originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Bolgheri 2004

Ich weiss nicht, ob den Traditionalisten italienischen Weins die Haare hochstehen, wenn sie an Bolgheri denken. Da gibt es alles, nur keine klassischen Rebsorten. Und man mag fragen ob die, die dort irgendwann mit Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Syrah angerückt sind, dem italienischen Weinbau einen Gefallen getan haben – gibt es doch in Italien eine Menge authochtoner Rebsorten höchster Qualität.

Wozu also dieser ganze internationale Kram? Um den italienischen Weinbau zu retten, sagen die anderen. Um ihn international aufzustellen und die Qualität zu verbessern. Und in der Tat hat der, dessen Weine wir getrunken haben entscheidend dazu beigetragen dies zu tun, den italienischen Weinbau wenn nicht zu retten, dann doch in eine entscheidende Richtung zu führen. Und zwar in eine, in die er in den 80ern und 90ern nicht unterwegs war, zumindest nicht in der Breite. Wir können hier ein Lied davon singen, bei uns war das auch nicht viel besser und wenn damals der ordinäre Chianti noch international zu verkaufen war, war es hier die Liebfrauenmilch. Mehr aber auch nicht.

Marchese Ludovico Antinori, von dem rede ich hier nämlich, hat dies mit einer unglaublichen Energieleistung geändert. Er, dessen alteingesessene toskanische Familie jede Menge Ländereien und vor allem Rebhänge besitzt, konnte den fortschreitenden Niedergang nicht gut ertragen. Und neben einem strikten Qualitätsstreben der heimischen Rebsorten hat er eben auch auf einen internationalen Stil gesetzt. Und das auf angestrebt höchstem Niveau. Herausgekommen ist das, was irgendwann den Namen Super-Tuscans bekommen hat. Wein internationalen Stils der in Italien jedoch lediglich die Qualitätsstufe eine Landweines, eines IGT erhalten hat, weil er den Richtlinien der Anbaugebiete nicht entsprochen hat. Das tat dem Erfolg der Antinorischen Weine und deren Verbündeter keinen Abbruch, so dass Sassicaia, Tignanello, Ornellaia oder Guado al Tasso berühmt wurden und eine Aufbruchstimmung erzeugten, die über das kleine Bolgheri, ja über die Toskana weit hinausging.

Im Gefolge der Super-Tuscans finden sich Zweitweine und andere Abfüllungen dieser Güter deren Preis nicht direkt in die Hunderte geht. Drei gereifte Weine, alle aus dem Besitz der Antinoris, haben wir probiert und über ca. drei Stunden verfolgt. Zunächst hat mich keiner der drei vollends überzeugt, zum Schluss hätte ich die drei alleine trinken können.

Il Bruciato 2004, Guado al Tasso, Bolgheri
Dieser Wein ist ein Nasenschmeichler. Süße Frucht und etwas vanilliges getoastetes Holz strömen aus dem Glas. Im Mund ist der Wein zunächst weniger fruchtig, ja, ich habe den Eindruck, die Frucht würde in der Gesamtheit des Weines deutlich zu weit zurückstehen. Die Tannine, die Säure stehen im Vordergrund. Nach einiger Zeit aber, genauer gesagt ca. 2 Stunden, nach dem ersten Schluck öffnet sich der Wein, der aus 60% Cabernet Sauvignon, 30% Merlot und 10% Syrah besteht, also gut vier Stunden nach Öffnen der Flasche.

Il Pino di Biserno 2004, Campo di Sasso
Im Gegensatz zum Il Brusciato ist dies nicht unbedingt ein Nasenschmeichler. Beim Il Pino treffe ich auf die Würze einer reduzierten Bratensoße, versetzt mit medizinischer Tinktur. Im Mund erwartet mich zunächst ein Geschmack von Dropsen aus der Metalldose, die zu lange im heißen Auto gelegen hat. Auch dieser Wein findet erst nach langer Zeit zu sich und klart dann förmlich auf. Jetzt finden sich Aromen von Schokolade und der Mund füllt sich mit dichten, dunklen, reifen Beeren. Der Wein wird erstaunlich harmonisch und ich bin angenehm überrascht. Das hatte ich gar nicht mehr erwartet von diesem Bogheri, der zumindest in 2005 aus 35% Cabernet Franc, 30% Cabernet Sauvignon, 20% Merlot und 15% Petit Verdot zusammengesetzt war.

Insoglio del Cinghiale 2004, Campo di Sasso
Auch der Wein mit dem markanten Schwein auf dem Etikett ändert seinen Charakter im Laufe des Abends beträchtlich. Zunächst steigt mir ein Geruch in die Nase als ob jemand alten Kabeljau über ein rostiges, von altem Blut überzogenes Geländer gezogen hätte. Da ist so viel Eisen im Geruch, dass ich zunächst ein wenig zurückschrecke. Am Gaumen findet sich jedoch eine sehr angenehme Fruchtsüße, die von kräftigen Tanninen und dunklen Früchten eskortiert wird. Dieser Wein gefällt mir abgesehen vom Gestank Geruch zunächst mit Abstand am besten. Der Wein wird zumindest als 2005er Jahrgang zur Hälfte von Merlot getragen, den Rest teilen sich Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Syrah und Petit Verdot. Später dann – auch hier dauert es seine Zeit – verfliegt der rostige Geruch und macht Platz für gekochten Rotkohl und Holunder. Das kann ich nun deutlich besser riechen, und geschmacklich schummelt sich noch etwas Schokolade und Mokka in die Fruchtaromen, was jetzt auch nicht unangenehm ist.

Ich fand den Abend jedenfalls ausgesprochen spannend weil ich selber ja eher ein Fan davon bin, in den Weinbaugebieten die heimischen Sorten anzubauen und das tendenziell eher als kulturlos empfinde, überall die gleichen Sorten anzupflanzen. Was mich jedoch nicht davon abhält, diesen Weinen, und zwar jedem der drei einen ganz eigenen, auch eigenwilligen Charakter zu attestieren. Und genau dann macht Wein Spaß.

1997er Pahlmeyer, Proprietary Red Wine, Napa Valley vs. 1996er Château Pontet-Canet, Pauillac

1972 begannen der gerade ausgebildete Anwalt Jayson Pahlmeyer und sein bester Freund John Caldwell eine Passion auszuleben die darin bestand, einen Kalifornischen Mouton zu produzieren. Es waren zwei begeisterte Bordeauxtrinker die hier ans Werk gingen. Zutaten waren zum einen die vermeindlich nicht gerade von der Natur begünstigten Weinberge aus dem Bestand des Weingutes Caldwell, zum anderen aus Frankreich importierte Bordeauxklone und schließlich eine Menge Optimismus.

Gegen alle Widerstände und hämische Kritik entstanden Weine, die nach nur wenigen Jahren ungläubiges Staunen hervorriefen. Der erste Jahrgang des Proprietary Red erhielt aus dem Stand 94 Punkte von Robert Parker. Von nun an gaben sich Weingrößen und Winemaker wie Helen Turley, Randy DunnMichel Rolland und Erin Green die Klinke in die Hand, um das Projekt zu fördern und zu unterstützen und nicht zuletzt der teuerste und wohl beste Spezialist für Weibergsmanagement und selber 100 Punkte-Parker-Preisträger, David Abreu, legte neue Weinberge an. Mit wachsendem Erfolg hielten auch Rebsorten wie Pinot Noir oder Chardonnay Einzug in das Portfolio der Winery. Der Merlot Pahlmeyer gehört heute zu den am höchsten dekorierten Weinen dieser Rebsorte.

Der 1997er besteht aus 73% Cabernet Sauvignon und 17% Merlot, hinzu kommen etwas Cabernet Franc, Malbec und Petit Verdot die aus den bersten Lagen des Napa-Valley stammen: Spring Mountain, Howell Mountain, Soda Canyon, Wooden Valley und Carneros.

Ein hoch dekorierter Wein mit 98 Parker-Punkten, ein Weingigant den ich an diesem Abend gegen einen 1996er Château Pontet-Canet verkosten durfte. Zwei Cabernet-betonte Bordeaux-Cuvées von großem Unterschied. Der Franzose duftet fein nach leicht medizinischen Noten, mineralisch, eukalyptisch mit typischem Duft nach Zigarrenkiste und Johannisbeeren.

Der Pahlmeyer möchten den subtilen Pauillac fast wegdrücken, ein gigantischer Kerl mit Muskelpaketen, ein betörender, tiefer Duft von überaus reifen dunklen Beeren, Johannisbeeren und flüssiger Schokolade. Der ganze Mund wird ausgefüllt von dieser Wucht an Frucht, er ist ungeheuer präsent, dabei überraschend kühl und mineralisch, was die Opulenz ein wenig zügelt. Zum Schluss stört mich, das muss ich sagen, denn das hier ist hohes Niveau, eine ganz leichte Bitternote, nicht viel aber doch wahrnehmbar.

Der Pontet-Canet hält mit in seiner deutlich schlankeren Art. Ein herrliches Beispiel für besten Bordeaux, ein Paradebeispiel an feiner Komplexität, an subtilen Aromen gepaart mit Holz und dabei sehr frisch und jung wirkend, so dass ich mal behaupten würde, dass er seine Trinkreife gerade erst jetzt erreicht. Ähnlich wie der Pahlmeyer dürfte er locker noch ein paar Jahre länger im Keller liegen um seinen Höhepunkt zu erreichen.

Beiden ist ein langer und komplexer Abgang gemein doch auch hier zeigen sich wieder die Unterschiede im Entwurf dieser beiden Weine. Der Kalifornier bleibt  auch im hier eine muskulöse Zehnkämpferstatur mit einer famosen Mischung aus Kraft und Leichtigkeit, der Pontet-Canet bleibt alter Adel und verabschiedet sich ruhig, mit ausholender Gestik und lange noch sieht man den Vierspänner am Horizont.

Zwei typische Vertreter beider Länder, zwei, die den Erwartungen gerecht werden und die man schwer miteinander messen kann. Letzendlich gefiel mir der Pontet-Canet besser, so wie er sich präsentierte, als Archetyp des Pauillac. Aber, wer weiss, das kann an einem anderen Abend wieder anders sein.

Beide Weine finden sich in der Vinothek des Atlantic Hotel, Essen

Clos du Marquis 2004, Domaines Delon, Saint Julien

Diesen Wein einen Zweitwein zu nennen, würde dem Clos du Marquis nicht unbedingt gerecht werden. Zwar ist der Gran Cru Leoville-Las-Cases das bekannte Flagschiff des Gutes und gehört seit Jahren zu der kleinen Handvoll Meisterwerke des Bordeaux doch gehört auch der kleine Bruder regelmässig zu den Spitzen in St. Julien. 96 Hektar besitzen die Delons. 96 Hektar Spitzenlage zwischen Gironde östlich und dem Clos von Latour westlich, nördlich abgegrenzt von Leoville-Barton. Besonders ist hier, dass nicht etwa die jüngeren Rebstöcke für den Zweitwein verwendet werden und die alten dem Gran Vin vorbehalten sind, nein, der Besitz wurde aufgeteilt in zwei Bereiche, wobei aus der wasserabgewandten Seite hin zu Leoville-Barton die Rebstöcke für den Clos du Marquis wurzeln.

Beim Öffnen der Flasche strömt einem schon die ganze Wucht eines noch relativen jungen guten Bordeaux entgegen. Nachdem sich das vanillige, realtiv stark getoastete frische Eichenholz etwas verflüchtigt hat setzen sich Brombeeren durch, Kirschen und Johannis. Dazu etwas Tabak und ein wenig Erde. Das macht sehr viel Lust auf den ersten Schluck.

clos_du_marquis_2004

Ich will nicht sagen, dass dieser Schluck enttäuschend war. Der Wein zählt sicherlich zu den überdurchschnittlich guten Weinen des St. Julien, aber wirklich beeindrucken konnte er nicht. Dazu fehlt im schlicht ein wenig Dichte und Fleisch. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass das mit den Jahren noch kommt. Das ist schade denn erst einmal beisst man bei diesem von Cabernet geprägten Wein geradezu in eine Handvoll roter Früchte, vor allem in reife Sauerkirschen, unterlegt mit etwas Zeder und etwas, was an Stallgeruch erinnert – nur dass ich es im Mund habe. Das würde ich nicht überbewerten. Bewerten aber möchte ich, dass dem Wein einfach Struktur fehlt. Er verschwimmt ein wenig und wirkt am Schluss etwas parfümiert. Ausserdem erwartet man in der Nase deutlich mehr Fleisch als er dann bieten kann. Das gefällt nicht bei einem Wein der sich der 30 Euro-Marke annähert.

Um so schöner aber sind Dekanter und Bordeaux-Gläser von Zalto, die diese Woche eingetroffen sind und die ich gerne weiterempfehlen möchte.

Clos du Marquis 2004, Domaines Delon, Saint Julien, sehr gut, Kaufempfehlung: nein, ca. 28 Euro
Glasmanufaktur Zalto, Bordeaux-Glas, mundgeblasen, 30 Euro bei originalverkorkt
Glasmanufaktur Zalto, Dekanter Axium, mundgeblasen, 63 Euro bei originalverkorkt

Château La Tour de By 2005, Médoc

Die Wurzeln des Château La Tour de By reichen ins 16. Jahrhundert zurück. Seinen Namen hat es von einem ehemaligen Leuchtturm, der im 18. Jahrhundert auf dem Gelände des Herrenhauses errichtet wurde und den Namen By erhielt. Seitdem heißt das Weingut an den Ufern der Gironde Château la Tour de By.

Sein heutiger Besitzer hat das Schloss 1965 mit zwei Kompagnons gekauft, 1999 hat der mittlerweile versorbene Marc Pages das Château allein übernommen, nun bewirtschaften es seine Kinder. Er hat es verstanden, das Cru Borgeois-Weingut auf Grand Cru-Level zu hieven und hat in den 70ern, als die Weine schwer verkäuflich waren, mit den alteingesessen Bordelaiser Handelshäusern gebrochen und vermarktet seine Weine selbst. Es werden über 1.000 Restaurants in Frankreich direkt beliefert, es gibt 5.000 private Stammkunden, sodass die Weine aus 74 ha Rebflächen von Cabernet Sauvignon (65 %), Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot regelmäßig ihre Abnehmer finden. Einer davon ist Jacques’ Weindepot wo man den 2005er Jahrgang für ca. 14 Euro erstehen kann, was beweist, dass man für vergleichsweise kleines Geld, was Bordeaux angeht, durchaus einen sehr typischen, sehr gut gemachten Médoc erstehen kann.

Der 2005er ist noch jung, zeigt aber schon jede Menge Waldfrucht, etwas Mocca und Bitterschokolade, später kommt etwas Dörrobst hinzu. Der Wein ist saftig, dabei aber überhaupt nicht durchsättigt mit plumper Frucht, eher mineralisch frisch und tief und lang. Das ist für einen Wein dieser Preisklasse ganz außerordentlich.

Château La Tour de By 2005, Cru Bourgeois Superieur, Médoc, Jacques’ Weindepot, 13,90 Euro

Château Pontet-Canet, Pauillac, 1999, Bordeaux

Das war schön im Wettkampf der Alten Welt gegen die Neue Welt im Rahmen des Gocher Weinzyklus verdeckt den 1999er Pontet-Canet gegen den 1999er Alma Viva von Concha Y Toro / Lafite-Rothschild antreten zu lassen und zwei herrliche Exemplare des 1999er Jahrgangs zu verkosten. Alte Welt versus Neue Welt … an Hand dieser beiden Weine zeigt sich, wie nahe das alles zusammengerückt ist, wie ähnlich das Qualitätsniveau zu sein scheint. Das Weingut mit dem 5ième Cru wurde auch schon 1999 von Michel Rolland beraten, dem fliegenden Weinmacher und dezidierten Vertreter des Parker-Bordeaux-Weintyps. Alma Viva wird dagegen vom Weinmacher von Lafite-Rothschild gemacht aus den besten Rebbeständen von Concha y Toro in Chile.

Und doch, man erkennt ziemlich schnell, woher welcher Wein kommt. Pontet-Canet ist Paulliac und Alma Viva ist fruchtige, vanillige neue Welt. Auf sehr hohem, ausbalanciertem Niveau ein wirklich guter Wein. Aber mir scheint der Pontet-Canet darüber erhaben zu sein. Dieses Weingut mit 118 ha (!) Rebbestand, das in den 70er und 80er Jahren wohl deutlich geschwächelt hat, produziert wieder ausnehmend gelungene Weine. Der 1999er Jahrgang wird allgemein im Paulliac als überdurchschnittlich angesehen. Das, was wir im Glas hatten, war denn auch über größere Zweifel erhaben. Und ich möchte behaupten, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, diesen Wein zu trinken.

60 % Cabernet Sauvigon, 33 % Merlot, 5 % Cabernet Franc und 2 % Petit Verdot führen zu einem sehr konzentriert wirkenden dunkeldunkelroten Saft. Toffee, Kaffee, Eiche, Zeder, Vanille, gebrannte Mandeln und dunkle Beeren, Zwetschgen und Johannisbeeren strömen aus dem Glas, ein Tribut an das stark getoastete Holz, gewollt natürlich, denn es ist auch ein Rolland-Wein. Im Mund ist er fleischig, sehr gut strukturiert, die Tannine blendend integriert. Er hat Kraft und Eleganz und Frische. Hach ja … Wenn nur die 42,50 Euro nicht wären.

Château Pontet-Canet, Pauillac, 1999, Bordeaux, 42,50 Euro, Fegers & Berts

Bordeauxgleiches Getümmel

Gestern gab’s Bordeaux vom Heiligen Julian, dazu im Vergleich etwas von einer sehr kleinen neuseeländischen Insel und zum Schluss zum Käse und etwas Süßes.

Konkret hat das Château Lagrange 2001, Saint Julien, den Stonyridge, Waiheke Island 2001 von Larose deutlich nach Punkten hinter sich gelassen. Stonyridge könnte nach Geruch auch ein Johannisbeerwein sein, so dicht strömt es aus dem Glas. Hinzu kommt etwas, das mich entfernt an Chillisoße aus der Pommesbude erinnert – und an Kapern, aber so ganz konkret fassen kann ich das nicht. Ich hätte gemeint, dieser Wein bestünde einfach mal zu hundert Prozent aus Cabernet. Hätte ich nicht gewusst, dass da nur 56 % Cabernet, 15 % Petit Verdot, 11 % Merlot, 9 % Malbec und 9 % Cabernet Franc drin sind. Das steht nämlich auf dem Etikett. Aber merken tut man’s nicht.

Der Wein ist gut ausbalanciert, aber überhaupt nicht dicht, hat nicht das Dunkle, das Feste, das häufig erscheint, wenn Petit Verdot untergemischt wird. Eher mittlerer Körper, der schnell sein Alter zeigt und zerbrechlich wird. Der Wein baut keinen Druck auf, ist nicht allzu lang und wird schnell vergessen. Insgesamt eher ein wenig müde und eindimensional.

Monsieur Lagrange wartet mit 65 % Cabernet, 28 % Merlot und 7 % Petit Verdot auf und, wenn ich die beiden Gläser nebeneinander halte, bin ich fast sicher, dass dies der Wein von der anderen Seite der Welt ist. Stimmt aber nicht. Er tut nur so. Neue Bordeaux-Moderne, die nach Pflaume duftet und Brombeere, dazu nach Toast und getoastetem Holz. Insgesamt erdig schwer, dunkel, leicht süß.

Im Mund wird er deutlich dunkelschokoladig und süß. Ein wenig Kirsche gefällig? Die Tannine und Säuren finden sich ein und geben ein rundes Bild von einem einigermaßen modernen, in sich ruhenden feinen Bordeaux, der mir allerdings ein bisserl zu wenig eigenständigen Charakter zeigt.

Zum Käse gibt es das Beste vom Château Suduiraut des Jahrgangs 2002. Ein kleines Fläschchen, das viel zu schnell zur Neige geht, wo doch so viel passender Käse da ist. Blauschimmel, ja, aber viel besser der Deichkäse von der Nordseeküste.

Der passt wunderbar zu Honig und Honig und Honig. Und frischer Aprikose. Und kandierter Aprikose. Und Banane. Und Karamel, Toffee … Ach. Was soll man da noch sagen bei so viel Süße und Frucht und dieser enormen Frische, die das Überbordende harmonisiert? Legt euch Süßwein in den Keller, so lange man ihn noch bezahlen kann …

Château Lagrange, Saint Julien, Bordeaux, 2001
Waiheke Island, Stonyridge Larose, Neuseeland, 2001
Château Suduiraut, Sauternes, Bordeaux, 2002


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