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Pineau d’Aunis und Côt. Zwei Unbekannte von der Loire

26/Okt/11 19:13 kategorisiert in: Bioweine, Malbec, Pineau d’Aunis, Rot, Frankreich

Ich kann es nur immer wieder gebetsmühlenhaft wiederholen: Das Anbaugebiet Loire ist nicht nur ein beeindruckend schöner Landstrich, hier werden auch fantastische Weine produziert und die Vielfalt ist groß. Leider wird das in Deutschland kaum wahrgenommen. Die meisten stolpern irgendwann mal über eine Flasche Sauvignon Blanc aus der Tourraine oder über eine Flasche Schaumwein von Bouvet-Ladubay.

Foto ©: Domaine Bellivière, Danièle & Remi Loisel - Studio Amarante

Dabei ist die Chenin-Blanc-Traube dort fast so vielseitig und komplex wie der Riesling hier, Sancerre und Pouilly-Fumé können brillant sein, ebenso einige ausgewählte Muscadets, was hier aber kaum bekannt ist, ist die mögliche Güte der Rotweine. Neben dem vorherrschenden Cabernet Franc, ich habe hier mal einige zusammengestellt, gibt es jedoch noch ein paar andere Rebsorten, die wirklich selten sind und auch Profis eher selten unterkommen. Eine Sorte ist der Grolleau, dazu werde ich mal was Eigenes schreiben, eine weitere ist der Côt, was allerdings nur eine regionale Bezeichnung für den Malbec ist. Insgesamt findet man Malbec ja nicht mehr allzu häufig in Frankreich, Argentinien ist mittlerweile hautsächlich bekannt für den Anbau dieser Sorte, an der Loire kommt der Wein ganz selten vor. Als ich dann sah, dass Xavier Weisskopf, der sich eigentlich auf Chenin Blanc spezialisiert hat, sich auch dieses Nischenprodukts angenommen hat, war ich gespannt. Weisskopf ist einer der spannenden Nachwuchswinzer aus der Region, der nach eigener Aussage im Geiste eines Jacky Blot und François Chidaine arbeitet. Er besitzt 13 Hektar Weinberge, einen Teil in der AC Tourraine, einen anderen, nämlich den mit Chenin Blanc, in der AC Montlouis. Wer die Appellation nicht kennt – macht nichts, da kamen in den letzten Jahrzehnten keine bemerkenswerten Weine her. Allerdings ändert sich das rapide, seit Chidaine und Blot und die Revue du Vin de France der Meinung sind, dass dies momentan eine der spannendsten Entdeckerregionen ist. Weisskopf, der eigentlich aus dem Norden stammt, wo keinerlei Wein angebaut wird, und erst seit Beginn des Studiums in Chablis dem Wein verfiel, hat im Burgund dann auch Weinbau studiert und an der Rhône im bekannten Gut St. Cosme gelernt, bevor er sich seinen eigenen Weinberg gesucht hat.

Der Côt Vieille Vignes 2009 der Domaine Le Rocher des Violettes stammt von Rebstöcken, die zwischen 65 und 120 Jahre alt sind und einen entsprechend geringen Ertrag von 25 hl/ha erwirtschaften. Die Reben werden einer Maceration Carbonique unterzogen und kommen dann in den Bottich, um einen biologischen Säureabbau zu vollziehen. Danach kommt der Wein noch drei Monate auf die Flasche, bevor er verkauft wird. Es ist also ein Jungwein, den wir hier im Glas haben, einer, der nicht für die lange Lagerung gedacht ist. Das ist gut zu wissen; denn wenn ich eine Flasche mit einem Wein von alten Reben in der Hand habe, gehe ich von einem lagerbaren Wein aus, der tendenziell nach zwei Jahren Lagerung noch zu jung ist. Außerdem erklärt die Kohlensäuremaischegärung auch die expressiven Fruchtnoten in der Nase, Himbeere, Pflaume, etwas Kirsche, leicht kompottig. All das wirkt verführerisch, kann diesen Versuch der Verführung jedoch am Gaumen nicht umsetzen, wie so oft bei Weinen, die diese Art der Gärung durchlaufen haben. Hier wirkt der Wein nicht frisch genug, das Kompott dominiert, dazu kommt eine nicht ganz passende Säure und die Tannine wirken ein wenig stumpf.

Klarer und präziser dagegen wirkt der Pineau d’Aunis Rouge-Gorge 2009. Dieser Wein stammt von der Domaine de Bellivière aus der Appellation Coteaux du Loir, einem Nebenfluss der Loire, deren Gebiet lediglich 75 Hektar umfasst. Eric Nicolas, der Eigner, ist eigentlich ebenfalls Spezialist für Chenin Blanc und macht insgesamt acht Weine aus dieser Rebsorte, vier aus den weißen Coteaux de Loir, vier aus dem Gebiet Jasnières. Für seinen roten Wein baut er eine wirklich seltene Sorte an, die gerade noch auf unter 500 Hektar Gesamtfläche angebaut wird. Der Pineau d’Aunis, der seinen Namen von einer Abtei herleitet, in deren Gärten diese Traube möglicherweise durch Zufallsmutation entstanden ist, wird manchmal auch Chenin Noir genannt. Die Herkunft ist nicht eindeutig, doch wird angenommen, dass zumindest ein Elternteil dieser Rebe der Chenin Blanc ist. Der Wein riecht so, wie ich es erhofft habe: wild und markant. Etwas Himbeere und Kirschen verbinden sich mit leicht medizinischen Jodtönen, Rauch kommt hinzu und Trockenkräuter und Gewürze. Das ist so ein bisschen wie frische Frucht in altem Gemäuer, wobei das Gemäuer trocken ist, nicht modrig. Am Gaumen hat der Wein eine tolle Frucht, wirkt straff, mit angenehmer, durchaus prägnanter, aber nicht störender Säure, mit weichen Tanninen bei mittlerem Körper. Der Wein ist absolut trocken, da findet sich keine Fruchtsüße wie beispielsweise beim Côt. Nicolas, der seine Rebhänge auf biodynamische Wirtschaftsweise umstellt, hat hier einen Ertrag von ebenfalls 25 hl/ha aus dem Weinberg geholt. Das ist gute, konzentrierte Qualität mit klarem, eigenen Charakter, nicht fein, eher robust, doch sehr befriedigend. Der Wein ist mit € 19,- zwar jetzt auch nicht günstig, aber wann trinkt man schon mal Chenin Noir?

Übrigens gibt es englischsprachig zwei hervorragende Seiten über die Loire. Chris Kissack schreibt beängstigend viel auf der Seite des WineDoctor. Dazu kommt ein großer Fundus in Jims Loire Blog.

Den Côt Vieilles Vignes 2009 der Domaine Le Rocher des Violettes gibt es bei Karl Kerler für € 12,-, den Rouge-Gorge 2009 der Domaine de Bellivière gab es im Rahmen einer Aktion des Weinbund Berlin für         € 19,-, ich denke, erhältlich über Hardy Weine.

Bordeaux zwischen Vinocamp und VinExpo, 5 – zurück zur Scholle: Château de Piote

28/Jun/11 13:14 kategorisiert in: Bioweine, Malbec, Rot, Frankreich, Vinocamp, Weinfrauen, Weiss, Frankreich

Wir brechen auf zur rechten Seite der Gironde. Oberhalb von Fronsac im klassischen Gebiet der Bordeaux et Bordeaux Supèrieur treffen wir auf Château de Piote die Winzerin Virginie Aubrion. Virgine ist ursprünglich Quereinsteigerin und lebt ihren Beruf mit viel Passion.

Rebbestand auf Château de Piote

Im oberen Segment werden Weine zu Höchstpreisen verkauft, die Basis aber muss kämpfen. So auch Virginie Aubrion, die vor Jahren mit ihrem Mann aus Paris in dieses Gebiet gezogen ist. Sie hatten die Großstadt satt und wollten auf’s Land, den Lärm, den Stress ein Stück weit hinter sich lassen und zurück zur Scholle. Zunächst hatten sie sich in der Provence umgeschaut, woher sie beiden stammen. Doch seit Peter Mayle und dem großen Provence-Hype kann sich ein Normalsterblicher dort kein Anwesen mehr kaufen, alles zu teuer, vor allem wenn man einen vernünftigen Weinberg dazu haben möchte. Irgendwann, immer weiter im Westen suchend fanden sie diesen Flecken Erde mit teils alten Rebbestand und einer Ruine von Haus darauf.

Virginie Aubrion mit ihrer Nichte im Weinberg

Das ist nun zwölf Jahre her. In dieser Zeit hat die Familie das Haus weitestgehend restauriert, die Rebflächen teils neu angelegt, in den Keller investiert und begonnen, Wein zu machen. Letztes Jahr ist dann ihr Mann gestorben. Auch wenn er nur aushilfsweise auf dem Hof gearbeitet hat, er war Apotheker, hat sich die Situation noch mal grundlegend geändert. Konnte sie bis vor kurzem im Nebenerwerb existieren muss sie nun vom Weinbau leben. Sie tut dies mit bemerkenswertem Optimismus. Doch weiss sie, dass es knapp wird mit der Zeit. Dass sie für ihren Wein neue Märkte erschließen muss, dass sie bekannter werden muss. Und das ist nicht einfach. Auch wenn sie gerade den Oscar 2011 Bordeaux für ihren Clairet erhalten hat.

Ein typischer Keller mit Betontanks und neuer Presse

Virgine wird nicht nur an diesem Tag von ihrer Nichte, die für l’Express im Weinbereich arbeitet, unterstützt, sondern vor allem auch von ihren Kindern. Die Arbeit im Weinberg ist aufwendig, zumal, wenn man biologisch arbeitet, was sie nach ECOCERT-Richtlinien tut und immerhin sind es mittlerweile 14 Hektar Fläche, 11 davon stehen unter Reben.

Verkostung im Garten

Ihre Weine sind dabei durchaus markant in ihrem Segment. Sehr schön vor allem die beiden Clairet. Diese Art Wein ist hier in Deutschland ja fast unbekannt. Ein gekühlter Roter der zwischen Rosé und Rotwein liegt, also länger auf der Maische stand als normaler Rosé und entsprechend charaktervoll, eckiger wirkt als die häufig sehr geschmeidigen Rosé. Der erste Clairet stammt zu je 50% von Merlot- und Cabernet-Trauben, der zweite, noch zupackendere stammt zu 100% von Malbec, und das ist schon durchaus ungewöhnlich.

Wein-Stilleben

Schön auch der rustikale, dunkle 2001er Malbec, erdig, würzig mit einem Mund voller Herbe und Frucht, kein Solist, aber perfekt für das, für was er geschaffen wurde, zur Essenbegleitung. Geschmeidig und doch klar kommt der Rosé-Cremant von Cabernet-Trauben daher. Mit nur 3 Gramm Dosage ist das ein knackig-frischer Schäumer mit feiner Crème.

Genossen haben wir die Weine auf einem beneidenswert schönen, ruhigen Fleckchen Erde, das für jemanden, der nur kurz auf Durchreise ist direkt zum Urlaubsort, zum Fluchtpunkt werden kann, während die Winzerin langsam auf die Uhr schauen muss, um mit dem Tagwerk fortzufahren.

Wir fahren auch fort. Mit unserem Fahrer und Guide Martin Fueyo geht ins St. Emilion. Genauer gesagt werden wir als nächstes Château la Tour Figeac besuchen.

Dieter Meier und Los Dos Malbec 2009

15/Jun/11 09:39 kategorisiert in: Abschweifungen, Bioweine, Im Netz, Malbec, Rot, Argentinien

Seit langer Zeit schön möchte ich mal die Weine von Dieter Meier probieren. Dieter Meier hat für mich durchaus eine besondere Bedeutung. Weniger, was Wein, eher was Musik angeht. Hat er doch zusammen mit Boris Blank und zu Beginn mit Carlos Peron Ende der Siebziger Yello gegründet. Was später in der Mitte des Meinstreams gelandet ist war zu Beginn durchaus ungewohnt experimentell, neu, gut. Stücke wie Bostich oder Lost again sind längst Klassiker. Ebenso die dazu gehörigen Videos, die irgendwann Eingang gefunden haben in die Sammlung des MoMA. Diese Videos stammen ebenfalls von Dieter Meier, genau so wie eine Reihe von Glossen im NZZ Folio der Neuen Zürcher Zeitung, ein Langfilm, ein Buch und was weiss ich nicht. Ich habe sein Schaffen längere Zeit verfolgt, nicht zuletzt, weil mir gerade die frühen Platten von Yello viel gegeben haben und ich die Musik mit vielen guten Momenten in meinem Erwachsenwerden verbinde.

Dieter Meier entstammt einer Zürcher Bankiersfamilie und musste sich, so schätze ich mal, um Geld nie Sorgen machen. So hat er dann eine Zeit lang das Leben eines klassischen Bohemiens geführt, war in den Siebzigern als Künstler auf der Documenta in Kassel vertreten, verdingte sich als professioneller Pokerspieler und gehörte zwischenzeitlich der Schweizerischen Golf-Nationalmannschaft an. Mit Yello ist er vor allem in der Achtzigern richtig erfolgreich geworden, Stücke wie Oh Yeah oder The Race tauchten immer wieder in Hollywood-Produktionen auf. Die Arbeiten des Regisseurs und Künstlers Dieter Meier sind dadurch nicht allzu stark hervorgetreten. Kürzlich war er mit einer Solo-Performance in Bonn, ich hatte Karten und konnte trotzdem leider nicht hingehen. Vielleicht schaffe ich es aber in die Hamburger Deichtorhallen, die ihm bis September eine Ausstellung widmen. Was er künstlerisch und dadaistisch so alles gemacht hat findet sich dort in einer Retrospective, kurz zusammengefasst mittlerweile auch hier, auf seiner Homepage.

Neben seinem performativen Schaffen ist Meier nicht zuletzt Geschäftsmann. Neben der Beteiligung an diversen Unternehmen hat er vor Jahren 2.200 (!) Hektar Land in Argentinien gekauft, eine Bio-Farm aufgebaut, begonnen, Rinder und, wenn ich richtig informiert bin, Polo-Pferde zu züchten und nicht zuletzt Wein anzubauen. Wein und Beef von Ojo de Agua werden in seinem eigenen Laden in Zürich verkauft, wie auch in seinem eigenen Restaurant Bärengasse, ebenfalls in Zürich.

Was ich nun auf auf der Prowein und am Sonntag zu Hause probiert habe ist ein Wein, der aus einer Gemeinschaftsproduktion mit Laurenz Moser stammt. Angebaut wird auf Meiers Farm im Agrelo Alto. Der Los Dos Malbec 2009 ist ziemlich sortentypisch, besitzt eine schöne Würze und Frucht, ist nach argentinischer und EU-Norm biozertifiziert und passte ausgezeichnet zu den Stücken, die wir auf den Grill gelegt hatten. Mit knapp 10 Euro ist der Wein durchaus selbstbewusst bepreist, da zahlt man ein paar Cents für die Story dahinter mit, schätze ich, trotzdem ist der Preis ok. Es ist ein guter Einstieg in die Malbec-Welt, in die ich mich gerade gerne ein bisschen vertiefen würde.

Gibt es Anregungen? Empfehlungen? Kennt jemand in Deutschland einen Händler für Meiers Ojo de Agua-Weine?

1997er Pahlmeyer, Proprietary Red Wine, Napa Valley vs. 1996er Château Pontet-Canet, Pauillac

1972 begannen der gerade ausgebildete Anwalt Jayson Pahlmeyer und sein bester Freund John Caldwell eine Passion auszuleben die darin bestand, einen Kalifornischen Mouton zu produzieren. Es waren zwei begeisterte Bordeauxtrinker die hier ans Werk gingen. Zutaten waren zum einen die vermeindlich nicht gerade von der Natur begünstigten Weinberge aus dem Bestand des Weingutes Caldwell, zum anderen aus Frankreich importierte Bordeauxklone und schließlich eine Menge Optimismus.

Gegen alle Widerstände und hämische Kritik entstanden Weine, die nach nur wenigen Jahren ungläubiges Staunen hervorriefen. Der erste Jahrgang des Proprietary Red erhielt aus dem Stand 94 Punkte von Robert Parker. Von nun an gaben sich Weingrößen und Winemaker wie Helen Turley, Randy DunnMichel Rolland und Erin Green die Klinke in die Hand, um das Projekt zu fördern und zu unterstützen und nicht zuletzt der teuerste und wohl beste Spezialist für Weibergsmanagement und selber 100 Punkte-Parker-Preisträger, David Abreu, legte neue Weinberge an. Mit wachsendem Erfolg hielten auch Rebsorten wie Pinot Noir oder Chardonnay Einzug in das Portfolio der Winery. Der Merlot Pahlmeyer gehört heute zu den am höchsten dekorierten Weinen dieser Rebsorte.

Der 1997er besteht aus 73% Cabernet Sauvignon und 17% Merlot, hinzu kommen etwas Cabernet Franc, Malbec und Petit Verdot die aus den bersten Lagen des Napa-Valley stammen: Spring Mountain, Howell Mountain, Soda Canyon, Wooden Valley und Carneros.

Ein hoch dekorierter Wein mit 98 Parker-Punkten, ein Weingigant den ich an diesem Abend gegen einen 1996er Château Pontet-Canet verkosten durfte. Zwei Cabernet-betonte Bordeaux-Cuvées von großem Unterschied. Der Franzose duftet fein nach leicht medizinischen Noten, mineralisch, eukalyptisch mit typischem Duft nach Zigarrenkiste und Johannisbeeren.

Der Pahlmeyer möchten den subtilen Pauillac fast wegdrücken, ein gigantischer Kerl mit Muskelpaketen, ein betörender, tiefer Duft von überaus reifen dunklen Beeren, Johannisbeeren und flüssiger Schokolade. Der ganze Mund wird ausgefüllt von dieser Wucht an Frucht, er ist ungeheuer präsent, dabei überraschend kühl und mineralisch, was die Opulenz ein wenig zügelt. Zum Schluss stört mich, das muss ich sagen, denn das hier ist hohes Niveau, eine ganz leichte Bitternote, nicht viel aber doch wahrnehmbar.

Der Pontet-Canet hält mit in seiner deutlich schlankeren Art. Ein herrliches Beispiel für besten Bordeaux, ein Paradebeispiel an feiner Komplexität, an subtilen Aromen gepaart mit Holz und dabei sehr frisch und jung wirkend, so dass ich mal behaupten würde, dass er seine Trinkreife gerade erst jetzt erreicht. Ähnlich wie der Pahlmeyer dürfte er locker noch ein paar Jahre länger im Keller liegen um seinen Höhepunkt zu erreichen.

Beiden ist ein langer und komplexer Abgang gemein doch auch hier zeigen sich wieder die Unterschiede im Entwurf dieser beiden Weine. Der Kalifornier bleibt  auch im hier eine muskulöse Zehnkämpferstatur mit einer famosen Mischung aus Kraft und Leichtigkeit, der Pontet-Canet bleibt alter Adel und verabschiedet sich ruhig, mit ausholender Gestik und lange noch sieht man den Vierspänner am Horizont.

Zwei typische Vertreter beider Länder, zwei, die den Erwartungen gerecht werden und die man schwer miteinander messen kann. Letzendlich gefiel mir der Pontet-Canet besser, so wie er sich präsentierte, als Archetyp des Pauillac. Aber, wer weiss, das kann an einem anderen Abend wieder anders sein.

Beide Weine finden sich in der Vinothek des Atlantic Hotel, Essen

Catena Malbec 2004, Mendoza, Argentinien

10/Mrz/08 22:52 kategorisiert in: Malbec, Rot, Argentinien, Rotweine

Der Catena Malbec gehört für mich zu den typischen Vertretern der New-World-Wines.

Catena Malbec 2004

In der Nase ziemlich stählern, so als hätte ich mal probieren wollen, wie die Emily im Hintergrund wohl schmecken mag. Ansonsten ziemlich zurückhaltend in der Nase. Im Mund dann eher leichtes Fruchtkompott mit deutlichem Hang zur Schwarzkirsche. Ich hätte in dieses edle Ambiente lieber einen ordentlichen Claret gesetzt, das hätte bessser gepasst, aber das kann man sich manchmal nicht aussuchen. Aber ein schönes Pueblo nennt die Bodega ihr eigen. Immerhin.

Vollmer, Cuvée Los Cazadores 2005, Argentinien

Es gibt ja manchmal Geschichten zum Wein, die, wenn man sie kennt, den Wein noch mal besser schmecken lassen. Eine dieser Geschichten erzählte mir kürzlich Michael van den Höövel, Weinfachberater bei Jomo, einem der großen Gastronomie-Zulieferer, gleichzeitig mein Onkel und Freund. Mit Michael verbindet mich ein großes Stück meines Weinweges, nicht zuletzt weil er vor seiner Zeit bei Jomo lange Jahre einen Bio-Laden mit einer sehr ambitionierten Bio-Weinabteilung geführt hat und ich bei und mit ihm nicht nur viele Weine und Weingüter entdeckt, sondern teilweise auch Weinabende mitgestaltet habe. Ohne ihn hätte es länger gedauert, Albet y Noya kennenzulernen oder Clemens Busch, Nicolas Joly oder Wagner-Stempel, den Urbanshof oder den Geyerhof.

Er gab mir also kürzlich diese Flasche Wein von Heinrich Vollmer aus Ellerstadt in der Pfalz. Dieser betreibt seit 1986 neben seinem Weingut in der Pfalz auch eines am Fuße der Anden in Argentinien. Die Geschichte ist nun die, dass er bei einer Bergtour in den Anden erkrankte, aufgeben musste, als verschollen galt und irgendwann von einer Gruppe Indios gefunden, in das Krankenhaus der nächsten Stadt transportiert und von ihnen weiter betreut wurde. Bei einem weinseligen Fest nach seiner Gesundung reiften in ihm folgende Entschlüsse. Zum einen wollte er versuchen, internationale Rebsorten in der Pfalz anzupflanzen, zum anderen wollte er Grund und Boden in Argentinien erwerben und dort auch mit Hilfe und als Hilfe und Dank für die indigene Bevölkerung Wein anbauen. Beides hat er in die Tat umgesetzt. Er gehörte mit zu den ersten Winzern, die in der Pfalz Cabernet anpflanzten, zuerst heimlich und unerlaubt, was zur Folge hatte, dass er die Reben wieder herausreißen musste, dann offiziell mit Genehmigung.

In Argentinien umfasst das Weingut 580 ha(!) mit einer Jahresproduktion von 2.000.000 Liter Wein. Damit endet dann auch die schöne Geschichte und wir sind in der Wirklichkeit eines Großproduzenten angelangt, was allerdings nichts über die Qualität des einzelnen Weines aussagen soll.

Vollmer Cazadores

Los Cazadores dürfte eine Cuvée von Cabernet Sauvignon, Malbec und Merlot sein. Die Trauben sind gut ausgereift, er riecht angenehm nach Beeren und leicht nach Erde, hat eine angenehme Struktur und leichte Süße. Ein Wein für den Alltag mit schönem Kern und ohne Pomade. Die Erinnerung an ihn wird schnell verblassen, aber für den Moment war er sehr angenehm. Und eigentlich war es auch nur der Wein zur Geschichte.


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