originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Orben 2006, Bodegas Artevino, Rioja

Es ist relativ schnell erklärt, woher der Begriff Orben kommt, der diesem Tempranillo aus dem Rioja Alavesa seinen Namen gibt. Orben ist das Ergebnis, wenn man Nebro rückwärts ließt. Und der Name Nebro steht für einen der beständig am Höchsten bewerteten spanischen Weine. Er ist das Aushängeschild der Finca Villacresces im Ribera del Douero und die Finca Villacresces gehört der Bodega artevino, die sich seit einigen Jahren auch im Rioja engagiert. Es dürfte also so etwas wie ein Auftrag sein, dem dieser Wein mitgegeben wurde.

Der Orben, dessen Etikett ist schlichtweg gelungen und schön finde – die Spanier können ja wie kaum eine zweite Weinnation Wein und Design miteinander verbinden, auch wenn sie mit dem Design manchmal nichtssagende Weine aufhübschen – stammt von 60-70 Jahre alten Rebstöcken unterhalb des Gebirgszuges der Cantabria. Hier vermischt sich das atlantische mit dem mediterranen Klima, was sowohl die Temperaturen als auch den Regenfall moderat erscheinen lässt. Der Orben wird 94.000fach abgefüllt und stammt von insgesamt 79 Microparzellen, die für diesen Wein zusammengesammelt wurden.

Dieser Wein macht mir etwa ebenso viel Spaß wie der Finca Villacresces. Keine Frage ist das ein moderner Rioja. Die Klassik des Gebietes finde ich hier nicht mehr. Aber wo findet man die überhaupt noch? Es ist selten geworden und es ist auch meist nicht Schade drum, finde ich. An die Stelle dieser schweren, unglaublich holzlastigen Weine sind häufig frische, volle, teils elegante, teils nach meinem Geschmack zu fruchtig-fette Weine getreten von denen es eine ganze Reihe gibt, die mir gut gefallen. Dieser hier gehört dazu. Weich und rund schon in der Nase mit dem Duft von Vanille, Gewürzen und roten Beeren macht der Wein richtig an. Dieses Frucht-Holz-Vanille-Spiel findet sich auch am Gaumen wieder. Was hier überrascht ist die präsente Säure und der nur mittelschwere Körper. Und beides ist sehr angenehm. Da ist Kraft drin, aber gezügelt, da ist Volumen drin, aber nicht zu viel, da ist Struktur, aber nichts überbordendes, da ist Frucht, aber nichts, was fett wäre. Dafür gibt es Eleganz und Tanz (auf der Zunge).

La Montesa 2005, La Vendimia 2008, Alvaro Palacios Remondo, Rioja

Alvaro Palacios gehört gemeinhin zu den wichtigen modernen Vertretern der spanischen Weinelite. Ähnlich wie Telmo Rodriguez ist er mittlerweile in vielen Teilen des Landes unterwegs, er ist derjenige, der L'Ermita abgefüllt hat und so das Priorat aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat. Es gibt also eine Aura, einen Nimbus. Zudem wird, was ich ja durchaus schön finde – wiederum ähnlich wie bei Telmo Rodriguez – auf die Flaschenausstattung erhöhter Wert gelegt, ebenso auf die biodynamische Anbaumethode. Das ist alles sehr schön. Und das, was im Bierzo sein Cousin zusammen mit ihm macht, gefällt mir auch durchaus.

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Nun habe ich also mal zwei Vertreter seines Weingutes im Rioja probiert. Ich bespreche sie zusammen, weil mir zu den Weinen gar nicht viel einfällt, außer dass sie ohne Fehl und Tadel sind. Runde schlanke moderne Weine. Der eine gealtert und etwas tiefer, etwas konzentrierter, der andere jugendlich frisch, beide mit mittlerem Körper. Geschmeidig. Ja, das ist es. Geschmeidige Weine.

Beide kann man immer weiter trinken, jedem Gast werden sie gefallen. Ungwöhnlich der dominierende Anteil von 55 % Garnacha, im Rioja eher unüblich, dominiert dort doch Tempranillo. Palacios: „Sie ist die typische und authentische Rebe für unsere Region hier. Garnacha ist Natur und Geschichte, ist wie verzaubernde Musik." Ist aber irgendwie eher Popmusik, Fahrstuhlmusik, würde mein Vater sagen.

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Erstaunlich ist, wenn es stimmt, was der Brüsseler Weinhändler mir zum La Vendimia gesagt hat, dass dieser Wein tatsächlich bei Sarkozys Festmahl zum 14. Juli gereicht worden sei, was natürlich wiederum daran liegen mag, dass Sarkozy erst mal all das mag, was von außen hübsch und verführerisch aussieht. Aber das ist eine Unterstellung – und ein anderes Thema.

Zum Schluss frage ich mich nur, was diese Weine mit Rioja zu tun hatten. Mir fällt nichts ein.

La Montesa 2005, Alvaro Palacios Remonda, Rioja, gut, 12,70 Euro
La Vendemia 2008, Alvaro Palacios Remonda, Rioja, gut, 9,- Euro

Finca Villacresces 2004, Ribera del Duero

Es ist noch nicht so sehr lange her, als man praktisch nur einen Wein von den Hängen des Duer kannte. Es war Vega Sicilia. Ein Mythos. Noch immer. Aber neben diesem teuren Mythos gibt es mittlerweile noch eine ganze Menge anderer außerordentlicher Weine wie den Flor de Pingus von Peter Sissek, die Bodegas Aalto usw. Die Qualität dieser Weine wurde früher unter anderem von der Traubenqualität der Reben von Pedro Cuadrado mitbestimmt. Dieser besitzt 47 ha in bester Lage. Er macht nicht viel Aufhebens um sich und seine Weine, aber was er erzeugt, ist einerseits teuer und herausragend – der Wein heisst Nebro, die Flasche kostet an die 200 Euro und er hat für diesen Wein schon in drei Jahrgängen 98 Punkte von Parker bekommen – andererseits keltert er einen Wein namens Finca Villacresces. Der ist mir zum ersten Mal vor Jahren in einer Sendung von Gary Vaynerchuk aufgefallen. Dieser war schier aus dem Häuschen über diesen Wein und das ausgezeichnete Preis-Leistungsverhältnis (ca.25 Euro). Skeptisch war ich, hatte ich doch damals viel zu viele iberische Marmeladenweine probiert, die genauso angepriesen worden waren, wenn auch nicht von Gary. Ich war damals vom 2003er ähnlich begeistert wie Mr. Vaynerchuk.

Nun habe ich zum ersten Mal einen 2004er aufgemacht. Das ist ein herrlicher Wein. Der Wein hat für mich etwas Ähnliches wie Pontet-Canet im Paulliac. Preislich deutlich unterhalb der Top-Range, bieten beide Weine einen unglaublichen Genuss für ihr Geld, wobei man das qualitativ wiederum nicht ganz vergleichen kann; denn dieser wunderbar harmonische Kraftprotz der Tesserons im Bordeaux spielt doch noch mal in einer anderen Liga.

Dieser Wein riecht nach frischer, leicht mit Vanillezucker gesüßter Sahne mit etwas Kirschen. Er riecht weich. Mann könnte davon ausgehen, dass er nicht mehr ist als ein flauschig weicher Kuschelhase. Stimmt aber nicht. Zum Schluss finden sich noch ein paar Röstaromen in der Nase und überhaupt ist der Wein dann ein ganzes Stück komplexer als die buttrig weiche Nase vermuten lässt.

Er schmeckt sehr rund, mit Aromen von Kirschen, schmelzender Schokolade, leicht geröstetem Holz und einer Spur Vanille. Dann offenbart sich das Säuregerüst und gibt dem Wein die Balance. Herrlich rund, frisch, fruchtig, angenehm voluminös und überaus elegant kommt er daher. Das Einzige, was ich ihm vorwerfen könnte, ist, dass er ein wenig schnell verschwindet nach meinem Geschmack.

Finca Villacresces 2004, Ribera del Duero, ausgezeichnet, 25,- Euro

Alejandro Fernandez, Dehesa la Granja, 2001

13/Dez/08 15:13 kategorisiert in: Rot, Spanien, Tempranillo

Eigentlich ist es ja nur ein Landwein, den Alejandro Fernendez im Dehesa la Granja abfüllt. Aber das kommt ja nun häufiger vor, dass in Landweinflaschen mehr drin ist, als draufsteht, und dann auch schon mal mehrere Dutzend Euro kosten kann, dann wenn der Wein in den Flaschen nicht den Anbaukriterien der Gebiete entspricht, beispielsweise. Hier hat Fernendez also auf eine weitergehende Klassifizierung verzichtet und diesem reinsortigen Tempranillo die einfachste Qualitätsbezeichnung angedeihen lassen. Was man ins Glas bekommt, erhebt sich qualitativ aber meilenweit über das, was man im Allgemeinen im Supermarkt als Crianza, Reserva oder Gran Reserva erhält.

Dieser Wein ist ein Paradewein. Der knallt einem die Frucht und das Holzig-würzige, die Tannine und den Alkohol nur so um die Ohren. Das fängt an, als ich den Wein ins Glas schütte. Da kann ich mit der Nase noch weit entfernt sein und trotzdem breiten sich Gewürze, Tabak, Johannisbeere und Vanille wie Nebel aus. Im Mund eine klare Fruchtsäure, dann fette Kirschen und Vanille, Gewürze und getoastetes Holz. Schwer, voluminös, überhaupt nichts wirklich Feines. Aber … und das ist es: Es passt, es ist eine Balance drin in dem Wein und eine frische Note, ohne die es mal wieder nur Marmelade wäre, wie es das so häufig ist bei modernen spanischen Weinen in dieser Preisklasse. Das ist moderner Rock'n'Roll-Wein auf schönem Niveau.

(Auch im Advent genießbar und statt Rock'n'Roll ein bisschen Weihnachtsliedermelancholie mit Frank Sinatra).

Alejandro Fernandez, Dehesa la Granja, 2001, Toro, Spanien, ca 9,95 Euro

Lorinon Crianza Reloaded Teil 2

20/Jan/08 10:44 kategorisiert in: Rot, Spanien, Rotweine, Tempranillo

Nach dem seltsamen Geschmackserlebnis bei meiner letzten Begegnung mit dem Lorinon Crianza 2004 der Bodegas Breton aus dem Rioja habe ich schnell noch mal eine Flasche nachgeschoben, eine ausdem selben Karton mit einer vergleichbaren Flaschennummer, sprich, acht Flaschen später abgefüllt.

Das Ergebnis: Erleichterung, der Wein schmeckt so, wie ich vorher wahrgenommen hatte. Es ist ein frischer, nicht allzu tiefer Rioja mit ordentlichem Biss,  schönen Früchten, einem Schuss Vanilleholz. Genauer gesagt, es vermengen sich da Brombeeren, Schwarzkirschen, Karamell, ein bisschen dunkler Kakao mit Leder und ein bisschen Tabak. Das ist für seinen Preis, im Moment so um die sieben Euro, einer der besten Weine, die ich kenne.

Fragt sich nur, was das war am Donnerstag bei mir in der Flasche, im Glas, in der Nase und am Gaumen …

Lorinon Crianza Reloaded

18/Jan/08 18:42 kategorisiert in: Rot, Spanien, Rotweine, Tempranillo

Den Wein habe ich schon mal beschrieben und mir hat er die vier Male, die ich ihn bisher getrunken habe, sehr gut gefallen. Gut gemachter saftiger, frischer, fleischiger Wein, so einer, den ich an einem Abend auch mal allein verdrücken kann.

Gestern dann eine Flasche aus demselben Karton mit Freunden zum Abendessen. Geruch und Geschmack nach sehr frischer dichter Eiche. Vanille hoch drei mit Ceder und auch die Beerenaromen wirkten irgendwie parfümiert. Hm. Tja. Seltsam. Entweder mich hat vorher der Teufel geritten oder aber gestern. Oder in der Flasche hat zufällig ein Eichenholzchip überdauert und sich irgendwann dematerialisiert oder sich einfach im Wein aufgelöst.

Gut, dass noch ein einfacher Spätburgunder vom Meyer Näkel offen stand, um sich mit diesem würzig-herben nach Wald und Pilzen und Unterholz und roten und schwarzen Beeren duftenden und schmeckenden Wein die schlechte Laune zu vertreiben.

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