originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Thierry Germain, Soliterre 2007, Saumur

30/Aug/09 16:09 kategorisiert in: Chenin Blanc, Weiss, Frankreich, Weissweine, nach Rebsorten

Und noch einer …

Am nächsten Morgen fahre ich mit meinem Sohn nach Brüssel ins Freibad. Brüssel stimmt nicht ganz, das Freibad liegt in Kessel-Lo, so ca. 25 km außerhalb von Brüssel. In Brüssel selber gibt es so etwas nämlich nicht. Keine Ahnung warum, auch in Kessel-Lo ist es nicht voll und daher angenehm und neben dem Freibad gibt es dort einen sehr schön angelegten Landschaftspark.

Vorher gehen wir noch kurz zu Delhaize, um etwas für das zweite Früstück zu kaufen, und natürlich gehe ich, wie immer, durch die Weinabteilung. Die ist bei Delhaize ziemlich gut und man bekommt dort zum Beispiel die Kadette von Kanonkoop für knapp 6 Euro, was ziemlich günstig ist; denn bei uns zahlt man etwa 10 Euro und es ist ein wirklich schöner Wein für dieses Geld.

In der Mitte der Abteilung steht dann ein Korb mit dem Cabernet Franc, den ich am Abend zuvor getrunken habe, diesmal mit weißem und nicht mit violettem Etikett, und außerdem ein Weißwein namens Soliterre. Er kostet knapp 13 Euro, liegt damit 3 Euro unter L'Insolite. Wie auch der Saumur Champigny firmiert dieser Wein nicht unter dem Namen der Domaine, sondern unter dem des Eigners, Thierry Germain. Auf der Website der Domaine taucht auch er auf.

Gestern geöffnet, erkennt man die Ähnlichkeit des Stils im Vergleich mit L'Insolite. Chenin Blanc mit einem deutlichen Aroma von reifen Birnen und Banane. Er erscheint mir nicht so vielschichtig wie L'Insolite und auch das Holz dominiert stärker. Insgesamt etwas geschmeidiger, massenkompatibeler. Nichtsdestotrotz ein schöner Wein, den er da gemacht hat, der umtriebige Herr Germain.

Thierry Germain, Soliterre 2007, Saumur, gut, 12,49 Euro, Delhaize, Belgien

Domaine de Roches Neuves, L'Insolite 2007, Saumur, Loire

Thierry Germain stammt aus einer wohl nicht ganz unbetuchten Bordelaiser Winzerfamilie und hätte dort irgendwann die Güter seines Vaters übernehmen können. Er hat sich anders entschieden und 1991 die Domaine de Roches Neuves gekauft. Bezeichnend ist, dass sein Vater, Eigentümer diverser Lagen im Bordeaux, sich später angeschlossen hat und noch ein bisschen an der Loire dazugekauft hat.

Thierry Germain jedenfalls hat sich zunächst noch eine Weile vom Vorbsitzer der Domaine beraten lassen, bevor er dann das Ruder komplett allein übernommen hat. Für ihn gibt es ein klares Prinzip: Gute Weine entstehen im Weinberg und sollen so naturbelassen wie möglich ausgebaut werden. Er hat sich also der biodynamischen Wirtschaftsweise zugewandt, verzichtet auf Herbizide und Pestizide im Weinberg ebenso wie auf Reinzuchthefen im Keller. An der Loire steht er damit längst nicht allein. Nicolas Joly arbeitet schließlich in derselben Gegend und mittlerweile haben sich gerade in dieser alten Kulturlandschaft vergleichsweise viele Winzer der biodynamischen Bewegung angeschlossen.

All die eigenwilligen Verfahren nützen letztlich aber nur dann, wenn man grundsätzlich etwas vom Weinmachen versteht und der Wein, der schließlich erzeugt wird, auch etwas taugt. Das ist beim einzigen Weißen, den Germain produziert, der Fall. Der Wein stammt von uralten Chenin Blanc-Rebstöcken im Saumur. Hier findet man tonhaltige Kalkböden vor, die auch Löss sowie Kiesel aus Feuerstein und Sandstein enthalten, was zu einem klar mineralischen Charakter führt. Der Wein wird in neuen Fässern vergoren und dann im Barrique ausgebaut, was man kaum schmeckt, so gut eingebunden sind die Holznoten.

Viel  präsenter als das Holz sind Mirabellen und Birnen und ein wenig Banane, bittere Orangen, ich würde sagen, Kumquats und Grapefruit, in die sich Karamell mischt. Je länger der Wein steht, desto mehr Melone und Papaya kommt hinzu und am Gaumen machen sich dann auch noch ein paar Stachelbeeren bemerkbar. Der Wein hat eine Dichte, die für diese Trauben im Loire-Tal wohl typisch ist, aus Südafrika kenne ich das auch anders. Und trotz der Dichte wirkt der Wein nicht zu schwer – die Minerale machen es und eine ausgewogene Säure, viel weniger als bei unseren hiesigen Rieslingen, aber doch genug, um den Wein leicht schweben zu lassen. Cremig ist er, schmelzig und hochgradig empfehlenswert.

Ach ja, eine schöne Website hat das Weingut auch.

Domaine de Roches Neuves, L'Insolite 2007, Saumur, Loire, 16,50 Euro

Christophs und Holgis Mixtour No. 13, zu Gast: Siggi

Nach dem gemeinsamen Nachmittag in Spay bei der Jahrgangspräsentation der Weine von Florian Weingart haben wir uns einen Loire-Abend gegönnt. Während andere Männer mit Bierwägelchen durch die Lande zogen oder schon neben den ehemals rollenden Gefährten entschlummert waren, standen bei uns Sancerre, Vouvray und Saumur auf dem Programm.

Domaine Vacheron gehört seit langer Zeit zu den herausragenden Betrieben der Appellation Sancerre und bewirtschaftet seit 18 Jahren – und seit fünf Jahren zertifiziert – die 40 ha in biodynamischer Weise. Dabei fallen 32 ha auf den Basis-Sancerre, einige Hektar sind reserviert für die Weine des Les Romaines betitelten im Holzfass ausgebauten Spitzensancerre sowie einige Hektar für den Roten.

Kalkstein, Mergel und Silex ergeben die Grundlagen für einen sehr mineralischen, ausgesprochen feinen Sauvignon Blanc, der deutlich nach den typischen Stachelbeeraromen duftet. Dazu kommt etwas Zitrone, Heu und ein bisschen Feuerstein, was ein wenig riecht wie frischer Bremsgeruch beim ICE. Im Mund bleibt die mineralische Frische, die der Nase gefällt, und neben dem deutlichen Duft nach Stachelbeeren tauchen etwas Johannisbeere und grüner Apfel auf, auch die Zitrone schaut wieder ums Eck.

Der Vouvray von Huet und der Coulée de St. Cyr der Domaine Saint Just aus dem Saumur sind Weine, die mit der Feuersteinstachelbeerfrische des Sancerre mal genau gar nichts zu tun haben. Der Chenin Blanc ist deutlich dichter, schwerer, voluminöser als der frische Sauvignon Blanc von Vacheron. Wobei sowohl der Clos du Bourg 2007 von Huet als auch der Coulée der St. Cyr 2006 der Domaine de St. Just letztlich noch viel zu verschlossen sind und eigentlich noch Jahre im Keller verbringen sollten, bevor man sie öffnet. Einen Einblick gewähren sie trotzdem.

Wenn man von herausragenden Weingütern an der Loire spricht, wird man immer auch den Namen Domaine Huet l'Echansonne erwähnt finden. Dieses vergleichsweise junge Weingut der Huets (1928 gegründet) hat sich schnell einen Spitzennamen erworben und sich über Jahrzehnte hinweg mit kompromisslosem Qualitätsstreben und einigen ausgezeichneten Lagen im Vouvray an die Spitze befördert. Seit dem Zusammentreffen mit Nicolas Jouly vom Coulée de la Serrant arbeitet Huet biodynamisch, was wohl die Qualität noch einmal verbessert hat. Die Weine gelten in guten Jahren als fast unbegrenzt haltbar.

Der Clos du Bourg, tatsächlich ist es ein echter Clos, ein an das Burgund erinnernder Weinberg mit Steinmauerumrandung, gilt unter den drei Spitzenlagen, die anderen heißen Hau Lieu und Le Mont, als der mit den zunächst am meisten verschlossenen, dafür aber langlebigsten Weinen. Der Wein beeindruckt aber durchaus schon jetzt. Er ist tief und harmonisch selbst in seiner Zurückgezogenheit. Was bei der Dichte des Weines erstaunt, ist die tiefe Mineralität dieses Weines, in den sich Anklänge von Honig und Mandarinen mischen.

Wenn ich die Domaine Huet als jung bezeichne, so ist sie doch geradezu ein Urgestein gegen die Domaine Saint Just. Diese gibt es erst seit zwölf Jahren und Yves Lambert und sein Sohn Arnauld müssen sehr viel Geld investiert haben, um im Saumur diese moderne Kellerei mit 99 Hektar (!) zu erwerben. Das Angebot der Weine reicht vom weißen Saumur über die typischen Cremants zu Saumur Champigny, einem Roten aus dieser Region. Die Weinberge liegen auf Lagen von Kalkstein, Sand und Ton.

Der Coulée de St. Cyr wirkt ähnlich kräftig wie sein Kollege aus dem Vouvray. Dabei zeigt er sich schon offener, er ist nun auch schon ein Jahr älter, aber auch hier hatten wir den Eindruck, der Wein sei eher für die Ewigkeit gemacht als für den jetzigen Zeitpunkt. Dabei finde ich es sehr schwer, dem Wein einen spezifischen Geschmack oder Geruch zuzuweisen, es ist eher so, als würde man in ein paar Meter Abstand an einem Blumen- und Früchtestand auf dem Markt vorbeigehen. Es ist eine süße Traubendichte, das Goldgelb sehr reifer Trauben, der Druck und die Mineralität und der lange Nachhall dieses Weines, der jetzt schon einen sehr harmonischen Eindruck hinterlässt, aber ebenso dazu aufruft, ihn in den Keller zu sperren und bis auf Weiteres zu vergessen.

Zum Abschluss gab es Lebenswasser, aus Waldhimbeeren extrahiert. Einer, der dieses meisterhaft beherrscht, einer der großen Künstler des Eau-de-Vie, ist der Elsässer Jean-Paul Metté. Alle Eau-de-Vie und Spiritueux von ihm werden in drei Doppelbrandanlagen aus Kupfer hergestellt. Bei diesem Brand werden die Waldhimbeeren zunächst 4 Monate in 75-prozentigen Weinbrand gelegt, bevor nach Entfernung von Vor- und Nachlauf der Brand ein weiteres Mal gebrannt wird. Dieser 75 %-Stoff wird mit Quellwasser auf 45 % reduziert und verschwindet dann für acht Jahre im Edelstahltank.

Das Ergebnis ist ein fast reiner Duft und Geschmack nach Himbeeren, wie ich ihn so klar bisher noch nicht erlebt habe.

Sancerre 2008, Domaine Vacheron, Sancerre, Loire, Vinaturel, 17,85 Euro
Le Clos du Bourg 2007, Domaine Huet, Vouvray, Loire, Vinaturel, 17,- Euro
Le Coulée de St. Cyr 2006, Domaine de St. Just, Saumur, Loire, Fegers & Berts, 16,90 Euro
Eau-de-Vie de Framboise Sauvage, Jean-Paul Metté, Alsace, Vinaturel, 375 ml, 29,- Euro

Mixtour auf italienisch mit griechischem Beiwerk und französischem Abschluss

Mit Siggi habe ich in Bonn glücklicherweise jemand gefunden, der genauso weinvernarrt ist wie ich selber, einen, der sich mit einem Weinatlas ins Bett legt und diesen durchliest wie andere Krimis und der sich auch mal ’ne gute Flasche vom Munde abspart.

Er jedenfalls hatte mich eingeladen zu Essen und Wein – und ich habe es nicht bereut.

Blind verkostet gab es vorab einen Schluck von einem im großen Holzfass ausgebauten Weißburgunder der Cantina Terlan. Ein feiner, nach Birnen und Äpfeln duftender Pinot Bianco, dem die leicht würzige Holznote sehr gut tut.

Was Siggi dann zu gefüllten Kalbsrouladen und Polenta gereicht hat, war aller Ehren wert.

Der 2000er Fontalloro von Felsina, einer der berühmten Tafelweine aus dem Chianti, 100 % Sangiovese, wartet auf mit kräftigem Duft nach Süß- und Sauerkirschen. Dazu ein wenig vom typischen Geruch nach Stall, Schweiß und Leder. Später kommt etwas Kräuteriges hinzu und ein bisschen Eukalyptus. Er wirkt fest und stark zu Beginn, baut dann aber im Laufe des Abends ab. Nichtsdestotrotz ein beeindruckender Wein.

Der 1999er Poliziano von Asinone, ein Vino Nobile de Montepulciano, gilt bei Einigen als Referenzwein in Sache Vino Nobile. Erstmals 1985 abgefüllt, zeigt er Jahr für Jahr kontinuierlich eine Klasse, wie sie andere Erzeuger nicht so stringent hinkriegen. Der Wein besteht aus den autochtonen Rebsorten Prugnolo Gentile, Canaiolo und Mammolo.

Zunächst einmal ist dieser Wein ein ungeheuerer Nasenschmeichler. Kirsche und Pflaume, weich und dunkel, Schokolade kommt hinzu und ein angenehmer Hauch von Kühle weht herein, als ob jemand im Hintergrund die Tür öffnet. Ein wenig Leder findet sich ein und später Marzipan in diesem Tropfen, der immer noch feste Tannine und straffe Säure besitzt. Ein ungemein tiefer, klarer, harmonischer Wein.

Zu einem ungewöhnlichen, in Jamie Olivers Italienbuch gefundenden, einfach zuzubereitenden Dessert von Vanilleeis mit Olivenöl und Fleur du Sel – die drei Ingredienzien sollten von sehr guter Qualität sein, dann überzeugen sie durch einen überraschenden und faszinierenden Geschmack – gab es einen Muscat de Lemnos von Ktima Hatzigeorgiou. Dieser Wein lag dem Weihnachtsstammtischpaket von WeinPlus bei und erhielt in der Wertung 92 Punkte. Diese konnten wir nicht wirklich nachvollziehen. Der Wein wirkt überkandiert und vordergründig. Sehr, sehr viele vollreife Aprikosen gehen eine Allianz ein mit einigen Bitterorangen und Datteln. Neben viel Süße erhaschen wir eine Bitternote, etwas von Crema Catalan und Kandiertem. Nicht wirklich tief und harmonisch. Die Harmonie zeigt sich erst eine Woche später, als ich den Wein noch mal aus dem Kühlschrank hole.

Zum Schluss dann, mitten in der Nacht quasi gehen wir noch mal in den Keller und verharren vor dem Flaschenarsenal, entscheiden uns schließlich für eine Flasche La Lune 2006 der Ferme de la Sassonière, also für einen Chenin Blanc aus dem Anjoù.

Dieser nach Demeter-Richtlinien erzeugte Wein hat mich nicht ganz überzeugt. Direkt nach dem Öffnen ein wenig UHU-Noten und Pflaume. Die Aromen vergehen schnell und weichen der Süße, feiner Mineralik und dem Geruch reifer Birnen. Vielleicht etwas Aprikose. Der Wein trägt eine beschwingte Leichtigkeit in sich, wirkt zunächst sehr harmonisch. Viel Frucht paart sich mit einer klaren Mineralik. Doch ist er mir zu zurückhaltend, schüchtern fast, freundlich, aber mit zu wenig Biss. Und plötzlich dann löst er sich in seine Bestandteile auf …

Terlaner Weißburgunder Vorberg, 2004, DOC, Kellerei Terlan, Südtirol
Fontalloro, 2000, IGT, Felsina, Toscana
Poliziano, 1999, Vino Nobile de Montepulciano, Asinone
La Lune, 2006, La Ferme de la Sassonière, Anjoù

Kleine Zalze mit Mungobohnen-Dal und Tilapias

12/Apr/08 21:49 kategorisiert in: Abschweifungen, Chenin Blanc, Weiss, Südafrika

Als Nachtrag zur Weinrallye möchte ich noch mal einen Wein aufgreifen, den das culinarium curiosum schon vorgestellt hat. Die Kleine Zalze aus dem Stellenbosch musste sich mit einem bengalischen Dal aus Mungobohnen, mildem Spitzpaprika und Tilapiafilets einlassen. Sie hat es ganz gut hingekriegt, das Säuregerüst und die Zitrusaromen sind stabil genug für indische Gewürze, wobei es sich hier nicht um bengalisches Feuer gehandelt hat. Das Marsala war mild und in Bengalen kocht man viel mit Panch Phroan, was Fünf Gewürze heißt und aus Schwarzkümmel, braunen Senftkörnern, Fenchel-, Bockshornklee- und Kreuzkümmelsamen besteht, die in Ghee, geklärtem Butterschmalz, in der Pfanne angeröstet werden.

Kleine Zalze Chenin Blanc 2006

Zu solchen Gerichten kommt dann naturgemäß noch ein wenig Chilipulver, Koriander, Kurkuma und Garam Masala. Gegen diese Geschmackshoheit – auch wenn es eine milde ist – muss ein Wein erst mal bestehen. Die Kleine Zalze duftet stark nach Williams-Christ-Birnen, die sich auch am Gaumen wiederfinden, gepaart mit Limetten und Ananas. Die Birnenaromen passten nicht wirklich optimal zu diesem Gericht. Ohne Essen hat mir der Wein deutlich besser gefallen. Insgesamt ist er für seine ca. 6 Euro erstaunlich ausgewogen und harmonisch mit seinem Fruchtbouquet, seiner Mineralik und der Säure.

Kleine Zalze, Bush Vins, Chenin Blanc 2006, Stellenbosch

Weinrallye 10 – Die Zusammenfassung

11/Apr/08 12:03 kategorisiert in: Chenin Blanc, Weinrallye

Weinrallye 10 - Chenin Blanc

Eine weitere Weinrallye ist nun zu Ende gegangen, 15 Blogs haben sich beteiligt, Der Initiator Thomas Lippert vom Winzerblog ist, wie schon angesprochen, leider verhindert, Harald vom Weingut Steffens-Keß hat sich mangels Zeit entschuldigt und Matthias Metze von viva-vino konnte aus gleichem Grund nur zu einer älteren Verkostungsnotiz greifen.

Der ausgewählte Wein allerdings ist der Aperitiv zum Start der Rallye und der Ausbau des Chenin Blanc zu einem Crémant de Loire gehört mit zu den klassischen Verarbeitungsweisen. Matthias hatte einen Les Doucinières von Vincent Girault im Glas mit den für frische Chenins so typischen Apfelaromen, Pivu von six-to-nine hätte gerne eine Verkostungsnotiz des Crémant von Château Tour Grise beigesteuert, allein im fehlte die Aufzeichnung. Zu seinem ausführlich beschriebenen Wein kommen wir später; denn noch sind wir bei den leichten, den einstimmenden Weinen. Der vinissimus Robert Freudenthaler hat einen solchen im Programm. Die Domaine Patrick Baudouin Effusion 2004 aus dem Anjou überzeugt ihn durch die runde, unspektakuläre Frische. Zudem macht er sich noch mal grundsätzlich lesenwerte Gedanken zur Traubensorte.

Chateau Saumur, copyright: David Hughes | Dreamstime.com

Ebenfalls einen solch frischen Loirewein hat Svetlana Kittke gefunden, die auch diesmal wieder ein beeindruckendes Menü zusammengestellt hat,von dem man sich hier überzeugen kann. Zu in Knoblauch angemachten Meeresfrüchten harmonierte ihrer Meinung nach der leicht moussierende, restsüße Domaine de la Taille aux Loups von Jacky Blot. Daneben stellt sie einen Vouvray von Gaston Huet und einen Coteaux du Layon von Jo Pithon. Ihr Eindruck: »In der Nase dominierte eine Petrolnote mit Honig, Walnüssen und Trockenfrüchten gemixt. Am Gaumen explodierte der Wein förmlich in verschiedene Bestandteile: Karamell, butter toffee, Pfirsich und Trockenfrüchte wie Aprikose. Der Abgang war dann extrem lang, harmonisch und nussig.«

Sehr, sehr ausführlich beschreibt Iris Rutz-Rudel, zugeschaltet aus dem Süden Frankreichs, das Zusammenspiel von Trauben und Edelfäule anhand eben dieser edelsüßen Kostbarkeiten der Coteaux du Layon, einer Region, die ich bis dato gar nicht auf dem Schirm hatte. Daran anschließen kann sich das Kaulweinblog. Auch sie wählten einen von der Loire stammenden botrytisdominierten Wein aus den Coteaux de l`Aubance, den Plaisier der Domaine de Romchambeau. Sie empfehlen ihn mit gratiniertem Ziegenkäse, Schinken, Melone und Kräutern der Provence. Und wenn ich über Käse schreibe, dann auch über den trockenen Vouvray 1999 der Domaine du Clos de L`Epinay, denn es war der Käse, der mit dem Vouvray eine kongeniale Verbindung einging und dessen Qualität deutlich steigerte, schreibt Bernd Klingenbrunn vom K&M Gutsweinblog.

Wenn wir uns weiter in diesem Landstrich bewegen und zu dem kommen, was ich im Vorfeld als Kult bezeichnet hatte, komme ich noch mal auf Pivu zurück.Was er kürzlich im Glas hatte, ist nicht zu verachten und sei hier noch mal zitiert: »Knochentrocken, dicht, seidig und kompakt und in höchstem Maße komplex. [...] Weißwein für erfahrene Rotweintrinker. Grenzüberschreitend und Horizonte erweiternd. Chenin Blanc in seiner ganzen Bandbreite. [...] Gelbe Gewürze, Safran, Kardamom, Curry, reife Äpfel und Birnen, Lindenblüten, morbide Herbstfeuer und verblühendes Leben. Wein, mit dem man sprechen kann und der zu einem spricht. Erfahrung, Erlebnis, Erleben. Naturwein in rarer Perfektion für besondere Stunden und Sentimente.« Er redet von einem 2001er Saumur Blanc Brézé von Clos Rougeard und beschreibt all die Primär- und Sekundäraromen, die ich idealer Weise einem loiregeprägten Chenin Blanc höchster Güte zuschreiben würde. Hinzu kommt noch die klare und präzise Säurestruktur, die den Chenin vom Sauvignon und Chardonnay wegbewegt und dem Riesling annähert. Weshalb Pivu seinen Artikel auch mit Riesling von der Loire überschrieben hat.

Bewegen wir uns weiter in diesem Feld der Archetypen, so kommen wir zum Savennières Clos de Coulaine von Claude Papin, Château Pierre Bise. Das Weblog der K&M Gutsweine wirft diesen neben dem erwähnten Vouvray noch zusätzlich in die Runde. Auch hier Teile der Typizität: kräutrig-steinige Aromen, klare Mineralität und Säure, ebenfalls typische Botrytisnoten. Diese konnte ich, um einen Wein eines nahegelegenen Weinbergs zu beschreiben, ebenfalls feststellen. Dass Nicolas Joly in dieser Weinrallye auftauchen würde, war klar. Diese streitbare Persönlichkeit der Weinwelt mit seinem Wein, an dem sich die Geister scheiden, an dem man aber sicher nicht ohne Meinung vorbeikommt, war prädenstiniert für diese Rallye. Ich habe mich nicht für den Großen entschieden, sondern eben für den Savennières. Überzeugt hat er mich allerdings diesmal leider nicht, nicht am ersten, nicht am zweiten, nicht am dritten Tag. Dabei wirkte der Wein nicht zu alt, die Mineralität und Säurestruktur war passend, nur als sonderlich komplex habe ich ihn nicht empfunden.

Wie unterschiedlich die Eindrücke grundsätzlich, dann aber auch noch mal in Bezug auf die verschiedenen Jahrgänge sind, beschreiben Sabrina und Simon Klaiber vom culinarium coriosum in ihrem ersten Beitrag zur Weinrallye 10. Ein Artikel zum Coulée de Serrant in der Vertikalprobe hatte letzte Woche schon die Weinwelt von Michael veröffentlicht. Um so interessanter, was die Klaibers schreiben. Sehr ausführlich, sehr schön gestaltet. Dank! Auch Niko Rechenberg befasst sich auf Nikos Weinwelten mit diesem »eigenen Universum«, erinnert sich an einen unvergleichlichen 1998er und beschreibt seine Begnung mit dem sehr, sehr jungen 2006er auf der Prowein.

Wo waren wir noch nicht? In Südafrika! Glücklichweise habe ich den Drink Tank im Feedreader, sonst hätte ich Mario Scheuermanns Beschäftigung mit Chenin Blanc nicht mitbekommen. Auch er war versucht, sich Nicolas Joly zu widmen, dachte, das machen andere (Recht hatte er) und hat sich anderem Kult zugewandt: Bruwer Raats. Ihm ist es wohl vor allem zu verdanken, dass aus dem Steen neben dem säurebetonten Massensprit am Kap wieder mineralisch betonte Spitzenweine erzeugt werden. Scheuermann beschreibt den Raats Chenin Blanc und den opulenten Raats Original Chenin Blanc hier.

Stellenbosch, copyright: istockphoto.com

Der arme Lars Breidenbach von schreiberswein wäre an der Aufgabe, Chenin Blanc in Freiburg zu besorgen, fast gescheitert, fand dann aber in der hintersten Ecke eines Supermarktes eine angestaubte Flasche 2005 Ruitersvlei und der Inhalt war so, wie die Staubschicht vermuten ließ. Auch nicht besonders befriedigend fällt Alexander Schardts Probe des Spier Chenin Blanc 2007 aus. Auf verkostet.de nennt er den Grund: Agressive Säure und kurzer Abgang halten nicht, was die Nase verspricht.

Was beim einem sauer, flach und ausgelaugt ankommt, ist bei einem anderen zu viel Holz, zu viel Frucht, zu viel Stärke. Der Mont Destin 2005 aus Stellenbosch erinnert Wolf Hosbach von Hausmannskost an ein Nashorn, das über die Steppe rennt. Zu ungeschlacht, zu rustikal sieht er ein Neueweltwein-Vorurteil bestätigt.

Neben dem Frischen aus Anjou beschreibt der vinissimus noch einen strammen Jungen vom Kap, auch einen typischen Vertreter, ein vielleicht noch nicht ganz ausgewachsenes Nashorn, doch trotzdem mit 14 Volumenprozent, den Stellenrust 2007 aus dem Stellenbosch.

Einen zweiten Wein – im Gegensatz zu Jolys Spitzenwein einer, der eher unter die Mengenweine fällt – beschreibt in einem zweiten Beitrag das culinarium coriosum. Sie mögen diesen feinen kleinen Wein für 6 Euro, die Kleine Zalze, ebenfalls aus dem Stellenbosch. Ich habe ihn selbst kürzlich getrunken und kann es nur bestätigen. Für ca. 6 Euro gibt’s einen blitzsauber gemachten Sommer-Chenin mit einem leichten Potpourri aus Limetten, Birne, sauren Mirabellen und Ananas. Die Säure stimmt und die Balance. Was will man mehr für die Sommerterrasse?

Ach ja, und dann war da noch der bedauernswerte Robert Sprenger, der für sein Blog lamia cucina gerne einen Chenin Blanc aus der Schweiz ausfindig gemacht hätte, aber er ging leer aus. Keinen Schweizer Chenin gefunden, auch keinen deutschen, überhaupt trifft das ein, was ich erwartet hatte. Die Chenins dieser Welt hocken praktisch alle an der Loire oder im Stellenbosch, Ausnahmen sind scheint’s kaum zu geben.

Wie vielschichtig trotz allem das Ergebnis ist, zeigt die Rallye und ich bin beeidruckt, wieviel Zeit sich so einige für die Auseinandersetzung mit diesem Thema dankenswerterweise genommen haben. Jede Menge zusätzlicher Hintergrundinformationen, Menüabfolgen, Artikel, deren Fotoqualität auch einem Printmagazin genüge getan hätte, und viele Blogs, die nicht nur einen, sondern gleich zwei oder drei Weine vorstellen. Und dann ist mir neben der Gebietsbeschränkung noch etwas aufgefallen: Der Anteil von biologisch oder sogar bio-dynamisch ausgebauten Weinen unter den hier rpäsentierten liegt deutlich über dem Durchschnitt.

Also, in ca. einem Monat geht es weiter mit der Weinrallye No. 11. Niko Rechenberg wird der Ausrichter sein und welches Thema er vorschlägt, wird er wohl in Kürze in seinem Weblog verraten.


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