Ich würde sagen, es gibt schlechtere Voraussetzungen, um guten Wein machen zu können als die, die Sara Pérez vorgefunden hat. War ihr Vater, Professor José Luis Perez, doch einer der Vorreiter, ja Wiederentdecker des Priorat. Zusammen mit René Barbier und anderen hat er damals jene Kooperative gegründet, aus der dann die Weine hervorgegangen sind, die man längst als Kultweine bezeichnet und seit zwei Jahrzehnten zu den Besten Spaniens zählen. Perez' Wein hört auf den Namen Clos Martinet, der Wein von René Barbier auf den Namen Clos Mogador.
Sara Pérez nun hat schon sehr früh auf dem Weingut mitgeholfen, und wenn sie auch zunächst Biologie und Philosophie studiert hat, den Abschluss hat sie als Önologin gemacht. Clos Martinet betreut sie schon länger, nebenbei ist sie ebenso Beraterin und Weinmacherin der Kooperative Cims de Porrera. Dabei kann man einen klaren Stil erkennen, der sich in diesem Wein genauso zeigt. Es sind vom Schieferboden geprägte Weine, die ebenso elegant wie frisch sind, wo der Einsatz von frischem Holz zurücksteht hinter dem Ausdruck der optimal gereiften Reben. Das ist nichts Heißes, nichts Marmeladiges.

Ihr Weingut Venus la Universal führt sie übrigens mit ihrem Mann, René Barbier Junior. Und mit diesem zusammen sowie mit einigen Freunden hat sie darüber hinaus auch noch das Projekt La Vinya des Vuit gegründet, auf dessen 4 Hektar biologisch-dynamisch gearbeitet wird. Ziemlich umtriebig also, die Frau.
Dido, der zunächst Aeneas hieß, was aber wenig weiblich klang und dann umbenannt wurde, ist der Zweitwein von Venus La Universal. Bestimmt wird er durch alte Grenachereben, etwas Cabernet, etwas Merlot und Syrah. Das ist ein ganz schön kräftiger Brummer, den Sara Pérez da vinifiziert hat. Kräftige Kirschen und Waldbeeren bestimmen diesen dunklen Wein, dazu etwas Holz, aber nicht viel, etwas Duft von rohem Rindfleisch und Leder. Saftig ist er, der Wein, und mineralisch würzig. Zu den Fruchtaromen und der Würze gesellt sich etwas Lakritze und etwas Rauchig-Tabakwürziges. Der Wein hat eine schöne, stimmige Balance aus Kraft und Eleganz mit ordentlich langem Abgang. Das ist ein sehr charaktervoller, individueller Stoff.
Eigentlich heißt der Wein Tina 41. Das kann nicht darauf zurückgeführt werden, dass die Halbschwester des Chefönologen Tina heißt und schon 41 Lenze erlebt hat, nein, es ist lediglich die Fassnummer, besser gesagt die Tanknummer, in der der Grundstoff dieses Weines zusammengeschmolzen wurde. Eine Namensgebung wie bei Penfolds, wo die Weine dann BIN (Barrel Identification Number) heißen, BIN 389 zum Beispiel.
Der Wein, ich nenne ihn mal weiter Tina, wurde von den jungen Reben des Weingutes gemacht, von Grenache, von Carignan, von Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah – ein moderner Blend also, die Verbindung alter Rebsorten wie Grenache und Carignan mit den internationalen Standardrebsorten. Das geht zurück auf die Idee des Önologen Albert Costa, der nicht zuletzt bei großen australischen Gütern in die Lehre gegangen ist.
Für dieses Projekt wurde sogar ein eigenes Weingut gegründet, welches sich Clos l'Asentiu nennt und in Kooperation mit Vall Llach auf dem Etikett auftaucht. Ach ja, das Etikett. Das Etikett ist so modern gehalten wie der Wein und fällt direkt auf. Schöner wäre es gewesen, die weiße Buchstaben-Zahlen-Kombination direkt auf die Flasche zu bringen, wie es früher auf Portweinflaschen üblich war, hier ist es allerdings nur ein schwarzes, bedrucktes Papieretikett.

Aber nun zu Tina. Tina wirkt ein wenig wie eine fette Ente. Hochreife dunkle Kirschen, Pflaumen und Rosinen mischen sich mit Röstnoten, Kaffee, dunkler Schokolade und etwas Lakritze. Das alles schwimmt in Alkohol. Das merkt man erst etwas später, nicht direkt im Mund, aber in der Kehle, da wirkt der Wein brandig und kann dann auch seine 15 % Vol. nicht mehr verheimlichen. Angenehm finde ich lediglich, dass Tina 41 nicht auch noch Röstholz von frischem Barrique mit sich herumschleppen muss. Aber es reicht auch so schon. Von fast allem etwas zu viel.
Pierre Clavel dürfte einer der südfranzösischen Großmeister des gelungenen Preis-Leistungsverhältnisses beim Wein sein. Bei allen Lorbeeren die er sich bisher für Le Mas, Les Garrigues oder den Copa Santa eingeheimst hat und trotz der Tatsache, dass er mit Null Kapital gestartet ist und den Großteil seiner Weinberge nur gemietet hat und zudem auch noch biologisch, teils biodynamisch arbeitet findet man seine Weine zwischen 6 und 15 Euro.

Von Le Marteau wurden lediglich 8.952 Flaschen gefüllt mit einer Cuvée aus Syrah, Grenache und Carignan. Der Wein stammt nicht, wie meist vom Pic St. Loup sondern von seinen Lagen in Saint-Cristol, 20 Kilometer vom Gut entfernt. Gestern abend, nach einer Reise durch Rheinhessen wo natugemäß vor allem Riesling und Silvaner und Burgunder auf dem Programm stand und wir uns durch den Schnee zurück nach Hause gekämpft hatten mochte ich noch ein Glas warmen, sonnenverwöhnten Wein. Le Marteau hat viel Sonne in der Flasche. Allerdings, so merke ich heute, sollte man ihm Zeit lassen. Denn was er mir gestern quasi um die Ohren gehauen hat war ein Fruchtkonzentrat aus schwarzem Holunder, Brombeer und Cassis. Das strömte förmlich aus dem Dekanter und lief dick über die Zunge. Le Marteau – zu deutsch der Hammer. Pierre Clavel scheint es so gewollt zu haben. Hitze und reifstes Lesegut verbinden sich hier. Erst heute finden sich in diesem tiefvioletten Wein noch andere Aromen von rohem Fleisch, Gewürzen und Kräutern. Und, die dem Wein innewohnende Mineralität verleiht ihm eine gewisse konträre Kühle. Die rettet ihn nicht nur vor der Idee, das Konzentrat in Marmeladengläser abfüllen zu wollen, sie beflügelt ihn und macht ihn spannend.
Pascal Perret gehört seit Jahren zu den Vorzeigewinzern des Languedoc. Die Weine des seit Jahren biodynamisch arbeitenden Perfektionisten sind eigentlich eine Bank.

Enttäuschend allerdings ist der Prélude aus dem Jahrgang 2003. Carignan, Grenache und Syrah, teils aus dem Stahltank, teils aus dem Holzfass bilden hier keine Symbiose mehr. Der Wein ist hart und marmeladig dick, riecht nach Fleisch und Gurke und nach etwas ganz Prägnantem, was mir als Geruch sehr bekannt vorkam, bei dem ich aber ziemlich lange gebraucht habe, bis ich darauf gekommen bin. Es ist der Geruch von Irish Stout wie von Murphy's oder Guiness. Der Geruch nach dunklem Inselbier passt nicht unbedingt zu einem kräftig-geschmeidigen Südfranzosen, selbst wenn man den Duft sonst ganz gut leiden mag. Verwundert hat mich der Wein, denn geschmeckt hat er auch nicht besser, auch nicht am nächsten Tag. Und ob es lediglich an einer schlechten Flasche lag, müsste man mal beim versuchten Genuss einer weiteren eruieren.
Schon länger hatte ich keinen Wein mehr von der nördlichen Rhône getrunken. Gigondas ja, Vacqueras ja, Rasteau ja, Châteauneuf-du-Pape gerne. Dass es da noch Hermitage, Crozes-Hermitage oder Cornas gibt, vergisst man manchmal. Ist ja auch eine Frage des Geldbeutels, wenn man wirklich einen Hermitage auf den Tisch stellen will. Die weitaus größere Appellation Crozes-Hermitage, die eigentlich auf der anderen Seite der Hügel liegt, die steil zur Rhône abfallen, hatte ich gar nicht so recht mit gutem Wein in Verbindung gebracht. Zumindest war es auch früher eine Ausnahme.
Nun hatte ich hier die letzten Tage einen Wein von alten Reben aus eben diesem Gebiet rund um Crozes im Glas. Mit Hermitage hat die Appellation nicht viel zu tun und dient nur besseren Vermarktungsmöglichkeiten. Lediglich die Einschränkung, in den jeweiligen Gebieten als roten Wein nur Syrah anbauen zu dürfen, ist gleich.
Dieser Wein der Domaine Les Bruyères hat es in sich. Der junge Winzer David Reynaud hatte es satt, wie die Generationen vor ihm die Trauben bei der Kooperative abzugeben, er wollte selber Wein machen und das nach biodynamischen Grundsätzen. Das macht er nun und der 2007er Les Croix ist aller Ehren wert.
Ein außergewöhnlich starker Duft nach Nelken strömt aus dem Glas, dazu kommt ein Hauch rohes Rindfleisch, etwas Garrigue, abgeschmeckt mit roten Johannisbeeren und dunkler Schokolade, so als würde man gerade bei den Essensvorbereitungen in der Küche stehen. Im Mund bleiben die Frucht- und Schokoladenaromen. Dabei ist der Wein ziemlich sanft und ruhig, wird die nächsten Tage tiefer und noch harmonischer.
Ein Umstand, den ich bei praktisch allen biodynamisch angebauten Weinen erkennen kann. Das sind nicht unbedingt Weine für den ersten Abend, die sollte man immer schön kommen lassen. Dafür halten sie sich dann offen über einen langen Zeitraum hinweg, ohne an Energie zu verlieren.
Zurück zum Wein. Dieser sortenreine Syrah gehört für mich zum Spannendsten, was ich in der letzten Zeit an Syrah für unter 20 Euro getrunken habe, dicht, komplex, frisch mit herrlichen Aromen. Ich bin gespannt, wie er sich die nächsten Jahre über entwickeln wird.
Manchmal, da gehe ich in die Frittenbude und bestelle mir beim Addi ein Schnitzel. Das muss einfach manchmal sein. Ich bestelle dann das Lenné-Schnitzel, das nach dem bekannten Gartenarchitekten benannt ist, weil die Straße, in der der Addi seinen Laden hat, Lennéstrasse heißt. Das ist das Ultraschnitzel mit Spezialsoße und zwei Spiegeleiern oben drauf. Natürlich könnte ich auch Zigeunerschnitzel bestellen, dieses Schnitzel mit dem so gar nicht mehr zeitgemäßen Namen. Aber ich mag diesen tomatigpfeffrigpaprikahaften Geschmack nicht.
Deshalb mag ich auch den 2005er Syrah von Waßmer nicht. Der hat das nämlich auch. Fettsoße mit überbordend Pfeffer und Paprika. Nee. Also nee. Den Wein macht der Hanspeter Ziereisen besser. Sag' ich mal so. Viel besser. Ist nur schwer zu bekommen.
Aber die Schnitzel beim Addi sind ok. Und die Steaks erst. Und außerdem gibt’s da freitags und samstags Bier für ’nen Appel und ein Ei. Und als der Addi den 15ten Geburtag vom Lenné-Snack gefeiert hat, da hat er an zwei Tagen mal eben 6 Hektoliter Freibier ’rausgehauen. Und wenn die Kinder nach dem Karnevalszug da hinkommen, gibt’s auch Pommes umsonst. Außerdem hat er immer gute Laune. Und dafür mag ich ihn.