Wenn man auf die Karte der Appellation Champagne schaut, bemerkt man, dass die Region zersplittert ist. Das ist ungewöhnlich für eine Weinregion, hängt aber vor allem mit den unterschiedlichen Gesteinszusammensetzungen zusammen. Die Champagne lebt von Kalk und Mergel. Da diese Beschaffenheit nicht überall gegeben ist, hat man die Anbaufläche begrenzt. Bis zum Jahr 2008 waren es etwa 33.500 Hektar. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde vom französischen Weinamt beschlossen, das Gebiet in den nächsten Jahren um 38 Gemeinden zu erweitern. Zwischenzeitlich wurde, ebenfalls aufgrund der hohen Nachfrage, die mögliche Ertragsmenge von 10.500 Kilo Trauben/Hektar auf 12.500 Kilo erhöht, die großen Häuser hätten sogar gerne 14.000 Kilo gehabt. Doch schon eine Ertragserhöhung von rund 20% Traubenmaterial pro Hektar, was dann etwa 78 Hektolitern an Ertrag entspricht, ist für ein Luxusprodukt nicht gerade wenig. Wenn man allerdings andererseits die Produktionsmengen generell betrachtet, kann man von einem Luxusprodukt eh nicht mehr sprechen, da ist dann lediglich der Preis luxuriös, und die Marketingkampagnen sind es im Zweifel auch. Dem Ruf der Champagne tut es jedoch bisher anscheinend keinen Abbruch, und wenn der chinesische Markt auf die Champagne genau so heiß wird wie auf das Bordelais, dann sind im Zweifel selbst die Liegenschaften von 38 zusätzlichen Gemeinden noch deutlich zu wenig, um den Durst zu stillen. Über den Plan, die Appellation zu erweitern, wurde lange und heftig gestritten, denn, ich wiederhole mich kurz, die Champagne lebt von ihren Böden und dem jeweiligen Mikroklima. Und beides gilt in den 38 zusätzlichen Gemeinden nicht als besonders hochwertig. Aber was soll’s, sagen sich viele, für einen Discount-Champagner wird es reichen, da ist es eh fast egal, was in der Flasche ist. Und entsprechend wollen wir uns auch hier nicht weiter mit dieser Qualitätsstufe beschäftigen.
Hier geht es gerade um Blanc de Blancs und man könnte annehmen, dass diese aus der Côte de Blancs stammen. Das ist meist richtig, aber nicht immer. Zwar ist die Côte de Blancs tatsächlich das Gebiet der Champagne, wo am meisten, ja fast ausschließlich Chardonnay wächst, woraus Blanc de Blancs im Allgemeinen gekeltert werden. Eigentlich heißt sie aber so, weil dort das Weiße der Erde, die Kimmeridge-Kreide, bis an die Oberfläche tritt. Der Boden ist dort so weiß wie die Kalksteinfelsen von Rügen und die Küste bei Dover, lediglich durch eine leichte Humusschicht bedeckt. So kreidig ist der Boden sonst nur in einzelnen Teilen der Montage de Reims, in Parzellen des Vallée de la Marne und in Teilen von Montgueux, einer kleinen Unterappellation. Dieser Boden ist in der Tat prädestiniert für Chardonnay und so stammen die Chardonnay-Champagner des Abends auch fast ausschließlich von diesem Untergrund. Lediglich die beiden Besonderheiten unter den Blanc de Blancs, die beiden raren Weißburgunder-Champagner, stammen von Mergelböden, in die sich ein wenig Weichkalk gemischt hat. Diesen Boden finden man im unteren, weiter entfernten Gebiet der Côte de Bar, die vor allem bekannt ist für ihren Pinot Noir.
De Sousas Stammsitz in Avize | Foto: © Vinaturel
De Sousa Blanc de Blancs Resèrve Grand Cru
Kehren wir zurück zu unseren Champagnern, so habe ich im zweiten Flight zwei ganz unterschiedliche Weine nebeneinander gestellt, von denen ich mir allerdings erhofft hatte, dass sie einen etwas ähnlichen Schmelz aufweisen könnten, und ganz falsch lag ich damit nicht. Zunächst gab es einen De Sousa Blanc de Blancs Resèrve Grand Cru. Die Familie eines aus Spanien stammenden Urahnen hat ihren Sitz in Avize, einem der beiden Hauptorte der Côte de Blancs, und bis auf kleine Mengen Pinot Noir aus Ay und Ambonnay sowie Meunier aus der Nähe von Epernay – beides wird für Rosé gebraucht – hat sich de Sousa auf Chardonnay spezialisiert. Dafür stehen der Familie 11 Hektar ausgezeichnete Premier- und Grand-Lagen in Avize, Oger, Cramant und Le Mesnil zur Verfügung. Seit 1999 arbeitet de Sousa biodynamisch, die Umstellung erfolgte unter der Leitung von François Bouchet, einer Ikone unter den Biodynamie-Spezialisten. De Sousa haben das Glück, nicht nur ausgezeichnete Lagen zu besitzen, die durch eine erfolgreiche Heiratsdiplomatie zu Anfang des 20. Jhs noch erweitert wurden, besonders ist auch das durchschnittliche Alter der Rebstöcke, welches bei 45 Jahren liegt. Schon dieser Umstand kann zu einer konzentrierteren Aromatik führen, wenn dann spät gelesen und der Ertrag reduziert wird und zudem die Technik der Batônnage angewandt wird, also die Hefe innerhalb des Gärbottichs mehrfach aufgerührt wird, dann führt dies, in Verbindung mit einer zurückhaltenden Dosage zu einem speziellen de Sousa-Stil, den Engländer als rich bezeichnen würden. Schon die Réserve ist voll, crémig-schmelzig mit Aromen von frischem Brioche, Salznüssen und Mandeln. Demgegenüber steht jedoch die Frische von Limetten und, je länger der Wein offen steht, reifen Orangen. Diese Fülle einerseits und die tänzelnde Zitrusfrucht-Säure und kalkige Mineralik andererseits machen diesen Champagner, der weniger kostet als ein Veuve-Clicquot, zu einem Erlebnis, dem sich in der Runde niemand entziehen konnte. Und auch wenn ich die viel puristischeren Weine von Bérèche und Larmandier persönlich eher schätze, so bin ich doch immer wieder begeistert von diesem Wein.
Raumland, Chardonnay 2004 Prestige
Was ich als Piraten angekündigt und entsprechend eingeschenkt hatte, konnten an diesem Abend jene erläutern, die sich mit diesem Wein viel besser auskennen als ich. Das Ehepaar Raumland hatte spontan zugesagt, als ich Volker Raumland die Probenliste des Abends inklusive seines 2004er Chardonnay Prestige geschickt hatte. Raumlands, die sich als Sekthaus in Flörsheim-Dalsheim komplett auf die Erzeugung von Schaumweinen spezialisiert haben, sind seit Jahren die am häufigsten ausgezeichneten Erzeuger in Deutschland und für deutsche Sekte ist Raumland die Referenz. Raumlands orientieren sich bei ihrer Arbeit ganz klar an den Winzern in der Champagne und nicht an der deutschen Konkurrenz. Riesling-Sekt spielt eine entsprechend geringe Rolle. Sämtliche Sekte von Rang stammen von Burgundersorten, reinsortig ausgebaut oder als Cuvée bis hin zum Triumvirat, einer Prestige-Cuvée aus den klassischen drei Champagne-Rebsorten Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier. Dieser Sekt entspricht dann auch preislich einem Champagner, der Jahrgangs-Chardonnay hingegen ist deutlich günstiger.
Erntezeit auf dem Sektgut Raumland | Foto ©: RaumlandWenn man ihm auch sein deutsche Herkunft ein wenig anmerkt – er wirkt frischfruchtiger als die Champagner, aber das ist kein Makel, eher ein Charaktermerkmal –, so kann dieser Sekt auf dem Level, auf dem wir uns gerade befinden, sehr gut mitspielen. Ausgebaut wurde der auf Kalkboden wachsende Chardonnay im kleinen, gebrauchten Barrique, er verbindet Kraft und Fülle mit viel Frische und Noten von Steinobst. Das ist in seiner ganzen Harmonie einer der besten deutschen Sekte, die ich kenne.
In der dritten Runde finden sich zwei sehr unterschiedliche Typen, Böden und Stile. Mit dem Champagner von Emmanuel Brochet findet sich ein weiterer Winzer aus der Montagne de Reims, der den Anspruch hat, so natur- und terroirnah wie möglich seine Definition von natürlichem Wein zu produzieren, daneben steht eine Grande Dame aus Mesnil-sur-Oger, die verehrte Nicole Moncuit.

Emmanuel Brochet, "Le Mont Benoît" Non Dosé Vendange 2007
Brochet, der in Villers-aux-Noeuds in der Nähe von Reims beheimatet ist, besitzt gerade mal 2,5 Hektar Weinberg in der Einzellage Le Mont Benoît. Damit gehört er zu den Mikrowinzern, die andernorts vom Ertrag kaum überleben könnten. Brochet kann, den guten Preisen sei Dank. Villers-aux-Noueds Terroir, wo früher 200 Hektar, heute nur noch 30 unter Reben stehen, unterscheidet sich deutlich von den fast nackten Kreideböden der Côte de Blancs, vielmehr findet sich hier über der Kreide eine stärkere Kreide-Ton-Auflage, die dem Wein eine ganz eigene, fast rauchige Note verleiht. Brochet, der zu den Newcomern und den biologisch arbeitenden Winzern gehört, wirkt, was Ökologie und Biodynamie betrifft, ganz abgeklärt. Der Respekt vor der Natur und der Blick auf den teils schaurigen Umgang mit derselben, gerade in der Champagne – es ist noch nicht so lange her, dass man den Hausmüll von Paris als Dünger unter die Rebstöcke der Champagne verteilt hat –, hat ihn zum ökologisch arbeitenden Winzer werden lassen, mit Esoterik kann er nichts anfangen. Für ihn sei neben diesem Respekt die Schaffung eines guten Produktes wichtig, eines, das konzentriert die Besonderheiten seines Heimatboden widerspiegle, so Brochet. Gelesen wird das Rebgut bei 10 Grad Alkoholgehalt und verarbeitet wird es in einer 2.000 Kilo-Vertikal-Presse, was der Hälfte der üblichen Größe entspricht. Brochet selber nutzt lediglich das Coeur de Cuvée, also das Herz der Pressung, der Rest, die Taille, wird an Händler verkauft. Seit 2005 wird im großen Holzfass vergoren. Brochet nutzt dafür die von Fleury entwickelten Quarz-Hefen, keine Industriehefen. Er hat mit Spontanvergärung experimentiert, hat es aber zunächst wieder aufgegeben, weil er davon ausgeht, dass sein Keller noch zu neu ist, sodass dort das Mikroklima noch nicht stimmt, um genügend indigene Hefen zu erzeugen, die dann auch wirklich eine Gärung in Gang bringen können. Der Wein wird im Januar das erste Mal abgestochen, dann liegt er weiter bis Mitte des Jahres auf der Feinhefe. Geschönt und gefiltert wird nicht, der biologische Säureabbau wird nur bei Teilen der Weine durchgeführt.
Eigentlich hatte ich bei meinem Händler den Blanc de Blancs 2005 bestellt, jedoch den Le Mont Benoît Non Dosé 2007 erhalten. Das passt nicht ganz, wenn man einen Blanc de Blancs Abend plant, doch – ehrlich gesagt – ist es mir erst aufgefallen, als ich die Flaschen nach der Probe fotografiert habe. Also hatten wir eine ungewollte Cuvée im Programm, bestehend aus 50% Meunier, 25% Pinot Noir und 25% Chardonnay. Zu 85% 2007er Jahrgang gesellen sich 15% 2006er. Dieser Wein repräsentiert sehr deutlich das Terroir des Mont Benoît, die kreidige Note genauso wie die Tonerde. Entsprechend finden sich eher kreidig-mineralische, aber auch rauchige Noten, im Fruchtbereich sind es Grapefruit und grünapfelige Noten, die dominieren und sich mit salzigen Noten und etwas Brioche paaren. Am Gaumen setzt sich das Spiel aus salzigen Noten und dieser beeindruckenden Mineralität fort. Es ist eigentlich kein Wunder, dass bei dieser Expressivität der Kreide und dieser Stahligkeit nicht aufgefallen ist, dass hier nur 25% Chardonnay drin waren. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen sehr fokussierten, klaren, harmonischen Champagner erster Güte.
Pierre Moncuit, Blanc de Blancs Grand Cru Brut Millesimé 2002
Ähnlich harmonisch präsentierte sich der 2002er Grand Cru Brut Blanc de Blancs von Moncuit. Moncuit besitzt 20 verschiedene Parzellen in Le-Mesnil-sur-Oger, hinzu kommen 5 Hektar in Sézanne, die immer getrennt ausgebaut werden. Es ist der Ort, wo Krug seinen extrem teuren und raren Clos de Mesnil bewirtschaftet. An Säure fehlt es den Weinen aus Le Mesnil selten, was an der spezifischen Lage des Ortes und seiner Weinberge liegt. Entsprechend dem hohen Säureanteil lässt Nicole Moncuit die Weine immer einen biologischen Säureabbau durchlaufen. Die Weine der Moncuit, die seit den 50er Jahren unter eigenem Namen Champagner anbieten und zu den alteingesessenen und renommierten Betrieben gehören, werden ausschließlich im Edelstahl vergoren, und die Weine entstammen ausschließlich einzelnen Jahrgängen, es wird nicht mit Reserveweinen gearbeitet.
Der 2002er wirkt fein und zurückhaltend, fast gedämpft. Die Blumen-, Kräuter- und Fruchtaromatik duftet leicht aus dem Glas, mit zunehmender Luft mischen sich reifer Pfirsich, Grapefruit und einige tropische Noten in den Duft. Am Gaumen wirkt der Wein balanciert zwischen Frucht, Säure und kreidiger, nerviger Mineralität. Eigentlich ein ausgezeichnet balancierter Champagner, trotzdem hat er bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dabei will ich dem Champagner kein Unrecht tun; denn es typisch für Le Mesnil, dass die Weine viel Zeit brauchen. Ich würde noch mal fünf weitere Jahre ansetzen und dann noch einmal probieren.
Eines der faszinierendsten Themen der Weinwelt ist für mich die Champagne. Erst spät, es muss am Geldbeutel liegen, bin ich überhaupt erst dazu gekommen, andere Champagner zu trinken als man sie hier und da mal bei bei Geburtstagen oder auf Stehpartys und Empfängen in die Hand gedrückt bekommt. Das war dann immer weitestgehend ausdrucksloser Bankett-Champagner, der keinem weh tut, aber auch kein bisschen dazu beitragen mag, sich für dieses Getränk weiter zu erwärmen. Hinzu kommt, dass mir die Marketingstrategien und Allüren der großen Häuser ziemlich fremd sind. Hier werden Produkte als rar und exklusiv feil geboten, die in Millionenauflage praktisch vollautomatisiert hergestellt werden. Dafür aber, dem Marketingetat sei Dank, müssen horrende Summen bezahlt werden. Dazu war ich nie bereit. Genauso wenig mochte ich zu irgendwelchen Champagner-Verkostungen pilgern die, mit einem Haufen Celebrities bestückt, in irgendwelchen überkandiedelten Hotels, wie beispielsweise dem geschmacklosen Kameha Grand hier in Bonn, abgehalten werden.
Dann aber hatte ich irgendwann mal zwei Gläser in der Hand. In dem einen befand sich Champagner von Krug, in dem anderen ein Jahrgangschampagner von Larmandier-Bernier. Diese beiden Schaumweine haben meine Sicht auf dieses Weinbaugebiet grundsätzlich verändert. Mittlerweile habe ich Vieles probiert – man kann ja Proben organisieren um sich durch das Programm zu verkosten – und bin diesem Stoff ein wenig verfallen. Zumindest den guten Vertretern. Und davon gibt es eine ganze Menge. Man muss sie nur finden. Neben Krug gibt es natürlich auch bei den großen Häusern wirklich gute Weine. Wer einen gereiften Roederer Cristal oder einen Jahrgangschampagner von Bollinger oder einen Cômte de Champagne von Taittinger probiert hat, weiß, was ich meine. Ich persönlich finde es jedoch viel interessanter, mich mit jenen zu beschäftigen, die es mittlerweile gewagt haben, sich aus der Deckung der großen Häuser zu wagen, die ihre Trauben nicht mehr den Cooperativen geben oder eben jenen großen Häusern. Verführerisch ist das nämlich allemal, denn für gutes Traubenmaterial wird viel Geld gezahlt. Mehr als irgendwo anders – ausser vielleicht im Napa Valley. Trozdem, es gibt immer mehr, die es wagen, selbst auf den Markt zu gehen und es gibt immer mehr, die diese Winzer-Champagner auch kaufen. Das ist ein großes Glück denn dadurch zeigt sich erst die Vielfalt. Die Vielfalt der Böden, der Klimata, der Rebsorten – hey, es gibt auch Champagner vom Pinot Blanc und von der Arbanne, und natürlich vom Schwarzriesling, pardon, Pinot Meunier, und was für welchen…
Heute stelle ich drei Champagner vor, die ich drüber im Shop auch verkaufe. Ich mache ganz bewusst auf Winzer aufmerksam, die dort Flächen bewirtschaften die so klein sind, wie bei Vollenweider an der Mosel. Gemeinsam haben sie, dass sie sich dem biodynamischen Anbau verschrieben haben und das sie Holz zum Reifen einsetzen, was wenige machen. Krug ist bekannt dafür und der Großmeister der Winzer, Anselm Selosse. Jedoch immer mehr Winzer, vorwiegend aus dem Biodyn-Bereich setzen ganz zurückhaltend das Holz ein um einen gewissen Austausch mit dem Umgebungsluft zu gewährleisten. Deswegen wirken die Weine nur selten oxydativ.
Der Bulles de Comptoir beispielsweise ist meilenweit von irgendwelcher Oxydation entfernt. Der ist so scharf wie ein Rasiermesser. Da sammeln sich Tropfen von Limetten und frischer Grapefruit auf des Messers Schneide und sie rinnen nur deshalb nicht herab, weil sie aufgehalten werden, von größeren Mengen an Kreide. Das ist straight to the edge. Nicht unbedingt der Stil, den ich favorisiere, das ist mir noch zu hart. Aber ausgezeichnet gemacht. Charles Dufour, so heisst der Winzer, sitzt in Landreville, im Tal der Aube. Wer durch das Dorf fährt, wird ihn im Zweifel zunächst nicht finden. Es ist eben ein Winzer und kein Champagner-Haus, so wie bei uns in den Weinbaugebieten. Da stehen keine schnellen Sportwagen vor riesigen Landsitzen.
Gegründet wurde der Besitz von Robert Dufour der, der einfach drei Champagner hergestellt hat. Brut, Sec und Demi-sec. Roberts Sohn und der Vater des heutigen Besitzers, Yves, hat sich auf trockene Champagner spezialisiert. Dabei hat er, als einer der ganz wenigen, verschiedene Rebsorten getrennt ausgebaut. Nebenbei, auch das war selten in den Achtzigern und Neunzigern, hat er auf biologischen Anbau gesetzt, in Zeiten, in denen andere Winzern noch den Hausmüll aus Paris als Dünger eingesetzt haben. Während Charles einige Jahre in Neuseeland und Australien sein Wissen erweitert hat, hat seine Mutter in einigen Parzellen auf Biodynamie umgestellt. Seit 2007 läuft der ganze Betrieb unter Kontrolle von Ecocert. Was ganz typisch ist für die Côte de Bar ist der große Anteil von Pinot Noir im Rebbestand. Das ist auch bei den Dufours nicht anders. Was sie aber neben Meunier und Chardonnay noch anbauen ist Pinot Blanc. Und das ist selten. Es gibt sogar reinsortigen Pinot-Blanc-Champagner, drüben im Shop. Den hat Vater Yves 1999 ausgebaut und Sohn Charles 2009 degorgiert. Im Bulles de Comptoir, dessen Etikett diesen Artikel ziert, ist ein Drittel Pinot Blanc, den Rest teilen sich Pinot Noir und Chardonnay.
Ganz anders als Dufour wirkt der Brut Essentiel von Benoît Lahaye. Lahaye lebt und arbeitet in Bouzy, einer Hochburg der Pinot-Noir-Champagner und voller Grand Cru Lagen. So ist auch dieser Brut Essentiel mit 6 Gramm Dosage ein Gran Cru. Den 90 % Pinot wurden schmeichelnde 10 % Chardonnay hinzugefügt. Lahaye hat in den Neunzigern, bekehrt vom Patrick Meyer aus dem Elsass, auf bio-organischen Anbau umgeschwengt und ist dann weiter Richtung Biodynamie gegangen. Für ihn ist klar, und da singt er im Chor: vor der Biodynamie war es nicht möglich, vernünftigen Brut Nature herzustellen weil die Trauben seit der Umstellung zunehmend reifer werden – bei gleichem notwendigen Säuregrat. 4.5 Hektar besitzt Lahaye. Knapp 96 % fallen auf Pinot Noir, eine Parzelle wurde mit Chardonnay bepflanzt.
Lahayes Brut Essentiel, und das gilt für alle seine Weine, sind Weine die dringend getrunken werden wollen. Nicht, weil sie nicht lange altern würden, nein, weil sie so lecker sind. Der Brut Essentiel weist neben feinen Hefenoten, die an frisch gerührten Teig erinnern, Kernobstfruchtnoten auf. Da ist Créme drin und ein angenehme Weichheit. 55 % des Weines stammen übrigens aus dem Jahr 2007, der Rest sind Reserveweine. Dieser Champagner hat eine schöne Tefe und ist dabei sehr charmant unkompliziert. Neben den Fruchtaromen findet sich eine angenehme Säure und Mineralität. Der Wein ist für unter 30,- zu haben und das ist ein fantastischer Einstieg in die Champagnerwelt.
Der Einstiegswein von Georges Laval, bzw. seinem Vincent, der den Betrieb seit 1996 führt ist fast doppelt so teuer wie der Lahaye. Der Cumières Brut Nature ist ein rarer Wein. Nicht so rar wie die anderen Weine von Laval, von denen unter 1.000 Flaschen jährlich abgefüllt werden, doch wirklich selten. Laval besitzt 2.5 Hektar im Tal der Marne, genau gesagt in Cumières und macht selbst in guten Jahren keine 10.000 Flaschen. Das ist sehr wenig. Glücklicherweise sind die, die mal seine Champagner probiert haben, so überzeugt von seiner Qualität, dass er Preise bis 180,- die Flasche nehmen kann, ab Hof ist das immer noch mal günstiger. Das ist für Winzer-Champagner definitiv die Ausnahme. Allerdings gibt es Menschen, die sagen, dass seine besten Chamapgner auf einem Niveau liegen mit Krugs Clos de Mesnil.
Der Cumières Brut Nature besitzt eine wirklich überragende Balance zwischen Frucht, Säure und Mineralität. der Wein duftet nach roten Früchten, mürben Äpfeln, etwas Brioche, etwas Zitrus und etwas Salz. Der Wein ist im Mund total harmonisch, schwebt geradezu auf der Zunge. Das ist große Klasse. Es schrieb mal jemand, das wäre Puligny-Môntrachet mit Bläschen, und ich weiss, was er meint.
Seit einiger Zeit nun schon beschäftige ich mich Winzer-Champagnern, habe selbst einige im Programm und Namen wie Larmandier-Bernier, Léclapart, Egly-Ouriet, Selosse oder Gimmonet sind mittlerweile bekannt, andere, Newcomer wie Prévost oder Lahaye werden immer bekannter. Einer aber, der seit 1971 Champagner macht und zwar – nach Meinung einiger – einen extrem guten dazu, finde ich in den Besprechungen und Veröffentlichungen praktisch gar nicht. Bei Eichelmann oder Edwards jedenfalls taucht er nicht auf. Lediglich in den Blogs Mad about Wine und Sparkling Online finde ich Hinweise und Beschreibungen der Weine von Champagne Georges Laval, einem kleinen Produzenten aus Cumières, was im Tal der Marne, unweit von Epernay liegt. Der Sohn des Gründers, Vincent Laval beackert hier gerade einmal 2,5 Hektar, was einem Ertrag von ca. 9.000 Flaschen per anno entspricht. Das ist reichlich wenig und entsprechend rar und teuer sind die Weine. Das Flagschiff Les Meuniers de la Butte wird in 885 Flaschen abgefüllt und kostet ca. 180 Euro.
Die Einstiegscuvée ist ebenfalls nicht günstig, ca. 50 Euro muss man schon berappen um eine der knapp 7.500 Flaschen ergattern zu können. Der Wein besteht zu 95% Prozent aus dem 2006er Jahrgang dazu kommen 5% aus 2005. Die Cuvée wurde aus 50% Chardonnay, 25% Pinot Noir und 25% Meunier assembliert. So viel zu den technischen Details.
Viel interessanter ist ja, was dahinter steckt und das ist in der Tat feiner Stoff. Zunächst bin ich mir im Glas gar nicht klar darüber, ob das nun ein Rosé werden sollte oder nicht, der Wein changiert zwischen goldgelb und rosé, er wirkt in der Nase ganz leicht nussig mit Karamellüberzug, dazu kommt viel Marzipan, etwas frischer Brotteig und mürber Apfel. Cremig wirkt der im Holz ausgebaute Wein schon in der Nase, eine leichte Crème stelle ich auch im Mund fest, wo die Pinot-Noten und die Kraft der roten Traube deutlicher hervortreten. Dazu findet sich eine angenehme Säure ein. Der Wein wirkt keinesfalls so knochentrocken wie er eigentlich ist – die Dosage liegt nahe Null – was auf durchaus reifes Lesegut schließen lässt. Insgesamt wirkt der Champagner sehr offen und zugänglich, füllig und weich einerseits, mit angenehmem Biss und Grip andererseits.
Dieser Champagner ist durchaus angenehm ausgewogen und gut, der Preis ist allerdings eine Hausnummer, und den für diesen Champagner zu zahlen fällt mir schwer. Da würden mir spontan ein paar einfallen, denen ich erst einmal den Vorzug geben würde wenn ich wählen dürfte, zumal mir da hinten raus nach diesem vollen Gefühl im Mund ein bisschen was fehlt.
Das wird auch am zweiten Tag nicht besser, der Wein wirkt jetzt noch ein wenig oxidativer und der mürbe Apfel dominiert das Geschmackserlebnis. Es kann sein, dass es an der kleinen Flasche (0,375ml) liegt, aber auch jetzt überzeugt mich der Wein nicht wirklich., jetzt in der 750ml Flasche genossen, eine Pracht. Ich habe selten so einen stimmigen und ausgewogenen Chamapgner getrunken und jetzt verstehe ich auch den Preis.
Das Haus zu den fünf Ringen gehört zu den wenigen historischen Gebäuden der im Krieg zu über 90 Prozent zerstörten Stadt Goch. Zusammen mit dem historischen Rathaus, dem Van-den-Bosch-Haus und dem Mosters-Haus bildet es ein Ensemble von Gebäuden aus dem 16. Jh. Das Gebäude diente ursprünglich als adliges Stadtwohnhaus, in den Kellerräumen befand sich ab 1828 eine große Weinhandlung. Später wurde im hinteren Gebäudeteil Bier gebraut. Bis in die Mitte des 20. Jh.'s bekam man hier das dunkle, niederrheinische Alt der Familie Janßen. Nach dem Krieg baute die Familie dann einen Getränkeverlag auf, der in den Achtzigern in ein Gewerbegebiet verlegt wurde. Das Haus wurde an die Stadt veräußert und befindet sich im Stadium der Renovierung. Dabei ist es nach dem Guss einer neuen Bodenplatte so weit nutzbar, dass das Museum Goch die Räumlichkeiten als Ausstellungsfläche für heimatkundliche Objekte verwendet.

Dieses mit zu den schönsten historischen Gebäuden am Niederrhein zählende Haus bot uns die Kulisse für den dritten Teil des Gocher Weinzyklus. Champagne – Die Grande Dame wird niemals alt war das Thema, zu dem der Veranstalter, der Gocher Juwelier Georg Schotten, geladen hatte, um Funkelndes miteinander zu verbinden: die Präsentation seiner Winterkollektion in Verbindung mit einer Reise durch die Champagne.

Michael van den Höövel und ich haben dabei versucht, mit den sechs präsentierten Champagnern eine Auswahl zu treffen, die verdeutlicht, wie heterogen und spannend dieses Weinbaugebiet ist – auch abseits der wenigen bekannten Namen. Sechs Schaumweine aus den unterschiedlichen Regionen der Champagne, ein Abbild verschiedener Rebsorten und Cuvées bis hin zu von Pinot Noir bzw. von Chardonnay geprägten Jahrgangschampagnern. Dabei wechselten sich Winzerchampagner mit denen großer und kleiner Häuser ab.

Einen wunderbar leichten Einstieg bot der Winzerchampagner von Franck Pascal. Ungewöhnlich in seiner Art, Pinot Meunier geprägt und ohne Dosage abgefüllt, fand er doch Zuspruch; denn er kommt nicht so knochentrocken daher, wie man auf Grund der fehlenden Dosage hätte vermuten können. 4 Hektar besitzt Franck Pascal im Tal der Marne und beginnt mit einem Flaschenpreis von 26 Euro. Cremig ist sie, diese Cuvée de Reserve mit feiner Hefe und einem schönen Duft von reifen Äpfeln. Für mich ein ausgezeichneter Bankett-Champagner, den es ebenso mit einer geringen Dosage von 3 Gramm gibt.

Ganz anders präsentierte sich der Roederer Brut. Druckvoller und säurebetonter zeigt sich der Einstiegswein von Louis Roederer. 4 Hektar Pascal gegen 300 Hektar Roederer (200 ha plus 100 ha zugekaufte Reben), Winzerfamilie gegen Glamour und Marketing. So kontrastreich ging es zu.
Diesem Wein werden verschiedene in Eichenfässern ausgebaute Reserveweine zugesetzt. Er setzt sich zusammen aus etwa einem Drittel Chardonnay und zwei Dritteln Pinot, davon wiederum ca. 15 % Pinot Meunier. Neben den klaren Hefearomen strömt der Duft von Mandeln aus dem Glas, dazu viel Zitrus und frische Orange und grüner Apfel. Der Wein ist sehr straff und mineralisch – ein ausgewogener, kräftiger, klarer, beeindruckender Stil aus Reims.

Drappier liegt in einem der Satellitengebiete der Champagne, an der Côte de Bar im Departement Aube. Lange haben sich Winzer wie Politiker aus den Departements der Marne und Aube um die Zugehörigkeit der Aube-Gebiete zur Appellation Champagne gestritten. Wie Stiefkinder wurden die Gebiete behandelt, in denen der Champagner lange Saulte Bouchon hieß und der Weinbau vor allem durch die Mönche des Klosters Clairveaux forciert wurde. Seit einigen Jahrzehnten ist das kein Thema mehr, man hat zusammengefunden, nicht zuletzt durch den gemeinsamen Feind, der sämtliche Champagnergebiete in den Weltkriegen entweder verwüstet oder ausgebeutet hat.

Mit 50 Hektar gehört Drappier zu den kleinen, ausgezeichneten Betrieben in dieser Gegend. Sie tragen das im Namen, was so einige alteingesessene Häuser – Ruinart ist das beste Beispiel – gemacht haben, bevor sie sich dem Vertrieb von Champagner gewidmet haben. Die Drappiers waren Tuchhändler. Irgendwann hat man dem Kunden als Mitbringsel den geschätzten Champagner mitgegeben und der wurde dann zunehmend so beliebt, dass das Geschäft einträglicher war als das des Tuchhandels.
Der Rosé aus einem kleinen Wingert namens Val des Demoiselles, Tal der Jungfrauen, stammt zu 100 Prozent aus Pinot Noir, der bei Drappier drei Tage auf der Maische belassen wird. Ein kräftiger Champagner mit dem Duft von roten Früchten und ein wenig Veilchen und leichten Gewürzen. So kräftig, dass er dem Essen in der Pause nach der Präsentation von Schottens Kollektion mühelos standhalten konnte.

Der zweite Teil der Tour durch die Champagne begann mit der Vorstellung eines kleinen Hauses aus dem Ort Avize, einem der Zentren der Côte de Blancs. Das 11-Hektar-Weingut De Sousa & Fils hat hier zu einem eigenen klaren Stil gefunden. Ausgezeichnete biodynamische Weinbergsarbeit ausschließlich in Gran Cru Lagen, Spontanvergärung und Ausbau in Barriques, in diesem Fall in 15 Prozent neuen Fässern. Das Ergebnis ist ein wunderbar cremiger Chardonnay mit Aromen von frischem Brioche, Nüssen und Zitrus. Je länger der Wein steht, desto stärker werden die Aromen von reifen Orangen. Für 35 Euro ist dies ein wunderbar reifer und fülliger Champagner sehr guter Qualität.

Ebenfalls biodynamisch arbeitet Fleury Pere & Fils. Er gehört mit zu den Pionieren in der Champagne. Bekannt geworden als Winzer des Jahres 1993 im Gault Milliau, macht er für mich momentan mit die besten Champagner unterhalb der 100 Euro-Grenze. Der 1996er Millésime hat große Klasse. Eine wunderbare Verbindung aus Frische und Alterungsnoten, reifer Hefe, mürbem Apfel und frischen roten Beerenfrüchten und ein wenig Tabak. Eine klare Pinot Noir-Dominanz sorgt für Kraft. Sehr, sehr harmonisch steht er dem letzten Wein des Abends in nichts nach.

Der Billecart-Salmon Cuvée Nicolas-François Billecart 1998 Millésime zeigt ähnlich herrlich harmonische Reife. Chardonnay von der Côte de Blancs und zehn Prozent Pinot Noir aus der Montagne de Reims sowie eine leichte Dosage, die bei Billecart 10 Jahre lang in Holzfässern gelagert wird, bilden einen weichen, Brioche und Zitrus geprägten Wein.

Es gab eine deutliche Lagerbildung bei den beiden letzten Jahrgangschampagnern. Da mochte der eine lieber Pinot Noir, die andere präferierte den Chardonnay. Außergewöhnliche Klasse kann man beiden Häusern bescheinigen. Das sind beides Weine, die in ihrer Klarheit und Tiefe auf wunderschöne Art die Einzigartigkeit der Champagne präsentieren – und nicht zuletzt einen gelungenen Schlusspunkt für den Abend gesetzt haben.
Das Champagnerhaus Krug wird von vielen Kennern als Maß aller Dinge bezeichnet, an dem sich alles andere messen muss. Das ist nicht unumstritten, da die Champagner von Krug nicht unbedingt die Quintessenz aller führenden Häuser darstellen, sondern einen individuellen Stil pflegen. Der muss nicht jedem zupasskommen. Unbestritten aber dürfte sein, dass kaum ein anderes Haus so kompromisslos Wert legt auf die Qualität vom Weinberg bis in den Keller.
Man könnte über Krug Seiten schreiben, was ich anderen überlasse, um mich übersichtlich kurz zu halten. Es gibt einen informativen Artikel von John McCabe, der die Geschichte und die Besonderheiten des Hauses herausstreicht, die ich zusammenfassen werde.
Im Gegensatz zu praktisch allen anderen Häusern werden bei Krug alle Weine in kleinen, pièces genannten, 205 Liter fassenden Eichenholzfässern vergoren. Dabei dienen die Fässer jedoch keineswegs der Beeinflussung der Aromen durch frische Tannine, Vanille oder Kaffeearomen. Die wird man in einem Krug nicht finden. Der Ausbau dient dazu, die Weine geschmeidiger zu machen und – das ist wohl auch ein Ergebnis der Bemühungen – die Lagerfähigkeit der Champagner deutlich zu erhöhen. Während der Gärung und Klärung der Weine findet ja ein Sauerstoffaustausch durch die Poren den Holzes statt, der zu einer leichten Oxidation der Weine führt, was mitverantwortlich dafür sein dürfte, dass Champagner aus dem Hause Krug so lange lagerfähig sind wie gute Burgunder.
Krug besitzt über 3.000 dieser kleinen Eichenfässer, die befüllt und zu Pyramiden gestapelt werden. Nach der natürlichen Klärung läuft der Wein aus den oberen Fässern in tiefer liegende Fässer, die leeren Fässer müssen aufs Peinlichste gesäubert werden, um dann weiter benutzt werden zu können.
Etwas, worin es die Krugs zu wahrer Meisterschaft gebracht haben, ist die Assemblage. Da werden bis zu 60 verschiedene Weine aus bis zu 25 verschiedenen Lagen aus bis zu zehn unterschiedlichen Jahren zusammengeführt, um nachher zu dem zu werden, was jeder Champagnerkenner dann als Krug identifiziert. Zu diesem Ereignis finden sich all jene Familienmitglieder zusammen die innerhalb des Hauses sonst ganz anderen Dingen nachgehen; die Assemblage hat dort jeder gelernt.
Einen kleinen Einblick geben Oz Clarke und James May in der sechsten Folge der Big Wine Adventure. Sie besuchen unter anderem Rémi Krug, man schaut in den Keller und die Produktionsanlagen und er gibt einen kleinen Einblick in das Blending.
Hier finden wir dann auch noch die nächste Besonderheit: Krug lädt die beiden ein auf ein Glas Clos du Mesnil. Das ist Champagner aus einem einzelnen 1,86 Hektar kleinen Weingarten, einem echten Clos, also einem mit Steinwällen ummauerten Wingert wie es ihn noch häufig im Burgund gibt, der sonst aber selten geworden ist. Dieser Einzellagen-Blanc de Blancs wird seit 1979 abgefüllt, es werden rund 10.000 Flaschen produziert und, ich habe mal nachgeschaut, den aktuellen Jahrgang 1996 bekommt man kaum unter 900 Euro pro Flasche. Wer dachte, exklusiver ginge es nicht, hat sich getäuscht; denn seit Kurzem bringt Krug einen noch rareren Einzellagen-Champagner heraus, der als reinsortiger Pinot Noir aus Trauben einer noch kleineren Parzelle extrahiert wird. Es ist der Clos d'Ambonnay, 0,68 Hektar Pinot Noir, wahrscheinlich so etwa um die 3.000 Flaschen und keine unter 2.000 Euro zu haben.
Tja. Zurück ins Leben. Ich hatte also die Chance, eine Grand Cuvée zu probieren, einen Wein, der sechs Jahre auf der Hefe gelegen hat während der zweiten, der Flaschengärung und der mit einem Anteil von bis zu 80 % im Verkauf das Flaggschiff des Hauses darstellt. Wie war er denn nun?
Beeindruckend, in der Tat. Zunächst ein wenig unruhig im Glas mit starker Perlage. Duft nach Hefe, Brioche, geröstetem Weißbrot mit Nüssen. Der Wein spielt mit der Säure und den Aromen von Zitronen und frischen Äpfeln. Es ist ein enormer Druck hinter dem Champagner, und trotzdem wirkt er fein und unglaublich ausgewogen. Das ist kein sanfter Vertreter, der Wein lebt sein Ego voll aus, wenn ich das mal so formulieren darf. Man kann nur die Augen schließen und sich voll auf das Wechselspiel im Mund konzentrieren.
Das Champagnerhaus aus Reims besitzt 200 ha Rebfläche, die ausschließlich aus Premier- und Grand Cru-Lagen bestehen. Welche Mengen Champagner jährlich über die Ladentheken dieser Welt wandern, kann man sich vorstellen, wenn man davon ausgeht, dass Roederer damit nur 2/3 des eigenen Bedarfes an Trauben decken kann. Es wird also noch Lesegut von 100 zusätzlichen Hektar zugekauft.
Der Brut Premier ist der Einstiegswein in die Welt von Roederer und zeigt deutlich, wohin es geht. Diesem Wein werden verschiedene in Eichenfässern ausgebaute Reserveweine zugesetzt. Er setzt sich zusammen aus etwa einem Drittel Chardonnay und zwei Dritteln Pinot, davon wiederum ca. 15 % Pinot Meunier. Neben den klaren Hefearomen strömt der Duft von Mandeln aus dem Glas, dazu viel Zitrus und frische Orange und grüner Apfel. Der Wein ist sehr straff und mineralisch – ein ausgewogener, kräftiger, klarer Stil.
Der Besuch der Website lohnt sich. Da hat sich ein Kunstfreund mal so richtig ausgetobt und bietet ein schönes Forum.