Mein bester Freund Holger und ich hatten eigentlich vorgehabt, in Ruhe in seiner neuen Wohnung, die ich zum ersten Mal besucht habe, ein paar Gläser Wein zu trinken. Dazu hatte er in seinem präferierten Käseladen ein paar feine Stücke ausgesucht. Nach meiner Ankunft gegen halb neun am Abend und einem Rundgang durch die Wohnung haben wir dann mit einem Glas Schloß Johannisberg Riesling Gelblack trocken 2006 begonnen. Ein schöner, straffer Riesling mit ordentlich Mineralien, Pfirsich und Zitronen.
Bevor wir uns dem Wein widmen konnten, rief allerdings seine Chefin vom Dienst an. Holger ist Radio-Moderator und sollte eigentlich am Freitag wie üblich frei haben. Das allerdings war ein Trugschluss. Irgendwie hatte er den Termin in seinem Dienstplan übersehen und war auf die Sendung, die er übernehmen sollte, auch nicht aufmerksam gemacht worden. Also, das Telefon klingelte um 20:45, um 21 Uhr sollte die vierstündige Sendung beginnen. Von seiner Wohnung zum Sender sind es zu Fuß nur 10 Minuten. Alles machbar. Nur, was sollte ich in der Zeit machen? Lösung: Ich könnte ja mitgehen und vier Stunden im Sender sitzen oder – mitgehen und vier Stunden Sendung mitmachen. Ohne groß zu überlegen, haben wir den Wein eingepackt, das Brot und den Käse.
Die Sendung bestand letzlich aus drei Stunden Musik und einer Stunde Sendung. Und neben festen Beiträgen und abzulesenden Beiträgen, die ich übernommen habe, haben wir über Wein geredet, über den Wein, den wir getrunken haben, außerdem über Käse und Weinanekdoten.
Das war gar nicht so schwierig. Ich hatte vorher ziemlichen Respekt, als es losging, da ich jetzt nicht unbedingt ein großer Redner bin. Als mir dann aber klar wurde, dass es am besten sei, einfach zu reden bzw. mich einfach normal zu unterhalten, wurde es eine schöne Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Und mit Holger an der Seite, der das ziemlich souverän geleitet hat, habe ich mich – glaube ich – nicht blamiert.
Der Wein, den wir getrunken und besprochen haben, war ein Baltasar Gracian Expresión 2001, den wir in einem Überschwang der Balthasar Gracian Vinjas Viejas 2002 Euphorie einfach mal mitgekauft haben. Der Wein setzt sich aus 53 % Garnacha, 19 % Tempranillo und 28 % Syrah zusammen und stammt von teilweise 80 Jahre alten Rebstöcken. Ausgebaut wird er in französischer Eiche. Der Wein dürfte so langsam seinen Höhepunkt erreicht haben. Er lebt von dichter roter Kirsche und einer Spur Nelke. Insofern ist er ein netter Adventswein und in Verbindung mit Lebkuchen dürfte er sich ganz gut machen.
Der Wein erinnert mich an Teer und Straßenbau. Das kann ja vorkommen beim jungen Tempranillo oder Syrah. Dazu kommt allerdings eine seltsam grasige Note. Ich habe das Gefühl, dass die Reben zu früh geerntet wurden. In meinem Glas schwimmt zudem eine schwer zu definierende glibbrige Substanz.
Hm. Das kippe ich dann mal lieber weg. Dann lieber Weine von Parra Jimenez, wenn es La Mancha sein soll. Und die sind auch Bio.
Gefunden ebenfalls im Herbstzeitlosenpaket bei Delinat.
Die Weine von Albet y Noya begleiten mich schon lange auf meinem Weinweg. Sie gehörten mit zu den ersten Bio-Rotweinen, die ich kennen und schätzen gelernt habe. Und auch die Brüder selbst, die ich mal beim damaligen deutschen Importeur Vivolovin traf, waren überaus sympathisch und man sah das Feuer in ihren Augen, wenn Sie über ihre Art, Wein zu bereiten, gesprochen haben.
Die Qualität ihrer Cavas, vor allem der Premium-Cavas, ist exzellent und die Cava ziehe ich jedem Supermarkt-Champagner vor. Die Col.lectio genannten sortenreinen Weine zeigen, welches Potential Xarrelo oder Syrah neben den klassischen Sorten wie Tempranillo oder Garnacha besitzen. Die Reserva Marti finde ich betörend.
Im Delinat-Herbstweinpaket gab es nun den Vinya Laia, eine Mischung aus Garnacha, Tempranillo und ein wenig Cabernet.
Eine schöne rubinrote Farbe, Duft nach ein wenig Süßkirsche, Vanille und Orange. Im Geschmack ähnlich: Süßkirsche und weiche Vanille mit einem Schuss Cointreau. Der Wein ist extrem weich. Eine Smoothie quasi. Das gefällt mir an ihm auch nicht. Er war schnell getrunken, sehr schnell, weil er einfach keinen Widerstand geboten hat.
Die Fotos muss ich, glaube ich, morgen noch mal neu einstellen, dann aber in vernünftiger Qualität.
*Räusper*
Also, was ich gerade im Glas habe bzw. zur Hälfte schon im Kopf, fast ohne es gemerkt zu haben, ist der oben angegebene Wein, eine nur in guten Jahrgängen abgefüllte Crianza, die zuletzt 1999 und 2001 abgefüllt wurde und die die ausgewählte Crianza des offiziellen Rioja-Banketts darstellte. Die Bodegas Breton bewirtschaften die nicht gerade kleine Fläche von 106 Hektar. Dort haben sich Weinleute zusammengetan, um Menge zu produzieren, Menge allerdings nach modernen Qualitätsmaßstäben.
Ich habe das Gefühl, dass ich die Flasche heute noch austrinken werde, was ich ziemlich selten mache. Aber der Wein ist einfach lecker!
Granatrot im Glas, Duft nach roten und schwarzen Waldfrüchten und Pflaumen. Man nimmt den Saft schon im Duft wahr, wo er sich leicht mit Vanille verbindet. Vordergründig schmeckt er nach Brombeeren, Holunder und Kieseln, also so, wie nasse Flusskiesel riechen.
Dazu kommt feines Holz, nicht zu viel, um zu erwarten, dass das Eichenmonster um die Ecke kommt, aber so viel, um noch ein paar Röstaromen zurückzulassen und ein wenig Geschmack nach Zeder.
Das Finale *tätärätätää* ist lang und saftig. So saftig, dass ich das gerade noch mal erleben muss.
Der Form halber: 85 % Tempranillo, 5 % Graciano, 5 % Mazuelo, 5 % Garnacha. Gärung auf der Maische während 17 Tagen im Edelstahltank, 12–14 Monate Fassausbau, davon 25 % in neuen amerikanischen Fässern.
8,50 € habe ich bezahlt. Ja, ja. 8,50 € für jede Menge Spaß im Glas. Und wenn man noch mal zusammenschmeißt und bei Silke 'n 12-Paket kauft, landet man bei 7,08 €.
Ich bin ja nicht der offizielle Werbepartner von Silkes Weinkeller, zumal ich jedes Mal Probleme damit habe, den Namen überhaupt zu erwähnen, weil er sich anhört wie Sandras Haarstübchen – aber in Bezug auf spanische und portugiesische Weine bestelle ich nun mal meist bei ihr. Die Preise sind mehr als in Ordnung und die Lieferungen erfolgen prompt. Und ohne meinem Weinhändler etwas zu wollen – und ich plädiere ja auch für den Gang zum nächstgelegenen Händler –, doch wenn der für einen AN/2 18 € haben will und dann auch auch noch ein mumifizierter Ohrenkneifer in der Flasche ist und ich bei Silke Spruch nur 11,80 € bezahle, dann muss man nicht lange diskutieren, finde ich.
Empfehlung!
Dieser Wein ist ein Hit! Ich kam drauf, weil Gary so begeistert war. Und da er von diesem Spanier so begeistert war, gerade weil er nicht wie für Robert Parker gemacht scheint – obwohl Parker ihm 95 Punkte vermacht hat –, habe ich mir den Finca Villacreces direkt mal bestellt.
Beim Dekantieren roch der Wein zunächst nach Stachelbeere, im Glas dann Noten von saftiger Kirsche, Vanille, aber nicht die Vanille von Holzchips oder frischem Barrique, eher echte Bourbon-Vanille, außerdem leichtes Holz.
Am Gaumen dann Beeren, dunkle Beeren, schwarze Beeren, gekochte Beeren und wiederum Vanille, dazu ein Hauch von Früchtetee und – Rhababer. Erstaunlich. Der Wein hat ordentliche Tannine und einen langen Abgang. Er ist saftig, hat eine ordentliche Balance und ist sehr eigen. Das mag ich sehr. Er wirkt sehr frisch. Das mag ich auch. Also, obwohl ein Hauch von gekochten Beeren bzw. Marmelade dabei ist, schmeckt er nicht marmeladig.
Ich würde sagen, dass das einer der besten spanischen Weine ist, die ich in den letzten Jahren getrunken habe. Das finde ich vor allem deshalb schön, weil ich gerade den Eindruck hatte, dass ich die Spanier in ihrer überwiegenden Mehrzahl gerade satt habe, weil ich meine, dass sie sich im Wesentlichen nach Parkerpunkten richten und damit ihre Eigenheiten verlieren. Bei diesem Wein denke ich das nicht.
Interessant ist allerdings mal wieder, wie unterschiedlich die Profis diesen Wein sehen. Parker vergibt ordentliche 95 Punkte. Gary Vaynerchuk vergibt 93+ und ist von dem Wein sehr begeistert, gerade vom Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Wine Spectator meint, der Weine hätte nicht mehr als 84 Punkte verdient (!), hätte zu vordergründige Tannine, würde zu penetrant nach Kirsche, Erde und Kräutern schmecken, hätte Muskeln, aber keine Finesse. Ich fand die Bewertung in Bezug auf den Kanonkop »Paul Sauer« ja auch schon recht seltsam, ebenso diese Bewertung.