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Alte Weinberge – Alte Rebsorten: Einblicke in eine ganz andere Weinbautradition Teil 4

25/Aug/15 12:00 kategorisiert in: Rebsorten

Andreas Jung war in alten deutschen Weinbergen unterwegs und hat dort allein 241 historische Sorten nachgewiesen, von denen 86 als ausgestorben galten. Seitdem sucht er weiter und hat begonnen, alte Sorten zu konservieren.

Andreas Jung, der Autor dieses Textes ist einer der führenden Rebsortenforscher, Ampelographen genannt. Mich fasziniert die Ampelographie, das Erkennen der Rebsorten und vor allem ihre historische Verbreitung zunehmend. Ich musste aber kürzlich in einem Austausch mit Andreas Jung feststellen, das alles noch viel komplizierter ist, als ich mir es vorgestellt habe. Viele Aussagen, die in der Vergangenheit zur Namensgebung und Abstammung von Rebsorten getroffen wurden, müssen immer wieder in Zweifel gezogen werden. 

So geht es in den nächsten Folgen um alte Weinberge mit alten Rebbeständen und Andreas Jung zeigt exemplarisch anhand einiger Sorten, wie schwierig die Suche, die Bestimmung und der Abgleich mit früheren Aussagen ist.

Ihr könnt die Arbeit von Andreas Jung unterstützen. Dieser baut nämlich ein lebendiges Archiv mit alten Rebsorten auf. Wie wäre es mit einer Rebpatenschaft? Sie hilft Andreas dabei, seine aufwendige und teure Arbeit fortzusetzen. Sie bedeutet auch, dass Rebsorten konserviert werden können, die sonst – so wie viele andere auch – aussterben. Wer die Sortenerhaltung in Rebsortenarchiven unterstützen will, kann dies durch Rebsortenpatenschaften tun: www.rebenpatenschaft.de. Wer alte Sorten wieder in den Anbau nehmen will, kann sich hier orientieren: www.historische-rebsorten.de.

 

Alte Sorten in den letzten alten Weinbergen Zentraleuropas
Mehr als 400 Jahre Kleine Eiszeit und ein dramatischer, durch Pest, Kriege und Hungersnöte verursachter, wiederholt und oft schlagartig erfolgter Bevölkerungsschwund haben die Erinnerung an die mittelalterlichen und antiken Sortenkomplexe aus dem kollektiven Gedächtnis der Neuzeit gelöscht. Am Ende der Kleinen Eiszeit, Ende des 18. und im 19. Jahrhundert bemühten sich die Ampelographen, die Rebsortenvielfalt in den damaligen Weinbergen zu erfassen und die Sorten zu beschreiben, zu systematisieren und zu evaluieren, aber die Reblauskatastrophe und die Quarantänebestimmungen haben diesen Bemühungen ein abruptes Ende gesetzt. Durch die Reichssortenliste und die behördlich verordnete Verengung des Sortenspektrums auf weniger als 6,5 % der einstigen Sortenvielfalt ist die große Mehrheit der alten Sorten in nur 75 Jahren komplett in Vergessenheit geraten. Dennoch haben erstaunlich viele Relikte der einstigen Sortenvielfalt in den letzten, alten Weinbergen überlebt. Im Auftrag des BMELV war ich drei Jahre lang (2007-2009) in den alten Weinbergen Deutschlands unterwegs, um dort nach alten Rebenbeständen und historischen Sorten zu suchen, die die Reblauskrise und die Rekonstituierung der Weinberge mit Pfropfreben überlebt haben. In nur drei Sommern habe ich 353 Sorten in Deutschlands alten Weinbergen nachgewiesen, darunter 241 historische Sorten, von denen 86 Sorten als ausgestorben galten (ARGE JUNG+FISCHER GBR, Erfassung rebengenetischer Ressourcen in Deutschland, Aktenzeichen 114-50.10.0434/05-E, Januar 2007 – März 2010). Weitere ausgestorbene Sorten habe ich seit 2010 bei meiner privat fortgesetzten Sortensuche in Weinbergsbrachen in Polen, Brandenburg und im Tauber- und Kochertal aufgespürt, das macht insgesamt rund 100, bis vor kurzem noch ausgestorbene Sorten, die nicht in deutschen Genbanksortimenten vorhanden waren. Insbesondere die über 80 Jahre alten Weinberge und die ostdeutschen Weinbergsbrachen aus dem 19. Jahrhundert beherbergen ganze Scharen heute übersehener und vergessener Sorten wie z.B. den Schwarzen Tokayer / Gros noir (BABO&METZGER) und den schwarzen Englischen Gambro (KERNER) von der Elbe oder den echten Tauberschwarz / Großschwarz (KERNER) aus dem polnischen Grünberg. Dutzende, in Deutschland verschollene Sorten sind im Rahmen von Sortensuchprojekten in den deutschsprachigen Kantonen der Schweiz gefunden worden, darunter der Blaue, Violette und Schwarze Muskateller (TRUMMER), der Blaue Muskatgutedel (BABO&METZGER), die Rote Babotraube (BABO&METZGER), der Clävner (BABO&METZGER), ein Rotwelscher (Roter Heunisch) oder der rundbeerige Kilianer (KERNER). Aus dem alpinen Frankreich oder Italien bekannte Sorten wie Peloursin (Thunerrebe), Gros Bourgogne (Plantscher), Fintendo, die verwandten Sorten Dureza (GALET) und Erlenbacher (= Blauer Riesling BABO&METZGER), Briegler (nordalpischer Bondola-Klon), Frühe Violette (NEGROUL) oder Gamay hatif (GALET) waren offensichtlich auch in der Deutschschweiz, am Bodensee und am Oberrhein verbreitet, ebenso wie einige rätisch-lombardische, albanensisch-savoyische, vallensisch-augustinische und freigräflich burgundische Sorten. Mindestens 30 ausgestorbene, zentraleuropäische Sorten warten auf ihre Rettung in Magaratch, dem einstigen Vorzeigesortiment der Sowjetunion im Westen der Krim. Bei meinem 14-tägigen Besuch habe ich dort Dutzende verschollener Sorten wie den Mohrenkönig (TRUMMER) oder das Braune (= Hartheunisch) wiederentdeckt, auch Sorten wie Black Prince, den Erzherzog Johann, die Supertraube, die Zottlige Traube und die schwarze Vogeltraube oder einen weiteren Frühen Leipziger, einen neuen Blauen Silvaner und eine zusätzliche Laantraube, von deren Existenz man bisher nichts wusste.

Vor dem Beginn der nationalen Erhebung existierten nach eigener Zählung etwa 335 historische Rebsorten mit wenigen, oft viruskranken Restexemplaren in den mir bekannten, staatlichen oder privaten Züchtersortimenten. Das sind etwa 45% der historisch eingebürgerten Sorten, wenn man internationale Sorten wie Cesar (= Cleovane KERNER), Cabernet Sauvignon (= Faux Tinto KERNER), Garnacha Tinta (= Lisbonne KERNER), Merlot (= Alicant KERNER), Tempranillo (= Le noir d'Espagne KERNER) oder Saperavi (= Bleu d`Assyrie KERNER) mitzählt, die bereits im Winter 1749/ 1750 nach Cannstadt importiert wurden. In den Sortensuchprojekten, die ich als Ampelograph in Deutschland, Polen und der Schweiz begleitet oder selbst durchgeführt habe, sind seit 2005 rund 130 vorher unbekannte Sorten wieder aufgetaucht. Das sind 18% Neu- und Wiederfunde verschollener, ausgestorbener, übersehener und verkannter Sorten, die allein auf meine Arbeit in den nationalen Erhebungsprojekten in der Schweiz, in Polen und in Deutschland zurückgehen, darunter etliche Hauptsorten des 18. und 19. Jahrhunderts. Jedes Jahr kommen einige neue Sorten dazu, wie jüngst die Eichenblättrige Tantowina (TRUMMER), die Große Kauka (TRUMMER) oder die echte weiße Korinthe (BRANAS&TRUEL), die mit dem kernlosen Heunisch (Aspirant DLR) in den deutschen Sortimenten wenig zu tun hat. Im Moment gehe ich davon aus, dass von den 730, historisch im deutschsprachigen Raum dokumentierten Sorten von Wein- und Tafeltrauben noch mindestens 500 Sorten real existieren. Im Moment kenne ich die ex-situ und on-farm Standorte von 470 einst historisch eingebürgerten Sorten, die ich unter Tausenden von Sortimentspflanzen und Weinbergsreben wiedererkannt und fotografiert habe. Rund 15 % der ampelographisch beschriebenen Sorten sind immer noch verschollen. Rund 20 % der Sortenidentitäten werden ohne vergleichende Studien in den großen Sortimenten von Frankreich, Italien, Ungarn oder Magaratch wohl nie aufzuklären sein.

Alte churfränkische Weinlagen in Klingenberg mit teils wirzelechter gemischter Bestockung. Foto: Thomas Riedl

Alte churfränkische Weinlagen in Klingenberg mit teils wirzelechter gemischter Bestockung. Foto: Thomas Riedl

Rebsortenarchive – letzte Refugien der einstigen Rebsortenvielfalt
Eigentlich sind Sortenneufunde in diesem Ausmaß eine Sensation, aber die deutschen Weinbauinstitutionen hat dies bisher wenig interessiert. Die 1929 von nationalsozialistischen Reichsrebenzüchtern in Österreich und Deutschland verordnete Sortenarmut gilt heute als Naturgesetz. Die neue Religion heißt markergestützte, pyramidisierte Kreuzungszüchtung, die mit superresistenten Hybridsorten alles Übel beseitigen will. Währenddessen läuft die Zeit für klassische Klonenzüchtung unweigerlich ab, mit dem Verschwinden der alten Rebenbestände und der Rodung der letzten alten Hausstöcke findet auch die Ära der Freilandampelographie ein trauriges Ende. Ich schätze, dass mindestens 35% der von mir bis 2010 inspizierten, wurzelechten Weinberge mittlerweile aus Altersgründen aufgegeben und gerodet wurden. Bereits während der Erhebung waren in Franken mehr als die Hälfte der alten Weinberge nicht mehr existent, die in der Weinbaukartei in 2006 noch vermerkt waren. Nach all dem Inventarisierungsaufwand muss die Frage erlaubt sein: Wozu gab es eine nationale Sortenerhebung, wenn das zuständige Ministerium sämtliche Ergebnisse, Erkenntnisse und Empfehlungen des 255 Seiten umfassenden, zweiteiligen Abschlussberichts mitsamt den dazugehörigen, quantitativen und qualitativen Datensätzen unter Geheimhaltung stellt und seine Staatsdiener das Thema aussitzen lässt, so lange bis auch der letzte alte Weinberg gerodet sein wird?

In meiner persönlichen Verantwortung für das weinbaukulturelle Erbe habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, die alten Sorten und Klone in Eigeninitiative in privaten Rebsortenarchiven zu erhalten. Rund 280 historische Sorten und mehr als 1400 autochthone Klone alter Sorten habe ich mittlerweile ohne jegliche staatliche Hilfe eingesammelt und auf mittlerweile mehr als 2,5 ha mit Unterstützung von privaten Weingütern und Rebschulen und der wohlwollenden Begleitung der Genehmigungsbehörden angepflanzt. Im regulären Versuchsanbau mit mehr als 300 Stock befinden sich die Sorten Adelfränkisch, Affenthaler, Blauer Elbling, Grünfränkisch, Honigler, Kleinberger und Roter Veltliner, mehr als 100 Stöcke existieren z.B. von Primitivo, Süßschwarz, Bettlertraube, Grüner Veltliner, Räuschling und von weiteren, nicht klassifizierten Sorten. Des Weiteren wurden Klonarchive für nahezu alle klassischen Sorten angelegt, insbesondere für den Weißen Elbling und Traminer, aber auch für Chardonnay, Auxerrois und den weißen Muskateller, ebenso für Lemberger, St. Laurent, Tauberschwarz, Trollinger und Portugieser u.a. Es handelt sich ausschließlich um deutsche, klimaerprobte Klone. Erhaltungspflanzungen von königlichen Tafeltrauben stehen in Potsdam und in Würzburg, ein Genreservoir von Sortenaufsammlungen aus verwilderten, schlesischen Weinbergen wurde in Rheinhessen etabliert. Im Gegensatz zur staatlichen Genotypenerhaltung versuche ich, auch die nicht kommerziellen, autochthonen Sorten in der noch vorhandenen Klonenvielfalt zu erhalten. So sind nicht wenige historische Sorten nach züchterischer Selektionsarbeit wieder mit virusfreiem Klonmaterial verfügbar. Allein vom Blauen Elbling habe ich über 50 virusfreie Klone selektiert, vom Grünfränkisch sind es 19, von Primitivo und Adelfränkisch je 12, vom Schwarzurban 8, von Weißen Räuschling 6, vom Frühen Ungarn 5, vom Kleinen Burgunder, Hartblau und Kleinberger sind es je vier. Viel mehr virusfreies Material ist von diesen Sorten nicht übrig geblieben. Dieses Sortenmaterial stammt ausschließlich aus Freilandfunden und deckt sich nicht mit den Akzessionen historischer Sorten in der DGR, die mehrheitlich virös und aus Sortimentsbeständen des vorletzten Jahrhunderts bestückt sind. Meine Rebsortenarchive sind nicht für die Ewigkeit gesichert, aber hätte ich die alten Sorten in den letzten alten Weinbergen nicht eigenhändig und auf eigene Kosten eingesammelt, es gäbe diese einzigartige Sammlung autochthoner Sorten und züchterisch selektierter Klone schlichtweg nicht.

Der Südpfalzweinberg ist ein Archiv unserer Weinkultur. Helft mit, ihn zu erhalten!

Der Südpfalzweinberg ist ein Archiv unserer Weinkultur. Helft mit, ihn zu erhalten!

Die Zukunft der alten Sorten liegt in ihrer Vergangenheit
Ob die alten Sorten den züchterischen Aufwand Wert sind, wird man sehen. Vermutlich nicht ohne Grund waren der Kleine Burgunder (SINGLE), Gouais noir (GUICHERD), Mohrenkönig (TRUMMER), der Blaue Ortlieber (TRUMMER) oder Cot (GALET) und Malbek (PULLIAT) noch vor 100 Jahren Hauptsorten, die historisch die Mischsätze an Bodensee und Rhein, in der Nordschweiz, in Ostdeutschland und in der Steiermark oder in Nord- und Westfrankreich dominierten. Im schwierigen und kurzen Wachstumsjahr 2013 erreichte der Kleine Burgunder

Anfang Oktober mühelos 95° Öchsle bei 0% Botrytis-Befall, während die Trauben an den Nachbarstöcken des Pinot noir zu 70% verfault waren und kaum 80° Öchsle erreichten. Die bereits von Tragus im 16. Jahrhundert für die Südpfalz erwähnte Edelsorte Grün Fränkisch (syn. Jofele Fränkisch, Gutfränkisch, Gutelbling, Gelber Elbling, Wormser) wurde unerkannt wie einst Chardonnay und Auxerrois unter dem Label Weißburgunder angebaut; der hocharomatische, intensiv nach Citrus-Früchten duftende und schmeckende Wein des Grünfränkisch gewann als Weißburgunder bereits Auszeichnungen. In Ungarn gehörte die Sorte zu den Besten unter den Weißweinsorten. Der in Franken und an der Saale wiederentdeckte Süßschwarz (Schwarzer Schirwaner, Blauer Hängling) wurde vom Hofbotaniker KERNER als Pierre Grave dokumentiert. Der Name dürfte richtig Pierre gravée geheißen haben, was soviel wie Edelstein (Gemme) bedeutet. Wie Pinot und Traminer ist der Süßschwarz eine genetische Schlüsselsorte, von der eine Reihe mährisch-transsilvanischer Sorten wie Affenthaler (Bethlentraube), Tauberschwarz (BSA), Weißer Lagler (KERNER), Trussiaux (KERNER), Blauer Räuschling (TRUMMER) und Petit Béclan (GALET) abstammen, vermutlich auch das in Brandenburg entdeckte Möhrchen (TRUMMER) und das bei Halle in einem Rosengebüsch überdauernde Möhrchen (BABO&METZGER). Auch mit Petit Béclan (INRA) und Elbling (syn. Mährer) besteht ein genetischer Zusammenhang. Das alles macht es wahrscheinlich, dass der schwarze Edelstein bereits in der Antike und bis ins Mittelalter großflächig als schwarzer Zierfandler, Blauer Silvaner oder Scharwaner in den dakischen Karpaten angebaut wurde. Die Daker korrespondieren mit Dagestan, die Mährer mit den Mo'Eri in Aserbaidschan und Kachetien. Die antike Weinregion Schirwan liegt im Westen des Kaspischen Meers und zog sich vom Mündungsdelta von Kura und Araxes bis in den Rand des nordiranischen Küstengebirges. Von Schirwan (Servan) und den beiden namensgebenden Völkern der Churri (Kura) und Vain (Vansee) leiten sich nicht nur die Serben und Sorben ab, sondern auch die Savoyer Sorte Servanin und davon abgeleitet die Sortenkomplexe um Savagnin und Sauvignon. Der schwarze Schirwaner teilt mit der altfränkischen Sorte Hartblau (syn. Oriou, aus dem Arabischen für Pflaumenblau) 11 von 12 Allelen, ohne dass sich die Sorten ähnlich wären. Die Sorte Hartblau ist frosthart, vollkommen fäulnisresistent und erreichte im Herbst 2012 gute 100 °Öchsle. Der dunkelrote Wein geht in die Richtung von Cabernet-Weinen, einziger Nachteil ist das geringe Ertragsniveau. Unbestreitbar sind viele der wiederentdeckten Sorten archäologische Preziosen und echte Museumsstücke, die bis in die Antike zurückreichen: Südlich und östlich des Urmia-Sees siedelten Mannäer (Minni) im Königreich Mannai, die für die römische Sortengruppe der Aminea (Ham-Minni), aber auch für die Walliser Sorte Amigne und für den Traminer (Drei Männer, tra Minni, Thur-Minni) namensgebend waren. So muss man sich nicht wundern, dass alte Walliser Kernsorten wie Rèze mit der Stadt Rezaieh am Urmiasee korrespondieren, die auf Syrisch und Kurdisch Ur-Miya, Stadt am Wasser, genannt wurde. Die persischen bzw. aserischen Bezeichnungen Orumiyeh – Urumiyə finden sich in den drei Walliser Humagne blanc, Humagne rouge und Humagne gris wieder. Zumindest der Weiße Humagne wurde als Weißer Hängling (BABO&METZGER) aus der Oberrheinebene dokumentiert. Zwischen den Ländern Mannai und Parsua lag das Königreich Allabria (Allaab/pria), das offensichtlich die Heimat der Allobroger und der Allobrogerrebe war. Die rätische Rebe und die Ur-Räter leiten sich vom vorarmenischen Königreich Arata ab, das nach den Hurrtiern benannt ist. Damit erschließt sich auch die Herkunft der an der Bergstraße gefundenen, steirischen Sorte Kanigl, die auf das hurritische Reich Hanilgabat (Ḫa-ni-kal-bat) in Südostanatolien zurückgeht. Selbst wenn der „landeskulturelle“ Wert vieler dieser teils spät reifenden, beste Lagen benötigenden Sorten nach modernen und kommerziellen Maßstäben nur mäßig sein sollte, diese Sorten sind unser weinbauhistorisches Erbe, ein anderes haben wir nicht. Viele Sorten haben Jahrtausende im Mischsatz überdauert. Ein sortenreiner, industrieller Weinbau war für diese eher ertragsschwachen und oft physiologisch weiblichen Sorten nie vorgesehen. Ohne tatkräftige und finanzielle Unterstützung werden sie die nächsten Jahrzehnte nicht überleben. Schön reden und Däumchen drehen bewahrt keine einzige Sorte vor dem Aussterben.

Mein herzlicher Dank gilt allen, die mich bisher25 beim Aufbau der Rebsortenarchive tatkräftig unterstützt haben. Wer die Sortenerhaltung in Rebsortenarchiven unterstützen will, kann dies durch Rebsortenpatenschaften tun: www.rebenpatenschaft.de.

Wer alte Sorten wieder in den Anbau nehmen will, kann sich hier orientieren: www.historische-rebsorten.de.

Alte Weinberge – Alte Rebsorten: Einblicke in eine ganz andere Weinbautradition Teil 3

18/Aug/15 12:00 kategorisiert in: Rebsorten

Stammt der Cabernet aus Albanien und der Pinot noir aus Moldawien? Wenn man nachvollzieht, was Andreas Jung schreibt, dann ist zumindest klar, dass die Rebsorten europäischer sind als wir Menschen uns häufig gebärden. Es gibt seit Jahrhunderten einen Rebsortenaustausch innerhalb der europäischen Völker. Vom Schwarzmeer bis zum Mittelmeer.

Andreas Jung, der Autor dieses Textes ist einer der führenden Rebsortenforscher, Ampelographen genannt. Mich fasziniert die Ampelographie, das Erkennen der Rebsorten und vor allem ihre historische Verbreitung zunehmend. Ich musste aber kürzlich in einem Austausch mit Andreas Jung feststellen, das alles noch viel komplizierter ist, als ich mir es vorgestellt habe. Viele Aussagen, die in der Vergangenheit zur Namensgebung und Abstammung von Rebsorten getroffen wurden, müssen immer wieder in Zweifel gezogen werden.

So geht es in den nächsten Folgen um alte Weinberge mit alten Rebbeständen und Andreas Jung zeigt exemplarisch anhand einiger Sorten, wie schwierig die Suche, die Bestimmung und der Abgleich mit früheren Aussagen ist.

Ihr könnt die Arbeit von Andreas Jung unterstützen. Dieser baut nämlich ein lebendiges Archiv mit alten Rebsorten auf. Wie wäre es mit einer Rebpatenschaft? Sie hilft Andreas dabei, seine aufwendige und teure Arbeit fortzusetzen. Sie bedeutet auch, dass Rebsorten konserviert werden können, die sonst – so wie viele andere auch – aussterben. Wer die Sortenerhaltung in Rebsortenarchiven unterstützen will, kann dies durch Rebsortenpatenschaften tun: www.rebenpatenschaft.de. Wer alte Sorten wieder in den Anbau nehmen will, kann sich hier orientieren: www.historische-rebsorten.de.

 

Historische Ampelographie
Beim Sortenvergleichen hat sich grundsätzlich gezeigt, dass insbesondere die deutschsprachige Sortenliteratur des frühen 19. Jahrhunderts von einem hohen Qualitätsstandard zeugt und das Differenzierungstalent der meisten Autoren belegt. Allerdings macht die uneinheitliche Terminologie der verschiedenen Autoren große Probleme. Das Phänomen, dass diverse Autoren unterschiedliche Sorten aus verschiedenen Regionen identisch (homonym) oder ähnlich bezeichnet haben, zieht sich wir ein roter Faden durch die ampelographische Literatur. Dabei sind es nicht nur die Irrtümer, Verwechslungen oder vorschnelle Gleichsetzungen, die zum Phänomen der Homonomie (gleicher Name für verschiedene Sorten) geführt haben. Insbesondere alte Sorten waren Bestandteile mittelalterlicher Sortenschwärme, deren Sorten aufgrund ihrer Ähnlichkeit oder Herkunft einen gemeinsamen Familiennamen trugen. So gibt es unter dem Gruppenlabel Blaue Silvaner / Zierfandler (= Blaue Reben aus Schirwan) mittlerweile acht differenzierbare Sorten, darunter der Blaue Silvaner (= Affenthaler), der schwarze Zierfandler aus Franken und Ostdeutschland (=Süßschwarz), der Blaue Silvaner in Magaratch und der in Saale-Unstrut gefundene, ebenfalls vom Bodensee dokumentierte Blaue Silvaner (BABO&METZGER). Letzterer ähnelt wie beschrieben im Blatt sehr dem Spätburgunder, unterscheidet sich aber durch eine nicht wollige, nur fein borstige Blattunterseite und grauduftige, eher elliptische Beeren an größeren Trauben. Von Roten Traminern und Ortliebern gibt es je vier Sorten, von weißen Traminern / Weißfränkischen mindestens drei Sorten. Fünf differenzierbare Weißweinsorten wurden unter dem Namen Elbling beschrieben, darunter auch der lothringische Aubin vert (GALET). Ähnliche Sortenkomplexe existierten von Honiglern (Mezes, Meslier, Metsüße als Verballhornung von Mezes), von roten und weißen Veltlinern oder Zierfandlern, schwarzen und weißen Tokayern, von Kölnern und Schlehentrauben, von Großschwarzen, Schwarzelblingen, Wildbachern, Augstern und Mohrenkönigen (Black Prince). Multiple Sorten gibt es von Malvasiern, von blauen und schwarzen Muskatellern, von Gutedeln, der dinarisch-moreotischen Pinneaux-Gruppe, in der Weißburgunder-Familie oder in der Gruppe der Brégins / Briegler. Die Sorten innerhalb dieser Sortenfamilien ähneln sich teils frappierend; oft sind sie geschwisterlich oder stiefgeschwisterlich miteinander verwandt oder haben sich mit Geschwistern, Elternsorten oder entfernteren Verwandten rückgekreuzt. Es sind Sortenpopulationen, die nach Völkerwanderungen, Kriegswirren und Epidemien in den verbuschenden Kulturbrachen als Sämlinge frühantiker Stammsorten spontan entstanden und mit Sträuchern und Pionierbäumen aufgewachsen sind.

Der Fall des römischen Reiches ging mit der vorübergehenden Abschaffung der Sklaverei einher: Die teils 50 ha großen Weinberge der römischen Großgrundbesitzer in Pannonien fielen brach, tausende Reben aus einer noch überschaubaren Zahl von antiken Gründersorten verwilderten. Insbesondere südlich des 45. Breitengrads, in wintermilden Weinbaugebieten mit regelmäßigen Sommerniederschlägen, entstanden aus herabgefallenen Kernen antiker Stammsorten regional spezifische, kreuz und quer gekreuzte Sämlingspopulationen, die unter dem perhumid subtropischen Weinbauklima Galiziens, Aquitaniens, der Balearen und Korsikas sowie im regenreichen Luv der Südwestalpen, des westlichen Apennins und des westlichen Balkans ganze Sekundärwälder überwucherten. Je mehr Sämlingsgenerationen auf diesem Wege in den Kulturbrachen entstanden, desto häufiger konnten sich die jüngeren Sorten mit älteren Generationen und deren antiken Stammeltern rückkreuzen, sodass sich die Sortensämlinge untereinander immer ähnlicher und inzestuöser wurden. Insbesondere wenn die Stammeltern wie am Kaspischen Meer sehr alt waren und noch viele Homozygotien der Allelpaare aufwiesen, blieben sich auch die Geschwistersorten genetisch sehr ähnlich, ohne sich notwendigerweise ähnlich zu sein. In Friedenszeiten schnitt man von den verwilderten Reben Stecklinge und begründete so die früh- und hochmittelalterlichen Mischsätze in Ost- und Südeuropa neu mit einem Gemisch aus antiken Stammsorten und ihren geschwisterlichen, stiefgeschwisterlichen und inzestuösen Sämlingen. In der Warmphase des Hochmittelalters gelangten ganze Schiffsladungen von Edelreisbündeln aus Despotaten, Handelskolonien und Kreuzfahrerbastionen nach Italien und Südfrankreich. Am Zielort wurden die Edelreiser zu Stecklingen zurechtgeschnitten, bewurzelt und in den Weinberg gepflanzt. So duplizierte man 1:1 die Sortenspiegel in den Weinbergen der Exportregionen, die seit den demographischen Verwerfungen der Völkerwanderungen Mischsätze mit Dutzenden untereinander verwandter Sorten waren. Nach der Herkunftsregion oder Entnahmelokalität wurden die importierten Sortengemische mit einem gemeinsamen Familiennamen bezeichnet. Das machten bereits die Römer so. Wer wollte daran zweifeln, dass die von den vorchristlichen Römern gepriesenen, kampanischen Rebsorten Aminea syriaca und Aminea germanyka Importe aus Nordsyrien waren. Der Weinort Germanikeia lag im Westen der antiken, syrischen Landschaft Kommagene (späthethitisch: Kummuḫ), die schon Wein nach Assur in Mesopotamien exportierte, noch bevor dort Wein selbst angebaut wurde. Nach Kummuh ist die historische Rebsorte Blauer Kummer (KERNER) benannt, die nicht zufällig der Sorte Syrah (syn. Schiras, Sirac) frappierend ähnlich sieht. Im Nordosten von Kommagene befindet sich die urartäische, heute armenische Weinregion Schirak, die wie die iranische Stadt Shiraz nach den Shiraken bzw. Sarrazenen benannt ist, die im vedischen Indien als Kiratas bekannt waren. Diese Stammesunion aus koreanischen Ghor und ostsibirischen Russ gab auch der nordiranischen Weinregion Chorasan und dem ungarischen Körös ihren Namen. Die Grk, die Verkürzung von Ghor-Rug kennen wir aus dem eisenzeitlichen Griechenland.

Wurzelechter Gemischter Satz. Foto: Thomas Riedl

Wurzelechter Gemischter Satz. Foto: Thomas Riedl

Nördlich der Alpenpässe und nördlich der Loire in der klimatischen Region Zentraleuropa stießen die meisten der eher subtropisch geprägten Sortenstecklinge an ihre natürlichen Frost- und Reifegrenzen. Die mittelalterlichen Sortenspiegel Zentraleuropas gehen deshalb nahezu ausschließlich auf Importe von Edelreisbündeln aus osteuropäischen oder zentralasiatischen Weinbauregionen mit subkontinentalem Waldsteppenklima, Sommertrockenheit und kalten Wintern zurück, wo die subtropisch geprägten, neolithischen Urrebsorten in den winterkalten Grenzgebieten des Weinbaus durch Einkreuzung von baktrisch-turanischen, araxisch-hyrkanischen und danubisch-pontischen Wildreben eine gewisse Frosthärte, verkürzte Wachstumszyklen und eine frühere Reife erlangt hatten, zum Preis teils erheblicher Ertragsreduzierung. Der Rebanbau in der Walachei und in Moldawien ist bereits in den Hinterlassenschaften der Cucuteni-Tripolje- Kultur (4900 – 3500 v.Chr.) belegt, auch die Vinca-Kultur (5500-4500 v.Chr.) kultivierte bereits Reben. Die Rebe der Vinaca (Vin-Nakh, Vainakh) kennen wir vom westlichen Balkan als Phinatz, in der steirischen Schreibweise als Pineaux (Pinot). Für den wiederholten Export ins Frankenreich schnitten die bairisch- fränkischen Siedler bereits seit dem Frühmittelalter bündelweise Edelreiser, zunächst aus den Weinbergen der Awarenmark, Karantaniens und des Bairischen Ostlands, später auch aus dem Heanzenland (Burgenland), aus Goßmähren, Siebenbürgen, dem Banat oder dem Burzenland. Aus den deutschen Siedlungsgebieten in Osteuropa exportierte man so die lokalen Mischsätze nach Zentraleuropa, wo neue Weinberge mit bewurzelten Stecklingen dieser altfränkischen und hüntschen Edelreiser angelegt wurden. Hansen (Kleiner Veltliner), Hinschen (Putzschere), Heinzen (Räuschling), Hennequin (Meslier) oder Hüntsch (Heunisch) haben nichts mit den Hunnen zu tun, umso mehr mit den Hienzen, den fränkischen Siedlern im Burgenland, die seit etwa 1000 n.Chr. dort siedelten. Aus Dokumenten des Klosters St. Gallen geht hervor, dass eine Abfolge sehr strenger Winter den Weinbau in der Nordschweiz um die Jahrtausendwende zum Erliegen brachte, was in den Folgejahren eine enorme Nachfrage nach Rebsetzlingen aus Ungarn und der Ostmark geschaffen haben dürfte. Insbesondere die alten Mischsätze Rheinhessens, der Bergstraße, Schwabens, Frankens und an der Saale sind ein über die Zeit verzerrtes Spiegelbild des historischen Sortenspektrums aus Herkunftsregionen wie Südtirol,

Kärnten und Slowenien, dem Burgenland, Westungarn und Syrmien, dem Banat und Transsilvanien sowie Mähren und das Ofner- oder Tokayer Gebirge. Hüntsche Sorten wie Fütterer, Weißer Heunisch, Honigler, Langstieler (= Hosszünyelü-NEMETH), Lindenblättriger (= Harselevelue NEMETH), Ellender (=Weißer Tokayer TRUMMER), Orleans, Welschriesling, Mittelgroßer und Großer Veltliner, Pamid, blauer Blank, Bettlertraube, blauer Elbling, Kadarka, Lemberger, Portugieser, Laska, Gänsfüsser oder Primitivo stehen bis heute wurzelecht an der Bergstraße, als hätte man gerade einen heanzen Mischsatz aus „Deutsch-Westungarn“ importiert. Auch bundesweit zeigt die Zusammensetzung der deutschen und schlesischen Mischsätze, dass die mittelalterliche und postosmanische Siedlungstätigkeit deutscher und wallonischer Siedler im winterkalten Osteuropa wesentlich zur Herausbildung des nordalpid, zentraleuropäischen Sortenspektrums in der Nordschweiz, in Deutschland, der Franche-Compté und in Nordfrankreich beigetragen hat. Um 1200 gründeten Zisterzienser ein Kloster in Abtsdorf, das zur Mutterabtei von Pontigny im Chablis gehörte und die Präsenz Siebenbürgischer Sorten im Herzogtum Burgund erklärt. 1223 wurde in der Südslowakei das Zisterzienserkloster Zips (Spišský Štiavnik) gegründet, das eine Tochterabtei des Kloster Morimond in der Champagne war. In unmittelbarer Nachbarschaft von Zips liegen die Ortschaften Kelemer, Jardanazha und Kissitator, die fatal an die Sorten Klemmer (Klemmer = Elbling, Gelbhölzer oder Pinot), Chardonnay, Jardovany und Iordan, sowie Visitator (= Fütterer) erinnern. Damit dürfte sich der Name Fütterer auf Feldioara (Föld-var, Marienburg) in Siebenbürgen beziehen, wo der Deutschritterorden 1211 eine Burg mit Weinbergen in den Hanglagen errichtete. Riesling und Fütterer teilen elf von zwölf Allelen, somit dürfte auch die Herkunft des Rheinrieslings geklärt sein. Deutsche siedelten auch in den Südalpen. Die engen Beziehungen des Herzogtums Schwabens in die rätische Ostschweiz, die Lombardei und Südtirol spiegeln sich bis heute in den Sortengruppen der Blau-, Rot-, Zottel- und Römerwelschen oder in den Vernatsch-Sorten an Neckar und Enz wider.

Schweizer Sortennamen wie Mörchel (slowenisch: Morshina), Kriechentraube (vom Kriechenberg in Slovenien), geschlachter Burger (vom Schlachtenberg im Burgenland), Scheuchner (von ungarisch Sheikürn), Himpertscha (aus Himpeetz oder Himberg in Westungarn bzw. Niederösterreich), Completer (nach Kamp in Niederösterreich), die weiße Urbanitraube, Urban und Vernatsch (nach Vrbanje, Vrban und Vernaz in Kroatien) oder Lafnetscha (aus Lafnitz oder Laßnitz) zeugen von direkten Verbindungen der Schweizer Alemannen nach Niederösterreich, Westungarn und in die Steiermark. Die 1644 als Puznising im Tirol erwähnte Rebsorte Pozsonyi Feher (NEMETH) stammte aus Pozsony (Pressburg, Bratislava). Auch alte, französische Sortennamen wie Les Moreotés (von Morea), Les Pineaux, Les Troyens (Drauiens, von der Drau), Les Trussiaux, Les Gamez, Goix (Gouais), Gueuches, Les Cots rouges et verts, Romieux (Römer) oder Les Gros noirs sind im Plural gehalten. Sie spiegeln mittelalterliche Sortenimporte des 13. und 14. Jahrhunderts wider. Vermutlich aus Anlass des Jahrtausendhochwassers von 1342 dürften die Herrscher aus dem älteren Haus Anjou bündelweise Rebsetzlinge aus ihren Königreichen und Despotaten in Ungarn (1308–1395), in Kroatien, Dalmatien und in der Romania (Albanien, Durrazo, Epirus, 1313–1374) sowie aus Neapel, Sizilien, Achäa und Jerusalem (1266–1435) in ihre Besitzungen nördlich der Loire eingeführt haben. Ab 1375 bzw. 1394 tauchen erstmals die Sortengruppen Pynots, Terceaulx und Servigneans an der Yonne auf. Bisher niemand aufgefallen sind die häufigen Korrespondenzen, die zwischen albanischen Ortsbezeichnungen und französischen Sortennamen bestehen. Mindestens 30 französische Rotweinsorten leiten sich ab von albanischen Orten wie Armen (Aramon, Arménien), Berat und Kotë (Béraou = Côte = Côt = Coté), Durres oder Darëzezë (Duret, Dureza, Duraze, Durasa), Ferres (Fer agg. = 7 Sorten), Vlorë (Flouren, Fleuron), Laparda (Lampart, Lampert, Lambert, Lombard), Lezhë (Laska), Lushnjë (Luckens, Lucens = Cot), Kamëz (Gamez), Karbunarë (Cabernet), Kavajë (Cavalier = Len de l`El), Kratine (Crédinet = Pinot Meunier), Kutalli (Coutaillaud = Pinot), Pinet (Pinot), Pinar (Pineau), Pukë (Pouket, Pougnet), Shkozë (Sciocchera = Fuella), Trush (Troussé, Trousseau, Tressot, Trouchet = Cabernet Franc oder Cruchen blanc) oder Valias (Valais). Dasselbe gilt für mindestens 16 Weißweinsorten: Allgjatë (Aligoté), Arbanë (Arbane), Bërdicë (Verdesse), Fier (Fier-Sauvignon), Lushnjë (Lauzet, Lausan, Laussannois), Kaninë (Chenin), Kërkovë (Cargomuou = Calitor, Cargue), Mëzes (Meslier), Kolonjë (Colon = Gros Verdot, Colombé = Colombard), Qerret (Cérès), Seman (Sème), Tërpan (Terbain = Trebbiano = Ugne), Zejmen (Semillon) oder Trevëlassër (Tressallier). Ähnliche Bezüge zwischen albanischen Ortschaften und Sortennamen könnten für Pëllumbas (Palumbo in Bari, Palombara Sizilien), Rërëzë (Rèze im Wallis), Bërxullë (Versualin im Südtirol, Brusselois = Frankenthaler) und Risili / Risilia (Riesling) geltend gemacht werden. Der albanische Stamm der Arbëresh dürfte namensgebend für die oberrheinische Sorte Arbst gewesen sein, die epirotischen Tschamen (Çamët) finden sich im Ort Kamëz und in der Sortenbezeichnung Gamay (Les Gamez) wieder. Offensichtlich wären die französischen Weine ohne den Import albanischer Sorten nach Frankreich nie berühmt geworden. Wenn ganze Sortenschwärme wie Les Cots rouges et Les Cots verts aus Kotë in Albanien stammen, muss Sortengeschichte neu geschrieben werden. Wenn antike Stammsorten zusammen mit ihren Sämlingssorten als Sortengemische nach Frankreich exportiert wurden, was sagen Verwandtschaftsverhältnisse dann noch über die Herkunft aus? Mutter- und Kind-Sorten können genauso gut importiert worden sein, insbesondere dann, wenn französisch vereinnahmte Sorten wie Merlot vor 200 Jahren in Deutschland noch Alicante hießen.

Wurzelechter Gemischter Satz. Foto: Thomas Riedl

Wurzelechter Gemischter Satz. Foto: Thomas Riedl

Aussagekräftiger sind Sortennamen und ihre Bedeutungen wie z.B. Haida. Wer waren die Heiden, deren Weingärten die Walser bei der Kolonisierung des Oberwallis auf künstlich bewässerten Terrassen vorfanden und deren Rebsorten sie nach den vertriebenen Mauren Heidentrauben (Haida / Paien) nannten? Die Häufung von Mohrenkönigen, Morillons (Maurillons), Mouron, Negrettos, Negret, Orious (arabisch für pflaumenblau), Ouron / Mouret (Chatus), Maiolet (tadschikisch: Mai = Rebe), Schirwanern (Servanins, Savagnin), Persern (Persagne, Persan), Barbaren und Heidentrauben im sarazenisch besetzten Alpenraum ist augenfällig. Diese Sorten verdanken wir höchstwahrscheinlich den ostmediterranen Mauren, iranischen Sarazenen und nordafrikanischen Berbern, die wie schon die Römer, Punier, Amorriter, Iberer und Tartasser nordsyrische, iranische und kaspische Sorten in die Kalifate in Nordafrika, Al Andaluz und auf die Balearen importierten, aber offenbar auch zum Sortenspektrum auf dem Westbalkan, in Malta und Sizilien, in Korsika und Sardinien, im Piemont, im Wallis und im Königreich Burgund beigetragen haben. Mehrere Orte mit dem Namen Sarak (Sarrak, Sarrag) in Aserbaidschan und den iranischen Nordprovinzen Alborz, Gilan und Khorasan sowie Khuzestan (Susiana) und Hormozgan im West- und Südiran weisen auf die kaspisch-westiranische Herkunft der Sarazenen hin. Sie wurden gewöhnlich mit den frühmittelalterlichen Mauren gleichgesetzt, die jedoch auf die syrisch-mesopotamischen Amorriter bzw. auf die Mavro in der Region Margiana im Nordiran zurückgehen. Wenig Zweifel bestehen daran, dass auch die oberrheinischen Sorten Da-meron (syn. Pinot rouge, Valais noir), Si-moro (Noir de Lorraine, Noir got, Gros Bec, Cot rouge) und Sa-moreau (Cot, Mal Bek, Negrier) auf den Wortstamm Ceau Moreau (Rebe der Mauren) zurückgehen, ebenso wie Dutzende von Sorten mit den Familiennamen Moret, Moreau, Morineau, Morillon, Moreoté, Morastrel und Negretto. Malbek dürfte von der Stadt Baalbek in der Bekka-Ebene abgeleitet sein. KERNER zeichnete den Dameron (ROUGET) als Clariet rouge, was mit dem Basler und Straßburger Claretwein (Hypokras) korrespondiert, der die Urform des mit Zucker und orientalischen Gewürzen gewürzten Glühweins darstellt. Bereits 1487 wurden im Schweizer Altdorf Weine von Malvoisie, Klaret, Hypokras, Veltliner und Elsässer verköstigt. Es spricht einiges dafür, dass der mit Zimt, Nelken, Muskatnuss, Orangenblüten, Ingwer und Kardamom gewürzte Claretwein auf die Mauren im sarazenisch besetzten Königreich Niederburgund zurückgeht, die im Frühmittelalter keine Probleme hatten, die teuren und seltenen orientalischen Zutaten aus ihrem vom Indus bis nach Westafrika reichenden Weltreich zu beschaffen. Sarazenen aus Fraxinetum (Freixenet) bildeten die Schutztruppen von Hugo I, König der Lombardei und von Niederburgund.

Nach der Vertreibung der Sarazenen spielten im Mittelalter der Kreuzzüge und der Reconquista christliche Mönchsritterorden wie die Templer und Kreuzritter sowie genuesische und venezianische Handelskolonisten eine große Rolle, die im Zuge ihrer Unternehmungen auch Edelreisbündel aus Durrazo (Durasa), Koron auf Morea (Walliser Rebsorte Goron), Smyrna (Izmir), Candia (Kreta), Zante, Malvasia (Monemvasia), dem venezianischen Romania (Peloponnes) und Zypern, aus dem Königreich Kleinarmenien (Kilikien, Nordsyrien) und aus dem Gelobten Land (Damaszener) in französischen und norditalienischen Häfen anlandeten. Französische Kolonisten schickten Rebsorten aus dem zuvor maurischen Al Andaluz in ihre südfranzösische Heimat. Die Staufer importierten Sorten aus ihren Besitzungen in Rätien, der Lombardei, Neapel und Sizilien an den Neckar. Herrscherdynastien wie die Habsburger sorgten für die innereuropäische Verbreitung von Sorten aus Spanien und Burgund in die K&K-Monarchie. Im 18. Jahrhundert nach dem Abzug der Türken war die Weinhauptstadt Oedenburg (Sopron) in Westungarn Umschlagplatz für Sortenexporte aus Deutsch Westungarn ins Herzogtum Württemberg. Über Jahrhunderte hinweg wurden diese importierten Sortenfamilien zusammen mit später hinzugefügten Sorten in Mischsätzen gepflanzt. Was heute nach dem Ende der Kleinen Eiszeit noch übrig ist, wurde über Jahrhunderte positiv im winterkalten Klima Zentraleuropas selektioniert. Erst die Klonenzüchter des 20. Jahrhunderts begannen einzelne Klone von Sorten wie Grüner Silvaner, Pinot noir, Ruländer, Riesling oder den Gewürztraminer herauszupicken und massenhaft zu vermehren. Nach Veröffentlichung der Reichssortenliste im Jahr 1929 durfte die große Mehrheit der „ausländischen Sorten“ und „Bastardsorten“ unter Androhung von Strafe gar nicht mehr vermehrt oder gepflanzt werden. Mit jeder Rodung eines Altbestandes wurden die alten Sorten sukzessive aus dem Anbau genommen und durch Monokulturen mit 15, nach dem Krieg nur noch 12 klassifizierten Traditionssorten ersetzt.

Alte Weinberge – Alte Rebsorten: Einblicke in eine ganz andere Weinbautradition Teil 2

12/Aug/15 12:00 kategorisiert in: Rebsorten

Andreas Jung, der Autor dieses Textes ist einer der führenden Rebsortenforscher, Ampelographen genannt. Mich fasziniert die Ampelographie, das Erkennen der Rebsorten und vor allem ihre historische Verbreitung zunehmend. Ich musste aber kürzlich in einem Austausch mit Andreas Jung feststellen, das alles noch viel komplizierter ist, als ich mir es vorgestellt habe. Viele Aussagen, die in der Vergangenheit zur Namensgebung und Abstammung von Rebsorten getroffen wurden, müssen immer wieder in Zweifel gezogen werden. 

So geht es in den nächsten Folgen um alte Weinberge mit alten Rebbeständen und Andreas Jung zeigt exemplarisch anhand einiger Sorten, wie schwierig die Suche, die Bestimmung und der Abgleich mit früheren Aussagen ist.

Ihr könnt die Arbeit von Andreas Jung unterstützen. Dieser baut nämlich ein lebendiges Archiv mit alten Rebsorten auf. Wie wäre es mit einer Rebpatenschaft? Sie hilft Andreas dabei, seine aufwendige und teure Arbeit fortzusetzen. Sie beduetet auch, dass Rebsorten konserviert werden können, die sonst – so wie viele andere auch – aussterben. Wer die Sortenerhaltung in Rebsortenarchiven unterstützen will, kann dies durch Rebsortenpatenschaften tun: www.rebenpatenschaft.de. Wer alte Sorten wieder in den Anbau nehmen will, kann sich hier orientieren: www.historische-rebsorten.de.

 

Nur historische Referenzen erschließen Sortengeschichte
Der Existenz multipler Sorten unter homonymen Sortenlabels wie Cibeben, Damaszener, Geisdutten und Eicheltrauben, Weiße / Gouays, Orleans, Ortlieber, Urban oder Schiava / Frankenthaler / Vernatsch wird man nur gerecht, wenn man jede einzelne Lebendakzession mit den ampelographischen Beschreibungen abgeglichen und richtig, falsch oder homonym benannte Akzessionen anhand botanischer Sortendefinitionen und Abbildungen identifiziert und entsprechend der botanischen Nomenklatur neu bezeichnet oder bestätigt hat. Das ist mühsam und geht für unsere zentraleuopäische Sorten nicht immer und nicht immer 100% sicher, aber doch sehr oft. Auf der Suche nach Sortimentsentsprechungen von Freilandfunden konnte ich in fünf deutschen Rebsortimenten rund 140 Sortenakzessionen mit falschen, künstlichen oder referenzlosen Sortimentsnamen aufspüren und mehrheitlich ihren botanisch-ampelographischen Referenzen zuordnen. Zieht man Fotografien und naturgetreue Sortentafeln aus älteren Ampelographien heran, erschließt sich visuell und für jeden nachvollziehbar, dass scheinbar referenzlose Sortimentsakzessionen wie Platterle (= Weißer Elbling GOK), Bozener Seidentraube (= Früher Gutedel TRUMMER), Friauler (= Weißer Bartheiner TRUMMER), Hartroete (= Roter Portugieser TRUMMER), Lübeck (von Ljubac in Dalmatien = Pontac KERNER), Ofner (= Weiße Schapatna TRUMMER), Weißer Frankenthaler DGR (= Eichenblättrige Tantowina TRUMMER), Weißer Frankenthaler (coll. Leth) (= Weißer Mehlweiß TRUMMER), Pecasoré (= Rotgestreifter Heunisch TRUMMER) oder Aspirant (= Weißer Grobheunisch TRUMMER) durchaus historisch fassbare Sorten sind, denn sie alle wurden vor mehr als 150 Jahren aus der slowenischen Steiermark ampelographisch beschrieben und über die Tiroler und Schweizer Südalpen nach Deutschland gebracht.

Jahrhunderte alter Oröéans am Disibodenberg. Foto: Matthias Adams

Jahrhunderte alter Orléans am Disibodenberg. Foto: Matthias Adams

Erst damit erschließt sich die Herkunfts- und Verbreitungsgeschichte dieser Sorten, die offenbar nicht nur in den Südalpen, sondern auch in Karantanien, Slawonien und Transdanubien angebaut wurden. Die Edelreiser des Grünen Bartheiner wurden als Walheimer (Walmer) bereits im 16. Jahrhundert auf dem Weinmarkt in Esslingen angeboten und bis nach Besançon verkauft (KRÄMER). Genanalysen erschließen solche Zeithorizonte nicht. Auch bei ausgestorbenen, nur historisch dokumentierten Sorten oder singulären Genotypen helfen vergleichende Genanalysen nicht weiter, denn mit was soll man einen singulären Genotyp vergleichen? Seit Jahrzehnten wird kaum noch gesammelt, aber seit 1750 werden Unikate zwischen internationalen Genbanken hin- und her getauscht. Die genotypisch der Enfariné (GALET) nahe stehende Akzession des Blauen Kölners in europäischen Sortimenten bezieht sich auf eine einzige Herkunft. Hier wird vergleichende Genotypenanalyse zur Feststellung der Sortenechtheit selbstreferentiell, wenn man die Bezugsquellen nicht in Betracht zieht. Selbstverständlich muss ein 5 x getauschter Kölner denselben Genotyp wie die Ausgangsakzession aus Trier haben. Dennoch wir der Name dadurch nicht richtiger. Nur visuell lässt sich erkennen, dass die Lebendakzession des Blauen Kölner aus den Sortimenten in Vassal, im Tessin, in Haßloch, Weinsberg und im Wagram der historischen Sorte Blauer Champagner (TRUMMER) entspricht, während der Rote Champagner (KERNER) die Sorte Enfariné (ROUGET) beschreibt, die als Kölner aus Oppenheim (BRANAS&TRUEL) dokumentiert wurde. Beide Sorten sind genetisch fast identisch, aber eben nur fast. Der Blaue Kölner unterscheidet sich durch kleinere, schlehenblaue und immer runde Beeren und ein stark borstiges, seltener schwach wolliges, insgesamt spitzzahnigeres Blatt von der Enfariné du Jura, die recht große, rötlich blaue, rund bis leicht ovale Beeren aufweist und auf der Blattunterseite häufig dicht wollig behaart ist.

Egal wie man Ähnlichkeiten und Fastidentitäten zwischen Genotypen interpretiert, nach der Sortendefinition des BSA sind dies zwei verschiedene, historisch definierte Sorten, so wie die Farb-, Reife- und Behaarungsvarianten des Pinot auch verschiedene Sorten sind, die zudem für unterschiedliche Weintypen stehen. Nebenbei informieren die historischen Sortennamen Champagner und Kölner darüber, dass die Sorten in der Champagne und am Ostalpenrand angebaut wurden, wo sie zwei eng verwandte Sorten aus dem mittelalterlichen Sortenkomplex der ungarisch-slawonischen Kölner und Schlehentrauben waren. Zum Sortenkomplex der Schlehentrauben gehörten der Große Kölner (TRUMMER) (= Kölner TURKOVIC) aus Regensburg, Höhnstedt, Slowenien und Ungarn (= Baratcsuha Kek NEMETH = Scheuchner KERNER = Schaibkern coll. Leth) sowie der ungarisch-rumänische, von VICTOR PULLIAT beschriebene Kölner (= Czigani Szölö NEMETH) und der stark milchgrau beduftete, österreichische Kölner Nr. 1624 von BRANAS&TRUEL (= Bonda coll. Schneider). Die Sortenreferenz der Enfariné aus der Ampelographie von VIALA&VERMOREL (1901-1910) weicht mit ihren großen, elliptischen Beeren und dem Zahn in der Blattseitenbucht von den beiden Champagnertrauben ab. Möglicherweise versteckte sich unter den Synonymen Brégin bleu, Enfariné à gros fruit oder Brézin de Pampan noch eine weitere Kölner-Sorte: die dem Steirischen Kölner in der Form des Blatts zum Verwechseln ähnliche Schweizer Sortimentsakzession Valais noir coll. Pully. Sie besitzt wie der Kölner mittelgroße bis große Trauben, aber nicht runde, sondern elliptische Beeren und borstig-kahle Blätter. Kölner ist synonym für Großer Wälscher, der offenbar in der Westschweiz kein Großer Kölner, sondern der Gros Valais (Pully) war. Er darf nicht mit dem kleinfrüchtigen und nacktblättrigen Valais noir im Frümsener Sortiment (= Valais noir GALET = Béclan VIALA&VERMOREL) verwechselt werden und auch nicht mit dem filzig haarig-borstigen Valais noir / Dameret (ROUGET) aus einem alten Weinberg in Speyer. Der von CHARLES ROUGET (1897) beschriebene, historische Valet noir d ́Arbois (= Valais noir PULLIAT) besaß auf den Blattunterseiten spinnwebartig-borstig behaarte Blätter und stellt eine weitere welsche Sorte dar. Dieser Valet noir (syn. Mourlon) korrespondiert gut mit dem Phänotyp des oberrheinischen Blauen Räuschling (TRUMMER), der wie der Kleine und Große Welscher ebenfalls durch Blattzähne in den Blattseitenbuchten gekennzeichnet ist. Offensichtlich war der Welschriesling am Zürichsee nicht die einzige welsche Sorte.

Und es werden immer mehr…
Im Bewusstsein der nomenklatorischen Probleme habe ich einmal versucht, einen Gesamtüberblick über die historischen Sorten zu bekommen, die zwischen 1750 und 1855 in den wichtigsten, deutschsprachigen Ampelographien erwähnt oder beschrieben wurden. Das ampelographische Handbuch von HERMANN GOETHE (1878) habe ich ausgeklammert, da dieser alle Sorten einbezogen hat, die damals in Europa beschrieben waren, ohne die meisten dieser Sorten je gesehen zu haben. Nach der Synchronisierung der synonymen Sortennamen sind immer noch 730 Sorten von Kelter- und Tafeltrauben übrig geblieben, die als eigenständige Sorten in den deutschsprachigen Ampelographien bis zum Jahr 1855 erwähnt wurden. Von diesen 730 gezählten Sorten können rund 150 Sorten mangels Abbildungen oder wegen unzureichender Beschreibungen nicht zweifelsfrei zugeordnet werden. Nicht zuordnungsfähige Sorten könnten so auch Synonyme sein, umgekehrt findet man in alten Weinbergen oder in Sortimenten immer wieder Sorten, deren Zuordnung zu einer historischen, ampelographischen Referenz schwierig ist. Fazit: Es gab in Zentraleuropa rund 580 ampelographisch fassbare Traditionssorten mit einer recht großen Grauzone nach oben (Stand April 2014).

 

Alte Weinberge – Alte Rebsorten: Einblicke in eine ganz andere Weinbautradition Teil 1

07/Aug/15 12:00 kategorisiert in: Rebsorten

Während ich in den Urlaub fahre, übergebe ich das Blog Andreas Jung. Er ist einer der führenden Rebsortenforscher, Ampelographen genannt. Mich fasziniert die Ampelographie, das Erkennen der Rebsorten und vor allem ihre historische Verbreitung zunehmend. Ich musste aber kürzlich in einem austausch mit Andreas Jung feststellen, das alles noch viel komplizierter ist, als ich mir es vorgestellt habe. Viele aussagen, die in der Vergangenheit zur Namensgebung und Abstammung von Rebsorten getroffen wurden, müssen immer wieder in Zweifel gezogen werden.

So geht es in den nächsten Folgen um alte Weinberge mit alten Rebbeständen und Andreas Jung zeigt exemplarisch anhand einiger Sorten, wie schwierig die Suche, die Bestimmung und der Abgleich mit früheren Aussagen ist.

Ihr könnt die Arbeit von Andreas Jung unterstützen. Dieser baut nämlich ein lebendiges Archiv mit alten Rebsorten auf. Wie wäre es mit einer Rebpatenschaft? Sie hilft Andreas dabei, seine aufwendige und teure Arbeit fortzusetzen. Sie bedeutet auch, dass Rebsorten konserviert werden können, die sonst – so wie viele andere auch – aussterben. Wer die Sortenerhaltung in Rebsortenarchiven unterstützen will, kann dies durch Rebsortenpatenschaften tun: www.rebenpatenschaft.de. Wer alte Sorten wieder in den Anbau nehmen will, kann sich hier orientieren: www.historische-rebsorten.de.

Alte Sorten früher und heute
Aktuell listet das Bundessortenamt (BSA) in der Beschreibenden Sortenliste Reben 111 Ertragsrebsorten, die mit zertifiziert virusfreien, kommerziell genutzten Ertragsklonen saatgutrechtlich zugelassen sind (Stand 2013). Zieht man die Neuzüchtungen des 21. und 20. Jahrhunderts ab, so verbleiben 26 historische Traditionssorten, die sich in klonaler Bearbeitung durch deutsche Erhaltungszüchter befinden. Basierend auf italienischen Zuchtklonen werden zertifizierte Edelreiser der EU-Sorten Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot mittlerweile auch aus staatlicher Produktion angeboten. Pflanzgut der zum Anbau zugelassenen, aber nicht durch Züchter beim BSA eingetragenen EU-Sorten Syrah, Sauvignon vert, Chenin blanc oder Grüner Veltliner muss weiterhin in der EU eingekauft werden. Die übergroße Mehrheit der autochthonen Sorten wird zusammen mit anderem Zuchtmaterial in Kleinstmengen ohne amtliche Sortenprüfung und ohne phytosanitäre Auflagen in staatlichen Züchtersortimenten erhalten. Nur wenige dieser Sorten sind in den genehmigten Versuchsanbau gelangt oder wie in Hessen zum Anbau freigegeben worden. Die erfolgreichste Ausnahme stellt der Rote Riesling, eine rote Farbvariante des Rheinrieslings dar, der 2014 beim BSA zur Sortenprüfung angemeldet wurde.

27 beim Bundessortenamt eingetragene Traditionsrebsorten, das sind 6,7 % der 400 Sorten, die noch 1878 in den Rebschulen von ADOLF BLANKENHORN im Kaiserstuhl käuflich erhältlich waren. Heute nicht mehr praxisrelevant also sind 93,3 % der noch vor 120 Jahren käuflich erhältlichen Rebsorten, die jeder Winzer damals für ein paar Kreuzer frei erwerben konnte und ohne Auflagen oder Kontrollen anbauen durfte. Darunter befanden sich neben reinen Weinsorten auch Tafeltrauben und Sorten für beiderlei Gebrauch, die in Weinberge, Gärten und an Spaliere gepflanzt wurden. Nach dem Tiefpunkt der Kleinen Eiszeit um 1788 wurden in der Gärtnerei CORTHUM (1816) in Zerbst, Sachsen-Anhalt, bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts rund 300 Rebsorten zum Kauf angeboten, zusammen mit Rosen und Obstgehölzen. Die Sortimente von CARL BRONNER (1875) und FREIHERR VON BABO (1844) in Weinheim und Wiesloch bewegten sich in einer Größenordnung von 300-400 Sorten. 1522 Sorten hatte GUISEPPE ACERBI bis 1846 in Italien gesammelt, darunter waren 400 ungarische Sorten, 619 Sorten aus Italien und 503 Sorten aus dem restlichen Europa. Kurz vor dem Erscheinen der Reblaus sollen im Turiner Sortiment des Le COMTE DE ROVASENDA 6666 Rebsorten konzentriert gewesen sein. In Ungarn hatte FRANZ SCHAMS fast 10.000 Akzessionen aus Ungarn und ganz Europa zusammengetragen. Dann kam die Reblaus und die Krise…

Rebsortenarchiv

Andreas Jung mit dem Frühen Leipziger in Radebeul: Foto Copyright: rebenpatenschaft.de

Und immer wieder: das Problem mit der Sortenechtheit
Nach Reblauskrise, zwei Weltkriegen, der Zerstörung der Originalsortimente, mehrfachen Umpflanzungen, Sortimentsverkleinerungen und der Rodung von fünf 5 staatlichen Sortimenten bestand in Deutschland das Problem, dass viele der bis 1878 beschriebenen Sorten nicht mehr fassbar und scheinbar ausgestorben waren. Umgekehrt wurden Hunderte von Sortimentspflanzen mit historischen Sortennamen als Lebendreferenzen in den Sortimenten der staatlichen Rebzüchter geführt, jedoch stellte sich nach ampelographischer Überprüfung heraus, dass z.B. die Rotweinsorten mit den Einführungsnamen Arbst, Batttraube, Bettlertraube, Blaufränkisch, Blauer Damaszener, Blauer Gutedel, Blauer Hängling, Gamay hatif des Vosges, Hartwegstraube, Kölner, Mohrenkönig, Römer, Rosenmuskateller, Rotblättriger Wildbacher, Spätblauer Blussard, Blaue Urbanitraube, Schwarzer Urban (Trier-Vassal) oder Wildbacher (aus Ungarn) u.a. nicht mit den historischen Sorten übereinstimmten, welche unter diesen Namen in der Literatur beschrieben und abgebildet worden waren. Dasselbe traf für die scheinbaren Vertreter von Weißweinsorten wie z.B. Agostenga, Barthainer, Beerheller, Grauer und Roter Veltliner, Harthengst, Javor, Kilianer, Lamberttraube, Olber, Orangetraube, weißer Frankenthaler oder weiße Urbanitraube zu.

Zudem gab es Sortenakzessionen mit improvisierten Arbeits- und Fantasiebezeichnungen oder tradierten Lokalnamen wie Bozener Seidentraube, Lübek, Mondwein, Ofner oder Platterle, die in der Literatur weder als Synonyme noch als Leitnamen aufgeführt waren. Die Interpretation der historischen Sorten blieb den Nachkriegsgenerationen von ampelographisch unerfahrenen Rebenzüchtern überlassen, die zumeist die falsch benannten Sortimentsakzessionen als Referenzexemplare für gleichnamige historische Sorten akzeptierten, ohne sich an den Widersprüchen zu den botanischen Sortendefinitionen in den ampelographischen Quellen zu stoßen. In Sortenkatalogen wurden historische Sortennamen wie Roter Trollinger (BABO&METZGER 1836) intuitiv der rotbeerigen Variante des Blauen Trollingers als Synonym zugeordnet, obwohl die Abbildung die Sorte Calebstraube / Grec Rose (GALET) zeigt. Zwischen 1803 und 1815 porträtierte der Stuttgarter Hofbotaniker J.S. KERNER vermeintlich triviale Sorten wie Roter Gutedel, Muscat blanc, Gouais blanc, Forment, Ungarischer Gutedel und Roter Hänisch, die sich bei genauem Hinsehen nicht als die erwarteten Sorten von heute entpuppten, sondern die Sorten Hartroete / Roter Portugieser (TRUMMER), Muscadelle (GALET), Grüner Orleans (METZGER), Erdei (NEMETH), Österreichisch Weiße (coll. Klosterneuburg) und Pamid (NEMETH) darstellen. Kerners Rieslinge von Würzburg, von der Mosel und aus Rüdesheim dürften Sauvignon, den jüngst an der Mosel wiederentdeckten Gamay blanc (NEMETH) und die ungarische Mädchentraube darstellen, nicht jedoch den Rheingauriesling. Im Atlas des FREIHERRN VON GOK portraitiert die Abbildung des Burgunders den vor kurzem wiederentdeckten Kleinen Burgunder SINGLE, während das Bild des Clävners (Franc Pineau) den heutigen Spätburgunder zeigt. Als Schwarzer Franke / Franc noir (GUICHERD) gehörte der Kleine Burgunder Württembergs zu den Hauptrotweinsorten der Champagne, gefunden habe ich ihn in einer Weinbergsbrache bei Halle, dort assoziiert mit Gouais noir (GUICHERD) und Morillon / Möhrchen (BABO&METZGER).

Was wissen wir über die Burgundersorten, wenn keine einzige der historischen Abbildungen von Savagnin, Servanin, Pineau, Möhrchen (Morillon), Bourguignon oder Burgunder den heutigen Spätburgunder abbildete, welcher noch vor 200 Jahren als Frühe Persische Korinthe (KERNER) oder als Clävner (METZGER) (Clävner GOK) bezeichnet wurde? Noch im Jahr 1905 stufte JEAN GUICHERD in seiner Beschreibung der Rebsorten der Champagne (Dpt. Aube) die von VICTOR PULLIAT (1888) beschriebene Sorte Enfariné richtig als Synonym des Gouais noir der Champagne ein. Beide Referenzabbildungen eines ungelappten, spitz gezähnten Blatts sind zweifelsohne identisch. Mit der Jahrzehnte später von PIERRE GALET als Enfariné des Jura GALET beschriebenen Roten Champagnertraube KERNER haben die übereinstimmenden Sortenbeschreibungen der Enfariné / Gouais noir von PULLIAT und GUICHERD jedoch nichts mehr zu tun. Zwischen Gouais noir (= Enfariné PULLIAT) und dem tief 5-lappigen Blatt der Roten Champagnertraube (= Enfariné du Jura ROUGET) bestehen nicht einmal Ähnlichkeiten. Aber mit der Einstufung des Gouais noir der Champagne als Synonym der Enfariné du Jura (GALET) war dessen eigenständige Sortenidentität getilgt worden, obwohl die Sorte in der Champagne mit fast 7000 ha einst die dritthäufigste Rotweinsorte nach Petit Gamay und Gamay d' Orleans gewesen war und als Gouais noir (GAILLARD) auch im Dpt. Côte-d’Or und als Goix noir an der Aisne gebaut wurde. Ähnlich geheimnisvoll verschwand der Gamay d' Orleans (PULLIAT), der heute als Synonym der Abondance / Gros Gamay (GALET) oder des Troyen (GALET) eingestuft ist, in der Originalbeschreibung aber die Sorte Gougenot (VIALA&VERMOREL) mit runden Beeren repräsentiert. Diese Sorte Gougenot wurde von (PIERRE GALET 1990) als Synonym der Sorte Franc noir de la Saone bewertet, die mit langovalen Beeren kein Gougenot gewesen sein kann. Als (falsches) Synonym des Franc noir de la Saone war die eigenständige Identität des Gougenot alias Gamay d' Orleans getilgt. Mangels Deutschkenntnissen listete PIERRE GALET (1990) den Adelfränkisch als bloßes Synonym des Savagnin blanc (Weißen Traminer), obwohl diese altfränkische, mit Traminer direkt verwandte Sorte vom Steigerwald von FREIHERR VON BABO (1844) als Weißer Grünling / Adelfränkisch beschrieben wurde.

Ähnlich wie Adelfränkisch und Gouais noir erging es in Deutschland lange verschollenen Sorten wie Kleinberger, Grünfränkisch, der Vogelfränkischen, den Möhrchen, dem Kleinen Burgunder, der Hartwegtraube, der Süßschwarzen, der Bernhardtraube, dem Späten Blauen Räuschling, der (echten) Blauen Frankentraube oder der Mohrenkönigin. Diese Sorten wurden teils schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts als bloße Synonyme bekannterer Sorten wie Elbling, Silvaner, Riesling, Spätburgunder, Tauberschwarz, Gamay, Gelbhölzer oder Lemberger eingestuft, obwohl sie alle noch im 19. Jahrhundert als eigenständige Sorten ampelographisch beschrieben oder abgebildet worden waren. So lange diese Sorten ausgestorben blieben, fielen solche Fehler nicht weiter auf. Problematisch wurde es, als ich in alten Weinbergen über 100 ausgestorbene Sorten wiederfand, die es mehrheitlich gar nicht mehr hätte geben dürfen, da sie in den virtuellen Sortenkatalogen als Synonyme trivialer Sorten geführt waren.

Wenn die an der Bergstraße und am Neckar entdeckte, steirische Bettlertraube (TRUMMER) in Frankreich als Servanin von der Isère (PULLIAT) dokumentiert wurde, in deutschen Sortimenten aber als (falscher) Rotblättriger Wildbacher und als einer von mehreren Kölnern steht, während die Bettlertraube der Deutschen Genbank Reben (DGR) eigentlich ein Massenklon des Affenthalers ist und richtig Bethlentraube (Rebe aus Bethlen / Beclean) heißen müsste, dann wird es mit der Benennung von Freilandfunden kompliziert. Bis heute rächt es sich, dass es in der Weinwissenschaft nie zwingend botanische Regeln einzuhalten gab. Bei Sortenbeschreibungen pickten sich Ampelographen und Züchter nach eigenem Gutdünken die ihnen geläufigsten Namen als Hauptnamen aus der Summe von richtigen und falschen Lokalnamen heraus oder sie erfanden einfach neue, auch lateinische Namen. Nicht selten wurden lokale Sorten mit ähnlichen Sorten aus anderen Regionen gleichgesetzt und deren Namen als echte oder vermeintliche Synonyme akkumuliert. Nicht immer basierten solche Gleichsetzungen auf geprüftem Anschauungsmaterial: In einer offensichtlich am Schreibtisch gefällten Entscheidung stufte der Elsässer J.L. STOLTZ (1852) den im französischen Rebsortiment bei Montpellier erhaltenen Kleinen Räuschling der Bergstraße (= Fütterer BABO&METZGER) fälschlicherweise als identisch mit dem elsässischen Kleinräuschling / Knipperlé und der Folle Blanche aus dem Armagnac ein; ebenso falsch interpretierte er die von mir im Taubertal entdeckte Elsässer Morendutte (= Blauer Augster / Bajor Fekete NEMETH) als Poulsard noir (GALET), Olivette noir (GALET) und Urban Blau (BRANAS&TRUEL). Außer einer gewissen Ähnlichkeit haben diese Sorten absolut nichts miteinander zu tun. Spätere Generationen kopierten diese Synonymsammlungen und fügten neue aus anderen Quellen hinzu. Ganze Akkumulationen solcher Synonymschwärme finden sich heute vermengt ohne spezifische Quellenangaben in sortenbezogenen Internetkatalogen. Heute stellt sich heraus, dass viele dieser vermeintlich synonymen Sorten einst eigenständige Sorten waren, die mancherorts in den alten Mischsätzen noch zu finden sind. Den Grünen Kanigl, die Bettlertraube, den Blauen Kölner, den Schwarzen Alben, Schwarzen Heunisch oder den Gelben Augster kannte ich nur von den photorealistischen Bildtafeln aus Slowenien der Gebrüder KREUZER (2001); es war aber nicht schwer, diese und andere gut dokumentierte, zuvor verschollene Sorten wie den Römer Purcsin (NEMETH), den Chatus (GALET), die Weiße Alicante (BABO&METZGER), den Gelben Ortlieber (STOLTZ) oder den perlmuttfarbigen Chasselas (KERNER) im Weinberg wiederzuerkennen. Nicht selten musste ich dabei geltende Lehrmeinung in Frage stellen. Die zahlreichen Synonyme des Cot (GALET) beziehen sich historisch auf mindestens die drei in Deutschland und in der Schweiz gefundene Sorten: den Kaiserstühler Cot (GALET) mit kleinen, schlehenblauen, runden Beeren (= Arbst Babo&Metzger), den Malbek (PULLIAT) von der Mosel mit großen, purpurschwarzen Beeren (= Samoreau / Cot GUICHERD) und den Cot der Sortimente mit recht langen Trauben und blauschwarzen, kurzovalen Beeren (= Cot rouge Viala&Vermorel = Jacobin BABO&METZGER = Malbech CALO ET AL. = Grosbec / Noir de Lorraine PULLIAT).

Der einzige Ausweg aus dem Dilemma miteinander verwechselter oder irrtümlich gleichgesetzter und getilgter Sorten ist, bei der Benennung von Wiederentdeckungen, Neufunden und Erstnachweisen, genauso wie bei der Identitätsüberprüfung von Sortimentsakzessionen, auf botanisch definierte Sortennamen zurückzugreifen, wie sie in den ampelographischen Originalquellen des 19. und 20. Jahrhunderts hinterlegt wurden. Jede historische Sorte sollte einmal durch einen Namen und einen Autor definiert worden sein, der die Sorte in ihren phänotypischen Merkmalen ausreichend beschrieben und möglichst abgebildet sowie lokale Synonyme gesammelt hat. Wendet man dieses Gesetz der botanischen Artdefinition konsequent auf Sortenebene an, so werden aus den in alten Weinbergen gefundenen Sorten Schwarzer Albe (TRUMMER), Elbing noir de Hongrie (KERNER, SICKLER), Schwarzelbling (BABO&METZGER) und Schwarzer Burger (PULLIAT) (Burger als Synonym des Elblings) vier eindeutig, durch Autor und Jahr der Veröffentlichung differenzierbare Sorten, deren Literaturquellen, Synonyme und Standorte strikt getrennt zu halten sind. Sortimentsakzessionen ohne Literaturreferenzen können nur durch ihren Standort in Sortimenten definiert werden, denn wie sollte man den am Neckar mit Trollinger, Lagrein, Rotem und Blauem Urban in einem alten Weinberg gefundenen Schwarzelbling der Deutschen Genbank Reben (DGR, BS) sonst zuordnen. Ähnliches gilt für den Mohrenkönig im Sortiment von Magaratch (Krim), der mit dem steirischen Mohrenkönig (TRUMMER) bzw. der Mohrenkönigin (RATH), aber nicht mit der Akzession Mohrenkönig Gf, Gm (= Schweizer Briegler) oder dem Weinsberger Schwarzen König (= Schwarzer Malvasier METZGER) in deutschen Sortimenten identisch ist, ebenso wenig mit der in Seußlitz und in Grünberg (Polen) gefundenen schwarzen Muskattraube Black Prince BROOKSHAW, auch nicht mit dem Black Prince in Magaratch und nicht mit der bei Klingenberg entdeckten, vom Bodensee beschriebenen Mohrenkönigin (MOHR). Die Widersprüche zwischen Sortimentsakzessionen und historischen Referenzen sind wahrlich zahlreich, nicht nur in Deutschland.

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