Ich muss zugeben, ich bin um diesen Artikel herumscharwenzelt, immer wieder. Ich habe ja schon über Vieles geschrieben hier im Blog, aber selten über gereifte Weine aus dem Burgund. Überhaupt lese ich dazu sehr selten etwas, auch in anderen Blogs kommt das Burgund, so nehme ich es wahr, selten vor. Das könnte daran liegen, dass es schlichtweg deutlich schwieriger ist, darüber zu schreiben als über, sagen wir, gereifte Mosel-Rieslinge, zumindest empfinde ich das so. Nun, bevor wir zur Bewährungsprobe kommen gab es als Entrée eine Bollinger La Grande Année 1996 für unseren Kleinen Bonner Weinzirkel. Ich kam etwas zu spät und die Flasche war schon länger geöffnet. So hatte sich der Wein schon entfaltet und verströmte einen schönen Duft von etwas mürbem Apfel, gleichzeitig Zitrusaromen, etwas Hefe und Nüsse. Im Mund wirkte der Champagner wie auch in der Nase wie ein zwiegespaltenes Ganzes. Einerseits Alterungstöne, siehe mürber Apfel, andererseits sehr viel Frische, Mineralität und Säure. Der Champagner kann vor zehn Jahren kaum zum Genuss geeignet gewesen sein wenn ich schmecke, wie viel Säure er jetzt noch hat. Jetzt tut es ihm gut und verbindet sich vortrefflich mit dem crémigen Charakter. Der lange Abgang überzeugt vollends.
Die eigentliche Reihe an weißen Burgundern begann dann mit einem 2000er Rully Premier Cru Les Cloux von Vincent Girardin. Rully zählt nicht zu den berühmten Lagen. Rully gehört, neben Bouzeron, Givry, Mercurey und Montagny zum Gebiet der Côte Chalonnaise zwischen Côte d’Or und Mâconnais. Das Gebiet zeichnet sich durch Kalkstein und kalkhaltigen Lehm aus, in Rully selber gehört die Premier Cru Lage Les Cloux zu einer von 20 Premier Cru Lagen.
Der 2000er Les Cloux hat eine leicht und angenehm duftende Nase nach etwas Blüten und Zitrone mit einem Hauch Honigbanane. Schon in der Nase kann man Säure erahnen, die sich im Mundgefühl auch bestätigt. Deutliche Apfelsäure findet sich hier. Was die Säure angeht, wirkt der Wein jung, die Frucht aber dürfte sich nicht mehr weiter entwickeln und ist an ihren Grenzen angelangt.
Jean Boillots 2001er Puligny-Montrachet stammt aus der Premier Cru Lage Clos de la Mouchère. Hier sind wir schon bei einem der berühmten Montrachet-Winzer und bei einer guten Lagen angelangt. Nachdem eine leichte Käsenote aus dem Glas entschwunden ist, offenbaren sich Noten von Akazienholz und -honig mit ein wenig Banane und ich fühle mich an überschwengliche Übersee-Chardonnay erinnert. Am Gaumen finden sich die Akaziennoten wieder, aber angenehm deutlich gedämpft. Es kommt eine Orangennote hinzu und leichte Noten von Alterung. Neben der Frucht steht eine ernsthafte Säure und viel Mineralität. Dieser Wein kann noch ein paar Jahre mehr, ist aber jetzt ausgezeichnet, mit einer schönen Länge und Dichte.
Daneben fällt Etienne Sauzets 1999er Puligny-Montrachet aus der Premier Cru Lage Les Combettes deutlich ab. Hier fand sich für mich ein metallischer Ton in der Nase, der Wein wirkte auch im Mund fast ein wenig scharf. Jedoch ist kein wirklicher Fehler und erst recht kein Oxydation festzustellen. Damit hatten wir am gesamten Abend glücklicherweise keine Probleme. Doch wenn Sauzet sagt, dies sei sein bester Jahrgang seit 1992, finde ich dies zumindest bei dieser Flasche überraschend. Er ist ausladend und lang, aber eben nicht wirklich balanciert.
Der zweite Flight setzte sich aus drei Meursault zusammen. In diesem Bereich der Côte d’Or finden sich keine Grand Crus, dafür aber eine Menge Premier Cru. Jörg, der die Runde ausgerichtet hat, hat den 1998er Les Narvaux von Vincent Giradin neben den 1996er Les Genevrières des selben Winzers gestellt und den Flight durch einen 1997er Les Grands Charrons von Michel Bouzereau ergänzt.
Les Narvaux glänzt in der Nase durch ein komplexes Bukett aus Haselnüssen, Akazienhonig, etwas Schokolade, Baiser und Quitte. Der Duft ist großartig, der Geschmack dieses Weins kann allerdings nicht ganz mithalten. Der Burgunder hat eine deutliche, vielleicht etwas zu starke Säure, was in der Nase Honig war ist hier eher Kandis mit einem Rest Karamell, und neben Volumen, Dichte und einer gewissen Mineralität findet sich ein leicht brandiger Ton im Abgang.
Les Grands Charrons von Michel Bouzereau wirkte wie eine große Portion Honig-Karamell. Aber eher so ein wenig wie Honig-Karamell-Parfum, in das sich dann irgendwann eine Blumenwiese und etwas Butter mischt. Der Wein wirkte auf mich ein wenig aufgesetzt und nicht ganz stimmig.
Les Genevières von wiederum Vincent Girardin beschloss den zweiten Flight mit einem Meursault im Zuckerbäckerstil der eine gewisse Opulenz von allem an den Tag legte -ölig im Glas mit Holzaromen in der Nase und einer süßen Frucht. Dabei aber immer noch mit Säurerückgrad und Mineralität. Einzig ein Bitterton im Abgang störte meinen positiven Gesamteindruck.
Mit der dritten Runde begaben wir uns in die Liga der Premier Cru Gewächse aus Chassagne-Montrachet. Diese umfassen rund 150 Hektar der Gesamtanbaufläche von 340 Hektar. Neben den Premier Cru gibt es mit Bâtard-Montrachet, Criots-Bâtard-Montrachet und Montrachet lediglich noch zusätzliche drei Grand Cru Lagen die zusammen gerade einmal 11,6 Hektar umfassen.
Nebeneinander standen in diesem Flight der Chassagne-Montrachet Premier Cru Les Caillerets 1998 von Jean Noel Gagnard, der Chassagne-Montrachet Premier Cru Les Caillerets 1996 von der Domaine Bachelet-Ramonet sowie ein 1996er Chassagne-Montrachet Les Chaumées Clos de la Truffière von Michel Niellon.
Diese drei Weine wirken etwas dichter und konzentrierter als die Mersault aus der vorherigen Paarung. Gagnards Les Caillerets verbindet das Leichte von floralen Noten mit einer konzentrierten Dichte von Steinobst, reifem Apfel und Shortbred. Shortbred oder besser Apple-Pie mit ein wenig Haselnüssen und einigen Kräuternoten finden sich auch im Geschmack wieder. Der Wein beeindruckt durch seine wie selbstverständlich wirkende Balance von Fülle und Struktur.
Ramonets zwei Jahre älterer Les Caillerets stammt aus der selben Lage, ist aber, wen sollte es wundern, ein völlig anderer Wein. Was mir zunächst wie abgebrannte Feuerwerkskörper in der Nase erscheint entwickelt sich bei zunehmender Luft zu einer deftigen Specknote, oder besser, Speckchips. Am Gaumen fand ich den Wein deutlich weniger harmonisch, deutlich unbalancierter als jenen von Gagnard. Vor allem das Zuviel an Säure fand ich etwas störend in einem ansonsten durchaus noch energiereichen Wein.
Mit Niellons 1996er Clos de la Truffière hatten wir dann als Nächstes meinen Favoriten des Abends im Glas. In der Nase ganz zurückhaltend, meilenweit entfernt von der Specknase des Nachbarn, finden sich eher leichte Zitrusaromen, ein wenig tropische Früchte und Haselnuss. Am Gaumen dann erneut die Limetten- und Zitrusfrüchte, etwas von Orangenschale, wieder Haselnuss. Aber was rede ich von Obst und Gemüse. Die Struktur, die Struktur ist es, die Harmonie, die Länge, das Verwobene von Frucht, Mineralik und Säure, die Frische und das Sämig-Weiche beeindruckten sehr.
Der letzte Flight war durchaus ungewöhnlich, befand sich in der Gruppe doch ein 1961er Chablis Premier Cru Fourcheaume von Albert Pic neben einem 1996er Chablis Grand Cru Vaudèsir der Domaine Verget sowie ein 1994er Bâtard-Montrachet der Domaine Leflaive.
Zum 1996er Chablis von Pic habe ich mir keine weiteren Notizen gemacht, der hatte, wenn ich mich Recht erinnere, seine beste Zeit hinter sich, wirkte müde und erschöpft. Ganz anders der 1961er Fourcheaume. Auch der hat seine beste Zeit längst hinter sich aber wirkte nicht wirklich müde, alt zwar, aber nicht erschöpft. Wir waren schwer beeindruckt von seiner Präsenz. In der Nase fand sich Satz von schwarzem Tee in Verbindung mit Orangenschalen, im Mund noch eine Rest von kräutrigen Noten und Obst, spannend war das Säuregerüst, dass den Wein durch die Zeit geschleift hat.
Weniger beeindruckend als die guten Jahrgänge und trotzdem schön war der 1994er Bâtard-Montrachet von der Großmeisterin des weißen Burgund, Anne Leflaive. Was normalerweise ein Kunstwerk ist und entsprechend teuer, wirkt hier fast wie ein Süßwein dem ein wenig die Säure fehlt und entsprechend die Struktur. In der Nase finden sich karamellisierte Aprikosen mit einer noch vorhandenen mineralischen Komponente, am Gaumen wirkt der Wein ein wenig wie Orangenlikör. Und, na ja, eine wirklich angenehme Form von Orangenlikör, aber Orangenlikör ist halt nicht Bâtard-Montrachet.
Das wir den Abend mit zwei fulminanten Weinen beschlossen haben erwähne ich noch, führe es aber nicht weiter aus. Der Gastgeber wollte noch mal überprüfen, verdeckt, wie sich ein 2000er Grüner Veltliner Ried Loibenberg von Emmrich-Knoll und ein 1997er Uhlen von Heymann-Löwenstein so in der Konkurrenz mit den Montrachet schlagen würde und ob man nach dem ganzen Chardonnay noch erkennen würde, was nun im Glas sei. Nun, man erkannte beide Rebsorten und Gebiete, und, ich muss es jetzt einfach gestehen, so faszinierend die Weine im Vorfeld waren, und wie sehr ich die Burgunder als Begleiter guten Essens schätze, als Solisten würde ich den Veltliner und den Uhlen immer vorziehen.
Eines der faszinierendsten Themen der Weinwelt ist für mich die Champagne. Erst spät, es muss am Geldbeutel liegen, bin ich überhaupt erst dazu gekommen, andere Champagner zu trinken als man sie hier und da mal bei bei Geburtstagen oder auf Stehpartys und Empfängen in die Hand gedrückt bekommt. Das war dann immer weitestgehend ausdrucksloser Bankett-Champagner, der keinem weh tut, aber auch kein bisschen dazu beitragen mag, sich für dieses Getränk weiter zu erwärmen. Hinzu kommt, dass mir die Marketingstrategien und Allüren der großen Häuser ziemlich fremd sind. Hier werden Produkte als rar und exklusiv feil geboten, die in Millionenauflage praktisch vollautomatisiert hergestellt werden. Dafür aber, dem Marketingetat sei Dank, müssen horrende Summen bezahlt werden. Dazu war ich nie bereit. Genauso wenig mochte ich zu irgendwelchen Champagner-Verkostungen pilgern die, mit einem Haufen Celebrities bestückt, in irgendwelchen überkandiedelten Hotels, wie beispielsweise dem geschmacklosen Kameha Grand hier in Bonn, abgehalten werden.
Dann aber hatte ich irgendwann mal zwei Gläser in der Hand. In dem einen befand sich Champagner von Krug, in dem anderen ein Jahrgangschampagner von Larmandier-Bernier. Diese beiden Schaumweine haben meine Sicht auf dieses Weinbaugebiet grundsätzlich verändert. Mittlerweile habe ich Vieles probiert – man kann ja Proben organisieren um sich durch das Programm zu verkosten – und bin diesem Stoff ein wenig verfallen. Zumindest den guten Vertretern. Und davon gibt es eine ganze Menge. Man muss sie nur finden. Neben Krug gibt es natürlich auch bei den großen Häusern wirklich gute Weine. Wer einen gereiften Roederer Cristal oder einen Jahrgangschampagner von Bollinger oder einen Cômte de Champagne von Taittinger probiert hat, weiß, was ich meine. Ich persönlich finde es jedoch viel interessanter, mich mit jenen zu beschäftigen, die es mittlerweile gewagt haben, sich aus der Deckung der großen Häuser zu wagen, die ihre Trauben nicht mehr den Cooperativen geben oder eben jenen großen Häusern. Verführerisch ist das nämlich allemal, denn für gutes Traubenmaterial wird viel Geld gezahlt. Mehr als irgendwo anders – ausser vielleicht im Napa Valley. Trozdem, es gibt immer mehr, die es wagen, selbst auf den Markt zu gehen und es gibt immer mehr, die diese Winzer-Champagner auch kaufen. Das ist ein großes Glück denn dadurch zeigt sich erst die Vielfalt. Die Vielfalt der Böden, der Klimata, der Rebsorten – hey, es gibt auch Champagner vom Pinot Blanc und von der Arbanne, und natürlich vom Schwarzriesling, pardon, Pinot Meunier, und was für welchen…
Heute stelle ich drei Champagner vor, die ich drüber im Shop auch verkaufe. Ich mache ganz bewusst auf Winzer aufmerksam, die dort Flächen bewirtschaften die so klein sind, wie bei Vollenweider an der Mosel. Gemeinsam haben sie, dass sie sich dem biodynamischen Anbau verschrieben haben und das sie Holz zum Reifen einsetzen, was wenige machen. Krug ist bekannt dafür und der Großmeister der Winzer, Anselm Selosse. Jedoch immer mehr Winzer, vorwiegend aus dem Biodyn-Bereich setzen ganz zurückhaltend das Holz ein um einen gewissen Austausch mit dem Umgebungsluft zu gewährleisten. Deswegen wirken die Weine nur selten oxydativ.
Der Bulles de Comptoir beispielsweise ist meilenweit von irgendwelcher Oxydation entfernt. Der ist so scharf wie ein Rasiermesser. Da sammeln sich Tropfen von Limetten und frischer Grapefruit auf des Messers Schneide und sie rinnen nur deshalb nicht herab, weil sie aufgehalten werden, von größeren Mengen an Kreide. Das ist straight to the edge. Nicht unbedingt der Stil, den ich favorisiere, das ist mir noch zu hart. Aber ausgezeichnet gemacht. Charles Dufour, so heisst der Winzer, sitzt in Landreville, im Tal der Aube. Wer durch das Dorf fährt, wird ihn im Zweifel zunächst nicht finden. Es ist eben ein Winzer und kein Champagner-Haus, so wie bei uns in den Weinbaugebieten. Da stehen keine schnellen Sportwagen vor riesigen Landsitzen.
Gegründet wurde der Besitz von Robert Dufour der, der einfach drei Champagner hergestellt hat. Brut, Sec und Demi-sec. Roberts Sohn und der Vater des heutigen Besitzers, Yves, hat sich auf trockene Champagner spezialisiert. Dabei hat er, als einer der ganz wenigen, verschiedene Rebsorten getrennt ausgebaut. Nebenbei, auch das war selten in den Achtzigern und Neunzigern, hat er auf biologischen Anbau gesetzt, in Zeiten, in denen andere Winzern noch den Hausmüll aus Paris als Dünger eingesetzt haben. Während Charles einige Jahre in Neuseeland und Australien sein Wissen erweitert hat, hat seine Mutter in einigen Parzellen auf Biodynamie umgestellt. Seit 2007 läuft der ganze Betrieb unter Kontrolle von Ecocert. Was ganz typisch ist für die Côte de Bar ist der große Anteil von Pinot Noir im Rebbestand. Das ist auch bei den Dufours nicht anders. Was sie aber neben Meunier und Chardonnay noch anbauen ist Pinot Blanc. Und das ist selten. Es gibt sogar reinsortigen Pinot-Blanc-Champagner, drüben im Shop. Den hat Vater Yves 1999 ausgebaut und Sohn Charles 2009 degorgiert. Im Bulles de Comptoir, dessen Etikett diesen Artikel ziert, ist ein Drittel Pinot Blanc, den Rest teilen sich Pinot Noir und Chardonnay.
Ganz anders als Dufour wirkt der Brut Essentiel von Benoît Lahaye. Lahaye lebt und arbeitet in Bouzy, einer Hochburg der Pinot-Noir-Champagner und voller Grand Cru Lagen. So ist auch dieser Brut Essentiel mit 6 Gramm Dosage ein Gran Cru. Den 90 % Pinot wurden schmeichelnde 10 % Chardonnay hinzugefügt. Lahaye hat in den Neunzigern, bekehrt vom Patrick Meyer aus dem Elsass, auf bio-organischen Anbau umgeschwengt und ist dann weiter Richtung Biodynamie gegangen. Für ihn ist klar, und da singt er im Chor: vor der Biodynamie war es nicht möglich, vernünftigen Brut Nature herzustellen weil die Trauben seit der Umstellung zunehmend reifer werden – bei gleichem notwendigen Säuregrat. 4.5 Hektar besitzt Lahaye. Knapp 96 % fallen auf Pinot Noir, eine Parzelle wurde mit Chardonnay bepflanzt.
Lahayes Brut Essentiel, und das gilt für alle seine Weine, sind Weine die dringend getrunken werden wollen. Nicht, weil sie nicht lange altern würden, nein, weil sie so lecker sind. Der Brut Essentiel weist neben feinen Hefenoten, die an frisch gerührten Teig erinnern, Kernobstfruchtnoten auf. Da ist Créme drin und ein angenehme Weichheit. 55 % des Weines stammen übrigens aus dem Jahr 2007, der Rest sind Reserveweine. Dieser Champagner hat eine schöne Tefe und ist dabei sehr charmant unkompliziert. Neben den Fruchtaromen findet sich eine angenehme Säure und Mineralität. Der Wein ist für unter 30,- zu haben und das ist ein fantastischer Einstieg in die Champagnerwelt.
Der Einstiegswein von Georges Laval, bzw. seinem Vincent, der den Betrieb seit 1996 führt ist fast doppelt so teuer wie der Lahaye. Der Cumières Brut Nature ist ein rarer Wein. Nicht so rar wie die anderen Weine von Laval, von denen unter 1.000 Flaschen jährlich abgefüllt werden, doch wirklich selten. Laval besitzt 2.5 Hektar im Tal der Marne, genau gesagt in Cumières und macht selbst in guten Jahren keine 10.000 Flaschen. Das ist sehr wenig. Glücklicherweise sind die, die mal seine Champagner probiert haben, so überzeugt von seiner Qualität, dass er Preise bis 180,- die Flasche nehmen kann, ab Hof ist das immer noch mal günstiger. Das ist für Winzer-Champagner definitiv die Ausnahme. Allerdings gibt es Menschen, die sagen, dass seine besten Chamapgner auf einem Niveau liegen mit Krugs Clos de Mesnil.
Der Cumières Brut Nature besitzt eine wirklich überragende Balance zwischen Frucht, Säure und Mineralität. der Wein duftet nach roten Früchten, mürben Äpfeln, etwas Brioche, etwas Zitrus und etwas Salz. Der Wein ist im Mund total harmonisch, schwebt geradezu auf der Zunge. Das ist große Klasse. Es schrieb mal jemand, das wäre Puligny-Môntrachet mit Bläschen, und ich weiss, was er meint.
Seit einiger Zeit nun schon beschäftige ich mich Winzer-Champagnern, habe selbst einige im Programm und Namen wie Larmandier-Bernier, Léclapart, Egly-Ouriet, Selosse oder Gimmonet sind mittlerweile bekannt, andere, Newcomer wie Prévost oder Lahaye werden immer bekannter. Einer aber, der seit 1971 Champagner macht und zwar – nach Meinung einiger – einen extrem guten dazu, finde ich in den Besprechungen und Veröffentlichungen praktisch gar nicht. Bei Eichelmann oder Edwards jedenfalls taucht er nicht auf. Lediglich in den Blogs Mad about Wine und Sparkling Online finde ich Hinweise und Beschreibungen der Weine von Champagne Georges Laval, einem kleinen Produzenten aus Cumières, was im Tal der Marne, unweit von Epernay liegt. Der Sohn des Gründers, Vincent Laval beackert hier gerade einmal 2,5 Hektar, was einem Ertrag von ca. 9.000 Flaschen per anno entspricht. Das ist reichlich wenig und entsprechend rar und teuer sind die Weine. Das Flagschiff Les Meuniers de la Butte wird in 885 Flaschen abgefüllt und kostet ca. 180 Euro.
Die Einstiegscuvée ist ebenfalls nicht günstig, ca. 50 Euro muss man schon berappen um eine der knapp 7.500 Flaschen ergattern zu können. Der Wein besteht zu 95% Prozent aus dem 2006er Jahrgang dazu kommen 5% aus 2005. Die Cuvée wurde aus 50% Chardonnay, 25% Pinot Noir und 25% Meunier assembliert. So viel zu den technischen Details.
Viel interessanter ist ja, was dahinter steckt und das ist in der Tat feiner Stoff. Zunächst bin ich mir im Glas gar nicht klar darüber, ob das nun ein Rosé werden sollte oder nicht, der Wein changiert zwischen goldgelb und rosé, er wirkt in der Nase ganz leicht nussig mit Karamellüberzug, dazu kommt viel Marzipan, etwas frischer Brotteig und mürber Apfel. Cremig wirkt der im Holz ausgebaute Wein schon in der Nase, eine leichte Crème stelle ich auch im Mund fest, wo die Pinot-Noten und die Kraft der roten Traube deutlicher hervortreten. Dazu findet sich eine angenehme Säure ein. Der Wein wirkt keinesfalls so knochentrocken wie er eigentlich ist – die Dosage liegt nahe Null – was auf durchaus reifes Lesegut schließen lässt. Insgesamt wirkt der Champagner sehr offen und zugänglich, füllig und weich einerseits, mit angenehmem Biss und Grip andererseits.
Dieser Champagner ist durchaus angenehm ausgewogen und gut, der Preis ist allerdings eine Hausnummer, und den für diesen Champagner zu zahlen fällt mir schwer. Da würden mir spontan ein paar einfallen, denen ich erst einmal den Vorzug geben würde wenn ich wählen dürfte, zumal mir da hinten raus nach diesem vollen Gefühl im Mund ein bisschen was fehlt.
Das wird auch am zweiten Tag nicht besser, der Wein wirkt jetzt noch ein wenig oxidativer und der mürbe Apfel dominiert das Geschmackserlebnis. Es kann sein, dass es an der kleinen Flasche (0,375ml) liegt, aber auch jetzt überzeugt mich der Wein nicht wirklich., jetzt in der 750ml Flasche genossen, eine Pracht. Ich habe selten so einen stimmigen und ausgewogenen Chamapgner getrunken und jetzt verstehe ich auch den Preis.
Ich muss sagen, dass ich bis gestern der Meinung war, dass Burgund und nachvollziehbares Preis-Genuss-Verhältnis ein unauflösbarer Wiederspruch sind. Gestern aber haben wir uns mit vier Weißweinen aus dem Burgund einen netten Abend gemacht. Dabei dürften die ersten beiden Weine unter 10 Euro zu haben sein, die beiden Chardonnay von de Villaine liegen unter 20 Euro.
Der erste Chardonnay mit dem wir uns beschäftigt haben stammt aus Loché, einem kleinen Dorf im Mâconnais, welches knapp oberhalb des Beaujolais liegt. Im Mâconnais befindet sich unter anderem auch die Appellation Pouilly-Fuissé.
Céline et Laurent Tripoz – man kann mit Fug und Recht behaupten das die Qualität ihrer Weine im diametralen Gegensatz zur Qualität ihrer Website steht – haben 1990 mit der Weinbereitung begonnen, kurze Zeit später fiel die Entscheidung, auf bio-dynamischen Anbau zu setzen. Nach Aussage derer, die die Domaine von Beginn an begleiten geht es seit dem qualitativ steil bergauf. Wenn es stimmt, dass diese Wirtschaftsweise das Terroir aus dem Wein geradezu extrapolieren kann, dann kann ich das anhand dieses Weines nachvollziehen. Der Chardonnay wirkt salzig-mineralisch, eine karge, relativ kühle Landschaft mit Seeluft kommt mir in den Sinn. Dabei muss er sich erst einmal, oder vielleicht müssen wir uns erst einmal durch einen unangenehmen Geruch kämpfen der an stehendes Wasser erinnert. Das mag daher kommen, dass der Korken komplett durchnässt war. Die Befürchtung, der Wein könne Schaden genommen haben bestätigt sich glücklicherweise nicht. Im Gegenteil, nachdem sich diese Mischung aus Brackwasser und vergorenem Gemüse gelegt hat finden wir Sandelholz samt einer Kaffeebohne in die sich im Laufe des Abends der Geruch von Salz und Haselnüssen mischt.
Der Wein ist knackig frisch mit einer kräftigen Säure die etwas an Apfelsäure erinnert. Dabei fallen mir genau gar keine Früchte ein wenn ich über das Aromenspektrum des Weines nachdenke. Es ist die salzige, säurebetonte Kargheit die beeindruckt und später durch eine leicht hefige Note und etwas Florales erweitert wird. Der Wein wird im Laufe des Abend weicher und runder, behält aber sein Gerüst, behält die ihm innewohnende Ausgeglichenheit.
Als wir unsere Nase in das zweite Glas halten, erleiden wir fast einen Kulturschock. Diese beiden Weine haben zunächst einmal so gut wie nichts miteinander zu tun, bis auf die Tatsache dass sie aus dem Burgund stammen, zu 100% aus Chardonnay gekeltert wurden, dem gleichen Jahrgang entstammen, die gleichen Alkoholgrade in sich tragen und ziemlich genau das Gleiche kosten dürften. Sonst ist alles anders. Wenn der Tripoz einer Familie von Evangelikalen entstammt so sind die Weine von d’Ardhuy rheinischer Katholizismus. Der Chardonnay der Domaine Gabriel d’Ardhuy duftet nach kleinen Thai-Bananen die mit ein wenig Akazienhonig bestrichen wurden und auf einem Bett von Sahnequark liegen. Vielleicht wurde etwas gelbe Melone in den Sahnequark geschnitten, aber das wissen wir nicht genau. Der Wein duftet sehr verführerisch, der Duft steht klar im Glas, wirkt dabei aber nicht im Mindesten schwer oder gar zu üppig. Wir zögern ein wenig den Wein zu trinken, weil wir unisono erwarten, dass der Wein nicht halten wird was er in der Nase verspricht, doch, oh Glück, der Wein ist gut, sehr gut wenn man den Preis im Hinterkopf hat. Er birgt eine leichte Süße in sich, aber eben nur ein leichte, die von einer durchaus präsenten Säure gekontert wird. Auch im Mund findet sich der Geschmack der Banane, glücklicherweise jedoch dezenter. Zum Schluss schleicht sich eine deutliche Würznote heran und begleitet den Abgang.
Im Laufe des Abends dann verschwindet die Banane und wird durch eine gemüsige Note ersetzt, ergänzt durch etwas kandierte Früchte, reife Pomelo und Haselnüsse. Auch dieser Wein ruht in sich, ist sehr gut ausbalanciert und für einen Gutswein sehr gelungen. Apropos Gutswein, das Gut, bzw. die Domaine d’Ardhuy wurde 1947 von Gabriel d’Ardhuy in Corgolain gegründet, heute führen seine sieben Töchter (sic!) die verschiedenen Unternehmsteile, wobei für die burgundische Domaine Mireille d'Ardhuy-Santiard verantwortlich zeichnet, die dieses Gut seit einigen Jahren auf biologische Wirtschaftsweise umstellt. Zu dieser Domaine, von der ich bisher – man verzeihe meine Unkenntnis – nie gehört hatte, gehören insgesamt Stücke an 11 verschiedene Grand Cru (Corton Charlemagne, Bâtard Montrachet, etc.), 15 Première Cru und 12 Villages-Lagen sowie die Monopol-Lage Clos des Langres, quasi der Garten der Domaine. Ich bin gespannt, was diese Domaine noch zu bieten hat wenn sie so beginnt.
Der Les Clous von A. und P. de Villaine, Mitbesitzer der Domaine Romanée-Conti, stammt aus der Côte Chalonnaise und ist wiederum völlig anderer Stil. Der Les Clous, ebenfalls Jahrgang 2007, wird eher durch Zitrusaromen dominiert, eingestreut sind einige Veilchen und etwas Honigbanane. Dabei weht ein wenig Klebstoff durch die Nase und etwas vom grünen Apfel. Beides verfliegt jedoch nach kurzer Zeit. Dieser Wein ist deutlich feiner als der d’Ardhuy, Kräuterwürze und Salz finden sich auf der Zunge, der Wein wirkt kräftig und doch filigran, breit und kühl. Zunächst ziehen wir diesen dem zweiten Wein im Flight, dem Les Saint-Jacques aus Rully vor. Dieser Chardonnay, ebenfalls von de Villaine, wirkt sehr zurückgezogen, ja scheu, fast ätherisch mit feinem Duft von Kerzenwachs, Blumen und Zitronen. Er öffnet sich jedoch im Laufe von Stunden und läuft irgendwann dem Les Clous den Rang ab, zumal diesem nach Stunden seine Säure zum Verhängnis wird, diese überlagert die Aromen etwas zu stark. Der Saint Jacques dagegen bleibt schwebend und doch präsent, filigran und doch breit; in gewisser Weise erinnert er mich an einen im Leben stehenden Landadeligen, während Les Clous eher Standesdünkel vor sich herträgt. Beeindruckend beim Saint-Jacques ist definitiv der lange Abgang, der diesen Chardonnay mit allen anderen Eigenheiten zu einem ausgezeichneten Burgunder in diesem Preisgefüge macht. Und wenn ich ihn jetzt, beim Schreiben des Artikels, noch mal nachverkoste, finde ich den Wein mindestens so stimmig wie am Abend zuvor.
Michael und ich hatten gestern dank der Wirtschaftsförderung der Stadt Goch, kom.M, einmal mehr die Möglichkeit, ungewöhnliche Weine an ungewöhnlichen Orten zu präsentieren. Nach dem Museum Goch, der Druckstraße von B.O.S.S.-Druck und dem Fünf-Ringe-Haus war es diesmal die Weltenbühne im Ortsteil Hassum – ein Schmuckstück aus der Sammlung des verrückten Puppenspielers Heinz Bömmler. Heinz nennt sich selber so, dabei ist er alles andere als das. Er ist ein versierter Geschäftsmann, der seine Sammelleidenschaft zum Lebensinhalt gemacht hat und dessen Weltenbühne nur ein kleiner Teil dessen ist, was unter Viller Mühle firmiert und weit über den Niederrhein hinaus bekannt ist – zum einen als Veranstaltungsort prominenter Kabarettveranstaltungen, Beispielsweise der WDR-Reihe Hart an der Grenze, zum anderen als Hort von unzähligen Alltagsprodukten und ganzen Kulissen vergangener Zeiten, die hier für historische Film- und Fernsehaufnahmen regelmäßig geliehen werden.
Die Weltenbühne war für uns der geeignete urige Rahmen unserer kleinen Reihe, in der wir uns am Niederrhein mit dem Oberrhein beschäftigt haben. Wer sich fragt, wie es dazu kam, außer dass am Oberrhein eindeutig gute Weine gemacht werden? Es ist schlicht der gerade aktuelle Spargel, der beide Regionen ganz nahe aneinander rücken lässt und der das Verbindungsglied des Abends darstellte.
Bis auf einen Abstecher an den Vorderrhein, genauer gesagt nach Malans in der Bündner Herrschaft, haben wir uns also mit dem Markgräfler Land, dem Bodensee, dem Zürichsee, dem Schwarzwald und dem Elsass beschäftigt und mit einer Riege von André Stentz begonnen.
Es ist jammerschade, dass die Elsässer Weine im allgemeinen solche Ladenhüter sind, gibt es hier doch wahre Schätze zu bergen und auch unauffällige Kleinodien zu entdecken. André Stentz, einer der frühen Vorreiter der elsässischen Bioszene, der mittlerweile alle guten Winzer dort angehören, macht seit vielen Jahren einen der besten Crémants, die ich kenne. Der 2008er Crémant d’Alsace aus Pinot Blanc, Pinot Gris und Chardonnay beweist dies ein weiteres Mal. Eine feine Perlage, ein frisches Aroma von Brioche und Nüssen in Verbindung mit mürben Früchten wird durch eine feine Säure herrlich gepuffert. Der Crémant d’Alsace Rosé, neu im Programm, wirkt ebenso fein. Der Pinot Noir aber dreht den Aromenkreis in eine ganz andere Richtung von satten roten Früchten. Ähnlich überzeugend wie die Crémants wirkte der Gutsriesling, der Riesling Alsace AOC des Hauses André Stentz. Trocken, luftig, frisch, mit einer feinen blumigen Note – aromatisch also, aber überhaupt nicht ausladend, sondern eher filigran und fein.
Bis zum Spargelessen führte die Reise vom Elsass aus zurück über die Grenze in die Nähe von Lörrach, wo Gerd Schindler im Weingut Lämmlin-Schindler einen hervorragenden Weißburgunder aus dem Mauchener Sonnenstück vinifiziert hat.
Weiter ging die Reise durch das Ländle und den dortigen Rebsortenspiegel zum Auxerrois der Aufrichts, die ich hier, hier und hier mal ausführlicher beschrieben habe. Der Auxerrois aus den Meersburger Lagen am Bodensee wirkte allerdings ein wenig zu dropsig, um auf Dauer spannend zu sein.
Deutlich spannender und so gelungen wie so ziemlich alles, was Alexander Laible so anpackt als Winzer, ist der Chardonnay SL***. Ein fruchtiger Chardonnay voller Kraft und gleichzeitiger Finesse. Herrlich ausgewogen zwischen Frucht, einer salzigen Aromatik und einer angenehmen Säure. Wenn auch noch sehr jung, wir haben den aktuellen 2009er Jahrgang probiert, gefällt dieser Weine, wenn auch manche Teilnehmer des Abends etwas Schwierigkeiten hatten, sich durch den krautig-gemüsigen Duft der Spontangärung durchzuarbeiten.
Zum Spargel dann gab es Ziereisens Gutedel Heugumber. Wer meinen Blog liest, kann mehr zu Hanspeter Ziereisen finden. Der Heugumber ist für mich einer der Sommerweine, nicht nur zum Spargel. Leicht, beschwingt, mit feiner Frucht und Würze, wenig Säure und Alkohol zum moderaten Preis ist das ein richtiger Spaßwein.
Der Wein zum Dessert kam da aus einer ganz anderen Liga. Zurück im Elsass widmeten wir uns dem Gewürztraminer Furstentum Gran Cru Vielles Vignes der Domaine Albert Mann aus dem Jahr 2007. Die Lage Furstentum wird bereits im Jahr 1330 in den Weininventarbüchern des Klosters Basel erwähnt. Der Gewürztraminer ist eine Wucht im wahrsten Sinne. Er dürfte gerade jetzt am Anfang seiner Trinkreife stehen, entfaltet im Laufe des Abends – wir haben ihn früh vorher geöffnet – ein großartig dichtes Aromenspektrum von Rosen, Litschi und Grapefruit in Kombination mit dieser markanten, sortentypischen leicht herben Würze. Eine Wucht aber auch deshalb, weil dieser Wein trotz ordentlicher Restsüße noch 13,5 % Alkohol beisteuert. Das ist nicht leicht zu verkraften, macht aber, wenn man diesem Wein Zeit widmet – Michael und ich haben dies dann nach der Veranstaltung noch ein wenig ausgedehnter getan –, sehr viel Freude.
Die Rotweine des Abends haben leider nicht nur polarisiert, das war uns klar, nein, anscheinend haben wir das Publikum ein wenig überfodert. Zwei Pinot Noir, ein Gamaret und ein Syrah standen auf dem Programm. Das sind letztlich alles nicht unbedingt Weine für Menschen, die sich nur selten tiefer mit dem Thema Wein auseinandersetzen.
So überraschte uns, dass selbst der 2007er Spätburgunder Markgräfler Land von Martin Wassmer den wenigsten zusagte. Ein burgundisch ausgebauter Typ, straight, aber nicht zu kompliziert mit einer angenehm weichen Holznote im Finale. Noch ablehnender standen die meisten dem Blauburgunder 2005 Zur Krone Malans von Anton Boner-Lichti gegenüber. Wirklich überzeugend fand ich diesen Wein allerdings auch nicht, genauso wenig den Gamaret aus der Staatskellerei Zürich. Auch diesen hatten wir vorher geöffnet und kurz probiert. Dabei wirkte der Wein aus der 1970 gezüchteten Traubensorte, die praktisch ausschließlich rund um Zürich angebaut wird, zunächst ganz spannend, weil sie wie keine andere Traube nach frisch gekochtem Rotkohl riecht, nach Rotkohl mit Nelke und ein wenig Pfeffer. Schwer wirkte er in der Nase, weicher und samtiger dann war er am Gaumen. Zweieinhalb Stunden später am Abend wirkte der Wein dann schon etwas müde und ich hatte starke Assoziationen an mit Maggi versetzte Würzsoße.
Für mich über jeden Zweifel erhaben war zum Schluss der 2007er Syrah Gestad von Hanspeter Ziereisen. Ein ausgezeichneter Wein, dessen Aromen von Teer zwar auch nicht allen zusagten, wohl aber mehr Teilnehmern des Abends. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich diesen Wein probiere. Ein Cool-Climate Syrah, nicht schwer, nicht fett, nicht überbordernd. So wie Hanspeter Ziereisen auch seine Blauburgunder zunehmend ausbaut, wird auch der Syrah immer filigraner und präziser. Die kleinen Mengen sind schnell ausverkauft und nicht einmal die Ziereisens konnten uns aus ihrem Keller noch etwas schicken. Bernd Klingenbrunn & Armin Maurer, kurz K&M Gutsweine, aber hatten noch eine Magnum für diesen Abend, die sie uns glücklicherweise kurzfristig zusenden konnten; denn sonst wäre das Rebsortenspektrum des Abends um eine Attraktion ärmer gewesen.
Eine schöne Reise war’s, eine Reise mit einigen Einblicken in eine alte Kulturlandschaft, die genauso oft gespalten wurde durch Kriege und Verwüstungen wie sie auch immer wieder zusammengefunden hat in gemeinsamen Interessen und Traditionen. Und eine Weinreise ist sie auf jeden Fall wert.
Momentan bin ich ja dabei, einen kleinen Online-Shop mit einer originalverkorkten Auswahl an Weinen zu füllen, und darunter leidet ein wenig die Dichte an Veröffentlichungen im Blog. Bevor aber die Notizen verstauben und die Erinnerungen verblassen, denke ich gerne zurück an den letzten Donnerstag, als ich abends mit Siggi einige Weine probiert habe, beispielsweise den Chablis Premier Cru Fourchaume von Goulley wie auch diesen Ziereisenschen Chardonnay mit dem altüberlieferten Parzellennamen Hard.

Die Ziereisens haben mir auf der Prowein Dienstagmorgen eine Stunde ihrer Zeit widmen können, der Zeitpunkt war gut gewählt; denn sonst ist es am Gemeinschaftsstand von Ziereisen – Molitor – van Volxem sehr, sehr voll. Dort habe ich neben den Pinots und dem Syrah die ganze Reihe unfiltrierter Weißweine des neuen Jahrgangs probieren können und der Chardonnay ist mir förmlich auf der Zunge explodiert. Daher war ich sehr gespannt auf diesen handverlesenen Wein. Der Mann ist ja vor allem bekannt für seine Pinots, die sich in ihrer Stilistik zunehmend ändern von eher holzbetonten, kräftigen Typen zu klar strukturierten, leichteren aber ganz präzisen Tropfen. Darüber sollte man seine Weißweine nicht vergessen, die von außerordentlicher Güte sind.

In der Nase wirkt der Wein ein wenig elsässisch, so blumig-duftig steht er im Glas. Ich hatte ein wenig Angst, dass er vielleicht zu fett geraten sein könnte, wie es häufig passiert mit Chardonnays, die Holz gefühlt haben. Hier? Mitnichten. Was nach der blumigen Nase im Mund verströmt, sind feine gelbe Früchte mit einem leichten Touch von Holz – lediglich und zum Glück 10 Prozent neue Barriques und 90 Prozent gebrauchtes Markgräfler Holz – und Karamell. Dieser Wein ist enorm aromatisch und dicht, dabei aber eben kein Stück schwer. Im Gegenteil, da gibt es genügend kalkige Mineralität und eine hervorragende Säurestruktur, die diesen leicht trüben, da unfiltrierten Wein zu einem Erlebnis macht.