Ich muss zugeben, es ist keine eigene Entdeckung, sondern die meines Partners Michael, der das sympathische Winzerehepaar Bäder entdeckt hat. Auf der Prowein konnte ich Katja und Jens Bäder dann am Stand von A Message in a Bottle selber kurz kennenlernen und ein Besuch im Weingut steht dringend an.
Denn das, was die Bäders an Weinen so auf die Flasche ziehen, gefällt mir. Die Weine besitzen durch die Bank weg Charme, Charakter, sind dabei süffig und fördern den Spaß am Wein ungemein. So kommt es, dass ich zum ersten Mal in der Geschichte dieses Blogs einen Satz über Dornfelder verliere. Diesen hier finde ich durchaus trinkbar, ja, ich sage es nicht gerne, aber es macht Spaß, ihn zu trinken. Dieser Dornfelder von über 30 Jahre alten Reben – der Vater hatte diese Sorte schon vor Jahrzehnten gepflanzt – stellt ein durchaus fruchtig-würziges Vergügen dar, wobei die Frucht sich eher keusch in den Hintergrund begibt, während der Spot sich deutlich auf Gewürze richtet, auf Bittermandel und auch ein wenig Marzipan.
Der frische 2009er Grauburgunder, auch nicht unbedingt zu meinen Lieblingssorten gehörend, zu fett und schwer kommt er häufig daher, ist einer, den ich jedem ans Herz legen kann. Dieser Gutswein schwingt leicht und luftig, wirkt trotz aller Frucht fast ein wenig floral mit feiner Kräuterwürze, dabei behält er seinen typisch cremigen Schmelz. Hach, Terrasse, ich komme!
Und über die Oberliga, Früh- und Spätburgunder und den Lagenriesling La Roche schreibe ich später.
Michael und ich hatten gestern dank der Wirtschaftsförderung der Stadt Goch, kom.M, einmal mehr die Möglichkeit, ungewöhnliche Weine an ungewöhnlichen Orten zu präsentieren. Nach dem Museum Goch, der Druckstraße von B.O.S.S.-Druck und dem Fünf-Ringe-Haus war es diesmal die Weltenbühne im Ortsteil Hassum – ein Schmuckstück aus der Sammlung des verrückten Puppenspielers Heinz Bömmler. Heinz nennt sich selber so, dabei ist er alles andere als das. Er ist ein versierter Geschäftsmann, der seine Sammelleidenschaft zum Lebensinhalt gemacht hat und dessen Weltenbühne nur ein kleiner Teil dessen ist, was unter Viller Mühle firmiert und weit über den Niederrhein hinaus bekannt ist – zum einen als Veranstaltungsort prominenter Kabarettveranstaltungen, Beispielsweise der WDR-Reihe Hart an der Grenze, zum anderen als Hort von unzähligen Alltagsprodukten und ganzen Kulissen vergangener Zeiten, die hier für historische Film- und Fernsehaufnahmen regelmäßig geliehen werden.
Die Weltenbühne war für uns der geeignete urige Rahmen unserer kleinen Reihe, in der wir uns am Niederrhein mit dem Oberrhein beschäftigt haben. Wer sich fragt, wie es dazu kam, außer dass am Oberrhein eindeutig gute Weine gemacht werden? Es ist schlicht der gerade aktuelle Spargel, der beide Regionen ganz nahe aneinander rücken lässt und der das Verbindungsglied des Abends darstellte.
Bis auf einen Abstecher an den Vorderrhein, genauer gesagt nach Malans in der Bündner Herrschaft, haben wir uns also mit dem Markgräfler Land, dem Bodensee, dem Zürichsee, dem Schwarzwald und dem Elsass beschäftigt und mit einer Riege von André Stentz begonnen.
Es ist jammerschade, dass die Elsässer Weine im allgemeinen solche Ladenhüter sind, gibt es hier doch wahre Schätze zu bergen und auch unauffällige Kleinodien zu entdecken. André Stentz, einer der frühen Vorreiter der elsässischen Bioszene, der mittlerweile alle guten Winzer dort angehören, macht seit vielen Jahren einen der besten Crémants, die ich kenne. Der 2008er Crémant d’Alsace aus Pinot Blanc, Pinot Gris und Chardonnay beweist dies ein weiteres Mal. Eine feine Perlage, ein frisches Aroma von Brioche und Nüssen in Verbindung mit mürben Früchten wird durch eine feine Säure herrlich gepuffert. Der Crémant d’Alsace Rosé, neu im Programm, wirkt ebenso fein. Der Pinot Noir aber dreht den Aromenkreis in eine ganz andere Richtung von satten roten Früchten. Ähnlich überzeugend wie die Crémants wirkte der Gutsriesling, der Riesling Alsace AOC des Hauses André Stentz. Trocken, luftig, frisch, mit einer feinen blumigen Note – aromatisch also, aber überhaupt nicht ausladend, sondern eher filigran und fein.
Bis zum Spargelessen führte die Reise vom Elsass aus zurück über die Grenze in die Nähe von Lörrach, wo Gerd Schindler im Weingut Lämmlin-Schindler einen hervorragenden Weißburgunder aus dem Mauchener Sonnenstück vinifiziert hat.
Weiter ging die Reise durch das Ländle und den dortigen Rebsortenspiegel zum Auxerrois der Aufrichts, die ich hier, hier und hier mal ausführlicher beschrieben habe. Der Auxerrois aus den Meersburger Lagen am Bodensee wirkte allerdings ein wenig zu dropsig, um auf Dauer spannend zu sein.
Deutlich spannender und so gelungen wie so ziemlich alles, was Alexander Laible so anpackt als Winzer, ist der Chardonnay SL***. Ein fruchtiger Chardonnay voller Kraft und gleichzeitiger Finesse. Herrlich ausgewogen zwischen Frucht, einer salzigen Aromatik und einer angenehmen Säure. Wenn auch noch sehr jung, wir haben den aktuellen 2009er Jahrgang probiert, gefällt dieser Weine, wenn auch manche Teilnehmer des Abends etwas Schwierigkeiten hatten, sich durch den krautig-gemüsigen Duft der Spontangärung durchzuarbeiten.
Zum Spargel dann gab es Ziereisens Gutedel Heugumber. Wer meinen Blog liest, kann mehr zu Hanspeter Ziereisen finden. Der Heugumber ist für mich einer der Sommerweine, nicht nur zum Spargel. Leicht, beschwingt, mit feiner Frucht und Würze, wenig Säure und Alkohol zum moderaten Preis ist das ein richtiger Spaßwein.
Der Wein zum Dessert kam da aus einer ganz anderen Liga. Zurück im Elsass widmeten wir uns dem Gewürztraminer Furstentum Gran Cru Vielles Vignes der Domaine Albert Mann aus dem Jahr 2007. Die Lage Furstentum wird bereits im Jahr 1330 in den Weininventarbüchern des Klosters Basel erwähnt. Der Gewürztraminer ist eine Wucht im wahrsten Sinne. Er dürfte gerade jetzt am Anfang seiner Trinkreife stehen, entfaltet im Laufe des Abends – wir haben ihn früh vorher geöffnet – ein großartig dichtes Aromenspektrum von Rosen, Litschi und Grapefruit in Kombination mit dieser markanten, sortentypischen leicht herben Würze. Eine Wucht aber auch deshalb, weil dieser Wein trotz ordentlicher Restsüße noch 13,5 % Alkohol beisteuert. Das ist nicht leicht zu verkraften, macht aber, wenn man diesem Wein Zeit widmet – Michael und ich haben dies dann nach der Veranstaltung noch ein wenig ausgedehnter getan –, sehr viel Freude.
Die Rotweine des Abends haben leider nicht nur polarisiert, das war uns klar, nein, anscheinend haben wir das Publikum ein wenig überfodert. Zwei Pinot Noir, ein Gamaret und ein Syrah standen auf dem Programm. Das sind letztlich alles nicht unbedingt Weine für Menschen, die sich nur selten tiefer mit dem Thema Wein auseinandersetzen.
So überraschte uns, dass selbst der 2007er Spätburgunder Markgräfler Land von Martin Wassmer den wenigsten zusagte. Ein burgundisch ausgebauter Typ, straight, aber nicht zu kompliziert mit einer angenehm weichen Holznote im Finale. Noch ablehnender standen die meisten dem Blauburgunder 2005 Zur Krone Malans von Anton Boner-Lichti gegenüber. Wirklich überzeugend fand ich diesen Wein allerdings auch nicht, genauso wenig den Gamaret aus der Staatskellerei Zürich. Auch diesen hatten wir vorher geöffnet und kurz probiert. Dabei wirkte der Wein aus der 1970 gezüchteten Traubensorte, die praktisch ausschließlich rund um Zürich angebaut wird, zunächst ganz spannend, weil sie wie keine andere Traube nach frisch gekochtem Rotkohl riecht, nach Rotkohl mit Nelke und ein wenig Pfeffer. Schwer wirkte er in der Nase, weicher und samtiger dann war er am Gaumen. Zweieinhalb Stunden später am Abend wirkte der Wein dann schon etwas müde und ich hatte starke Assoziationen an mit Maggi versetzte Würzsoße.
Für mich über jeden Zweifel erhaben war zum Schluss der 2007er Syrah Gestad von Hanspeter Ziereisen. Ein ausgezeichneter Wein, dessen Aromen von Teer zwar auch nicht allen zusagten, wohl aber mehr Teilnehmern des Abends. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich diesen Wein probiere. Ein Cool-Climate Syrah, nicht schwer, nicht fett, nicht überbordernd. So wie Hanspeter Ziereisen auch seine Blauburgunder zunehmend ausbaut, wird auch der Syrah immer filigraner und präziser. Die kleinen Mengen sind schnell ausverkauft und nicht einmal die Ziereisens konnten uns aus ihrem Keller noch etwas schicken. Bernd Klingenbrunn & Armin Maurer, kurz K&M Gutsweine, aber hatten noch eine Magnum für diesen Abend, die sie uns glücklicherweise kurzfristig zusenden konnten; denn sonst wäre das Rebsortenspektrum des Abends um eine Attraktion ärmer gewesen.
Eine schöne Reise war’s, eine Reise mit einigen Einblicken in eine alte Kulturlandschaft, die genauso oft gespalten wurde durch Kriege und Verwüstungen wie sie auch immer wieder zusammengefunden hat in gemeinsamen Interessen und Traditionen. Und eine Weinreise ist sie auf jeden Fall wert.
Große Winzer erkennt man nicht nur an ihren Spitzenweinen, sondern vor allem auch an den Basisqualitäten. Hier ist Helmut Dönnhoff meiner Ansicht nach nur schwer zu übertreffen. Bei ihm merkt man, dass er nicht nur die große Anzahl außergewöhnlicher Rieslinge aus den Oberhäuser und Niederhäuser Lagen im Blick hat, sondern sich ebenso intensiv den einfachen Qualitäten widmet und diese zu einem bemerkenswerten Preis verkauft. Den Riesling QbA des Jahres 2008 hatte ich schon vorgestellt, nun folgen die beiden Rebsorten, denen er neben dem Riesling ebenfalls Aufmerksamkeit widmet.
Den Weißburgunder hatte ich, man sieht es am Bild, noch in der Spargelzeit probiert, den Grauburgunder vor wenigen Tagen. Beide sind sehr süffige Vertreter ihres Fachs. Angenehm unkompliziert und nicht allzu alkoholreich mit 12 %, dabei aber von einem Volumen und einer Expressivität, die andere mit schweren Vierzehnprozentschlachtschiffen kaum hinbekommen.
Beide Burgundertypen zeichnet die Mineralik und die Kräuternase aus, die man bei Dönnhoffs Weinen immer findet, auf die man sich glücklicherweise jahrgangsunabhängig verlassen kann. Dazu kommt die frische 2008er-Säure. Der Weißburgunder ist naturgemäß cremiger als der Grauburgunder, insgesamt etwas verhaltener, der Grauburgunder dagegen verbindet die Kräuter mit ein klein wenig Pilzaromen und vor allem tropischen Früchten.
Am Sonntag Abend dann die zweite Mixtour. Diesmal gab es handgemachte Tagliatelle von der Fattoria La Vialla und dazu von ebendieser Fattoria ein Pesto mit Bergminze, bestreut mit frischem Parmesan.
Getrunken haben wir ganz zurückhaltend nur zwei Weine. Zunächst die »Silvaner Spätlese 2006 Escherndorfer Lump« von Horst Sauer, dann den Grauburgunder 2006 von … von … Nein, ich kann es nicht sagen – von Wagner-Stempel, aber auch nur, weil ich ihn noch nicht probiert hatte. Versprochen. Immerhin habe ich jetzt den Grauburgunder, den Weißburgunder, den Riesling vom Porphyr, den Gutswein und die Scheurebe 2006 im Glas gehabt. Da kommt dann vielleicht später noch der Herkreetz und der Höllberg dazu und das war’s.
Zunächst zum Sylvaner. Dies ist nicht meine Traube. Ich muss das so feststellen. Ich kann mich mit ihr nicht anfreunden. Sie ist mir zu blumig auf eine schwer zu beschreibende Weise. Ich mag blumige Rieslinge aus dem Elsass oder Gewürztraminer von dort oder aus Südtirol. Das mag ich alles. Aber keine Sylvaner. Und daher auch keine von Horst Sauer. Zumindest nicht die trockenen. Mir hat nicht mal der Sylvaner von Wagner-Stempel gefallen.
Gut gemacht war der Wein von Horst Sauer allemal, wenn ich auch den Eindruck hatte, dass er besser noch ein Jahr länger gelegen hätte. Aber was soll’s. 12,50 bis 15– Euro je nach Laden. Ich muss mal seine Rieslinge probieren.
Dann der Grauburgunder von W.-S. Helles Gelb im Glas. Säure in der Nase und etwas Frucht. Die Säure dominiert etwas zu stark. Es ist ein einfacher Wein für ca. 6,40,- Euro. Ich muss sagen, neben den Rieslingen haben mir der Chardonnay und der Weißburgunder am besten gefallen.
Nachtrag. Habe den Grauburgunder am nächsten Tag zu Spargel getrunken. Das war sehr angenehm. Die Standzeit hat ihm gut getan, die Säure war etwas weggeschoben und das Essen tat ihm gut. Eher ein Essensbegleiter als ein Wein, den man einfach so lieb haben kann.