Karfreitags-Mixtour mit Schellfisch, Wurzelgemüse und Bärlauch im Ofen gegart. Dazu Inurrieta Orchidea 2007, Sauvignon Blanc. Der Wein springt einen förmlich an mit seinen Melonen- und Maracuja-Aromen. Im Mund eher verhalten, der Abgang viel zu kurz für das, was er in der Nase verspricht.
Danach Mousse au Chocolat mit Banyuls (Valhrona Le Noir Gastronomie 61 % Schokolade und Alnatura Selection Espresso Schokolade im Wasserbad verflüssigt, Butter erwärmt, gleichzeitig den Banyuls mit Eigelb im Wasserbad schaumig gerührt, die Butter untergezogen, dann die Schokolade und eine Tasse Espresso untergerührt, später Sahne. In eine Schüssel gegossen und ab in den Kühlschrank). Serviert mit gefrosteten Himbeeren, Brombeeren würden allerdings besser passen. Zusammen mit dem Banyuls serviert. In diesem Fall Cornet & Cie, Banyuls Rimage 2005. Noch sehr jung. Cassis-Aromen, Eukalyptus, Geschmack nach leichtem Lakritz, Cassis, Schokolade und ordentliche Extrakte.
Danach gab es zwei Weine aus dem Degustationspaket von Wein Plus.
IBY Hochäcker 2006, Burgenland, Blaufränkisch. Riecht wie die Croissantabteilung der BP-Tankstelle. Käse-Schinken-Croissant mit geröstetem Sesam, dazu rote Früchte. Im Mund ziemlich heiß, Fruchtkompott mit Vanille, zunehmend mischt sich ein Geschmack von Bratensoße hinein.
Rotweingut Maria Kerschbaum, Blaufränkisch Reserve 2005, Mittelburgenland. In der Nase rote Früchte und ein ausgeprägtes Holzaroma. Geschmack ähnlich wie beim IBY, ziemlich heiß und starke Bratensoße, dazu Brause und Holz.
Wir haben beide Weine nach einem Glas stehen lassen. Ziemlich frustrierend für knapp 28 Euro zusammen.
Im letzten Beitrag habe ich eine neue Kategorie eingeführt, die ich mal »Popcornwein« nenne. In der kurzen Winterpause nach Weihnachten und über Neujahr haben wir die Zeit ein bisschen im Salzburger Land vertrödelt. Schneewanderungen, Kasnocken, Germknödel, Rodeln und natürlich hier und da ein Glas Wein. Nun fand meine Begleitung den hiesigen Zweigelt und Blaufränkisch nicht so attraktiv und da dachte ich, ich kaufe mal nen Mädchenwein, geh’ in den – gemesssen an seiner Größe – hervorragend ausgestatteten Spar-Markt und kaufe ihr eine Flasche Kalifornier. Ich hätte mich auch für Penfolds Koonunga Hills oder Ähnliches entscheiden können. Da gab es auch ordentliche Barolos und die obere Smaragd-Wein Klasse aus Österreich in dem Spar-Markt, in allen Spar-Märkten dort. Da haben die uns schon was voraus. Deutsche Weine gab es selbstredend nicht. Das ist da so wie in der Schweiz.
Es hätte auch ein Mondavi sein können, aber ich habe mich dann für einen Ravenswood-Zinfandel entschieden. Ich dachte, die sind schön fruchtig, haben ein bisschen Holz und sind seeehr gefällig. Ich hatte mal einen vor langer Zeit getrunken und das war wohl zu der Zeit, als Joel Person der Laden noch gehört hat. Ich hatte ihn schon mal vor einiger Zeit zum Thema Wein, Masse und Profit zitiert und jetzt also auch den entsprechenden Wein getrunken.
Diese Erfahrung war, ehrlich gesagt, gar nicht schön. Eher ernüchternd. Der Einstiegswein in die Zinfandelwelt von Ravenswood hat mich spontan an die dicke Rosinensoße erinnert, die wir unter dem Namen Polnische Tunke früher immer bei meiner Oma zu Weihnachten serviert bekamen. Süss und eingedickt. Das habe ich damals sehr gemocht. Und als Soße würde der Zinfandel vielleicht auch was hermachen. Nicht aber als Wein. Zu dem Rosinenkompott kam dann noch frisches Eichenholz, Himbeersirup und eine schwere Süße.
Also wirklich. Das war schon obszön. Ein obszöner Popcornwein.
Wir haben uns dann lieber an den Blaufränkisch von Gernot Heinrich gehalten. Der hat dann sogar der Dame gefallen. Brombeer statt Himbeersirup, Ein bisschen Duft und Geschmack nach verottendem Holz, nicht unangenehm, man nennt das wohl auch Bodennoten. Würze, Mineralik und Frische!
Bei Pinard de Picard heißt es übrigens dazu: »Dieser reinsortige Blaufränkisch aus der österreichischen Charaktersorte schlechthin besticht durch eine ungewöhnliche Feinheit und Eleganz, da alle rosinenartigen Trauben ausselektiert wurden, um eine überreife, marmeladige Stilistik zu vermeiden.« Das war also das exakte Kontrastprogramm zum Ravenswood.
Ach ja, im Laufe des Urlaubs gab es noch den Rotbichl Zweigelt von Jurtschitsch. Zweigelt, neben dem Blaufränkisch die zweite autochtone Rebsorte Österreichs. Ein einfacher, angenehmer Wein mit leichter Kirsche, nicht allzu schwer, ein wenig Würze, doch schnell vergessen.
Wir haben uns gestern in Cassius Garten getroffen. Dieses vegetarische Selbstbedienungsrestaurant in Bonn ist einer meiner Favoriten. Die große Auswahl an angemachten Salaten ist hervorragend, dazu kann man seine Salate auch selbst zusammenstellen und es gibt eine täglich wechselnde Auswahl an warmen Gerichten.
Das wirklich Besondere ist aber, dass man eine Viertelstunde vor Ladenschluss abends um 19:45 Uhr eine 1-Liter-Dose – oder mehrere – füllen kann nach Wahl und man zahlt dann 2,80 Euro. Dass man um die Uhrzeit nicht mehr Leute antrifft, wundert mich. Denn die Theken sind meist noch sehr gut gefüllt. So haben wir uns dort also unser Abendessen zusammengestellt. Für meinen Sohn gab es Pfannkuchen, wir hatten Gemüsebratlinge, Sauerkraut und Kartoffelbrei, Kürbisgemüse, Möhren und Salate. Köstlich!
Dazu und danach gab’s dann zu Hause Weine von Michlits. Das sind biologisch-dynamisch angebaute Weine vom Neusiedlersee/Burgenland, vermarktet unter dem Namen Meinklang.
Mir waren schon länger die hervorragend gestalteten Etiketten aufgefallen. Das unterscheidet viele österreichische Winzer von den meisten deutschen. Und häufig ist der Wein in den Flaschen auch von sehr guter Qualität.
So auch bei Meinklang. Zunächst gab es den Blaufränkisch. Im Glas Zwetschgenrot. Geruch nach reifen Beeren, dazu ein wenig Veilchen und Leder. Schön eingebundenes Tannin, aromatisch. Ein angenehmer Wein für knapp unter 10 Euro.
Danach dann der Zwerest 2002, benannt nach einer besonderen Lage von warmem Lössboden mit hohem Kiesanteil. Der Wein wird aus Zweigelt gekeltert, dazu Cabernet Sauvignon, ein wenig Blauburgunder und Merlot. Ausgebaut ist er in hiesiger pannonischer Eiche.
In der Beschreibung war von Duft nach Räucherspeck, reifen Peperoni, Orangenschalen und Nelke die Rede. Um ehrlich zu sein: Räucherspeck und Nelke konnten wir nicht finden. Orange ein wenig, vielleicht ein bisschen Zeder und etwas von Kellermuff, sagt Holger, ich meine ja, eher ein bisschen Waldpilze in der Nase gehabt zu haben, Waldpilze nach Regen im Unterholz.
Der Wein war jedenfalls eine Herausforderung und wir sind beide der Meinung, dass wir ihn nochmal trinken müssen. Er ist zweifelsohne gut gemacht, ist sehr harmonisch, hat eine schöne Struktur, weiches Tannin, ist süß, aber nicht zu süß.
Der Wein hat bei der Biofach Aufsehen erregt, weil er die Goldmedaille für im Barrique ausgebaute Weine errungen hat. Das ist für Bioweine auf diesem immer stärker umkämpften Markt schon ein Renommee. Ganz nachvollziehen kann ich die Wertung noch nicht, aber dafür brauche ich vielleicht etwas länger oder einen zweiten Anlauf.
Der Wein kostet 20,- Euro und wir waren uns nicht schlüssig, ob sich diese 20,- Euro wirklich lohnen.
Danach haben wir noch den »Altos de Inurrieta« probiert, der uns gutgefallen hat, Holgi besonders. Der Unterschied ist jedoch bemerkenswert. Auch der Altos ist zweifelsohne gut gemacht, aber viel vordergründiger. In den Zwerest muss man sich erst einfinden, eindenken. Er ist sehr viel komplexer.