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Gocher Weinzyklus 4 – Der Oberrhein. Eine Weinregion im Dreiländereck

Michael und ich hatten gestern dank der Wirtschaftsförderung der Stadt Goch, kom.M, einmal mehr die Möglichkeit, ungewöhnliche Weine an ungewöhnlichen Orten zu präsentieren. Nach dem Museum Goch, der Druckstraße von B.O.S.S.-Druck und dem Fünf-Ringe-Haus war es diesmal die Weltenbühne im Ortsteil Hassum – ein Schmuckstück aus der Sammlung des verrückten Puppenspielers Heinz Bömmler. Heinz nennt sich selber so, dabei ist er alles andere als das. Er ist ein versierter Geschäftsmann, der seine Sammelleidenschaft zum Lebensinhalt gemacht hat und dessen Weltenbühne nur ein kleiner Teil dessen ist, was unter Viller Mühle firmiert und weit über den Niederrhein hinaus bekannt ist – zum einen als Veranstaltungsort prominenter Kabarettveranstaltungen, Beispielsweise der WDR-Reihe Hart an der Grenze, zum anderen als Hort von unzähligen Alltagsprodukten und ganzen Kulissen vergangener Zeiten, die hier für historische Film- und Fernsehaufnahmen regelmäßig geliehen werden.

Die Weltenbühne war für uns der geeignete urige Rahmen unserer kleinen Reihe, in der wir uns am Niederrhein mit dem Oberrhein beschäftigt haben. Wer sich fragt, wie es dazu kam, außer dass am Oberrhein eindeutig gute Weine gemacht werden? Es ist schlicht der gerade aktuelle Spargel, der beide Regionen ganz nahe aneinander rücken lässt und der das Verbindungsglied des Abends darstellte.

Bis auf einen Abstecher an den Vorderrhein, genauer gesagt nach Malans in der Bündner Herrschaft, haben wir uns also mit dem Markgräfler Land, dem Bodensee, dem Zürichsee, dem Schwarzwald und dem Elsass beschäftigt und mit einer Riege von André Stentz begonnen.

Es ist jammerschade, dass die Elsässer Weine im allgemeinen solche Ladenhüter sind, gibt es hier doch wahre Schätze zu bergen und auch unauffällige Kleinodien zu entdecken. André Stentz, einer der frühen Vorreiter der elsässischen Bioszene, der mittlerweile alle guten Winzer dort angehören, macht seit vielen Jahren einen der besten Crémants, die ich kenne. Der 2008er Crémant d’Alsace aus Pinot Blanc, Pinot Gris und Chardonnay beweist dies ein weiteres Mal. Eine feine Perlage, ein frisches Aroma von Brioche und Nüssen in Verbindung mit mürben Früchten wird durch eine feine Säure herrlich gepuffert. Der Crémant d’Alsace Rosé, neu im Programm, wirkt ebenso fein. Der Pinot Noir aber dreht den Aromenkreis in eine ganz andere Richtung von satten roten Früchten. Ähnlich überzeugend wie die Crémants wirkte der Gutsriesling, der Riesling Alsace AOC des Hauses André Stentz. Trocken, luftig, frisch, mit einer feinen blumigen Note – aromatisch also, aber überhaupt nicht ausladend, sondern eher filigran und fein.

Bis zum Spargelessen führte die Reise vom Elsass aus zurück über die Grenze in die Nähe von Lörrach, wo Gerd Schindler im Weingut Lämmlin-Schindler einen hervorragenden Weißburgunder aus dem Mauchener Sonnenstück vinifiziert hat.

Weiter ging die Reise durch das Ländle und den dortigen Rebsortenspiegel zum Auxerrois der Aufrichts, die ich hier, hier und hier mal ausführlicher beschrieben habe. Der Auxerrois aus den Meersburger Lagen am Bodensee wirkte allerdings ein wenig zu dropsig, um auf Dauer spannend zu sein.

Deutlich spannender und so gelungen wie so ziemlich alles, was Alexander Laible so anpackt als Winzer, ist der Chardonnay SL***. Ein fruchtiger Chardonnay voller Kraft und gleichzeitiger Finesse. Herrlich ausgewogen zwischen Frucht, einer salzigen Aromatik und einer angenehmen Säure. Wenn auch noch sehr jung, wir haben den aktuellen 2009er Jahrgang probiert, gefällt dieser Weine, wenn auch manche Teilnehmer des Abends etwas Schwierigkeiten hatten, sich durch den krautig-gemüsigen Duft der Spontangärung durchzuarbeiten.

Zum Spargel dann gab es Ziereisens Gutedel Heugumber. Wer meinen Blog liest, kann mehr zu Hanspeter Ziereisen finden. Der Heugumber ist für mich einer der Sommerweine, nicht nur zum Spargel. Leicht, beschwingt, mit feiner Frucht und Würze, wenig Säure und Alkohol zum moderaten Preis ist das ein richtiger Spaßwein.

Der Wein zum Dessert kam da aus einer ganz anderen Liga. Zurück im Elsass widmeten wir uns dem Gewürztraminer Furstentum Gran Cru Vielles Vignes der Domaine Albert Mann aus dem Jahr 2007. Die Lage Furstentum wird bereits im Jahr 1330 in den Weininventarbüchern des Klosters Basel erwähnt. Der Gewürztraminer ist eine Wucht im wahrsten Sinne. Er dürfte gerade jetzt am Anfang seiner Trinkreife stehen, entfaltet im Laufe des Abends – wir haben ihn früh vorher geöffnet – ein großartig dichtes Aromenspektrum von Rosen, Litschi und Grapefruit in Kombination mit dieser markanten, sortentypischen leicht herben Würze. Eine Wucht aber auch deshalb, weil dieser Wein trotz ordentlicher Restsüße noch 13,5 % Alkohol beisteuert. Das ist nicht leicht zu verkraften, macht aber, wenn man diesem Wein Zeit widmet – Michael und ich haben dies dann nach der Veranstaltung noch ein wenig ausgedehnter getan –, sehr viel Freude.

Die Rotweine des Abends haben leider nicht nur polarisiert, das war uns klar, nein, anscheinend haben wir das Publikum ein wenig überfodert. Zwei Pinot Noir, ein Gamaret und ein Syrah standen auf dem Programm. Das sind letztlich alles nicht unbedingt Weine für Menschen, die sich nur selten tiefer mit dem Thema Wein auseinandersetzen.

So überraschte uns, dass selbst der 2007er Spätburgunder Markgräfler Land von Martin Wassmer den wenigsten zusagte. Ein burgundisch ausgebauter Typ, straight, aber nicht zu kompliziert mit einer angenehm weichen Holznote im Finale. Noch ablehnender standen die meisten dem Blauburgunder 2005 Zur Krone Malans von Anton Boner-Lichti gegenüber. Wirklich überzeugend fand ich diesen Wein allerdings auch nicht, genauso wenig den Gamaret aus der Staatskellerei Zürich. Auch diesen hatten wir vorher geöffnet und kurz probiert. Dabei wirkte der Wein aus der 1970 gezüchteten Traubensorte, die praktisch ausschließlich rund um Zürich angebaut wird, zunächst ganz spannend, weil sie wie keine andere Traube nach frisch gekochtem Rotkohl riecht, nach Rotkohl mit Nelke und ein wenig Pfeffer. Schwer wirkte er in der Nase, weicher und samtiger dann war er am Gaumen. Zweieinhalb Stunden später am Abend wirkte der Wein dann schon etwas müde und ich hatte starke Assoziationen an mit Maggi versetzte Würzsoße.

Für mich über jeden Zweifel erhaben war zum Schluss der 2007er Syrah Gestad von Hanspeter Ziereisen. Ein ausgezeichneter Wein, dessen Aromen von Teer zwar auch nicht allen zusagten, wohl aber mehr Teilnehmern des Abends. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich diesen Wein probiere. Ein Cool-Climate Syrah, nicht schwer, nicht fett, nicht überbordernd. So wie Hanspeter Ziereisen auch seine Blauburgunder zunehmend ausbaut, wird auch der Syrah immer filigraner und präziser. Die kleinen Mengen sind schnell ausverkauft und nicht einmal die Ziereisens konnten uns aus ihrem Keller noch etwas schicken. Bernd Klingenbrunn & Armin Maurer, kurz K&M Gutsweine, aber hatten noch eine Magnum für diesen Abend, die sie uns glücklicherweise kurzfristig zusenden konnten; denn sonst wäre das Rebsortenspektrum des Abends um eine Attraktion ärmer gewesen.

Eine schöne Reise war’s, eine Reise mit einigen Einblicken in eine alte Kulturlandschaft, die genauso oft gespalten wurde durch Kriege und Verwüstungen wie sie auch immer wieder zusammengefunden hat in gemeinsamen Interessen und Traditionen. Und eine Weinreise ist sie auf jeden Fall wert.

Cremant d’Alsace blanc/rosé, André Stentz, Elsass, 2008
Riesling Alsace AOC, André Stentz, Elsass, 2009
Weißburgunder »Mauchener Sonnenstück«, Lämmlin-Schindler, Baden, 2009
Auxerrois, Aufricht, Baden, 2009
Chardonnay SL 3 Sterne, Andreas Laible, Baden, 2009
Gutedel »Heugumber«, Hanspeter Ziereisen, Baden, 2009
Gewürztraminer »Fürstentum Gran Cru Vielles Vignes«, Albert Mann, Elsass, 2007
Spätburgunder »Markgräfler Land«, Martin Wasmer, Baden, 2007
Blauburgunder zur Krone Malans , Anton Boner-Lichti, Bündner Herrschaft, 2005
Gamaret, Staatskellerei Zürich, Zürich, 2006
Syrah »Gestad«, Hanspeter Ziereisen, Baden, 2007

Spätburgunder »Edition Fritz Keller« 2007, Franz Keller, Baden

Im letzten Jahr haben wir mal im Rahmen einer Blindverkostung den Weißburgunder aus der »Edition Fritz Keller« probiert. Auch wenn er gegenüber den anderen Weinen abfiel, war er insgesamt sauber und süffig gemacht – keine Beanstandung.

Nun wollte ich mal schauen, was das rote Burgunder-Pendant aus dem Aldi Süd-Regal so kann, und habe eine Flasche des 2007er Spätburgunder geöffnet.

Schon im Glas wirkt der Wein müde und fad, er besitzt einen unangenehmen braunen Ton und zeigt einen Wasserrand. In der Nase erinnert er an eine zu lang geöffnete Tüte Pombären mit Speck und ein wenig Pfeffer, aber nicht so ein frisch gemahlener aus der Peugeot-Mühle, sondern der aus dem Pfefferstreuer von der Schnitzelbude unten im Dorf. Früchte kann ich nebenher kaum erkennen.

Das wird alles auch nicht mehr besser, wenn man den Wein, der unter Federführung des badischen Winzers Fritz Keller entstanden ist, trinkt. Auch hier wirkt der Wein so, als beziehe er längst seine Pension und säße mit Vorliebe im Vorgarten auf der Bank, um den Blumen beim Verrotten zuzuschauen. Mehr noch als die geringe Länge des Weines stört auch hier die Wässrigkeit und Bitterkeit.

edition_fritz_keller_pinot

Damit hat sich Keller, der mit dem Weingut Schwarzer Adler eines des besten badischen Weingüter führt, überhaupt keinen Gefallen getan, muss ich sagen, und die sieben Euro, die ich dafür ausgegeben habe, sind eindeutig zu viel. Was würde Gary V. sagen? "I give it a pass!"

Allerdings harmoniert der zwölfteilige Farbkreis von Ludwig Hirschfeld-Mack, Bauhaus 1922, zufälligerweise farblich aufs Beste mit dem 2010er Schwammtuch aus dem 5er-Pack von gut&günstig.

Spätburgunder »Edition Fritz Keller« 2007, Franz Keller, Baden, Aldi Süd, knapp 7 Euro

Weinrallye 32, Spätburgunder Teil 2: Ziereisen, Rhini 2007

Ich hatte ja gesagt, dass ich es nicht bei einem verkorksten Trinkgenuss belassen wollte – wo ich es doch nach langer Abwesenheit mal wieder zu einem Beitrag der geschätzten Weinrallye geschafft habe, dessen G.O., Thomas Lippert vom Winzerblog, ich im ersten Beitrag vergessen hatte, zu erwähnen.

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Hanspeter Ziereisen gehört seit knapp einer Dekade zu den Vordenkern und zur qualitativen Speerspitze des badischen Weinbaus. Auch ihm war es nicht ursprünglich in die Wiege gelegt, es war kein automatischer Prozess vom Winzersohn zum eigenen Betrieb, Ziereisen, dessen Ausbildung – und da haben wir etwas gemeinsam – die zum Tischler war, hat sich erst ein wenig herumgetrieben, den Weinbau intensiv und praktisch studiert, bis er wusste, wo er hin will. Die Mischung dessen, was daheim angebaut wird, hat sich entsprechend verändert, lange schon liegt der Fokus auf Wein.

ziereisen_etiketten

Dabei hat sich der Stil, den Hanspeter Ziereisen pflegt, in den letzten Jahren ebenfalls deutlich verändert. Kürzlich habe ich einen 1999er Spätburgunder aus der Gemarkung Rhini probiert und dieser ist mit den Weinen neueren Datums nicht mehr zu vergleichen. Die älteren Modelle sind deutlich holzbetonter, gerbstoffreicher, die neueren Jahrgänge werden immer fokusierter, klarer, präziser. Dies zeigt sich auch beim 2007er Rhini, preislich gesehen der größere Bruder vom Schulen, dem noch der Wein aus der Gemarkung Tschuppen folgt und der lediglich vom äußerst raren Jaspis übertroffen wird.

Qualitativ kann ich nicht behaupten, zwischen Rhini und Schulen, dessen Rebstöcke jünger als die des Ersteren sind, zu unterscheiden, der Stil ist ein anderer. Es fällt momentan auch schwer, weil die 2007er einfach noch zu jung sind und ein wenig vor sich hin schlummern – das war mir relativ klar, probieren wollte ich in diesem Stadium trotzdem einmal.

ziereisen_rhini_2007

In den rauchigen Geruch mischen sich etwas Unterholz und rote Beeren. Die Mineralität des Weins zeigt sich ebenfalls schon in der Nase. Im Mund findet sich die gesammelte, gezügelte Kraft gleichermaßen wie die filigrane Klarheit dieses Weines. Die momentan vorhandene Balance und Ausprägung lässt, wenn er erwachsen geworden ist, einen großen Wein erwarten.

Bis dahin versüße ich mir mangels Besitzes älterer, reifer Jahrgänge das Leben mit dem Tschuppen.

ziereisen_tschuppen

Und – das wollte ich ja zum Abschluss noch sagen – was ist das für ein Segen, dass wir gar nicht wirklich in die Ferne schweifen müssen, uns nicht endlos durch flache und langweilige burgundische Gewächse trinken müssen, die nicht halten können, was ihre großen Namen erwarten lassen – nichts gegen die großen Gewächse dort, Gott bewahre, aber der Weg zu gutem, bezahlbaren Wein im Burgund ist halt deutlich steiniger als hier. Und die Qualität ist teils fantastisch!

Weinrallye 32, Spätburgunder, Teil 1: Elena Walch, Ludwig 2002

18/Apr/10 16:34 kategorisiert in: Pinot Noir / Spätburgunder, Rot, Italien, Weinfrauen, Weinrallye

Als ich die Themen-Ankündigung der heutigen Weinrallye las, habe ich mich spontan gefreut. In den Weinblogs taucht Spätburgunder recht selten auf – zumindest ist das mein Eindruck. Iris Rutz-Rudel betreut diese Rallye nun zum dritten Mal mit viel Engagement, siehe Twitter-Einträge und Facebook, und ich danke ihr dafür.

weinrallye_32

Das Thema also spricht mich an. Nur ist es so weit gefasst, dass es schwer war, ein Subthema zu finden.

Was wäre das Co-Thema, fragte ich mich? Zunächst habe ich dazu tendiert, mich über die Freude über die Qualität des deutschen Pinots auszulassen, dann mich dem schweizerischen Pinot anzunähern, dann Pinot Noir in seiner bläschenwerfenden Form als deutschem Winzersekt oder kräftigem Bouzy-Champagner auf den Grund zu gehen. Allein als ich gestern vor dem Flaschenregal stand und merkte, dass der Winzersekt im Bürokeller lag und ich eine Flasche André Clouet Millesimé 1995 öffnen müsste und das so ganz für mich allein, konnte ich mich doch nicht überwinden. Ich hatte des Mittags 60 Weine der verschiedenen Loire-Appellationen probiert und meine Zunge war ein wenig zu müde, um die Feinheit des Champagners noch angemessen würdigen zu können. Wäre noch die Möglichkeit gewesen, etwas sehr Außergewöhnliches zu probieren, nämlich einen Eiswein vom Spätburgunder, den mir Daniel Wagner im Januar in die Hand gedrückt hat. Sie hatten den Pinot einer kleinen Siefersheimer Parzelle zu ernten vergessen, weil er zu großen Teilen einem Hagelschlag im Frühjahr zum Opfern gefallen war. Erst als im Januar die Kollegen zur Eisweinernte hinausfuhren, hat er sich an die Parzelle erinnert und geerntet. Eine winzige Menge – der Wein taucht auf seiner Preisliste überhaupt nicht auf. Aber probiert habe ich ihn dann doch nicht, der ist gerade mal ein Jahr alt und mehr als eine 0,375 ml-Flasche besitze ich nicht.

Also entschied ich mich für einen Pinot aus dem Alto Adige, und zwar von Elena Walch. Das Co-Thema lautet also Winzerinnen, wobei ich also Pinot Noir somit nicht nur mit einem alten Weinrallye-Thema von oben genannter Iris Rutz-Rudel kombiniere, sondern dem Beruf der Gastgeberin Ehre erweisen möchte und eine eigene, auf diesem Blog lose stattfindende Reihe fortführe.

Elena Walch gehört mit Elisabetta Foradori zu den weiblichen Stars der norditalienischen Weinszene. Anders aber als Foradori hat Walch das Winzerhandwerk mitnichten mit der Muttermilch aufgesogen. Vielmehr war sie eine junge, aber schon erfolgreiche Architektin, als sie ihren späteren Mann kennen lernte, der das Weingut Walch führte. Nach der Geburt der zwei Kinder und irgendwann einsetzender Langeweile bat sie ihren Mann, ihr einen Weinberg zur Verfügung zu stellen, einen in guter Lage. Diesen hat sie am Castell Ringberg bekommen und einfach mal so ziemlich alles anders gemacht, als es bei den der Tradition verhafteten männlichen Winzern üblich war. Und anders als es Elisabetta Foradori getan hat, indem diese das Wagnis unternommen hat, aus den traditionell angebauten Rebsorten das Beste, ja die Quintessenz herauszuholen, hat Elena Walch den Vernatsch herausgerissen und internationale Rebsorten gepflanzt, die Reben wurden anders erzogen und ausgebaut wurde ebenfalls different. Das Barrique hielt Einzug.

Ich kann mir ein wenig vorstellen, wie das ausgesehen haben mag, wie sehr sie belächelt wurde, wer sich da alles an die Stirn getippt hat, damals als es noch kaum weibliche Winzer gab und wenn, dann überhaupt höchstens Töchter – aber bitte keine zugezogenen Diplomirgendwasse. Das dürfte sich dann schnell geändert haben, nachdem Elena Walch Ende der 80er dann ihren ersten Wein auf den Markt brachte. Die Anerkennung kam, zumindest von offizieller Seite, relativ schnell, und wenn sich der Erfolg bei der Avantgarde einstellt, kann die breite Masse ebenfalls beginnen, traditionelle Verhaltensweisen zu überdenken.

Nun, heute stehen 30 Hektar unter Reben und neben der Moderne finden sich auch wieder traditionelle Rebsorten. Besonders bekannt ist sie neben modernen Cuvées wie Beyond the Clouds für ihren Gewürztraminer.

Der Blauburgunder mit dem gar nicht so modern klingenden Namen Ludwig – ich habe einen 2002er geöffnet – stammt aus der Lage Pinzon oberhalb des Dorfes Montan, auf 650 Meter gelegen und nach Südwesten ausgerichtet. Der Pinot steht in nicht zu heißer Lage auf Schottererden mit Lehmanteil. Ausgebaut wurde in einem Drittel neuer und zwei Dritteln gebrauchter französischer Barriques.

walch_ludwig_2002

Der Wein wirkt schon beim Öffnen des an der Öffnung leicht angefaulten Korkens ein wenig alt und müde. Bräunlich, mit wenig Rotanteil liegt er im Glas, wirkt wenig frisch und die durchaus vorhandene bodenständige Würze wird überlagert von einer durchdringenden Säure. Das macht leider gar keinen großen Spaß mehr.

Da ich aber den Abend nicht mit einer solchen Pleite beenden wollte, habe ich dann noch eine Flasche Rhini von Hanspeter Ziereisen dekantiert. Ein Glas noch für den Samstagabend und für die müde Zunge und eigentlich probiert wird dann am Weinrallye-Sonntag.

Den Pinot habe ich übrigens mit einem vorzüglich abgehangenen Steak kombiniert. Dazu gab es frisch gemachte Tagliatelle. Eigentlich wollte ich nur einen Salat neben das Steak drapieren, aber dafür hatte ich zu großen Hunger. Der Clou war, dass ich in der Bratbutter nach dem Anbraten des Steaks etwas Tomatenkonzentrat vermischt habe mit etwas Portwein, Balsamico-Crème, Orangen- und Himbeersaft und einer Mischung aus rosa Pfeffer und Flocken von getrockneten Himbeeren und Erdbeeren.

Pinot brut 2007 Blanc de Noir, Alexander Gysler, Rheinhessen

Zu gegebenem Anlass ein Glas Pinot Noir 2007 von Alexander Gysler, den ich am Mittwoch besucht habe. Neben dem Sekt habe ich Silvaner von alten Reben, den Riesling JC 2007, Grauburgunder und Huxelrebe Beerenauslese und Trockenbeerenauslese mitgebracht. All dies wird man ab Überwoche bei Feinkost Ackermann in Bonn-Dottendorf erwerben können. Dort wird es dann ein originalverkorkt®-Regal geben. Ich freu' mich. Zu all dem später mehr. Erst mal ein wenig Geburtstag feiern …

gysler_pinot_noir

Herrliche Frucht und eine schöne Perlage. Ein kräftiger und doch eleganter Winzersekt mit viel Substanz aus Pinot Noir, weiß gekeltert.

Pinot Noir 2007 brut, Alexander Gysler, Rheinhessen, 14,90 Euro bei originalverkorkt

Blauer Spätburgunder 2007, Hanspeter Ziereisen, Markgräflerland, Baden

Hanspeter Ziereisen hat vor Jahren den Mischbetrieb seiner Eltern übernommen, die neben Spargel und anderem immer auch ein wenig Wein für sich selbst angebaut haben. Hanspeter Ziereisen hat dies geändert. Heute haben sich die Verhältnisse gewandelt und es gibt nur noch ein paar Stangen Spargel zum Wein. Für diesen wird auch jeder Quadratmeter gebraucht, reißt man ihm, dessen Weine jahrelang als Geheimtip galten, die Flaschen doch mittlerweile aus der Hand.

Ich kann es verstehen. Auch ich mag seine Weine mehr als gerne. Das hat angefangen, als ich das erste Mal eine Fassprobe seines Syrah aus dem ersten Jahrgang probieren konnte. Ein Wein, den Jancis Robinson zu einer internationalen Syrahprobe nach London mitgenommen hat, um dort für ungläubiges (positives) Erstaunen zu sorgen. War es doch nicht nur ein wirklich sehr guter Syrah, den findet man ja allenthalben. Nein, es war ein Syrah, der ein deutliche Handschrift trug, der einen klaren Charakter hatte.

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Das ist es, was viele goutieren, wenn sie Ziereisens Weine trinken. Sie heben sich deutlich vom Badener Mainstream ab, sie zeigen, dass man hier kühle Spätburgunder mit nicht all zu viel Alkohol erzeugen kann, die klar und geradlinig, charaktervoll und spannend sind. Man merkt, dass Ziereisen sehr sehr viele burgundische Weine probiert hat und weiss, wo er hin will.

Die Qualität beweist Hanspeter Ziereisen schon mit dem einfachsten aller Burgunder, die er anbietet, dem blauen Spätburgunder. Dies ist eine gelungen Mischung aus Frische und Tiefe. In der Nase jede Menge frischer Himbeere, etwas Pfeffer und Schokolade, im Mund werden die Beeren durch Kirsche ersetzt mit etwas Würze und Mineralität. Dabei hat dieser Wein schon eine erstaunliche Länge und ist herrlich rund.

Blauer Spätburgunder 2007, Hanspeter Ziereisen, Markgräflerland, Baden, sehr gut, 9,50 € hier

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