originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



In Neuseeland – Teil 8: Nelson, bei Woollaston und Neudorf

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Als ich Samstagmorgen in der Lodge in Martinborough aufwache, ist es später als gedacht. Zwar habe ich nachts immer noch mit Jetlag-Nachwirkungen wachgelegen doch bin ich irgendwann wieder eingeschlafenen und habe nicht gemerkt, dass die Weckzeit, die ich mir gestellt hatte, nur für Wochentage eingestellt war, aber nicht für Samstage. So bin ich Hals über Kopf abgereist und durch den Morgennebel gefahren, der über den Weiden des Tals lag, zurück durch die Tararua Range zum Flughafen von Wellington. Die kurze Flugstrecke entschädigt jedoch für das ganze Gehetze, das sich am Flughafen noch fortgesetzt hat, da man das Terminal geändert hat, ohne dass ich es mitbekommen hätte. Die Route führt bei wolkenlosem Himmel fast im Tiefflug über den Pelorus Sound. Was für eine fantastische Szenerie bietet dieses Land doch immer wieder – diesmal im Anflug auf Nelson, der Gebietshauptstadt eines Weinbaugebiets, das gerade einmal 963 Hektar bzw. zwei Prozent zur Gesamtweinproduktion Neuseelands beiträgt.

Nelson_Woolaston_02Das Weingut Woollaston und die preisgekrönte Architektur der gläsernen Villa fügen sich in die rolling hills ein. Uüberall finden sich Objekte von Bildhauern in residence. Foto Copyright: Woollaston Estates

Nelson schmiegt sich zwischen Meer und Berge und ist ursprünglich weniger für Wein bekannt als für Hopfen. Der unter Craft-Beer-Kennern wohl bekannteste Hopfen dieser Gegend ist der Nelson Sauvin. Das Witzige dabei ist, dass er im Bierbereich das ist, was Sauvignon Blanc im Weinbereich abdeckt. Er ist der Aromahopfen, der nach Stachelbeere, Trauben und Grapefruit schmeckt. Ganz so, als hätten Nelson Sauvin und Sauvignon Blanc einen gleichen Ursprung. Neben Nelson Sauvin stammen aus dieser Gegend ebenso die Hopfensorten Dr. Rudi (früher Super Alpha), Green Bullet, Kohatu, Motueka, Pacific Gem, Pacific Jade, Southern Cross, Sticklebract, Wakatu und eine Neuzüchtung namens Waimea. Diesen Namen gibt es nicht nur mehrfach auf den Hawaiianischen Inseln sondern auch in Appleby, nahe Nelson. Und nicht nur jener Hopfen wurde so benannt sondern auch das Weingut Waimea Estates. Im Angebot dieses Gutes zeigt sich, wofür das Gebiet bekannt geworden ist. Es sind vor allem die aromatischen weißen Rebsorten sowie Pinot Noir und Chardonnay. Auch wenn, wie so gut wie überall, der Sauvignon Blanc die erste Geige spielt, findet man bei Waimea ebenso Sauvignon Gris, Riesling, Grünen Veltliner, Viognier, Pinot Gris und Gewürztraminer. Die Weine, die ich im Regionaltasting probiert habe, wurden fast alle recht kalt vergoren. Neben dem Weinen von Neudorf, auf die ich gleich noch näher eingehen werde, gehörten die Weine von Richmond Plains und Woollaston zu den erfreulichen Ausnahmen.

Nelson_Woolaston_04Rechts: Ein kleiner Querschnitt durch den Boden von Mahana. Foto  Copyright: Woollaston Estates

Woollaston at Mahana
Überhaupt Woollaston. In diesem außergewöhnlichen Weingut fand das Regional Tasting statt. Es liegt vielleicht 770 Meter entfernt vom Meer und dem vor der Küste gelagerten Rabbit Island in den Hügeln. Der Name Woollaston ist in Neuseeland bekannt, denn der Vater des Weingutsgründers Philip Woollaston war Toss Woollaston, einer, wenn nicht der bekannteste neuseeländische Maler des 20. Jahrhunderts. Seine Familie hat über Jahrzehnte die wohl größte private Kunstsammlung in Neuseelands zusammengesammelt, von dessen Exponaten ein Teil im Weingut und um das Weingut herum zu finden ist.

Nelson_Woolaston_03Foto rechts, Copyright: Woollaston Estates

Das Weingut selbst existiert seit 2000 und ist eine wirkliche Entdeckung. Die Weingärten liegen im Mahana Vineyard rund um das Anwesen sowie im The Burke’s Bank ant the Red Shed Vineyard. Mahana bedeutet warm auf Maori und sagt etwas über Lage und Bodenstruktur aus. Mahana liegt in der Höhe auf 100 Meter und besteht aus in Lehm gebundenen Schotter aus der Eiszeit. Hier stehen die Chardonnay- und Pinot-Reben, Riesling und Pinot Gris. Weiter unten im Tal, in den Waimea Plains stehen die Rebstöcke für die aromatischeren Weine, für Sauvignon Blanc, Pinot Gris und Riesling. Vor einigen Jahren wurde das Weingut auf ökologischen Anbau umgestellt und zertifiziert. Das Weingut wurde direkt auf vier Ebenen geplant, so dass der Produktionsprozess ohne Umpumpen von statten gehen kann. Ich hatte das große Glück, den Weingutsrundgang und das Tasting mit Michael Glover machen zu können, der wenige Tage zuvor eingetroffen war.

Nelson_Woollaston_02

Michael kommt ursprünglich aus Nelson, ist aber als Weinmacher jahrelang durch die Welt gereist und hat viele Jahre lang auf dem Weingut Bannockburn Vineyards in Australien den Stil bestimmt. Ich bin das erste Mal mit den Weinen dieses Weinguts in Kontakt gekommen, aber es wird nicht das letzte Mal sein, vor allem, seitdem ich die ersten Experimente von Michael Glover probiert habe, einem äußerst sympathischen Weinmacher, der vor Energie nur so strotzt. Es werden Weine mit Kanten und Ecken entstehen, die sich aus der Stilistik, die man sonst in Nelson gerne findet, deutlich bzw. noch deutlicher abheben werden.

Neudorf Vineyards
Ganz in der Nähe von Woollaston liegen die Upper Moutere Hills, wo die Neudorf Vineyards liegen. Neudorf schwebt in diesem Anbaugebiet, das kann man ohne Übertreibung sagen, über allem. Die Weine profitieren davon, dass ihre Reben meist schon mehrere Jahrzehnte alt sind. Es ist ähnlich wie bei Ata Rangi und, was Chardonnay angeht, bei Kumeu Rivers: neben aller Arbeit und einem exzellenten Weinbergsmanagement profitiert die Qualität des Weins erheblich vom alten Rebbestand. Dieser wird bei Judy und Tim Finn biologisch-organisch bewirtschaftet. Die beiden haben das Gut Ende der 1970er gegründet. Auch hier gibt es die Parallele zu Ata Rangi. Sie sind ins Weingeschäft eingestiegen als dies in Neuseeland noch kaum existent war. Sie haben jede Menge Lehrgeld bezahlt und sind über die Jahrzehnte hinweg mit aller Erfahrung und altem Rebbestand zur Avantgarde in Neuseeland geworden. Wenn es für Chardonnay einen Cru-status gebe wie es ihn mittlerweile für Pinot Noir gibt, dann würde der Moutere Chardonnay von Neudorf neben dem Hunting Hill oder Coddington Chardonnay von Kumeu Rivers ganz oben stehen.

Nelson_Neudorf_03Möchte man hier wieder weg?

 

Neudorf – die Weine
Neben den hervorragenden Sauvignon Blanc und Lagen-Pinot-Gris haben Todd Stevens, der Winemaker, und ich uns vor allem intensiv mit den Chardonnays und Pinots beschäftigt. Es startet mit dem Estate Chardonnay 2013. Wenn es um guten, oder besser sehr guten Chardonnay geht, dann dreht sich in Neuseeland alles um den säurebetonten, kleinbeerigen Mendoza-Klon. So ist es auch hier. Er mischt sich hier mit Klon 15, 95, 8021, 548 zu 86% aus den Moutere-Hills (Neudorf Home Block, Neudorf Hill Block,Kina Beach, Renart und Flaxmore Vineyards) mit Lehm-Schotter-Gemisch plus einer 14%-Charge aus dem Lord Rutherford Vineyard in den Waimea Plains vom alluvialen Schwemmland. Die Trauben wurden whole bunch gepresst und mit weinbergseigener Hefe vergoren. Der Wein hat zu 100% malolaktische Gärung durchlaufen und wurde in einem kleinen Teil in neuem Holz ausgebaut. Dies gibt dem Wein einen leichten Schwung, einen Touch von Holzstruktur und Tiefe. Der Chardonnay duftet vor allem nach diversen Zitrusfrüchten und Fenchelsaat. Er präsentiert eine wunderbare Mischung aus Cremigkeit und frischer Säure und endet ausgesprochen lang.

Nelson_Neudorf_05Die Anfänge von Neudorf 1978. Foto Copyright: Neudorf Estates

Neu und in kleiner Menge wird der 25 Rows Chardonnay angeboten. Er ist die pure und kristallklare Antwort darauf, dass man in der so genannten Neuen Welt auch Chardonnays produzieren kann, die ihren Gegenpart im Chablis finden. Dieser Wein aus 100% Mendoza-Klon schafft es in beeindruckender Weise. Hier wurde nur 50% des Weins durch eine malolaktische Gärung geschickt, die Weine wurden in alten, größeren Fässern (Puncheons) ausgebaut, wobei nur ganz selten die Hefe umgerührt wurde. Der Clou ist, dass die Rebstöcke auf deutlich basischem, mineralischen Boden im Neudorf Hill Block stehen. So schmeckt man neben aller Grapefruit und Limette vor allem nassen Stein, Trockenkräuter und Brotgewürz. Der Wein vibriert auf der Zunge und hat eine hervorragende Länge.

On top gibt es den 2013er Moutere Chardonnay aus dem Neudorf Home und dem Neudorf Hill Block. Beeindruckend kraftvoll, reich und geradezu explosiv zeigt sich dieser Wein, dessen Rebstöcke teils direkt am Haus stehen, zu 1005 aus Mendoza-Klon bestehen, zu 100% Säureabbau genossen haben und zu 26% in neuem französischen Holz vergoren wurden. Hier verbindet sich der Duft von Blüten mit gerösteten Nüssen und dem typischen Flint-Geruch der oft entsteht, wenn spontan vergorener Chardonnay auf Holz trifft. Am Gaumen präsentiert sich der Wein aromatisch, frisch und gleichzeitig saftig und dicht mit einer superben Länge. Das ist großes Chardonnay-Kino mit einem gekonnten Holzeinsatz, der immer nur leicht unterstützt aber nie dominiert.

Nelson_Neudorf_04

Etwas kräftiger ist der Holzeinsatz beim Pinot, und doch bleibt er immer auf der unterstützenden Seite, vielleicht etwas mehr führend. Der 2012er Tom's Block Pinot Noir  präsentiert sich gerade in perfekter Verfassung. Der Pinot Noir vom Abel-Klon sowie den Varietäten 5, 10/5, 667, 777 und 115 stammt zum überwiegenden Teil aus Moutere (Neudorf Home Block, Kina Beach, Renart und Flaxmore) sowie dem Rutherford Vineyard in den Waimea Plains. Er wurde komplett entrappt, spontan vergoren im Open Top Fermenter. Tom’s Block Pinot duftet nach Pflaumen und Kirschen, Nüssen, Feld, Wiese und Wald. Das Tannin ist bestens integriert und seidig, die Frucht präsent, frisch und zupackend, die Säure hervorragend. Im Gegensatz dazu präsentiert sich der 2013er Tom’s Block Pinot Noir etwas wärmer und noch fruchtbetonter. Das wärmere Jahr gibt hier das Üppigere, wie es ja auch schon in Martinborough zu schmecken war. Dies findet sich auch im Moutere Pinot Noir 2013, dem Pendant zum Icon-Chardonnay. Der Pinot stammt vor allem aus dem Home Block vom 15 bis 33 Jahre alten Rebstöcken und ist eine Mischung verschiedener französischer Klone und dem Abel-Klon. Im Prinzip wurde der Wein genauso verarbeitet wie Tom’s Block, 21% der Fässer sind neue französische Eiche. Wald- und Wildnoten verbinden sich mit dunkler Frucht und Gewürzen wie Süßholz. Beeindruckend ist die Balance dieses noch so jungen Weins, wunderbar die Kraft und Komplexität und die jetzt schon gut integrierten Tannine. Wenn man bei Neudorf mit den Chardonnay schon auf Grand Cru Niveau angelangt ist, so spielen die Pinots definitiv in guter Premier-Cru-Liga.

Nelson_Neudorf_02

Nelson, der kleine Nachbar des großen Gebietes Marlborough, hat viele deutsche Wurzeln, auf die nicht zuletzt der Name des Weinguts Neudorf an der Neudorf Road hinweist. Mitte des 19. Jahrhunderts pflanzten sind Rebstöcke, Hopfen und Obstplantagen, die hier immer noch weit verbreitet sind. Das Gebiet macht sich einen immer besseren Namen mit Wein – und das ist, wenn man Woollaston oder Neudorf probiert auch kein Wunder. Daneben gibt es die, die im Prinzip so schmecken, wie im Nachbargebiet. Das liegt an der angewandten Technik. Da gibt es noch viel Luft nach oben, denn Eisbonbon und Hyperfrische können viele. Da bin ich gespannt, wo es insgesamt hingeht.

Map_Neuseeland_Nelson

In Neuseeland:

Teil 1: Auckland, Waiheke und die Bucht von Man'O'War

Teil 2: Einige erste Gedanken zum Neuseeländischen Weinbau

Teil 3: In Hawke's Bay

Teil 4: In Hawke's Bay bei Craggy Range und Elephant Hill

Teil 5: In Hawke's Bay bei Trinity Hill und Sileni

Teil 6: In Martinborough bei Ata Rangi

Teil 7: In Martinborough und Gladstone

Teil 8: In Nelson bei Woollaston und Neudorf

Teil 9: Marlborough, im Johanneshof, bei Greywacke und Dog Point

Die Reise erfolgte auf Einladung und wurde mit mir und nach meinen Wünschen hervorragend organisiert von: nzwine-2x

 

 

2004 – zehn Jahre später: Schaumweine, Rieslinge und Barolo

Die Vorbereitung und Gestaltung eines Weinabends mit Freunden gehört zu den schönsten Dingen, denen man sich als Weinliebhaber widmen kann. Das wird noch schöner, wenn man es zu zweit macht, denn dann kann man so nerdig sein wie man will, man findet immer Verständnis und muss es nicht an der Familie auslassen, die einen sowieso schon für völlig verrückt hält. So ein Weinabend ist schließlich nicht mal eben so vorbereitet, da kann man sich Tage, was sag ich, Wochen mit beschäftigen, ohne dass es langweilig werden würde.

So hatte ich schon vor Monaten das Gefühl, dass der Advent die richtige Zeit wäre, um mal wieder einen solchen Abend zu gestalten und Wein und korrespondierende Speisen auf den Tisch zu stellen. Ich wusste, dass ich gerne mal einen Abend mit zehn Jahre alten Weinen machen würde um zu sehen, wo die in den unterschiedlichen Regionen gerade so stehen, wie sie sich präsentieren. Also habe ich mich mit meinem Freund B. besprochen und wir haben die Sache in Angriff genommen. Schnell war klar, dass es Riesling geben würde und Bordeaux. Barolo war mit im Spiel, Brunello, Roussillon, Nord- und Südrhône. Viel zu viel natürlich und wir haben dann irgendwann eine geographische Linie in Form eines Breitengrads gezogen, so dass es über Bordeaux, Nord-Rhône und Barolo nicht hinausging. Es sollte also ein eher nördlich geprägter Weinabend werden mit einer deutlichen, auch der Jahreszeit entsprechenden Hinwendung zu roten Weinen.

Nachdem irgendwann die Reihenfolge stand: Schaumweine, Riesling auf Großem-Gewächs-Niveau, Barolo, Cornas, Bordeaux und Reparatur-Spätlese, war das begleitende Essen die entscheidende Frage (im Restaurant ist es natürlich anders herum, da sollen die Weine die Speisen begleiten aber bei Wein-Nerds sollen die Speisen die Weine unterstützen). Neben der stimmigen Kombination war mir wichtig, vor allem am Abend selbst nicht gehetzt in der Küche zu stehen und deshalb mussten die Speisen einfach aber raffiniert bzw. gut vorbereitbar sein. Wenn nun der Freund nicht nur einen bemerkenswerten Weinkeller besitzt sondern auch noch eine kleine Herde Galloways und Nachbarn mit eigener Jagd, dann ist schnell klar, auf was die Speisenfolge hinausläuft.

 

Wegeler Erben Geheimrat »J« Rheingau Riesling Sekt Brut, Olivier Horiot Sève »En Barmont« Blanc de Noirs, Jacquesson Avize Champ Caën Blanc de Blancs
Ursprünglich sollte es ein Schaumwein, genauer gesagt, der Sève Blanc de Noirs von Olivier Horiot sein, doch dann meinte B., er habe noch eine Jacquesson Einzellage Blanc de Blancs und schließlich hatte ich mitbekommen, dass man bei Wegeler den Geheimrat »J« brut frisch degorgiert hatte. So wurde dann aus einem Entrée ein vollständiger Dreier-Flight mit begleitendem Gang. Es gab die Wein in jedem Flight zunächst blind, dann haben wir dazu irgendwann die Speisen gereicht und irgendwann wurde aufgedeckt. So kann man sich zunächst ganz auf die Weine konzentrieren, dann auf die Veränderungen am Gaumen, wenn das Essen dazu kommt und schließlich, wenn die Weine aufgedeckt werden, das plötzlich erweiterte Wissen mit der eigenen Meinung abgleichen, die man hatte, bevor der Name ins Spiel kam.

Schaum_Lachs

Der Geheimrat »J« ist eine klassische, ja alterwürdige Riesling-Marke, bei der nicht die Lage (wie sonst üblich bei dem Niveau) auf dem Etikett steht, sondern der Markenname für Qualität bürgen soll. Ungefähr 15 verschiedene Erste-Gewächs-Lagen des Rheingaus finden sich in diesem Wein, den es als Stillwein schon lange gibt, als Sekt seit 1987. Ein größerer Teil der Trauben dieses Brut haben Auslese-Charakter und das merkt man im Duft direkt. Reifer Riesling strömt aus dem Glas, reifes Kernobst, Steinobst, leichtes Petrol, Hefe, Vanille, alles üppig und dicht. Ich denke, jeder von uns hatte bei dieser ausgeprägt üppigen Nase etwas Bedenken, dass das am Gaumen etwas zu viel sein könnte – eventuell am oberen Brut-Süße-Bereich. Doch diese Befürchtungen zerstreuten sich mit dem ersten Schluck. Der Wein ist saftig, reif, aber ganz klar strukturiert, trocken, deutlich mineralisch, kraftvoll und lang. Er steht neben den beiden dann folgenden Champagnern mit einer ganz deutlich eigenen Prägung, hier will man gar nicht mit Champagner vergleichen, das ist versekteter Riesling auf hohem Niveau (auch preislich, die Flasche kostet ab Weingut €57,-).

Von allen Flights, ist das der, der letztlich in sich am wenigsten zusammenpasst. Das ist zwar alles 2004 und alles Schaum, doch eben sehr unterschiedlich. Das gilt auch für das Degorgierdatum, das erfreulicher Weise bei allem Weinen aufgedruckt ist. Der Geheimrat frisch degorgiert, der Jacquesson später auch (ende 2013), der Sève En Baramont von Olivier Horiot dagegen liegt schon Jahre im Keller und wurde bereits 2009 verkorkt. Das merkt man ihm allerdings nicht an. Frisch steht der Champagner von der Côtes des Bars da, reinsortig aus Pinot gekeltert, aus der Einzellage en Baramont. Über Olivier Horiot und der speziellen Herkunft habe ich hier schon geschrieben, das führe ich an dieser Stelle nicht weiter aus. In der Nase gefällt mir der Wein zunächst am besten und auch das Mundgefühl ist besonders. Hier verbinden sich viele Kräuter, frisch und trocken mit Kalk, die Hefenoten tauchen nur entfernt auf und auch die Frucht spielt sich unterstützend im Hintergrund ab – bis auf einige Zitronenzesten direkt im Vordergrund. Horiot, der Mann, der eigentlich lieber Stillweinemacht, hat den Grundwein im Barrique fermentieren lassen und dort hat auch die malolaktische Gärung stattgefunden. Nach Holz schmeckt das hier alles trotzdem nicht – zum Glück. Es schmeckt eher klar und präzise mit leichtem Wachs und tonischen Noten, durch die die Kräuter, vor allem Rosmarin, immer stärker durchschlagen. Der Non-Dosé-Wein ist ein leiser Star, der erst später vom Jacquesson überholt wird. Man sollte dabei übrigens nicht vergessen, dass es Olivier Horiots erste Jahrgang war(!) – und schon allein dafür gebührt dem sympathischen Franzosen ein Chapeau!

Als dritten im Mund öffneten wir Jacquessons Champ Caïn aus Avize. Dieser Wein ist eigentlich für die Kraft, die er hat, zu früh geöffnet. Ihm zu Gefallen haben wir alle drei Schaumweine kurz vorher vorsichtig karaffiert, doch hätte man dies durchaus, zumindest für den Champ Caïn schon etwas früher in Angriff nehmen können. So brauchte er Zeit (die er bekam) und gewann deutlich mit dem Lachscarpaccio vom wilden, irischen Lachs, der, nur mit Fleur des Sel und rotem Kampot-Pfeffer gewürzt und mit einem sehr guten, mit Amalfi-Zitronen aromatisierten Olivenöl bestrichen für 30, 40 Sekunden bei 200°C Grad im Ofen erwärmt wurde (Beilage, Rauken etc. mit dem selben Öl, Salz, Pfeffer und einem weißen Balsamico). Es ist immer wieder erstaunlich, wieviel harmonischer ein zunächst zickiger Wein mit dem richtigen Essen werden kann hier. Hier ist es das Fette im Fisch, das vor allem den Jacquesson geöffnet hat. Irgendwann dann offenbart sich die ganze Kraft und Klasse dieses Chardonnay. Enorme Kraft, die Mineralität, Salzigkeit und auch das Basische des Kreidebodens schlägt voll durch. Gerade einmal 3.000 Flaschen werden von diesem Jahrgangs-Lieut-Dit gefertigt, das Kristalline und Komromisslose kommt mit etwas Wärme und Luft immer besser zur Geltung. Großer Stoff, natürlich ebenfalls ohne Dosage und im großen Holz ausgebaut. Champagner, der jetzt vielleicht überhaupt erst am Anfang seiner Trinkreife steht und den es auch erst seit kurzer Zeit auf dem Markt gibt, in der Weinhalle beispielsweise. Mehr zu Jacquesson gibt es hier.

 

Clemens Busch Pünderlicher Marienburg Riesling Spätlese ***, Robert Weil Kiedricher Gräfenberg Riesling Erstes Gewächs, Steffen Christmann Königsbacher Idig Großes Gewächs
Es war, ganz ohne Frage, zusammen mit den später folgenden Weinen aus dem Cornas, der schönste Flight des Abends. Hier trafen drei Rieslinge aus der Großes-Gewächs-Klasse (Busch war zu diesem Zeitpunkt noch nicht im VDP aber Riesling *** ist das stimmige Pendant) aus drei unterschliedlichen Anbaugebieten aufeinander. Ursprünglich hatte ich den Schlossberg Grand Cru von Albert Mann mit im Rennen schicken wollen, doch letztlich wollte ich es dann doch, der Stimmigkeit wegen, bei drei deutschen Weinen belassen. Clemens Buschs Hauslage präsentierte sich, wie die beiden anderen Weine auch, ganz herkunftstypisch, wobei Pünderich eben noch mit zur so genannten Terrassenmosel gehört, mit Weinen, die gerade auch im trockenen Bereich punkten und viel Kraft bergen. Der 2004er war am weitesten von den dreien und ungemein attraktiv. Er hat, auch das letztlich zur Mosel passend, eine ganz leichte Restsüße hinten raus und die verbindet sich in diesem gereiften Stadium mit den vielen Noten vom reifen und mürben Kernobst, mit dem fast kandiert wirkendenden Steinobst und passt wunderbar zur deutlichen Honignote in der Nase, die den Duft frischer Bienenwaben mit einem Hauch Wachs kombiniert. Hier stimmt für diesen Stil alles, der Wein hat genau den richtigen Säuregehalt für die ganz leichte Süße, und schmeckt wachsig weich, während sich unter das Obst Grapefruit und Gewürze mischen.

Terrine_Riesling

Der Riesling aus dem Kiedricher Gräfenberg hatte ich am Vorabend des Vinocamps im Keller bei Wilhelm Wein probiert und mir wäre damals fast der Kit aus der Brille gefallen, so gelungen war. Die zweite Flasche im Weingut dagegen war damals (Flaschenvarianzen) deutlich weniger gut während diese hier am Samstagabend wieder viel von der Größe hatte, von der ich so begeistert war. Interessanterweise ist mir am Samstag die leichte und ungemein attraktive Holznote, die den Wein im Weingut geprägt hatte, nicht so aufgefallen. Weil hatte damals eine Reihe neuer Stockinger-Fässer erhalten, die ihren Fingerabdruck im Wein hinterlassen haben. von den drei Weinen im Flight wirkte der Weilsche Wein am jüngsten. Herrlich saftig, dabei klar und präzise, bei aller Kraft bleibt der Wein schlank, vor allem im Gegensatz zum deutlich üppigeren Idig. In der Nase das leichte Rheingaupetrol, Traubennoten und etwas Steinfrucht, am Gaumen einfach total präsent mit viel Biss. Das war ein großer trockener Rheingauriesling von einer Komplexität, Kraft und Präzision, wie man sie selten findet, dabei so vibrierend und klar, einfach umwerfend attraktiv.

Christmanns Idig wirkt neben dem Rheingau fast barock, viel cremiger, viel üppiger mit hochreifer Steinobstnase, leicht botrytisch angehaucht, stoffig ohne Ende. Am Gaumen ist der Wein weicher als die vorherigen, leicht wachsig wie der Wein von Busch, auch am Gaumen dies Cremige, was man schon in der Nase vermutet. Eigentlich ist das der genau passende Riesling für die Jahreszeit und es zeigt sich dann, dass er genau zum jahreszeitlichen Essen passt, denn keiner geht eine so schöne Alliance mit der Fasanenterrine samt Apfelbrunoise ein, wie der Idig. Zum Steinobst gesellen sich hier ein Hauch Maracuja, Mango und Pomelo, das Steinig-Mineralische legt sich fast wie Puder über die Frucht, die feine Säure balanciert die Opulenz und bändigt sie, damit der Wein nicht breit wird.

Drei trockene Rieslinge, zehn Jahre alt, sechs Stunden vorher doppelt dekantiert auf dem Höhepunkt ihrer Strahlkraft (ok, der Gräfenberg mag sich noch weiter zu seinem Vorteil entwickeln, aber die anderen beiden sind jetzt genau richtig zu öffnen, würde ich behaupten) – das ist ein sehr befriedigendes Erlebnis. Die erste Terrine meines Lebens habe ich neben dem Fleisch von vier frischen Fasanen mit fettem Schweinebauch und etwas Gänseleberpaté gefüllt, sowie mit Waldpilzen und Berberitzen.

 

Mauro Veglio Barolo Casteletto, Ascheri Barolo Vigna dei Pola, Bartolo Mascarello Barolo
Ich muss ja zugeben, dass ich kein besonderer Barolo-Experte bin. Man kann auch nicht für alles Experte sein und irgendwie habe ich mich auf diese Region nie eingelassen. Dafür gibt es ein paar wenige Freunde, aus deren Kellern ich schon den ein oder anderen gereiften Wein großer Namen probieren konnte – und natürlich immer wieder begeistert bin. Nur selbst habe ich nichts, bis auf zwei Flaschen. Die Flaschen von Mauro Veglio und Aschieri befinden sich denn auch eher durch Zufall im Keller, weil sie zusammen mit einem Barbaresco mal in einem Weinplus-Verkostungspaket lagen. Doch genau für einen solchen Abend habe ich sie zur Seite gelegt und ergänzt wurden sie durch einen großen Namen, durch den Wein eines Kauzes, eines unabhängigen Winzers namens Bartolo Mascarello, der allerdings schon vor einigen Jahren gestorben ist. Dies ist unter Strick der Flight, auf den wir auch hätten verzichten können, denn zehn Jahre Reife sind für Barolo einfach zu wenig. Erst das Consommé vom Fasan samt Frittaten hat mit seinem Umami die teils noch groben Gerbstoffe deutlich gerundet. Die Weine sind, wie bei Barolo üblich, nicht von Frucht geprägt sondern mehr von Leder, Waldboden, Pilzen usw.

Mauro Veglios Casteletto stammt aus Montforte, ist dunkel, dunkler als die anderen beiden Weine, aber am offensten und auch mit der deutlichsten Frucht. Er hat erfreulich wenig offensichtliches Holz. Neben den schon angesprochenen Aromen finden sich getrocknete Kräuter, dunkle Kirschen und dunkel aromatische Gewürze. Insgesamt eine ganze erfreuliche Flasche.

Barolo_consomme

Im Gegensatz dazu hatte ich beim Öffnen des Vigna dei Pola von Ascheri am Mittag das Gefühl, der Wein könne untrinkbar sein aufgrund höchst bitterer Tannine. Das hat sich dann bis zum Abend noch etwas gelegt, das Consommé tat sein Übriges aber eigentlich war der Wein ein fail, mittelmäßig, rustikal, ja ausgezehrt mit einem rostigen Nagel in einem See von Bitterkeit.

Bartolo Mascarello war eine Legende des Gebiets. Ein Verfechter der alten Schule des Barolo, ein Kämpfer für das Wahre und Gute, der gegen das Barrique genauso angekämpft hat wie gegen Berlusconi und der von 1990 an bis zu seinem Tod nicht mehr persönlich ans Telefon gegangen ist. Gestorben ist er 2005, dieser Wein hier ist von 2004, dürfte aber schon im Wesentlichen von seiner Tochter Teresa gemacht worden sein. Der Nebbiolo hat nach einer langen Mazeration (ca. 30 Tage in Zementtanks) zwei Jahre in mittelgroßen, alten Fässern aus slowenischer Eiche gelegen bevor er dann auf der Flasche nachgereift ist. Er präsentiert das, wofür diese Weine berühmt sind: Eine ungemein dichte Tanninstruktur die sich erst nach Jahrzehnten harmonisiert. Da dieser Wein von diesen Jahrzehnten erst eins auf dem Buckel hat, kann man heute nur erahnen, wie gut der Wein irgendwann sein wird. Es ist die Beschreibung eines Haltepunktes auf der Durchgangsreise. Es ist das Treffen mit einem dunklen, geheimnisvollen Charakter, der hier ein Bukett an Veilchen offenbart, in welches sich vereinzelt dunkle Kirschen mischen. Waldboden, etwas Trüffel, Anis und Fenchel stoßen dazu. Beeindruckend ist die Säure, die Frische, die Klarheit, das leicht Schwebende samt festem Fundament. Mehr kann ich über diese geheimnisvoll verschlossene Schönheit gerade gar nicht sagen.

Das Consommé stand acht Stunden auf dem Herd, bis ich die Karkassen herausgenommen habe. Neben Wacholder, Piment und weiteren Gewürzen dürfte vor allem die Orangenschale eine besondere Note geliefert haben. Abgeschmeckt habe ich das Consommé mit Madeira, mit echtem Madeira, nicht mit der Kochqualität.

> Im zweiten Teil gibt es drei Weine aus dem Cornas, drei aus St. Estèphe und eine Flasche von J.J. Prüm.

 

Zur 800 eine Flasche 738: a.k.a. Jacquesson is in da house

Zum Artikel mit der Nummer 800 gibt es mal wieder etwas Feines im Blog. Just gestern hat Champagne Jacquesson die aktuelle Cuvée der 700er Serie dem Fachpublikum in Hamburg vorgestellt. Das ist durchaus ein Ereignis, denn die Erzeugnisse des Champagnerhauses der Brüder Laurent und Jean Hervé Chiquet haben sich zu einigen der feinsten der gesamten Champagne entwickelt. Vor allem, seitdem die beiden Brüder das Haus 1988 von ihrem Vater übernommen haben um noch einmal viel aufwendiger und konsequenter im Weinberg und im Keller zu arbeiten. Das war durchaus ein Risiko, denn man hat die gesamte, vorher schon sehr gut laufende Linie erneuert. Begonnen hat dies mit dem Basis-Champagne, dem typischen Brut, der hier Perfection Brut hieß und mit dem Jahrgang 2000 zum Extra-Brut Cuvée No. 728 wurde. Dabei ist Extra Brut schon etwa übertrieben um die Leute nicht zu verschrecken (und möglicherweise je nach Jahrgang auch Spielraum zu haben), denn eigentlich ist dieser Champagne ein Brut Nature mit gerade einmal 1 bis 3 Gramm Dosage auf einen Liter.

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Die 700er-Serie stammt im Wesentlichen aus einem Jahr. Der erste der Serie, die Cuvée No. 728, wurde mit dem Grundwein aus 2000 gefüllt, der mit Reservewein der vorherigen Jahre assembliert wurde. Mit der aktuellen Füllung Cuvée No. 738 sind wir entsprechend zum Zehnjährigen beim Grundweinjahrgang 2010 angekommen. Dieser ist eine Cuvée aus 61% Chardonnay, 18% Pinot Noir und 21% Meunier. Der Wein stammt zu 67% aus dem Jahr 2010 und zu 33% aus Reserveweinen. Er wurde spontan vergoren, auf der Feinhefe in Holzfudern ausgebaut und unfiltriert abgefüllt. Schließlich wurde der 738 mit 2,5% Dosage im April 2014 degorgiert. All das steht angenehmer Weise auf der Flasche. Diese wurde im zehnten Jahr im Design noch mal etwas geändert. Und zwar mit einem etwas geordneteren und auch plakativeren Etikett. Die Seriennummer ist weiterhin rot, dafür aber bold, größer und außerdem nicht mehr in Serifenschrift. Die Typo für den Namen des Hauses dagegen wurde deutlich schlanker gesetzt. Das Etikett wirkt ensprechend aufgeräumter.

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Wer nun glaubt, die geringe Dosage würde zu einem eher kargen Champagner führen, wird eines Besseren belehrt. Eine hohe Dosage wäre bei diesem Wein kontraproduktiv denn der 738 hat genügend Volumen und Opulenz. Es ist ein weiniger, komplexer und kraftvoller Champagner, der eine gewisse Süße vom reifen Lesegut suggeriert, nicht aber einen süßen Geschmack. Kraft ist auch das, was ihn vom Vorgänger, dem 737 abhebt. Der Wein hat mehr Power und ist auch komplexer. Dabei bleibt der Champagne neben aller Kraft immer elegant, klar, hat eine tolle Säure und neben dem Weinigen, dem Einfluß von Holz und Hefe auch so etwas wie ein Fußabdruck des Bodens in Form einer kalkig-steinigen Mineralität.

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Eigentlich ist dieser Champagne die Einsteigsqualität des Hauses. Allerdings auf einem Niveau, wie es andere in ihrer gesamten Palette der Erzeugnisse nicht hinkriegen. Der Preis entspricht auch nicht unbedingt einem Einstiegsprodukt, denn er liegt bei um die 45 Euro. Aber, so viel kostet ein Veuve Clicquot ja auch (haha!). Wenn man allerdings wirklich ein besonders gelungenes Exemplar haben möchte, das genau den Spagat zwischen der besonderen Eleganz eines sehr guten Markenchampagners und dem markanten Charakter eines Winzerchampagners haben möchte, liegt bei diesem Wein genau richtig. Und bei der Cuvée No. 738 erst recht. Für mich ist das einer der Champagner, die ich am meisten wertschätze.

P.S.: Wer noch eins drauflegen will: Jacquesson bringt zusammen mit dem 738 noch den fünf Jahre älteren Cuvée No. 733 als Degorgement Tardif auf den Markt. Der Wein hat einfach fünf Jahre länger auf der Feinhefe gelegen, und das ist, also das ist… *seuftz*

Die Weine gibt es alle bei Weine Visentin, der auch den Generalimport für Deutschland hat. Man bekommt den 738 aber beispielsweise auch in der Weinhalle.

 

Eine feine kleine Entdeckung: Gros Frère & Soeur, Bourgogne Hautes Côtes de Nuits 2009

31/Okt/14 12:30 kategorisiert in: Pinot Noir / Spätburgunder, Rot, Frankreich

Was mich ja bei der Trüffelsuche in den Weinregalen, egal ob online oder offline immer freut ist, wenn ich über solche Weine stolpere, wie den Hautes Côtes de Nuits von Bernard Gros, denn dann habe ich einen guten bis sehr guten Wein aus einem tendenziell überpreisten Gebiet auf einem Preisniveau gefunden, das ich nachvollziehen kann und welches auch für mich bezahlbar ist.

gros

Gros hat vor Jahren das Weingut seiner Tante übernommen, während sein Bruder das seiner Eltern weiterführt, und verfügt über 18,4 Hektar Lagen. Dazu gehören Parzellen im Clos de Vougeot, in Richebourg, Echézeaux, Vosne-Romanée Les Chaumes und ein umfangreicher Besitz in Concoeur, woher sowohl ein weißer, wie ein roter Hautes Côtes de Nuits stammen, Wein also von den oberen Hügelbereichen. Gros' Weine gelten als fruchtbetont und floral in der Jugend, mit einer kräftigen Struktur und einem eher dunklen Charakter. Und genau das zeichnet auch diesen Pinot Noir aus. Dunkle Frucht mit einer würzigen, auch an Altholz erinnernden Note im Untergrund. Dabei bleibt der Wein immer schwebend leicht, trotz der Kraft die er hat. Dank einer klaren, aber nicht zu prägnanten Säure ist er zudem schön frisch. Der Wein ist nicht übermäßig lang, aber dafür, dass das hier Gutsweinlevel ist, also Basisniveau, sprich, ein Niveau, wo man im Burgund ziemlich häufig enttäuscht wird, ist dieser Wein richtig gut. Zumal der Preis für diesen Wein bei € 14,90 liegt, und dafür bekommt man im Burgund normalerweise so gut wie nichts.

Gefunden haben ich den Hautes Côtes de Nuits von Gros Frères & Soeurs bei Kierdorf Wein.


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