das einzige Große Gewächs von Dr. Crusius in seiner reifen, gesetzten und würzigen Art. Auch das ist kein Überflieger aber es ist ein solides Gewächs – ich hoffe, das klingt nicht zu despektierlich. Das Gleiche gilt für die Weine von Johann Baptist Schäfer, wo mir vor allem das noch verschlossene Goldloch mit seinen Kräuternoten gefiel. In der ersten Liga dieses Gebiets spielen dann Diel, das Gut Hermannsberg, Dönnhoff, Emrich-Schönleber und Schäfer-Fröhlich. Tim Fröhlichs Weine sind momentan kaum zu bewerten, so unglaublich wild präsentieren sie sich momentan. Dass sich da die Flaschen nicht von selbst bewegen und vom Tisch hüpfen, erstaunt mich fast. Für mich könnten diese Weine das Größte werden, was 2013 an der Nahe angefüllt wurde. Sie haben teilweise die Dichte eines schwarzen Sterns und wirken trotzdem verspielt. Das muss man erst einmal hinkriegen. Der Extraktgehalt dieser Weine ist enorm, die Spontinoten sind abschreckend, die Länge ist beeindruckend – geiler, wilder Wein. Wilder als sonst, spontaner gewissermaßen präsentieren sich die Weine vom Gut Hermannsberg. Die Weine des Gutes waren bisher nicht mein Fall, muss ich ehrlich sagen. ich konnte den Hype bisher nicht ganz nachvollziehen. Die Kupfergrube aber finde ich groß. Auch hier Sponti, dann Druck ohne Ende, wilde Phenole, Würze – da ist nichts Liebliches mehr an diesem Riesling, das hier ist die perfekte Dark Side of the Moon. Die drei Granden Diel, Dönnhoff, Schönleber dagegen kommen mit Weinen daher, die wie maßgeschneidert wirken, jeder auf seine Art. Das ist höchst elegant, zurückhaltend, zuvorkommend, gleichzeitig neben anderen Weinen ein bisschen – ich sage es ganz, ganz leise – langweilig. Wenn man sie für sich nimmt, vor allem die Hermannshöhle von Helmut Dönnhoff, muss man das mit der Langeweile streichen, das wäre nicht gerecht. Und gemessen an diesem recht schwierigen Jahrgang ist die Hermannshöhle halt mal wieder ziemlich perfekt in ihrer Art, volle Frucht mit den Noten des Gesteins zu verbinden, mit leisen Tönen die immer wieder zwischen Dur und moll schwanken. Das ist schon auch wirklich schön.

Was ich mir in den Keller legen würde: Die besagte Niederhausener Hermannshöhle von Helmut Dönnhoff, die Schloßböckelheimer Kupfergrube von Gut Hermannsberg, Schloßböckelheimer Felsenberg und Monzinger Frühlingsplätzchen von Schäfer-Fröhlich und die Traisener Bastei von Dr. Crusius.

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