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	<title>originalverkorkt &#187; Sauvignon Blanc</title>
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	<description>flüssige und überflüssige Eskapaden</description>
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		<title>Zwischen drei Flüssen: Weine aus Kroatien</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Mar 2011 11:17:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Diesmal war unser Bonner Weinzirkel in Köln zu Gast, wo es Provenienzen zu entdecken gab, die hierzulande kaum bekannt sind, jedenfalls keine Verkaufstradition haben, weil sie jahrzehntelang hinter dem Eisernen Vorhang verborgen waren. Leider konnte ich bei der Probe nicht anwesend sein. Um so schöner, dass die Probe trotzdem sehr genau und kurzweilig kommentiert ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Diesmal war unser <em>Bonner Weinzirkel</em> in Köln zu Gast, wo es Provenienzen zu entdecken gab, die hierzulande kaum bekannt sind, jedenfalls keine Verkaufstradition haben, weil sie jahrzehntelang hinter dem Eisernen Vorhang verborgen waren. Leider konnte ich bei der Probe nicht anwesend sein. Um so schöner, dass die Probe trotzdem sehr genau und kurzweilig kommentiert wurde:</p>
<p>Es sind die drei Flüsse Donau, Drava und Sava, zwischen denen sich – im kroatischen Binnenland, also nicht an der Küste &#8211; die Anbaugebiete Baranja, Slavonien und Srem erstrecken. Weine erzeugt man dort schon mindestens seit dem 17. Jahrhundert. Nach den Privatisierungen der 90er Jahre prägen neben größeren Kellereien heute auch etliche Familienweingüter den Markt. Der vorherrschende Rebsortenspiegel zeigt die geografische Verwandtschaft mit Österreich und Italien – und durch ihn haben wir uns zielstrebig hindurchgetrunken.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/03/kroatien_1.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1618" title="kroatien_1" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/03/kroatien_1.jpg" alt="" width="590" height="408" /></a></p>
<p>Es begann mit vier <em>Grasevina</em> (dt. Welschriesling), einer Rebe, die man auch aus Österreich, Südtirol und Friaul kennt. Sie braucht gute Böden, reift spät und liefert frische Weine mit feiner Würze, maßvoller Säure und gelegentlich nussigem Aroma. Das fand sich sogleich im <strong><em>2008er Grasevina</em></strong> des Weingutes <strong><em>Iuris</em></strong> aus Erdut. Seit 1994 gibt es dieses Gut. Auf immerhin 50 ha werden zu 90% Rote erzeugt. Der Weiße ist leicht und frisch, ein bisschen salzig, hat Bittermandelnoten – nicht übel, aber doch eher harmlos. Deutlich voluminöser wirkte der <strong><em>2007er Grasevina</em></strong> der Kellerei <strong><em>Erdut</em></strong>: Fruchtig und floral, verleugnet das Holzfass nicht, bleibt aber ebenfalls nicht besonders lange im Gedächtnis. Das war schon anders beim <strong><em>2008er Grasevina „Mitrovac“ </em></strong>der <strong><em>Vinarija Krauthaker</em></strong> (Mit dem Namen müsste man eigentlich Biodynamiker sein, oder? Ist aber nicht so.) aus Kutjevo. Blindverkostet kam er manchem in der Runde wie ein Weißburgunder GG vor, mit der entsprechenden Süße, auch mit spürbarem Alkohol. Für mich standen die Geschmackskomponenten wenig harmonisch nebeneinander. Andere schätzten ihn freilich positiver ein. Schließlich die <em><strong>2009er</strong> <strong>Grasevina</strong></em> der Kellerei <strong><em>Belje</em></strong> aus Baranja. In meiner Notierung der beste dieses Flights: Mit frischer, aber nicht aufdringlicher Säure, zurückhaltendem Alkohol. Gekonnter Holzfassausbau gibt ihm ein ordentliches Gerüst. Was lernen wir aus diesem Glase? Wenn man schon seit 1697 Wein baut, kann man auch bei fast 600 ha unter Reben sehr ordentliche Tropfen erzeugen.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/03/kroatien_2.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1619" title="kroatien_2" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/03/kroatien_2.jpg" alt="" width="590" height="408" /></a></p>
<p>Das hat der Kellermeister vermeintlich erst recht mit dem übernächsten Wein geschafft: Der <strong><em>2008er Chardonnay</em></strong> von <strong><em>Belje</em></strong> hat nämlich auf der Zagreber Weinmesse im Sommer 2009 im Wettbewerb mit nicht nur kroatischen Teilnehmern den Sieg als bester trockener Weißwein davongetragen. Hmm. Mir war’s nur ein Beleg mehr, dass einem solche Prädikate den Buckel ’runterrutschen können, solange man den Kandidaten nicht auf der eigenen Zunge hatte. Als „vordergründig, breit, Kneipenwein“ landete er in meinem Protokoll. Mag schon sein, dass man damit im sensographischen Chaos einer Messe beeindrucken kann.</p>
<p>Übersprungen habe ich hier den <strong><em>2008er Rajnski Riesling</em></strong> (offenkundig der <em>Riesling Rhenano</em>, den wir aus dem Friaul kennen) der <strong><em>Vinarija Enjingi</em></strong> aus Kutjevo, der ein elegantes Bukett zeigte. Der Geschmack kam leider nicht so recht nach, bissl Alkohol aber schon. Sodann ein <strong><em>2008er Sauvignon Blanc</em></strong> von <strong><em>Iuris</em></strong>, der unverkennbare Eindrücke in der Nase, hingegen weniger am Gaumen hinterließ.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/03/kroatien_3.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1620" title="kroatien_3" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/03/kroatien_3.jpg" alt="" width="590" height="408" /></a></p>
<p>Zum Abschluss der weißen Reihe drei fast exotisch anmutende Weine: Der <strong><em>2008er Muskat-Sylvaner</em></strong> (Muskatni silvanac) von <strong><em>Iuris</em></strong> hatte ein sehr schönes, fruchtiges  Bukett. Und die durchaus elegante Würze, denkt man, verdankt er natürlich dem Muskateller, der da offensichtlich mitmischt. „Vertan, vertan“, sagt der Kroate (auf Kroatisch natürlich). Der verwendet den Namen nämlich als Synonym für Sauvignon Blanc. Is’ also nix mit Muskateller. Das nimmt dem Wein aber nichts von seiner Komplexität. Quitte kommt durch. Noten burgundischer Chardonnays sind spürbar. Feiner Stoff! Für mich (und die meisten am Tisch) klar der beste Weiße diese Abends. Mit seiner berückenden Honignase nimmt der folgende <strong><em>2005er Traminer</em></strong> (Traminac mirisavi) der Kellerei <strong><em>Erdut</em></strong> den Kampf auf, setzt ihn zunächst mit schöner Harmonik auf der Zunge fort – bricht aber dann im Abgang zusammen. Schön, Sie kennengelernt zu haben .. und tschüss. Da geht der <strong><em>2007er Traminer</em> </strong>der Kellerei <strong><em>Ilocki</em></strong> aus Srijem ganz anders zur Sache. Hier wird Wein aus 830(!) ha, davon aus 270 ha eigenen Weinbergen, gewonnen. Muss ja nicht übel enden. Dieser Wein beweist das, allerdings will er zuviel: Eine opulente, letztlich massive Würze. Alkohoool. „Too much, after all“ war die Tischmeinung.</p>
<p>Aber nicht die schlechteste Einstimmung auf die Roten! Zu Beginn noch einmal die Kellerei <strong><em>Erdut</em></strong> mit ihrem <strong><em>2005er Zweigelt</em></strong>. Sein intensives Sauerkirscharoma harmoniert bestens mit der Säurestruktur. Am Ende war die Meinung in der Runde etwas gespalten: Ohne Zweifel ein respektabler Wein, &#8230; der aber vielleicht eine Dimension mehr vertragen könnte. Auf Augenhöhe der <strong><em>2007er Cabernet Sauvignon</em></strong> von <strong><em>Iuris</em></strong> mit typischer Cassis-Würze in der Nase und einer schönen Struktur. Für Siebeneurofuffzich? Chapeau! Das kostet auch der <strong><em>2006er Merlot</em></strong> vom selben Weingut. Auch er in 2009 Messesieger in Zagreb. Was zu der Frage führt, ob sie ihre Jury dort mit Biertrinkern bestücken. Simpel, vordergründig, pffft.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/03/kroatien_4.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1621" title="kroatien_4" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/03/kroatien_4.jpg" alt="" width="590" height="408" /></a></p>
<p>Da fügte es sich zum Besten, dass der Schwarze Storch seinen Auftritt hatte: <strong><em>2009er Ciconia nigra</em></strong> der<strong> <em>Vinarija Josic</em></strong> aus Baranja, eines familiengeführten Gutes, das auf seinen gerade einmal 1,6 ha alten Weinbergen jedenfalls Pinot Noir, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc unterbringt und daraus eine vortreffliche Cuvée macht. Sehr spannende Nase: mineralisch, stahlig, kühl. Das muss der Spätburgunder sein. Am Gaumen dann Schokolade, Lebkuchen &#8230; Für mich mit Abstand der Lieblingsrote dieses Abends. Bitte noch einmal in zwei bis fünf Jahren! Der letzte Wein des Abends, der <em><strong>2007er</strong> <strong>Cabernet</strong> <strong>Sauvignon</strong> <strong>‚CERN’</strong></em> von <strong><em>Iuris</em></strong> hat es irgendwie auf das Ticket des multinationalen Elementarteilchen-Forschungsprojektes in Genf und den angrenzenden französischen Gemeinden geschafft und figuriert als einer der offiziellen Rotweine – mit entsprechendem Etikett. (Wahrscheinlich darf jede finanzierende Nation einen Wein stellen. Bin auf den Chinesen gespannt.) Auch ohne Molekülzerlegung im Labor verrät er sich beim Schnuppern durch den Duft der Schwarzen Johannisbeere. Das ist schön, aber dann ist er nicht druckvoll genug und lässt uns etwas unentschieden zurück.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.originalverkorkt.de/?flattrss_redirect&amp;id=1617&amp;md5=e52c86b8be4211daf3552d5affa3b808" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Fünf Jahrgänge Smith Haut Lafitte blanc und anderer genialer Stoff</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Jan 2011 16:40:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bioweine]]></category>
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		<description><![CDATA[Gestern haben wir mal wieder in kleiner Runde zusammengesessen. Auf dem Programm stand eine Fünfer-Vertikale des im Pessac-Léognan beheimateten Bordeaux-Châteaus Smith Haut Lafitte.

Traditionell beginnen wir unsere Abende mit einem Champagner, in diesem Fall mit einer Grande Réserve des Hauses Vilmart &#38; Cie, Rilly-la-Montagne aus dem nördlichen Bereiche der Grande Montage de Reims.

Vilmart, 1890 gegründet, ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern haben wir mal wieder in kleiner Runde zusammengesessen. Auf dem Programm stand eine Fünfer-Vertikale des im Pessac-Léognan beheimateten Bordeaux-Châteaus<a href="http://www.smith-haut-lafitte.com/" target="_blank"><em> Smith Haut Lafitte</em></a>.</p>
<p>Traditionell beginnen wir unsere Abende mit einem Champagner, in diesem Fall mit einer <em>Grande Réserve</em> des Hauses <em>Vilmart &amp; Cie</em>, Rilly-la-Montagne aus dem nördlichen Bereiche der Grande Montage de Reims.</p>
<p><em>Vilmart</em>, 1890 gegründet, besitzt 11 Hektar rund um das eigene Anwesen, wobei hier, ganz unüblich für die Region, Chardonnay als Hauptrebsorte überwiegt. Normalerweise findet sich in der Montagne mehr Pinot. Sämtliche Lagen des Besitzes fallen unter den<em> Premier Cru</em> Status. <em>Vilmart</em>, bzw. der Besitzer <em>Laurent Champs</em> und auch schon sein Vater  gehören zu den Winzern, die sehr früh auf den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden im Weinberg verzichtet haben und sie gehören weiterhin zu jenen, die ihre Grundweine samt und sonders in Holzfässern ausbauen. Non Vintage Champagner werden in Fudern ausgebaut, Jahrgangschampagner in gebrauchten Barriques. Die Vorgehensweise ähnelt also der bei beispielsweise <em>Selosse</em>, <em>de Souza</em>, <em>Larmandier-Bernier</em> und anderen Winzern, die biologisch im Weinberg arbeiten und auf Holz statt auf Edelstahl im Keller setzen.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/vilmart.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1569" title="vilmart" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/vilmart.jpg" alt="" width="580" height="386" /></a></p>
<p>Die <em>Grande Réserve Brut Premier Cru</em>, Losnummer 11 08, das dürfte auch das Degorgier-Datum sein, besteht im Gegensatz zu allen anderen Erzeugnissen <em>Vilmarts</em> zu einem höheren Anteil aus Pinot Noir (70%) und zu einem geringeren aus Chardonnay (die restlichen 30%).</p>
<p>In der Nase findet sich ein Hauch Holz und ein leichter Duft von Hefe, zusammen mit etwas Salzigem, was mich ein wenig an Fisch erinnert hat, aber das wäre ein Negativurteil, was ich so nicht formulieren mag. Es scheinen jedenfalls einige salzige Aromen am Geruchsbild mitzuwirken, das ansonsten eher auf Chardonnay denn auf Pinot schließen lässt: Zitrusfrüchte dominieren hier.</p>
<p>Am Gaumen ist der Wein zunächst einmal frisch und crémig, was meiner Meinung nach zunächst einmal das Wichtigste ist. Fehlt die Frische wird der Wein schnell langweilig, dann kann ich auch einen Stillwein trinken. Hier jedoch findet sich eine frische Säure, Mineralität, wiederum Citrusnoten und Pfirsich, begleitet von würzigen Noten und frischem Brioche. Im Mund merkt den Pinotanteil deutlicher als in der Nase, der Wein hat hier ein pinottypisches Volumen. Schön ist, um noch mal darauf zurück zu kommen, die crémige Textur, die nicht zuletzt aus dem zehnmonatigen Holzfassausbau resultieren dürfte sowie die Länge, die diesen Einstiegswein des Hauses zu einem guten Kauf werden lässt und mit 32 Euro bei <em>Hardy</em> in Berlin auch gut bepreist ist.</p>
<p>Das eigentliche Thema des Abends aber waren die weißen, von Sauvignon Blanc dominierten Gewächse des <em>Château Smith Haut Lafitte</em>, bei mir intern op Kölsch <em>Schmitz-Hoot</em> genannt.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/shl_2.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1570" title="shl_2" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/shl_2.jpg" alt="" width="580" height="298" /></a></p>
<p>Wie viele andere Châteaux im Bereich Pessac-Léognan, Graves auch ist <em>Smith Haut Lafitte</em> deutlich älter als die bekannten Médoc-Güter. Bis ins 14. Jhd gehen die Annalen zurück als die Familie <em>Bosq</em> im Jahre 1365 das Gut gegründet hat. Interessant wird es ab dem 17. Jahrhundert, als der Schotte <em>George Smith</em> den Besitz übernahm, das heutige Anwesen erbauen ließ und begann, die Weine auf die britischen Inseln zu exportieren. Ab 1842 hat der damalige Bürgermeister von Bordeaux, Monsieur <em>Duffour-Dubergier </em>den Besitz übernommen, ausgebaut und das Gut weiter bekannt gemacht. Den weltweiten Export übernahm der Händler <em>Louis Eschenauer</em>, der das Anwesen zwischenzeitlich erwarb bis es 1993 in den Besitz des früheren Ski-Olympiasiegers<em> Daniel Cathiard</em> überging. Dieser hat den Besitz zusammen mit seiner Frau <em>Florence</em> zu einer neuen Blüte gebracht, enorm viel Geld in das Anwesen mit dem markanten blauen Signet investiert und mit Frau und Tochter sogar eine eigene, auf Weintrauben basierende Kosmetiklinie namens <em>Les Sources de Caudalie</em> sowie eine Reihe von Spa eröffnet. Die Familie hat in den letzten zwei Jahrzehnten also keine Mühen gescheut um den Besitz in die erste Riege der Graves-Château zu befördern, zu denen es vorher eigentlich nie gehört hat. Eine der vielen Maßnahmen, die angewandt wurden um diesen Qualitätssprung zu erreichen ist neben der Neuanlage der Weinberge, dem Ausbau des Kellers und der Beratung durch <em>Michel Rolland</em> die stete Hinwendung zur biodynamischen Bewirtschaftung des Weinbergs, womit peu à peu 1997 begonnen wurde.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/shl_1.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1568" title="shl_1" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/shl_1.jpg" alt="" width="580" height="347" /></a></p>
<p><strong>Die Jahrgänge 2000 und 2002</strong><br />
Leider hatte direkt der erste Wein im ersten Flight einen Korkschmecker, der den Vergleich mit dem hervorragenden 2002er schwieriger werden ließ. Beide Weine standen goldgelb im Glas und dufteten mit einer Aromatik von leicht gerösteten Nüssen und Kernobst.</p>
<p>Was ich beim 2000er zuerst als Walnuss-Aromatik empfunden hatte wandelte sich zunehmend deutlich im Laufe des Abends zu einem TCA-Fehler des Korkens. Schade, denn der Wein hatte eine schöne Tiefe und Länge.</p>
<p>Der 2002er ist von der Zusammensetzung her ein typischer weißer <em>Smith Haut Lafitte</em>. 90% Sauvignon Blanc werden ergänzt durch 5% Sauvignon Gris und 5% Sémillon. Neben der Aromatik von gerösteten Nüssen findet sich ein wenig Akazienhonig, etwas Banane und reife Mirabellen. Und das nicht nur im Duft sondern ebenso im Geschmack, wo sich zusätzlich eine gewisse Kräuteraromatik einfindet. Der Wein hat eine schöne Dichte und ausgezeichnete Länge. Zum Schluss des Abends findet sich ein leichter Petrolton in der Nase.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/shl_3.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1567" title="shl_3" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/shl_3.jpg" alt="" width="580" height="322" /></a></p>
<p><strong>Die Jahrgänge 2007 und 2006<br />
</strong>Im zweiten Flight stand der 2007er Jahrgang neben dem 2006er. Auch diese setzen sich aus 90% Sauvignon Blanc und je 5% der Nebenrebsorten zusammen, der Ertrag lag bei beiden bei 30 Hektoliter je Hektar (2002 lag er bei 25hl).</p>
<p>Die Stilistik der ersten beiden probierten Weine setzt sich auch in diesen beiden fort. Auch wenn der 2007er säurebetonter ist als der 2002er und zurückhaltender im Duft, findet sich die Steinobst-Nuss-Aromatik, die zunehmend durch eine leicht steinige Komponente ergänzt wird. Im jüngsten Wein des Abends findet sich zwar etwas mehr Holz als in den anderen, doch <em>oaky</em> ist dieser Wein kein bisschen. Die Frucht überwiegt deutlich, ist expressiv und verbindet sich hervorragend mit der Säure. Sehr gut.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/1979er_2.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1566" title="1979er_2" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/1979er_2.jpg" alt="" width="580" height="246" /></a></p>
<p>Der 2006er, von René Gabriel mit übertriebenen 20/20 Punkten bewertet, ist noch ein Schüppchen besser. Nüsschen, reife, ja crémige weiße Früchte mit einem satten Schuss Akazienhonig formen einen dichten, in angenehmen Sinne vollen Wein, der jedoch genau so viel Grip und Säure in sich trägt, dass sich eine großartige Balance ergibt. Der Wein weckt bei allen am Tisch gleichermaßen Begeisterung. Hervorragend.</p>
<p><strong>Der Jahrgang 2005 und ein unbekannter Nebenbuhler</strong><br />
Der 2005er, im dritten Flight mit einem verdeckten Nachbarn kredenzt, fällt in der Aromatik zunächst ein wenig heraus. Die bisher immer mitschwingende Nusskomponente finde ich kaum, hier überwiegen Quitte und Trockenfrüchte in der Nase. Am Gaumen aber hat dieser Wein alles, was das Weingut ausmacht. Wenn der Wein auch weniger Säure hat als seine beiden Vorgänger ist dies hier die Quintessenz: kühle Frische, ausgezeichnete Säurestruktur, mineralische Kräuteraromatik, leichte Würze, stoffige, weiße Frucht und ein wenig vollreifer Pfirsich. Kraftvoller ist der Wein und doch elegant, tief, mit einer ausgezeichneten Länge fast monumental. Für mich nahe an der Perfektion weißer Graves.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/1979er_1.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1565" title="1979er_1" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/1979er_1.jpg" alt="" width="580" height="385" /></a></p>
<p>Neben diesem 2005er stand ein Wein, der zwar in der Nase deutliche Alterungsnoten aufweisen konnte, im Glas aber hell schimmerte ohne jeden Alterungston. Auf einen 1979er <strong><em>Château Laville Haut Brion</em></strong>, heute <em>La Mission Haut Brion</em>, ebenfalls Graves, ebenfalls Sauvignon Blanc, ist am Tisch natürlich niemand gekommen. Durchaus amüsant und durch die Bank zutreffend waren die Geruchsvergleiche mit Tahin und Zitrone, Käse oder Kettenfett, gekochtem Gemüse und Karamell. Stand Tahin und Kettenfett zu Beginn im Vordergrund wurde der Wein über die nächsten Stunden nicht schwächer und müder, nein, im Gegenteil formte sich ein karamelliger Wein mit ausgezeichnetem Säuregerüst mit zunehmender Weichheit und Finesse. Sehr beeindruckend.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/ulhen.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1564" title="ulhen" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/ulhen.jpg" alt="" width="580" height="240" /></a></p>
<p>Was nach den drei Runden Pessac-Léognan wiederum verdeckt ins Glas kam war ein Wein, der von einem der bevorzugten Winzer unseres Gastgebers stammt. Der 2003er <strong><em>Uhlen Laubach</em></strong> von <em>Heymann-Löwenstein</em>, Terrassenmosel, hat uns ebenso viel Spaß bereitet wie die Bordeaux. Dieser Wein aus dem Hitzejahrgang wirkte überhaupt nicht müde &#8211; beim kürzlich genossenen 2003er von <em>Clemens Busch</em> konnte ich davon auch nichts feststellen. Der leicht nach Virginiatabak und Pfirsich duftende Wein hatte zwar naturgemäß keine überbordende Säure, aber eine, die den Wein sehr gut zusammengehalten hat. Leicht karamellig wirkte der Wein, mit kräutriger Mineralik, leicht herben Johannisbeer-Noten, einer deutlich spürbaren Restsüße und ausgezeichneter Länge.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/suduiraut.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1563" title="suduiraut" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/01/suduiraut.jpg" alt="" width="580" height="386" /></a></p>
<p>Zum Schluss noch mal ein Höhepunkt eines feinen Weinabends: <strong><em>Château Suduiraut</em></strong>, Sauternes, 2003. Was für ein genialer Tropfen. Eine nicht enden wollende dichte Süße, eine crémige Karamellbonbonessenz mit eingelegten Früchten voller gebändigter Kraft und Dichte. Und das, was einen bei vielen Sauternes befürchten lässt, man müsse ob der Schwere durch die Decke plumpsen wird hier gekontert mit Frische, mit einem feinen Säuregerüst, was mir bei diesem Château wie bei kaum einem anderen immer wieder auffällt und die Weine unwiederstehlich macht: Da schwebt eine riesige, mit eingelegten Früchten durchsetzte Crème Brullée in einem schweren Tongefäss wie auf einem Magrittschen Gemälde schwerelos über den Dingen. Großer Wein, großartiger Abend.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.originalverkorkt.de/?flattrss_redirect&amp;id=1562&amp;md5=5d8e9fcdc7346038321740dde21c7ed9" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Fünfzehn mal Sauvignon Blanc</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Sep 2010 15:43:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sauvignon Blanc nimmt man meist irgendwie so mit, finde ich. Den bestellt man mal mehr oder weniger zufällig im Restaurant oder kauft hier oder da mal ein paar Flaschen. Irre ich mich? Natürlich gibt es jene, die gerne einen vernünftigen Sancerre trinken oder ein Flaschenregal voller Weine von Didier Dagueneau besitzen. Aber ich habe ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Sauvignon Blanc</em> nimmt man meist irgendwie so mit, finde ich. Den bestellt man mal mehr oder weniger zufällig im Restaurant oder kauft hier oder da mal ein paar Flaschen. Irre ich mich? Natürlich gibt es jene, die gerne einen vernünftigen Sancerre trinken oder ein Flaschenregal voller Weine von <em>Didier Dagueneau</em> besitzen. Aber ich habe den Eindruck, dass diese Vorlieben selten sind.</p>
<p>Fest steht, dass der <em>Sauvignon Blanc</em> mit zu den <em>Cépages Nobles</em>, den edlen Rebsorten dieser Welt zählt und wahscheinlich aus Traminer x Chenin Blanc entstanden ist. Neben den klassischen Gebieten an der Loire wird er gerade in Neuseeland und Südafrika mit Erfolg angebaut und nach Europa exportiert während hier immer mehr Massenertragswinzer den <em>Sauvignon Blanc</em> als Rebsorte sehen, die einfach zu handhaben ist und sich zunehmend gut verkauft.</p>
<p>Auf eine Stufe mit großen Rieslingen oder Chardonnay dürften ihn die wenigsten stellen. Wie gut <em>Sauvignon Blanc</em> sein kann wollten wir daher mal in unserem Bonner Weinzirkel näher untersuchen und haben uns am Samstag 15 verschiedenen SBs gewidmet, vornehmlich aus Europa.</p>
<p><strong>Stefan Sander, Sauvignon Blanc 2009, Thomas Pichler Sauvignon »Puiten« 2009, Wagner-Stempel Sauvignon Blanc 2008</strong></p>
<p>Über das <em>Weingut</em> <em>Sander</em> habe ich schon mal <a href="http://www.originalverkorkt.de/2010/01/zwei-tage-rheinhessen-erster-tag-weingut-sander-winter-und-wagner-stempel/" target="_blank">an anderer Stelle</a> ausführlicher berichtet, als Einstiegswein in die Runde fand ich Stefan Sanders <em>Sauvignon Blanc</em> genau richtig. Der Wein wirkt frisch und belebend, die Spätlese perlt noch leicht, wirkt pfeffrig und dicht und macht es mit seiner leichten Restsüße den meisten in der Runde einfach, den Wein zu mögen. Zum Schluss des Abends noch mal verkostet hat der Wein deutlich an Vielfalt gewonnen, Steinobst mischt sich mit Maracuja und das Pfefferl bleibt im Glas.</p>
<p>Auf<em> Thomas Pichlers</em> Weine bin ich durch Zufall aufmerksam geworden. Ein Praktikant im Büro sprach von ihm, es ist so in etwa der Nachbar seiner Eltern und er schwärmte von den Weinen die <em>Pichler</em> dort in Kaltern am See vinifiziert. Der  <em>Puiten</em> wirkt deutlich grasiger als der rheinhessische SB, etwas grün noch und vor allem ein wenig brandig und bitter in der Kehle. Fiel er zu Beginn in der Runde durch, hat er sich im Laufe des Abends durchaus entwickelt und irgendwann fünf Stunden später hat er das Brandige ein wenig verloren.</p>
<p>Auch <em>Daniel Wagner</em> habe ich hier schon häufiger <a href="http://www.originalverkorkt.de/2010/01/zwei-tage-rheinhessen-erster-tag-weingut-sander-winter-und-wagner-stempel/" target="_blank">vorgestellt</a> und ich kam nicht umhin, einen Wein eines meiner Lieblingswinzer aus Rheinhessen mit in die Runde zu werfen. Er macht nur eine Qualitätsstufe <em>Sauvignon Blanc</em>, diese aber hat mir von Anfang an gefallen. Der 2008er SB wirkt schon in der Nase sehr cremig &#8211; was sich am Gaumen bewahrheitet. Im Gegensatz zu Sanders eher fruchtbetonten und Pichlers eher grasigen Sauvignon liegt der Fokus bei Wagners Wein beim leicht gekochten Gemüse mit einem Hauch Stachelbeeren und Johannisbeeren. Dabei hat der Wein viel Kraft und Volumen und ist ebenfalls mit einer ganz leichten Restsüße ausgestattet, was nicht jedem am Tisch gefiel.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/09/sb_1.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1442" title="sb_1" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/09/sb_1.jpg" alt="" width="570" height="237" /></a></p>
<p><strong>Weingut Aufricht, Sauvignon Blanc </strong><strong>»</strong><strong>Lilie</strong><strong>«</strong><strong> 2008, Johner Estate, </strong><strong>»</strong><strong>Gladstone</strong><strong>«</strong><strong> Sauvignon 2008, Reiner Schnaitmann Sauvignon Blanc *** 2008</strong></p>
<p>Aufrichts Sauvignon Blanc ist bekannt und wird geschätzt. Ich kann diese Wertschätzung beim 2008er Lilien nicht wirklich unterstreichen. Der Wein wirkt aufgesetzt, die Komponenten passen nicht ganz zusammen, die Stachelbeernote steht zu stark im Vordergrund, dahinter kommt etwas gekochtes Gemüse und leichtes Gewürz, im Abgang allerdings hat dieser Wein etwas Alkoholisch-Bitteres, was er den ganzen Abend nicht verliert und mir auch schon bei anderen Verkostungen aufgefallen war.</p>
<p>Als Pirat hatte ich an diese Stelle den 2008er <em>Gladstone</em> von <em>Johner Estate</em>, Neuseeland gestellt. Es ist also gewissermaßen nur ein halber Pirat denn der Macher hat schon einen deutschen Weinstil. Nach Aufrichts und vor Schnaitmanns  SB ist beim Gladstone keiner darauf gekommen, dass er aus fremnden Ländern kommen könne. Der Wein besitzt ein feine, kühle Mineralik, wir vermuteten ein höheres Alter, nicht weil der Wein schlaft wirkte sondern eher einige Alterungsnoten in der Nase darauf hindeuteten. Geradlinig wirkt er, mit leichter, aber nicht störender Bitternote, wie etwas Medizinisch-Bitter-Kräutriges. Ein Neuweltwein der überhaupt nicht den Vorurteilen und auch Erfahrungen entspricht, die ich mit neuseeländischen Sauvignons bisher gemacht habe.</p>
<p><em>Rainer Schnaitmann</em> gehört ja zu den Schooting-Stars der deutschen Weinszene und bis vor wenigen Jahren hätte man kaum vermutet, dass im Raum Stuttgart-Fellbach mal große Weine entstehen würden. <em>Schnaitmann</em> hat bewiesen, dass das geht und seine Spätburgunder und Lemberger können wirklich beeindruckend sein. Bekannt ist er aber auch für seinen Drei-Sterne-Sauvignon-Blanc. Diesen allerdings hätte ich eher bei den burgundischen Chardonnay verortet. Die Nase ist völlig untypisch, es sind eher gelbe, reife Birnen, die hier wirken, Karamell-Créme und Kräuter. Der Wein wirkte an dem Abend ein klein wenig dropsig-aufgesetzt, zwar gut, lang, dicht, aber nicht wirklich fein – was uns alle etwas überrascht hat.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/09/sb_2.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1443" title="sb_2" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/09/sb_2.jpg" alt="" width="570" height="237" /></a><br />
<strong></strong></p>
<p><strong>Domaine Vacheron, Sancerre »Les Romains« 2006, Alphonse Mellot »La Moussière« 2005, Tenuta Terlan »Quarz« 2007</strong></p>
<p>Die <em>Domaine de Vacheron</em>, ein biodynamisch arbeitender, ziemlich großer (80 Hektar) Betrieb, hier schon mal <a href="http://www.originalverkorkt.de/2009/05/christophs-und-holgis-mixtour-no-13-zu-gast-siggi/" target="_blank">erwähnt</a>, liegt im Herzen des Gebietes, im Dörfchen Sancerre. Die Vacherons produzieren ausgezeichnete roten Sancerre genauso wie weltweit anerkannte weiße Sancerre. Der <em>Les Romains</em> ist das Flagschiff des Betriebes, aus den besten Silex-Lagen ausgewählt und im Holzfass ausgebaut. Es ist der bisher feinste, subtilste Wein des Abends, sechs Stunden vorher geöffnet merkt man, dass er noch gut einen Tag mehr hätte haben können. Der <em>Les Romains</em> duftet nach Stein und Kräutern, im Mund findet sich neben Fruchtnoten etwas Salz auf Feuerstein, im Gegensatz zu allen bisherigen Weinen ist er dabei knochentrocken. Ein <em>Sauvignon Blanc</em> für Fortgeschrittene, würde ich sagen, leise, fein, präzise, dicht und lang, großartig.</p>
<p>Aus dem selben Gebiet stammt der &#8211; ebenfalls biodynamisch ausgebaute &#8211; <em>La Moussière</em> von <em>Alphonse Mellot</em>. <em>Mellot</em>, der auch als <em>Mister Sancerre</em> bezeichnet wird, hat einen deutlichen Anteil am neuen Aufstieg der Appellation. Sein Wein hat stilistisch nichts mit dem zu tun, was die Vacherons unter biodynamisch ausgebautem Sancerre verstehen. Mellot gehört zu jenen, die ihre Weine oxydieren lassen, was man mögen muss, denn es führt zu einer expressiven, dichten Nase vollreifer Birnen und gelber Äpfel, zu dem sich hier ein Hauch Grapefruit gesellt, unterlegt mit etwas Silex. Das ist ein massiver, robuster Wein, der im Laufe des Abends noch gewinnt, zu Beginn jedoch &#8211; trotz früher Öffnung &#8211; etwas kantig und trotz seiner Alters fast noch etwas unreif wirkt, wobei er es neben der Subtilität des <em>Vacheron</em> auch wirklich schwer hat.</p>
<p>Der <em>Quarz</em> der <em>Tenuta Terlan</em>, Jahrgang 2007, fällt in diesem Flight deutlich hintenrüber. In der Nase Stachelbeer, Cassis, Stein und Gras, im Mund zu viel Alkohol. Schade, der 2006er Jahrgang war deutlich besser und ich glaube auch nicht, dass sich dieser ganze Alkohol noch einbinden wird.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/09/sb_3.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1444" title="sb_3" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/09/sb_3.jpg" alt="" width="570" height="262" /></a></p>
<p><strong>Gross, Sauvignon Blanc »Ratscher Nussberg« 2007 – Tement »Zieregg« 2007 – Lis Neris »Picol« 2007</strong></p>
<p>Der dritte Wein im Flight, der <em>Picol</em> von <em>Lis Neris</em> passt stilistisch viel eher zum <em>Quarz</em> der <em>Tenuta Terlan</em>, die beiden Weine aus der Steiermark dagegen sind eine Welt für sich. Im <em>Lis Neris</em> aus dem Friaul finden sich wieder die Aromen von Stachelbeere, Cassis und ein wenig kräutrige Mineralik, allerdings fehlt hier glücklicherweise die alkoholische Komponente. Insgesamt aber lässt mich der Wein eher kalt.</p>
<p>Ganz anders der <em>Ratscher Nussberg</em> und die Steigerung, der <em>Zieregg</em> von Tement. Ich habe bisher nicht viele <em>Sauvignon Blancs</em> auf diesem Niveau getrunken und sie zeigen auch noch nicht in voller Breite, was sie wirklich drauf haben, dazu hätte man sie länger lagern müssen aber das hier ist schon großes Kino. Im <em>Ratscher Nussberg</em> findet sich von Allem reichlich. Diese Steiermarkschen Weine haben nichts mit der Subtilität eines Vacheron zu tun. Neben einer Veilchen-Laktritznote und Gemüse findet sich Holz, noch nicht ganz perfekt eingebunden aber dafür ist der Wein noch etwas zu jung, viel erdige Mineralik und ein wenig Pfeffer. Der Wein ist saftig, voll und massiv und zeigt, dass das Weingut Gross auch zu den Großen in Österreich gehört.</p>
<p>Der <em>Zieregg</em> von <em>Tement</em>, ebenfalls aus der Süd-Steiermark, wird oft als bester Sauvignon Blanc Österreichs benannt. Das mag sein denn dieser Wein ist beeindruckend gut. auch hier merkt man direkt, welches Potential hinter der Klasse, die er jetzt schon hat, noch schlummert. Er ist erst drei Jährchen alt und dürfte das Potential für ein gutes Jahrzehnt in sich tragen. Veilchen, Blumen, Vanille und exotische Früchte mischen sich in einer Balance aus Wucht und Finesse, Créme und Säure halten sich die Waage und zum Schluss kommt noch eine ganze Ladung frischer Äpfel angerauscht. Klasse!</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/09/sb_4.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1445" title="sb_4" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/09/sb_4.jpg" alt="" width="570" height="331" /></a></p>
<p><strong>Angelo Gaja, »Alteni di Brassica« 2006, Langhe – Manincor »Lieben Aich« 2006, Alto Adige – Didier Daguenau »Silex« 2006, Pouilly-Fumé</strong></p>
<p>Wir waren uns ja nicht sicher, ober wir diesen teuren Wein – so um die fuffzig Euro – mit einbauen sollten, wir hatten so ein wenig Bedenken, ob das Verhältnis stimmen würde. <em>Dagueneau</em> ist ja nochmals teurer, dafür ist er legendär, was man von <em>Gajas</em> SB nun im Gegensatz zu seinen Barolo und Barbaresco nicht behaupten kann &#8211; dafür ist alles, was er macht immer teuer.</p>
<p>Und der Wein? Ja, er ist teuer und ich würde ihn mir für den Preis nicht kaufen. Aber, er ist gut, sehr gut, eher zurückhaltend in der Nase mit ein wenig Limonenschale und etwas Stein wirkt der Wein von Beginn an, wir hatten die letzten drei Weine karaffiert, crémig und gleichzeitig säurebetont fordernd mit einem ganz eigenen Charakter der sich weder zu den Loire-Getreuen gesellt noch zur deutschsprachigen Gemeinde.</p>
<p>Kürzlich bin ich bei meiner <a href="http://www.originalverkorkt.de/2010/08/domaine-de-lhorizon-blanc-et-rouge-2007/" target="_blank">Recherche</a> über <em>Thomas Teibert</em> &#8211; <em>Domaine de l’Horizon</em>, auf den <em>Sauvignon Blanc »Lieben Aich«</em> gestoßen. <em>Thomas Teibert</em> war Kellermeister bei <em>Manincor</em>, dem Weingut der <em>Grafen Goess-Enzenberg</em>, einem biologisch-dynamisch arbeitenden Südtiroler Gut mit viel Renomée und er hat auch Jahrgänge des <em>Lieben Aich</em> verantwortet, den Kritiker zum besten <em>Sauvignon Blanc</em> Italiens zählen. Die Rebstöcke aus der Lage <em>Ansitz Liebenaich</em> in Terlan stehen auf sandhaltigem Lehmboden mit Porphyruntergrund, der Wein wird spontanvergoren und in verschieden großen Fässern ausgebaut (300 &#8211; 500 Liter).<br />
Der Wein greift das auf, was ich bei <em>Mellot</em> beschrieben hatte. Es findet sich eine oxydative Note mit dem Duft vollreifer Birnenquitten, mürben Apfels, Holunder und, etwas später, tropischer Früchte wie Kiwi und Papaya. Das ist ein mollig-runder Wein auf höchstem Niveau der voll ist und dicht, aber nicht zu opulent, nicht zu schwer, ich ertrinke nicht in diesen vollreifen Obstnoten zu denen sich noch eine leichte Honignote gesellt denn die Mineralik und Säure steht fast perfekt dagegen.</p>
<p>Was für ein Kontrast bildet wiederum der <em>Silex</em> von <em>Didier Dagueneau!</em> Und wie begeisternd sind die letzten beiden Flights, den <em>Lis Neris</em> mal ausgenommen.<br />
Der <em>Silex</em>, ca. 10 Stunden vorher geöffnet, nach 5 Stunden karaffiert, geht, so scheint es, im Glas noch weitere Entwicklungsstufen durch. Zunächst wirkt er wild und verschlossen, leichte Spontanvergährungsnoten stehen im Vordergrund. Dann öffnen sich Zitrone und Limonen, etwas grüne Bohnen und ein Hauch von Kräutern und ein wenig Rauch und Pfeffer. Die Struktur, die dieser Wein hat ist beeindruckend und schwer zu fassen. Die Aromenpalette in ihrer ganzen Breite mal beiseite gelassen ist das Eine; die Dichte, der Druck, die unglaubliche Länge, die Mineralität ist das Andere. Und die Präzision des Ganzen macht den Wein groß. Man merkt, was für ein Typ Mensch <em>Dagueneau</em> gewesen sein muss, wenn man diesen Wein trinkt.</p>
<p>Tja. Sauvignon Blanc…</p>
<p>Überraschend, wie vielschichtig diese Rebsorte ist. Die am Samstag verkosteten Weine hatten teils so überhaupt nichts miteinander zu tun als wären es grundverschiedene Rebsorten. Das verwundert nicht grundsätzlich, hängt es doch wie immer ab von Boden, Mikroklima und besonders an der Art des Ausbaus. Und doch, bei Riesling beispielsweise kommt es sehr selten vor, dass die Rebsortentypizität so stark hinter der Art des Ausbaus verschwindet.<br />
Fest steht für mich, dass diese Rebsorte hervorragende, in der absoluten Spitze große Weine hervorbringen kann wenn diese Spitze allerdings auch sehr übersichtlich sein dürfte. Einige Weine dieses Abends werden definitiv in Erinnerung bleiben und das sind bei mir vier, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Vacherons »Les Romains«, Tements »Zieregg«, Manincors »Lieben Aich« und Dagueneaus »Silex«.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.originalverkorkt.de/?flattrss_redirect&amp;id=1441&amp;md5=ceb1519f99cfa076f9da090d39704e8f" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Goch Wein Edition 1 – M.S.Bastian vs. S.Sander</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Sep 2010 07:48:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
				<category><![CDATA[Abschweifungen]]></category>
		<category><![CDATA[Bioweine]]></category>
		<category><![CDATA[nach Rebsorten]]></category>
		<category><![CDATA[Riesling]]></category>
		<category><![CDATA[Sauvignon Blanc]]></category>
		<category><![CDATA[Weine im eigenen Handel]]></category>
		<category><![CDATA[Weiss, Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Weissweine]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Rahmen der heutigen Vernissage der Bastokalypse des Schweizer Künstlerpaares M.S.Bastian und Isabelle L. präsentieren wir den ersten Wein der Goch Wein Edition. Die Idee entstand zusammen mit Stephan Mann, dem Leiter des Museums Goch. Ziel ist es, aktuell ausstellende Künstler und Weinmacher jährlich zusammenzubringen um eine Spezialabfüllung mit Künstleretikett in einer limitierten Auflage ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Rahmen der heutigen Vernissage der Bastokalypse des Schweizer Künstlerpaares M.S.Bastian und Isabelle L. präsentieren wir den ersten Wein der Goch Wein Edition. Die Idee entstand zusammen mit Stephan Mann, dem Leiter des <a href="http://www.museum-goch.de/index.php?id=65" target="_blank">Museums Goch</a>. Ziel ist es, aktuell ausstellende Künstler und Weinmacher jährlich zusammenzubringen um eine Spezialabfüllung mit Künstleretikett in einer limitierten Auflage zu präsentieren.</p>
<h6><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/09/kaserne_andrea_kueppers.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1434" title="kaserne_andrea_kueppers" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/09/kaserne_andrea_kueppers.jpg" alt="" width="550" height="284" /></a></h6>
<p></p>
<h6>© <a href="http://www.andreakueppers.com/" target="_blank">Andrea Küppers</a>, Hamburg</h6>
<p>M.S. Bastian präsentiert in der Reichswaldkaserne in Goch – einem langsam vor sich hin rottenden ehemaligen Kasernengelände, was in Zukunft einer neuen Nutzung überführt wird – einen 52 Meter langen Gemäldezyklus in dem er Themen der Apokalypse aufgreift.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/09/bastokalypse_2.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1432" title="bastokalypse_2" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/09/bastokalypse_2.jpg" alt="" width="550" height="413" /></a></p>
<p>Der Bildstreifen der Bastokalypse ist eine figurativ-expressive Komposition aus verschiedensten Zitaten und vereint so verschiedenste apokalyptische Motive: Bilder und Zeichen aus Comics, Trash und Trivialkunst finden sich ebenso wie jahrtausende alte Mythologien oder Schreckensszenarien der Moderne. In der Präsentation in der ehemaligen Reichswaldkaserne in Goch befindet sich der Besucher inmitten der Bastokalypse. Er wird komplett umschlossen von den Figuren und Darstellungen.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/09/gochweinetikett.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1433" title="gochweinetikett" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/09/gochweinetikett.jpg" alt="" width="550" height="470" /></a></p>
<p>Mit Stefan Sander aus Rheinhessen haben wir zu einem Motiv von M.S. Bastian eine frische Cuvée aus Sauvignon Blanc und Riesling abgefüllt, die knackige Säure, Schmelz und Steinostfrucht mit Sauvignon-Aromatik verbindet. Die Auflage ist auf 600 Flaschen limitiert.</p>
<p>M.S. Bastian und Isabelle L. – Bastokalypse</p>
<h5>5. September bis 17. Oktober 2010, Reichswaldkaserne Goch, Pfalzdorfer Straße 79, 47574 Goch. Opening, 4. September 2010, 21 Uhr</h5>
<h5>Stefan Sander, Riesling &amp; Sauvignon Blanc 2009, 9.95,- bei originalverkorkt, ab Dienstag im Webshop</h5>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.originalverkorkt.de/?flattrss_redirect&amp;id=1430&amp;md5=56ff93f2911c80125cff711f77c382c0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Manchmal könnte man denken, die Loire fließt durch Siegburg</title>
		<link>http://www.originalverkorkt.de/2010/04/manchmal-koennte-man-denken-die-loire-fliesst-durch-siegburg/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Apr 2010 17:23:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
				<category><![CDATA[Cabernet Franc]]></category>
		<category><![CDATA[Chenin Blanc]]></category>
		<category><![CDATA[Händler]]></category>
		<category><![CDATA[Rot, Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Sauvignon Blanc]]></category>
		<category><![CDATA[Weinläden]]></category>
		<category><![CDATA[Weiss, Frankreich]]></category>

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		<description><![CDATA[Ok, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, zumal wenn man sich die komplette Geschmackverirrung über der Stadt anschaut. Eine Stadtverwaltung, einer Burg nachempfunden, allerdings komplett aus Beton.



Einmal im Jahr jedoch lädt das schmucke Château Berts, wie dieser ungemein schöne Weinladen von Fegers und Berts in Siegburg heißt, zur großen Loire-Verkostung ein – das hat ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ok, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, zumal wenn man sich die komplette Geschmackverirrung über der Stadt anschaut. Eine Stadtverwaltung, einer Burg nachempfunden, allerdings komplett aus Beton.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1329" title="berts" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/04/berts.jpg" alt="berts" width="570" height="339" /></p>
<p>Einmal im Jahr jedoch lädt das schmucke <em>Château Berts</em>, wie dieser ungemein schöne Weinladen von <em>Fegers und Berts</em> in Siegburg heißt, zur großen Loire-Verkostung ein – das hat mittlerweile eine gewisse Tradition. Was das Team um <em>Martin Henseler</em> dann präsentiert, zeigt die vielschichtige Bandbreite dieses mehrere Dutzend Unterappellationen umfassenden Gebietes entlang des kaum begradigten Flusses. Gehen wir von seiner Mündung im Meer aus –  denn so beginnt auch die Probe –, zieht sich der Strom beispielsweise durch das Gebiet<em> Muscadet de Sèvre &amp; Maine</em>, dann <em>Saumur</em> und <em>Anjou</em> mit diversen Unterappellationen wie <em>Bonnezeaux</em> oder <em>Savennières</em> oder <em>Champigny</em>, dann folgt die <em>Touraine</em> mit Untergebieten wie <em>Bourgeuil</em>, <em>Chinon</em> oder <em>Vouvray</em> bis hin ins <em>Sancerre</em>. 10% der gesamten französischen Weinproduktion werden hier angebaut. Was kennen wir davon in Deutschland? <em>Crèmant</em>, <em>Sancerre</em>, <em>Muscadet</em> und <em>Pouilly-Fumé</em>? Mehr ist das meistens nicht. Wer die verschiedenen Stände im<em> Château Bert</em>s abläuft und insgesamt 60 Weine verkostet, wird allerdings bestätigen, dass es da noch einiges andere gibt.</p>
<p>Neben verschiedenen Ausreißern ist die Vielfalt an angebauten Rebsorten begrenzt. Es herrschen vor <em>Sauvignon Blanc</em> und <em>Chenin Blanc</em>, <em>Gamay</em> und <em>Cabernet Franc</em>. Der <em>Melon de Bourgogne</em>, wie die Rebsorte heißt, die den frischen <em>Muscadet de Sèvre &amp; Maine</em> hervorbringt, ist kaum einem ein Begriff. Allzu oft wird das Gebiet mit der Rebosrte <em>Muscat</em> verwechselt und der Wein entsprechend völlig falsch eingeordnet.</p>
<p>Ein Paradebeispiel für terroirorientierten <em>Muscadet</em> bietet die <em>Domaine de l&#039;Ecu</em>. Den frischen, zu Austern und ähnlichem Getier passenden Basis-Muscadet kenne ich seit wahrscheinlich 20 Jahren. Den hatte schon mein Onkel im Bioladen – <em>Guy Bossard</em>, der Eigner der Domaine, hat schon sehr früh die Demeter-Plakette an der Flasche gehabt. Wie stark oftmals die Suche nach neuer Qualität und Typizität mit der Hinwendung zum biodynamischen Landbau verbunden ist, zeigt <em>Bossard</em>. Denn vor <em>Guy Bossard</em> konnte man <em>Muscadet</em> eigentlich nicht ernsthaft trinken. Altbackenes, dünnes Gebräu, was nichts, aber auch gar nichts mit diesem extrem frischen bzw. mineralischen Weinen zu tun hatte, die ich heute probiert habe. Neben dem Basiswein präzisiert <em>Bossard</em> die Weine entsprechend ihrer Bodentypizität. So nennt er die Weine <em>Expression d&#039;Orthogneiss</em>, <em>Expression de Gneiss</em> oder <em>Expression de Granite</em>. Dieser übrigens als 2009er im Glas hat mir in seiner salzigen Mineralität am besten gefallen.</p>
<p>Erstaunlich des Weiteren der<em> Sauvignon No.5</em> der <em>Domaine Clos Roche Blanche</em> aus der Touraine, der neben gereiftem Apfel, Birnen und Passionsfrucht interessanterweise ebenso ein wenig nach Ziegenfrischkäse duftete. Eine markante und passende Mischung, ist das doch <em>der</em> Käse in der Touraine.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1331" title="poussiere_de_lune_2007" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/04/poussiere_de_lune_20071.jpg" alt="poussiere_de_lune_2007" width="570" height="250" /></p>
<p>Die ebenfalls biodynamisch arbeitende <em>Domaine des Maisons Brulées</em> (sic!) bearbeitet 9 Hektar in der Nähe von <em>Pouillé</em> in der <em>Touraine</em>. Die Erträge werden so stark reduziert, dass man bei ca. 15 Hektoliter pro Hektar verbleibt. Wie man so bei Preisen zwischen 11 und 14 Euro wirtschaftlich arbeiten kann, ist mir ein Rätsel. Auf Schönung wird selbstredend verzichtet, auf Schwefelung ebenso weitestgehend. Und auch beim Flaschenverschluss gibt es etwas Besonderes: Das Team hat sich für Kronkorken entschieden. Dass das geht, sieht man beim Zwischenverschluss der Champagner – gewöhnungsbedüftig ist es trotzdem.</p>
<p>Beeindruckt hat mich der <em>Sternenstaub</em> genannte <em>Poussière de Lune</em>, ein 2007er Sauvignon Blanc, dessen Wechselspiel zwischen Reduktion und Reifenoten auf der einen Seite und frischer Säure und Zitrusnoten auf der anderen hinführt zu einem langen, feinen Abgang.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1332" title="crochet_marchand" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/04/crochet_marchand.jpg" alt="crochet_marchand" width="570" height="218" /></p>
<p>Außergewöhnliche Terroirtypizität zeigt die <em>Domaine François Crochet</em>. Dessen 10 Hektar Anbaufläche sind auf 30 Parzellen in den Gemeinden <em>Bué</em>, <em>Crezancy</em>, <em>Sancerre</em> und <em>Thauvenay</em> verteilt. <em>Crochet</em> hat sein Handwerk nach dem Önologiestudium bei so angesehenen Adressen wie <em>Château Angélus</em> und der <em>Domaine Bruno Clair</em> erlernt, 2000 war sein erster eigenverantworteter Jahrgang.</p>
<p>Schon der aus allen drei Terroirs stammende Basis-Sancerre aus dem Jahr 2008 beeindruckt in seiner Boden- und Sortentypizität. Das ist schlicht feines Sancerre, mineralisch klar, mit Duft von reifen Birnen, Melonen und Stachelbeeren.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1333" title="crochet_exils" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/04/crochet_exils.jpg" alt="crochet_exils" width="570" height="297" /></p>
<p>Außergewöhnlich<em> Les Amoureuses</em> ebenso wie <em>Exilis</em> und <em>Le Chêne Marchand</em>. Leider gibt es nur einige wenige Flaschen (ca. 36 vom <em>Amoureuses</em>) und ich habe beim Gehen vergessen, mir zumindest mal eine oder zwei reservieren zu lassen. Der vom klassischen Silex stammende <em>Exilis</em> zeigt das, was ich an <em>Sancerre</em> so mag. Die sonst so oft dominierenden Primäraromen von Stachelbeeren treten hier in den Hintergrund. Hier präsentieren sich reife Gelbfruchtnoten in Verbindung mit Nüssen und Brioche. Dazu kommt salzige Mineralität. Das Ganze wirkt bei <em>Crochet</em> sehr sehr ausgewogen.</p>
<p>Nicht durchweg so begeistert wie <em>FuB</em> war ich von der <em>Domaine de Juchepie</em>. Der trockene Anjou blanc sec <em>Le Clos</em> wirkt überladen. Wuchtiges, frisches Holz und zu starke Karamelltöne dominieren diesen Wein des Belgiers <em>Eddy Osterlinck</em>.</p>
<p>Auch der <em>Les Quartz </em>wirkt nicht ganz ausbalanciert und mich störte im Abgang eine leichte Bitternote, aber das mag sich geben mit der Zeit. Die beiden Top-Chenin <em>Blancs Passion</em> und <em>Quintessence</em> allerdings sind ausgezeichnet, auch wenn es etwas seltsam anmutet, dass sie lange gereift schmecken, aber erst wenige Jahre auf dem Buckel haben. Die Fruchtaromenfülle in Verbindung mit Noten von schwarzem Tee, Salz, Kräutern und der Balance mit klarer Säure jedoch ist hervorragend.</p>
<p>Der für mich vielleicht größte Wein der Verkostung kam vom Korsen <em>Marc Angeli,</em> der seit 1990 die <em>Ferme de la Sansonnière</em> im Anjou bewirtschaftet. Die<em> Vielles Vignes Blanderies</em> von 2008, biodynamisch angebauter Chenin Blanc, birgt in sich eine solche Kraft, Fülle und Harmonie, das ist ganz hervorragend. Da stimmt so ziemlich alles, was mit 36,50 Euro zwar auch seinen Preis hat, was aber wert ist, mal probiert zu werden; denn das ist ein Paradebeispiel für einen trocken ausgebauten Chenin Blanc.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1334" title="sasonniere_vielles_vignes" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/04/sasonniere_vielles_vignes.jpg" alt="sasonniere_vielles_vignes" width="570" height="370" /></p>
<p>Leider konnte ich mir für die Rotweine weniger Zeit lassen als für die Weißen. Bei roten und weißen Weinen fand ich die Weine der <em>Domaine St. Just</em> sehr gelungen, im Stil durchaus vergleichbar mit den Weinen der <em>Domaine des Roches Neuves</em>, ebenfalls in Saumur-Champigny gelegen. Letztere würde ich persönlich vorziehen, vielleicht weil sie mir vertrauter sind – denn qualitativ überzeugt der Chenin Blanc <em>Coulée de St. Cyr</em> ebenso wie der Cabernet Franc <em>Clos Moleton</em>.</p>
<p>Was mir schon bekannt war aus der <em>Weinhandlung Kreis </em>in Stuttgart, sind die Cabernet Francs von <em>Philippe Alliet</em>, <em>Chinon</em>, und <em>Cathérine</em> und <em>Pierre Breton</em>, <em>Chinon</em> und <em>Bourgueil</em>. Diese jungen Cabernet Francs trocknen einem im Moment zwar noch komplett die Mundhöhlen aus, zeigen aber schon ganz klar ihr Potential, ihre Fülle, Konzentration und Kraft, die Mischung von feiner Würze und kirsch- bzw. johannisbeerigen Noten.</p>
<h5>Château Berts, Haufeld 2a, Siegburg</h5>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.originalverkorkt.de/?flattrss_redirect&amp;id=1318&amp;md5=292745d9450706d8d064cddad9759f86" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sauvignon Blanc 2008, José Pariente, Rueda, Spanien</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Feb 2010 19:21:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sauvignon Blanc]]></category>
		<category><![CDATA[Weinfrauen]]></category>
		<category><![CDATA[Weiss, Spanien]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal kommen einem ja Weine unter, die einfach eine schöne Geschichte liefern. Dies ist so ein Wein. Weil Sarah, die Tochter meines Partners Michael, wusste, dass ich Sauvignon Blancs für einen SB-Abend sammle, hat sie mir letztens den Wein der Bodega José Pariente mitgebracht. Mein Spanienimporteur hat ihn ebenfalls im Programm und ich habe ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal kommen einem ja Weine unter, die einfach eine schöne Geschichte liefern. Dies ist so ein Wein. Weil <em>Sarah</em>, die Tochter meines Partners <em>Michael</em>, wusste, dass ich Sauvignon Blancs für einen SB-Abend sammle, hat sie mir letztens den Wein der<em> <a href="http://www.josepariente.com" target="_blank">Bodega José Pariente</a></em> mitgebracht. Mein Spanienimporteur hat ihn ebenfalls im Programm und ich habe mir jetzt kürzlich ein <a href="http://www.amazon.de/Weinfrauen-besten-Winzerinnen-Europas-Weine/dp/3038003778/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1266605282&amp;sr=8-1-catcorr" target="_blank">Buch über Weinfrauen</a> gekauft, in dem es die Geschichte zu diesem Wein gibt, denn dieser Wein wird nicht etwa von <em>José</em> angebaut, nein, der hat nicht mal die Bodega gegründet. Vielmehr war es seine Tochter <em>Maria Victoria</em>, die die Bodega nach ihrem verstorbenen Vater benannt hat. Ob sie dies getan hat, weil dieses Land tendentiell nicht unbedingt die Gleichberechtigung der Geschlechter in den Mittelpunkt des Interesses stellt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Einigermaßen klar ist aber, dass sie als Frau in der von Männern dominierten spanischen Weinwirtschaft gegen viele Widerstände anzukämpfen hatte. Erfolgreich übrigens,<em> Victoria Pariente</em> hat nämlich schon einige Jahre vorher einen gewissen Ruhm erlangt, als sie mit ihrer Namensvetterin <em>Victoria Benavidis</em> das Label <em>Dos Victorias</em> gründete, um direkt mit dem 1998er Verdejo mit der Auszeichnung des besten Weißweins Spanien gekürt zu werden. Dies hatte einen, in der Qualität der Weine begründeten ordentlichen Aufstieg der beiden Frauen zur Folge, 2005 hat der <a href="http://www.winemag.com/" target="_blank"><em>Wine Enthusiast</em></a> den holzfassausgebauten Verdejo zu den Top 100 Weinen der Welt gezählt, der <em><a href="http://www.decanter.com/" target="_blank">Decanter</a></em> nannte ihn den besten Weißwein Spaniens.</p>
<p>Was auch immer man von Rankings halten mag, schlechte Weine produzieren die beiden Frauen nicht. Victorias Vater übrigens war einer der Ersten, der Verdejo im Rueda angebaut hat, nur hat er den Wein in der örtlichen Bar ohne Etikett verkauft, statt ihn, wie es seine Tochter dann gemacht hat, zu vermarkten. Diese hat mitterweile eine große Stange Geld in ein neues Weingut investiert, dessen erster Jahrgang der 2008er ist. Damals, beim ersten Wein, hat sie mit 8.000 Euro begonnen.</p>
<p>Verdejo wie Sauvignon Blanc wachsen auf der Hochebene des Douro, in der Meseta, im nördlichen Spanien. Der Boden besteht aus angeschwemmten Steinen, teils mit Kalk durchsetzt. Der Sauvignon Blanc übrigens stammt von den ersten Sauvignon Blanc Rebstöcken, die in der D.O. Rueda gepflanzt wurden. Sie sind mittlerweile über 25 Jahre alt.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1263" title="pariente_sb_2008" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2010/02/pariente_sb_2008.jpg" alt="pariente_sb_2008" width="570" height="455" /></p>
<p>Der Wein duftet wie ein tropischer Obstsalat. Zitrusfrüchte, Limettenschale, Mangos, etwas Ananas und etwas sortentypisches geschnittenes Gras. Dabei wirkt er schon in der Nase durchaus mineralisch und sehr frisch. Er erinnert in seinem Fruchtbouquet zunächst an Übersee-Sauvignon, wirkt aber schlanker.</p>
<p>Im Mund ist der Wein angenehm schlank und klar, mit Zitrusnoten, Stachelbeeren, grünem Apfel und Mineralen. Im Abgang wirkt er ein wenig austrocknend, störend ist das aber nicht. Ein sehr schöner Sauvignon Blanc für unter 10 Euro.</p>
<h5>Sauvignon Blanc 2008, José Pariente, Rueda, Spanien, 9,80 Euro</h5>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.originalverkorkt.de/?flattrss_redirect&amp;id=1262&amp;md5=2a9a23e5f28d5d9a55dd4207bc2d8550" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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