Auf einem Bett aus vollreifer Maracuja lümmelt sich ein wenig Vanillecrème und grüner Tee (jedoch nur in der linken unteren Ecke des Glases), ein Hauch von Süßholz und salziges Gestein. Das Gesteinssalz wirkt auf der Zunge dabei deutlich dominanter als in der Nase.
Später dann, am zweiten Tag verlässt das Samtigweiche, das Maracujahaft-Süße den Wein und die Grapefruit drängelt sich nach vorne und verbinden sich mit der Würze des Rotliegenden Gesteins.
Die Weine von Axel Koehler, hier habe ich mehr über ihn geschrieben, gefallen mir dieses Jahr noch besser als im letzten Jahr. Die Weine sind so voller Spannung und Dichte wie nur wenige, die ich dieses Jahr (in dieser Preisklasse) probiert habe. Sie sind ein klein wenig weniger wild als vorher ohne auch nur eine Spur an Charakter eingebüßt zu haben.
Ich sage jetzt mal: Kaufen kann man die Koehlerschen Weine ab kommenden Freitag hier bei mir unter gleicher Adresse. Denn dann sollte ich endlich so weit sein mit meinem Webshop.
Vorletzten Samstag haben wir uns in Bonn zu einer kleinen Runde getroffen, um eine Reihe 1990er Rieslinge von Mosel, Saar und Ruwer zu probieren. Der 1990er Jahrgang gilt als Referenzjahrgang für beste Rieslingauslesen aus diesem Anbaugebiet und wir konnten uns ein Bild davon machen, wie es nun, 20 Jahre später um die Frische dieser Weine steht.
Scharzhofberg und Seeriger Schloß Saarstein
Begonnen haben wir zunächst mit einem Scharzhofberger Kabinett von Egon Müller, der allerdings die beste Zeit deutlich hinter sich hat. Alterungsnoten sind sowohl in der Nase als auch am Gaumen prägnant, Gummi, Moder und Satz von schwarzem Tee dominieren diesen ermattet wirkenden Wein.
Mehr Frische und Säure dagegen weist die Scharzhofberger Spätlese auf, die damals noch von der Hohen Domkirche abgefüllt wurde, die heute zu den Bischöflichen Trierer Weingütern gehört. Auch hier zunächst Gummi in der Nase, dann dominiert roter Apfel. Am Gaumen kommt eine cremige Komponente hinzu. Leider verschwindet der Wein relativ schnell im Nachklang, was für mich der einzige Kritikpunkt dieses sonst noch gut strukturierten Rieslings wäre.
Die Seeriger Schloß Saarsteiner Spätlese findet da nicht mehr so ganz zu sich selbst. Da fehlen ein wenig die Struktur und das Säuregerüst, der Wein wirkt etwas zu fruchtsaftig, durchsetzt mit Noten von schwarzem Teesud. Es ist ein wenig schade drum; denn die feine Herbe am Gaumen und die floralen Noten gefielen mir bei diesem Wein sehr gut.
Prüm, Haag, Müller
Im zweiten Flight dann fanden Mosel und Saar zusammen. Über die Frage, ob nun die Wehlener Sonnenuhr Spätlese von J.J. Prüm besser gefiele als die Brauneberger Juffer Spätlese von Haag, waren wir uns nicht recht einig.
Mir persönlich wirkte der Riesling aus der Lage Wehlener Sonnenuhr eine Spur zu eindimensional, füllig, etwas zu fruchtsüß oder, umgekehrt gesagt, es fehlte ein wenig, wirklich nur ein wenig die Säure, die die Süße optimal abgepuffert hätte. Im Gegensatz zum Prüm wirkt Haags Spätlese aus der Lage Brauneberger Juffer frischer, filigraner, fast vibrierend, fein und mineralischer. Es gibt Alterungsnoten bei diesem Wein, aber die stehen im Hintergrund. Hätte ich es nicht gewusst, wäre ich nie darauf gekommen, dass der Wein zwanzig Jahre auf dem Buckel hat.
Der Scharzhofberger Spätlese von Egon Müller stand dieses Alter ganz gut. Ein herber Wein mit leichter Bitternote und einem Duft von, wir hatten den Eindruck, asiatischen Blumen, dazu Apfel und etwas Lakritze, unterlegt mit einer salzigen Mineralität, die ich in den vorherigen Saarspätlesen etwas vermisst hatte. Mit der zweiten Runde bewegten wir uns schon auf einem guten Niveau. Die Runde wurde abgeschlossen von einer 2000er Spätlese von Haag, diesmal sogar aus der Lage Brauneberger Juffer Sonnenuhr. Die hat mir aber gar nicht so gut gefallen wie 1990er Spätlese aus der größeren, günstigeren Lage. Der Wein wirkte auf mich ein wenig leicht, zu wenig greifbar.
Und dann die Auslesen…
Die Riege der Auslesen begann mit einer aus dem Graacher Domprobst vom Weingut Selbach-Oster. Dieser Riesling hat zunächst etwas Medizinisches in der Nase, als sei etwas Salbengrundstoff beigemischt. Der Wein besitzt eine feine Herbe, ich schmecke etwas Tee, Aprikose, leicht Bitterorange und Quitte. Der Domprobst macht was her, so wie man sich eine stattliche Gestalt so vorstellt, füllig ist er, stoffig, mit einer gewissen Eleganz ausgestattet.
Die Auslese aus dem Herrenberg von Maximin Grünhaus stammt dann nicht aus dem Jahr 1990, da hat unser Gastgeber im Keller daneben gegriffen oder irgendwann falsch einsortiert und dies erst gemerkt, als die Flasche schon geöffnet war. Wir trinken also eine 1988er Auslese, die zunächst einmal so riecht, als habe jemand Geranien frisch umgetopft und mit Eistee begossen, in dem ein wenig aufgeschnittener Apfel schwamm. Stoffig wirkt die Auslese, mit markanten Noten von Quitten und Apfel, allerdings kann sie den Geruch des Umgetopftseins nicht ganz abstreifen.
Leider hatte die Auslese aus dem Eitelsbacher Karthäuserhofberg vom Karthäuserhof mit TCA zu kämpfen, was recht schade war; denn trotz Korknote wirkte der Wein großartig mit einem hervorragend ausbalancierten Süß-Säurespiel und satter, dichter, verschwenderischer Frucht.
Wir blieben an der Ruwer, wechselten allerdings wieder hinüber zu Maximin Grünhaus, diesmal zum Abtsberg, zu einer Auslese aus dem Fuder 101. Ein großartiger Wein, gradlinig, klar mit leichter Lakritz- und Medizinnote, kräutrig, salzig mineralisch mit ein wenig grünem Apfel und Johannisbeere. Ganz klar und frisch ist die Abtsberger Auslese mit markanter Säure und Schmelz, ein Charakterwein, den ich ausnehmend gut fand.
Voller als der Abtsberg wirkt die Auslese aus der Brauneberger Juffer Sonnenuhr von Fritz Haag. Einige Bitternoten von Limetten mischen sich in die Steinobstfrüchte. Dazu eine Note, die mich an norwegischen Karamellkäse erinnert. Erstaunlich finde ich auch hier die immer noch so präsente Säure.
Beerenauslese Röttgen 2000, Heymann-Löwenstein
Was zum Schluss als Überraschung auf den Tisch kam, ist denkwürdig. Die 2000er Beerenauslese von Heymann-Löwenstein ist ein ziemlicher perfekter Wein. Eine sehr, sehr dichte, reintönige Frucht steht im Glas und verströmt Aromen von Aprikosen, Mirabellen, Pfirsichen, Orangenschalen, all das frisch und getrocknet, dazu Honig und Minerale. Das setzt sich nahtlos am Gaumen fort, hat unglaubliches Volumen, bleibt dabei aber filigran, weil die Säure einfach so perfekt in der Mitte dieser cremigen Fruchtexplosion steht. Da hört dann auch irgendwann die Möglichkeit der Beschreibung auf, wenn ein Wein so perfekt ausbalanciert ist. Jetzt kann ich die Augen schließen und mir diese Beerenauslese noch mal auf die Zunge denken.
Michael und ich hatten gestern dank der Wirtschaftsförderung der Stadt Goch, kom.M, einmal mehr die Möglichkeit, ungewöhnliche Weine an ungewöhnlichen Orten zu präsentieren. Nach dem Museum Goch, der Druckstraße von B.O.S.S.-Druck und dem Fünf-Ringe-Haus war es diesmal die Weltenbühne im Ortsteil Hassum – ein Schmuckstück aus der Sammlung des verrückten Puppenspielers Heinz Bömmler. Heinz nennt sich selber so, dabei ist er alles andere als das. Er ist ein versierter Geschäftsmann, der seine Sammelleidenschaft zum Lebensinhalt gemacht hat und dessen Weltenbühne nur ein kleiner Teil dessen ist, was unter Viller Mühle firmiert und weit über den Niederrhein hinaus bekannt ist – zum einen als Veranstaltungsort prominenter Kabarettveranstaltungen, Beispielsweise der WDR-Reihe Hart an der Grenze, zum anderen als Hort von unzähligen Alltagsprodukten und ganzen Kulissen vergangener Zeiten, die hier für historische Film- und Fernsehaufnahmen regelmäßig geliehen werden.
Die Weltenbühne war für uns der geeignete urige Rahmen unserer kleinen Reihe, in der wir uns am Niederrhein mit dem Oberrhein beschäftigt haben. Wer sich fragt, wie es dazu kam, außer dass am Oberrhein eindeutig gute Weine gemacht werden? Es ist schlicht der gerade aktuelle Spargel, der beide Regionen ganz nahe aneinander rücken lässt und der das Verbindungsglied des Abends darstellte.
Bis auf einen Abstecher an den Vorderrhein, genauer gesagt nach Malans in der Bündner Herrschaft, haben wir uns also mit dem Markgräfler Land, dem Bodensee, dem Zürichsee, dem Schwarzwald und dem Elsass beschäftigt und mit einer Riege von André Stentz begonnen.
Es ist jammerschade, dass die Elsässer Weine im allgemeinen solche Ladenhüter sind, gibt es hier doch wahre Schätze zu bergen und auch unauffällige Kleinodien zu entdecken. André Stentz, einer der frühen Vorreiter der elsässischen Bioszene, der mittlerweile alle guten Winzer dort angehören, macht seit vielen Jahren einen der besten Crémants, die ich kenne. Der 2008er Crémant d’Alsace aus Pinot Blanc, Pinot Gris und Chardonnay beweist dies ein weiteres Mal. Eine feine Perlage, ein frisches Aroma von Brioche und Nüssen in Verbindung mit mürben Früchten wird durch eine feine Säure herrlich gepuffert. Der Crémant d’Alsace Rosé, neu im Programm, wirkt ebenso fein. Der Pinot Noir aber dreht den Aromenkreis in eine ganz andere Richtung von satten roten Früchten. Ähnlich überzeugend wie die Crémants wirkte der Gutsriesling, der Riesling Alsace AOC des Hauses André Stentz. Trocken, luftig, frisch, mit einer feinen blumigen Note – aromatisch also, aber überhaupt nicht ausladend, sondern eher filigran und fein.
Bis zum Spargelessen führte die Reise vom Elsass aus zurück über die Grenze in die Nähe von Lörrach, wo Gerd Schindler im Weingut Lämmlin-Schindler einen hervorragenden Weißburgunder aus dem Mauchener Sonnenstück vinifiziert hat.
Weiter ging die Reise durch das Ländle und den dortigen Rebsortenspiegel zum Auxerrois der Aufrichts, die ich hier, hier und hier mal ausführlicher beschrieben habe. Der Auxerrois aus den Meersburger Lagen am Bodensee wirkte allerdings ein wenig zu dropsig, um auf Dauer spannend zu sein.
Deutlich spannender und so gelungen wie so ziemlich alles, was Alexander Laible so anpackt als Winzer, ist der Chardonnay SL***. Ein fruchtiger Chardonnay voller Kraft und gleichzeitiger Finesse. Herrlich ausgewogen zwischen Frucht, einer salzigen Aromatik und einer angenehmen Säure. Wenn auch noch sehr jung, wir haben den aktuellen 2009er Jahrgang probiert, gefällt dieser Weine, wenn auch manche Teilnehmer des Abends etwas Schwierigkeiten hatten, sich durch den krautig-gemüsigen Duft der Spontangärung durchzuarbeiten.
Zum Spargel dann gab es Ziereisens Gutedel Heugumber. Wer meinen Blog liest, kann mehr zu Hanspeter Ziereisen finden. Der Heugumber ist für mich einer der Sommerweine, nicht nur zum Spargel. Leicht, beschwingt, mit feiner Frucht und Würze, wenig Säure und Alkohol zum moderaten Preis ist das ein richtiger Spaßwein.
Der Wein zum Dessert kam da aus einer ganz anderen Liga. Zurück im Elsass widmeten wir uns dem Gewürztraminer Furstentum Gran Cru Vielles Vignes der Domaine Albert Mann aus dem Jahr 2007. Die Lage Furstentum wird bereits im Jahr 1330 in den Weininventarbüchern des Klosters Basel erwähnt. Der Gewürztraminer ist eine Wucht im wahrsten Sinne. Er dürfte gerade jetzt am Anfang seiner Trinkreife stehen, entfaltet im Laufe des Abends – wir haben ihn früh vorher geöffnet – ein großartig dichtes Aromenspektrum von Rosen, Litschi und Grapefruit in Kombination mit dieser markanten, sortentypischen leicht herben Würze. Eine Wucht aber auch deshalb, weil dieser Wein trotz ordentlicher Restsüße noch 13,5 % Alkohol beisteuert. Das ist nicht leicht zu verkraften, macht aber, wenn man diesem Wein Zeit widmet – Michael und ich haben dies dann nach der Veranstaltung noch ein wenig ausgedehnter getan –, sehr viel Freude.
Die Rotweine des Abends haben leider nicht nur polarisiert, das war uns klar, nein, anscheinend haben wir das Publikum ein wenig überfodert. Zwei Pinot Noir, ein Gamaret und ein Syrah standen auf dem Programm. Das sind letztlich alles nicht unbedingt Weine für Menschen, die sich nur selten tiefer mit dem Thema Wein auseinandersetzen.
So überraschte uns, dass selbst der 2007er Spätburgunder Markgräfler Land von Martin Wassmer den wenigsten zusagte. Ein burgundisch ausgebauter Typ, straight, aber nicht zu kompliziert mit einer angenehm weichen Holznote im Finale. Noch ablehnender standen die meisten dem Blauburgunder 2005 Zur Krone Malans von Anton Boner-Lichti gegenüber. Wirklich überzeugend fand ich diesen Wein allerdings auch nicht, genauso wenig den Gamaret aus der Staatskellerei Zürich. Auch diesen hatten wir vorher geöffnet und kurz probiert. Dabei wirkte der Wein aus der 1970 gezüchteten Traubensorte, die praktisch ausschließlich rund um Zürich angebaut wird, zunächst ganz spannend, weil sie wie keine andere Traube nach frisch gekochtem Rotkohl riecht, nach Rotkohl mit Nelke und ein wenig Pfeffer. Schwer wirkte er in der Nase, weicher und samtiger dann war er am Gaumen. Zweieinhalb Stunden später am Abend wirkte der Wein dann schon etwas müde und ich hatte starke Assoziationen an mit Maggi versetzte Würzsoße.
Für mich über jeden Zweifel erhaben war zum Schluss der 2007er Syrah Gestad von Hanspeter Ziereisen. Ein ausgezeichneter Wein, dessen Aromen von Teer zwar auch nicht allen zusagten, wohl aber mehr Teilnehmern des Abends. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich diesen Wein probiere. Ein Cool-Climate Syrah, nicht schwer, nicht fett, nicht überbordernd. So wie Hanspeter Ziereisen auch seine Blauburgunder zunehmend ausbaut, wird auch der Syrah immer filigraner und präziser. Die kleinen Mengen sind schnell ausverkauft und nicht einmal die Ziereisens konnten uns aus ihrem Keller noch etwas schicken. Bernd Klingenbrunn & Armin Maurer, kurz K&M Gutsweine, aber hatten noch eine Magnum für diesen Abend, die sie uns glücklicherweise kurzfristig zusenden konnten; denn sonst wäre das Rebsortenspektrum des Abends um eine Attraktion ärmer gewesen.
Eine schöne Reise war’s, eine Reise mit einigen Einblicken in eine alte Kulturlandschaft, die genauso oft gespalten wurde durch Kriege und Verwüstungen wie sie auch immer wieder zusammengefunden hat in gemeinsamen Interessen und Traditionen. Und eine Weinreise ist sie auf jeden Fall wert.
Während Bonn gepflastert ist mit Ankündigungsplakaten zum Konzert von Andreas Vollenweider & Freiluftorchester … Moment Vollenweider? Ist das nicht der, der Tonabnehmer an seine Harfe gebastelt hat und in den Achtzigern die Sphärenmusik mitbestimmt hat, die Hintergrund jedes seriösen Wetterberichtes war? Ja, das ist er. Mich hat es auch gewundert, dass er noch öffentlich Saiten zupft.
Während die Stadt sich also auf dieses Konzert vorbereitet, habe ich mit Siggi mal ein paar Weine eines ganz anderen Vollenweider probiert, eines, der seit einigen Jahren an der Mosel Wein macht, aber nicht nur den gleichen Namen trägt wie der Barde, sondern ebenso wie dieser aus der Eidgenossenschaft stammt.
Daniel Vollenweider, so sein voller Name, ist einer, den mal vor einigen Jahren eine Scharzhofberger Riesling Auslese so gepackt hat, dass er an die Mosel gefahren ist, winzige Lagen rund um Traben-Trarbach gekauft hat und seitdem Wein macht – verkürzt natürlich nach eigener Aussage. Ab Hof verkauft er die wenigen produzierten Flaschen nicht, es gibt nur einige wenige Händler, aber der Ruf seiner Weine ist ausgezeichnet.
Bisher hatte ich nichts von ihm getrunken, an diesem Abend aber haben wir zwei Weine geöffnet, immer im Vergleich mit einem Wein anderer Winzer und Lagen aus dem Großgebiet Mosel.
Der 2008er Schimbock riecht im ersten Moment ein wenig unangenehm, so als hätte jemand das Zimmer nicht gelüftet, in dem sich vorher ein Verschwitzter aufgehalten hat, dazu kommt etwas Soßiges. Das verfliegt aber mit der Zeit und zum Vorschein kommt ein noch etwas verhalten wirkender Jüngling. Eine feine Mineralität und Würze findet sich in diesem Wein und ein Hinweis darauf, dass er noch ein bisschen seine Ruhe haben möchte.
Viel vitaler und agiler ist der 2008er Grünhäuser Abtsberg Superior. Da hat man zwar erst mal den Eindruck, man würde die Nase über eine frisch geöffnete Tüte Haribo-Goldbären halten, über die jemand eine ganz feine Prise Fleur de Sel gestreut hat, aber auch dieser Duft verfliegt und weicht dem Duft eines frischen Apfels mit Salz und Würze. Diese Aromen finden sich dann auch wieder im vollsaftigen Geschmack. Kernobst und frischer Apfel mit salziger Mineralität und Kräuterwürze, einem feinen Hauch von Lakritzen und einer leichten, sehr angenehmen Bitternote. Das Filigrane des Schimbock geht dem Abtsberg der C. von Schubertschen Gutsverwaltung Maximin Grünhaus, so der ellenlange volle Titel, tatsächlich ab. Aber weh tut es mir darum kein bisschen. Dieser Wein macht so viel Spaß, ist dicht und frisch und die Harmonie von feiner Säure, Mineralität und Süße ist das, was ich an restsüßem Riesling liebe.
Die zweite Gruppe bildeten die 2007er Spätlese Goldkapsel aus der Wolfer Goldgrube von Vollenweider sowie die 2007er Spätlese aus der Lage Brauneberger Juffer von Fritz Haag.
Wie auch der Schimbock hat Vollenweiders Wein aus der Goldgrube als Unterton ein wenig was Gemüsiges in der Nase, dies wird aber überlagert durch einen Strauß Blüten und einige Bonbons. Im Mund vibriert diese 07er Spätlese, als sei sie kaum zu bändigen. Eine herrlich deutliche Mineralität liegt unter der Süße, neben feinen Birnenaromen wirkt der Wein leicht nussig. Im Gegensatz zum viel breiteren Haagschen Wein hat die Wolfer Goldgrube mit Bodenhaftigkeit nichts am Hut. Der Wein, dessen Trauben von Stöcken mit wurzelechten Reben stammen, schwebt und wirkt sehr sehr jugendlich.
Daneben wirkt der ebenfalls exzellente Riesling aus der Brauneberger Juffer Sonnenuhr fast ein wenig breit – allerdings nur im direkten Vergleich. Hier herrschen satte, vollreife, fast kandierte Pfirsicharomen vor, in der Nase kommt etwas Ananas hinzu. Auch dieser Wein ist sehr gut ausbalanciert und trägt so eine Form von Noblesse mit sich herum. Ein Zeugnis von Tradition, exzellenten Lagen, ausgezeichnetem Traubenmaterial und viel, viel Erfahrung. Haags Weine sind Jahr für Jahr eine Bank, auf die man sich noch verlassen kann.
Das Bedrückende an diesem Wein ist, um es vorweg zu sagen, die schlechte Qualität der Korken. Allein drei Flaschen meines Sechser-Kartons hatten bisher Kork. Das ist sehr ärgerlich wegen des Preises und auch wegen des entgangenen Genusses eines Weines, der ansonsten sehr viel Spaß macht. Leichte Alterungsnoten mischen sich in eine Melange aus Honig, sattem hochreifen Steinobst und etwas Panna Cotta.

Ein sehr cremiger Riesling mit einigem Restzucker, feiner Säure, schönen Mineralen und herrlichen Südfrüchten. Allein der Abgang scheint etwas kurz geraten bei diesem reifen Wein, über dessen Schöpfer und Weingut so viel geschrieben worden ist in den letzten Jahren, dass ich mir das an dieser Stelle spare.
Amüsant aber ist, wo ich gerade die bisherigen drei Artikel verlinke, dass im ersten steht, dass ich den 2005er Saar Riesling bei einem Freund getrunken habe, der sonst keinen Riesling trinkt und dieser der Einzige sei, den er mögen würde. Gestern habe ich der Burgunderfrau einen eingeschenkt und siehe da, jene, die sonst Riesling als Fiesling verschmäht, fand Gefallen an diesem vollen, reifen Tropfen, dem anscheinend eine gewisse Riesling-Markanz abgeht, die die meisten anderen Weine dieser Rebsorte sonst wohl vorweisen.
Allein hier Artikel 1, 2 und 3.
Es gibt Weine, die sind nicht unbedingt was für offizielle Verkostungen, die tun sich im Zweifel sogar auf Gastronomieweinkarten schwer – und sind trotzdem ausgezeichnet. Woran liegt es? Es liegt daran, dass sie erst am zweiten Tag so richtig aufdrehen oder nach längerer Zeit im Dekanter. Für Rotweine ist dies Verhalten bekannt. Bei Weissweinen wird aber oft ignoriert, dass auch dieses durchaus Zeit brauchen um Sauerstoff in sich aufzunehmen damit sie sich entfalten können.
Der Alzeyer Rotenfels von Axel Koehler ist so ein Wein. Zunächst nämlich wird man die Perle im Innern kaum finden. Der Wein wirkt streng, zurückgezogen, fast mürrisch. Man muss ihn erst zähmen. Die Zeit muss ihn zähmen. Gibt man ihm die Stunden eines Tages, wird er sich öffnen. Er behält seinen eigenen Charakter, aber er kommt näher. Aromen von gelben Früchten, vielleicht Mirabellen, entwickeln sich genauso wie leicht tropische Aromen. Dabei wird der Wein weicher und in einem sehr angenehmen Sinne opulenter und gleichzeitig filigraner. Geht das? Ja, das geht. Denn zum einen wird der Wein deutlich voluminöser und die Aromen öffnen sich, zum anderen wird das Wechselspiel zwischen Frucht und Säure klarer, salzige Mineralik kommt hinzu und der Abgang wird immer länger.

Es ist Axel Koehlers Riesling-Prunkstück im Keller. Er, der erst seit ein paar Jahren unter eigenem Namen vinifiziert – ich sprach es schon hier an –, schafft hier einen Cru, der manch Großem Gewächs heftige Konkurrenz machen dürfte. Der Riesling stammt von Kalkmergel-Böden, die Ernteausbeute liegt bei unter 35 hl pro Hektar. Die Kellerarbeiten sind geradezu bewusst archaisch: keine Temperaturkontrolle während der Spontanvergärung, Nutzung alter Stückfässer bzw. Steingutbehälter.