originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Traubentausch: Sauer vs. Ruck

Es ist ungewöhnlich, was die beiden befreundeten Winzer aus Franken da seit 2006 machen. Sie tauschen reifes Rebgut aus ihren besten Lagen, die da wären Escherndorfer Lump bei Horst Sauer und der Iphofener Julius-Echter-Berg bei Johann (Hansi) Ruck. Heraus kommen vier Weine, also zwei aus jedem Hang im Stil der beiden Winzer. Zwei Stile, die unterschiedlicher in Franken kaum sein könnten – wage ich zu behaupten.

Unser Gastgeber allerdings hat sich nicht lumpen lassen, den Abend zunächst mit einem Champagner "auf's neue Jahr" einzuläuten und mit einem verdeckten Weißwein fortzufahren, wo er seinen halben Weinkeller drauf verwetten wollte, dass wir es nicht rauskriegen, was das nun ist, was wir im Glas haben. Getraut hat er sich nicht – aber rausgefunden haben wir es auch nicht.

Pierre Gimonnet & Fils, Cuvée Eckart Witzigmann, Blanc de Blancs, Brut 1998

Der Champagner stammt von Pierre Gimonnet, ein Blanc de Blancs 1998, abgefüllt für Eckart Witzigmann und erworben vor wenigen Jahren für erstaunliche 34,- Euro. Pierre Gimmonet & Fils gehört unter den Winzern, die auschließlich eigenes Traubengut verarbeiten, mit 25 Hektar eher zu den großen Erzeugern. Diese 25 Hektar finden sich ausschließlich an der Côte de Blancs und es wird ausschließlich Champagner aus Chardonnay erzeugt, und das von teils 90 Jahre alten Stöcken.

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Diese Cuvée besticht durch geröstete Nüsse, etwas Brioche und bei längerer Standzeit zunehmender Quitte. Hinzu kommt etwas mürber Apfel und eine sehr frische, klare Säure. Eine sehr angenehmer, durchaus beglückender Einstieg in den Abend.

Auxerrois 2008, Weijngoed Thorn, Niederlande

Was folgte, war die Verkostung eines Weins, den ich am ehesten als Weißburgunder des Alto Adige , also nach Südtirol, gesteckt hätte. In der Tat aber hatten wir einen frischen Auxerrois aus den Niederlanden im Glas, genauer gesagt, aus der Gegend von Maastricht. Thorn wird auch die weiße Stadt bzw. het witte stadje genannt, welches, ganz in Weiß verputzt, reich wurde durch das dort angesiedelte Stift. Das Stift war durchaus ungewöhnlich mächtig und die Äbtissinnen führten über 800 Jahre lang ein eigenes Fürstentum. Sie saßen als Fürstinnen sogar in der deutschen Nationalversammlung.

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Der Wein war gut. Zunächst ganz leichte Gemüsenoten, später setzt sich Zitrone durch und eine gewisse Mineralität. Das ist nichts, was man lange in Erinnerung hält. Aber die Balance stimmte und ich würde ihn als Alltagswein jederzeit empfehlen – wenn er nicht etwas zu teuer wäre mit etwa 13 Euro. Aber das muss man ihm nachsehen, kommt er doch aus einem Gebiet, in dem noch Pionierarbeitet geleistet wird.

Horst Sauer, Escherndorfer Lump, Silvaner Spätlese 2006

Nun aber zum eigentlichen Thema. Auf Initiative der Weinhändler Kössler & Ulbrich, besser bekannt als K&U Weinhalle, haben die beiden Weinmacher Horst Sauer und Hansi Ruck in 2006 zum ersten Mal Trauben aus ihren besten Lagen getauscht. Escherndorfer Lump, die Heimatdomäne von Horst Sauer, gegen den Iphöfer Julius-Echterberg von Hansi Ruck. Wir haben immer zuerst den Heimatwein gegen den Gast probiert und somit mit Sauers Lump begonnen.

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In der Nase finde ich zunächst ein wenig angekochtes Gemüse und etwas, was an reifen Kürbis erinnert. Dazu kommt Litchi, die zunehmend dominanter wird, Honig und schon der Geruch von Cremigkeit, den ich im Mund direkt wieder finde. Um die Palette abzurunden, was noch nicht direkt etwas über die Qualität aussagt: Mango und Papaya komplettieren den Früchtekorb und bei längerer Standzeit finden sich ebenso Dörrobstaromen. Hinten heraus hat man die Erinnerung an etwas Kreide und zunehmend Süßholz. Das, was den Wein ausmacht, ist die – Entschuldigung, ich kann es nicht anders formulieren – ätherische Leichtigkeit bei gleichzeitiger kompletter Bodenhaftung. Dieser Wein ist absolut geradlinig, er ist in seiner Komplexität und Struktur ausgesprochen gelungen. Er hat eine herrlich reife, eindringliche Frucht und gehört für mich zum Besten, was ich an Silvaner kenne. Das ist ganz herrlicher Stoff: ein Wein, mit dem ich mich, die Bocksbeutelflasche unterm Arm, ans Kaminfeuer zurückziehen würde, um ihn einfach so in Ruhe zu genießen.

Johann Ruck, Escherndorfer Lump, Silvaner Spätlese 2006

Johann Ruck hat es schwer gegen diesen, im positiven Sinne modern gemachten, ausgezeichneten Silvaner. Ruck arbeitet anders. In seinen Weinen findet man immer auch Noten von Spontanvergärung, die Weine haben normalerweise ein sehr straffes Rückgrad, sind stoffig und rubust. Ich würde mal sagen, dass die Interpretation, die Johann Ruck vom Escherndorfer Lump geliefert hat, sehr gewöhnungsbedürftig ist. Was die Nase dominiert, ist ein ausgeprägter Stallgeruch, der praktisch alles andere überlagert. Selbst im Mund wandelt sich der Stall von Geruch zu Geschmack und der Wein wirkt in hohem Grade matt auf der Zunge. Kantig wirkt er, gerade im Gegensatz zum fein gewirkten Sauerschen Silvaner. Würziger ist er und säurebetonter.

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Kaum zu glauben, dass wir hier Weine aus dem gleichen Traubengut vor uns im Glas haben.

Johann Ruck, Iphöfer Julius-Echterberg, Silvaner Großes Gewächs 2006

Das, was bei Rucks Lump enttäuschend war, findet sich bei seinem Heimatwein diesmal in angenehmer Weise wieder. Auch hier finden wir Noten von Spontanvergärung, auch hier etwas Animalisch-Stalliges, allerdings deutlich zurückhaltender, nicht dominierend. Es reiht sich ein in leichte Gemüsenoten und kräftige Würznoten. Auch hier ist die Säure präsent, dringt durch den stoffigen, erdigen Wein.

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Eine gewisse Cremigkeit macht sich breit auf der Zunge und der Wein, den wie dekantiert haben – das hätte Rucks Escherndorfer Lump wohl ebenso gut getan –, bildet eine gewisse Eleganz und durch die Würze dringt ein wenig Marille. Das ist klassisches, kräftiges, würziges Franken. Ein Wein im traditionellen Stil, ein Wein mit sehr viel eigenem Charakter, den man allerdings auch erst einmal mögen muss. Wenn man diesen klassischen Frankenweinstil mag, hat man hier einen hervorragenden Wein im Glas.

Horst Sauer, Iphöfer Julius-Echterberg, Silvaner Spätlese 2006

Horst Sauer ist mit dem Fremdlesegut besser zurecht gekommen als Johann Ruck umgekehrt. Er macht einen sehr guten Wein. Der Duft reifer Birnen hängt über dem Glas, eine reife Süße erkenne ich, dazu stoßen frische Aprikosen und eine feine Schärfe. Ein klares Säuregerüst stützt diesen warmen, reifen Wein.

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Es ist nicht wirklich erstaunlich, wie klar man die Stile der beiden fränkischen Großmeister voneinander unterscheiden kann. Sie sind so klar und weit voneinander entfernt. Sauer macht warme, ich sage mal gelbe Weine, wenn man nach Farben geht, sind es die Weine reifer, gelber Früchte. Ruck macht die Weine des Bodens, der Erde, der Würze, in die sich nur hier und da mal ein Hauch von deutlicher Frucht mischt. Es ist faszinierend, zu schmecken, wie man mit unterschiedlichen Heransgehensweisen aus demselben Lesegut solch unterschiedliche Weine vinifizieren kann.

Castellsches Domänenamt, Casteller Kugelspiel, Rieslaner Spätlese 1988

Jörg hat aus seinem Keller einen Wein geholt, den er da irgendwann mal vergessen hat. Gut für uns; denn es war durchaus spannend, diesen Wein zu probieren. Eine trockene Spätlese vom Rieslaner findet man heute nicht mehr. Wir haben gerätselt, ob irgendein Winzer so etwas noch anbietet – aber uns ist keiner eingefallen.

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Um es vorweg zu sagen: Dies ist kein Wein mehr, den man mit viel Genuß trinken mag. Sehr viel Firniss liegt im Glas mit einem ganz leichten Resthauch Stachelbeere. Was aber wirklich faszinierend ist, ist der Duft. Zunächst einmal liegt ein leichter Geruch von warmem Gummi über dem Glas. Dieser verfliegt schnell, und was dann stehen bleibt ist, frische Haselnuss, sehr deutlich, mit einem leichten Anteil Schießpulver und einem Hauch von Bernstein-Kolophonium. Herrlich.

Florian Weingart, Bopparder Hamm Feuerlay, Spätlese* 2004

Im letzten Jahr habe ich bei Florian Weingart diese Spätlese mit einem Stern erworben. Er hat sie heruntergestuft, eigentlich hatte er sie als Auslese verkauft, da er aber die 2005er Auslese deutlich besser fand, hat er die 2004er dann zur Spätlese degradiert und auch günstiger verkauft. Das ist eine sehr ehrliche Haut, der Herr Weingart. Der Preis für diese 2004er Spätlese lag deutlich unter 10 Euro.

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Dafür hatten wir einen Wein im Glas, der mit seinen 7,5% Alkohol (!) ganz frisch im Glas stand. Er wirkt immer noch leicht moussierend auf der Zunge, wirkt ganz leicht mit einem herrlichen Spiel zwischen Süße und Säure und dem Duft und Geruch nach Honig und Steinobst mit ein wenig Kräutern und der typischen boppardschen Mineralität. Zum Ausklang dieses Abends einigermaßen perfekt.

Gocher Weinzyklus 3 – Champagne, die Grande Dame wird niemals alt

Das Haus zu den fünf Ringen gehört zu den wenigen historischen Gebäuden der im Krieg zu über 90 Prozent zerstörten Stadt Goch. Zusammen mit dem historischen Rathaus, dem Van-den-Bosch-Haus und dem Mosters-Haus bildet es ein Ensemble von Gebäuden aus dem 16. Jh. Das Gebäude diente ursprünglich als adliges Stadtwohnhaus, in den Kellerräumen befand sich ab 1828 eine große Weinhandlung. Später wurde im hinteren Gebäudeteil Bier gebraut. Bis in die Mitte des 20. Jh.'s bekam man hier das dunkle, niederrheinische Alt der Familie Janßen. Nach dem Krieg baute die Familie dann einen Getränkeverlag auf, der in den Achtzigern in ein Gewerbegebiet verlegt wurde. Das Haus wurde an die Stadt veräußert und befindet sich im Stadium der Renovierung. Dabei ist es nach dem Guss einer neuen Bodenplatte so weit nutzbar, dass das Museum Goch die Räumlichkeiten als Ausstellungsfläche für heimatkundliche Objekte verwendet.

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Dieses mit zu den schönsten historischen Gebäuden am Niederrhein zählende Haus bot uns die Kulisse für den dritten Teil des Gocher Weinzyklus. Champagne – Die Grande Dame wird niemals alt war das Thema, zu dem der Veranstalter, der Gocher Juwelier Georg Schotten, geladen hatte, um Funkelndes miteinander zu verbinden: die Präsentation seiner Winterkollektion in Verbindung mit einer Reise durch die Champagne.

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Michael van den Höövel und ich haben dabei versucht, mit den sechs präsentierten Champagnern eine Auswahl zu treffen, die verdeutlicht, wie heterogen und spannend dieses Weinbaugebiet ist – auch abseits der wenigen bekannten Namen. Sechs Schaumweine aus den unterschiedlichen Regionen der Champagne, ein Abbild verschiedener Rebsorten und Cuvées bis hin zu von Pinot Noir bzw. von Chardonnay geprägten Jahrgangschampagnern. Dabei wechselten sich Winzerchampagner mit denen großer und kleiner Häuser ab.

Vorbereitung

Franck Pascal, Cuvée de Reserve Brut Nature, Vallée de la Marne

Einen wunderbar leichten Einstieg bot der Winzerchampagner von Franck Pascal. Ungewöhnlich in seiner Art, Pinot Meunier geprägt und ohne Dosage abgefüllt, fand er doch Zuspruch; denn er kommt nicht so knochentrocken daher, wie man auf Grund der fehlenden Dosage hätte vermuten können. 4 Hektar besitzt Franck Pascal im Tal der Marne und beginnt mit einem Flaschenpreis von 26 Euro. Cremig ist sie, diese Cuvée de Reserve mit feiner Hefe und einem schönen Duft von reifen Äpfeln. Für mich ein ausgezeichneter Bankett-Champagner, den es ebenso mit einer geringen Dosage von 3 Gramm gibt.

glaeser

Louis Roederer Brut Premier, Reims

Ganz anders präsentierte sich der Roederer Brut. Druckvoller und säurebetonter zeigt sich der Einstiegswein von Louis Roederer. 4 Hektar Pascal gegen 300 Hektar Roederer (200 ha plus 100 ha zugekaufte Reben), Winzerfamilie gegen Glamour und Marketing. So kontrastreich ging es zu.

Diesem Wein werden verschiedene in Eichenfässern ausgebaute Reserveweine zugesetzt. Er setzt sich zusammen aus etwa einem Drittel Chardonnay und zwei Dritteln Pinot, davon wiederum ca. 15 % Pinot Meunier. Neben den klaren Hefearomen strömt der Duft von Mandeln aus dem Glas, dazu viel Zitrus und frische Orange und grüner Apfel. Der Wein ist sehr straff und mineralisch – ein ausgewogener, kräftiger, klarer, beeindruckender Stil aus Reims.

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Drappier Brut Rosé, Val de Demoiselles, Côte de Bar

Drappier liegt in einem der Satellitengebiete der Champagne,  an der Côte de Bar im Departement Aube. Lange haben sich Winzer wie Politiker aus den Departements der Marne und Aube um die Zugehörigkeit der Aube-Gebiete zur Appellation Champagne gestritten. Wie Stiefkinder wurden die Gebiete behandelt, in denen der Champagner lange Saulte Bouchon hieß und der Weinbau vor allem durch die Mönche des Klosters Clairveaux forciert wurde.  Seit einigen Jahrzehnten ist das kein Thema mehr, man hat zusammengefunden, nicht zuletzt durch den gemeinsamen Feind, der sämtliche Champagnergebiete in den Weltkriegen entweder verwüstet oder ausgebeutet hat.

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Mit 50 Hektar gehört Drappier zu den kleinen, ausgezeichneten Betrieben in dieser Gegend. Sie tragen das im Namen, was so einige alteingesessene Häuser – Ruinart ist das beste Beispiel – gemacht haben, bevor sie sich dem Vertrieb von Champagner gewidmet haben. Die Drappiers waren Tuchhändler. Irgendwann hat man dem Kunden als Mitbringsel den geschätzten Champagner mitgegeben und der wurde dann zunehmend so beliebt, dass das Geschäft einträglicher war als das des Tuchhandels.

Der Rosé aus einem kleinen Wingert namens Val des Demoiselles, Tal der Jungfrauen, stammt zu 100 Prozent aus Pinot Noir, der bei Drappier drei Tage auf der Maische belassen wird. Ein kräftiger Champagner mit dem Duft von roten Früchten und ein wenig Veilchen und leichten Gewürzen. So kräftig, dass er dem Essen in der Pause nach der Präsentation von Schottens Kollektion mühelos standhalten konnte.

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De Sousa et Fils, Blanc de Blancs Réserve Gran Cru, Côte de Blancs

Der zweite Teil der Tour durch die Champagne begann mit der Vorstellung eines kleinen Hauses aus dem Ort Avize, einem der Zentren der Côte de Blancs. Das 11-Hektar-Weingut De Sousa & Fils hat hier zu einem eigenen klaren Stil gefunden. Ausgezeichnete biodynamische Weinbergsarbeit ausschließlich in Gran Cru Lagen, Spontanvergärung und Ausbau in Barriques, in diesem Fall in 15 Prozent neuen Fässern. Das Ergebnis ist ein wunderbar cremiger Chardonnay mit Aromen von frischem Brioche, Nüssen und Zitrus. Je länger der Wein steht, desto stärker werden die Aromen von reifen Orangen. Für 35 Euro ist dies ein wunderbar reifer und fülliger Champagner sehr guter Qualität.

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Fleury Père et Fils, Millésime 1996, Côte de Bar

Ebenfalls biodynamisch arbeitet Fleury Pere & Fils. Er gehört mit zu den Pionieren in der Champagne. Bekannt geworden als Winzer des Jahres 1993 im Gault Milliau, macht er für mich momentan mit die besten Champagner unterhalb der 100 Euro-Grenze. Der 1996er Millésime hat große Klasse. Eine wunderbare Verbindung aus Frische und Alterungsnoten, reifer Hefe, mürbem Apfel und frischen roten Beerenfrüchten und ein wenig Tabak. Eine klare Pinot Noir-Dominanz sorgt für Kraft. Sehr, sehr harmonisch steht er dem letzten Wein des Abends in nichts nach.

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Billecart-Salmon, Cuvée Nicolas-François Billecart Millésime 1998, Montagne de Reims

Der Billecart-Salmon Cuvée Nicolas-François Billecart 1998 Millésime zeigt ähnlich herrlich harmonische Reife. Chardonnay von der Côte de Blancs und zehn Prozent Pinot Noir aus der Montagne de Reims sowie eine leichte Dosage, die bei Billecart 10 Jahre lang in Holzfässern gelagert wird, bilden einen weichen, Brioche und Zitrus geprägten Wein.

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Es gab eine deutliche Lagerbildung bei den beiden letzten Jahrgangschampagnern. Da mochte der eine lieber Pinot Noir, die andere präferierte den Chardonnay. Außergewöhnliche Klasse kann man beiden Häusern bescheinigen. Das sind beides Weine, die in ihrer Klarheit und Tiefe auf wunderschöne Art die Einzigartigkeit der Champagne präsentieren – und nicht zuletzt einen gelungenen Schlusspunkt für den Abend gesetzt haben.

Secret Mineral 2006, Denis Jeandeau, Pouilly-Fuissé, Bourgogne

Abgesehen von dem Irrtum, dass ich beim Kauf davon ausgegangen bin, dass dieser Wein ein Sauvignon Blanc sei, und den damit verbundenen Irritationen bei der Probe, ist dies ein beeindruckender Wein. Der Wein stammt aus Pouilly-Fuissé im Mâconnais, genau gesagt, aus den Lagen le Clos des Prouges und la Terre Jeanduc, wobei die ältesten Rebstöcke mittlerweile bis zu 75 Jahre alt sind.

Als würde man Birnen, Honig und Bananen als Geruchsproben in Reagenzgläser verbannen und dann inhalieren.

Ein opulenter Geruch strömt da aus dem Glas und bleibt auch auf der Zunge präsent. Dort wirkt der Wein allerdings viel feiner und man spürt deutlich das mineralische Grundgerüst. Es kommt eine feine Säure hinzu, die sich gegen die Opulenz stellt und den Wein ins Lot bringt. Ein Chardonnay-Schwergewicht, welches trotzdem deutlich elegant bleibt. Sehr fein gemacht.

Secret Mineral 2006, Denis Jeandeau, Pouilly-Fuissé, Bourgogne, 25,- Euro

Pouilly-Fuissé liegt nicht neben Pouilly-Fumé

Stand ich doch am Freitag in einem meiner bevorzugten Weinläden und suchte noch einen Gegenspieler zum Quarz Sauvignon Blanc der Cantina Terlan, so einem 25 Euro Schwergewicht aus dem Süden Tirols. Ich fand einen Pouilly-Fuissé von Denis Jeandeau. Der Name sagte mir nichts und ich griff eher ein wenig blind zu.

Um zwei Sauvignon Blancs zu vergleichen, war das nicht unbedingt die richtige Wahl. Ich muss gestehen, dass ich keinen blassen Schimmer davon hatte, dass Pouilly-Fuissé mitnichten an der Loire liegt und auch keinen Sauvignon Blanc zum Inhalt hat. Ich wunderte mich schon stark ob der schweren Bananentöne im Wein und dachte an einen Chenin Blanc, um wenigstens das Gebiet zu verteidigen. Aber es wird Chardonnay angebaut in Pouilly-Fuissé, denn diese Appellation liegt im Burgund.

Moet & Chandon, Dom Perignon 1996, Champagne

Der letzte Champagner des Abends war wohl auch der Star. Man kommt nicht darum herum. Es gibt einen ziemlich Hype um den Dom Perignon und der Name ist wohl ein Synonym für hervorragenden Champagner. Der 1996er Jahrgang gehört zudem zu den bestbewerteten Jahrgängen des Dom Perignon.

Moet & Chandon besitzt etwa 1.000 Hektar(!) Rebfläche in der Champagne, übernahm 1963 Ruinart, 1971 Mercier und fusionierte im gleichen Jahr mit Hennessy. 1987 kam es dann zum Verbund mit Louis Vuitton zum Lifestylekonzern LVMH. Vuitton brachte darüber hinaus auch noch Veuve Clicquot mit in die Ehe. Da weiß man also, was los ist. Nichts mit Tradition und Weinbauern, die noch fast von Hand in Flaschen abfüllen. Das ist Business, knallhartes Geschäft und Vertretung von Interessen in der Champagne. Eine Stimme die zählt, auch wenn es darum geht, die Grenzen der Appellation Champagne stetig zu erweitern, weil die Reichen dieser Welt mehr denn je von den Luxuswässerchen verlangen. Okay, es gibt einen kurzen Finanzkrisenrückschlag, aber das wird nicht von Dauer sein. Und nicht nur die russische Oberschicht ist durstig, die chinesische wird es auch sein.

Zurück zu Moet: 1.000 Hektar Rebfläche, verteilt auf 200 Gemeinden, 25 Gemeinden mit Premier Cru Status. 6.2 Mio verkaufte Flaschen pro Jahr und 110 Kilometer Kreidekeller mit eigenen Straßenbezeichnungen. Die ältesten Gänge gehen in das Jahr 1742 zurück. 1794 kaufte Jean-Remy Moet das Kloster Hautvillers, in dem Dom Perignon die Methoden der Champagnerbereitung verfeinert hatte. Die Luxuscuvée Dom Perignon, ultima ratio dieses multinational agierenden Konzerns, wurde erstmals 1937 lanciert, seit den 50ern einer der wenigen ständigen Begleiter eines britischen Geheimagenten, dürfte es eine der bekanntsten Marken weltweit sein, deren Etikett mit dem Stern mich immer kurz an einen russischen Krimsekt denken lässt.

Toast, Brioche und Mandeln duften einem fein entgegen. Dazu kommen Zitrus, Apfel und etwas, was mich, mal ganz vorsichtig gesagt, an Fischöl erinnert. Der Wein ist weich und wirkt sehr elegant. Kreidenoten kommen dazu und Pfirsich, ein wenig Birne und Honig. Das ist toll. Ob es die ultima ratio ist, bleibe dahingestellt. Wirklich bewegt haben mich an diesem Abend zwei bis drei andere Flaschen. Die stammen aus den Häusern Fleury, Krug und Ruinart.

Moet & Chandon, Dom Perignon 1996, ausgezeichnet, ca. 150 Euro

Louis Roederer, Cristal 2000, Champagne

Zu Roederer habe ich ja schon etwas geschrieben. Nach dem Brut stand nun der 2000er Cristal auf dem Programm. Die Cuvée, die erstmals für Zar Alexander II. kreiert wurde, als Privatchampagner sozusagen mit eigenem, ungewöhnlichem Flacon – einer hellen Glasflasche, die dazu führt, dass jede einzelne Flasche noch einmal in orange Zellophan gehüllt wird, um die Qualität des Champagners unter Sonneneinstrahlung nicht zu beeinflussen. Den Cristal gibt es nicht jedes Jahr. Es braucht die großen Jahrgänge und die besten Lagen in der Montagne de Reims, dem Vallée de la Marne und der Côte de Blancs, um dem Qualitätsmaßstab gerecht zu werden. Fünf Jahre liegt der Champagner dann auf der Hefe, bis er in den Handel gelangt. Zu früh, wie ich finde.

Er wirkt noch ein wenig unreif oder, das ist vielleicht zu viel, etwas verschlossen, als müsse man ihm noch mehr zutrauen. Frisch ist er jedenfalls. Rassig sagt man wohl bei einem solchen Geschoss mit ordentlich Säure und einem Bündel Zitrusaromen. Je länger er steht, desto feiner wird der Geschmack nach feinen gelben Früchten, verdrängt die Zitronen und Grapefruits. Hinzu kommt etwas von Karamell und weißer Schokolade. Aber das ist noch nicht das ganz große harmonische, perfekt ausbalancierte Ereignis. Dazu braucht es noch Zeit.

Louis Roederer Cristal 2000, Champagne, sehr gut, ca. 190 Euro

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