Es ist Thomas Teibert nicht direkt in die Wiege gelegt, das Winzerhandwerk denn er stammt nicht aus einer Winzerfamilie. Aufgewachsen ist er bei Ulm, Schreiner sollte er werden nachdem er die Realschule abgeschlossen hatte, Küfer ist er stattdessen geworden, nicht zuletzt aus einer frühen Liebe zum Wein resultierend und aus der Freundschaft mit dem Ulmer Weinhändler Manfred Böhm. Dabei hat er sein Handwerk in renommierten Betrieben gelernt und danach ein Studium der Önologie in Geisenheim angeschlossen.
Seine nächste Stufe auf der persönlichen Erfolgsleiter hat er bei Manincor in Südtirol erreicht wo er Betriebsleiter wurde und nicht zuletzt den Wein verantwortet hat den manche in 2003 als besten Weißwein Italiens betitelt haben, den Sauvignon Blanc Lieben Aich, ein holzfassausgebautes Schmuckstück, das weder protzt noch schreit sondern mit schierer Präzision und Feinheit besticht. Eine burgundische Art, Wein zu bereiten, würde ich sagen, wenn ich jetzt den Blanc 2007 probiere.
Es hat ihn nicht allzu lang in Südtirol gehalten weil er viel zu sehr “französisch denkt", wie er sagt. So hat er sich, nach der Heirat mit einer Tochter von Gérard Gauby, auf die Suche nach geeignetem Terroir gemacht um die Weine zu machen die er machen will und ist im Languedoc fündig geworden, genau gesagt in Calce, im katalanischen Teil.
Er arbeitet, wie auch schon bei Manincor, strikt biologisch-dynamisch auf den hageren, steinigen und trockenen Böden auf dem uralte Rebstöcke stehen. 12 Hektoliter holt er gerade einmal aus dem Hektar heraus, die Weine besitzen also Auslese-Charakter und entsprechend ist dann auch ihr Preis. 28 Euro für Rot- und Weisswein muss man berappen wenn man in den Genuss dieser Weine kommen will. Dafür finden sich keine Reißer im Glas sondern stille Gesellen, die Luft brauchen und Zeit.
Die habe ich glücklicher Weise jetzt ein wenig mehr als in den letzten Wochen in den es so viel zu tun gab vor den Ferien, dass ich kaum zum Weinsinnieren gekommen bin und zum Schreiben.Während der Regen an die Scheiben prasselt und die Jungs mich gerade mal nicht braucne während im Wohnzimmer eine Lego-Star Wars-Landschaft entsteht denke ich an die beiden Weine zurück, lese noch mal die Notizen, haben die Weine auf der zunge, die Landschaft im Kopf, die Hitze, die Dürre, die Berge im Hintergrund, das Gezirpe der Zikaden.
Die Weine von Thomas Teibert also sind Langstreckler, die sich vielleicht jetzt gerade erst wirklich zu öffnen beginnen, die am zweiten Tag besser sind als am ersten und die in der Fachwelt direkt mit diesem ersten Jahrgang 2007 eingeschlagen sind. Parker hat der Cuvée aus Macabeu, Grenache Gris und Grenache Blanc auf Anhieb genau so 93 Punkte gegeben wie dem Rouge und in der Tat ist dieser Wein bestechend. Er wirkt so gar nicht alkoholisch wuchtig, wie ich es bei fielen in der gnadenlosen Sonne gedörrten Weißen dieser Region finde. Der Wein verbindet ein blumiges Bouquet mit der Frische von Limetten und Grapefruit, dazu kommt Steinobst und eine leichte Nussigkeit. Der Clou dieses auf Kalk und Schiefer gewachsenen Weines ist die Mineralität, die die 50 bis 80 Jahre alten Rebstöcke aus der Tiefe holen und diesen Wein dominieren.
So wie sie auch den Roten aus Grenache und Carignan dominieren, dieser Cuvée aus Brombeeren, Holunder, Grantapfel, Honig, Pflaume und Ingwer, der einerseits eine südfranzösische Wärme in sich trägt, andererseits eine eher burgundisch anmutende Süße. Beeindruckend ist die Frische und Leichtigkeit beider Weine bei zweifellos vorhandener Konzentration und, bezeichnen wir es mal gewagt: intellektueller Tiefe.
Auf der Suche nach passablem Rosé bin ich kürzlich nach langer Zeit mal wieder bei den Weinen der Domaine Richeaume gelandet. Die Domaine Richeaume ist das Weingut eines großen Individualisten und mittlerweile auch das des ebenso nonkonformistischen Sohnes. Es ist die Domäne des Henning Hoesch, der, einer Dürener Chemiefabrikantenfamilie enstammend und in Yale zum Historiker promoviert, sein Herz an die Montagne St. Victoire verloren hat und, anstatt einer vielversprechenden Universitätskarriere zu folgen, Anfang der Siebziger ganz andere Ziele in den Blick nahm, mit Ideen, die damals noch sehr selten vorkamen und ungewöhnlich waren. Themen wie Naturschutz, biologische Landwirtschaft, Kreislaufwirtschaft spielten damals kaum eine Rolle. Und so kann man Hoesch, der die Ausbeutung einer liebgewonnenen alten Kulturlandschaft nicht gut ertragen konnte, durchaus als Avantgarde, als Vorreiter sehen.
1972 stießen er und seine Frau auf das 65 Hektar große Gut zwischen Rousset und Puyloubier, das voller bauhistorischer Relikte aus der Römerzeit ist und im Mittelalter vom Templerorden betrieben wurde. Drei Hektar dieses Gutes konnten sie damals in Besitz nehmen und es bis heute auf 25 Hektar erweitern. Wie behutsam Hoesch in die Landschaft eingegriffen hat, wie konsequent er die Monokultur Wein in die Vielfalt der Natur der Provence eingebettet hat, dort, zischen Château Noir und Montagne St. Victoire, jenen Orten, die Paul Cézanne Zeit seines Malerlebens immer wieder umkreist hat, sieht man auf seinem informativen Internetauftritt.
Ich bin nicht unbedingt ein Fan des Rosé, lediglich zu Crémant oder Champagner ausgebaut kann ich ihm durchaus etwas abgewinnen. Wenn ich einen Rosé mag, ist es der des Château la Canorgue aus dem Luberon, sonst kommt bei mir selten einer auf den Tisch.
Der Rosé von Richeaume allerdings gefällt mir ausnehmend gut. Er ist so eigenständig, subtil, elegant und – was ich Rosé bisher immer abgesprochen habe – ich stelle eine gewisse Tiefe fest. Grenache, Syrah und Carignan werden hier im Saignée-Verfahren angepresst und kurz auf der Maische gelassen, sodass der Wein seine lachsrote Farbe annimmt. Danach wird er im Holzfass ausgebaut. Zitrus-, Himbeer- und Erdbeeraromen verbinden sich mit einem leichten Hauch von Karamell, mit einem schönen Hauch von Gerbsäure unterstützt. Das ist wirklich ein feiner Wein!
Im Prinzip ist der Salanques der Zweitwein des Mas Doix Coster des Vinjes Velles, einer Cuvée aus Garnacha und Carinena, in die noch 2 % Merlot gemischt sind. Ein Wein von über hundert Jahre alten Rebstöcken.
Der Salanques ist das, was Ramon Llagostera nicht gut genug fand für den Erstwein. Das wird bei ihm im Keller Fass für Fass überprüft und ausgewählt. Das Resultat ist ein Wein, der immer noch um die 30 Euro kostet – aber eben nicht um die 70, wie der eigentliche Mas Doix – und doch sehr klar zeigt, wofür das Priorat stehen kann. Für dichte Rotweine von uralten Rebstöcken, gewachsen auf Licorella-Schieferböden in einer Region, die tagsüber sehr heiß sein kann und nachts deutlich abkühlt. Wenn der Winzer den richtigen Lesezeitpunkt findet und den Wein nicht zu stark konzentriert, kommt etwas heraus wie das, was ich im Glas hatte.

Der Salanques bietet eine, wie ich finde, höchst angenehme Mischung aus saftig-frischen dunklen Früchten, verbunden mit Zedernholz, Bitterschokolade, Gewürzen und Kräutern, und einer sehr angenehmen Kühle. Die 15 % Alkohol habe ich bei diesem Wein nicht bemerkt. Die sind sehr gut eingebunden und verstecken sich zwischen der Schiefermineralik und dem Säuregerüst. Dieser Geschmack nach satt-reifen süßen Kirschen hallt noch lange nach, wenn der Wein längst die Kehle hinabgeronnen ist. Das ist kein intellektueller Wein, aber er ist ebenso wenig plump. Er ist vor allem das, was ein Wein vornehmlich sein sollte – ausgesprochen lecker!
Aufgefallen ist mir der Celler el Masroig durch den etnic, hier beschrieben. Dieser wunderbar weiche und saftige Wein bleibt auch nach mehrmaligem Genuss eine Wonne. Der kleine Bruder dieses Weins hört auf den Namen Fred, Solà Fred, um genau zu sein. Solà Fred besteht zu 90% aus Carinena und zu 10% aus Garnacha.

Die beiden Weine sind nicht miteinander zu vergleichen. Der etnic lebt von seinen satten, gesetzten Früchten in Verbindung mit leichten Röstaromen und sehr weichen Holzaromen, der Solà Fred ist ein Alltags- oder Bankettwein. Frische, saftige Kirschen bestimmen ihn in der Nase, eher Erdbeeren und Johannisbeeren dominieren im Gaumen. Hinzu kommen Würz- und leichte Erdnoten. Dabei bewahrt der Wein eine angenehme mineralische Kühle. Das Ganze hat viel Energie und Schwung und ist für einen Jungwein dieses Preis ausgezeichnet gemacht.
Ein Wein, den man viel zu selten im Glas hat – ein frischer, unkomplizierter spanischer Rotwein, nicht durch Holz verfälscht, sondern geprägt von der satten Frucht der Carignan.
Eigentlich heißt der Wein Tina 41. Das kann nicht darauf zurückgeführt werden, dass die Halbschwester des Chefönologen Tina heißt und schon 41 Lenze erlebt hat, nein, es ist lediglich die Fassnummer, besser gesagt die Tanknummer, in der der Grundstoff dieses Weines zusammengeschmolzen wurde. Eine Namensgebung wie bei Penfolds, wo die Weine dann BIN (Barrel Identification Number) heißen, BIN 389 zum Beispiel.
Der Wein, ich nenne ihn mal weiter Tina, wurde von den jungen Reben des Weingutes gemacht, von Grenache, von Carignan, von Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah – ein moderner Blend also, die Verbindung alter Rebsorten wie Grenache und Carignan mit den internationalen Standardrebsorten. Das geht zurück auf die Idee des Önologen Albert Costa, der nicht zuletzt bei großen australischen Gütern in die Lehre gegangen ist.
Für dieses Projekt wurde sogar ein eigenes Weingut gegründet, welches sich Clos l'Asentiu nennt und in Kooperation mit Vall Llach auf dem Etikett auftaucht. Ach ja, das Etikett. Das Etikett ist so modern gehalten wie der Wein und fällt direkt auf. Schöner wäre es gewesen, die weiße Buchstaben-Zahlen-Kombination direkt auf die Flasche zu bringen, wie es früher auf Portweinflaschen üblich war, hier ist es allerdings nur ein schwarzes, bedrucktes Papieretikett.

Aber nun zu Tina. Tina wirkt ein wenig wie eine fette Ente. Hochreife dunkle Kirschen, Pflaumen und Rosinen mischen sich mit Röstnoten, Kaffee, dunkler Schokolade und etwas Lakritze. Das alles schwimmt in Alkohol. Das merkt man erst etwas später, nicht direkt im Mund, aber in der Kehle, da wirkt der Wein brandig und kann dann auch seine 15 % Vol. nicht mehr verheimlichen. Angenehm finde ich lediglich, dass Tina 41 nicht auch noch Röstholz von frischem Barrique mit sich herumschleppen muss. Aber es reicht auch so schon. Von fast allem etwas zu viel.
Pierre Clavel dürfte einer der südfranzösischen Großmeister des gelungenen Preis-Leistungsverhältnisses beim Wein sein. Bei allen Lorbeeren die er sich bisher für Le Mas, Les Garrigues oder den Copa Santa eingeheimst hat und trotz der Tatsache, dass er mit Null Kapital gestartet ist und den Großteil seiner Weinberge nur gemietet hat und zudem auch noch biologisch, teils biodynamisch arbeitet findet man seine Weine zwischen 6 und 15 Euro.

Von Le Marteau wurden lediglich 8.952 Flaschen gefüllt mit einer Cuvée aus Syrah, Grenache und Carignan. Der Wein stammt nicht, wie meist vom Pic St. Loup sondern von seinen Lagen in Saint-Cristol, 20 Kilometer vom Gut entfernt. Gestern abend, nach einer Reise durch Rheinhessen wo natugemäß vor allem Riesling und Silvaner und Burgunder auf dem Programm stand und wir uns durch den Schnee zurück nach Hause gekämpft hatten mochte ich noch ein Glas warmen, sonnenverwöhnten Wein. Le Marteau hat viel Sonne in der Flasche. Allerdings, so merke ich heute, sollte man ihm Zeit lassen. Denn was er mir gestern quasi um die Ohren gehauen hat war ein Fruchtkonzentrat aus schwarzem Holunder, Brombeer und Cassis. Das strömte förmlich aus dem Dekanter und lief dick über die Zunge. Le Marteau – zu deutsch der Hammer. Pierre Clavel scheint es so gewollt zu haben. Hitze und reifstes Lesegut verbinden sich hier. Erst heute finden sich in diesem tiefvioletten Wein noch andere Aromen von rohem Fleisch, Gewürzen und Kräutern. Und, die dem Wein innewohnende Mineralität verleiht ihm eine gewisse konträre Kühle. Die rettet ihn nicht nur vor der Idee, das Konzentrat in Marmeladengläser abfüllen zu wollen, sie beflügelt ihn und macht ihn spannend.