originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Domaine Richeaume, Rosé 2009, Provence

Auf der Suche nach passablem Rosé bin ich kürzlich nach langer Zeit mal wieder bei den Weinen der Domaine Richeaume gelandet. Die Domaine Richeaume ist das Weingut eines großen Individualisten und mittlerweile auch das des ebenso nonkonformistischen Sohnes. Es ist die Domäne des Henning Hoesch, der, einer Dürener Chemiefabrikantenfamilie enstammend und in Yale zum Historiker promoviert, sein Herz an die Montagne St. Victoire verloren hat und, anstatt einer vielversprechenden Universitätskarriere zu folgen, Anfang der Siebziger ganz andere Ziele in den Blick nahm, mit Ideen, die damals noch sehr selten vorkamen und ungewöhnlich waren. Themen wie Naturschutz, biologische Landwirtschaft, Kreislaufwirtschaft spielten damals kaum eine Rolle. Und so kann man Hoesch, der die Ausbeutung einer liebgewonnenen alten Kulturlandschaft nicht gut ertragen konnte, durchaus als Avantgarde, als Vorreiter sehen.

1972 stießen er und seine Frau auf das 65 Hektar große Gut zwischen Rousset und Puyloubier, das voller bauhistorischer Relikte aus der Römerzeit ist und im Mittelalter vom Templerorden betrieben wurde. Drei Hektar dieses Gutes konnten sie damals in Besitz nehmen und es bis heute auf 25 Hektar erweitern. Wie behutsam Hoesch in die Landschaft eingegriffen hat, wie konsequent er die Monokultur Wein in die Vielfalt der Natur der Provence eingebettet hat, dort, zischen Château Noir und Montagne St. Victoire, jenen Orten, die Paul Cézanne Zeit seines Malerlebens immer wieder umkreist hat, sieht man auf seinem informativen Internetauftritt.

Ich bin nicht unbedingt ein Fan des Rosé, lediglich zu Crémant oder Champagner ausgebaut kann ich ihm durchaus etwas abgewinnen. Wenn ich einen Rosé mag, ist es der des Château la Canorgue aus dem Luberon, sonst kommt bei mir selten einer auf den Tisch.

Der Rosé von Richeaume allerdings gefällt mir ausnehmend gut. Er ist so eigenständig, subtil, elegant und – was ich Rosé bisher immer abgesprochen habe – ich stelle eine gewisse Tiefe fest. Grenache, Syrah und Carignan werden hier im Saignée-Verfahren angepresst und kurz auf der Maische gelassen, sodass der Wein seine lachsrote Farbe annimmt. Danach wird er im Holzfass ausgebaut. Zitrus-, Himbeer- und Erdbeeraromen verbinden sich mit einem leichten Hauch von Karamell, mit einem schönen Hauch von Gerbsäure unterstützt. Das ist wirklich ein feiner Wein!

Fotos der Domaine stammen von der Website

Gocher Weinzyklus 4 – Der Oberrhein. Eine Weinregion im Dreiländereck

Michael und ich hatten gestern dank der Wirtschaftsförderung der Stadt Goch, kom.M, einmal mehr die Möglichkeit, ungewöhnliche Weine an ungewöhnlichen Orten zu präsentieren. Nach dem Museum Goch, der Druckstraße von B.O.S.S.-Druck und dem Fünf-Ringe-Haus war es diesmal die Weltenbühne im Ortsteil Hassum – ein Schmuckstück aus der Sammlung des verrückten Puppenspielers Heinz Bömmler. Heinz nennt sich selber so, dabei ist er alles andere als das. Er ist ein versierter Geschäftsmann, der seine Sammelleidenschaft zum Lebensinhalt gemacht hat und dessen Weltenbühne nur ein kleiner Teil dessen ist, was unter Viller Mühle firmiert und weit über den Niederrhein hinaus bekannt ist – zum einen als Veranstaltungsort prominenter Kabarettveranstaltungen, Beispielsweise der WDR-Reihe Hart an der Grenze, zum anderen als Hort von unzähligen Alltagsprodukten und ganzen Kulissen vergangener Zeiten, die hier für historische Film- und Fernsehaufnahmen regelmäßig geliehen werden.

Die Weltenbühne war für uns der geeignete urige Rahmen unserer kleinen Reihe, in der wir uns am Niederrhein mit dem Oberrhein beschäftigt haben. Wer sich fragt, wie es dazu kam, außer dass am Oberrhein eindeutig gute Weine gemacht werden? Es ist schlicht der gerade aktuelle Spargel, der beide Regionen ganz nahe aneinander rücken lässt und der das Verbindungsglied des Abends darstellte.

Bis auf einen Abstecher an den Vorderrhein, genauer gesagt nach Malans in der Bündner Herrschaft, haben wir uns also mit dem Markgräfler Land, dem Bodensee, dem Zürichsee, dem Schwarzwald und dem Elsass beschäftigt und mit einer Riege von André Stentz begonnen.

Es ist jammerschade, dass die Elsässer Weine im allgemeinen solche Ladenhüter sind, gibt es hier doch wahre Schätze zu bergen und auch unauffällige Kleinodien zu entdecken. André Stentz, einer der frühen Vorreiter der elsässischen Bioszene, der mittlerweile alle guten Winzer dort angehören, macht seit vielen Jahren einen der besten Crémants, die ich kenne. Der 2008er Crémant d’Alsace aus Pinot Blanc, Pinot Gris und Chardonnay beweist dies ein weiteres Mal. Eine feine Perlage, ein frisches Aroma von Brioche und Nüssen in Verbindung mit mürben Früchten wird durch eine feine Säure herrlich gepuffert. Der Crémant d’Alsace Rosé, neu im Programm, wirkt ebenso fein. Der Pinot Noir aber dreht den Aromenkreis in eine ganz andere Richtung von satten roten Früchten. Ähnlich überzeugend wie die Crémants wirkte der Gutsriesling, der Riesling Alsace AOC des Hauses André Stentz. Trocken, luftig, frisch, mit einer feinen blumigen Note – aromatisch also, aber überhaupt nicht ausladend, sondern eher filigran und fein.

Bis zum Spargelessen führte die Reise vom Elsass aus zurück über die Grenze in die Nähe von Lörrach, wo Gerd Schindler im Weingut Lämmlin-Schindler einen hervorragenden Weißburgunder aus dem Mauchener Sonnenstück vinifiziert hat.

Weiter ging die Reise durch das Ländle und den dortigen Rebsortenspiegel zum Auxerrois der Aufrichts, die ich hier, hier und hier mal ausführlicher beschrieben habe. Der Auxerrois aus den Meersburger Lagen am Bodensee wirkte allerdings ein wenig zu dropsig, um auf Dauer spannend zu sein.

Deutlich spannender und so gelungen wie so ziemlich alles, was Alexander Laible so anpackt als Winzer, ist der Chardonnay SL***. Ein fruchtiger Chardonnay voller Kraft und gleichzeitiger Finesse. Herrlich ausgewogen zwischen Frucht, einer salzigen Aromatik und einer angenehmen Säure. Wenn auch noch sehr jung, wir haben den aktuellen 2009er Jahrgang probiert, gefällt dieser Weine, wenn auch manche Teilnehmer des Abends etwas Schwierigkeiten hatten, sich durch den krautig-gemüsigen Duft der Spontangärung durchzuarbeiten.

Zum Spargel dann gab es Ziereisens Gutedel Heugumber. Wer meinen Blog liest, kann mehr zu Hanspeter Ziereisen finden. Der Heugumber ist für mich einer der Sommerweine, nicht nur zum Spargel. Leicht, beschwingt, mit feiner Frucht und Würze, wenig Säure und Alkohol zum moderaten Preis ist das ein richtiger Spaßwein.

Der Wein zum Dessert kam da aus einer ganz anderen Liga. Zurück im Elsass widmeten wir uns dem Gewürztraminer Furstentum Gran Cru Vielles Vignes der Domaine Albert Mann aus dem Jahr 2007. Die Lage Furstentum wird bereits im Jahr 1330 in den Weininventarbüchern des Klosters Basel erwähnt. Der Gewürztraminer ist eine Wucht im wahrsten Sinne. Er dürfte gerade jetzt am Anfang seiner Trinkreife stehen, entfaltet im Laufe des Abends – wir haben ihn früh vorher geöffnet – ein großartig dichtes Aromenspektrum von Rosen, Litschi und Grapefruit in Kombination mit dieser markanten, sortentypischen leicht herben Würze. Eine Wucht aber auch deshalb, weil dieser Wein trotz ordentlicher Restsüße noch 13,5 % Alkohol beisteuert. Das ist nicht leicht zu verkraften, macht aber, wenn man diesem Wein Zeit widmet – Michael und ich haben dies dann nach der Veranstaltung noch ein wenig ausgedehnter getan –, sehr viel Freude.

Die Rotweine des Abends haben leider nicht nur polarisiert, das war uns klar, nein, anscheinend haben wir das Publikum ein wenig überfodert. Zwei Pinot Noir, ein Gamaret und ein Syrah standen auf dem Programm. Das sind letztlich alles nicht unbedingt Weine für Menschen, die sich nur selten tiefer mit dem Thema Wein auseinandersetzen.

So überraschte uns, dass selbst der 2007er Spätburgunder Markgräfler Land von Martin Wassmer den wenigsten zusagte. Ein burgundisch ausgebauter Typ, straight, aber nicht zu kompliziert mit einer angenehm weichen Holznote im Finale. Noch ablehnender standen die meisten dem Blauburgunder 2005 Zur Krone Malans von Anton Boner-Lichti gegenüber. Wirklich überzeugend fand ich diesen Wein allerdings auch nicht, genauso wenig den Gamaret aus der Staatskellerei Zürich. Auch diesen hatten wir vorher geöffnet und kurz probiert. Dabei wirkte der Wein aus der 1970 gezüchteten Traubensorte, die praktisch ausschließlich rund um Zürich angebaut wird, zunächst ganz spannend, weil sie wie keine andere Traube nach frisch gekochtem Rotkohl riecht, nach Rotkohl mit Nelke und ein wenig Pfeffer. Schwer wirkte er in der Nase, weicher und samtiger dann war er am Gaumen. Zweieinhalb Stunden später am Abend wirkte der Wein dann schon etwas müde und ich hatte starke Assoziationen an mit Maggi versetzte Würzsoße.

Für mich über jeden Zweifel erhaben war zum Schluss der 2007er Syrah Gestad von Hanspeter Ziereisen. Ein ausgezeichneter Wein, dessen Aromen von Teer zwar auch nicht allen zusagten, wohl aber mehr Teilnehmern des Abends. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich diesen Wein probiere. Ein Cool-Climate Syrah, nicht schwer, nicht fett, nicht überbordernd. So wie Hanspeter Ziereisen auch seine Blauburgunder zunehmend ausbaut, wird auch der Syrah immer filigraner und präziser. Die kleinen Mengen sind schnell ausverkauft und nicht einmal die Ziereisens konnten uns aus ihrem Keller noch etwas schicken. Bernd Klingenbrunn & Armin Maurer, kurz K&M Gutsweine, aber hatten noch eine Magnum für diesen Abend, die sie uns glücklicherweise kurzfristig zusenden konnten; denn sonst wäre das Rebsortenspektrum des Abends um eine Attraktion ärmer gewesen.

Eine schöne Reise war’s, eine Reise mit einigen Einblicken in eine alte Kulturlandschaft, die genauso oft gespalten wurde durch Kriege und Verwüstungen wie sie auch immer wieder zusammengefunden hat in gemeinsamen Interessen und Traditionen. Und eine Weinreise ist sie auf jeden Fall wert.

Cremant d’Alsace blanc/rosé, André Stentz, Elsass, 2008
Riesling Alsace AOC, André Stentz, Elsass, 2009
Weißburgunder »Mauchener Sonnenstück«, Lämmlin-Schindler, Baden, 2009
Auxerrois, Aufricht, Baden, 2009
Chardonnay SL 3 Sterne, Andreas Laible, Baden, 2009
Gutedel »Heugumber«, Hanspeter Ziereisen, Baden, 2009
Gewürztraminer »Fürstentum Gran Cru Vielles Vignes«, Albert Mann, Elsass, 2007
Spätburgunder »Markgräfler Land«, Martin Wasmer, Baden, 2007
Blauburgunder zur Krone Malans , Anton Boner-Lichti, Bündner Herrschaft, 2005
Gamaret, Staatskellerei Zürich, Zürich, 2006
Syrah »Gestad«, Hanspeter Ziereisen, Baden, 2007

Dido 2007, Venus la Universal, D.O. Monsant

Ich würde sagen, es gibt schlechtere Voraussetzungen, um guten Wein machen zu können als die, die Sara Pérez vorgefunden hat. War ihr Vater, Professor José Luis Perez, doch einer der Vorreiter, ja Wiederentdecker des Priorat. Zusammen mit René Barbier und anderen hat er damals jene Kooperative gegründet, aus der dann die Weine hervorgegangen sind, die man längst als Kultweine bezeichnet und seit zwei Jahrzehnten zu den Besten Spaniens zählen. Perez' Wein hört auf den Namen Clos Martinet, der Wein von René Barbier auf den Namen Clos Mogador.

Sara Pérez nun hat schon sehr früh auf dem Weingut mitgeholfen, und wenn sie auch zunächst Biologie und Philosophie studiert hat, den Abschluss hat sie als Önologin gemacht. Clos Martinet betreut sie schon länger, nebenbei ist sie ebenso Beraterin und Weinmacherin der Kooperative Cims de Porrera. Dabei kann man einen klaren Stil erkennen, der sich in diesem Wein genauso zeigt. Es sind vom Schieferboden geprägte Weine, die ebenso elegant wie frisch sind, wo der Einsatz von frischem Holz zurücksteht hinter dem Ausdruck der optimal gereiften Reben. Das ist nichts Heißes, nichts Marmeladiges.

dido_2007

Ihr Weingut Venus la Universal führt sie übrigens mit ihrem Mann, René Barbier Junior. Und mit diesem zusammen sowie mit einigen Freunden hat sie darüber hinaus auch noch das Projekt La Vinya des Vuit gegründet, auf dessen 4 Hektar biologisch-dynamisch gearbeitet wird. Ziemlich umtriebig also, die Frau.

Dido, der zunächst Aeneas hieß, was aber wenig weiblich klang und dann umbenannt wurde, ist der Zweitwein von Venus La Universal. Bestimmt wird er durch alte Grenachereben, etwas Cabernet, etwas Merlot und Syrah. Das ist ein ganz schön kräftiger Brummer, den Sara Pérez da vinifiziert hat. Kräftige Kirschen und Waldbeeren bestimmen diesen dunklen Wein, dazu etwas Holz, aber nicht viel, etwas Duft von rohem Rindfleisch und Leder. Saftig ist er, der Wein, und mineralisch würzig. Zu den Fruchtaromen und der Würze gesellt sich etwas Lakritze und etwas Rauchig-Tabakwürziges. Der Wein hat eine schöne, stimmige Balance aus Kraft und Eleganz mit ordentlich langem Abgang. Das ist ein sehr charaktervoller, individueller Stoff.

Dido 2007, Venus la Universal, Monsant, 14,50 Euro

T41, 2007, Celler Vall Llach, Per A Clos l'Asentiu, Priorat

Eigentlich heißt der Wein Tina 41. Das kann nicht darauf zurückgeführt werden, dass die Halbschwester des Chefönologen Tina heißt und schon 41 Lenze erlebt hat, nein, es ist lediglich die Fassnummer, besser gesagt die Tanknummer, in der der Grundstoff dieses Weines zusammengeschmolzen wurde. Eine Namensgebung wie bei Penfolds, wo die Weine dann BIN (Barrel Identification Number) heißen, BIN 389 zum Beispiel.

Der Wein, ich nenne ihn mal weiter Tina, wurde von den jungen Reben des Weingutes gemacht, von Grenache, von Carignan, von Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah – ein moderner Blend also, die Verbindung alter Rebsorten wie Grenache und Carignan mit den internationalen Standardrebsorten. Das geht zurück auf die Idee des Önologen Albert Costa, der nicht zuletzt bei großen australischen Gütern in die Lehre gegangen ist.

Für dieses Projekt wurde sogar ein eigenes Weingut gegründet, welches sich Clos l'Asentiu nennt und in Kooperation mit Vall Llach auf dem Etikett auftaucht. Ach ja, das Etikett. Das Etikett ist so modern gehalten wie der Wein und fällt direkt auf. Schöner wäre es gewesen, die weiße Buchstaben-Zahlen-Kombination direkt auf die Flasche zu bringen, wie es früher auf Portweinflaschen üblich war, hier ist es allerdings nur ein schwarzes, bedrucktes Papieretikett.

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Aber nun zu Tina. Tina wirkt ein wenig wie eine fette Ente. Hochreife dunkle Kirschen, Pflaumen und Rosinen mischen sich mit Röstnoten, Kaffee, dunkler Schokolade und etwas Lakritze. Das alles schwimmt in Alkohol. Das merkt man erst etwas später, nicht direkt im Mund, aber in der Kehle, da wirkt der Wein brandig und kann dann auch seine 15 % Vol. nicht mehr verheimlichen. Angenehm finde ich lediglich, dass Tina 41 nicht auch noch Röstholz von frischem Barrique mit sich herumschleppen muss. Aber es reicht auch so schon. Von fast allem etwas zu viel.

T41, 2007, Celler Vall Llach, Per A Clos l'Asentiu, Priorat, 14,90 Euro

Le Marteau 2007, Domaine Pierre Clavel, Coteaux de Languedoc

Pierre Clavel dürfte einer der südfranzösischen Großmeister des gelungenen Preis-Leistungsverhältnisses beim Wein sein. Bei allen Lorbeeren die er sich bisher für Le Mas, Les Garrigues oder den Copa Santa eingeheimst hat und trotz der Tatsache, dass er mit Null Kapital gestartet ist und den Großteil seiner Weinberge nur gemietet hat und zudem auch noch biologisch, teils biodynamisch arbeitet findet man seine Weine zwischen 6 und 15 Euro.

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Von Le Marteau wurden lediglich 8.952 Flaschen gefüllt mit einer Cuvée aus Syrah, Grenache und Carignan. Der Wein stammt nicht, wie meist vom Pic St. Loup sondern von seinen Lagen in Saint-Cristol, 20 Kilometer vom Gut entfernt. Gestern abend, nach einer Reise durch Rheinhessen wo natugemäß vor allem Riesling und Silvaner und Burgunder auf dem Programm stand und wir uns durch den Schnee zurück nach Hause gekämpft hatten mochte ich noch ein Glas warmen, sonnenverwöhnten Wein. Le Marteau hat viel Sonne in der Flasche. Allerdings, so merke ich heute, sollte man ihm Zeit lassen. Denn was er mir gestern quasi um die Ohren gehauen hat war ein Fruchtkonzentrat aus schwarzem Holunder, Brombeer und Cassis. Das strömte förmlich aus dem Dekanter und lief dick über die Zunge. Le Marteau – zu deutsch der Hammer. Pierre Clavel scheint es so gewollt zu haben. Hitze und reifstes Lesegut verbinden sich hier. Erst heute finden sich in diesem tiefvioletten Wein noch andere Aromen von rohem Fleisch, Gewürzen und Kräutern. Und, die dem Wein innewohnende Mineralität verleiht ihm eine gewisse konträre Kühle. Die rettet ihn nicht nur vor der Idee, das Konzentrat in Marmeladengläser abfüllen zu wollen, sie beflügelt ihn und macht ihn spannend.

Le Marteau 2007, Domaines Pierre Clavel, Coteaux de Languedoc, 9,99 € bei C&D

Prélude 2003, Mas Lumen, Languedoc

Pascal Perret gehört seit Jahren zu den Vorzeigewinzern des Languedoc. Die Weine des seit Jahren biodynamisch arbeitenden Perfektionisten sind eigentlich eine Bank.

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Enttäuschend allerdings ist der Prélude aus dem Jahrgang 2003. Carignan, Grenache und Syrah, teils aus dem Stahltank, teils aus dem Holzfass bilden hier keine Symbiose mehr. Der Wein ist hart und marmeladig dick, riecht nach Fleisch und Gurke und nach etwas ganz Prägnantem, was mir als Geruch sehr bekannt vorkam, bei dem ich aber ziemlich lange gebraucht habe, bis ich darauf gekommen bin. Es ist der Geruch von Irish Stout wie von Murphy's oder Guiness. Der Geruch nach dunklem Inselbier passt nicht unbedingt zu einem kräftig-geschmeidigen Südfranzosen, selbst wenn man den Duft sonst ganz gut leiden mag. Verwundert hat mich der Wein, denn geschmeckt hat er auch nicht besser, auch nicht am nächsten Tag. Und ob es lediglich an einer schlechten Flasche lag, müsste man mal beim versuchten Genuss einer weiteren eruieren.

Prélude 2003, Mas Lumen, Languedoc, ordentlich, 13,50 Euro

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