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Die Vorpremière der Großen Gewächse des VDP, Jahrgang 2012 – Früh- und Spätburgunder

30/Aug/14 16:32 kategorisiert in: Frühburgunder, Pinot Noir / Spätburgunder

Den Abschluss der Großen-Gewächs-Probe bildeten die 72 Früh- und Spätburgunder aus insgesamt acht Anbaugebieten.

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Ahr
Zum Auftakt ging es an die Ahr, und zwar mit drei Frühburgundern, von denen der Dernauer Pfarrwingert von Werner Meyer-Näkel einen ziemlich genialen Auftakt geboten hat. Dieser Wein ist für mich Frühburgunder in annähernder Perfektion. Er hat für mich genau den Sex, für den ich Frühburgunder liebe: eine gewisse nonchalante Grundentspanntheit, reife, verspielte Frucht, seidige Tannine, vollen Körper, viel Saft – das ist hier sehr attraktiv gemacht. Dem steht der Frühburgunder aus dem Recher Herrenberg von Alexander Stodden qualitativ in nichts nach. Auch dieser Frühburgunder ist einfach köstlich, tief, intensiv, geheimnisvoller als der üppige Pfarrwingert, voller Würze und etwas präsenterem Holz-Vanille-Ton. Überhaupt liefern sich Meyer-Näkel und Stodden an der Jahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf höchstem Niveau. Da kommen Adeneuer und Kreuzberg nicht ganz mit. Und das schraubt sich immer weiter hoch: ein kraftvoll cremiger, fast sahniger Spätburgunder aus dem Ahrweiler Rosenthal von Stodden – vielleicht Stoddens bester Wein aus 2012, gefolgt von zwei Bad Neuenahrer Sonnenbergen, der Meyer-Näkelsche sehr reif mit intensiver Kirschnote, trotz der Reife sehr elegant und finessenreich. Der Stoddensche trumpft mit einer intensiven Frucht-Creme-Holz-Note, die den Wein schon im ersten Moment sehr begehrenswert macht, nur ein wenig zu viel Alkohol hinten raus macht ihn jetzt noch schwer einschätzbar. Während ich Stoddens Dernauer Hardtberg und den Recher Herrenberg momenta noch zu holzlastig finde und vor allem den Herrenberg etwas zu karamellig, trumpft Meyer-Näkel mit zwei hervorragenden Weinen aus Walporzheim auf. Der Kräuterberg hat das, was der Name schon andeutet: Kräuter, frische Kräuter und Trockenkräuter in verschwenderischer Frucht, sinnlich, tief mit nahezu perfekter Säure. Der Pfarrwingert mit viel saftiger Frucht, mit Gripp, fein, elegant und – wie alle anderen Meyer-Näkelschen Weine – sehr sinnlich. Ich kann mich nicht daran erinnern, bessere Weine aus diesem Haus probiert zu haben.

Was ich mir in den Keller legen würde: Frühburgunder Dernauer Pfarrwingert von Meyer-Näkel, Ahrweiler Rosenthal von Stodden, Walporzheimer Kräuterberg von Meyer-Näkel, Walporzheimer Pfarrwingert von Meyer-Näkel

Sachsen, Rheingau & Rheinhessen
Die nächste Gruppe an Weinen bildete das Rheingau und das einzelne Große Gewächs aus Sachsen. Es ist die Hauslage Schloss Proschwitz des gleichnamigen Gutes des Prinzen zur Lippe. Dieser Pinot ist ganz anders als der Rest. Er wirkt leichter, spielerischer, dabei mineralisch und fein. Fand ich sehr gelungen. Im Rheingau dann gab es keine großen Überraschungen, außer das mir die beiden Pinots des Platzhirschen August Kesseler nicht so gut gefallen haben, dass ich in Erwägung ziehen würde, sie mir irgendwann zuzulegen. Kirschlikör hier, Cassis-Crème dort. Ja, alles fein, saftig, elegant und mit angenehm wenig Holz. Aber irgendwie war mir das für den Moment zu vordergründig, was es im Schlossberg und im Höllenberg zu entdecken gab.

Aus Rheinhessen wurden insgesamt fünf Weine präsentiert, zwei Pinots von Neus, einer von Schloss Westerhaus und zwei von Gutzler aus den Westhofener Lagen. Das Brunnenhäuschen fand ich in seiner Entspanntheit wunderbar. Gemacht nach alter Tradition, ohne zu viel modernen Schnickschnack-Holzeinsatz, nicht zu viele Gerbstoffe, dafür schöne Frucht, aber eine tiefgehende, nicht oberflächliche. Vor allem aber bietet dieser Wein Trinkfluss schon ab dem ersten Moment – das geht vielen Weinen ab, diese Lust, den Wein in großen Schlücken zu trinken, sollte trotz aller gewollter Tiefe und Komplexität doch auch bei Großen Gewächsen eines der obersten Gebote sein. Bei den Gutzlerschen Weinen ist das der Fall.

Was ich mir in den Keller legen würde: Westhofener Brunnenhäuschen von Gutzler

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Pfalz & Franken
Christmanns Idig kann ich, ehrlich gesagt, schlecht bewerten. Ich weiß nicht ob es die Flasche war oder ob es der Wein ist, es fand sich kaum Frucht, der Wein wirkte leicht oxydiert und es fand sich ganz hinten eine leichte Krautnote. Und obwohl sich das jetzt gar nicht so toll anhört, hatte der Wein trotzdem Klasse, war kühl und elegant – den muss ich noch mal zu einer anderen Zeit probieren. Hansjörg Rebholz’ Pinot ähnelt den Rieslingen 2013 aus der gleichen Lage durchaus. Der Wein stammt nicht aus 2012 sondern aus 2009 und hat einen gewissen Reifevorteil. Der benötigt er wohl auch denn er wirkt immer noch teilverschlossen. Der offenere Teil ist saftig, herrlich saftig, frisch, fein gewirkt in seiner Tanninstruktur, dazu salzig-mineralisch und auch er hat das, was Meyer-Näkels und Gutzlers Weine haben: er hat Zug, er packt zu und man will ihn unbedingt trinken. Dr. Wehrheims Birkweiler Kastanienbusch »Köppel« liegt für mich qualitativ auf gleichem Niveau. Er hat weniger offensive Frucht aber ebenso viel Zug. Er wirkt insgesamt noch eine Spur feiner und elegant und, ja ich muss es so sagen: burgundischer. Es ist der Pinot, der mich bisher am ehesten ins Burgund versetzt. Boris Kranz Kalmit ist genau so puristisch radikal wie sein Konterpart, der Riesling aus gleicher Lage. Ein kraftvoller, starker, fruchtreduzierter steiniger Wein. Für Puristen ist dieser Wein ein Muss. Daneben stehen dann die beiden Vertreter aus dem Hause Becker, der Kammersberg und der Sankt Paul. Das sind zwei Tannin-Granaten par excellence. Es sind vielleicht die größten Weine der Probe, Monolithen mit gigantischem Potenzial, das sich zwar hinter einem dicken Vorhang aus Gerbstoffen und Holz versteckt und doch deutlich wahrnehmbar ist. Ein großer tiefer stiller See voller dunkle, reifer Frucht und gezügelter Kraft.

Der Pinot aus dem Sulzfelder Maustal hatte zum Glück das, was die Weißweine aus dem Zehnthof Luckert diesmal leider etwas vermissen ließen: Kraft und Dichte. Und das, obwohl der Weine zunächst einmal leicht und spielerisch über die Zunge tänzelt. So ein Wein ist nach den beiden Schwergewichten aus dem Hause Becker eine Erholung und eine willkommene Abwechslung – zumal es mit Benedikt BaltesKlingenberger Schlossberg direkt sehr gerbstoffreich weitergeht. Zunächst fein, duftig, voller Kräuter und feiner Frucht, am Gaumen kraftvoll mit viel Potential und einer momentan noch etwas störenden Bitternote, die jedoch mit zunehmender Reife verschwinden – ein toller Wein, der für mich auf Augenhöhe mit den Pinots aus dem Hause Rudolf Fürst liegt. Auch diese haben dieses sehr reife Tannin und die Kräuternoten, die auch Baltes’ Wein auszeichnen. Mir gefällt aktuell der Schlossberg am besten – genau weil er etwas Wildes in sich trägt.

Was ich mir in den Keller legen würde: Siebeldinger Im Sonnenschein 2009 vom Ökonomierat Rebholz, Birkweiler Kastanienbusch von Dr. Wehrheim, Ilbesheimer Kalmit von Kranz und Schweigener Kammerberg von Friedrich Becker sowie Klingenberger Schlossberg von Rudolf Fürst und vom Weingut der Stadt Klinberg sowie Sulzfelder Maustal vom Zehnthof Luckert

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Württemberg & Baden
Bei der Klasse, die hier an Pinots auf dem Tisch stand, fällt es mir schwer, den Württembergern gerecht zu werden. Vorher Fürst, Stadt Klingenberg und Luckert und den vierten aus der Gruppe, nämlich den Pinot von Schmitt‘s Kinder habe ich gar nicht erwähnt, obwohl er mir besser gefällt als die meisten Weine aus Württemberg und als alle Weine vom Kaiserstuhl, denen es an Säure mangelt, die es als Rückgrad für gute Pinots einfach braucht.

Zwei Weine möchte ich hervorheben und sie stammen aus der selben Lage. Da wäre Rainer Schaitmanns Fellbacher Bergmandel und Markus Heids Bermandel, der ziemlich saftig und reif um die Ecke kommt. Er bietet viel Trinkfluss, ist jetzt schon sehr offen, muss aber noch die Menge an Holz und Gerbstoffen verarbeiten, die Heid ihm mitgegeben hat. Schnaitmanns Bergmandel ist etwas wärmer, wirkt etwas alkoholischer mit einer leichten Bitternote hinten raus, die Frucht ist etwas gekocht.

Zum Schluss und zum Gedächtnis vier Weine von Bernhard Huber. Beim Bienenberg habe ich spontan den Eindruck, der Wein können aus dem Pauillac kommen. Pauillac-Pinot erster Güte mit satter Cassis-Frucht, Zedernholz, etwas Minze, dann eine phantastische Säure. Die Parzellen Wildenstein, ebenfalls aus dem Bienenberg wirkt dann noch saftiger und etwas fordernder. Die Sommerhalde ist dicht wie ein Scheunentor, wirkt jedoch am leichtesten von allen vier Weinen. Und dann, ja dann der Schlossberg – auch hier wieder diese Cassis- und Zedernholznoten und dazu etwas Paprika (wieder dieser Pauillac-Eindruck), dann kommt langsam die Kirsche durch, die Kräuter, das fest Gewirkte, das Kühle – ein traumhaft schöner Wein und ein großer Wurf.

Was ich mir in den Keller legen würde: Malterdinger Bienenberg Wildenstein und Schlossberg von Bernhard Huber

Gedankt sei dem VDP und den vielen Helfern – die Veranstaltung war glänzend organisiert.

Weitere, lesenswerte Berichte finden sich bei Felix Bodmann (der Schnutentunker) und Dirk Würtz.

Hier geht es zu den Notizen Rheinhessen & Pfalz

Hier geht es zu den Notizen Rheingau & Nahe

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Hier geht es zur Erläuterung, was ein Großes Gewächs überhaupt ist

 

Das Einfache ist oftmals das Besondere – gute Pasta, eine Dose Sardinen, eine Flasche Rosé und ein Bier

08/Aug/14 12:30 kategorisiert in: Bier, Pinot Noir / Spätburgunder, Rosé

Die letzten zwei Wochen habe ich in meiner rheinländischen Heimat in Bonn verbracht und konnte nicht umhin, bei meinem früheren Feinkosthändler Olaf & Olaf vorbeizuschauen. Dort habe ich den Ziegenfrischkäse gefunden, den ich für den Rosé-Weinabend haben wollte, den ich für meine alte Bonner Weinrunde organisiert habe, und dessen Inhalt hier so nach und nach reintröpfeln wird.

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Man geht bei Olaf allerdings nicht einfach so mit lediglich einer Portion Ziegenfrischkäse aus dem Laden und so sind mir ein paar Dinge an den Fingern kleben geblieben. Zum Beispiel die Sardinhas Petingas Picantes, scharf eingelegte, extra kleine und feine Sardinen des portugisischen Vertriebs José, dessen aufwändig gestaltete Verpackung fast so gut ist, wie der Inhalt. Diese Sardinen mitguter Pasta, dem Öl, der Chili und den weiteren eingelegten kleinen Gemüse aus der Dose – mehr braucht es nicht, um glücklich zu sein.

Ach doch, ein passendes Getränk wäre schön. ich habe zwei ausprobiert. Da wäre zum einen eine Flasche Enderle & Moll Spätburgunder Rosé 2012, den ich ein paar Tage zuvor bei Surk-ki Scharade in der Vincaillerie in Köln mitgenommen habe. Surk-ki, die Frau mit dem ungewöhnlichen Namen, gehört hier in Deutschland zu den Naturweinvertreibern der ersten Stunde und überzeugt mittlerweile auch deutsche Winzer, in Sachen Naturwein immer stärker die Grenzen auszuloten. Sven Enderle ist einer davon, und der macht mit seinem Kompagnon Florian Moll seit Jahren immer bessere und charaktervollere badische Spätburgunder. Im letzten Jahr haben die beiden für Sur-ki zum ersten Mal eine Charge Grauburgunder ungeschwefelt abgefüllt – ein Experiment, das wohl keine Eintagsfliege bleiben wird.

Der Rosé der beiden kommt immer dann zustande, wenn die Spätburgundertrauben nicht dem entsprechen, was er für seine Rotweine haben will. Das ist nicht direkt Ausschussware sondern hängt mit einem bestimmten Geschmacksbild zusammen, dass die Trauben nach der Lese bieten. Wenn die Trauben nicht so schmecken, wie Sven es sich vorstellt, wird es Rosé. Mehr als 30 bis 40 Hektoliter pro Hektar kommen auch für den Rosé nicht zustande und entsprechend intensiv ist der Wein. Der 2012er kombiniert viel Himbeerfrucht mit Kräutern, Stein und einem guten Schuss Minze. Die Intensität und Frucht passt ziemlich gut zu den scharfen Sardinen. Der Rosé hatte genügend Kraft und die saftige Frucht hielt die Schärfe in Schach.

Ziemlich spektakulär war das Pfefferbier vom weißen Kampot-Pfeffer, dass freigeist Bierkultur in der Braustelle Köln gebraut hat. Die Braustelle Köln mit Sebastian Sauer und Peter Esser ist für mich im Moment eine der, wenn nicht die ungewöhnlichste Brauerei in Deutschland. Ich will nicht sagen, Pale Ale kann mittlerweile jeder und ist schon ein alter Hut, aber was in der Braustelle passiert, geht weit über die Interpretation englischer und amerikanischer Brautradition hinaus. Hier wird wirklich experimentiert – und zwar mit dem Wissen um alte Braukultur und Brauverfahren in Deutschland. Eines dieser mehr als gelungenen Experimente war eine Serie von Pfefferbieren mit schwarzem, weißem und rotem Pfeffer, die hier entstanden sind und die, wie schnell klar wurde, exzellente Essensbegleiter sind. Diese Biere sind zusammen mit Hennes Finest entstanden und dieser Laden ist der vielleicht beste Pfefferimporteur der Republik. Das klingt jetzt alles nach ein bisschen viel Superlativen, aber was soll ich sonst sagen? Das Freigeist Bierkultur Kampot White ist einfach sehr gelungen – und das auf Grund der Braukunst und der besonderen Inhaltsstoffe. Freigeist verbindet kambodschanischen Pfeffer mit dem typischen Aroma eines Weißbieres und man hat so einen Effekt wie Erdbeeren mit grünem Pfeffer – nur besser. Erst kommt ein wtf? Und dann leuchtet die Birne der Erkenntnis auf: Es kommt zusammen, was zusammen gehört. Der Pfeffergeschmack ist jedenfalls sehr gut abgestimmt. Er ist präsent, aber nicht überbordernd, die Schärfe passt zur Süße des Bieres und beides wiederum zu Sardinen und Chili. Vielen Dank an Torsten, der mir eine Flasche hat zukommen lassen.

Den Rosé gibt es, wie gesagt, bei La Vincaillerie für nen 10er. Das Bier dürfte momentan kaum noch zu bekommen sein doch die Pfefferbiere sollen neu aufgelegt werden.

 

 

Drei Weine von Benedikt Baltes – Weingut Stadt Klingenberg

13/Mrz/14 16:01 kategorisiert in: Pinot Noir / Spätburgunder, Portugieser

Gestern hatten wir zum ersten Mal drei Weine eines Weinguts in der Live-Sendung bei WRINT Flaschen. Ich hatte mich bei der Weinauswahl für ein Weingut entschieden, das für mich (und natürlich nicht nur für mich) zu den Aufsteigern der letzten Jahre gehört. Es handelt sich um das Weingut Stadt Klingenberg. Es heißt deshalb so, weil es bis vor wenigen Jahren der Stadt gehörte. Doch es gab Missmanagement und Scherereien, irgendwann stand es zum Verkauf und einer, der das Weingut haben wollte, war der Mayschosser Benedikt Baltes. Er, Sohn eines Winzerehepaares von der Ahr ist mit Spätburgunder aufgewachsen und das ist genau das, was es in Klingenberg hauptsächlich gibt. Der Spätburgunder steht vor allem in arbeitsintensiven historischen Steillagen. Diese sehenswerten Lagen erfordern, wenn man es richtig machen will, enorm viel Arbeitsaufwand (gerne mal 2.000 Stunden pro Hektar). Doch der Erfolg gibt Benedikt recht, es lohnt sich, diese Zeit zu investieren.

Benedikt Baltes vor ausgewählten Fässern mit Hölzern aus der Region, Foto © Andreas Durst

Benedikt Baltes vor ausgewählten Fässern mit Hölzern aus der Region, Foto © Andreas Durst

Heute habe ich die gestern geöffneten Weine noch mal nachverkostet. Natürlich haben sie sich weiterentwickelt. Der 2011er Portugieser vom Buntsandstein ist deutlich fruchtiger geworden. Gestern lag für mich das trockenholzige, das etwas Erdige und Kräutrige im Vordergrund, heute ist es deutlich mehr die Kirsche und ein bisschen Holunder. Dahinter dann das Bett aus Trockenkräutern. Am Gaumen ist dieser Wein, der so leicht und durchsichtig schimmert wie ein Spätburgunder, kräftig, hat Substanz und Struktur. Das hat nichts mit der dünnen Plörre zu tun, die man so gemeinhin bei Portugieser erwartet. Das erinnert mich eher daran, als ich zum ersten Mal den Trollinger von Hans Hengerer probiert habe, da war ich ähnlich überrascht. Was wirklich Spaß macht an dem Wein, ist seine Ernsthaftigkeit, ich kann es nicht anders ausdrücken, seine Balance zwischen Erdverbundenheit und leichter Fruchtigkeit und vor allem die Säure. die war gestern bei ersten Glas noch etwas zu präsent, jetzt hat sich sich längst integriert und gibt dem Wein etwas Erfrischendes. Dass dieser Wein € 7.50 kostet ist eigentlich ein Witz, nein, ein Segen, denn so viel Trinkspaß unter € 8,- gibt es nur selten.

die drei Weine und eine Hand voll Buntsandstein. Foto rechts © Andreas Durst

Die drei Weine und eine Hand voll Buntsandstein. Foto rechts © Andreas Durst

Der zweite Wein des Abends war der 2011er Rücker Spätburgunder. Ortslage aus Rück, etwas von Klingenberg entfernt, etwas andere Ausrichtung, wärmer und alkoholreicher als die Klingenberger Lagen. Dieser Wein war gestern schon sehr offen, üppig und reif. In der Nase findet sich ein ähnlicher, altholziger Ton, unterstützt von erdigen und steinigen Aromen. Damit verwoben ist die Frucht aus reifen roten und schwarzen Beeren, die wirken als habe man sie mit Crème Double gemischt. Dazu taucht schon in der Nase das Mineralische auf, eine deutliche Salznote und selbst die Säure meine ich im Duft zu spüren. Am Gaumen ist der Wein, wie auch gestern, üppiger, als die recht kühle Nase preis gibt. Reife Beeren, Holz, ein süßer Kern, gleichzeitig erdverbunden, genau die richtige Säure, dazu etwas Bitterschokolade und Virginiatabak. Das ist echt richtig gut. Dass es den Wein für € 12.50 gibt, macht die Sache noch besser. Kaufen!

Ist schon steil dort. Foto © Andreas Durst

Ist schon steil dort. Foto © Andreas Durst

Ebenfalls auf Ortswein-Niveau steht der 2011er Klingenberger Spätburgunder. Dieser Wein hat mit 13% ein halbes Prozent weniger Alkohol als der Rücker. Er wirkte gestern sehr verschlossen, erst mit langer Wartezeit im großen Zalto-Burgunderglas wurde er etwas zutraulicher. Aber hey, das ist 2011, das muss jetzt noch nicht aus dem Glas springen. Was heute jedoch noch klarer wird als gestern ist die Feinheit und Eleganz, die dieser Wein immer behalten wird. Der wird nie so expressiv wie der Rücker, soll er nicht, will er nicht. Dieser Klingenberger setzt überhaupt nicht auf opulente Frucht, hat mit dem, was wir früher mal und leider heute immer noch zu oft als Deutschen Spätburgunder wahrgenommen haben nichts zu tun. Da ist nicht mehr diese plumpe Erdbeer-Himbeeraromatik, da ist vor allem kein plumpes Holz. Das Holz hier ist zurückhaltend und tragend, mehr nicht. Wenn also das Holz nicht im Vordergrund steht und auch nicht die üppige Frucht, was dann? Es ist die Duftigkeit, das Steinige, das Mineralisch-Salzige, es sind Kräuter und die leicht pfeffrige Note, es ist dieser Hauch von Kirsche, ein wenig Eisen habe ich in der Nase und dann wieder diese beeindruckende Säure, die diesen Wein mit trägt. Eleganz, Balance und Vielschichtigkeit zeichnen diesen Wein aus. Der Wein liegt bei € 17.00. Das ist für einen Spätburgunder dieser Klasse ebenfalls keineswegs teuer, eher im Gegenteil.

Die Weine gibt es bei K&M-Gutsweine

Felton Road – Neuseeland Pinot auf internationalem Spitzenniveau

11/Nov/13 13:00 kategorisiert in: Alles Bio, Pinot Noir / Spätburgunder, Rot, Neuseeland

Kürzlich traf ich Nigel Greening im Rahmen der Roadshow New Zealand Wines all over Germany und ich hatte endlich einmal die Möglichkeit, einiger seiner Pinots zu probieren. Nigel Greening ist der Inhaber von Felton Road. Das Weingut liegt im Herzen von Central Otago und gehört zu den wenigen voll zertifizierten biodynamisch arbeitenden Betrieben dort.

Nigel Greening Portrait

Nigel Greening, Inhaber von Felton Road

Gerade in einem Vergleich mit anderen Weinen aus Neuseeland wird deutlich, wie stark sich biodynamische Wirtschaftsweise auf die Weine auswirkt. Neuseeland ist weltweit bekannt für das hohe Niveau, auf dem sich der Weinbau dort bewegt. Schlechten Wein aus Neuseeland bekommt man eigentlich nicht. Was ich aber zunehmend problematischer finde, und das fällt mir gerade beim Sauvignon Blanc aus Neuseeland auf, ist die Seelenlosigkeit der Weine. Alles ist supersauber gemacht, doch schmeckt es eben vor allem nach perfekter Kellertechnik. Das macht viele Weine im Boomland Neuseeland für mich ziemlich unattraktiv. Allerdings gibt es glücklicherweise auch die andere Seite der Medaille und eines dieser anders arbeitenden Weingüter ist eben Felton Road. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Weg, den Felton Road eingeschlagen hat und den ja in Teilen auch beispielsweise Dog Point geht, der Weg ist, den viele Spitzenweingüter in Neuseeland auf Dauer gehen werden. Nachhaltigkeit wird dort ja eh schon groß geschrieben doch für die, die wirklich hoch hinaus wollen und Weine mit individuellem Charakter keltern wollen, kann Felton Road nur Vorbild sein.

Einigen Flaschen neuseeländischen Pinot Noirs

Deutlich wird der Unterschied zu den meisten anderen Neuseeland-Pinots schon in der Frucht. Während viele Weine aus diesem Gebiet eher Richtung Erdbeeren und Himbeeren im Geschmacksprofil tendieren, wirken die Felton Road Weine deutlich dunkler. Schwarzkirschen und Brombeeren sind hier präsent. Dazu schmecken die Pinots von Felton Road erdiger und, ja, eben auch mineralischer. Dazu kommt eine deutlich florale und auch kräuterige Note, die ich bei beiden Felton Road Weinen wahrnehmen konnte, die ich probiert habe. Die Weine, die glücklicherweise nur eine zurückhaltende Holznote aufweisen, sind bei aller Erdverbundenheit elegant. Was hier beeindruckt ist die Kombination aus Struktur und Frucht. Die Felton Roads Pinots haben alle eine Basis, auf denen die deutliche Frucht, die den neuseeländischen Weinen auf Grund des speziellen Klimas eigen ist, aufsetzt. Dieses Zusammenspiel macht die Felton Road Weine charaktervoll und ausgesprochen harmonisch. Für mich sind das die ersten neuseeländischen Pinot Noirs, die wirklich in der internationalen Spitzenklasse mitspielen. Probiert habe ich, nebenbei gesagt, die noch blutjungen 2012er Pinot Noir Bannockburn und Calvert, wobei der Calvert die Flightpartner auf dem Foto oben, die jetzt auch nicht zu den ganz Schlechten zählen, meiner ansicht nach um eine gute Länge geschlagen hat. Durch den zurückhaltenden Holzeinsatz, die pure, jetzt deutliche Primärfrucht und angenehme Säure, machen diese Weine auch in diesem jungen Stadium viel Spaß.

Central Otago ist übrigens mit 45 Grad Süd das Südlichste aller Weinbaugebiete. Die Temperaturschwankungen sind hoch, nicht nur im Jahresmittel sondern auch im Tag-Nacht-Unterschied. Entsprechend aromaintensiv entwickeln sich die Beeren. An den Ausläufern der Bergregionen finden sich Schiefer, Ton, Lehm, Sand, Löss und Kieselböden.  Meist sind diese Schichten unterfüttert mit Schiefer oder Grauwacke samt guter Drainage. Central Otago liefert gerade einmal 3% der Gesamtweinproduktion in Neuseeland, allerdings mit deutlich steigender Tendenz. Pinot Noir liegt hier mit knapp 1.400 Hektar um ein Vielfaches vor aromatischen Rebsorten wie Pinot Gris, Riesling oder Gewürztraminer. Chardonnay und Sauvignon Blanc liegen dagegen bei je knapp über 40 Hektar.


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