originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Cuvée Columelle 2007, Domaine Richeaume, Provence

19/Jan/12 00:04 kategorisiert in: Bioweine, Cabernet Sauvignon, Rot, Frankreich, Syrah / Shiraz

Es dürfte schon einige Monate her sein, dass ich zu Hause einen Wein aufgemacht habe, den ich so vorbehaltlos gemocht habe, wie die 2007er Cuvée Columelle des Henning und Sylvain Hoesch von der Domaine Richeaume. Da ich schon hier etwas zur Domaine und dem ausgezeichneten Rosé (einer meiner All-Time-Favourite-Rosé) geschrieben habe, ausgeschmückt mit Fotos der Landschaft, konzentriere ich mich hier auf diesen ungewöhnlichen Wein.

Ich weiss, dass ich, wenn ich Weine dieser Domaine öffne, automatisch innerlich Richtung Montagne Saint Victoire reise und schnell den Duft, das Flirren der Wärme, die Geräusche im Ohr habe, Erinnerungen vieler Wanderungen durch diese zutiefst provenzialische Landschaft, eingefangen in dutzenden Bilder eines Paul Cézanne… Daher bin ich nicht wirklich objektiv. Also neige ich zur Übertreibung. Aber das ist nicht schlimm, denn die Begeisterung habe ich mit zwei unbelasteten Mitprobierern geteilt, insofern ist sie nicht unbegründet, zumal diese Begeisterung schon kurz nach dem Öffnen der Flasche eintrat, während der Wein sich über die nächsten drei Tage erst wirklich hervorragend entwickelt hat und noch sehr viel schöner geworden ist und ein bisschen ahnen lässt, wie er sich über die nächsten Jahre entwickeln mag. Denn, der Wein wurde zu jung getrunken, deutlich zu jung. Da ich ihn qualitativ auf gutem Cru-Classé-Niveau einstufen würde, könnte das Alterungspotential ebenfalls in diese Richtung gehen.

Mein Vergleich mit Bordeaux Cru-Classé kommt nicht von ungefähr. Diese Cuvée ist keine klassische südfranzösische Cuvée, keine Süd-Rhône-Cuvée. Hier verbinden sich zwei Sorten, die ich in dieser Klasse noch nicht zusammen verbunden probiert habe: Syrah und Cabernet Sauvignon. Und je länger ich diesen Wein trinke, frage ich mich, warum das nicht häufiger jemand macht. Das ist so ein bisschen Yin-Yang, Härte und Weiche, Expressivität und Intimität. Aber ich will eigentlich nicht schwadronieren.

Der Wein hat 14 Monate im Eichenfass gelegen, die Tannine sind ziemlich geschliffen, die Frucht ist noch präsent, Grafit ist bemerkbar und vor allem Schokolade. Er wirkt kühl und warm zugleich, bei angenehmen 13,5% Alkohol. Der Wein dürfte bei Mitte zwanzig Euro liegen, ist also wahrlich kein Schnäppchen. wer aber so viel Geld ausgeben mag und eine Bordeaux-Alternative sucht, sollte diesen Wein probieren.

Deutlich günstiger ist die Cuvée Tradition, wo sich neben Syrah und Cabernet mehr Grenache findet. Der Wein ist alles in allem typischer südfranzösisch, mit mehr Würze und Kräutern, die Grenache macht in zusätzlich süffiger und ungemein lecker.

Das war eines der Weingüter auf meiner Liste, deren Weine ich nun seit zwei Jahrzehnten kenne, die mich nie enttäuscht haben und die ich blind empfehlen würde.

l’Heravi 2010, Vinyes d’en Gabriel, Montsant

26/Mai/11 22:07 kategorisiert in: Bioweine, Carignan, Grenache / Garnacha, Rot, Spanien, Syrah / Shiraz

Als Einstimmung auf ein morgen anstehende Montsant- und Priorat-Probe habe ich mir heute Abend mal den jüngsten Wein der Runde eingeschenkt. Einen l’Heravi 2010 von Vinyes d’en Gabriel im Montsant. Dieses Weinbaugebiet ist durchaus spannend, nicht nur hat es durchaus viel vom Priorat – es schließt sich praktisch wie eine Schnalle um dieses deutlichbekanntere Gebiet – man findet dort auch eine ganze Menge an Weinen, die ein wesentlich besseres Preis-Genuss-Verhältnis besitzen. Drei Bodentypen herrschen in diesem Gebiet, das früher »Falset« genannt wurde vor: Kalkböden mit Kies, Granit-Sandgemische und Schiefer, ähnlich wie im Priorat, im Katalanischen Licorella genannt. Die Weinberge, häufig ganz urtümliche, alte Bestockungen liegen zwischen 200 und 700 Meter Meereshöhe. Auch hier wurde ein ganz erheblicher Teil der Weinberge rekultiviert, als im Priorat das Renomée stieg und auch der Preis und irgendwann die besten Lagen vergeben waren. Ähnlich wie im Priorat hat es sich lange Zeit nicht gelohnt, die Weinberge zu bewirtschaften weil den Wein keiner haben wollte bzw. keine adäquaten Preise gezahlt wurden. Mancher Moselwinzer mit Steillagen kann davon ein Lied singen.

Das Weingut Vinyes d’en Gabriel hat eine durchaus lange Tradition. Im 19. Jhd. gründete Joan Rofes das Gut. Heute, Generationen später bewirtschaftet Josep Maria Anguera Ansens die Weingärten nach biodynamischen Methoden, er ist noch nicht zertifiziert, er befindet sich in Konversion. Was er kann, mag ich noch nicht abschliessend beurteilen denn morgen werde ich zwei weitere Weine probieren.

Der junge 2010er jedenfalls beeindruckt mich auf jeden Fall. Ich habe den Wein am Dienstag geöffnet und ins Glas floss eine dichte, dunkle, violette Flüssigkeit, der ein frischer Duft von Cassis entströmte. Natürlich wurde der Wein von seiner Frucht dominiert, wie sollte es anders sein nach relativ kurzem Ausbau im Stahltank? Wer aber denkt, er hätte hier lediglich einen kurzlebigen Spaßwein im Glas, der irrt. Spaß macht er, aber auch heute, am dritten Abend ist der Wein absolut balanciert und stabil. Natürlich überwiegt die Cassis-Frucht deutlich, aber genauso finde ich eine Palette an Gewürzen. Vor allem aber sticht die Frische und Kühle hervor. Hier ist Mineralität drin. Der Wein bleibt dicht und ungewöhnlich lang. Wir reden hier von einem frischen Wein für 7.50 Euro. Wir reden aber auch von einem Wein, dessen Trauben von Rebstöcken stammen, die bis zu 40 Jahre alt sind. Das merkt man und die Qualität dieser Cuvée aus Carignan, Grenache und Syrah ist wirklich sehr gut.

 

Weinrallye No. 45: The Dead Arm Shiraz 1999

22/Mai/11 12:00 kategorisiert in: Rot, Australien, Rotweine, Syrah / Shiraz, Weinrallye

Wenn ich an Australien denke, bin ich immer ein wenig hin- und hergerissen. Einerseits waren die ersten Penfolds, die ich Anfang der Neunziger in Köln gekauft habe, mehrere Flaschen BIN 389, sehr schöne Weine, damals mit knapp über 20 DM das Ultimo für einen, der ebenfalls knapp über 20 war. Aber das hat sich gelohnt, das waren gute Weinerfahrungen, und gut gehalten haben sich die Weine auch, die heute glaube ich so um die 40 Euro kosten. Damals, oder etwas später gab es Wynns und Tatachilla bei Jacques Weindepot. Auch das waren gute Weine, nicht zu dicht, nicht zu marmeladig, mir haben die damals wirklich gut gefallen. Andererseits, und da komme ich wieder auf das Hin- und Hergerissene zurück, gab es dann ein paar Jahre, wo man nur noch diesen ganzen Koonunga Hill-ähnlichen Krempel fand. Zugeholzten Chardonnay der einem Gaumen beleidigt, fette Shiraz und Cabernets wie Fruchtlikör. Lindemanns, Rousemount, Penfolds. Massenware, gut im Markt plaziert, relativ teuer. Nee, das war nix für mich.

Der erste Wein, den ich neben altbekanntem, hervorragendem Wynns dann mal wieder ausprobiert habe, war The Stump Jump und The Love Grass von d’Arenberg.

So stammt der Wein der Weinrallye No. 45 aus selbigem Hause. Es ist die einzige Flasche 1999er The Dead Arm Shiraz, die ich besitze. Der Wein, der diesen Shiraz als Doppel begleiten sollte und von dem wir schon vermuteten, dass er nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit sein würde, ein 1974er Duhart-Milon-Rothschild, hat diese Erwartungen voll und ganz erfüllt. Ein muffiges Etwas, dass nach kurzem Luftkontakt nicht mehr bietet als die Farbe und den Geruch von Rost. Die Weinrallye 45 übrigens wird von Drunken Monday präsentiert. Ausrichter und G.O. ist, wie immer Thomas Lippert vom Winzerblog.

D’Arenberg und die Familie Osborn gehören mit zu den alteingesessenen Weinbauern im Mc Laren Vale. Joseph Osborn hat im Jahr 1912 die ersten 25 Hektar im Tal gekauft, sein Sohn Frank, eigentlich Arzt, hat den Besitz um weitere 53 Hektar erweitert. Zunächst hat er Fassware verkauft, dann trockenen Rotwein und Portwein nach Europa. Dessen Sohn Francis wiederum musste seinem Vater schon früh zur Hand gehen und nach dessem frühen Tod das Weingut übernehmen. Francis, genannt d’Arry, entschied sich, seinen Wein unter dem eigenem Label d’Arenberg, dem Nachnamen seiner Mutter zu verkaufen. Innerhalb von 20 Jahren hat er aus dem Betrieb eine national sehr beachtete Marke gemacht, international waren die Weine von Down Under in den Siezigern praktisch unbekannt.

Der heutige Chief Winemaker ist Chester d’Arenberg Osborn (hier links), der sein Handwerk von Kindesbeinen an bei seinem Vater d’Arry (hier rechts) gelernt hat, der wiederum immer noch im Betrieb mitarbeitet. Nach Abschluss der Schule ist er einige Jahre durch verschiedene andere Betriebe in Australien und Europa getingelt, wie man das so macht, wenn man gut werden will, und setzt sein Konzept vom Weinmachen seit 1984 zu Hause um. Dieses Konzept ist sehr klar: traditionelle Weinbereitung und Weinbergsarbeit. Keine chemische Düngung, geringe Erträge, extensive Bodenbewirtschaftung. Sämtliche Weine werden mit alten Korbpressen gepresst. Die Pressen, mit denen The Dead Arm Shiraz aus den über hundert Jahre alten Weinstöcken gepresst wurde, eine Coq und eine Tregoning, stammen selber aus dem 19. Jahrhundert. Selbst die offene Fermentation und das Bearbeiten der Maische mit den Füßen wird hier für die teuren Weine des Hauses noch angewandt. Erstaunlich, bei einem doch relativ großen Betrieb. Wenn man dagegen in die kilometerlangen unterirdischen Fabrikhallen von Penfolds schaut, erlebt man praktisch einen Kulturschock.

Was ich bei übrigens bei d’Arenberg neben den Weinen mag, ist das Marketing, die Aufmachung, die immer wiederkehrende rote Schürze und die prägnanten Namen: The Dead Arm, The Olive Grove, The Broken Fishplate, The Lucky Lizard oder The Laughin' Magpie.

Der Name The Dead Arm stammt von einer Pilzkrankheit, der Eutypa Lata, die dafür sorgt, das Arme des Weinstocks langsam absterben. Nicht so bei den unverwüstlichen alten Stöcken, die für diesen Wein genutzt werden. Wie gesagt, über hundert Jahre alt sind die Shiraz-Rebstöcke, deren Trauben nach mehrfacher Handlese in alten Korbpressen langsam gepresst werden und 22 Monate lang in neue französische und amerikanische Eiche wandern. Nach der Abfüllung darf man dem Wein glaube ich genau so viel Zeit gönnen, wie ich es jetzt getan habe. Da die Lese zwischen Februar und April stattgefunden hat ist der Wein jetzt exakt 12 Jahre alt, und entsprechend angenehm rund und mürbe sind die Tannine.

Es ist ein dunkelroter, tiefer Wein, dem die weiße Alterungsrandzone noch fast völlig fehlt, allerdings ist das Shiraz-Violette auch nicht mehr vorhanden. Auch in der Nase finden sich nur noch wenig Primäraromen, mehr gereiftes Holz, Zedernholz, ein süßer Kern, gekochte Früchte und schwarze Schoki, also die ohne viel Zucker. Schon die Nase zeigt eine gewisse Eleganz, und eine Bouquet, das mich gar nicht an Shiraz denken lässt. Im Mund setzt sich das fort. Ich denke eher an Bordeaux-Blends aus Kalifornien. Ja, elegant ist der Wein auch am Gaumen, zeigt eine schöne Präsenz, ist fein und dicht gewebt, die 14.5% Alkohol merkt man nicht, tragen vielleicht höchstens zur Süße bei. Hinter den dunkeln Beerenaromen macht sich wieder dunkle Schokolade breit, dazu ein Eukalyptuston, der sich in australischen Weinen ja auch durchaus häufiger zeigt. Eigentlich stimmt hier alles, die Breite und Länge, die Frische. Und doch sind wir nicht wirklich begeistert. Irgendwas fehlt ihm an Charakter, vielleicht wirkt er etwas zu rund, zu abgeschliffen die Ecken und Kanten? Ich bin mir nicht sicher. Am zweiten Tag probiere ich den Wein zu einem Steak vom Charolais-Rind. Das passt ausgezeichnet.

Der Korken übrigens ist ein Relikt aus vergangenen Tagen. Die Australier waren früh dran mit Schraubverschlüssen. Mittlerweile nehmen sie sie auch für die großen Weine, The Dead Arm, Penfolds Grange, Mitolo…

 

Weinrallye No. 44: La Petite Ourse

Man findet so gut wie nichts im Netz über Pascal Chalon und bisher habe ich von ihm nur genau einen Wein probiert. Den 2008er Petit Ourse, den kleinen Wagen, der in Frankreich kleine Bärin heisst, die kleine Schwester der großen Bärin, die hier wiederum Großer Wagen betitelt wird. Genug verwirrt? Der große Wein des Weingutes La Grande Ourse heisst übrigens ebenfalls La Grande Ourse. Jetzt müsste alles klar sein.

Pascal Chalon bewirtschaftet 9 Hektar in drei Gebieten. Zum einen in Tulette, dann in Visan und am Rande des Châteauneuf du Pape in St. Roman de Malegarde. Auf den biodynamisch bewirtschafteten Flächen stehen bis zu 90 Jahre alte Reben von Syrah, Grenache, Carignan und Mourvedre, dazu kommen Sorten wie Counoise und Muscradin die hier so gut wie unbekannt sind, jedoch zum erlaubten Sortenmix des Châteauneuf-du-Pape-Gebietes gehören.

Früher wurden Rhône dazu benutzt, schwache Burgunderjahrgänge aufzupeppen. wenn man allein den Petite Ourse, den kleineren Wein des Weingutes trinkt, weiß man, warum. In der Nase zurückhaltend fein, wirkt die Cuvée aus Syrah und Grenache im Mund absolut frisch, es ist die Quintessenz aus Rhône und Burgund in einem Glas. Hier jede Menge frischer Sauerkirschen und Schwarzkirschen, dort ein wenig Nelke und andere Gewürze, unterlegt mit Kräutern. Hier stimmt auf einem Preisniveau von um die 12 Euro einfach alles. Die Dichte, die Frische, die Länge, der individuelle Charakter. Beindruckend, sehr beeindruckend!

 

 

Weinrallye No. 44: Brise Cailloux vs. La Pierre Noire

Heute ist Weinrallye und ich freue mich sehr über das positive Feedback, dass die Themenauswahl hervorgerufen hat. Die Weine und Winzer der Rhône sind das Thema und allein in der Facebook-Gruppe gibt es schon 30 Zusagen. Wir werden das Thema heute also von vielen, auch ungewöhnlichen Seiten aus beleuchten können.

Ich für meinen Teil möchte zwei Weine der Nord- und der Südrhône gegenüberstellen. Es sind zwei Weine, die man nicht mal so eben aufmacht. Das sind eher Tropfen, die bewusst genossen werden wollen, zum Osterfest, mit Wein-Freunden oder zu anderen besonderen Anlässen wie beispielsweise einer Weinrallye.

Mit den Weinen möchte ich zwei Winzer vorstellen, die mit ihrer Arbeit und ihren Lagen jeweils zur Gebietsspitze gehören. Gemeinsam ist ihnen, dass sie nach den Ideen der Biodynamie wirtschaften. Der Stil ihrer Weine allerdings könnte kaum unterschiedlicher sein, was nicht zuletzt den so unterschiedlichen Bedingungen geschuldet ist, die es an Nord- und Südrhône gibt und Vergleiche zwischen den beiden Gebieten kaum sinnvoll erscheinen lassen.

Ähnlich der Weinrallye ist der Aufmacher der aktuellen Revue du Vin de France die Rhône: In diesem Fall die Nordrhône und ihre Syrah. Wer zum Artikel blättert, stößt auf eine großformatige Abbildung des Weines, den ich hier präsentieren möchte. Es ist die 2008er Ausgabe des Brise Cailloux. Ein Wein der Domaine du Coulet von Matthieu Barret. Dessen No Wines Land hatte ich als Einstimmung auf die Rallye kürzlich schon vorgestellt.

© Vinaturel: Steillagen im Cornas

Matthieu Barret besitzt insgesamt 12,9 Hektar Lagen, deren Filetstücke, die Lieux-dits »Les Mazards«, »Les Reynards«, »Les Arlettes«, »Les Eygas« und »Pieds la vigne« alle samt im Cornas liegen. Die Appellation Cornas wird selbst in der Revue du Vin de France als Aussenseiter gegenüber Côte-Rôtie und Hermitage betitelt. Auch wenn sie vor langer Zeit einmal Weltruf genossen hat und zu den ältesten Weinregionen Frankreichs zählen dürfte, wurde das Gebiet, deren heutiger Namne aus dem Keltischen stammen dürfte und so viel wie »verbrannte Erde« bedeutet, schon vor über 2.000 Jahren erwähnt. Übrigens soll auch Karl der Große schon vor Ort einen Wohl auf die Winzer ausgesprochen haben und bis ins 19. Jahrhundert hinein stand Cornas, was den Ruf betrifft neben Châteauneu-du-Pape.

© Vinaturel: Betonei trifft Eichenfässer

Lange Zeit wurden auf den steilen, terrassierten Hanglagen mit den für die Nordrhône so typischen Granit- und Kalksteinböden keine oder ausgesprochen wenige Weine von internationalem Rang hergestellt, die Appellation ist klein (550 ha), nur um die 100 Hektar werden überhaupt bearbeitet. Mittlerweile aber finden diese urwüchsigen Gewächse wieder immer mehr Liebhaber und auch die Qualität der kleinen Handvoll Winzer steigt stetig. Der Arbeitsaufwand kann mit dem verglichen werden, der die Steillagenwinzer an der Mosel jährlich erwartet, entsprechend wenige Winzer unterziehen sich der Tortur, finden sich doch zu Füßen des Cornas in der Ebene Lagen, die viel einfacher zu bearbeiten sind – auch wenn die Qualität entsprechend geringer ist.

Matthieu Barret jedenfalls hat sich 1999 dazu entschieden, sein Dutzend Hektar im Cornas zu erwerben, 2001 hat er auf Biodynamie umgestellt. Die Erträge seiner Lagen liegen teils unter 17 hl/ha, entsprechend dicht sind die Weine.

© Vinaturel: Matthieu Barret

Der Cornas Brise Cailloux stammt je zur Hälfte von den Einzellagen »Les Arlettes« und »Les Mazards«. Aus der ersten Lagen stammen die jüngeren Reben (7-20 Jahre alt), der Syrah aus »Les Mazards« ist älter. Der Wein wird zu 70% entrappt, 30% wird mit Stiel vergoren, die Weine werden 12 Monate lang zur Hälfte in Eiche, zur Hälfte im Betonei vergoren. Was heraus kommt ist Nordrhône, ja Cornas pur. Wir sprechen von einem 2008er Brise Cailloux, der eigentlich noch zu jung ist und sich noch entsprechend wild und ruppig gebärdet. Schweißige Lederaromen und ein Korb voller Gewürze bestimmen die Nase, speziell Nelkenaromen treten hervor. Je länger der Wein sich öffnen kann desto feiner und kräutriger wird die Nase. Im Geschmack findet sich zunächst wenig Frucht, viel mehr schwarze Schokolade, wiederum Nelken und andere orientalische Gewürze. Sollte der Name der Traubensorte tatsächlich vom Namen der persischen Stadt Shiraz abstammen kann man das hier nachvollziehen.

Die Tannine sind, ich erwähnte es, noch ein wenig ruppig, zu jung ist der Wein eigentlich, langsam, ganz langsam mischt sich saure Kirsche und rote Johannisbeere in das Geschmacksbild. Dies ist ein Terroirwein par excellence und ein Highlight für Syrah-Freunde, würde ich behaupten. So ungeschminkt Schöne findet man diese Sorte selten. Besonders beeindruckend bei all der Dichte und Kraft ist, dass der Wein dies bei lediglich 12,1% (!)Alkoholgehalt schafft. Ach ja, die erwähnte Revue du Vin de France hat diesen Wein auf den ersten Platz der probierten Cornasweine gesetzt.

Barret vs. Gimel

In der gleichen Preisklasse – zwischen 25 und 30 Euro – liegt der SJB5, seit kurzem La Pierre Noire genannt. Dieser Wein verkörpert den Süden der Rhône wie es der Cornas für den Norden schafft. Hier ist alles üppiger, weicher, wärmer, auch alkoholreicher. Ich habe schon lange keinen Wein der Südrhône mehr so genossen wie dieses Monument aus dem Ventoux. Streng genommen gehört die Appellation zur Provence, liegt aber so dicht, auch stilistisch, am Châteauneuf du Pape, dass man den Wein nur so vergleichen kann.

Wir haben 85 % hochreifen Grenache im Glas, gemeinsam vergoren mit 15 % Syrah. Ähnlich wie bei Barret ist die Ertragsmenge extrem gering, sie liegt bei lediglich 15 hl/ha. Dass man dabei Weine von Weltklasse überhaupt für 25 Euro im Verkauf herstellen kann ist erstaunlich. Philippe Gimel schafft es trotzdem. Dieser zurückhaltende Winzer, den ich kürzlich bei der Prowein treffen konnte, hat ein Talent wie wenige, er ist leise und doch voller Enthusiasmus, er ist absolut überzeugt von dem was er tut und überzeugend in der Art, wie er es vermittelt. Gelernt hat er unter anderem im Châteauneuf bei Beaucastel und dessen Weinmacher Claude Gouam hat ihn auch überzeugt, die 15 ha Lagen unterhalb des Mont Ventoux zu erwerben. Dieser Berg spielt eine wichtige Rolle im Mikroklima seiner Lagen, ebenso der Mistral, der hier 100 Tage im Jahr weht. Der Untergrund der Weinberge changiert zwischen rotem, gelbem, blauem und grauem Lehm, der Wasserabfluss ist hervorragend, der Lehm speichert immer genügend Feuchtigkeit.

Wie schon erwähnt wird hier bei Saint Jean du Barroux Biodynamie betrieben, ausgebracht wird zwei Jahre alter Schafdung und zerschredderte Reben, die Erde ruht regelmäßig für ein halbes Jahr, dann wird einmal gepflügt, den Rest regelt die Natur. In den Weinbergen wurden einmal 200 Pflanzenarten gezählt.

Der SJB5, wie auch seine anderen Weine werden in Beton-, Emailletanks und in alten Eichenfässern ausgebaut. In den ersten Jahren ist der Wein ruppig, nicht zuletzt verdankt er das der Tatsache, dass er kaum entrappt wird. Jetzt aber im Alter von (nur) fünf Jahren zeigt sich der Wein schon fein und elegant. Es ist eine Freude, ihn zu trinken. Aus dem Glas strömt Fruchtsüße und etwas, was mich an Salbenbasis erinnert. Nach kurzer Zeit öffnet sich der Wein und eine pfeffrige Würze mischt sich zu den fetten, reifen Früchten. Im Geschmack wirken die Früchte fort, verbunden mit Schokolade und Mokka, die Alkoholsüße der 14.5% findet man am hinteren Gaumen, das ist vielleicht noch der Jugendlichkeit geschuldet. Beeindruckend ist die mineralische Kühle, die Frische, die Säurestruktur, die Elganz und der wirkliche lange Abgang.

© Philippe Gimel: Gimel in seinem Fasskeller

Im Gegensatz zum Syrahpurismus des Brise Cailloux ist hier alles im Übermaß vorhanden, das ist Romanik versus Barock. Das ist beides Rhône, das ist beides voller Leben und das ist genau das, was ich an diesen beiden Gebieten mag.

No Wine’s Land 2007, Domaine du Coulet, Côtes du Rhône

In Erwartung der Weinrallye 44 habe ich mal eine Flasche des 2007er Côtes du Rhône No Wine’s Land der Domaine du Coulet geöffnet. Das ist schon deshalb ein ungewöhnlicher Côtes du Rhône, weil er nicht aus dem Süden stammt sondern aus dem Norden. Es ist ein reinsortiger Syrah aus dem Niemandsland zwischen Cornas und St. Joseph. Und von dort gibt es ziemlich selten Côtes du Rhône.

Der Wein stammt von relativ alten Syrah-Stöcken deren Ertrag für diesen Wein bei 20hl/ha lag. Da ist mir schleierhaft, wie man diesen Wein für unter 13 Euro überhaupt herstellen kann, und das, wo Matthieu Barrat, der Winzer der Domaine du Coulet das Ganze auch noch biodynamisch bewirtschaftet.

Ich muss sagen, ich liebe diesen Wein. Das ist für dieses Preisniveau großer Stoff. Authentischer Syrah auf hohem Niveau. Stoffig, erdig, sehr würzig in der Nase, fleischig, mit einem Anteil herber Schokolade, Tabak, zurückhaltender Kirsche. Im Mund wird die saftige Kirsche dann deutlicher. Der Wein ist im angenehmen Sinne schlank, hat 13% Alkohol, wirkt sogar weich bei gleichzeitiger Kraft und Substanz. Hach, einfach schöner Stoff… Eine Empfehlung aus meinem eigenen Laden.

Demnächst drüben im Shop.


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