Zu gegebenem Anlass ein Glas Pinot Noir 2007 von Alexander Gysler, den ich am Mittwoch besucht habe. Neben dem Sekt habe ich Silvaner von alten Reben, den Riesling JC 2007, Grauburgunder und Huxelrebe Beerenauslese und Trockenbeerenauslese mitgebracht. All dies wird man ab Überwoche bei Feinkost Ackermann in Bonn-Dottendorf erwerben können. Dort wird es dann ein originalverkorkt®-Regal geben. Ich freu' mich. Zu all dem später mehr. Erst mal ein wenig Geburtstag feiern…

Herrliche Frucht und eine schöne Perlage. Ein kräftiger und doch eleganter Winzersekt mit viel Substanz aus Pinot Noir, weiß gekeltert.
Neben dem Erbeldinger war es der Wagner-Stempel Siefersheimer Weissburgunder, der früher schlicht S hieß und nun nach neuen VDP-Richtlinien eine Lagenbezeichnung hat, der uns am besten gefallen hat. Der einfache Weißburgunder war schon herrlich, dieser setzt noch einen drauf.
Klar, präzise, allerdings erstaunlich wenig Kräuternase für einen Wagner-Stempel-Wein, saftig mit markanter Säure, Mineralen, Aromen wie frischer Fruchtsaft von gelben Früchten, dazu ein Spiel mit der Restsüße, die Daniel Wagner der Säure entgegenstellt. Bitte mehr davon!
Wir müssen mal alle davon ausgehen, dass dieser Wein sich erst in ein, zwei Jahren öffnen wird. So zurückhaltend ist er im Moment.
Erst später am Abend bekommt man eine Ahnung von Blumen und Kräutern, von dieser feinen saftigen Nase, von leichten Bitterorange-Noten und Grapefruit, vor allem aber von seiner Ausgewogenheit. Diesen Wein von Salwey würde ich später gerne noch mal probieren.
Der zweite Wein aus Rheinhessen war die Überraschung des Abends. Ein für uns alle unbekanntes Weingut namens Erbeldinger macht hier einen typischen Weißburgunder. Blumen in Verbindung mit gelben Früchten, schöner zurückhaltender Einsatz von Holz, Duft nach Kräutern in geklärter Butter mit viel Schmelz und viel Saft, dabei aber nicht aufdringlich, sondern fein.
Das muss ich mir mal näher anschauen, das Weingut.
Wir wussten, dass es den Keller-Wein von Aldi geben würde, und alle wussten auch direkt, wann sie ihn im Glas hatten. Es ist der gefälligste Wein, der keinem weh tut. In der Nase etwas laktisch Kuhstallartiges zu Anfang, dann Noten von Akazienblüten. Der Wein prickelt noch auf der Zunge und wir fragen uns, ob Kohlensäure zugesetzt wurde. Die Säure steht in einem guten Verhältnis zu Restsüße. Der Wein ist, wie gesagt, unkompliziert, modern und süffig, wenngleich säurehaltiger als erwartet.
Ob Fritz Keller sich damit einen Gefallen tut, Trauben, die mehrere Dutzend Betriebe liefern, um dann von ihm im Keller ausgebaut zu werden, unter seinem Label zu vermarkten, ist die Frage. Einerseits garantiert ihm das einen großen Absatz, andererseits fliegt er von der Karte so mancher Gastronomie. Aber das ist ein Thema, das man noch einmal näher betrachten sollte.
Im Elsass wird dem Pinot Blanc häufig etwas Auxerrois untergeschoben. Ist es Tradition? Macht es Sinn? Geschmeckt haben wir es nicht, geschmeckt haben wir den klassischen Weißburgunder.
Der Wein der alteingesessenen kleinen Domaine Albert Mann hat eine zurückhaltende Nase: eine Blumenwiese, aus einiger Entfernung gerochen, in Flaschen abgefüllt, etwas Geruch von altem Tabak mischt sich unter und am Gaumen dann noch einige gelbe Früchte mit einer feinen Säure und Mineralik. So etwas mit dem Weißburgunder von Riffel oder Hiedler zu vergleichen, wäre das Gleiche, wie eine gelagerte rote Sternrenette mit einem frischen Cox in einen Hut zu werfen. Auch die Spontanvergärung, bei Hiedler ganz deutlich, fällt hier nicht auf. Der Wein – die Biodynamik lässt grüßen – legt am nächsten Tag noch mal deutlich zu, wird noch geschmeidiger und tiefer, die Aromenpalette wir deutlicher.