Der zweite Wein aus Rheinhessen war die Überraschung des Abends. Ein für uns alle unbekanntes Weingut namens Erbeldinger macht hier einen typischen Weißburgunder. Blumen in Verbindung mit gelben Früchten, schöner zurückhaltender Einsatz von Holz, Duft nach Kräutern in geklärter Butter mit viel Schmelz und viel Saft, dabei aber nicht aufdringlich, sondern fein.
Das muss ich mir mal näher anschauen, das Weingut.
Wir wussten, dass es den Keller-Wein von Aldi geben würde, und alle wussten auch direkt, wann sie ihn im Glas hatten. Es ist der gefälligste Wein, der keinem weh tut. In der Nase etwas laktisch Kuhstallartiges zu Anfang, dann Noten von Akazienblüten. Der Wein prickelt noch auf der Zunge und wir fragen uns, ob Kohlensäure zugesetzt wurde. Die Säure steht in einem guten Verhältnis zu Restsüße. Der Wein ist, wie gesagt, unkompliziert, modern und süffig, wenngleich säurehaltiger als erwartet.
Ob Fritz Keller sich damit einen Gefallen tut, Trauben, die mehrere Dutzend Betriebe liefern, um dann von ihm im Keller ausgebaut zu werden, unter seinem Label zu vermarkten, ist die Frage. Einerseits garantiert ihm das einen großen Absatz, andererseits fliegt er von der Karte so mancher Gastronomie. Aber das ist ein Thema, das man noch einmal näher betrachten sollte.
Im Elsass wird dem Pinot Blanc häufig etwas Auxerrois untergeschoben. Ist es Tradition? Macht es Sinn? Geschmeckt haben wir es nicht, geschmeckt haben wir den klassischen Weißburgunder.
Der Wein der alteingesessenen kleinen Domaine Albert Mann hat eine zurückhaltende Nase: eine Blumenwiese, aus einiger Entfernung gerochen, in Flaschen abgefüllt, etwas Geruch von altem Tabak mischt sich unter und am Gaumen dann noch einige gelbe Früchte mit einer feinen Säure und Mineralik. So etwas mit dem Weißburgunder von Riffel oder Hiedler zu vergleichen, wäre das Gleiche, wie eine gelagerte rote Sternrenette mit einem frischen Cox in einen Hut zu werfen. Auch die Spontanvergärung, bei Hiedler ganz deutlich, fällt hier nicht auf. Der Wein – die Biodynamik lässt grüßen – legt am nächsten Tag noch mal deutlich zu, wird noch geschmeidiger und tiefer, die Aromenpalette wir deutlicher.
Der Maximum aus gleichem Hause ist ja so eine wunderbare Opulenzbestie, von der ich gerne die eine oder andere Flasche im Keller hätte – für manchmal, für sehr seltene Gelegenheiten.
Der Spiegel klatscht einem erst einmal die Spontanvergärungsnoten um die Nase, bis man hinter diesem Dickicht etwas anderes erkennt. Etwas buttrig Schmelziges, etwas mit Sahne und Karamel, also Sahnekaramel mit kandierten Früchten, präziser gesagt, kandierten Melonen. Bei dieser ganzen schweren Buttrigkeit bleibt genügend Frische, um die Balance aufrechtzuerhalten, und dann kommt auch noch etwas Kräutriges und Nussiges dazu, was den Wein abrundet und dazu führt, dass er der Runde sehr gefällt.
Ein krasses Gegenteil zum Hofstätter liefert der Weissburgunder von Riffel. Das ist ein Wein burgundischen Ausmaßes. Schwer (14,5% Alkohol), dicht, mit Duft von Hölzern, Rauch, reifen Blüten und satten gelben Früchten. Im Mund ebenso dicht, lang und tief, Creme Brulée auf Holz gereicht mit einigen exotischen Früchten drapiert. Je länger er offen steht, desto stärker bilden sich Aromen von reifer Birne und Banane heraus.
Ein beeindruckender, wenn auch untypischer Weisser Burgunder, den man aber durchaus mal probiert haben sollte und der mich interessieren würde, wenn er zwei Jahre im Keller gelegen hat.
Dieser Wein war genau einer von der Art, bei der man sagt, dass es eigentlich nur besser, in diesem Falle spannender werden könne. Nicht dass er fehlerhaft gewesen wäre oder schlecht, nein, er war langweilig. Mit einer verhaltenen Nase von Hefe, etwas Blüten, etwas Würze muss das bei einem Weißburgunder nicht unbedingt etwas heißen, ich habe da schon so einige kennen gelernt, die am Gaumen plötzlich Gas gegeben haben.
Nicht so der von Hofstätter. Im Mund so ein Gefühl, einen nassen Stein zu lutschen, wo jemand ein paar wenige Kräuter gestreut hat. Dazu hatte er auch noch ein Loch in der Mitte und erst zum Schluss kam noch mal ein wenig Kraft.