Das Champagnerhaus aus Reims besitzt 200 ha Rebfläche, die ausschließlich aus Premier- und Grand Cru-Lagen bestehen. Welche Mengen Champagner jährlich über die Ladentheken dieser Welt wandern, kann man sich vorstellen, wenn man davon ausgeht, dass Roederer damit nur 2/3 des eigenen Bedarfes an Trauben decken kann. Es wird also noch Lesegut von 100 zusätzlichen Hektar zugekauft.
Der Brut Premier ist der Einstiegswein in die Welt von Roederer und zeigt deutlich, wohin es geht. Diesem Wein werden verschiedene in Eichenfässern ausgebaute Reserveweine zugesetzt. Er setzt sich zusammen aus etwa einem Drittel Chardonnay und zwei Dritteln Pinot, davon wiederum ca. 15 % Pinot Meunier. Neben den klaren Hefearomen strömt der Duft von Mandeln aus dem Glas, dazu viel Zitrus und frische Orange und grüner Apfel. Der Wein ist sehr straff und mineralisch – ein ausgewogener, kräftiger, klarer Stil.
Der Besuch der Website lohnt sich. Da hat sich ein Kunstfreund mal so richtig ausgetobt und bietet ein schönes Forum.
Es gibt Begegnungen mit Weinen, die man so schnell nicht vergisst. Immer wieder treffe ich auf wirklich gute Weine, außerordentliche Weine, aber selten auf solche, die einfach bleiben werden – in der Nase, auf der Zunge, im Gedächtnis.
Michael hatte am Samstag eine kleine Gruppe von Freunden eingeladen, um einige außergewöhnliche Champagner zu probieren, und was wir an diesem Abend öffnen konnten, war wirklich vom Feinsten, ohne Übertreibung. Ich werde die Weine und die Weingüter der Reihe nach in verschiedenen Beiträgen vorstellen.
Folgende Champagner hatten wir im Glas:
Drappier, Blanc de Blancs Signature
Devaux, Le Millesime "D" de Devaux 1996
Das, was ich im Glas habe, gehört mit zum Außergewöhnlichsten, was man aus der Champagne bekommen kann. Es ist nichts das Rarste, nicht das Teuerste, nicht das Beste, aber in der Summe der hervorstechenden Eigenschaften ein wahrhaft ungewöhnlicher Tropfen.
Jérôme Prévost besitzt eine zusammenhängende Parzelle von 2 ha, die ausschließlich mit Pinot Meunier bestockt ist. Er hat die Fläche von seiner Großmutter geerbt, die ihre Trauben einige Jahre großen Erzeugern geliefert hat und dann selbst begonnen hat, Champagner auszubauen. Er nutzt dazu einige Holzfässer in einem alten Luftschutzkeller, in dem er aus 8.500 kg Trauben ca. 45 hl gewinnt, um ca. 13.000 Flaschen Champagner auszubauen. Nur mal so nebenbei gesagt, kann man davon ausgehen, dass die großen Häuser auf solch einer Fläche ca. 13.000 kg, also eher 80 hl pro Hektar herausholen. Prévost fügt keinerlei Dosage hinzu, trotzdem ist sein Champagner alles andere als knochentrocken, es ist eher ein Brut denn ein Extra-Brut.
Die Reben werden spät gelesen und man schmeckt diesen höheren Reifegrad. Außerdem sieht man es; denn der Champagner wirkt ungewöhnlich golden. Die Arbeitsweise scheint dem offiziellen Champagnerkomitée nicht unbedingt zu gefallen; denn mit dem liegt er immer wieder im Clinch. Die 13.000 Flaschen aber sind direkt weg, sobald er sie freigibt. Kein Wunder.
Das Ganze ist eine wunderbare Mischung aus in Honig getränkten Trockenfrüchten, leichter Kräuternote, Hefe, Mandeln und Nüssen und einer Runde Zitrusfrüchte. Dazu gibt es leicht salzige Minerale. Das ist ganz fein.
Wurde mal wieder Zeit, an der Weinrallye teilzunehmen. Es war einfach zu viel los in den letzten Monaten, als dass ich die Ruhe und Muße gefunden hätte …
Das Thema, das die Winzerin Iris Rutz-Rudel, ihres Zeichens Winzerin von Lisson mit eigenem Blog, vorgegeben hat, ist es definitiv wert, mal wieder einzusteigen. Ich hätte sehr gerne mal ihre eigenen Weine probiert, angekündigt hatte ich es bei ihr auch, aber geworden ist daraus noch nichts. Noch, wohlgemerkt.
Ich habe das Gefühl, dass ich immer mehr Frauen wahrnehme, die Weine machen, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das der Wirklichkeit entspricht oder mir nur so vorkommt. Gerade an der Mosel und in Rheinhessen scheint es aber auffällig. Auf der Prowein habe ich Sandra Sauer getroffen, die zunehmend Hand anlegt und eigene Vorstellungen vertritt beim Ausbau der Weine im Keller ihres Vaters Horst Sauer. Das zum Gebiet Franken. Die Weine von Luise Freifrau von Racknitz und ihrem Mann habe ich schon einige Male hier besprochen (z.B. hier und hier), so weit kurz zur Nahe. Gerade beschäftige ich mich mit den Weinen des Ehepaars Riffel und nicht zuletzt habe ich kürzlich Weine der Jungwinzerin Eva Vollmer besprochen.
Stellen wir also Weine von Winzerinnen vor. Einige Winzerinnen oder solche, die es werden wollen, haben sich übrigens im Jungwinzerinnenkalender vorgestellt. Den kann sich der Winzer dann über's Bett hängen, wenn er in Sachen Innovationen nicht mehr weiter weiß.
Ich jedenfalls fange mal an mit dem Wein einer Winzerin, von der ich nicht viel weiß, außer dass die Flaschen ihres Weingutes schöne Etiketten zieren und dass der Riesling Kabinett aller Ehren wert ist. Irene Söngen bewirtschaft mit ihrem Mann 8 ha Weinberge bei Hattenheim und Hallgarten. Diese sind ausschließlich mit Riesling bestockt.
Der trocken ausgebaute Rheingau-Riesling ist voller Frische, mit klaren, feinen Aromen von Pfirsich, Apfel und Ananas, mit saftiger Struktur und schöner Säure und Mineralität.
Aufmerksam geworden bin ich auf den Wein dank seines Etiketts, ich würde gerne mal mehr probieren und dazu muss ich mich wohl mal wieder aufmachen in denRheingau.
Im Rahmen des Gocher Weinzyklus haben wir bei der letzten Veranstaltung einen Chardonnay von Ses'fikile vorgestellt. Das ist das Projekt dreier ehemaliger Lehrerinnen aus Südafrika, alle drei von dunkler Hautfarbe, was ich deshalb betone, weil es in diesem Land noch durchaus ungewöhnlich ist, wenn drei farbige Frauen Wein erzeugen. Jacky Mayo, Nondumiso Pikashe and Nomvuyo Xaliphi haben sich Weinberge gemietet, weil sie das Geld zum Kauf noch nicht hatten, und erhalten im Keller Unterstützung von der Flagstone Winery. Das Projekt Ses'fikile, zu Deutsch Wir sind angekommen, ist ambitioniert und Erfolg versprechend. Es hat eine sehr gute Presse und Preise erhalten und – last but not least, die Weine sind klasse. Frisch und klar präsentierte sich der Rainsong Chardonnay mit einer satten, aber nicht aufdringlichen, eher erstaunlich harmonischen Neue-Welt-Frucht mit viel Melone und ein wenig Ananas und Papaya. Ich bin gespannt, was dieses Weingut in Zukunft auf den Markt bringen wird.
Von der 8 ha-Winzerin vom Rhein über die große neue Welt zurück in ein traditionelles Gebiet: die Champagne. Dort werden Weine nicht nur nach Frauen und Witwen benannt, sondern es gibt auch Winzerinnen. Eine zumindest kenne ich. Es ist Francoise Bedel, Winzerin in der dritten Generation, die sich im Jahre 1988 entschlossen hat, auf biodynamischen Weinbau umzustellen.
Auf knapp 7 ha werden die drei klassischen Rebsorten der Champagne kultiviert: Pinot Noir, Chardonnay und Pinot Meunier, der bei Bedels mit 78 % den größten Anteil ausmacht.
Die Bedels gehören zu der kleinen Gruppe unabhängiger Winzer in der Champagne, die die Fahne für außerordentliche Qualität weit in die Höhe halten. Immerhin werden im begrenzten Gebiet der Champagne mittlerweile ca. 340 Millionen Flaschen abgefüllt und 70 % dieser Flaschen teilen sich die 10 größten Produzenten. Die Nachfrage wächst und daher auch der Zwang, immer mehr zu produzieren. Dem stellt sich die kleine Gruppe von Winzern entgegen, die mit Liebe zum Detail ihre Weine noch von Hand abzählen kann. Noch kleiner ist die Gruppe, die ihre Weine auch noch nach biodynamischer Wirtschaftsweise an- und ausbaut. Larmandier-Bernier (hier und hier) und Fleury habe ich schon vorgestellt, Jérôme Prévost und de Souza werden noch folgen.
Die Basis-Cuvée Dis Vin Secret vollführt einen mineralisch-hefigen Tanz rund um Birnen, Mandarinen, Limetten und Brioche. Dieser Champagner ist ganz zurückhaltend und fein, keiner, den man mal in größerer Runde ausschenken könnte. Da wird er nicht überzeugen. Es ist einer, der Ruhe und Zeit erfordert, Zeit und Aufmerksamkeit. Wer sie ihm schenkt, wird sehr glücklich den Abend verbringen.
Die Frauen und der Wein … Drei Weine, die mir gefallen haben, so wie mir Weine gefallen, stammen von Elisabetta Foradori oder Ilse Mayer vom Geyerhof. Drei Weine plus die eingangs erwähnten Weine von Winzerinnen mit Link zu bereits bestehenden Artikeln sind Weine von Frauen, die definitiv ihr Handwerk verstehen und Weine von schöner bis außerordentlicher Qualität erzeugen, dabei aber nicht wirklich bekannt sind, es hoffentlich aber noch werden.
Die Weinrallye wurde ins Leben gerufen durch Thomas Lipperts Winzerblog. Dort erfährt man auch die Regeln. Bei Iris und Thomas bedanke ich mich für die Möglichkeit der Teilnahme.
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