originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Drei Weine von Benedikt Baltes – Weingut Stadt Klingenberg

13/Mrz/14 16:01 kategorisiert in: Pinot Noir / Spätburgunder, Portugieser

Gestern hatten wir zum ersten Mal drei Weine eines Weinguts in der Live-Sendung bei WRINT Flaschen. Ich hatte mich bei der Weinauswahl für ein Weingut entschieden, das für mich (und natürlich nicht nur für mich) zu den Aufsteigern der letzten Jahre gehört. Es handelt sich um das Weingut Stadt Klingenberg. Es heißt deshalb so, weil es bis vor wenigen Jahren der Stadt gehörte. Doch es gab Missmanagement und Scherereien, irgendwann stand es zum Verkauf und einer, der das Weingut haben wollte, war der Mayschosser Benedikt Baltes. Er, Sohn eines Winzerehepaares von der Ahr ist mit Spätburgunder aufgewachsen und das ist genau das, was es in Klingenberg hauptsächlich gibt. Der Spätburgunder steht vor allem in arbeitsintensiven historischen Steillagen. Diese sehenswerten Lagen erfordern, wenn man es richtig machen will, enorm viel Arbeitsaufwand (gerne mal 2.000 Stunden pro Hektar). Doch der Erfolg gibt Benedikt recht, es lohnt sich, diese Zeit zu investieren.

Benedikt Baltes vor ausgewählten Fässern mit Hölzern aus der Region, Foto © Andreas Durst

Benedikt Baltes vor ausgewählten Fässern mit Hölzern aus der Region, Foto © Andreas Durst

Heute habe ich die gestern geöffneten Weine noch mal nachverkostet. Natürlich haben sie sich weiterentwickelt. Der 2011er Portugieser vom Buntsandstein ist deutlich fruchtiger geworden. Gestern lag für mich das trockenholzige, das etwas Erdige und Kräutrige im Vordergrund, heute ist es deutlich mehr die Kirsche und ein bisschen Holunder. Dahinter dann das Bett aus Trockenkräutern. Am Gaumen ist dieser Wein, der so leicht und durchsichtig schimmert wie ein Spätburgunder, kräftig, hat Substanz und Struktur. Das hat nichts mit der dünnen Plörre zu tun, die man so gemeinhin bei Portugieser erwartet. Das erinnert mich eher daran, als ich zum ersten Mal den Trollinger von Hans Hengerer probiert habe, da war ich ähnlich überrascht. Was wirklich Spaß macht an dem Wein, ist seine Ernsthaftigkeit, ich kann es nicht anders ausdrücken, seine Balance zwischen Erdverbundenheit und leichter Fruchtigkeit und vor allem die Säure. die war gestern bei ersten Glas noch etwas zu präsent, jetzt hat sich sich längst integriert und gibt dem Wein etwas Erfrischendes. Dass dieser Wein € 7.50 kostet ist eigentlich ein Witz, nein, ein Segen, denn so viel Trinkspaß unter € 8,- gibt es nur selten.

die drei Weine und eine Hand voll Buntsandstein. Foto rechts © Andreas Durst

Die drei Weine und eine Hand voll Buntsandstein. Foto rechts © Andreas Durst

Der zweite Wein des Abends war der 2011er Rücker Spätburgunder. Ortslage aus Rück, etwas von Klingenberg entfernt, etwas andere Ausrichtung, wärmer und alkoholreicher als die Klingenberger Lagen. Dieser Wein war gestern schon sehr offen, üppig und reif. In der Nase findet sich ein ähnlicher, altholziger Ton, unterstützt von erdigen und steinigen Aromen. Damit verwoben ist die Frucht aus reifen roten und schwarzen Beeren, die wirken als habe man sie mit Crème Double gemischt. Dazu taucht schon in der Nase das Mineralische auf, eine deutliche Salznote und selbst die Säure meine ich im Duft zu spüren. Am Gaumen ist der Wein, wie auch gestern, üppiger, als die recht kühle Nase preis gibt. Reife Beeren, Holz, ein süßer Kern, gleichzeitig erdverbunden, genau die richtige Säure, dazu etwas Bitterschokolade und Virginiatabak. Das ist echt richtig gut. Dass es den Wein für € 12.50 gibt, macht die Sache noch besser. Kaufen!

Ist schon steil dort. Foto © Andreas Durst

Ist schon steil dort. Foto © Andreas Durst

Ebenfalls auf Ortswein-Niveau steht der 2011er Klingenberger Spätburgunder. Dieser Wein hat mit 13% ein halbes Prozent weniger Alkohol als der Rücker. Er wirkte gestern sehr verschlossen, erst mit langer Wartezeit im großen Zalto-Burgunderglas wurde er etwas zutraulicher. Aber hey, das ist 2011, das muss jetzt noch nicht aus dem Glas springen. Was heute jedoch noch klarer wird als gestern ist die Feinheit und Eleganz, die dieser Wein immer behalten wird. Der wird nie so expressiv wie der Rücker, soll er nicht, will er nicht. Dieser Klingenberger setzt überhaupt nicht auf opulente Frucht, hat mit dem, was wir früher mal und leider heute immer noch zu oft als Deutschen Spätburgunder wahrgenommen haben nichts zu tun. Da ist nicht mehr diese plumpe Erdbeer-Himbeeraromatik, da ist vor allem kein plumpes Holz. Das Holz hier ist zurückhaltend und tragend, mehr nicht. Wenn also das Holz nicht im Vordergrund steht und auch nicht die üppige Frucht, was dann? Es ist die Duftigkeit, das Steinige, das Mineralisch-Salzige, es sind Kräuter und die leicht pfeffrige Note, es ist dieser Hauch von Kirsche, ein wenig Eisen habe ich in der Nase und dann wieder diese beeindruckende Säure, die diesen Wein mit trägt. Eleganz, Balance und Vielschichtigkeit zeichnen diesen Wein aus. Der Wein liegt bei € 17.00. Das ist für einen Spätburgunder dieser Klasse ebenfalls keineswegs teuer, eher im Gegenteil.

Die Weine gibt es bei K&M-Gutsweine

Felton Road – Neuseeland Pinot auf internationalem Spitzenniveau

11/Nov/13 13:00 kategorisiert in: Alles Bio, Pinot Noir / Spätburgunder, Rot, Neuseeland

Kürzlich traf ich Nigel Greening im Rahmen der Roadshow New Zealand Wines all over Germany und ich hatte endlich einmal die Möglichkeit, einiger seiner Pinots zu probieren. Nigel Greening ist der Inhaber von Felton Road. Das Weingut liegt im Herzen von Central Otago und gehört zu den wenigen voll zertifizierten biodynamisch arbeitenden Betrieben dort.

Nigel Greening Portrait

Nigel Greening, Inhaber von Felton Road

Gerade in einem Vergleich mit anderen Weinen aus Neuseeland wird deutlich, wie stark sich biodynamische Wirtschaftsweise auf die Weine auswirkt. Neuseeland ist weltweit bekannt für das hohe Niveau, auf dem sich der Weinbau dort bewegt. Schlechten Wein aus Neuseeland bekommt man eigentlich nicht. Was ich aber zunehmend problematischer finde, und das fällt mir gerade beim Sauvignon Blanc aus Neuseeland auf, ist die Seelenlosigkeit der Weine. Alles ist supersauber gemacht, doch schmeckt es eben vor allem nach perfekter Kellertechnik. Das macht viele Weine im Boomland Neuseeland für mich ziemlich unattraktiv. Allerdings gibt es glücklicherweise auch die andere Seite der Medaille und eines dieser anders arbeitenden Weingüter ist eben Felton Road. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Weg, den Felton Road eingeschlagen hat und den ja in Teilen auch beispielsweise Dog Point geht, der Weg ist, den viele Spitzenweingüter in Neuseeland auf Dauer gehen werden. Nachhaltigkeit wird dort ja eh schon groß geschrieben doch für die, die wirklich hoch hinaus wollen und Weine mit individuellem Charakter keltern wollen, kann Felton Road nur Vorbild sein.

Einigen Flaschen neuseeländischen Pinot Noirs

Deutlich wird der Unterschied zu den meisten anderen Neuseeland-Pinots schon in der Frucht. Während viele Weine aus diesem Gebiet eher Richtung Erdbeeren und Himbeeren im Geschmacksprofil tendieren, wirken die Felton Road Weine deutlich dunkler. Schwarzkirschen und Brombeeren sind hier präsent. Dazu schmecken die Pinots von Felton Road erdiger und, ja, eben auch mineralischer. Dazu kommt eine deutlich florale und auch kräuterige Note, die ich bei beiden Felton Road Weinen wahrnehmen konnte, die ich probiert habe. Die Weine, die glücklicherweise nur eine zurückhaltende Holznote aufweisen, sind bei aller Erdverbundenheit elegant. Was hier beeindruckt ist die Kombination aus Struktur und Frucht. Die Felton Roads Pinots haben alle eine Basis, auf denen die deutliche Frucht, die den neuseeländischen Weinen auf Grund des speziellen Klimas eigen ist, aufsetzt. Dieses Zusammenspiel macht die Felton Road Weine charaktervoll und ausgesprochen harmonisch. Für mich sind das die ersten neuseeländischen Pinot Noirs, die wirklich in der internationalen Spitzenklasse mitspielen. Probiert habe ich, nebenbei gesagt, die noch blutjungen 2012er Pinot Noir Bannockburn und Calvert, wobei der Calvert die Flightpartner auf dem Foto oben, die jetzt auch nicht zu den ganz Schlechten zählen, meiner ansicht nach um eine gute Länge geschlagen hat. Durch den zurückhaltenden Holzeinsatz, die pure, jetzt deutliche Primärfrucht und angenehme Säure, machen diese Weine auch in diesem jungen Stadium viel Spaß.

Central Otago ist übrigens mit 45 Grad Süd das Südlichste aller Weinbaugebiete. Die Temperaturschwankungen sind hoch, nicht nur im Jahresmittel sondern auch im Tag-Nacht-Unterschied. Entsprechend aromaintensiv entwickeln sich die Beeren. An den Ausläufern der Bergregionen finden sich Schiefer, Ton, Lehm, Sand, Löss und Kieselböden.  Meist sind diese Schichten unterfüttert mit Schiefer oder Grauwacke samt guter Drainage. Central Otago liefert gerade einmal 3% der Gesamtweinproduktion in Neuseeland, allerdings mit deutlich steigender Tendenz. Pinot Noir liegt hier mit knapp 1.400 Hektar um ein Vielfaches vor aromatischen Rebsorten wie Pinot Gris, Riesling oder Gewürztraminer. Chardonnay und Sauvignon Blanc liegen dagegen bei je knapp über 40 Hektar.

Sommerwein aus dem Supermarkt – Jürgen von der Mark Pinot Noir 2010 zum Flammkuchen

07/Aug/13 10:11 kategorisiert in: Abschweifungen, Pinot Noir / Spätburgunder, Rezepte

Gestern hatte ich spontan Lust auf Flammkuchen. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann dies das letzte Mal so war. Aber bitte. Gestern hatte ich auch große Lust, abends einen Film von Won Kar Wai zu sehen. Das kommt bei mir häufiger mal vor. Der erste Wunsch konnte befriedigt werden, letzterer nicht, ich habe den Abend am Schreibtisch verbracht.

von_der_mark_pinot_flammkuchen

Gestern mittag im Büro erinnerte ich mich an den ausgesprochen gelungenen Flammkuchen eines Freundes, den dieser in rauhen Mengen zur Präsentation des Weinprojektes Mannwerk hergestellt hatte und sich dabei an einem Rezept der Lamiacucina orientiert hatte. Wie ihr selbst nachlesen könnt, braucht der Flammkuchen Zeit, also die Vorbereitung, denn der Kuchen wird mit Hefe gebacken. Es war klar, dass ich diese Zeit nicht haben würde, wenn ich um 18 Uhr zuhause einträfe. Es sei denn, wir hätten Flammkuchen als Nachtmahl zu uns genommen, doch das war nicht geplant. Bei der Suche nach einem Alternativrezept bin ich bei der Brigitte gelandet und der einfache Boden ohne Hefe war ein Volltreffer. Ich bin auch gar nicht so ein großer Fan von Hefe und dieser Boden war schmackhaft und ließ sich ohne Probleme genauso dünn ausrollen, wie ich es mag. Also 220 Gramm Weizenmehl, 100ml Wasser, ein Eigelb, drei Esslöffel Öl und etwas Salz. Das wars. Für den Belag gab es klassisch Crème fraîche mit Speck und Zwiebeln, vermengt mit Salz und Pfeffer. Köstlich. Ich habe übrigens, ich war etwas forsch bei der Sache, die doppelte Menge genommen, was zur Folge hatte, dass unsere Nachbarn auch noch mit Tarte flambé gesegnet wurden.

Diese elsässische Form der Pizza geht auf ähnliche Ursprünge zurück wie die italienische Form. Ein bäuerliches Essen ist das, das immer dann zubereitet wurde, wenn gebacken wurde. Um Brot zu backen, braucht man exakt die richtige Temperatur im Steinofen, bis diese erreicht war, hat man die Reste des Brotteigs genommen, ausgerollt und darauf gelegt, was gerade so da war. Da Milchprodukte in elsässischen bäuerlichen Betrieben immer vorhanden waren, hat man im Elsass Crème fraîche genommen. Im Süden Italiens sind Tomaten häufiger anzutreffen.

Als Weinbegleitung hätte sich angeboten, einen elsässischen Wein zu nehmen, zum Beispiel einen Edelzwicker vernünftiger Qualität. Allein, der war nicht vorhanden und so bin ich mal wieder in den Supermarkt gegangen, um mir eine Flasche von der anderen Seite des Rheins zu kaufen. Beim Rewe gibt es Weine, die von einem der seltenen Masters of Wine betreut werden. Die Serie heißt Jürgen von der Mark und der Wein ist ein Pinot Noir aus dem Jahre 2010. Ein badischer Wein, der aus Traubenmaterial hergestellt wird, das am Kaiserstuhl und in der Ortenau wächst. Er kostet €5.99 und ist ohne Frage der beste Rotwein, Spätburgunder erst recht, den ich im LEH für so wenig Geld bisher erworben habe. Der Vorgängerjahrgang war schon gut, dieser hier ist noch deutlich besser. Er hat alles, was einen Spätburgunder ausmacht. Er hat eine schöne Frucht, ohne dass diese zu vordergründig und überladen wäre, er ist nicht fett sondern hat eine gute Frische – lediglich als der Wein dann irgendwann bei hohen Außentemperaturen zu warm war, machte sich ein leichter Klebstoffton bemerkbar, doch das kann man dem Wein nicht vorwerfen, eher mir. Was diesem Wein wirklich gut steht, ist der moderate Holzeinsatz. Acht Monate lag der Wein in gebrauchten Barriques. Das Holz ist also zu spüren und gibt dem Wein Struktur. Gleichzeitig bleibt die Holznote im Hintergrund und drängt sich nicht auf. Bei aller Skepsis, die ich den LEH-Geschöpfen, die ja wirklich in Masse hergestellt werden, entgegen bringe – das ist ein Wein, den ich für diesen Preis nur weiterempfehlen kann.

Was übrigens, und dann komme ich auch zum Schluss, ebenfalls positiv auffällt, ist das wertige Etikette mit schöner Typo und matten Papier. Auch das ist in dieser Preislage nicht alltäglich. Und schließlich gibt es hierübrigens ein Interview mit Jürgen von der Mark auf der Rewe-Seite.

WRINT – Flaschen 7 – Pinot aus Deutschland

14/Jun/13 10:45 kategorisiert in: Pinot Noir / Spätburgunder, Rot, Deutschland, WRINT Flaschen

Gestern gab es unseren Flaschen-Podcast zum ersten Mal live und wir haben neben den üblichen Abschweifungen tatsächlich über Pinot geredet und zwar über drei im Besonderen, von denen der Bassermann-Jordan leider eine Pleite war. Dafür waren die beiden anderen Pinots, die sich auch wirklich so nennen und nicht, wie hier eigentlich üblich Spätburgunder, wunderbar. Von der Ahr, aus dem Hause Josten & Klein ein junger 2012er, der aus jeder Pore nach Sommerwein, nach gerade geernteten Sauerkirschen und nach Frische schmeckte. Für mich eine lang erwartete und tatsächlich große Entdeckung war die Einstiegsqualität des 2 Hektar Weingutes Enderle & Moll. Schon für 11.90 € bekommt man hier Charakter-Pinot von erstaunlicher Qualität. Der Mitschnitt der Sendung und alle weiteren Infos und Show-Notes gibt es wie immer hier.

 


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