originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Drei Weine aus dem Bierzo – 2. Cuatro Pasos 2008, Bodega Martín Codáx

02/Feb/10 11:47 kategorisiert in: Mencia, Rot, Spanien

Im gesamten Auftritt wirken die Weine der Genossenschaftskellerei Martín Codáx, deren Name auf einen galizischen Troubadour des 13. Jahrhunderts zurückgeht, deutlich gewandter als der Wein mit der Hand auf dem Etikett. Die vier Tapsen eines Bären, der wohl mal durch den Weinberg gewandert ist und seine Spuren hinterlassen hat, sind der Namensgeber für diesen Wein, Cuatro Pasos.

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Er macht viel Spaß, muss ich sagen, weil hier die Würze der Mencia hervorragend harmoniert mit der Mineralität des Schiefers und dem Duft und Geschmack roter Früchte. Obwohl mit 13,5 % mehr Alkohol als La Mano, wirkt der Wein leichter, deutlich feiner, was überrascht nach dem ersten Eindruck dieses tief violetten Tropfens. Auch dieser Wein wurde drei Monate in Barriques gesteckt, allerdings dürften diese schon etwas länger im Gebrauch sein, weniger getoastet oder nicht aus amerikanischer Eiche hergestellt sein –vermute ich mal; denn der Holzton wirkt nur schwach, gibt dem Wein aber ein gute mittelkräftige Struktur.

Cuatro Pasos 2008, Bodega Martín Codáx, ca. 7,80 Euro

Drei Weine aus dem Bierzo – 1. La Mano Mencia Roble 2007, Vinos de Arganza

28/Jan/10 22:06 kategorisiert in: Mencia, Rot, Spanien, Rotweine

Es ist noch nicht allzu lange her, da habe ich zum ersten Mal einen Wein aus dem nordspanischen Bierzo getrunken. Der Wein namens Petalos, vinifiziert vom Palacios-Clan, hier beschrieben, besteht aus 100 % Mencia. Mencia wird auf über 11.000 Hektar in Galizien und  Kastilien angebaut und normalerweise verwandt mit der portugischen Jaen du Dao. Allerdings gibt es in Galizien auch Cabernet Franc, der ebenfalls als Mencia bezeichnet wird, wohl aber in weitaus geringerem Maße.

Mir scheint, dass das Bierzo eine der kommenden Regionen in Spanien ist; denn mindestens zwei Tatsachen machen es interessant. Zum einen, weil die Mencia durchaus komplexe, aromatische, langlebige Weine hervorbringt, zum anderen, weil diese Region nicht so durchhitzt ist wie so einige andere Regionen in Mittelspanien oder Südspanien, wo sehr viel häufiger Weine produziert werden, die zu fruchtsüß und fett wirken. Denen genau das fehlt, was es im Bierzo gibt: Kühle und Mineralik. Denn hier liegt Schiefer und der soll dem Wein ja durchaus gut tun.

Bei meiner kleinen Alltagswein-Bierzo-Probe – es gibt durchaus Vertreter aus diesem noch weithin unbekannten Land, die über 50 Euro kosten – habe ich mit einem Wein begonnen, der unter 6 Euro kostet und, wie so viele Spanier in der letzten Zeit, von Parker 90 Punkte bekommen hat mit dem Hinweis, man solle sich mit diesem Best Buy die Keller vollstopfen. Na ja. Ich habe den Eindruck, dass ich dies mittlerweile allzu oft lese.

Der La Mano von Vinas de Arganza, die von Axialvinos vertrieben werden, die wiederum auch Weine vertreiben aus Calatayud, Ribera del Duero, Rueda, Rioja und Navarra, Somontano, Campo de Borja, La Mancha und Carinena, jedenfalls wirkt dem Etikett nach auch erst mal ein wenig günstig, ein wenig oldschool, zumindest, wenn man andere Weine wie die später beschriebenen daneben stellt.

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In der Nase aber dreht der Wein auf, verströmt seinen satten Holunderton, durchmischt mit Gewürzen, etwas Süße und etwas Vanille. Am Gaumen merkt man, dass der Wein einige Monate im Barrique hinter sich hat, man spürt das Holz und wiederum die Vanille amerikanischer getoasteter Eichenfässer. Auch hier satte Frucht dunkler Beeren, Würze und Wärme. Vielleicht ein wenig zu warm wirkend, etwas zu konzentriert, er macht leicht satt, obwohl er angenehm moderate Alkoholwerte hat die bei 12,5 % liegen. Der Wein wirkt nicht übertrieben, das ist eher Mainstream, aber gar nicht schlecht. Durchaus eine Empfehlung für die Abteilung günstiger Alltagsweine.

La Mano Mencia Roble 2007, D.O. Bierzo, 5,90 Euro

Pètalos, Descendientes de J. Palacios, 2007, Bierzo, Spanien

Die Descendientes, also die Nachkommen des José Palacios, der junge, aus dem Rioja stammende Ricardo Pérez Palacios sowie sein Onkel, einer der Großmeister des neuen spanischen Weinbaus, Alvaro Palacios, bearbeiten seit 1999 einen Weingarten im Bierzo. Bierzo? Ja, Bierzo. Das ist ein bisschen so wie damals, als Alvaro Palacios begann, Wein im Priorat anzubauen. Damals hätte man auch fragen können und kaum einer hätte dieses Gebiet verorten können.

Das Bierzo, diese nur ca. 6.000 Hektar kleine Region, liegt im Norden der iberischen Halbinsel und ist Durchzugsgebiet für einige Jakobswege. Dies ist deswegen interessant zu erwähnen, weil sich im 11. Jahrhundert Mönche hier niedergelassen haben und einige Klöster gebaut haben. Die Mönche hatten eine neue Weinsorte mitgebracht und angepflanzt. In der Region ist sie bekannt als Mencia. Bei Weinplus heißt es dazu, dass "1999 durchgeführte DNA-Analysen ergaben, dass sie identisch mit der portugiesischen Jaén du Dão ist. In Galicien gibt es eine weitere Sorte namens Mencía, die aber gemäß DNA-Analysen nicht verwandt, sondern eine Mutation des Cabernet Franc ist."

Die Weinberge der Palacios jedenfalls liegen an Kreidefelsenabhängen in der Gemeinde Corullón im Osten des Bierzo. Die 30 Hektar abschüssiger und felsiger Kreideboden bestehen aus einer Vielzahl sehr kleiner Parzellen, die mit alten Reben (40 bis 90 Jahre) bepflanzt sind.

Der Wein spiegelt es tatsächlich wider. Strikt nach biodynamischen Kriterien ausgebaut, ein paar Wochen in frischen Barriques ausgebaut, später dann 6 bis 10 Monate in älteren Barriques. Ein herrlicher Geruch von Rauch, Salmiak, Mineralik, Blaubeeren und Brombeeren liegt über dem Glas. Feine Frucht, etwas Mineralisch-Erdiges und eine klare, angenehme Säure balancieren den Wein. Und das Etikett ist auch sehr schön.

Pètalos, Descendientes de J. Palacios, 2007, Bierzo, Spanien, ausgezeichnet, 14,50 Euro