Aufgefallen ist mir der Celler el Masroig durch den etnic, hier beschrieben. Dieser wunderbar weiche und saftige Wein bleibt auch nach mehrmaligem Genuss eine Wonne. Der kleine Bruder dieses Weins hört auf den Namen Fred, Solà Fred, um genau zu sein. Solà Fred besteht zu 90% aus Carinena und zu 10% aus Garnacha.

Die beiden Weine sind nicht miteinander zu vergleichen. Der etnic lebt von seinen satten, gesetzten Früchten in Verbindung mit leichten Röstaromen und sehr weichen Holzaromen, der Solà Fred ist ein Alltags- oder Bankettwein. Frische, saftige Kirschen bestimmen ihn in der Nase, eher Erdbeeren und Johannisbeeren dominieren im Gaumen. Hinzu kommen Würz- und leichte Erdnoten. Dabei bewahrt der Wein eine angenehme mineralische Kühle. Das Ganze hat viel Energie und Schwung und ist für einen Jungwein dieses Preis ausgezeichnet gemacht.
Ein Wein, den man viel zu selten im Glas hat – ein frischer, unkomplizierter spanischer Rotwein, nicht durch Holz verfälscht, sondern geprägt von der satten Frucht der Carignan.
Eigentlich heißt der Wein Tina 41. Das kann nicht darauf zurückgeführt werden, dass die Halbschwester des Chefönologen Tina heißt und schon 41 Lenze erlebt hat, nein, es ist lediglich die Fassnummer, besser gesagt die Tanknummer, in der der Grundstoff dieses Weines zusammengeschmolzen wurde. Eine Namensgebung wie bei Penfolds, wo die Weine dann BIN (Barrel Identification Number) heißen, BIN 389 zum Beispiel.
Der Wein, ich nenne ihn mal weiter Tina, wurde von den jungen Reben des Weingutes gemacht, von Grenache, von Carignan, von Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah – ein moderner Blend also, die Verbindung alter Rebsorten wie Grenache und Carignan mit den internationalen Standardrebsorten. Das geht zurück auf die Idee des Önologen Albert Costa, der nicht zuletzt bei großen australischen Gütern in die Lehre gegangen ist.
Für dieses Projekt wurde sogar ein eigenes Weingut gegründet, welches sich Clos l'Asentiu nennt und in Kooperation mit Vall Llach auf dem Etikett auftaucht. Ach ja, das Etikett. Das Etikett ist so modern gehalten wie der Wein und fällt direkt auf. Schöner wäre es gewesen, die weiße Buchstaben-Zahlen-Kombination direkt auf die Flasche zu bringen, wie es früher auf Portweinflaschen üblich war, hier ist es allerdings nur ein schwarzes, bedrucktes Papieretikett.

Aber nun zu Tina. Tina wirkt ein wenig wie eine fette Ente. Hochreife dunkle Kirschen, Pflaumen und Rosinen mischen sich mit Röstnoten, Kaffee, dunkler Schokolade und etwas Lakritze. Das alles schwimmt in Alkohol. Das merkt man erst etwas später, nicht direkt im Mund, aber in der Kehle, da wirkt der Wein brandig und kann dann auch seine 15 % Vol. nicht mehr verheimlichen. Angenehm finde ich lediglich, dass Tina 41 nicht auch noch Röstholz von frischem Barrique mit sich herumschleppen muss. Aber es reicht auch so schon. Von fast allem etwas zu viel.
Pierre Clavel dürfte einer der südfranzösischen Großmeister des gelungenen Preis-Leistungsverhältnisses beim Wein sein. Bei allen Lorbeeren die er sich bisher für Le Mas, Les Garrigues oder den Copa Santa eingeheimst hat und trotz der Tatsache, dass er mit Null Kapital gestartet ist und den Großteil seiner Weinberge nur gemietet hat und zudem auch noch biologisch, teils biodynamisch arbeitet findet man seine Weine zwischen 6 und 15 Euro.

Von Le Marteau wurden lediglich 8.952 Flaschen gefüllt mit einer Cuvée aus Syrah, Grenache und Carignan. Der Wein stammt nicht, wie meist vom Pic St. Loup sondern von seinen Lagen in Saint-Cristol, 20 Kilometer vom Gut entfernt. Gestern abend, nach einer Reise durch Rheinhessen wo natugemäß vor allem Riesling und Silvaner und Burgunder auf dem Programm stand und wir uns durch den Schnee zurück nach Hause gekämpft hatten mochte ich noch ein Glas warmen, sonnenverwöhnten Wein. Le Marteau hat viel Sonne in der Flasche. Allerdings, so merke ich heute, sollte man ihm Zeit lassen. Denn was er mir gestern quasi um die Ohren gehauen hat war ein Fruchtkonzentrat aus schwarzem Holunder, Brombeer und Cassis. Das strömte förmlich aus dem Dekanter und lief dick über die Zunge. Le Marteau – zu deutsch der Hammer. Pierre Clavel scheint es so gewollt zu haben. Hitze und reifstes Lesegut verbinden sich hier. Erst heute finden sich in diesem tiefvioletten Wein noch andere Aromen von rohem Fleisch, Gewürzen und Kräutern. Und, die dem Wein innewohnende Mineralität verleiht ihm eine gewisse konträre Kühle. Die rettet ihn nicht nur vor der Idee, das Konzentrat in Marmeladengläser abfüllen zu wollen, sie beflügelt ihn und macht ihn spannend.
Pascal Perret gehört seit Jahren zu den Vorzeigewinzern des Languedoc. Die Weine des seit Jahren biodynamisch arbeitenden Perfektionisten sind eigentlich eine Bank.

Enttäuschend allerdings ist der Prélude aus dem Jahrgang 2003. Carignan, Grenache und Syrah, teils aus dem Stahltank, teils aus dem Holzfass bilden hier keine Symbiose mehr. Der Wein ist hart und marmeladig dick, riecht nach Fleisch und Gurke und nach etwas ganz Prägnantem, was mir als Geruch sehr bekannt vorkam, bei dem ich aber ziemlich lange gebraucht habe, bis ich darauf gekommen bin. Es ist der Geruch von Irish Stout wie von Murphy's oder Guiness. Der Geruch nach dunklem Inselbier passt nicht unbedingt zu einem kräftig-geschmeidigen Südfranzosen, selbst wenn man den Duft sonst ganz gut leiden mag. Verwundert hat mich der Wein, denn geschmeckt hat er auch nicht besser, auch nicht am nächsten Tag. Und ob es lediglich an einer schlechten Flasche lag, müsste man mal beim versuchten Genuss einer weiteren eruieren.
Die DO Monsant liegt etwa 30 km von Tarragona entfernt und hat erst im August 2001 den Status einer DO erlangt. Seitdem gibt es – nicht zuletzt auch durch den Erfolg des Priorats – einen starken Aufschwung in dieser Region. Monsant umschließt das Priorat förmlich und viele Winzer des Priorats verfügen auch über Grundstücke in der DO Monsant. Die Bodenverhältnisse unterscheiden sich nur leicht von jenen des Priorats und im Moment kann man wohl behaupten, dass unterhalb der Spitze des Priorats, also im guten Mittelfeld, die Weine des Monsant ein deutlich besseres Preis-Genussverhältnis liefern. Beide Regionen können mit einem Pfund wuchern, das nicht selbstverständlich ist. Es ist das Alter der Rebstöcke, das meist deutlich über 50 Jahren liegt. Bekannt sind aus dieser Region mittlerweile beispielsweise die Etims der Agricola Falset-Marça, die Celler de Capçanes, die Bodega Acoustic oder Venus la Universal.

Die Celler el Masroig waren bisher durch einfache Weine wie den Solà Fred bekannt. Dieses Jahr aber haben sie sich mit dem neuen étnic laut Penin, dem Weinführer Spaniens, direkt mal an die Spitze des Gebietes geschossen. Er hat mal lockere 94 von 100 Punkten abgesahnt und wird höher bewertet als der Acustic Auditori aus demselben Gebiet, den Parker wiederum mit 95/100 Punkten bewertet hat. Aber was sollen die Punkte? Gerade in Spanien wird meiner Ansicht nach unvernünftig und oft kaum nachvollziehbar hoch bewertet. Also habe ich den Wein gestern mal probiert.
Ich vergebe hier ja keine Punkte und diese Bewertungen scheinen mir trotz des nun Folgenden zu hoch gegriffen, aber ich muss klar sagen, dass dieser Wein mit zum Leckersten gehört, was ich seit längerer Zeit getrunken habe. Schon in der Nase eine Mischung aus buttriger Vanillesahne in Verbindung mit Süßkirschen, Schokolade, ein wenig Holz und Zeder. Dazu kommt eine gewisse kühle Aromatik. Im Mund kommt dann neben einem Korb von dunklen Früchten noch ein Hauch von Pralinen hinzu. Jaha! Zum Schluss, ganz zum Schluss merkt man etwas von den 14,5 Umdrehungen. Aber das ist nicht störend und dieses harmonische Kompott – das, nebenbei bemerkt, überhaupt nicht marmeladig wirkt – mündet in ein angenehm langes und harmonisches Finale.
Dass solch ein Wein für unter 15 Euro zu haben ist, ist eine Wonne!
Eine meiner frühesten Wein-Begegnungen mit Frankreich war eine Reise ins Languedoc und Roussillon. Ich habe in Sête gewohnt und von diesem Stützpunkt aus das Land bis hinunter zur spanischen Grenze erobert. Einer der Orte, den ich mit am schnellsten wieder verlassen habe, ist Collioure. Nicht, weil es dort hässlich gewesen wäre oder langweilig, nein eher, weil es zu schön war, um wahr zu sein, und weil das vor langer Zeit auch diverse, in Paris ansässige Künstler erkannt hatten und dort geraume Zeit verbracht haben. Matisse ist so einer und Picasso. Und auf den Spuren derer und weil es, wie gesagt, zu schön ist, drängeln sich dort die Massen. Ich bin dann schnell weitergereist, nach Banyuls-sur-Mer, den nächstgrößeren Ort, um dort in den Kellern der Templer eine Führung mitzumachen.
Banyuls, um abzuschweifen, ist ein Wein, dessen Trauben in einem Zustand der Vertrocknung sehr spät geerntet werden. Um den Zucker zu erhalten, wird die Maischegärung durch Zugabe von Alkohol gestoppt. Dieser gespritete Wein, Vin Doux Naturel, genannt wird dann meist in Gärballons oder Fässern im Freien gelagert. Diese jeder Witterung ausgesetzten Weine oxidieren und altern nachvollziehbarerweise schneller als ihre geschützten Kollegen, was gewollt ist, um einen Effekt zu erzielen, der im katalanischen Rancio genannt wird. Das Spannende an diesen Weinen ist, dass trotz aller Süße dieser Wein erstaunlich trocken ist im Abgang.

Aber ich komme eigentlich auf Banyuls, weil der in Collioure beheimatete Philip Gard einige uralte Rebflächen sein Eigen nennt, die genau zwischen diesen beiden Küstenorten beheimatet sind. Hier erzeugt er Weine, die mit zu den heutigen Crus des Südens zählen, in einer Reihe mit Gauby oder Negly, um nur zwei zu nennen. Die Weine sind teils sehr rar – vom Abysses gibt es gerade mal 1.300 Flaschen -, definitiv aber sind sie das Ergebnis feinster Weinbergsarbeit, zu der die Ertragsreduzierung zählt. Beim Quadratur sind es gerade noch 15 hl pro ha (!).
Da könnte man denken, dass da vielleicht nur ein wenig reduzierte Soße ins Glas läuft, übertrieben in allem. Aber das Gegenteil ist der Fall. Auch wenn der Wein – 45% Grenache, 40 % Mourvèdre, 15 % Carignan – dicht ist, dunkel in der Farbe, extraktreich, so ist er doch ausgesprochen subtil, alles andere als fett, und neben dem Duft von Gewürzen und Kräutern, Kaffee, schwarzen Oliven und ein klein bisschen Dörrobst überhaupt nicht überbordend. Das Feine ist die kühle Mineralik des Weines – er wächst auf braunem Schiefer -, der dem Quadratur eine Klarheit gibt, die großartig ist.

Dazu Daube de Boeuf mit Brot, Rindsragout mit Gewürzen aus der Region. Denn die Tage werden wieder länger, es wird trüber, regnerischer – und so ein Ragout ist herrlich!