Zufälliger Weise ist das nun das Posting No. 500. Nach etwas über vier Jahren. Da kommt ja doch was zusammen. Statt groß zu feiern mache ich das, wozu dieses Blog da ist und resümmiere mal den letzten Weinabend unserer Bonner Runde.
Hatten wir bisher meist klar umrissene Gebiete oder Sorten als Themen des Abends, war es diesmal anders. Es war so etwas wie eine Best-Bottle-Party, eigentlich aber eher nach dem Motto "Ich hole mal die Dinge aus dem Keller die ich immer mal mit anderen zusammen probieren wollte". So war bei diesem Abend nicht entscheidend, wer jetzt die rarste und teuerste Flasche aus den Tiefen des Kellers hervorgezaubert hat, angenehmer Weise wird hier eh nicht um die Position des Alphatier-Weinkenners und -sammlers gerungen, viel interessanter war die Bandbreite ungewöhnlicher Weine, die jeder beizusteuern hatte.
Ich selber habe zu diesem Abend einen süßen Champagner, und mit süß meine ich süß, von Fleury beigesteuert und die einzige Flasche Niepoort Redoma 1996, die ich hatte. Aber dazu später mehr.
Vorspiel
Begonnen haben wir, nachdem klar war, wer in die zweite Liga absteigen würde und wer noch eine Chance hat, drin zu bleiben. Begonnen haben wir mit einem Wein ausser der Reihe, einem Aperitiv des Gastgebers, genau so blind eingeschenkt wie die restlichen Weine des Abends.
Woran denke ich, wenn der Wein nach Traminer riecht aber nicht unbedingt danach schmeckt? Wenn er eher nach Riesling schmeckt, aber auch nicht so richtig? Ich denke dann immer an den Cöllner Rosenberg, auf dem der gemischte Satz (Riesling und Traminer) des Weinguts Hahnmühle steht. Ich hatte den 2010er gerade eine Woche vorher noch vor Ort probiert und das war meine Idee, die ich zu dem Wein im Glas hatte. Das Elsaß fällt mir noch als Alternativursprungsort zum Alsenztal ein, doch ich liege falsch. Was hier so frisch und kräutrig, mit angenehmer Holunderblütennoten daher kommt ist ein blitzsauberer trockener Muskateller 2009 der Familie Rebholz, Pfalz also, sehr ansprechend.
Erstes Doppel
Ernst wurde es mit dem ersten Gedeck, zwei Weiße nebeneinander und grundverschieden. Im linken Glas findet sich ein Wein mit leichten Petrolnoten, Riesling, ziemlich klar, zunächst denke ich an Mosel, doch nur im ersten Moment, dann wandere ich gedanklich weiter Richtung Nahe, Pfalz… Ins Elsass gelange ich nicht auf meiner imaginären Wanderung, doch da hätte ich hingemusst um den Wein zu verorten, den ich zwei Stunden vorher noch mit Matthias von Chez Matze aus dem Weinbunker geholt hatte. Der Wein schmeckt entschieden deutsch, nicht elsässisch, er schmeckt auch gut, aber nicht hervorragend, hat Charakter, aber zu wenig momentan, zu wenig für einen Schlossberg Grand Cru 2005 von Albert Mann. Auf mich wirkt er verschlossen, ich kenne ihn anders, feiner, subtiler, mit mehr Substanz. Das ändert sich übrigens auch nicht zum Schluss der langen Runde, als ich mir den Wein noch mal still und heimlich vornehme. Nein, das ist nicht seine beste Zeit.
Dem gegenüber steht ein Oak-Monster, ein Wein der sich erst einmal durch eine große Ladung Rösteiche zwingen muss, damit man ihn überhaupt wahr nimmt. Wer macht solche Weine, wo könnte er entstanden sein? Die erste Idee am Tisch ist Burgund, ich kenne auch solche Veltliner, aber ein Veltliner ist es nicht, Weißburgunder aus der Pfalz kommt dem am Nächsten, was ich im Glas erahne aber das fehlt die spezielle Crèmigkeit. Gelbe Früchte finde ich, aber nicht die des Chardonnay, etwas Marzipan, ein wenig Crème…
Es ist jedenfalls definitv eine Rebsorte, die nicht allzu deutlich mit eigenen Aromen glänzt, vielmehr Geschmackträger, Geschmacksverweber ist, das ist den Knipsers schon klar, deshalb stecken sie ihn ins Holz, in zu viel Holz, wie ich finde. Als Rebsorte führt das, was wir im Glas haben ein absolutes Nischendasein. Ein Gelber Orléans *** 2005 vom Weingut Knipser. Der Orléans ist aus den hiesigen Weingärten übrigens fast komplett verschwunden, früher wurde er im gemischten Satz angebaut, vornehmlich mit Traminer, Riesling und Heunisch baut ihn meines Wissens nur Knipser in der Pfalz und Georg Breuer im Rheingau an. Vor wenigen Jahren wurden am Kloster Disibodenberg beim Weingut von Racknitz einige uralte Rebstöcke gefunden, fünf davon sind Orléans, über 500 Jahre alt.
Zweites Doppel
Im zweiten Flight standen sich zwei Weine gegenüber, die ziemlich rebsortentypisch zu sein schienen, zumindest dachten wir das für den ersten Wein, der alle Charakteristiken eines reinsortigen Sauvignon Blanc aufweisen konnte. Beim zweiten Wein waren wir uns nicht ganz sicher, ich selbst habe auf Chenin Blanc von der Loire getippt und durfte Recht behalten. doch von vorne.
Was fällt einem dazu ein wenn man einen hellen Weißwein im Glas hat, der realtiv klar nach Stachelbeeren und Johannisbeere duftet und zudem leicht kräutrig wirkt?
Das muss doch entweder ein Sauvignon Blanc sein oder ein Grüner Veltliner aus dem Artikel von Captain Cork, also einer, wie wir uns ihn eigentlich nicht wünschen. Der Wein schmeckt nicht nach Sancerre, dafür ist er nicht trocken genug und ihm fehlen Kalk und Silex, nach Österreich schmeckt er nicht, dafür ist er nicht wuchtig genug, Deutschland könnte sein, aber die meisten hier haben etwas mehr Restzucker. Neuseeland, zumindest die älteren Jahrgänge wird es auch nicht sein, dafür ist er nicht exotisch genug. Ich tippe für mich auf Trentino oder Alto Adige, bin mir aber lediglich in der Rebsorte sicher – und scheitere. Wir haben etwas ganz Anderes im Glas. Einen Wein von einem Weingut, dessen Chenin Blancs ich früher mochte (ich habe hier mal einen vorgestellt). Das, was ich nun probieren muss, erschüttert mich. Ok, es erschüttert mich nicht wirklich, wir wissen mittlerweile zu viel von Aromahefen, Kaltvergärung und dem Zusammenspiel der Kräfte im Weinkeller wenn man einen Wein "machen" will. Aber es sollte erschüttern. Dieser Wein hier wurde gemacht. Das ist kein Chenin Blanc im eigentlichen Sinne. Das ist Chenin Blanc, der auch Grüner Veltliner sein könnte, der auch Sauvignon Blanc ist. Ein Wein also, den die Welt nicht braucht und bei dem ich mich frage: Wozu in aller Welt machen die das? Ja, ersthaft. Wozu? Warum machen die nicht Chenin Blanc der nach Chenin Blanc schmeckt und Sauvignon Blanc der nach Sauvignon Blanc schmeckt? Beides ist in Südafrika sehr gut möglich, auf sehr gutem Niveau. So viel also zum Chenin Blanc 2009 Vineyard Selection, Kleine Zalze.
Den zweiten Wein habe ich vor nicht allzu langer Zeit schon mal getrunken, als Absacker gewissermaßen, als Schlusspunkt einer Cabernet Franc Verkostung. Und auch wenn die teils noch zu jungen Cabernets richtig Spaß gemacht haben, zum Schluss einen Chenin zu trinken ist eben ein i-Tüpfelchen. Der Wein hat mir damals gefallen, mit einer klaren Einschränkung, die ich ich hier nur bestätigen kann. Der Jahrgang leidet an zu viel Alkohol, wirkt etwas brandig hinten raus, etwas matt. Das ist eine Klage auf hohem Niveau, ich gebe es zu, aber es ist ehrlich. Der 2006er L’Enclos, Savennières von Eric Morgat ist expressiv, dicht, voll reifer Birnenfrüchte und ein wenig Banane, mit Anklängen von Nüssen und gut eingebundenem Holz, dazu kommt ein wenig Bitterorange, das mag ich.
Drittes Doppel
Was uns nun im dritten Doppel aus dem Glas entgegen strömte, das mochte ich auch, und zwar beides.
Das erst Glas war, was die Rebsorte anging erstaunlich schnell und präzise erraten, da gab es praktisch keine Diskussion. Cabernet Franc sollte es sein. Mit ziemlicher Sicherheit reinsortig. Die Art der Würze, die roten Paprika, die Säure, das Zusammenspiel der Komponenten macht uns sicher. Doch was heisst das schon nach der Pleite mit dem südafrikanischen Chenin? Und was macht die Note von nasser Pappe, der Brotteig, die Schokonote in diesem Wein? Matthias tippt auf Merlot als Beimischung, letztlich ist es aber Südafrika als Beimischung. Es ist ein 2005er (schon der dritte 2005er) Cabernet Franc von Buitenverwachting. Buitenverwachting verfügt nicht nur über eines der schönsten Häuser in diesem Landstrich, einem historischen Kleinod, es ist auch meiner Ansicht nach eines der beständigsten Weingüter dort, die Cuvée Christine mag ich immer wieder gerne, aber auch die reinsortigen Weine können sich sehen lassen, wie eben auch der Cabernet Franc, eine Seltenheit am Kap. Ach, und übrigens, warum soll der Wein nicht auch einen Anteil Merlot enthalten? Schließlich dürfen dem Wein undeklariert 15% weitere Rebsorten beigemischt werden, das Gesetz erlaubt es.
Dem Cabernet Franc zur Seite gestellt hat der Hausherr einen Wein, dessen Provinienz deutlich schwerer zu erraten war. Ein trüber Wein, süß in der Nase, etwas dumpf, matt, dazu etwas, was Matthias als Schiefernote identifiziert hat, "so was wie Faugères", meinte er, "so was wie Mas de Daumas Gassac". Der Wein dreht erst richtig am Gaumen auf. Ein Wechselspiel zwischen Fruchtsüße und klarer Säure, einer inneres Messen ob Frucht oder Säure bei der Sauerkirsche überwiegt. Mineralität ist im Spiel, etwas Hitze. Es ist definitiv ein südlicher Wein und da ich weiss, was ich mitgebracht habe bin ich mir ziemlich sicher, was im Glas ist und halte die Klappe. Irgendwann wird dann doch aufgedeckt und wir sind uns so ziemlich alle einig, auch später, dass dieser 1996er Redoma von Dirk van de Niepoort der Rotwein des Abends ist. Viel Struktur, viel Charakter findet sich in diesem Wein, dessen autochthone Rebsorten auf den Schieferböden des Dourotals wachsen. Lediglich der Abgang ist ein wenig kurz geraten, aber das frustriert nicht wirklich, es ist lediglich ein wenig Schade, denn von einem schönen Wein will man ja immer gerne noch mehr.
Stattdessen kommt es zur dritten Rotwein-Paarung mit zwei ganz unterschiedlichen Typen.
Viertes Doppel
Der erste Wein ist ähnlich unfiltriert wie der letzte Wein und, später kommt es heraus, aus dem gleichen Jahrgang 1996. Zunächst denke ich an Syrah, er hat so was Teeriges in der Nase, die helle Farbe passt aber gar nicht. Zum Teer kommt dann noch etwas gekocht Gemüsiges dazu. Der Sexappeal des Weines hält sich zunächst in Grenzen. Das Mundgefühl allerdings ist dann ein Pinotgefühl. Ein Rest aus dem Himbeer-Erdbeer-Früchtekorb ist noch da, Würze, Liebstöckel und zum Schluss ein abgebranntes Streichholz. Das alles ist sehr harmonisch zusammengefügt, mit viel Kraft, Struktur und ordentlichem Tannin. Gealterter Pinot nach meinem Geschmack. Es ist, voilà, ein 1996er Chambolle-Musigny, eine Dorflage von Hubert Lignier. Lignier gehörte in den 80ern und 90ern zu den sehr renommierten Winzern, auch wenn er seinen Besitz in Morey St. Denis hat, und nicht in der bekannteren Nachbargemeinde Gevrey-Chambertin. In den 90er Jahren hat seinen Sohn dann zunehmend die Leitung übernommen und die beiden haben eine Betriebsgesellschaft gegründet. Dann verstarb sein Sohn an einem Hirntumor und Hubert und seine Schwiegertochter können nicht miteinander. Die Folge ist, dass Lignier heute nicht einmal mal mehr in seinen eigenen Keller kommt.
Noch deutlich bekannter als Lignier ist der Schöpfer, der Macher des zweiten Weins. Ich habe kürzlich über das Weingut geschrieben, weil ich eine wirklich geniale Flasche von ihm aufmachen durfte. Diese hier, noch verdeckt, ich habe noch keine Ahnung, was hinter diesem Wein steht, macht mich nicht so an. Der Wein ist dicht und dunkel, massiv beerig, mit einem Hauch von Eukalyptus und Lakritze. Leider ist der Wein allerdings auch etwas bitter, und zwar hat es die Bitterkeit, die man nicht haben möchte. Der Wein wirkt wie einer aus Übersee, im Gegensatz zu dem, den ich vor Kurzem im Glas hatte. Wir probieren gerade einen 2002er Dominus von Christian Moueix. Sicherlich ein sher gut gemachter Wein, der aber bei mir gerade im direkten Vergleich zum Lignier keine Chance hat.
Interludium
Als intellektuelles Zwischenspiel und auch, um die Zungen ein wenig zu beruhigen, plöppt wenig später der Korken und Schaumwein ist angesagt. Nach dem ersten Schnuppern ist klar: Das ist Champagne. Diese Briochenoten, das leicht Kalkige, leicht Kräutrige kann nur Champagne sein. All dies setzt sich am Gaumen fort, dann aber kommt die Überraschung. Eine ungeahnte, in der Nase nicht präsente Süße macht sich breit. Was ich hier ins Feld werfe ist ein 1995er Fleury Doux. Ein Champagner mit 53 Gramm Restzucker. Das ist man heute gar nicht mehr gewohnt. Ich selber liebe Champagner gänzlich ohne Dosage, der Stoff hier hat richtig viel, ohne allerdings im Geringsten aufdringlich zu wirken. Die 53 Gramm jedenfalls hätte niemand getippt, es wirkt eher wie ein wenig mehr als Demi-Sec. Das ist schon gekonnt, hat Fleury doch den Säuregrad exakt abgepasst, damit es passt. Fleury ist übrigens momentan der Einzige, den ich als Produzenten kenne, der solche Champagner noch herstellt.
Fünftes Doppel
Kommen wir nach trockenen Weißweinen und Rotweinen zum dritten Teil des Abends, den Süßweinen.
Wer sich durch den Werkstattgeruch beim St. Urbanshof durchgearbeitet hat, landet eigentlich immer bei einem schönen Wein. Diese Erfahrung habe ich zumindest bisher gemacht, und das ist auch bei diesem 2002er Kabinett aus Wiltinger Schlangengraben nicht anders. Leicht, fein mit noch frischem Apfel und feiner Säure. Mosel, wie ich sie liebe.
Im direkten Vergleich wirkt der zweite Wein dagegen massiver, dichter, tropischer. Leider mit einem kleinen Korkgeruch, der den Wein aber glücklicher Weise nicht all zu stark behindert. Der Wein besitzt viel Restzucker und zu wenig Säure, im Mund verdichten sich die tropischen Früchte, hinzu kommt eine leichte Schwarzteenote und hinten raus eine Bitternote, die aber allgemein nicht als Fehler oder als störend empfunden wird. Es ist eher so eine Bitternote aus einer englischen Orangenmarmelade – mit entsprechender Süße. Wie gesagt, die Säure fehlt und macht den Wein etwas fruchtsaftig. Dass es sich hier um eine 1993er Spätlese handelt, hätten wir allerdings nicht gedacht. 1993er Bopparder Hamm Ohlenberg von Weingart. Unten auf dem Etikett taucht schon der Name Florian Weingart auf, die großen Lettern verweisen jedoch auf den Vater Adolf Weingart.
Sechstes Doppel
Auch der nächste Wein ist einer, der so wirkt, als habe man einen exotischen Früchtekorb gepresst. Litchi, Mango, noch mal Mango, Papaya und was sonst noch alles drin sein mag. Das ist Huxel, denke ich, liege jedoch falsch. Es ist Silvaner, in Auslesequalität. Das war klar, so konzentriert kommt der Wein daher. Allerdings fehlt diesem noch leicht moussierenden Stück aus der Horst Sauerschen 0,5er-Flasche doch ein wenig die Säure. Das ist Schade, ein mehr davon wäre perfekt gewesen. Andererseits, diese 2007er Silvaner Auslese aus dem Escherndorfer Lump ist für relativ kleines Geld zu haben und dafür macht sie richtig Spaß.
Was neben diesem Silvaner steht, wirkt davon meilenweit entfernt, statt wenige Zentimeter. Ein bernsteinfarbenes Extrakt, Orange- und Brauntöne mischen sich wie kürzlich erst beschrieben beim Genuss der 1994er Rieslaner Eselshaut-Auslese von Müller-Cartoir. Auch da war Matthias dabei und er denkt dasselbe. Etwas Steinobstfrucht noch in der Nase, vermischt mit Schwarzteesud, Kramellkeks kommt dazu und schon in der Nase erahnt man Säure. Am Gaumen gibt es dann jede Menge davon. Heftig. Was die Säure angeht, könnte diese Beerenauslese noch lange liegen blieben. Ob dann noch Frucht vorhanden sein wird mag bezweifelt werden. Ein Erlebnis ist es auf jeden Fall, mit solch einem Wein konfrontiert zu werden, mit einer 1996er Traiser Beerenauslese Riesling vom Weingut Crusius.
Nachlauf
Noch etwas? Ja, noch etwas. Bevor es Zeit wird, zu gehen, nach dem Säureschock der Beerenauslese kommt noch etwas sehr Süßes hinterher. Süßlich wie der Gewinnersong des ESC, der weit entfernt am anderen des Raumes vor sich hindudelt und dessen Verlauf wir mit halbem Auge verfolgt haben.
Was die Farbe von Sauternes hat und zunächst auch ähnlich in der Nase wirkt, die Fruchtnoten sind da, die Kaffenoten, gleitet bei zunehmender Vermischung mit Sauerstoff ins Alkoholische, etwas Acetonische ab. Am Gaumen bleibt der Alkohol präsent. Dazu kommt die oben schon genannte bittere Orangenmarmelade und noch ein wenig Exotik. Der Wein ist definitiv zu jung, noch unausgewogen. Kein wunder, wir haben einen 2009er Chenin Blanc im Glas. Noch mal Südafrika, diesmal Joostenberg.
Jetzt ist die Zunge müde, aber das Fazit ist sehr positiv. Auch wenn sich über einige Weine trefflich streiten ließ, oder vielleicht gerade deshalb, mag ich solch verdeckte runden in denen sich jeder auf’s Glatteis begeben muss und manchmal fällt. Ach ja, wir hatten zwei Gäste am Tisch, die wussten im Vorfeld gar nicht, was sie erwartet und schauten uns nur immer wieder staunend an, ob der Hingabe, mit der wir uns unserem Thema gewidmet haben. Ob sie wohl noch mal dazu stoßen würden, nach dieser Erfahrung? Wer weiss…
Ach, da haben wir gestern doch glatt inoffiziell die Spargelsaison eröffnen können. Offiziell gibt es den erst frühestens am Wochenende, zumindest am Niederrhein. Dass mein Gastgeber trotzdem welchen bekommen hat, liegt wohl daran, dass er seit vielen Jahren bei seinem bevorzugten Spargelbauern ein sehr guter Kunde ist.

Ich kam ziemlich abgehetzt in Goch an, hatte viel länger gebraucht für die Strecke und das Essen stand schon auf dem Tisch. Spargel satt, Schinken satt, zerlassene Butter satt und ich konnte frischen 2009er Silvaner von Alexander Gysler mitbringen. Ein herrlich stoffiger Gutssilvaner ist das geworden mit einer schönen Kräuternote und ordentlicher, leicht salziger Mineralität. Zu diesem Gericht eine kongeniale Ergänzung.
Und solch ein Essen ist ja immer wieder echtes Soulfood!
Vorletzte Woche habe ich Alexander Gysler in Alzey-Weinheim besucht. Er gehört mit zu den Winzern, die sich zum Netzwerk message in a bottle zusammen gefunden haben, den Weinbau in Rheinhessen zu neuen Qualitäten vorantreiben und das Gebiet für mich zur momentan spannendsten Region werden lassen. Über Wagner-Stempel oder Keller oder Wittmann muss man da gar nicht weiter viel schreiben, das Netz ist voll davon, über Sander, Winter oder Koehler habe ich das auch schon getan, nicht aber beispielsweise über Villa Bäder oder eben Alexander Gysler.
Letzterer musste nach dem plötzlichen Tod des Vaters 1999 ziemlich rasch das Gut übernehmen und hat dies ganz konsequent in den letzten Jahren zu einem Demeter-Betrieb umgewandelt. Was bei all seinen Weinen beeindruckt, ist, wie reintönig und sortentypisch all seine Qualitäten sind, vom Literwein bis zum Riesling JC. Diese Weine sind immer zunächst zurückhaltend, von klarer Frucht und feiner Würze. Zurückhaltend wohl, so Alexander Gysler, weil seine Lagen mit zu den kühlsten in Rheinhessen gehören.

Gyslers Weine sind glockenklar, wenn ich das mal so formulieren darf, reintönig und frisch, wie zum Beispiel der Silvaner "alte Reben", den ich gerade im Glas habe. Feine Würze paart sich mit Aromen von reifer Birne, dabei wirkt er leicht salzig und mineralisch vom rotliegenden Gestein. Trinkt man den Wein, füllt sich der Mund mit der gleichen herrlichen Kombination aus Würze und Frucht, gepaart mit einer leichten Restsüße. Der Wein ist fülliger als zunächst in der zurückhaltenden Nase vermutet, dabei aber trotzdem wunderbar klar und gradlinig, mit einem langen Abgang. Ein feiner rheinhessischer Silvaner.
Es ist ungewöhnlich, was die beiden befreundeten Winzer aus Franken da seit 2006 machen. Sie tauschen reifes Rebgut aus ihren besten Lagen, die da wären Escherndorfer Lump bei Horst Sauer und der Iphofener Julius-Echter-Berg bei Johann (Hansi) Ruck. Heraus kommen vier Weine, also zwei aus jedem Hang im Stil der beiden Winzer. Zwei Stile, die unterschiedlicher in Franken kaum sein könnten – wage ich zu behaupten.
Unser Gastgeber allerdings hat sich nicht lumpen lassen, den Abend zunächst mit einem Champagner "auf's neue Jahr" einzuläuten und mit einem verdeckten Weißwein fortzufahren, wo er seinen halben Weinkeller drauf verwetten wollte, dass wir es nicht rauskriegen, was das nun ist, was wir im Glas haben. Getraut hat er sich nicht – aber rausgefunden haben wir es auch nicht.
Der Champagner stammt von Pierre Gimonnet, ein Blanc de Blancs 1998, abgefüllt für Eckart Witzigmann und erworben vor wenigen Jahren für erstaunliche 34,- Euro. Pierre Gimmonet & Fils gehört unter den Winzern, die auschließlich eigenes Traubengut verarbeiten, mit 25 Hektar eher zu den großen Erzeugern. Diese 25 Hektar finden sich ausschließlich an der Côte de Blancs und es wird ausschließlich Champagner aus Chardonnay erzeugt, und das von teils 90 Jahre alten Stöcken.

Diese Cuvée besticht durch geröstete Nüsse, etwas Brioche und bei längerer Standzeit zunehmender Quitte. Hinzu kommt etwas mürber Apfel und eine sehr frische, klare Säure. Eine sehr angenehmer, durchaus beglückender Einstieg in den Abend.
Was folgte, war die Verkostung eines Weins, den ich am ehesten als Weißburgunder des Alto Adige , also nach Südtirol, gesteckt hätte. In der Tat aber hatten wir einen frischen Auxerrois aus den Niederlanden im Glas, genauer gesagt, aus der Gegend von Maastricht. Thorn wird auch die weiße Stadt bzw. het witte stadje genannt, welches, ganz in Weiß verputzt, reich wurde durch das dort angesiedelte Stift. Das Stift war durchaus ungewöhnlich mächtig und die Äbtissinnen führten über 800 Jahre lang ein eigenes Fürstentum. Sie saßen als Fürstinnen sogar in der deutschen Nationalversammlung.

Der Wein war gut. Zunächst ganz leichte Gemüsenoten, später setzt sich Zitrone durch und eine gewisse Mineralität. Das ist nichts, was man lange in Erinnerung hält. Aber die Balance stimmte und ich würde ihn als Alltagswein jederzeit empfehlen – wenn er nicht etwas zu teuer wäre mit etwa 13 Euro. Aber das muss man ihm nachsehen, kommt er doch aus einem Gebiet, in dem noch Pionierarbeitet geleistet wird.
Nun aber zum eigentlichen Thema. Auf Initiative der Weinhändler Kössler & Ulbrich, besser bekannt als K&U Weinhalle, haben die beiden Weinmacher Horst Sauer und Hansi Ruck in 2006 zum ersten Mal Trauben aus ihren besten Lagen getauscht. Escherndorfer Lump, die Heimatdomäne von Horst Sauer, gegen den Iphöfer Julius-Echterberg von Hansi Ruck. Wir haben immer zuerst den Heimatwein gegen den Gast probiert und somit mit Sauers Lump begonnen.

In der Nase finde ich zunächst ein wenig angekochtes Gemüse und etwas, was an reifen Kürbis erinnert. Dazu kommt Litchi, die zunehmend dominanter wird, Honig und schon der Geruch von Cremigkeit, den ich im Mund direkt wieder finde. Um die Palette abzurunden, was noch nicht direkt etwas über die Qualität aussagt: Mango und Papaya komplettieren den Früchtekorb und bei längerer Standzeit finden sich ebenso Dörrobstaromen. Hinten heraus hat man die Erinnerung an etwas Kreide und zunehmend Süßholz. Das, was den Wein ausmacht, ist die – Entschuldigung, ich kann es nicht anders formulieren – ätherische Leichtigkeit bei gleichzeitiger kompletter Bodenhaftung. Dieser Wein ist absolut geradlinig, er ist in seiner Komplexität und Struktur ausgesprochen gelungen. Er hat eine herrlich reife, eindringliche Frucht und gehört für mich zum Besten, was ich an Silvaner kenne. Das ist ganz herrlicher Stoff: ein Wein, mit dem ich mich, die Bocksbeutelflasche unterm Arm, ans Kaminfeuer zurückziehen würde, um ihn einfach so in Ruhe zu genießen.
Johann Ruck hat es schwer gegen diesen, im positiven Sinne modern gemachten, ausgezeichneten Silvaner. Ruck arbeitet anders. In seinen Weinen findet man immer auch Noten von Spontanvergärung, die Weine haben normalerweise ein sehr straffes Rückgrad, sind stoffig und rubust. Ich würde mal sagen, dass die Interpretation, die Johann Ruck vom Escherndorfer Lump geliefert hat, sehr gewöhnungsbedürftig ist. Was die Nase dominiert, ist ein ausgeprägter Stallgeruch, der praktisch alles andere überlagert. Selbst im Mund wandelt sich der Stall von Geruch zu Geschmack und der Wein wirkt in hohem Grade matt auf der Zunge. Kantig wirkt er, gerade im Gegensatz zum fein gewirkten Sauerschen Silvaner. Würziger ist er und säurebetonter.

Kaum zu glauben, dass wir hier Weine aus dem gleichen Traubengut vor uns im Glas haben.
Das, was bei Rucks Lump enttäuschend war, findet sich bei seinem Heimatwein diesmal in angenehmer Weise wieder. Auch hier finden wir Noten von Spontanvergärung, auch hier etwas Animalisch-Stalliges, allerdings deutlich zurückhaltender, nicht dominierend. Es reiht sich ein in leichte Gemüsenoten und kräftige Würznoten. Auch hier ist die Säure präsent, dringt durch den stoffigen, erdigen Wein.

Eine gewisse Cremigkeit macht sich breit auf der Zunge und der Wein, den wie dekantiert haben – das hätte Rucks Escherndorfer Lump wohl ebenso gut getan –, bildet eine gewisse Eleganz und durch die Würze dringt ein wenig Marille. Das ist klassisches, kräftiges, würziges Franken. Ein Wein im traditionellen Stil, ein Wein mit sehr viel eigenem Charakter, den man allerdings auch erst einmal mögen muss. Wenn man diesen klassischen Frankenweinstil mag, hat man hier einen hervorragenden Wein im Glas.
Horst Sauer ist mit dem Fremdlesegut besser zurecht gekommen als Johann Ruck umgekehrt. Er macht einen sehr guten Wein. Der Duft reifer Birnen hängt über dem Glas, eine reife Süße erkenne ich, dazu stoßen frische Aprikosen und eine feine Schärfe. Ein klares Säuregerüst stützt diesen warmen, reifen Wein.

Es ist nicht wirklich erstaunlich, wie klar man die Stile der beiden fränkischen Großmeister voneinander unterscheiden kann. Sie sind so klar und weit voneinander entfernt. Sauer macht warme, ich sage mal gelbe Weine, wenn man nach Farben geht, sind es die Weine reifer, gelber Früchte. Ruck macht die Weine des Bodens, der Erde, der Würze, in die sich nur hier und da mal ein Hauch von deutlicher Frucht mischt. Es ist faszinierend, zu schmecken, wie man mit unterschiedlichen Heransgehensweisen aus demselben Lesegut solch unterschiedliche Weine vinifizieren kann.
Jörg hat aus seinem Keller einen Wein geholt, den er da irgendwann mal vergessen hat. Gut für uns; denn es war durchaus spannend, diesen Wein zu probieren. Eine trockene Spätlese vom Rieslaner findet man heute nicht mehr. Wir haben gerätselt, ob irgendein Winzer so etwas noch anbietet – aber uns ist keiner eingefallen.

Um es vorweg zu sagen: Dies ist kein Wein mehr, den man mit viel Genuß trinken mag. Sehr viel Firniss liegt im Glas mit einem ganz leichten Resthauch Stachelbeere. Was aber wirklich faszinierend ist, ist der Duft. Zunächst einmal liegt ein leichter Geruch von warmem Gummi über dem Glas. Dieser verfliegt schnell, und was dann stehen bleibt ist, frische Haselnuss, sehr deutlich, mit einem leichten Anteil Schießpulver und einem Hauch von Bernstein-Kolophonium. Herrlich.
Im letzten Jahr habe ich bei Florian Weingart diese Spätlese mit einem Stern erworben. Er hat sie heruntergestuft, eigentlich hatte er sie als Auslese verkauft, da er aber die 2005er Auslese deutlich besser fand, hat er die 2004er dann zur Spätlese degradiert und auch günstiger verkauft. Das ist eine sehr ehrliche Haut, der Herr Weingart. Der Preis für diese 2004er Spätlese lag deutlich unter 10 Euro.

Dafür hatten wir einen Wein im Glas, der mit seinen 7,5% Alkohol (!) ganz frisch im Glas stand. Er wirkt immer noch leicht moussierend auf der Zunge, wirkt ganz leicht mit einem herrlichen Spiel zwischen Süße und Säure und dem Duft und Geruch nach Honig und Steinobst mit ein wenig Kräutern und der typischen boppardschen Mineralität. Zum Ausklang dieses Abends einigermaßen perfekt.
Da waren wir also mal wieder zu dritt. Wenn wir das dritte Mal zu dritt sind, werde ich die Mixtour umbenennen. Es hatte bei den Loiregewächsen schon so schön gepasst, dass wir dachten, wir könnten mal wieder einen Abend in dieser Runde verbringen.
Dieses Mal allerdings hatten wir andere Spielregeln. Ich habe vorher nicht verraten, was es geben würde – eine Blindprobe also für die beiden. Sehr schwierig natürlich; denn die DO Mallorca ist ja nun nichts Alltägliches.
Zu Beginn allerdings gab es erstmal ein Glas Silvaner Sekt 2006 von Hans Wirsching und Krähberg Silvaner von Koehler.
Für mich war es das erste Mal, dass ich mit Sekt vom Silvaner in Berührung gekommen bin. Ein Treffen, das mich durchaus begeistert hat. Der Geschmack von mürbem Apfel und reifen Birnen zusammen mit Brioche und Nüssen macht was her. Das ist ein sehr schöner eigenständiger Geschmack, an den man sich durchaus gewöhnen kann. Für einen Preis von 11,50 Euro ab Hof ist das große Klasse.
Der Krähberg Silvaner ist ein barockes Fest. Dieser von alten, hochreifen Reben geerntete Wein hat Tiefe und Opulenz, eine herrliche Frucht und Struktur und eine Restsüße, die uns gar nicht mehr loslassen wollte von diesem Stoff.
Das aber nur zum Einstieg, vor den Spaghetti mit frischen Pfifferlingen, Trüffelsalz und Peperoni und vor den vier Weinen von des Deutschen liebster Ferieninsel, auf der sich in Bezug auf Wein doch wirklich viel getan hat in den letzten Jahren – vor allem seit der Gründung des Weingutes Anima Negra, dessen ÀN/2 die Herzen vieler erobert hat. Auf Mallorca, das musste ich im vorletzten April bei meinem ersten Mallorca-Besuch feststellen, gibt es den Wein in jedem Laden. Und das ist auch so gewollt. Den Wein gibt es erst einmal für die Mallorciner und dann für den Rest der Welt.
Anima Negra
Die Geschichte von Anima Negra, der Schwarzen Seele Mallorcas, begann im Jahr 1994. Es waren einmal viele große Milchtanks …. Aus der verrückten Idee, in ausgedienten Milchtanks gute Weine zu keltern, wurde schnell das ambitionierte Projekt, aus der autochtonen Hauptrebe der Insel, Callet, einen international konkurrenzfähigen Topwein zu kreieren.
Nach einer längeren Experimentierphase gingen die drei Weinliebhaber Miguel-Angel Cerdà, Pere-Ignaci Obrador und Francesc Grimault erstmals daran, einen reinsortigen Callet (angereichert mit minimalen Anteilen der Rebsorte Mantonegre-Fogoneu) in neuen Barriques aus französischer Allier-Eiche auszubauen. Das war 1998 eine Sensation; denn Callet kannte man bis dato – ich schrieb gerade ähnliches über Teroldego – nur als relativ dünnes Alltagsweinchen.
Ebenso berühmt wie der ÀN ist der Zweitwein ÀN/2; denn das ist die Schwarze Seele fürs Volk – ein moderner, weicher, süffiger, gut gemachter Wein für vergleichsweise wenig Geld, so viel sei schon mal verraten.
4 Kilos Vinicola
Wie es nun dazu kam, weiss ich nicht. Jedenfalls hat einer der Gründer und Weinmacher von Anima Negra, Francesc Grimalt, sich dazu entschlossen, auszusteigen und zusammen mit dem Mitgründer des größten Elektronikmusik-Festivals Spaniens Sonar, Sergio Caballero, eine Garage-Winery zu gründen, um die Qualität der mallorcinischen Weine noch einmal zu steigern. 4 Kilos heißt die Bodega, was so viel heißt wie 4 Millionen Pesetas – die Summe, die nötig war, um die Bodega zu gründen. Die Weinberge wurden gemietet, abgefüllt wurde wiederum in alten Milchtanks in irgendeiner kleinen alten Halle. Herausgekommen ist ein Produkt, das, abgefüllt in 1.300 Flaschen, wie eine Bombe einschlug und ziemlich schnell vergriffen war. Ich habe Holgi und Siggi den zweiten Jahrgang eingeschenkt und dazu den Zweitwein 12 Volts.
Auch hier sind die Etiketten wiederum sehr außergewöhnlich gestaltet. Das Etikett von 12 Volts wurde vom bekannten amerikanischen Grafiker Gary Baseman kreiert, das des 2007er 4 Kilos von Abdelkamer Benchamma.
Für meine beiden Freunde war es nicht herauszufinden, aus welcher Region die Weine stammen. Zu unterschiedlich sind die vier. Hinzu kommt, dass der ÀN aus dem Jahr 2005 stammte, der ÀN/2 von 2006 und die beiden Weine von 4 Kilos aus dem Jahr 2007 – viel zu jung eigentlich, aber trotzdem sehr lohnenswert.
ÀN/2 2006

65 % Callet, 20 % Mantonegre-Fogoneu und 15 % Syrah stecken in diesem Wein, der für seinen Preis sehr viel zu bieten hat. Mir ist er ein wenig zu sanft, zu weich, zu kuschelig ausgefallen. Trotzdem besitzt er eine gewisse Tiefe. Zedernholz und Eukalyptus tauchten auf in der Nase, dazu etwas provenzialische Kräuter und weiche Schokolade, vor allem aber getoastetes Holz und Vanille. Und das war eine Spur zu plump.
12 Volts 2007

20 % Callet-Fogenau, 20 % Cabernet, 30 % Merlot Merlot und 30 % Syrah prägen den Zweitwein von 4 Kilos. Dabei wird der Wein 12 Monate in 60 % neuen und 40 % Zweitnutzungsbarricas gelagert. Abgefüllt werden 22.000 Flaschen.
Ich glaube, das war der Wein, der am wenigsten Reaktionen hervorgerufen hat. Schlichtweg gut ist er – was man bei einem Preis von über 20 Euro auch erwarten darf. Aber sehr zurückhaltend ist er noch. Brombeerig und heidelbeerig mit etwas Mocca, Weihrauch, Karamell und dunkler Schokolade. Am Gaumen kühl, mit dunklen Früchten und einer schönen, präsenten Säure.
ÀN 2005

Hier gibt es überwiegend Callet mit einem kleinen Anteil Mantonegre-Fogoneu. Der Wein wurde 17 Monate in französischer Eiche gelagert, was man aber nicht übermässig schmeckt – glücklicherweise. Was man schmeckt, sind Zeder und Lakritz, sehr viel Frucht und ein wenig würziger Tabak. Latakia? Ein schöner Wein. Kaufen würde ich ihn mir für über 30 Euro zwar nicht unbedingt, aber genießen konnte ich ihn an diesem Abend schon.
4 Kilos 2007

Mit Abstand der teuerste Wein an diesem Abend habe ich ihn mal aufgemacht um abzugleichen zwischen Vorschussloorbeeren und wirklichem Gehalt. Viel zu jung würde er sein. Das ist klar. 40% Callet, 10% Merlot und 50% Cabernet geben dem Wein einen bordeaux-ähnlichen Charakter. Charakter, ja, den hat dieser Wein, den ich gerne in einer geschlossenen Holzkiste im Keller lagern würde, dann vergessen würde, um ihn nach Jahren wieder hervorzuholen. In diesem Wein liegt eine große Tiefe. Ungewöhnliche Aromen wie Banane und Apfel konnten wir erkennen neben Maggikraut und Zedern, dazu etwas feuchtes Unterholz, Schokolade und Praline und dunkle Kirsche. Ein toller Wein. Ob er groß wird, wird sich erweisen.
Axel Koehler stammt aus einer Weinbaufamilie, hat das Weinbereiten gelernt und studiert, im gleichen Abschlussjahrgang mit Daniel Wagner vom Weingut Wagner-Stempel, mit dem er auch befreundet ist, aber er hat lange Zeit keine Weine gemacht. Zu sehr unterschied sich die Idee, die Utopie Axel Koehlers, von den Ideen seines Vaters.
2007 dann hat er das Weingut übernommen, nachdem er 15 Jahre lang etwas anderes gemacht hat. Nun gibt es zwei Jahrgänge und für mich ist dieser kompromisslose, charaktervolle Stil die Neuentdeckung meines Weinjahres. Rieslinge mit einer ganz klaren Struktur, durchgegoren, rassig, geradlinig, lebendig, mit herrlichen Fruchtaromen, gewachsen auf rotliegendem Vulkangestein.
Die Überraschung aber, neben den Rieslingen, ist der Silvaner vom Krähberg aus Heimersheim.
30 Jahre alte Reben, auf Kalkmergelboden gewachsen, eine herrlich mineralisch wilde Struktur, spontan im Holz- und Steingutfass vergoren, und trotz der Tiefe, die dieser Wein hat, ist er in einer sehr einladenden Art und Weise süffig.
Ich bin froh, dass ich die Weine von Axel Koehler bei mir anbieten kann und freue mich auf den nächsten Jahrgang. Und in Kürze werde ich mal hinfahren und den Telefonaten dann auch einen Besuch folgen lassen.