originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Christophs und Holgis Mixtour No. 13, zu Gast: Siggi

Nach dem gemeinsamen Nachmittag in Spay bei der Jahrgangspräsentation der Weine von Florian Weingart haben wir uns einen Loire-Abend gegönnt. Während andere Männer mit Bierwägelchen durch die Lande zogen oder schon neben den ehemals rollenden Gefährten entschlummert waren, standen bei uns Sancerre, Vouvray und Saumur auf dem Programm.

Domaine Vacheron gehört seit langer Zeit zu den herausragenden Betrieben der Appellation Sancerre und bewirtschaftet seit 18 Jahren – und seit fünf Jahren zertifiziert – die 40 ha in biodynamischer Weise. Dabei fallen 32 ha auf den Basis-Sancerre, einige Hektar sind reserviert für die Weine des Les Romaines betitelten im Holzfass ausgebauten Spitzensancerre sowie einige Hektar für den Roten.

Kalkstein, Mergel und Silex ergeben die Grundlagen für einen sehr mineralischen, ausgesprochen feinen Sauvignon Blanc, der deutlich nach den typischen Stachelbeeraromen duftet. Dazu kommt etwas Zitrone, Heu und ein bisschen Feuerstein, was ein wenig riecht wie frischer Bremsgeruch beim ICE. Im Mund bleibt die mineralische Frische, die der Nase gefällt, und neben dem deutlichen Duft nach Stachelbeeren tauchen etwas Johannisbeere und grüner Apfel auf, auch die Zitrone schaut wieder ums Eck.

Der Vouvray von Huet und der Coulée de St. Cyr der Domaine Saint Just aus dem Saumur sind Weine, die mit der Feuersteinstachelbeerfrische des Sancerre mal genau gar nichts zu tun haben. Der Chenin Blanc ist deutlich dichter, schwerer, voluminöser als der frische Sauvignon Blanc von Vacheron. Wobei sowohl der Clos du Bourg 2007 von Huet als auch der Coulée der St. Cyr 2006 der Domaine de St. Just letztlich noch viel zu verschlossen sind und eigentlich noch Jahre im Keller verbringen sollten, bevor man sie öffnet. Einen Einblick gewähren sie trotzdem.

Wenn man von herausragenden Weingütern an der Loire spricht, wird man immer auch den Namen Domaine Huet l'Echansonne erwähnt finden. Dieses vergleichsweise junge Weingut der Huets (1928 gegründet) hat sich schnell einen Spitzennamen erworben und sich über Jahrzehnte hinweg mit kompromisslosem Qualitätsstreben und einigen ausgezeichneten Lagen im Vouvray an die Spitze befördert. Seit dem Zusammentreffen mit Nicolas Jouly vom Coulée de la Serrant arbeitet Huet biodynamisch, was wohl die Qualität noch einmal verbessert hat. Die Weine gelten in guten Jahren als fast unbegrenzt haltbar.

Der Clos du Bourg, tatsächlich ist es ein echter Clos, ein an das Burgund erinnernder Weinberg mit Steinmauerumrandung, gilt unter den drei Spitzenlagen, die anderen heißen Hau Lieu und Le Mont, als der mit den zunächst am meisten verschlossenen, dafür aber langlebigsten Weinen. Der Wein beeindruckt aber durchaus schon jetzt. Er ist tief und harmonisch selbst in seiner Zurückgezogenheit. Was bei der Dichte des Weines erstaunt, ist die tiefe Mineralität dieses Weines, in den sich Anklänge von Honig und Mandarinen mischen.

Wenn ich die Domaine Huet als jung bezeichne, so ist sie doch geradezu ein Urgestein gegen die Domaine Saint Just. Diese gibt es erst seit zwölf Jahren und Yves Lambert und sein Sohn Arnauld müssen sehr viel Geld investiert haben, um im Saumur diese moderne Kellerei mit 99 Hektar (!) zu erwerben. Das Angebot der Weine reicht vom weißen Saumur über die typischen Cremants zu Saumur Champigny, einem Roten aus dieser Region. Die Weinberge liegen auf Lagen von Kalkstein, Sand und Ton.

Der Coulée de St. Cyr wirkt ähnlich kräftig wie sein Kollege aus dem Vouvray. Dabei zeigt er sich schon offener, er ist nun auch schon ein Jahr älter, aber auch hier hatten wir den Eindruck, der Wein sei eher für die Ewigkeit gemacht als für den jetzigen Zeitpunkt. Dabei finde ich es sehr schwer, dem Wein einen spezifischen Geschmack oder Geruch zuzuweisen, es ist eher so, als würde man in ein paar Meter Abstand an einem Blumen- und Früchtestand auf dem Markt vorbeigehen. Es ist eine süße Traubendichte, das Goldgelb sehr reifer Trauben, der Druck und die Mineralität und der lange Nachhall dieses Weines, der jetzt schon einen sehr harmonischen Eindruck hinterlässt, aber ebenso dazu aufruft, ihn in den Keller zu sperren und bis auf Weiteres zu vergessen.

Zum Abschluss gab es Lebenswasser, aus Waldhimbeeren extrahiert. Einer, der dieses meisterhaft beherrscht, einer der großen Künstler des Eau-de-Vie, ist der Elsässer Jean-Paul Metté. Alle Eau-de-Vie und Spiritueux von ihm werden in drei Doppelbrandanlagen aus Kupfer hergestellt. Bei diesem Brand werden die Waldhimbeeren zunächst 4 Monate in 75-prozentigen Weinbrand gelegt, bevor nach Entfernung von Vor- und Nachlauf der Brand ein weiteres Mal gebrannt wird. Dieser 75 %-Stoff wird mit Quellwasser auf 45 % reduziert und verschwindet dann für acht Jahre im Edelstahltank.

Das Ergebnis ist ein fast reiner Duft und Geschmack nach Himbeeren, wie ich ihn so klar bisher noch nicht erlebt habe.

Sancerre 2008, Domaine Vacheron, Sancerre, Loire, Vinaturel, 17,85 Euro
Le Clos du Bourg 2007, Domaine Huet, Vouvray, Loire, Vinaturel, 17,- Euro
Le Coulée de St. Cyr 2006, Domaine de St. Just, Saumur, Loire, Fegers & Berts, 16,90 Euro
Eau-de-Vie de Framboise Sauvage, Jean-Paul Metté, Alsace, Vinaturel, 375 ml, 29,- Euro

Apud Sariacum, Sauvignon Blanc 2007, Phillipe Raimbeault, Sancerre

10/Feb/09 20:06 kategorisiert in: Sauvignon Blanc, Weiss, Frankreich, Weissweine

Wo wir schon beim Sauvignon Blanc sind, gibt es noch gleich den europäischen Vertreter dazu, den wir beim letzten Gocher Weinzyklus dem Mount Nelson gegenüber gestellt haben. Blind. War aber nicht schwer. Der Mount Nelson ist fruchtig und explosiv, der Sancerre filligran, mineralisch.

Das ist wie die Tag- und Nachtgleiche einer Rebsorte. Auch die Stachelbeere finde ich in beiden. Dort noch grün, hier schon reif und rot. Dort kommen die exotischen Früchte hinzu, hier das Citrus. Und Minerale. Kalkstein, Baby!

Der Neuseeländer mit viel Schmelz und offensiver Frucht, der Sancerre sehr nervig, hintergründig und fein. Mount Nelson für die Thaiküche und weißes Fleisch, der Sancerre für zurückhaltend gewürzten Fisch, Muscheln, Austern.

Apud Sariacum, Sauvignon Blanc 2007, Phillipe Raimbeault, Sancerre

Mount Nelson, Sauvignon Blanc, Tenuta Campo di Sasso, Marlborough, Neuseeland

09/Feb/09 21:52 kategorisiert in: Sauvignon Blanc, Weiss, Neuseeland, Weissweine

Wenn europäische Weinfürsten mal keinen Platz mehr haben oder nicht in der richtigen Region für die entsprechenden Rebsorten beheimatet sind, kaufen sie gerne mal in Übersee Ländereien. Manche gehen auch schlicht Joint-Ventures ein. Gekauft hat in diesem Fall Ludovico Antinori, und zwar im Marlborough Estate.

Und da hat er einen Wein gezaubert, den ich durchaus prächtig finde. In der Nase auf jeden Fall. Und auch am Gaumen. Aus dem Glas strömen Blumen und Stachelbeeren, Grapefruit und Kiwi … (Kiwi? … So'n Quatsch, Kiwi. Nur weil der jetzt aus Neuseeland kommt …) Und ja, frisch geschnittenes Gras, wie man es erwarten mag. Und weißer Pfeffer noch dazu. Und Vanille. Aber nicht vom Holz. Der kommt nämlich nicht aus dem Holz, sondern aus dem Edelstahltank – Gott sei Dank.

Vorzeigeneuseeländer halt. Schön gemacht vom Herrn Antinori, der hier noch selbst Hand anlegt. Dazu am Gaumen eine herrliche Frische und Säure. Das ist sehr fein gemachter Stoff.

Mount Nelson, Sauvignon Blanc, Tenuta Campo di Sasso, Marlborough, Neuseeland, ca. 11 Euro

Fritz Waßmer, Sauvignon Blanc, 2007, QbA, Baden

28/Jan/09 13:10 kategorisiert in: Abschweifungen, Sauvignon Blanc

Da gehe ich so bei den Görtz Brothers vorbei – in Bonns wohl am meisten unterschätzten Getränkemarkt –, weil ein Freund aus Japan kommt, der so schrecklich gerne Weißbier trinkt, und das bekomme ich dort in ausschweifender Auswahl, dann finde ich dort neben einer günstig bepreisten Flasche 1993er Clos de la Bergerie von Nicolas Joly den Sauvignon Blanc von Fritz Waßmer. Das ist ein Bade mit Hang zum Französischen. Er möchte vor allem rote Spitzenweine produzieren, setzt auf französische Pinot-Klone auf schwach wachsenden Unterlagen mit extrem hoher Pflanzdichte. Im Keller praktiziert er konsequent die offene Maischegärung ohne Zusatz von Reinzuchthefen. Daneben ist er wohl Deutschlands größter Erdbeer- und Spargelproduzent. Aber das nur am Rande.

Was er hier als "einfachen" Sauvignon Blanc auf die Flasche füllt, rockt! Das ist der Wein, den man haben will, wenn man es satt hat, für ’nen frischen Sauvignon zu den Weinen greifen zu müssen, die schon mindestens 10.000 Kilometer auf dem Buckel haben. Nichts grundsätzlich gegen Überseeweine. Aber anständig finde ich es eher, wenn man die einfachen Qualitäten hier kauft und bei Überseeweinen mit verheerender Ökobilanz dann doch eher die Weine auswählt, die man hier nicht kriegt – wirklich gute Weine mit Regionalitätscharakter. Alles was im Supermarkt so rumsteht von Lehmann oder Penfolds oder Gallo oder Nederburg, ist zwar ok gemacht und sauber produziert, aber es ist austauschbar. Das ist der Sauvignon von Waßmer vielleicht auch, aber der hat nur 400 Kilometer auf dem Buckel und er ist wirklich sehr lecker, ein 2007er, der so frisch schmeckt und im Mund perlt, als habe ihn gerade ein südafrikanischer Winzer auf die Flasche gezogen. Der Preis ist echt ok dafür, und wenn ich jetzt ’ne Party schmeißen würde, wäre das gerade der Weiße meiner Wahl.

Fritz Waßmer, Sauvignon Blanc, 2007, QbA, Baden, 7,30 Euro ab Weingut und 6,30 Euro bei P&M Getränke

Jenseits aller Erwartungen, Sauvignon Blanc 2007, Constantia

26/Mrz/08 17:03 kategorisiert in: Abschweifungen, Sauvignon Blanc, Weiss, Südafrika

»Weine aus Südafrika […] gewinnen bei den deutschen Verbrauchern an Beliebtheit. Die Einfuhren kletterten 2007 um 51 […] Prozent«, meldet Weinplus, und ich kann es verstehen. Es gibt in allen Preissegmenten überdurchschnittlich viele vernünftig gemachte Weine. Selbst das, was ich im Supermarkt finde, ist meist besser als das der europäischen Konkurrenz. Wobei es natürlich auch Ausnahmen gibt.

Gestern hatte ich den Sauvignon Blanc von Buitenverwachting im Glas, und zwar den 2007er. Der kostet so um die 10 Euro und ist das auch wert, wie ich finde. Frisches Gras mit Stachelbeeren, Feigen und ein grüner Apfel, durch den Mixer gejagt, mit grünem Pfeffer abgeschmeckt und eingeschenkt. Im Mund sehr klar, sehr präsent, fruchtig bis zu einer ausbalancierten Grenze, die Säure und Mineralität passend.

Buitenverwachting heißt übrigens Jenseits aller Erwartungen, das ist ein schöner Name für ein Gut. Das Herrenhaus stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts, das Gut ist Teil des ältesten Weingutes am Kap. Auf den Rotwein »Christine« bin ich mal gespannt.

Ach, dazu gab es übrigens Tofu mit frischem Gemüse, geschwenkt in einer Soße mit ein wenig Kokosmilch, Kaffirlimettenblättern, Kardamon und Zitronengras einerseits und Fisch in scharfer Pepperonisoße mit Zitronengras und Thaibasilikum andererseits. Und wer in Köln neben Thai und Japanen mal andere asiatische Küche sucht, sollte einen Tisch im Bali vorbestellen. Die haben keine Website, die ich verlinken könnte, und auch die Außenwerbung fällt kaum auf. Das Essen ist seit vielen Jahren auf sehr gutem Niveau und, wie ich mir habe sagen lassen, auch sehr authentisch indonesisch.

Sander, Riesling-Sauvignon Blanc 2004, Rheinhessen

18/Okt/07 13:17 kategorisiert in: Bioweine, Riesling, Sauvignon Blanc, Weiss, Deutschland, Weissweine

Tja. Über die Herren Sander und deren Weine hatte ich mich ja schon mal geäußert und verlauten lassen, dass ich sie durch die Bank gerne mag, vor allem den Chardonnay und den Schlossberg-Riesling. Die Herren Sander gehörten mit zu den Ersten in Deutschland, die sich mit Sauvignon Blanc beschäftigt haben, und der reinrassige ist auch nicht schlecht, wobei ich den von Wagner-Stempel d beispielsweise eutlich besser finde. Was ich heute im Glas hatte, war ein Riesling-Sauvignon Blanc. Kurz gesagt, dachte ich im ersten Moment an Honigmet mit feiner Säure. Dann spaltet sich der Geruch und es kommen Apfel, Mango und Holunder hinzu. Der Geschmack ist frischer, als die Nase erahnen lässt. Jetzt kommt der Riesling ins Spiel mit seiner ausgewogenen Mineralik und Säure. Schön. Knackig frisches Spiel mit Restsüße und Obstsalat. Nach meinem Geschmack hätte es ein wenig weniger Sauvignon und ein wenig mehr Riesling sein können, aber was soll es.


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