originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Bolgheri 2004

Ich weiss nicht, ob den Traditionalisten italienischen Weins die Haare hochstehen, wenn sie an Bolgheri denken. Da gibt es alles, nur keine klassischen Rebsorten. Und man mag fragen ob die, die dort irgendwann mit Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Syrah angerückt sind, dem italienischen Weinbau einen Gefallen getan haben – gibt es doch in Italien eine Menge authochtoner Rebsorten höchster Qualität.

Wozu also dieser ganze internationale Kram? Um den italienischen Weinbau zu retten, sagen die anderen. Um ihn international aufzustellen und die Qualität zu verbessern. Und in der Tat hat der, dessen Weine wir getrunken haben entscheidend dazu beigetragen dies zu tun, den italienischen Weinbau wenn nicht zu retten, dann doch in eine entscheidende Richtung zu führen. Und zwar in eine, in die er in den 80ern und 90ern nicht unterwegs war, zumindest nicht in der Breite. Wir können hier ein Lied davon singen, bei uns war das auch nicht viel besser und wenn damals der ordinäre Chianti noch international zu verkaufen war, war es hier die Liebfrauenmilch. Mehr aber auch nicht.

Marchese Ludovico Antinori, von dem rede ich hier nämlich, hat dies mit einer unglaublichen Energieleistung geändert. Er, dessen alteingesessene toskanische Familie jede Menge Ländereien und vor allem Rebhänge besitzt, konnte den fortschreitenden Niedergang nicht gut ertragen. Und neben einem strikten Qualitätsstreben der heimischen Rebsorten hat er eben auch auf einen internationalen Stil gesetzt. Und das auf angestrebt höchstem Niveau. Herausgekommen ist das, was irgendwann den Namen Super-Tuscans bekommen hat. Wein internationalen Stils der in Italien jedoch lediglich die Qualitätsstufe eine Landweines, eines IGT erhalten hat, weil er den Richtlinien der Anbaugebiete nicht entsprochen hat. Das tat dem Erfolg der Antinorischen Weine und deren Verbündeter keinen Abbruch, so dass Sassicaia, Tignanello, Ornellaia oder Guado al Tasso berühmt wurden und eine Aufbruchstimmung erzeugten, die über das kleine Bolgheri, ja über die Toskana weit hinausging.

Im Gefolge der Super-Tuscans finden sich Zweitweine und andere Abfüllungen dieser Güter deren Preis nicht direkt in die Hunderte geht. Drei gereifte Weine, alle aus dem Besitz der Antinoris, haben wir probiert und über ca. drei Stunden verfolgt. Zunächst hat mich keiner der drei vollends überzeugt, zum Schluss hätte ich die drei alleine trinken können.

Il Bruciato 2004, Guado al Tasso, Bolgheri
Dieser Wein ist ein Nasenschmeichler. Süße Frucht und etwas vanilliges getoastetes Holz strömen aus dem Glas. Im Mund ist der Wein zunächst weniger fruchtig, ja, ich habe den Eindruck, die Frucht würde in der Gesamtheit des Weines deutlich zu weit zurückstehen. Die Tannine, die Säure stehen im Vordergrund. Nach einiger Zeit aber, genauer gesagt ca. 2 Stunden, nach dem ersten Schluck öffnet sich der Wein, der aus 60% Cabernet Sauvignon, 30% Merlot und 10% Syrah besteht, also gut vier Stunden nach Öffnen der Flasche.

Il Pino di Biserno 2004, Campo di Sasso
Im Gegensatz zum Il Brusciato ist dies nicht unbedingt ein Nasenschmeichler. Beim Il Pino treffe ich auf die Würze einer reduzierten Bratensoße, versetzt mit medizinischer Tinktur. Im Mund erwartet mich zunächst ein Geschmack von Dropsen aus der Metalldose, die zu lange im heißen Auto gelegen hat. Auch dieser Wein findet erst nach langer Zeit zu sich und klart dann förmlich auf. Jetzt finden sich Aromen von Schokolade und der Mund füllt sich mit dichten, dunklen, reifen Beeren. Der Wein wird erstaunlich harmonisch und ich bin angenehm überrascht. Das hatte ich gar nicht mehr erwartet von diesem Bogheri, der zumindest in 2005 aus 35% Cabernet Franc, 30% Cabernet Sauvignon, 20% Merlot und 15% Petit Verdot zusammengesetzt war.

Insoglio del Cinghiale 2004, Campo di Sasso
Auch der Wein mit dem markanten Schwein auf dem Etikett ändert seinen Charakter im Laufe des Abends beträchtlich. Zunächst steigt mir ein Geruch in die Nase als ob jemand alten Kabeljau über ein rostiges, von altem Blut überzogenes Geländer gezogen hätte. Da ist so viel Eisen im Geruch, dass ich zunächst ein wenig zurückschrecke. Am Gaumen findet sich jedoch eine sehr angenehme Fruchtsüße, die von kräftigen Tanninen und dunklen Früchten eskortiert wird. Dieser Wein gefällt mir abgesehen vom Gestank Geruch zunächst mit Abstand am besten. Der Wein wird zumindest als 2005er Jahrgang zur Hälfte von Merlot getragen, den Rest teilen sich Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Syrah und Petit Verdot. Später dann – auch hier dauert es seine Zeit – verfliegt der rostige Geruch und macht Platz für gekochten Rotkohl und Holunder. Das kann ich nun deutlich besser riechen, und geschmacklich schummelt sich noch etwas Schokolade und Mokka in die Fruchtaromen, was jetzt auch nicht unangenehm ist.

Ich fand den Abend jedenfalls ausgesprochen spannend weil ich selber ja eher ein Fan davon bin, in den Weinbaugebieten die heimischen Sorten anzubauen und das tendenziell eher als kulturlos empfinde, überall die gleichen Sorten anzupflanzen. Was mich jedoch nicht davon abhält, diesen Weinen, und zwar jedem der drei einen ganz eigenen, auch eigenwilligen Charakter zu attestieren. Und genau dann macht Wein Spaß.

Weine des Südens (2) – Languedoc, Roussillon und Rhône

Den zweiten Teil unserer Betrachtung des französischen Südens haben wir mit einem reinsortigen Carignan Blanc der Domaine d’Emile et Rose eingeleitet dem wir später zwei Rotwein-Cuvée der selben Domaine folgen ließen.

Die Domaine d’Emile et Rose, früher etwas kitschiger Domaine de 1000 Rose geheißen liegt etwas nördlich von Béziers in Corneilhan. Caroline und Marcel Gisclard haben dort vor einigen wenigen Jahren der Genossenschaft den Rücken gekehrt um selbst Weine zu machen, und zwar nach Maßstäben von Agriculture Biologique. 7,5 Hektar stehen unter Reben, wobei nicht nur die klassischen Reben des Südens angebaut werden sondern ebenso Merlot und Cabernet Sauvignon, was daran liegen könnte, dass die benachbarte Winzergenossenschaft Les Vignerons de Cers-Portiragnes genau diese Rebsorten auch vertreibt. Die Anlagen, man sieht es auf dem Bild – das ist jetzt nicht wirklich pittoresk hübsch – stehen in einem Urzeitmeer, dessen Vermächtnis, der Sand, den Untergrund bildet.

Der Carignan Blanc 2008 ist einer der schönsten Weißweine, die ich bisher aus diesem Teil Frankreichs probiert habe. Einem guten Burgunder im Stil nicht unähnlich verbindet er in der Nase einen vollen Blütenduft mit ein wenig UHU und Würze zu der sich irgendwann ein wenig Honig und Birne gesellt und sich auch im Mund bestätigt. Dabei stören leicht vorhandene oxydativen Noten kein bisschen. Sie fügen sich eher harmonisch ein in eine schöne Frucht und Frische.

Die Grenache-Carignan-Cuvée La Pierre Figée fällt dagegen und auch gegen den zweiten Roten der Domaine durchaus ab. Dieser 2006er wirkt in der Nase zunächst mollig weich und warm mit einer hübschen Zimtnote, dunkler Frucht und dem Geruch von rohem Rindfleisch, wie er häufig in den Rhône-Cuvées vorkommt, im Geschmack aber bleibt er eher matt mit einer zu herben Noten zum Schluss.

Die Cuvée Léa 2007, mit der umgewöhnlichen Zusammensetzung aus Syrah, Grenache und Cabernet überzeugt deutlich klarer. In der Nase zurückhaltender als La Pierre Figée, vom Aromensprektrum her eher Richtung Kirsche tendierend mit einem ähnlichen Klebstoffton ausgestattet wie der Carignan Blanc, ist der Wein ein Gaumenschmeichler dem mir fast ein wenig Ausdruck fehlt. Glatt ist er, weich, leicht astringierend mit medizinischen Noten in der Frucht. Der Wein hat eine schöne Länge und ist schlichtweg schön gemacht.

In einer anderen Liga spielt die Inspiration Céleste 2008 der Domaine St. Sebastien in Banyuls, bzw. Collioure. Diese Bombe ist natürlich noch viel zu jung um sie ernsthaft trinken zu wollen. Ein Eindruck vermittelt sie jedoch, und der ist sehr sehr positiv. 90% Grenache und 10% Carignan von alten Rebstöcken stammen von alten Schiefersteillagen, die teils mit der Mosel sehr gut konkurieren können. Der Wein erinnert mich deutlich an Weine, die ich von Coume del Mas probiert habe und deren Lagen nicht weit entfernt liegen dürften. Dabei finde ich bei beiden erstaunlich und beeindruckend wie sie die Dichte und Konzentration der Weine in Einklang bringen mit Frische und, ja, in gewissem Maße der Leichtigkeit des Seins. Auf einem Bett aus deutlich erkennbarem, aber nicht überbordendem leicht getoastetem, frischen Holz liegt ein satte, reife Fruchtsüße, durchsetzt mit Nelken und anderen, teils leicht medizinisch wirkenden Gewürzen und Kräutern. Die Mineralität ist schon in der Nase zu erahnen und bestätigt sich am Gaumen, wo noch zusätzlich eine fast sauerkirschartige Frische dazustößt. Auch wenn die 14,5% Alkohol im Abgang zu spüren sind, genauso wie die Vanille des Holzes und die noch fest zupackenden Tannine, macht dieser Wein – heij, er ist erst zwei Jahre alt – richtig viel Spaß, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Abgang schon jetzt richtig beglückend lang und voll ist.

Wer jetzt denkt, dass die beiden folgenden Weine von der Rhône es schwerer haben würden, der irrt. Der Petit Ourse, die kleine Bärin – bei uns nennt man dieses Sternbild den kleinen Wagen – stammt von der Domaine La Grande Ourse, also vom großen Wagen. Die Domaine, die strikt biodynamisch arbeitet, besitzt ihre 9 Hektar in den Côtes du Rhône Villages, speziell in Tulette, St. Roman de Malegard, was an Châteauneuf du Pape angrenzt, und Visan. Die Böden müssen gut sein denn Pascal Chalon, der Winzer dieser Domaine verkauft einen Teil des Traubengutes an die Familie Perrin, die Beaucastel besitzt.

In Visan liegen jedenfalls auch die Parzellen für den Petite Ourse 2008, ein Wein für kleines Geld mit großem Spaßfaktor. In der Nase eher unauffällig, im Mund super-frisch, mit jeder Menge Kirschen und ein wenig Nelken ausgestattet, sehr präsent, fruchtig und lang. Ich selber vertreibe ja mit großem Spaß die Weine von Roche-Audran und wenn ich diesen hier daneben stelle muss ich sagen, dass diese Appellation mich immer wieder auf’s Neue beeindruckt, gerade was das stimmige Verhältnis von Preis und Genuss angeht.

Das gilt übrigens auch für den Gigondas Cuvée Cécile 2007, einem Wein der Domaine Grand Bourjassot. Der Name deutet darauf hin, das Tochter Cécile Varenne diesen Wein gemacht hat. Cécile und Vater Pierre beackern 7 Hektar Weinberge an den Abhängen der Denteilles de Montmirail. Gearbeitet wird in Umstellung auf Biodynamie schon seit langem ganz traditionell mit Pferden statt Traktor und ohne chemischen Dünger, mit Spontanvergärung im Keller und ohne Schönung.

Die Cuvée Cécile wirkt wie eine Mischung aus Wein und Cassis-Likör wenn man die Nase ins Glas hält. Dichter Wein mit unglaublich intensivem Duft von Cassis – das ist sehr, sehr animierend und es bleibt natürlich nicht dabei. Auch wenn Cassis als Primärfrucht stark dominiert, mischt sich jede Menge Gewürze und Kräuter darunter, dazu kommt Holz und noch ein wenig ungebändigte Tannine, die zeigen, dass 3 Jahre Lagerung eigentlich viel zu wenig Zeit für diesen Wein sind.

Im Gegensatz zum ersten Abend unseres zweiteiligen Ausflugs waren wir den ganzen Abend lang ziemlich glücklich und zufrieden. Die Weine haben alle überzeugen können. Wenn ich beide Abende zusammenfasse bleibt mir vom ersten Abend speziell der geniale Mas de la Devèze bleibend in Erinnerung, am zweiten Abend sind es mehrere, die ich gerne wieder probieren, bzw. deren andere Weine ich gerne kennen lernen möchte.

Weine des Südens (1) – Languedoc und Roussillion

Es passiert immer wieder, dass ich auf diesem Blog ins Schwelgen gerate über den französischen Süden. Dabei hat dies viel mit verblassenden Erinnerungen zu tun, viel zu lange war ich schon nicht mehr dort. Immer wieder nehme ich mir vor, mal wieder für einige Zeit durch Languedoc und Roussillion zu reisen, und dann wird doch wieder nichts draus.

Allerdings gibt es manchmal Ersatzhandlungen. Diese besänftigen zwar nur kurzfristig die Sehnsucht, können aber für einen Abend glücklich machen. Speziell wenn dieser Ersatz mit gutem Wein zu tun hat. Wir haben uns kürzlich auf die Suche begeben nach gutem Wein aus den oben genannten Gebieten und haben spannende und zweifelhafte Errungenschaften gefunden. Wirklich glücklich sind wir erst zum Schluss geworden, aber das reicht ja im Zweifel, wenn man mit einem Lächeln auf den Lippen in die Federn sinkt.

Grenache Noir und Grenache Gris, Carignan und Cinsault, Syrah und Mourvèdre sind also die Rebsorten, die uns den Abend versüßen sollten und wir waren auf der Suche nach authentischen Weinen. Also Weinen, die von alten Reben stammen und weitgehend traditionell verarbeitet werden, im Zweifel werden dies kantigere Weine sein die nicht den weichen, runden, eher internationalen Stil pflegen. Und wir wollten wissen, ob uns das überhaupt gefällt.

Le Lolo de l’Anhel 2008 startet genau mit dieser Kantigkeit und Kraft. Schon im Glas ist dieser Wein undurchdringlich dicht zwischen dunkelviolett und schwarz, eine Grenache-Mourvèdre-Schwärze die nach Erde und nach Kräutern riecht. Dazu kommt der Duft fetter, vollreifer dunkler Früchte. Rustikal wirkt der Wein, mit etwas ruppigen Tanninen, gleichzeit birgt er eine ganz angenehme Frische. Je länger die Flasche geöffnet ist, desto stärker wird ein gewisser teeriger Moderton, der sich auch im Geschmack wiederfindet.

Clos de l’Anhel ist eine ehemalige Schaffarm (Anhel heißt im Okzitanischen Schaf), liegt ganz in der Nähe des ehemaligen Benediktiner-Klosters Lagrasse im Tal der Orbrieu gegenüber der Montagne d’Alaric. Carignan, Syrah, Grenache und Mourvèdre werden von Sophie Guiraudon bio-dynamisch bewirtschaftet und im Holz ausgebaut.

Das Château Pech-Redon gehört mit zu den ersten Weingütern, die ich überhaupt im La Clape besucht habe. Christoph Bousquet macht hier seit Jahren traditionelle, feine Weine. Seit 2004 ist Bousquet nach ECOCERT zertifiziert. Im Frühjahr diesen Jahres wurde er Opfer eines Anschlags. Genau gesagt hat man über Nacht seinen gesamten Fassbestand geleert, so dass mehrere Jahrgänge vernichtet wurden. Drüben beim Bacchantus steht mehr darüber.

Der 2008er, den wir im Glas hatten hat uns allerdings nicht sonderlich überzeugt. Zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. In der Nase zunächst frisches UHU mit deutlichem Garrigueanteil. Dazu etwas süße Frucht, Nelken und andere orientalische Gewürze.  Am Gaumen wirkt er massiv sperrig und jung. Die Geschmackskomponenten aus Frucht, Gewürzen und Tanninen finden sich nicht. Es gibt keine Balance und Eleganz und je länger der Wein geöffnet ist, desto stärker, ja übermächtig wird die Gewürzkomponente.

Diese Gewürze finden sich auch im Navis der Domaine Mas d’Agalis, ein Vin de Pays du Coteaux du Saladou. Lionel Maurel bewirtschaftet hier seit 2006 3,5 Hektar alten Syrah, Grenache und Carignan. Und es ist erstaunlich, was man in so kurzer Zeit hinbekommen kann denn der Navis ist von 2007 und ein toller Wein.

Die Nase schon ist sehr verführerisch, weich und fein mit einem Touch geschnittenem Holz, Maggikraut, Süße und Gewürzen. Auch am Gaumen gibt es viele orientalische Gewürze, Frische und Saft und ein schönes Tannin. Ganz zum Schluss kommt eine leichte Bitternote. Je länger der Wein offen ist desto stärker findet sich eine Orangenlikör-Note im Wein. Ich finde, dieser Wein ist eine schöne Entdeckung.

Das würde ich auch für den zweiten Wein im Flight sagen obwohl dieser ganz, ganz anders ist. Weniger dicht und typisch für die Region. Da fehlen sowohl die Gewürze als auch die schweren Früchte. Hier sind es Sauerkirschen und zwar jede Menge, die den Wein ausmachen. Und auf die Nase kann man nicht setzen. die bleibt sehr zurückhaltend, und wenn, dann finde ich auch hier eher etwas leicht teerig-Modriges neben den Sauerkirschen. Three Trees heißt der Wein, und wenn ich auf das Etikett schaue, habe ich eher das Gefühl, eine Flasche Sake in der Hand zu halten, so kalligraphisch ist das Etikett gehalten.

Der Wein stammt von den Neuseeländern Tom Lubbe und Sam Harrop denen eigentlich die Domaine Matassa gehört. Auf dem Rückenetikett hier allerdings ist von der Domaine de Majas die Rede, was aller Wahrscheinlichkeit nach die Schwesterdomaine von Matassa ist. Definitiv hat Tom Lubbe den Wein gemacht, denn das steht hinten drauf. Dieser hat einst in der Domaine von Gérard Gauby gelernt hat (nachdem er vorher schon in Swartland, in Südafrika gelernt hatte) um danach dessen Schwester zu heiraten und sich im Süden Frankreich niederzulassen. Die Weine werden auf der Domaine bio-dynamisch angebaut und in ganz eigenem Stil ausgebaut, sprich, Lubbe beläst den Traubenmost während der alkoholischen Gärung nur kurz im Kontakt mit den Traubenhäuten. Entsprechend hat der Wein deutlich weniger Extrakt und Gerbstoffe als sämtliche andere Weine des Abends. Der Wein von Carignan- und Grenache-Reben wirkt sehr frisch mit einer gehörigen Sauerkirsch-Komponente und Fruchtsäure. Wir fanden sie sehr angenehm, auch wenn sich die Säure im Laufe des Abends etwas verselbständigt hat und weniger gezähmt wirkte als zu Beginn.

Der weiße Three Trees hatte übrigens nicht viel mit der Beschreibung zu tun, die ich wiederum bei Bacchantus gelesen habe. Bei uns wirkte der Wein relativ matt und hat mir praktisch nichts gesagt.

Was zustande  kommt wenn sich eine Brasilianerin und ein Bretone treffen um Liebe und Wein zu machen, oder besser, um mit Liebe Wein zu machen, fanden wir im Amassa 2007 der Domaine Ribiera. Die beiden trafen sich zunächst in Paris in der Gastronomie, wanderten dann irgendwann in die Nähe von Clermont l’Herault aus um dort ein Restaurant zu gründen um dann später auch noch ein 6.5 Hektargut zu bewirtschaften. Die Weine werden ohne Chemie hergestellt und kommen ungefiltert in die Flasche.

Der Amassa riecht klassisch traditionell. Von Duft kann man bei diesem Gemisch aus Stall und Teer zunächst nicht sprechen. Im Mund wirkt der Wein zunächst weich und süß und massiv, lauter Attribute vollreifer dunkler Früchte, dann kommen die Tannine um die Ecke und der Wein legt die Mundhöhle erst einmal trocken, so astringierend ist er. Zum Schluss findet sich ein leicht störend wirkender Bitterton in einem insgesamt schönen Wein, der vom Mundgefühl her zum zweiten Wein im Flight passte.

Der Emotion 2006 von der Domaine Montplezy in der Côte du Thongue gelegen, beinhaltet noch mehr Gerbstoffe, die den Mund noch stärker austrocknen lassen als der Amassa. In der Nase fand ich Schokolade und Rumtopf, de facto wirkt der Wein in der Nase fast aufgespritet wie Banyuls. Im Mund finden sich dann glücklicherweise eher frische Sauerkirschen und die Süße, die wir im Duft fanden fehlt am Gaumen. Über die Massivität an Gerbstoffen allerdings kommt der Wein nicht hinweg, nicht am ersten Tag und auch nicht am zweiten. Erst am dritten wirken diese gemildert, dafür sind die Früchte aber nicht mehr frisch.

Mittlerweile sind wir bei 14,5% Alkohol angelangt, der erste Wein in der letzten Gruppe lag auf gleicher Höhe, der zweite musste schließlich 15% bändigen. Was er geschafft hat. Der Mas Karolina Roussillon Villages 2005 von Caroline Bonville ist nur in einem eingeschränkten Maße so massiv, wie sein Alkoholgehalt vermuten lässt. In der Nase findet sich rote Frucht, Kräuter und vor allem Blütenduft und Veilchen mit leichter Klebstoffkomponente. Eher unaufdringlich wirkt dieser Wein, dessen Macherin aus dem Bordelais stammt wo sie auf Château Marac ebenfalls Wein macht. Der Wein wirkt entsprechend auch nobler und kühler als die eher ursprünglich wirkenden Weine der vorherigen Gruppen. Der Grenache Noir dieser Assemblage stammt vom schwarzen Mergel in Maury, Syrah vom Granit in Lesquerde und Carignan vom Schiefer in Rasiguères. Zusammen ergeben sie einen bei aller Wucht feinen Wein voll süßer Frucht und jeder Menge Mocca- und Schokoladenaromen. Er erinnert mich durchaus an guten Priorat, vor allem am zweiten Abend, wo sich der Wein gesetzt hat und noch ausgeglichener wirkt. Lustvoll ist dieses Kraftpaket und bei aller Opulenz immer mit genügend Kühle ausgestattet.

Der Partner des Mas Karolina war der Côtes de Roussillon Villages Mas de la Devèze 2005. Auch dieser Wein stammt von einem Zugereisten. Einem, der nach erfolgreichem Business zunächst mit Wein gehandelt hat um dann zusammen mit seiner Frau das Weinmachen in Beaune zu studieren und bei Henri Jayers im Vosnée-Romanée zu lernen. Mit diesem Wissen ist Olivier Bernstein nach Tautavel gegangen wo er mittlerweile 15 Hektar Ton-, Lehm- und Schieferböden kultiviert. Der Mas entsteht aus 30% alten Syrah-Reben und uralten Grenache-Reben, die im alten Barrique und Tonneaux ausgebaut werden. Dass dieser Mann im Burgund gelernt hat, merkt man und er muss ähnliche Vorlieben haben wie Thomas Teibert mit seiner Domaine de l’Horizon, die ich kürzlich schon beschrieben habe.

Das ist Burgund im Süden, voller Eleganz, feiner Frucht, Gewürzen, Leder, Teer und Lakritzen und einer herrlichen Ausgeglichenheit, zwischen der diesen Weinen naturgemäß innewohnenden Kraft und Wucht und den ausgezeichnet eingebundenen Tanninen, der Kühle und Länge. Ein großartiger Abschluss.

Coca i Fito 2007, Monsant

"Glänzendes Kirschrot. Aroma mit Charakter, komplex, in Likör eingelegte Früchte, Schokolade, süße Gewürze. Am Gaumen geschmackvoll, fruchtig, frisch, Röstaromen, reife Tannine, mineralisch," sagt Penin, der Weinführer Spaniens, und der muss es ja schließlich wissen.

Nun, auf mich macht der Wein den Eindruck, als hätte sich da jemand auf hohem Niveau so deutlich wie möglich im globalen Dorf assimilieren wollen, so, als sollten Herkunft und Charakter möglichst in der Schwebe bleiben. Ok, sicher, der Wein ist so sexy wie möglich und so modern wie die Website zum Wein. Der Preis passt dann auch dazu. Für 23.50 Euro kann man sowas dann als Icon-Wine anbieten.

Mich lässt das weitestgehend kalt. Was ich allerdings durchaus amüsant finde ist die Tatsache, das die Weinmacher die Musik zum Wein auf das Etikett gedruckt haben.

Dieses erinnert mich übrigens etwas an die New Order-Platte "Power, Corruption & Lies", doch hat der damalige Art-Director Peter Saville dort mit der Verwendung eines Bildes von Fantin Latour als Antipoden zu Titel, Texten und Stimmung dieser Einspielung ein kleines Meisterwerk geschaffen. Hier wirkt es dagegen schlicht hübsch.

Die passende Musik zum Wein direkt mitzuliefern jedenfalls kenne ich sonst nur vom weincasting, aber das macht ja gerade Pause.

Tandem, Syrah du Maroc 2007, Domaine des Ouleb Taleb et Alain Graillot, Marokko

17/Sep/10 18:57 kategorisiert in: Händler, nach Rebsorten, Rot, Marocco, Rotweine, Syrah / Shiraz

Ich bin ja öfter in Brüssel und wenn ich dort durch die Viertel streife, stolpere ich hier und da über Weinläden. Kürzlich habe ich in Ixelles die Winery entdeckt, ein kleiner, aber gut ausgestatteter Weinladen mit Mittagstisch und Bar. Ich freue mich immer, wenn ich gute Bekannte entdeckte, wie zum Beispiel Pian dell’Orino oder Roches Neuves. Enttäuschend dagegen ist, dass ich in Belgien, wie in Östereich oder der Schweiz selten auch nur annehmbare deutsche Weine finde, wenn es überhaupt welche gibt. In der Winery gab es jedenfalls keinen.

Eine Flasche habe ich dann eingepackt, die mir interessant erschien. Es ist der Tandem von Alain Graillot und Thalvin. Den Wein gab es als 2006er Jahrgang auch mal bei Pinard de Picard, da ist er aber ausverkauft. Alain Graillot ist ein ziemlich bekannter Winzer von der nördlichen Rhône und er ist mit seinen französischen Weinen eh im Programm von Pinard. Der Tandem aber wird in Marokko angebaut, ca. 120km entfernt von Rabat im Inneren des Landes.

In der Nase hat man erst mal ein wenig verbranntes Gummi, Gewürz und dunkle Früchte mit einer oberen Schicht Himbeere und Kirsche. Die Komponenten wirken in der Nase zunächst unstimmig und es braucht locker zwei Stunden, bis sich alles zusammen findet.

Wirklich gut ist er eh erst am zweiten Tag. Da wirkt er dann wie ein Crozes-Hermitage (das kann Graillot ja nun auch) mit so einer erdig-eigenen, kleinen Zusatzkomponente. Frisch ist er jetzt, mit einer schönen Mineralität und Säure, dunklen Früchten und Himbeernase mit einem Zweig Johannisbeeren drin. Nur ganz zum Schluß ist da etwas Harzig-Bitteres, was ein wenig stört.

Mein erster marokkanischer Wein.

Domaine Richeaume, Rosé 2009, Provence

Auf der Suche nach passablem Rosé bin ich kürzlich nach langer Zeit mal wieder bei den Weinen der Domaine Richeaume gelandet. Die Domaine Richeaume ist das Weingut eines großen Individualisten und mittlerweile auch das des ebenso nonkonformistischen Sohnes. Es ist die Domäne des Henning Hoesch, der, einer Dürener Chemiefabrikantenfamilie enstammend und in Yale zum Historiker promoviert, sein Herz an die Montagne St. Victoire verloren hat und, anstatt einer vielversprechenden Universitätskarriere zu folgen, Anfang der Siebziger ganz andere Ziele in den Blick nahm, mit Ideen, die damals noch sehr selten vorkamen und ungewöhnlich waren. Themen wie Naturschutz, biologische Landwirtschaft, Kreislaufwirtschaft spielten damals kaum eine Rolle. Und so kann man Hoesch, der die Ausbeutung einer liebgewonnenen alten Kulturlandschaft nicht gut ertragen konnte, durchaus als Avantgarde, als Vorreiter sehen.

1972 stießen er und seine Frau auf das 65 Hektar große Gut zwischen Rousset und Puyloubier, das voller bauhistorischer Relikte aus der Römerzeit ist und im Mittelalter vom Templerorden betrieben wurde. Drei Hektar dieses Gutes konnten sie damals in Besitz nehmen und es bis heute auf 25 Hektar erweitern. Wie behutsam Hoesch in die Landschaft eingegriffen hat, wie konsequent er die Monokultur Wein in die Vielfalt der Natur der Provence eingebettet hat, dort, zischen Château Noir und Montagne St. Victoire, jenen Orten, die Paul Cézanne Zeit seines Malerlebens immer wieder umkreist hat, sieht man auf seinem informativen Internetauftritt.

Ich bin nicht unbedingt ein Fan des Rosé, lediglich zu Crémant oder Champagner ausgebaut kann ich ihm durchaus etwas abgewinnen. Wenn ich einen Rosé mag, ist es der des Château la Canorgue aus dem Luberon, sonst kommt bei mir selten einer auf den Tisch.

Der Rosé von Richeaume allerdings gefällt mir ausnehmend gut. Er ist so eigenständig, subtil, elegant und – was ich Rosé bisher immer abgesprochen habe – ich stelle eine gewisse Tiefe fest. Grenache, Syrah und Carignan werden hier im Saignée-Verfahren angepresst und kurz auf der Maische gelassen, sodass der Wein seine lachsrote Farbe annimmt. Danach wird er im Holzfass ausgebaut. Zitrus-, Himbeer- und Erdbeeraromen verbinden sich mit einem leichten Hauch von Karamell, mit einem schönen Hauch von Gerbsäure unterstützt. Das ist wirklich ein feiner Wein!

Fotos der Domaine stammen von der Website


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