originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Silvaner 2009, Weingut Gysler Rheinhessen

Ach, da haben wir gestern doch glatt inoffiziell die Spargelsaison eröffnen können. Offiziell gibt es den erst frühestens am Wochenende, zumindest am Niederrhein. Dass mein Gastgeber trotzdem welchen bekommen hat, liegt wohl daran, dass er seit vielen Jahren bei seinem bevorzugten Spargelbauern ein sehr guter Kunde ist.

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Ich kam ziemlich abgehetzt in Goch an, hatte viel länger gebraucht für die Strecke und das Essen stand schon auf dem Tisch. Spargel satt, Schinken satt, zerlassene Butter satt und ich konnte frischen 2009er Silvaner von Alexander Gysler mitbringen. Ein herrlich stoffiger Gutssilvaner ist das geworden mit einer schönen Kräuternote und ordentlicher, leicht salziger Mineralität. Zu diesem Gericht eine kongeniale Ergänzung.

Und solch ein Essen ist ja immer wieder echtes Soulfood!

Silvaner trocken "alte Reben" 2008, Alexander Gysler, Rheinhessen

14/Mrz/10 16:42 kategorisiert in: Bioweine, Silvaner, Weine im eigenen Handel, Weiss, Deutschland

Vorletzte Woche habe ich Alexander Gysler in Alzey-Weinheim besucht. Er gehört mit zu den Winzern, die sich zum Netzwerk message in a bottle zusammen gefunden haben, den Weinbau in Rheinhessen zu neuen Qualitäten vorantreiben und das Gebiet für mich zur momentan spannendsten Region werden lassen. Über Wagner-Stempel oder Keller oder Wittmann muss man da gar nicht weiter viel schreiben, das Netz ist voll davon, über Sander, Winter oder Koehler habe ich das auch schon getan, nicht aber beispielsweise über Villa Bäder oder eben Alexander Gysler.

Letzterer musste nach dem plötzlichen Tod des Vaters 1999 ziemlich rasch das Gut übernehmen und hat dies ganz konsequent in den letzten Jahren zu einem Demeter-Betrieb umgewandelt. Was bei all seinen Weinen beeindruckt, ist, wie reintönig und sortentypisch all seine Qualitäten sind, vom Literwein bis zum Riesling JC. Diese Weine sind immer zunächst zurückhaltend, von klarer Frucht und feiner Würze. Zurückhaltend wohl, so Alexander Gysler, weil seine Lagen mit zu den kühlsten in Rheinhessen gehören.

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Gyslers Weine sind glockenklar, wenn ich das mal so formulieren darf, reintönig und frisch, wie zum Beispiel der Silvaner "alte Reben", den ich gerade im Glas habe. Feine Würze paart sich mit Aromen von reifer Birne, dabei wirkt er leicht salzig und mineralisch vom rotliegenden Gestein. Trinkt man den Wein, füllt sich der Mund mit der gleichen herrlichen Kombination aus Würze und Frucht, gepaart mit einer leichten Restsüße. Der Wein ist fülliger als zunächst in der zurückhaltenden Nase vermutet, dabei aber trotzdem wunderbar klar und gradlinig, mit einem langen Abgang. Ein feiner rheinhessischer Silvaner.

Silvaner trocken "alte Reben" 2008, Alexander Gysler, Rheinhessen, 11,50 Euro

Traubentausch: Sauer vs. Ruck

Es ist ungewöhnlich, was die beiden befreundeten Winzer aus Franken da seit 2006 machen. Sie tauschen reifes Rebgut aus ihren besten Lagen, die da wären Escherndorfer Lump bei Horst Sauer und der Iphofener Julius-Echter-Berg bei Johann (Hansi) Ruck. Heraus kommen vier Weine, also zwei aus jedem Hang im Stil der beiden Winzer. Zwei Stile, die unterschiedlicher in Franken kaum sein könnten – wage ich zu behaupten.

Unser Gastgeber allerdings hat sich nicht lumpen lassen, den Abend zunächst mit einem Champagner "auf's neue Jahr" einzuläuten und mit einem verdeckten Weißwein fortzufahren, wo er seinen halben Weinkeller drauf verwetten wollte, dass wir es nicht rauskriegen, was das nun ist, was wir im Glas haben. Getraut hat er sich nicht – aber rausgefunden haben wir es auch nicht.

Pierre Gimonnet & Fils, Cuvée Eckart Witzigmann, Blanc de Blancs, Brut 1998

Der Champagner stammt von Pierre Gimonnet, ein Blanc de Blancs 1998, abgefüllt für Eckart Witzigmann und erworben vor wenigen Jahren für erstaunliche 34,- Euro. Pierre Gimmonet & Fils gehört unter den Winzern, die auschließlich eigenes Traubengut verarbeiten, mit 25 Hektar eher zu den großen Erzeugern. Diese 25 Hektar finden sich ausschließlich an der Côte de Blancs und es wird ausschließlich Champagner aus Chardonnay erzeugt, und das von teils 90 Jahre alten Stöcken.

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Diese Cuvée besticht durch geröstete Nüsse, etwas Brioche und bei längerer Standzeit zunehmender Quitte. Hinzu kommt etwas mürber Apfel und eine sehr frische, klare Säure. Eine sehr angenehmer, durchaus beglückender Einstieg in den Abend.

Auxerrois 2008, Weijngoed Thorn, Niederlande

Was folgte, war die Verkostung eines Weins, den ich am ehesten als Weißburgunder des Alto Adige , also nach Südtirol, gesteckt hätte. In der Tat aber hatten wir einen frischen Auxerrois aus den Niederlanden im Glas, genauer gesagt, aus der Gegend von Maastricht. Thorn wird auch die weiße Stadt bzw. het witte stadje genannt, welches, ganz in Weiß verputzt, reich wurde durch das dort angesiedelte Stift. Das Stift war durchaus ungewöhnlich mächtig und die Äbtissinnen führten über 800 Jahre lang ein eigenes Fürstentum. Sie saßen als Fürstinnen sogar in der deutschen Nationalversammlung.

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Der Wein war gut. Zunächst ganz leichte Gemüsenoten, später setzt sich Zitrone durch und eine gewisse Mineralität. Das ist nichts, was man lange in Erinnerung hält. Aber die Balance stimmte und ich würde ihn als Alltagswein jederzeit empfehlen – wenn er nicht etwas zu teuer wäre mit etwa 13 Euro. Aber das muss man ihm nachsehen, kommt er doch aus einem Gebiet, in dem noch Pionierarbeitet geleistet wird.

Horst Sauer, Escherndorfer Lump, Silvaner Spätlese 2006

Nun aber zum eigentlichen Thema. Auf Initiative der Weinhändler Kössler & Ulbrich, besser bekannt als K&U Weinhalle, haben die beiden Weinmacher Horst Sauer und Hansi Ruck in 2006 zum ersten Mal Trauben aus ihren besten Lagen getauscht. Escherndorfer Lump, die Heimatdomäne von Horst Sauer, gegen den Iphöfer Julius-Echterberg von Hansi Ruck. Wir haben immer zuerst den Heimatwein gegen den Gast probiert und somit mit Sauers Lump begonnen.

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In der Nase finde ich zunächst ein wenig angekochtes Gemüse und etwas, was an reifen Kürbis erinnert. Dazu kommt Litchi, die zunehmend dominanter wird, Honig und schon der Geruch von Cremigkeit, den ich im Mund direkt wieder finde. Um die Palette abzurunden, was noch nicht direkt etwas über die Qualität aussagt: Mango und Papaya komplettieren den Früchtekorb und bei längerer Standzeit finden sich ebenso Dörrobstaromen. Hinten heraus hat man die Erinnerung an etwas Kreide und zunehmend Süßholz. Das, was den Wein ausmacht, ist die – Entschuldigung, ich kann es nicht anders formulieren – ätherische Leichtigkeit bei gleichzeitiger kompletter Bodenhaftung. Dieser Wein ist absolut geradlinig, er ist in seiner Komplexität und Struktur ausgesprochen gelungen. Er hat eine herrlich reife, eindringliche Frucht und gehört für mich zum Besten, was ich an Silvaner kenne. Das ist ganz herrlicher Stoff: ein Wein, mit dem ich mich, die Bocksbeutelflasche unterm Arm, ans Kaminfeuer zurückziehen würde, um ihn einfach so in Ruhe zu genießen.

Johann Ruck, Escherndorfer Lump, Silvaner Spätlese 2006

Johann Ruck hat es schwer gegen diesen, im positiven Sinne modern gemachten, ausgezeichneten Silvaner. Ruck arbeitet anders. In seinen Weinen findet man immer auch Noten von Spontanvergärung, die Weine haben normalerweise ein sehr straffes Rückgrad, sind stoffig und rubust. Ich würde mal sagen, dass die Interpretation, die Johann Ruck vom Escherndorfer Lump geliefert hat, sehr gewöhnungsbedürftig ist. Was die Nase dominiert, ist ein ausgeprägter Stallgeruch, der praktisch alles andere überlagert. Selbst im Mund wandelt sich der Stall von Geruch zu Geschmack und der Wein wirkt in hohem Grade matt auf der Zunge. Kantig wirkt er, gerade im Gegensatz zum fein gewirkten Sauerschen Silvaner. Würziger ist er und säurebetonter.

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Kaum zu glauben, dass wir hier Weine aus dem gleichen Traubengut vor uns im Glas haben.

Johann Ruck, Iphöfer Julius-Echterberg, Silvaner Großes Gewächs 2006

Das, was bei Rucks Lump enttäuschend war, findet sich bei seinem Heimatwein diesmal in angenehmer Weise wieder. Auch hier finden wir Noten von Spontanvergärung, auch hier etwas Animalisch-Stalliges, allerdings deutlich zurückhaltender, nicht dominierend. Es reiht sich ein in leichte Gemüsenoten und kräftige Würznoten. Auch hier ist die Säure präsent, dringt durch den stoffigen, erdigen Wein.

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Eine gewisse Cremigkeit macht sich breit auf der Zunge und der Wein, den wie dekantiert haben – das hätte Rucks Escherndorfer Lump wohl ebenso gut getan –, bildet eine gewisse Eleganz und durch die Würze dringt ein wenig Marille. Das ist klassisches, kräftiges, würziges Franken. Ein Wein im traditionellen Stil, ein Wein mit sehr viel eigenem Charakter, den man allerdings auch erst einmal mögen muss. Wenn man diesen klassischen Frankenweinstil mag, hat man hier einen hervorragenden Wein im Glas.

Horst Sauer, Iphöfer Julius-Echterberg, Silvaner Spätlese 2006

Horst Sauer ist mit dem Fremdlesegut besser zurecht gekommen als Johann Ruck umgekehrt. Er macht einen sehr guten Wein. Der Duft reifer Birnen hängt über dem Glas, eine reife Süße erkenne ich, dazu stoßen frische Aprikosen und eine feine Schärfe. Ein klares Säuregerüst stützt diesen warmen, reifen Wein.

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Es ist nicht wirklich erstaunlich, wie klar man die Stile der beiden fränkischen Großmeister voneinander unterscheiden kann. Sie sind so klar und weit voneinander entfernt. Sauer macht warme, ich sage mal gelbe Weine, wenn man nach Farben geht, sind es die Weine reifer, gelber Früchte. Ruck macht die Weine des Bodens, der Erde, der Würze, in die sich nur hier und da mal ein Hauch von deutlicher Frucht mischt. Es ist faszinierend, zu schmecken, wie man mit unterschiedlichen Heransgehensweisen aus demselben Lesegut solch unterschiedliche Weine vinifizieren kann.

Castellsches Domänenamt, Casteller Kugelspiel, Rieslaner Spätlese 1988

Jörg hat aus seinem Keller einen Wein geholt, den er da irgendwann mal vergessen hat. Gut für uns; denn es war durchaus spannend, diesen Wein zu probieren. Eine trockene Spätlese vom Rieslaner findet man heute nicht mehr. Wir haben gerätselt, ob irgendein Winzer so etwas noch anbietet – aber uns ist keiner eingefallen.

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Um es vorweg zu sagen: Dies ist kein Wein mehr, den man mit viel Genuß trinken mag. Sehr viel Firniss liegt im Glas mit einem ganz leichten Resthauch Stachelbeere. Was aber wirklich faszinierend ist, ist der Duft. Zunächst einmal liegt ein leichter Geruch von warmem Gummi über dem Glas. Dieser verfliegt schnell, und was dann stehen bleibt ist, frische Haselnuss, sehr deutlich, mit einem leichten Anteil Schießpulver und einem Hauch von Bernstein-Kolophonium. Herrlich.

Florian Weingart, Bopparder Hamm Feuerlay, Spätlese* 2004

Im letzten Jahr habe ich bei Florian Weingart diese Spätlese mit einem Stern erworben. Er hat sie heruntergestuft, eigentlich hatte er sie als Auslese verkauft, da er aber die 2005er Auslese deutlich besser fand, hat er die 2004er dann zur Spätlese degradiert und auch günstiger verkauft. Das ist eine sehr ehrliche Haut, der Herr Weingart. Der Preis für diese 2004er Spätlese lag deutlich unter 10 Euro.

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Dafür hatten wir einen Wein im Glas, der mit seinen 7,5% Alkohol (!) ganz frisch im Glas stand. Er wirkt immer noch leicht moussierend auf der Zunge, wirkt ganz leicht mit einem herrlichen Spiel zwischen Süße und Säure und dem Duft und Geruch nach Honig und Steinobst mit ein wenig Kräutern und der typischen boppardschen Mineralität. Zum Ausklang dieses Abends einigermaßen perfekt.

Christophs und Holgis Mixtour No. 15: Mallorca. zu Gast: Siggi

Da waren wir also mal wieder zu dritt. Wenn wir das dritte Mal zu dritt sind, werde ich die Mixtour umbenennen. Es hatte bei den Loiregewächsen schon so schön gepasst, dass wir dachten, wir könnten mal wieder einen Abend in dieser Runde verbringen.

Dieses Mal allerdings hatten wir andere Spielregeln. Ich habe vorher nicht verraten, was es geben würde – eine Blindprobe also für die beiden. Sehr schwierig natürlich; denn die DO Mallorca ist ja nun nichts Alltägliches.

Zu Beginn allerdings gab es erstmal ein Glas Silvaner Sekt 2006 von Hans Wirsching und Krähberg Silvaner von Koehler.

Für mich war es das erste Mal, dass ich mit Sekt vom Silvaner in Berührung gekommen bin. Ein Treffen, das mich durchaus begeistert hat. Der Geschmack von mürbem Apfel und reifen Birnen zusammen mit Brioche und Nüssen macht was her. Das ist ein sehr schöner eigenständiger Geschmack, an den man sich durchaus gewöhnen kann. Für einen Preis von 11,50 Euro ab Hof ist das große Klasse.

Der Krähberg Silvaner ist ein barockes Fest. Dieser von alten, hochreifen Reben geerntete Wein hat Tiefe und Opulenz, eine herrliche Frucht und Struktur und eine Restsüße, die uns gar nicht mehr loslassen wollte von diesem Stoff.

Das aber nur zum Einstieg, vor den Spaghetti mit frischen Pfifferlingen, Trüffelsalz und Peperoni und vor den vier Weinen von des Deutschen liebster Ferieninsel, auf der sich in Bezug auf Wein doch wirklich viel getan hat in den letzten Jahren – vor allem seit der Gründung des Weingutes Anima Negra, dessen ÀN/2 die Herzen vieler erobert hat. Auf Mallorca, das musste ich im vorletzten April bei meinem ersten Mallorca-Besuch feststellen, gibt es den Wein in jedem Laden. Und das ist auch so gewollt. Den Wein gibt es erst einmal für die Mallorciner und dann für den Rest der Welt.

Anima Negra
Die Geschichte von Anima Negra, der Schwarzen Seele Mallorcas, begann im Jahr 1994. Es waren einmal viele große Milchtanks …. Aus der verrückten Idee, in ausgedienten Milchtanks gute Weine zu keltern, wurde schnell das ambitionierte Projekt, aus der autochtonen Hauptrebe der Insel, Callet, einen international konkurrenzfähigen Topwein zu kreieren.

Nach einer längeren Experimentierphase gingen die drei Weinliebhaber Miguel-Angel Cerdà, Pere-Ignaci Obrador und Francesc Grimault erstmals daran, einen reinsortigen Callet (angereichert mit minimalen Anteilen der Rebsorte Mantonegre-Fogoneu) in neuen Barriques aus französischer Allier-Eiche auszubauen. Das war 1998 eine Sensation; denn Callet kannte man bis dato – ich schrieb gerade ähnliches über Teroldego – nur als relativ dünnes Alltagsweinchen.

Ebenso berühmt wie der ÀN ist der Zweitwein ÀN/2; denn das ist die Schwarze Seele fürs Volk – ein moderner, weicher, süffiger, gut gemachter Wein für vergleichsweise wenig Geld, so viel sei schon mal verraten.

4 Kilos Vinicola
Wie es nun dazu kam, weiss ich nicht. Jedenfalls hat einer der Gründer und Weinmacher von Anima Negra, Francesc Grimalt, sich dazu entschlossen, auszusteigen und zusammen mit dem Mitgründer des größten Elektronikmusik-Festivals Spaniens Sonar, Sergio Caballero, eine Garage-Winery zu gründen, um die Qualität der mallorcinischen Weine noch einmal zu steigern. 4 Kilos heißt die Bodega, was so viel heißt wie 4 Millionen Pesetas – die Summe, die nötig war, um die Bodega zu gründen. Die Weinberge wurden gemietet, abgefüllt wurde wiederum in alten Milchtanks in irgendeiner kleinen alten Halle. Herausgekommen ist ein Produkt, das, abgefüllt in 1.300 Flaschen, wie eine Bombe einschlug und ziemlich schnell vergriffen war. Ich habe Holgi und Siggi den zweiten Jahrgang eingeschenkt und dazu den Zweitwein 12 Volts.

Auch hier sind die Etiketten wiederum sehr außergewöhnlich gestaltet. Das Etikett von 12 Volts wurde vom bekannten amerikanischen Grafiker Gary Baseman kreiert, das des 2007er 4 Kilos von Abdelkamer Benchamma.

Für meine beiden Freunde war es nicht herauszufinden, aus welcher Region die Weine stammen. Zu unterschiedlich sind die vier. Hinzu kommt, dass der ÀN aus dem Jahr 2005 stammte, der ÀN/2 von 2006 und die beiden Weine von 4 Kilos aus dem Jahr 2007 – viel zu jung eigentlich, aber trotzdem sehr lohnenswert.

ÀN/2 2006

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65 % Callet, 20 % Mantonegre-Fogoneu und 15 % Syrah stecken in diesem Wein, der für seinen Preis sehr viel zu bieten hat. Mir ist er ein wenig zu sanft, zu weich, zu kuschelig ausgefallen. Trotzdem besitzt er eine gewisse Tiefe. Zedernholz und Eukalyptus tauchten auf in der Nase, dazu etwas provenzialische Kräuter und weiche Schokolade, vor allem aber getoastetes Holz und Vanille. Und das war eine Spur zu plump.

12 Volts 2007

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20 % Callet-Fogenau, 20 % Cabernet, 30 % Merlot Merlot und 30 % Syrah prägen den Zweitwein von 4 Kilos. Dabei wird der Wein 12 Monate in 60 % neuen und 40 % Zweitnutzungsbarricas gelagert. Abgefüllt werden 22.000 Flaschen.

Ich glaube, das war der Wein, der am wenigsten Reaktionen hervorgerufen hat. Schlichtweg gut ist er – was man bei einem Preis von über 20 Euro auch erwarten darf. Aber sehr zurückhaltend ist er noch. Brombeerig und heidelbeerig mit etwas Mocca, Weihrauch, Karamell und dunkler Schokolade. Am Gaumen kühl, mit dunklen Früchten und einer schönen, präsenten Säure.

ÀN 2005

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Hier gibt es überwiegend Callet mit einem kleinen Anteil Mantonegre-Fogoneu. Der Wein wurde 17 Monate in französischer Eiche gelagert, was man aber nicht übermässig schmeckt – glücklicherweise. Was man schmeckt, sind Zeder und Lakritz, sehr viel Frucht und ein wenig würziger Tabak. Latakia? Ein schöner Wein. Kaufen würde ich ihn mir für über 30 Euro zwar nicht unbedingt, aber genießen konnte ich ihn an diesem Abend schon.

4 Kilos 2007

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Mit Abstand der teuerste Wein an diesem Abend habe ich ihn mal aufgemacht um abzugleichen zwischen Vorschussloorbeeren und wirklichem Gehalt. Viel zu jung würde er sein. Das ist klar. 40% Callet, 10% Merlot und 50% Cabernet geben dem Wein einen bordeaux-ähnlichen Charakter. Charakter, ja, den hat dieser Wein, den ich gerne in einer geschlossenen Holzkiste im Keller lagern würde, dann vergessen würde, um ihn nach Jahren wieder hervorzuholen. In diesem Wein liegt eine große Tiefe. Ungewöhnliche Aromen wie Banane und Apfel konnten wir erkennen neben Maggikraut und Zedern, dazu etwas feuchtes Unterholz, Schokolade und Praline und dunkle Kirsche. Ein toller Wein. Ob er groß wird, wird sich erweisen.

Hans Wirsching, Sekt brut, Silvaner 2006, sehr gut, 11,50 Euro
Weingut Koehler, Krähberg Silvaner 2007, ausgezeichnet, 15,- Euro

Anima Negra, AN/2 2006, Vinos de la Tierra de Mallorca, sehr gut, 12,65 Euro

4 Kilos vinícola S.L., 12 Volts 2007,  Vino de la Tierra de Mallorca, sehr gut, 18,50 Euro
Anima Negra, AN 2005,  Vino de la Tierra de Mallorca, ausgezeichnet, 28,50 Euro
4 Kilos vinícola S.L., 4 Kilos 2007,  Vino de la Tierra de Mallorca, hervorragend, 59,- Euro

Weingut Koehler, Krähberg Silvaner 2007, Rheinhessen

Axel Koehler stammt aus einer Weinbaufamilie, hat das Weinbereiten gelernt und studiert, im gleichen Abschlussjahrgang mit Daniel Wagner vom Weingut Wagner-Stempel, mit dem er auch befreundet ist, aber er hat lange Zeit keine Weine gemacht. Zu sehr unterschied sich die Idee, die Utopie Axel Koehlers, von den Ideen seines Vaters.

2007 dann hat er das Weingut übernommen, nachdem er 15 Jahre lang etwas anderes gemacht hat. Nun gibt es zwei Jahrgänge und für mich ist dieser kompromisslose, charaktervolle Stil die Neuentdeckung meines Weinjahres. Rieslinge mit einer ganz klaren Struktur, durchgegoren, rassig, geradlinig, lebendig, mit herrlichen Fruchtaromen, gewachsen auf rotliegendem Vulkangestein.

Die Überraschung aber, neben den Rieslingen, ist der Silvaner vom Krähberg aus Heimersheim.

30 Jahre alte Reben, auf Kalkmergelboden gewachsen, eine herrlich mineralisch wilde Struktur, spontan im Holz- und Steingutfass vergoren, und trotz der Tiefe, die dieser Wein hat, ist er in einer sehr einladenden Art und Weise süffig.

Ich bin froh, dass ich die Weine von Axel Koehler bei mir anbieten kann und freue mich auf den nächsten Jahrgang. Und in Kürze werde ich mal hinfahren und den Telefonaten dann auch einen Besuch folgen lassen.

Weingut Koehler, Krähberg Silvaner 2007, Rheinhessen, ausgezeichnet, 15,- Euro/Flasche bei originalverkorkt

Ach, der Spargel und der Wein, der Wein und der Spargel

Et is wieder so weit. Der Spargel sprießt und man kann die Erdbeeren förmlich wachsen hören. Frisch zubereitet und wild kombiniert, stand das gestern beim Siggi auf dem Tisch. Spargel, kurz im Ofen gratiniert, mit ein wenig Tomaten und Parmesan und Butter und ich weiß nicht, was da noch dran war. Lecker war es jedenfalls, sehr lecker. Muss ich anerkennen, wo es bei mir das Gericht immer nur ganz klassisch gibt: Spargel, Kartoffeln, Butter. Vielleicht noch ’nen Schinken – aber den brauche ich eigentlich gar nicht. Ach so. Kartoffeln gab es gestern in sämiger Form, als Pü, mit Muskat und mit Butter und Milch. Ach, herrlich.

Wir wollten mal drei Weine dazu verkosten und haben uns für weißen Burgunder entschieden, ganz frisch, 2008 aus dem Hause Wagner-Stempel, länger im Keller gelagerten Grünen Veltliner von Großmeister Bründlmayer, den 2003er Ried Lamm, und dann, wie sollte es anders sein, Silvaner, in diesem Fall ein Großes Gewächs 2007, Würzburger Stein vom Juliusspital.

Vorneweg: Gut, dass wir den Weißburgunder hatten. Der hielt bis zum Ende durch und gefiel ausgezeichnet. Bei der Prowein hatte ich ihn schon probiert, aber da fand ich die Weine von Wagner-Stempel noch sehr unruhig. Jetzt, wenige Wochen später, präsentiert sich der Weißburgunder frisch, mit herrlichem Säuregerüst, genau richtig, etwas Nuss, etwas Apfel, etwas Stachelbeere, etwas vegetabil und sehr schön rund.

Der Grüne Veltliner aus dem Ried Lamm vom Weingut Bründlmayer gab uns Rätsel auf. Dieser Wein wird oft als groß bezeichnet. Das war er nicht. Wahrscheinlich lag es am Jahrgang, 2003 war es auch in Österreich heiß. Das Holz stach hervor und der enorme  Alkohol von 14,5 %. Dann kam im Wesentlichen Sambucco mit Moccabohne, ein wenig Erdiges noch und bittere Mandel. Das war's. Früchte? Fehlanzeige. Tendenz zum Kopfschmerz? Vielleicht …

Im Dezember habe ich den Silvaner GG aus dem Escherndorfer Lump probiert. Weinplus bezeichnet ihn als groß und gibt 95 Punkte. Begeistert war ich auch, über 90 würde ich ihm zugestehen. Der Bruder vom Würzburger Stein erhielt nur drei Punkte weniger. Eine Qualität über 90 Punkte konnten wir gestern nicht nachvollziehen. Zwar besticht der Wein durch eine üppige Nase, die ein bisschen wirkt wie Babypopo mit Penaten und Frotteehandtuch, eine leicht herbe Orange drangerieben und in Kräutermantel gebettet. Im Mund aber blockiert der Wein und man landet in einer kräutrig-öden Wildnis. Der Wein kann mehr und bleibt verschlossen und wir merken, momentan entzieht er sich jeder Bewertung.

Jetzt habe ich doch vergessen, von dieser herrlichen kühlen, frischen Erdbeersuppe mit Basilikumschaum ein Foto zu machen. Das ist schade; denn nicht nur gemundet hat sie, sie sah auch noch so schön aus.

Die Auslese aus dem Siefersheimer Höllberg von Wagner-Stempel, Jahrgang 2004, würde nicht dazu passen, das war klar, die gab es dann danach als Dessert-Post-Scriptum. Doch irgendwo auf dem Weg von 2004 bis hier auf den Tisch gingen die Säure und die Minerale verloren. Und so bleibt nur der Schatten eines typischen Wagner-Stempel-Weines. Dörrobst, süß, aber flach, langweilig und traurig.

Zum Glück war noch etwas Weißburgunder da.

Weissburgunder 2008, Wagner-Stempel, Rheinhessen
Grüner Veltliner, Ried Lamm, 2003, Bründlmayer, Kamptal
Silvaner, Würzburger Stein, Großes Gewächs, 2007, Juliusspital, Franken
Riesling, Siefersheimer Höllberg, 2004, Wagner-Stempel, Rheinhessen

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