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	<title>originalverkorkt &#187; Touriga</title>
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	<description>flüssige und überflüssige Eskapaden</description>
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		<title>Artikel No. 500: Ein bunter Strauß ungewöhnlicher Weine</title>
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		<pubDate>Thu, 19 May 2011 10:42:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bonner Weinzirkel]]></category>
		<category><![CDATA[Cabernet Franc]]></category>
		<category><![CDATA[Chenin Blanc]]></category>
		<category><![CDATA[Gelber Orleans]]></category>
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		<description><![CDATA[Zufälliger Weise ist das nun das Posting No. 500. Nach etwas über vier Jahren. Da kommt ja doch was zusammen. Statt groß zu feiern mache ich das, wozu dieses Blog da ist und resümmiere mal den letzten Weinabend unserer Bonner Runde.

Hatten wir bisher meist klar umrissene Gebiete oder Sorten als Themen des Abends, war ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zufälliger Weise ist das nun das Posting No. 500. Nach etwas über vier Jahren. Da kommt ja doch was zusammen. Statt groß zu feiern mache ich das, wozu dieses Blog da ist und resümmiere mal den letzten Weinabend unserer Bonner Runde.</p>
<p>Hatten wir bisher meist klar umrissene Gebiete oder Sorten als Themen des Abends, war es diesmal anders. Es war so etwas wie eine Best-Bottle-Party, eigentlich aber eher nach dem Motto &#034;Ich hole mal die Dinge aus dem Keller die ich immer mal mit anderen zusammen probieren wollte&#034;. So war bei diesem Abend nicht entscheidend, wer jetzt die rarste und teuerste Flasche aus den Tiefen des Kellers hervorgezaubert hat, angenehmer Weise wird hier eh nicht um die Position des Alphatier-Weinkenners und -sammlers gerungen, viel interessanter war die Bandbreite ungewöhnlicher Weine, die jeder beizusteuern hatte.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/05/DSC_01201.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1729" title="DSC_0120" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/05/DSC_01201.jpg" alt="" width="590" height="392" /></a></p>
<p>Ich selber habe zu diesem Abend einen süßen Champagner, und mit süß meine ich süß, von <em><a href="http://www.champagne-fleury.fr" target="_blank">Fleury</a></em> beigesteuert und die einzige Flasche <a href="http://www.niepoort-vinhos.com" target="_blank">Niepoort</a> Redoma 1996, die ich hatte. Aber dazu später mehr.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Vorspiel</strong><br />
Begonnen haben wir, nachdem klar war, wer in die zweite Liga absteigen würde und wer noch eine Chance hat, drin zu bleiben. Begonnen haben wir mit einem Wein ausser der Reihe, einem Aperitiv des Gastgebers, genau so blind eingeschenkt wie die restlichen Weine des Abends.</p>
<p>Woran denke ich, wenn der Wein nach Traminer riecht aber nicht unbedingt danach schmeckt? Wenn er eher nach Riesling schmeckt, aber auch nicht so richtig? Ich denke dann immer an den Cöllner Rosenberg, auf dem der gemischte Satz (Riesling und Traminer) des <em>Weinguts Hahnmühle</em> steht. Ich hatte den 2010er gerade eine Woche vorher noch vor Ort probiert und das war meine Idee, die ich zu dem Wein im Glas hatte. Das Elsaß fällt mir noch als Alternativursprungsort zum Alsenztal ein, doch ich liege falsch. Was hier so frisch und kräutrig, mit angenehmer Holunderblütennoten daher kommt ist ein blitzsauberer trockener <strong><em>Muskateller 2009</em></strong> der Familie <strong><em>Rebholz</em></strong>, Pfalz also, sehr ansprechend.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Erstes Doppel</strong><br />
Ernst wurde es mit dem ersten Gedeck, zwei Weiße nebeneinander und grundverschieden. Im linken Glas findet sich ein Wein mit leichten Petrolnoten, Riesling, ziemlich klar, zunächst denke ich an Mosel, doch nur im ersten Moment, dann wandere ich gedanklich weiter Richtung Nahe, Pfalz… Ins Elsass gelange ich nicht auf meiner imaginären Wanderung, doch da hätte ich hingemusst um den Wein zu verorten, den ich zwei Stunden vorher noch mit <em>Matthias</em> von<em> <a href="http://chezmatze.wordpress.com/" target="_blank">Chez Matze</a> </em>aus dem Weinbunker geholt hatte. Der Wein schmeckt entschieden deutsch, nicht elsässisch, er schmeckt auch gut, aber nicht hervorragend, hat Charakter, aber zu wenig momentan, zu wenig für einen <strong><em>Schlossberg Grand Cru 2005 </em></strong>von<strong><em> Albert Mann</em></strong>. Auf mich wirkt er verschlossen, ich kenne ihn anders, feiner, subtiler, mit mehr Substanz. Das ändert sich übrigens auch nicht zum Schluss der langen Runde, als ich mir den Wein noch mal still und heimlich vornehme. Nein, das ist nicht seine beste Zeit.</p>
<p>Dem gegenüber steht ein Oak-Monster, ein Wein der sich erst einmal durch eine große Ladung Rösteiche zwingen muss, damit man ihn überhaupt wahr nimmt. Wer macht solche Weine, wo könnte er entstanden sein? Die erste Idee am Tisch ist Burgund, ich kenne auch solche Veltliner, aber ein Veltliner ist es nicht, Weißburgunder aus der Pfalz kommt dem am Nächsten, was ich im Glas erahne aber das fehlt die spezielle Crèmigkeit. Gelbe Früchte finde ich, aber nicht die des Chardonnay, etwas Marzipan, ein wenig Crème…</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/05/DSC_0136.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1722" title="DSC_0136" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/05/DSC_0136.jpg" alt="Knipser, Gelber Orleans, Drei Sterne " width="590" height="392" /></a></p>
<p>Es ist jedenfalls definitv eine Rebsorte, die nicht allzu deutlich mit eigenen Aromen glänzt, vielmehr Geschmackträger, Geschmacksverweber ist, das ist den <em>Knipsers</em> schon klar, deshalb stecken sie ihn ins Holz, in zu viel Holz, wie ich finde. Als Rebsorte führt das, was wir im Glas haben ein absolutes Nischendasein. Ein <strong><em>Gelber Orléans ***</em> 2005</strong> vom <em>Weingut Knipser</em>. Der <em>Orléans</em> ist aus den hiesigen Weingärten übrigens fast komplett verschwunden, früher wurde er im gemischten Satz angebaut, vornehmlich mit Traminer, Riesling und Heunisch baut ihn meines Wissens nur Knipser in der Pfalz und <em>Georg Breuer</em> im Rheingau an. Vor wenigen Jahren wurden am Kloster Disibodenberg beim <em>Weingut von Racknitz</em> einige uralte Rebstöcke gefunden, fünf davon sind Orléans, über 500 Jahre alt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Zweites Doppel</strong><br />
Im zweiten Flight standen sich zwei Weine gegenüber, die ziemlich rebsortentypisch zu sein schienen, zumindest dachten wir das für den ersten Wein, der alle Charakteristiken eines reinsortigen Sauvignon Blanc aufweisen konnte. Beim zweiten Wein waren wir uns nicht ganz sicher, ich selbst habe auf Chenin Blanc von der Loire getippt und durfte Recht behalten. doch von vorne.</p>
<p>Was fällt einem dazu ein wenn man einen hellen Weißwein im Glas hat, der realtiv klar nach Stachelbeeren und Johannisbeere duftet und zudem leicht kräutrig wirkt?</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/05/DSC_0144.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1723" title="DSC_0144" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/05/DSC_0144.jpg" alt="" width="590" height="392" /></a></p>
<p>Das muss doch entweder ein <em>Sauvignon Blanc</em> sein oder ein <em>Grüner Veltliner</em> aus <a href="http://www.captaincork.com/Meinung/Gruener-Sauvignon-ist-das-Verbrechen-am-Gruenen-Veltliner" target="_blank">dem Artikel von Captain Cork</a>, also einer, wie wir uns ihn eigentlich nicht wünschen. Der Wein schmeckt nicht nach Sancerre, dafür ist er nicht trocken genug und ihm fehlen Kalk und Silex, nach Österreich schmeckt er nicht, dafür ist er nicht wuchtig genug, Deutschland könnte sein, aber die meisten hier haben etwas mehr Restzucker. Neuseeland, zumindest die älteren Jahrgänge wird es auch nicht sein, dafür ist er nicht exotisch genug. Ich tippe für mich auf Trentino oder Alto Adige, bin mir aber lediglich in der Rebsorte sicher – und scheitere. Wir haben etwas ganz Anderes im Glas. Einen Wein von einem Weingut, dessen Chenin Blancs ich früher mochte (ich habe <a href="http://www.originalverkorkt.de/2008/04/kleine-zalze-mit-mungobohnen-dal-und-tilapias/" target="_blank">hier</a> mal einen vorgestellt). Das, was ich nun probieren muss, erschüttert mich. Ok, es erschüttert mich nicht wirklich, wir wissen mittlerweile zu viel von Aromahefen, Kaltvergärung und dem Zusammenspiel der Kräfte im Weinkeller wenn man einen Wein &#034;machen&#034; will. Aber es sollte erschüttern. Dieser Wein hier wurde gemacht. Das ist kein Chenin Blanc im eigentlichen Sinne. Das ist Chenin Blanc, der auch Grüner Veltliner sein könnte, der auch Sauvignon Blanc ist. Ein Wein also, den die Welt nicht braucht und bei dem ich mich frage: Wozu in aller Welt machen die das? Ja, ersthaft. Wozu? Warum machen die nicht Chenin Blanc der nach Chenin Blanc schmeckt und Sauvignon Blanc der nach Sauvignon Blanc schmeckt? Beides ist in Südafrika sehr gut möglich, auf sehr gutem Niveau. So viel also zum <strong><em>Chenin Blanc 2009 Vineyard Selection</em></strong>, <strong><em>Kleine Zalze</em></strong>.</p>
<p>Den zweiten Wein habe ich vor nicht allzu langer Zeit schon mal getrunken, als Absacker gewissermaßen, als Schlusspunkt einer Cabernet Franc Verkostung. Und auch wenn die teils noch zu jungen Cabernets richtig Spaß gemacht haben, zum Schluss einen Chenin zu trinken ist eben ein <a href="http://www.originalverkorkt.de/2011/02/cabernet-franc-raus-aus-dem-schatten-der-eigenen-kinder/" target="_blank">i-Tüpfelchen</a>. Der Wein hat mir damals gefallen, mit einer klaren Einschränkung, die ich ich hier nur bestätigen kann. Der Jahrgang leidet an zu viel Alkohol, wirkt etwas brandig hinten raus, etwas matt. Das ist eine Klage auf hohem Niveau, ich gebe es zu, aber es ist ehrlich. Der <strong><em>2006er L’Enclos</em></strong>, Savennières von <strong><em>Eric Morgat</em></strong> ist expressiv, dicht, voll reifer Birnenfrüchte und ein wenig Banane, mit Anklängen von Nüssen und gut eingebundenem Holz, dazu kommt ein wenig Bitterorange, das mag ich.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/05/DSC_0140.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1724" title="DSC_0140" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/05/DSC_0140.jpg" alt="" width="590" height="366" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Drittes Doppel</strong><br />
Was uns nun im dritten Doppel aus dem Glas entgegen strömte, das mochte ich auch, und zwar beides.</p>
<p>Das erst Glas war, was die Rebsorte anging erstaunlich schnell und präzise erraten, da gab es praktisch keine Diskussion. Cabernet Franc sollte es sein. Mit ziemlicher Sicherheit reinsortig. Die Art der Würze, die roten Paprika, die Säure, das Zusammenspiel der Komponenten macht uns sicher. Doch was heisst das schon nach der Pleite mit dem südafrikanischen Chenin? Und was macht die Note von nasser Pappe, der Brotteig, die Schokonote in diesem Wein? <em>Matthias</em> tippt auf Merlot als Beimischung, letztlich ist es aber Südafrika als Beimischung. Es ist ein 2005er (schon der dritte 2005er)<strong><em> Cabernet Franc</em></strong> von <strong><em>Buitenverwachting</em></strong>. <em>Buitenverwachting</em> verfügt nicht nur über eines der schönsten Häuser in diesem Landstrich, einem historischen Kleinod, es ist auch meiner Ansicht nach eines der beständigsten Weingüter dort, die <em>Cuvée Christine</em> mag ich immer wieder gerne, aber auch die reinsortigen Weine können sich sehen lassen, wie eben auch der Cabernet Franc, eine Seltenheit am Kap. Ach, und übrigens, warum soll der Wein nicht auch einen Anteil Merlot enthalten? Schließlich dürfen dem Wein undeklariert 15% weitere Rebsorten beigemischt werden, das Gesetz erlaubt es.</p>
<p>Dem Cabernet Franc zur Seite gestellt hat der Hausherr einen Wein, dessen Provinienz deutlich schwerer zu erraten war. Ein trüber Wein, süß in der Nase, etwas dumpf, matt, dazu etwas, was <em>Matthias</em> als Schiefernote identifiziert hat, &#034;so was wie Faugères&#034;, meinte er, &#034;so was wie <em>Mas de Daumas Gassac</em>&#034;. Der Wein dreht erst richtig am Gaumen auf. Ein Wechselspiel zwischen Fruchtsüße und klarer Säure, einer inneres Messen ob Frucht oder Säure bei der Sauerkirsche überwiegt. Mineralität ist im Spiel, etwas Hitze. Es ist definitiv ein südlicher Wein und da ich weiss, was ich mitgebracht habe bin ich mir ziemlich sicher, was im Glas ist und halte die Klappe. Irgendwann wird dann doch aufgedeckt und wir sind uns so ziemlich alle einig, auch später, dass dieser <strong><em>1996er Redoma</em></strong> von <strong><em>Dirk van de Niepoort</em></strong> der Rotwein des Abends ist. Viel Struktur, viel Charakter findet sich in diesem Wein, dessen autochthone Rebsorten auf den Schieferböden des Dourotals wachsen. Lediglich der Abgang ist ein wenig kurz geraten, aber das frustriert nicht wirklich, es ist lediglich ein wenig Schade, denn von einem schönen Wein will man ja immer gerne noch mehr.</p>
<p>Stattdessen kommt es zur dritten Rotwein-Paarung mit zwei ganz unterschiedlichen Typen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Viertes Doppel<br />
</strong>Der erste Wein ist ähnlich unfiltriert wie der letzte Wein und, später kommt es heraus, aus dem gleichen Jahrgang 1996. Zunächst denke ich an Syrah, er hat so was Teeriges in der Nase, die helle Farbe passt aber gar nicht. Zum Teer kommt dann noch etwas gekocht Gemüsiges dazu. Der Sexappeal des Weines hält sich zunächst in Grenzen. Das Mundgefühl allerdings ist dann ein Pinotgefühl. Ein Rest aus dem Himbeer-Erdbeer-Früchtekorb ist noch da, Würze, Liebstöckel und zum Schluss ein abgebranntes Streichholz. Das alles ist sehr harmonisch zusammengefügt, mit viel Kraft, Struktur und ordentlichem Tannin. Gealterter Pinot nach meinem Geschmack. Es ist, voilà, ein <strong><em>1996er Chambolle-Musigny</em></strong>, eine Dorflage von <strong><em>Hubert Lignier</em></strong>. <em>Lignier</em> gehörte in den 80ern und 90ern zu den sehr renommierten Winzern, auch wenn er seinen Besitz in Morey St. Denis hat, und nicht in der bekannteren Nachbargemeinde Gevrey-Chambertin. In den 90er Jahren hat seinen Sohn dann zunehmend die Leitung übernommen und die beiden haben eine Betriebsgesellschaft gegründet. Dann verstarb sein Sohn an einem Hirntumor und Hubert und seine Schwiegertochter können nicht miteinander. Die Folge ist, dass Lignier heute nicht einmal mal mehr in seinen eigenen Keller kommt.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/05/DSC_0123.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1725" title="DSC_0123" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/05/DSC_0123.jpg" alt="" width="590" height="345" /></a></p>
<p>Noch deutlich bekannter als <em>Lignier</em> ist der Schöpfer, der Macher des zweiten Weins. Ich habe kürzlich über das Weingut geschrieben, weil ich eine <a href="http://www.originalverkorkt.de/2011/03/dominus-1991-und-araujo-estate-eisele-vineyard-cabernet-2002/" target="_blank">wirklich geniale Flasche</a> von ihm aufmachen durfte. Diese hier, noch verdeckt, ich habe noch keine Ahnung, was hinter diesem Wein steht, macht mich nicht so an. Der Wein ist dicht und dunkel, massiv beerig, mit einem Hauch von Eukalyptus und Lakritze. Leider ist der Wein allerdings auch etwas bitter, und zwar hat es die Bitterkeit, die man nicht haben möchte. Der Wein wirkt wie einer aus Übersee, im Gegensatz zu dem, den ich vor Kurzem im Glas hatte. Wir probieren gerade einen 2002er Dominus von Christian Moueix. Sicherlich ein sher gut gemachter Wein, der aber bei mir gerade im direkten Vergleich zum Lignier keine Chance hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Interludium</strong><br />
Als intellektuelles Zwischenspiel und auch, um die Zungen ein wenig zu beruhigen, plöppt wenig später der Korken und Schaumwein ist angesagt. Nach dem ersten Schnuppern ist klar: Das ist Champagne. Diese Briochenoten, das leicht Kalkige, leicht Kräutrige kann nur Champagne sein. All dies setzt sich am Gaumen fort, dann aber kommt die Überraschung. Eine ungeahnte, in der Nase nicht präsente Süße macht sich breit. Was ich hier ins Feld werfe ist ein <strong><em>1995er Fleury Doux</em></strong>. Ein Champagner mit 53 Gramm Restzucker. Das ist man heute gar nicht mehr gewohnt. Ich selber liebe Champagner gänzlich ohne Dosage, der Stoff hier hat richtig viel, ohne allerdings im Geringsten aufdringlich zu wirken. Die 53 Gramm jedenfalls hätte niemand getippt, es wirkt eher wie ein wenig mehr als Demi-Sec. Das ist schon gekonnt, hat <em>Fleury</em> doch den Säuregrad exakt abgepasst, damit es passt. <em>Fleury</em> ist übrigens momentan der Einzige, den ich als Produzenten kenne, der solche Champagner noch herstellt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Fünftes Doppel</strong><br />
Kommen wir nach trockenen Weißweinen und Rotweinen zum dritten Teil des Abends, den Süßweinen.</p>
<p>Wer sich durch den Werkstattgeruch beim <strong><em>St.</em> <em>Urbanshof</em></strong> durchgearbeitet hat, landet eigentlich immer bei einem schönen Wein. Diese Erfahrung habe ich zumindest bisher gemacht, und das ist auch bei diesem <strong><em>2002er Kabinett </em></strong>aus <strong><em>Wiltinger Schlangengraben</em></strong> nicht anders. Leicht, fein mit noch frischem Apfel und feiner Säure. Mosel, wie ich sie liebe.</p>
<p>Im direkten Vergleich wirkt der zweite Wein dagegen massiver, dichter, tropischer. Leider mit einem kleinen Korkgeruch, der den Wein aber glücklicher Weise nicht all zu stark behindert. Der Wein besitzt viel Restzucker und zu wenig Säure, im Mund verdichten sich die tropischen Früchte, hinzu kommt eine leichte Schwarzteenote und hinten raus eine Bitternote, die aber allgemein nicht als Fehler oder als störend empfunden wird. Es ist eher so eine Bitternote aus einer englischen Orangenmarmelade &#8211; mit entsprechender Süße. Wie gesagt, die Säure fehlt und macht den Wein etwas fruchtsaftig. Dass es sich hier um eine 1993er Spätlese handelt, hätten wir allerdings nicht gedacht. <strong><em>1993er Bopparder Hamm Ohlenberg</em></strong> von <strong><em>Weingart</em></strong>. Unten auf dem Etikett taucht schon der Name <em>Florian Weingart</em> auf, die großen Lettern verweisen jedoch auf den Vater <em>Adolf Weingart</em>.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/05/DSC_0127.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1727" title="DSC_0127" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/05/DSC_0127.jpg" alt="" width="590" height="374" /></a></p>
<p><strong>Sechstes Doppel</strong><br />
Auch der nächste Wein ist einer, der so wirkt, als habe man einen exotischen Früchtekorb gepresst. Litchi, Mango, noch mal Mango, Papaya und was sonst noch alles drin sein mag. Das ist <em>Huxel</em>, denke ich, liege jedoch falsch. Es ist Silvaner, in Auslesequalität. Das war klar, so konzentriert kommt der Wein daher. Allerdings fehlt diesem noch leicht moussierenden Stück aus der Horst Sauerschen 0,5er-Flasche doch ein wenig die Säure. Das ist Schade, ein mehr davon wäre perfekt gewesen. Andererseits, diese <strong><em>2007er  Silvaner Auslese</em></strong> aus dem <strong><em>Escherndorfer Lump </em></strong>ist für relativ kleines Geld zu haben und dafür macht sie richtig Spaß.</p>
<p><a href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/05/DSC_0132.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1728" title="DSC_0132" src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2011/05/DSC_0132.jpg" alt="" width="590" height="392" /></a></p>
<p>Was neben diesem Silvaner steht, wirkt davon meilenweit entfernt, statt wenige Zentimeter. Ein bernsteinfarbenes Extrakt, Orange- und Brauntöne mischen sich wie kürzlich erst <a href="http://www.originalverkorkt.de/2011/03/miniatur-weinblogger-treffen-rund-um-eine-eselshaut/" target="_blank">beschrieben</a> beim Genuss der <em>1994er Rieslaner Eselshaut-Auslese</em> von <em>Müller-Cartoir</em>. Auch da war <em>Matthias</em> dabei und er denkt dasselbe. Etwas Steinobstfrucht noch in der Nase, vermischt mit Schwarzteesud, Kramellkeks kommt dazu und schon in der Nase erahnt man Säure. Am Gaumen gibt es dann jede Menge davon. Heftig. Was die Säure angeht, könnte diese Beerenauslese noch lange liegen blieben. Ob dann noch Frucht vorhanden sein wird mag bezweifelt werden. Ein Erlebnis ist es auf jeden Fall, mit solch einem Wein konfrontiert zu werden, mit einer <strong><em>1996er Traiser Beerenauslese Riesling</em></strong> vom <em><strong>Weingut Crusius</strong></em>.</p>
<p><strong>Nachlauf</strong><br />
Noch etwas? Ja, noch etwas. Bevor es Zeit wird, zu gehen, nach dem Säureschock der Beerenauslese kommt noch etwas sehr Süßes hinterher. Süßlich wie der Gewinnersong des <em>ESC</em>, der weit entfernt am anderen des Raumes vor sich hindudelt und dessen Verlauf wir mit halbem Auge verfolgt haben.</p>
<p>Was die Farbe von Sauternes hat und zunächst auch ähnlich in der Nase wirkt, die Fruchtnoten sind da, die Kaffenoten, gleitet bei zunehmender Vermischung mit Sauerstoff ins Alkoholische, etwas Acetonische ab. Am Gaumen bleibt der Alkohol präsent. Dazu kommt die oben schon genannte bittere Orangenmarmelade und noch ein wenig Exotik. Der Wein ist definitiv zu jung, noch unausgewogen. Kein wunder, wir haben einen 2009er Chenin Blanc im Glas. Noch mal Südafrika, diesmal Joostenberg.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Jetzt ist die Zunge müde, aber das Fazit ist sehr positiv. Auch wenn sich über einige Weine trefflich streiten ließ, oder vielleicht gerade deshalb, mag ich solch verdeckte runden in denen sich jeder auf’s Glatteis begeben muss und manchmal fällt. Ach ja, wir hatten zwei Gäste am Tisch, die wussten im Vorfeld gar nicht, was sie erwartet und schauten uns nur immer wieder staunend an, ob der Hingabe, mit der wir uns unserem Thema gewidmet haben. Ob sie wohl noch mal dazu stoßen würden, nach dieser Erfahrung? Wer weiss…</p>
<h5><strong>Die Weine im Überblick:</strong></h5>
<h5>2009er Muskateller, trocken, Weingut Rebholz, Pfalz<br />
2005er Schlossberg Grand Cru Riesling, Domaine Albert Mann, Elsass<br />
2005er Gelber Orleans ***, Weingut Knipser, Pfalz</h5>
<h5>2009er Chenin Blanc Vineyard Selection, Kleine Zalze, Südafrika<br />
2006er l’Enclos, Eric Morgat, Savennières</h5>
<h5>2005er Cabernet Franc, Buitenverwachting, Stellenbosch<br />
1996er Redoma, Niepoort, Douro</h5>
<h5>1996er Chambolle-Musigny, Hubert Lignier, Bourgogne<br />
2002er Dominus, Christian Moueix, Napa Valley</h5>
<h5>1995er Champagne Doux, Fleury Père &amp; Fils, Champagne</h5>
<h5>2002er Wiltinger Schlangengraben Riesling Kabinett, St. Urbanshof, Mosel<br />
1993er Riesling Spätlese Bopparder Hamm Ohlenberg, Adolf Weingart, Mittelrhein</h5>
<h5>2007er Silvaner Escherndorfer Lump Auslese, Horst Sauer, Franken<br />
1996er Traiser Riesling Beerenauslese, Weingut Crusius, Nahe</h5>
<h5>2009er Chenin Blanc, Joostenberg, Südafrika</h5>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.originalverkorkt.de/?flattrss_redirect&amp;id=1721&amp;md5=b896e51e1bf1e50bb395f8d7a26682b1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Fabelhafter Niepoort, Douro 2002 vs. 2005</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Dec 2007 13:21:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph</dc:creator>
				<category><![CDATA[Abschweifungen]]></category>
		<category><![CDATA[Rot, Portugal]]></category>
		<category><![CDATA[Rotweine]]></category>
		<category><![CDATA[Tinta Ruriz]]></category>
		<category><![CDATA[Touriga]]></category>
		<category><![CDATA[Touriga Franca]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man in der Spezial-Weinblog-Googlesuche (rechts unten bei mir auf der Seite) nach Fabelhaft sucht, gibt es schon ein paar Einträge zu diesem Wein, der seinen Namen zu Recht trägt, wie ich finde. Er ist die fast perfekte Symbiose aus gelungenem Marketing/Styling und einem ausgezeichneten Produkt für seine Preisklasse.

Seit dem Jahrgang 2002, den ich ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man in der Spezial-Weinblog-Googlesuche (rechts unten bei mir auf der Seite) nach <em>Fabelhaft</em> sucht, gibt es schon ein paar Einträge zu diesem Wein, der seinen Namen zu Recht trägt, wie ich finde. Er ist die fast perfekte Symbiose aus gelungenem Marketing/Styling und einem ausgezeichneten Produkt für seine Preisklasse.<br />
<a class="thickbox" title="Fabelhaft 2002 vs. 2005" href="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2007/12/fabelhaft02vs05.jpg"><img src="http://www.originalverkorkt.de/wp-content/uploads/2007/12/fabelhaft02vs05.thumbnail.jpg" alt="Fabelhaft 2002 vs. 2005" /></a><br />
Seit dem Jahrgang 2002, den ich 2004 erworben habe, und dem aktuellen 2005er hat sich an der Flaschenausstattung nichts geändert. Der Name <em>Fabelhaft</em> wird verbunden mit der Gechichte vom durstigen Raben von Wilhelm Busch. Das sieht gut und seriös aus, ohne zu modern oder aufgesetzt zu wirken. Und wer das Design der Niepoortschen Rot- und Weißweine kennt, dem fällt auf, dass selbst dieses Weinetikett in Bezug auf Typo und Punktlinien auf mattweißem Etikett zum Rest passt. Das alles ist ein Anlass, den Wein mal zu probieren, habe ich gedacht – und bin seit 2003 treuer <em>Fabelhaft</em>-Trinker.</p>
<p>Der Wein ist dunkelrot und riecht nach Vielfruchtgelee, ohne marmeladig-pampig zu sein, Holzfass kann ich nicht riechen. Der Wein wirkt frisch. Der 2005er eh, der 2002er glücklichweise auch noch. Ich hatte diesen zum Spaß mal aufgehoben, um zu sehen, was sich so tut. Viel erwartet hatte ich nicht. Der 2002er ist weder besser noch schlechter geworden – nur älter. Die Farbe hat ein ganz klein wenig mehr Braun und es riecht ein bisschen mehr nach Schweiß und Leder. Der 2005er schmeckt kirschiger. Also wie gesagt, gewundert hat’s mich nicht, der aktuelle <em>Fabelhaft</em> wirkt dafür zu fertig, als dass es noch viel besser werden sollte.</p>
<p>Beide Weine sind lecker, sehr lecker und süffig, ohne billig zu sein. Rund, nicht zu viel Säure, nicht zu viele Tannine. Ich würde mal sagen, der schmeckt fast jedem. Das ist doch was. Der Spaß kostet 10 Euro und ist mit diesem Etikett ein nettes Weihnachtsgeschenk. Ich zum Beispiel habe mir ein paar halbe Flaschen zugelegt, zum Dazulegen – quasi …</p>
<p>Und hier die Daten:<br />
Anbaugebiet: Portugal, Douro<br />
Rebsorten: Touriga Franca, Touriga, Nacional, Tinta Roriz, Tinta Amarela und Tinto Cão<br />
Alkoholgehalt: 13 %<br />
Preis: ca. 10 Euro</p>
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