Elisabetta Foradori gehört mit zu den schillerndsten Persönlichkeiten der Weinbranche. Allein wenn man sie googlet, landet man bei ihrem Namen bei ca. 86.000 Treffern. Das liegt allerdings mitnichten daran, dass diese Frau zum Glamour neigt und Geschichten für die internationale Klatschpresse liefern würde. Es liegt viel mehr daran, dass sie eine Frau ist, die Spitzenweine macht und das seit über zwanzig Jahren, die dabei einen mitreißenden Charme besitzt und ihren Namen praktisch verschmolzen hat mit der autochthonen Rebsorte Teroldego Rotaliano, ja diese Sorte überhaupt erst in das Bewußtsein der Menschen gebracht hat mit unermüdlicher Arbeit und all dies auch schon lange unter biologischen, mittlerweile biodynamischen Grundsätzen bewirtschaftet. Dies zusammen ist durchaus ungewöhnlich.
Was ist die Grundlage für den Kult, der um diesen Wein mit Namen Granato betrieben wird? Ich habe es bereits erahnt beim kleinen Bruder des Granato, beim Foradori Teroldego Rotaliano, der ebenfalls zu 100 % aus Teroldego gekeltert wird, dabei entsprechend dem günstigen Preis jedoch nicht so streng selektioniert und 12 Monate in kleinen Holzfässern ausgebaut wird. Ich habe den aktuellen Jahrgang vor nicht allzu langer Zeit beschrieben und war hin und weg.
Elisabetta Foradori, ich beschreibe es noch mal kurz, hat 1985 in jungen Jahren, der Vater war früh gestorben, kurz nach dem Abschluss der Weinbauschule und einigen Besuchen bei anderen Winzern das elterliche Weingut übernommen. Bei diesen Besuchen hat sie gerade den Aufschwung des südfranzösischen Weinbaus mitbekommen, wo einzelne, später immer mehr Winzer begonnen hatten, Klasse statt Masse zu produzieren, und man eine Vermutung davon bekam, welches Potential in den südfranzösischen Böden in Verbindung mit dem dortigen Klima stecken könnte.
Sie hat genau hingeschaut damals und begonnen, den traditionellen Weinbau auf dem eigenen Weingut zu überdenken und Stück für Stück zu verändern. Das begann mit einer dichteren Bestockung und einem anderen Schnitt, um die Ertrag zu reduzieren. Das ging weiter mit der intensiven Auseinandersetzung mit dem heimischen Rebgut, nämlich mit dem Teroldego, der ausschließlich in der Ebene des Campo Rotaliano vorkommt und bisher praktisch ausschließlich Weine produziert hat, die man nicht lange im Gedächtnis behält. Sie war der Meinung, dass das auch anders ginge. So hat sie begonnen, eigene Klone des Teroldego herzustellen, um sie den einzelnen Parzellen ihres 16 Hektar-Gutes anzupassen und die genetische Vielfalt zu erhalten. Der nächste logische Schritt auf dem Weg, zu einem kompromisslosen, eigenständigen Qualitätsprodukt zu gelangen, war für sie, auf jegliche Chemie zu verzichten und sich mit der Biodynamie zu befassen. Zu diesem Qualitätsstreben gehört es auch, dass der Wein, der sich Granato nennt, was man nicht mit Granate übersetzt, sondern eher mit Granatapfel, nur in den wirklich guten Jahren erzeugt wird, ansonsten wird das Rebgut dem Foradori zugeschlagen.

Der 2006er Granato, den ich gerade im Glas habe und der sich im Laufe des Abends im Dekanter und im Glas hervorragend entwickelt hat, ist eigentlich noch zu jung. Man sollte ihn noch eine Zeit im Keller vergessen, wenn man welchen sein Eigen nennt. Einen Vorgeschmack auf das, was sich noch weiter entwickeln wird, aber gibt es natürlich und er führt das weiter, was im Foradori Teroldego schon zu erkennen war. Eine herrlich satte Frucht von dunklen Beeren steigt einem in die Nase, zusammen mit dem Trockenen von Bitterschokolade, Gewürzen und Kräutern. Dazu kommt etwas Leder und Tabak. Im Mund ist dieser Weine eine Wucht. Eine herrliche Zusammenkunft von Kraft und Finesse, Wärme und Samt, mineralischer Kühle und fruchtiger Dichte. Zu den Aromen von Schwarzkirsche, Brombeeren und Cassis gesellen sich ein wenig Grafit und schmelzende Schokolade. Dabei ist dieser Wein, der 18 Monate in Barriques gelagert hat, schon erstaunlich zugänglich, wenn auch noch nicht wirklich weise. Was sich beim kleinen Bruder schon gezeigt hat, ist der eigene Charakter, der diesen Wein wirklich zu einem besonderen macht. Wenn man bei der Beschreibung des Weines auf die Idee kommen sollte, man habe es mit einem fetten, wuchtigen Kerl zu tun, dann täuscht man sich. Der Granato wiegt nicht schwer, liegt bei moderaten 13 Volumenprozent und bleibt bei aller Präsenz durchaus filigran.
Große Klasse!
Es gibt Weine, die sind in ihrer Art so besonders, dass man kurzfrstig sprachlos bleibt. Das müssen nicht immer die Nimbus-Weine sein, die auf internationalem Weinsammler-Parkett zu Höchspreisen ersteigert werden und die der Normalsterbliche kaum zu Gesicht bekommt. Das können auch Weine sein, die nicht einmal die 20 Euro-Marke übersteigen. Zugegeben, das ist selten, aber das gibt es, so behaupte ich. Ich hatte letzte Woche einen solchen Wein im Glas, einen, bei dem ich die ganze Zeit Beschwörungsformeln vor mich hin murmeln musste ob der dargebotenen Klasse. Einer also, den ich nicht so schnell vergessen werde.
Der Teroldego Rotaliano der zu einigem Ruhm gelangten Winzerin Elisabetta Foradori ist so ein Wein. Und es ist noch nicht mal ihr bester Wein. Der heißt Granato und ist in Italien eine Legende. Weshalb? Nicht zuletzt deshalb, weil diese Frau einen sehr ungewöhnlichen Weg gegangen ist, um einer Idee zu folgen. Sie baut nur eine Sorte an (ok, mittlerweile noch etwas Weißwein aus Sauvignon and Incrocio Manzoni), und zwar eine, die überhaupt nicht wirklich zusammengebracht wurde mit hochklassigem Wein. Elisabetta Foradori allerdings war sich sicher, dass dort einiges Potential in der Rebsorte stecken müsse – und sie hat Recht behalten. Die Zucht eigener Klone, die strikte Ertragsbegrenzung (ein Drittel der Erträge, die noch ihre Eltern aus den Stöcken gezogen hatten), der Umbau des Gutes auf biodynamische Landwirtschaft, all das hat in den Jahren einen Qualitätsschub bewirkt, der den Granato zu den begehrtesten Weinen Italiens hat werden lassen. Für einen Granato allerdings muss man schon so um die 40 Euro berappen, das fällt gemeinhin schwer.

Der einfache Teroldego, wenn man ihn als einfach bezeichnen darf, ist ein tiefdunkel-rubinroter Wein, aus dem man die Nase kaum noch herausnehmen mag. Der Duft dunkler Brombeeren strömt aus dem Glas, vermischt mit Zimt und etwas Vanille und Geräuchertem, dazu eine leichte Lakritznote. Dabei ist der Wein tief, erdig und würzig und wie ein samtenes Vlies, ohne jetzt irgendwie kuschelig daherzukommen. Das Zusammenspiel der Kräfte, die in diesem Wein schlummern, ist überwältigend.
Kitsch? Übertrieben? Mitnichten Euer Ehren, haben Sie Nachsicht mit mir, ich schwelge ja nur ein wenig …