Pierre Clavel dürfte einer der südfranzösischen Großmeister des gelungenen Preis-Leistungsverhältnisses beim Wein sein. Bei allen Lorbeeren die er sich bisher für Le Mas, Les Garrigues oder den Copa Santa eingeheimst hat und trotz der Tatsache, dass er mit Null Kapital gestartet ist und den Großteil seiner Weinberge nur gemietet hat und zudem auch noch biologisch, teils biodynamisch arbeitet findet man seine Weine zwischen 6 und 15 Euro.

Von Le Marteau wurden lediglich 8.952 Flaschen gefüllt mit einer Cuvée aus Syrah, Grenache und Carignan. Der Wein stammt nicht, wie meist vom Pic St. Loup sondern von seinen Lagen in Saint-Cristol, 20 Kilometer vom Gut entfernt. Gestern abend, nach einer Reise durch Rheinhessen wo natugemäß vor allem Riesling und Silvaner und Burgunder auf dem Programm stand und wir uns durch den Schnee zurück nach Hause gekämpft hatten mochte ich noch ein Glas warmen, sonnenverwöhnten Wein. Le Marteau hat viel Sonne in der Flasche. Allerdings, so merke ich heute, sollte man ihm Zeit lassen. Denn was er mir gestern quasi um die Ohren gehauen hat war ein Fruchtkonzentrat aus schwarzem Holunder, Brombeer und Cassis. Das strömte förmlich aus dem Dekanter und lief dick über die Zunge. Le Marteau – zu deutsch der Hammer. Pierre Clavel scheint es so gewollt zu haben. Hitze und reifstes Lesegut verbinden sich hier. Erst heute finden sich in diesem tiefvioletten Wein noch andere Aromen von rohem Fleisch, Gewürzen und Kräutern. Und, die dem Wein innewohnende Mineralität verleiht ihm eine gewisse konträre Kühle. Die rettet ihn nicht nur vor der Idee, das Konzentrat in Marmeladengläser abfüllen zu wollen, sie beflügelt ihn und macht ihn spannend.
Pascal Perret gehört seit Jahren zu den Vorzeigewinzern des Languedoc. Die Weine des seit Jahren biodynamisch arbeitenden Perfektionisten sind eigentlich eine Bank.

Enttäuschend allerdings ist der Prélude aus dem Jahrgang 2003. Carignan, Grenache und Syrah, teils aus dem Stahltank, teils aus dem Holzfass bilden hier keine Symbiose mehr. Der Wein ist hart und marmeladig dick, riecht nach Fleisch und Gurke und nach etwas ganz Prägnantem, was mir als Geruch sehr bekannt vorkam, bei dem ich aber ziemlich lange gebraucht habe, bis ich darauf gekommen bin. Es ist der Geruch von Irish Stout wie von Murphy's oder Guiness. Der Geruch nach dunklem Inselbier passt nicht unbedingt zu einem kräftig-geschmeidigen Südfranzosen, selbst wenn man den Duft sonst ganz gut leiden mag. Verwundert hat mich der Wein, denn geschmeckt hat er auch nicht besser, auch nicht am nächsten Tag. Und ob es lediglich an einer schlechten Flasche lag, müsste man mal beim versuchten Genuss einer weiteren eruieren.
Ein Wein ohne Angabe zu Rebsorten, Jahrgang und Terroir. Stattdessen gibt es hübschwitzige Zeichnungen auf der Vorderseite und das Jahr der Abfüllung sowie die Qualitätsbezeichnung Vin de Table de France auf der Rückseite. Was natürlich über die Qualität nix aussagt sondern lediglich daüber, dass Louis Barruol sich die Freiheit genommen hat einen Wein zu machen, der keinen Richtlinien folgt. Dass dabei kein Gepansche rauskommt versteht sich bei ihm von selbst. Denn Louis Barruol ist der Besitzer und Weinmacher von Saint Cosme, was wiederum das älteste Gut des Gigondas ist und seit 1490 im Besitz der Barruols. Die Rebstöcke sind nicht ganz so alt aber älter als der dortige Durchschnitt. Barruol versteht es, die Qualität dieser Stöcke sowie das hervorragende Terroir und seine Erfahrung und Intuition zu nutzen, um ganz ausgezeichnete Weine zu machen. Die Crus mit den Namen Valbelle, Hominis Fides, Le Claux und Le Poste zeugen davon. Das gilt aber genau so für die einfachen Qualitäten wie den Côte du Rhône und eben den Little James' Basket Press dessen 100% Grenache im Solera-Verfahren sich von Jahr zu Jahr weiterentwickeln und den Wein in den Fluß der Jahre bringen. Et wird einfach immer wat dazujeschüttet.

Der Wein bringt die Würze und die Wärme des Südens ins Glas, dazu reife Früchte wie zum Beispiel Erdbeeren. Er ist einfach herrlich süffig und unkompliziert. Dabei frisch und mineralisch und ein guter Einstieg in die südliche Welt der Rhône.
Die DO Monsant liegt etwa 30 km von Tarragona entfernt und hat erst im August 2001 den Status einer DO erlangt. Seitdem gibt es – nicht zuletzt auch durch den Erfolg des Priorats – einen starken Aufschwung in dieser Region. Monsant umschließt das Priorat förmlich und viele Winzer des Priorats verfügen auch über Grundstücke in der DO Monsant. Die Bodenverhältnisse unterscheiden sich nur leicht von jenen des Priorats und im Moment kann man wohl behaupten, dass unterhalb der Spitze des Priorats, also im guten Mittelfeld, die Weine des Monsant ein deutlich besseres Preis-Genussverhältnis liefern. Beide Regionen können mit einem Pfund wuchern, das nicht selbstverständlich ist. Es ist das Alter der Rebstöcke, das meist deutlich über 50 Jahren liegt. Bekannt sind aus dieser Region mittlerweile beispielsweise die Etims der Agricola Falset-Marça, die Celler de Capçanes, die Bodega Acoustic oder Venus la Universal.

Die Celler el Masroig waren bisher durch einfache Weine wie den Solà Fred bekannt. Dieses Jahr aber haben sie sich mit dem neuen étnic laut Penin, dem Weinführer Spaniens, direkt mal an die Spitze des Gebietes geschossen. Er hat mal lockere 94 von 100 Punkten abgesahnt und wird höher bewertet als der Acustic Auditori aus demselben Gebiet, den Parker wiederum mit 95/100 Punkten bewertet hat. Aber was sollen die Punkte? Gerade in Spanien wird meiner Ansicht nach unvernünftig und oft kaum nachvollziehbar hoch bewertet. Also habe ich den Wein gestern mal probiert.
Ich vergebe hier ja keine Punkte und diese Bewertungen scheinen mir trotz des nun Folgenden zu hoch gegriffen, aber ich muss klar sagen, dass dieser Wein mit zum Leckersten gehört, was ich seit längerer Zeit getrunken habe. Schon in der Nase eine Mischung aus buttriger Vanillesahne in Verbindung mit Süßkirschen, Schokolade, ein wenig Holz und Zeder. Dazu kommt eine gewisse kühle Aromatik. Im Mund kommt dann neben einem Korb von dunklen Früchten noch ein Hauch von Pralinen hinzu. Jaha! Zum Schluss, ganz zum Schluss merkt man etwas von den 14,5 Umdrehungen. Aber das ist nicht störend und dieses harmonische Kompott – das, nebenbei bemerkt, überhaupt nicht marmeladig wirkt – mündet in ein angenehm langes und harmonisches Finale.
Dass solch ein Wein für unter 15 Euro zu haben ist, ist eine Wonne!
Alvaro Palacios gehört gemeinhin zu den wichtigen modernen Vertretern der spanischen Weinelite. Ähnlich wie Telmo Rodriguez ist er mittlerweile in vielen Teilen des Landes unterwegs, er ist derjenige, der L'Ermita abgefüllt hat und so das Priorat aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat. Es gibt also eine Aura, einen Nimbus. Zudem wird, was ich ja durchaus schön finde – wiederum ähnlich wie bei Telmo Rodriguez – auf die Flaschenausstattung erhöhter Wert gelegt, ebenso auf die biodynamische Anbaumethode. Das ist alles sehr schön. Und das, was im Bierzo sein Cousin zusammen mit ihm macht, gefällt mir auch durchaus.

Nun habe ich also mal zwei Vertreter seines Weingutes im Rioja probiert. Ich bespreche sie zusammen, weil mir zu den Weinen gar nicht viel einfällt, außer dass sie ohne Fehl und Tadel sind. Runde schlanke moderne Weine. Der eine gealtert und etwas tiefer, etwas konzentrierter, der andere jugendlich frisch, beide mit mittlerem Körper. Geschmeidig. Ja, das ist es. Geschmeidige Weine.
Beide kann man immer weiter trinken, jedem Gast werden sie gefallen. Ungwöhnlich der dominierende Anteil von 55 % Garnacha, im Rioja eher unüblich, dominiert dort doch Tempranillo. Palacios: „Sie ist die typische und authentische Rebe für unsere Region hier. Garnacha ist Natur und Geschichte, ist wie verzaubernde Musik." Ist aber irgendwie eher Popmusik, Fahrstuhlmusik, würde mein Vater sagen.

Erstaunlich ist, wenn es stimmt, was der Brüsseler Weinhändler mir zum La Vendimia gesagt hat, dass dieser Wein tatsächlich bei Sarkozys Festmahl zum 14. Juli gereicht worden sei, was natürlich wiederum daran liegen mag, dass Sarkozy erst mal all das mag, was von außen hübsch und verführerisch aussieht. Aber das ist eine Unterstellung – und ein anderes Thema.
Zum Schluss frage ich mich nur, was diese Weine mit Rioja zu tun hatten. Mir fällt nichts ein.
Eine meiner frühesten Wein-Begegnungen mit Frankreich war eine Reise ins Languedoc und Roussillon. Ich habe in Sête gewohnt und von diesem Stützpunkt aus das Land bis hinunter zur spanischen Grenze erobert. Einer der Orte, den ich mit am schnellsten wieder verlassen habe, ist Collioure. Nicht, weil es dort hässlich gewesen wäre oder langweilig, nein eher, weil es zu schön war, um wahr zu sein, und weil das vor langer Zeit auch diverse, in Paris ansässige Künstler erkannt hatten und dort geraume Zeit verbracht haben. Matisse ist so einer und Picasso. Und auf den Spuren derer und weil es, wie gesagt, zu schön ist, drängeln sich dort die Massen. Ich bin dann schnell weitergereist, nach Banyuls-sur-Mer, den nächstgrößeren Ort, um dort in den Kellern der Templer eine Führung mitzumachen.
Banyuls, um abzuschweifen, ist ein Wein, dessen Trauben in einem Zustand der Vertrocknung sehr spät geerntet werden. Um den Zucker zu erhalten, wird die Maischegärung durch Zugabe von Alkohol gestoppt. Dieser gespritete Wein, Vin Doux Naturel, genannt wird dann meist in Gärballons oder Fässern im Freien gelagert. Diese jeder Witterung ausgesetzten Weine oxidieren und altern nachvollziehbarerweise schneller als ihre geschützten Kollegen, was gewollt ist, um einen Effekt zu erzielen, der im katalanischen Rancio genannt wird. Das Spannende an diesen Weinen ist, dass trotz aller Süße dieser Wein erstaunlich trocken ist im Abgang.

Aber ich komme eigentlich auf Banyuls, weil der in Collioure beheimatete Philip Gard einige uralte Rebflächen sein Eigen nennt, die genau zwischen diesen beiden Küstenorten beheimatet sind. Hier erzeugt er Weine, die mit zu den heutigen Crus des Südens zählen, in einer Reihe mit Gauby oder Negly, um nur zwei zu nennen. Die Weine sind teils sehr rar – vom Abysses gibt es gerade mal 1.300 Flaschen -, definitiv aber sind sie das Ergebnis feinster Weinbergsarbeit, zu der die Ertragsreduzierung zählt. Beim Quadratur sind es gerade noch 15 hl pro ha (!).
Da könnte man denken, dass da vielleicht nur ein wenig reduzierte Soße ins Glas läuft, übertrieben in allem. Aber das Gegenteil ist der Fall. Auch wenn der Wein – 45% Grenache, 40 % Mourvèdre, 15 % Carignan – dicht ist, dunkel in der Farbe, extraktreich, so ist er doch ausgesprochen subtil, alles andere als fett, und neben dem Duft von Gewürzen und Kräutern, Kaffee, schwarzen Oliven und ein klein bisschen Dörrobst überhaupt nicht überbordend. Das Feine ist die kühle Mineralik des Weines – er wächst auf braunem Schiefer -, der dem Quadratur eine Klarheit gibt, die großartig ist.

Dazu Daube de Boeuf mit Brot, Rindsragout mit Gewürzen aus der Region. Denn die Tage werden wieder länger, es wird trüber, regnerischer – und so ein Ragout ist herrlich!