originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Hofstätter, Pinot Bianco 2007, Südtirol

Dieser Wein war genau einer von der Art, bei der man sagt, dass es eigentlich nur besser, in diesem Falle spannender werden könne. Nicht dass er fehlerhaft gewesen wäre oder schlecht, nein, er war langweilig. Mit einer verhaltenen Nase von Hefe, etwas Blüten, etwas Würze muss das bei einem Weißburgunder nicht unbedingt etwas heißen, ich habe da schon so einige kennen gelernt, die am Gaumen plötzlich Gas gegeben haben.

Nicht so der von Hofstätter. Im Mund so ein Gefühl, einen nassen Stein zu lutschen, wo jemand ein paar wenige Kräuter gestreut hat. Dazu hatte er auch noch ein Loch in der Mitte und erst zum Schluss kam noch mal ein wenig Kraft.

Hofstätter, Pinot Bianco 2007, Südtirol, ordentlich, 13,5 %, ca. 9,40 Euro

Drappier Blanc de Blancs Signature Brut, Champagne

Wie der Name schon sagt, ist es ein Weißer aus weißen Reben, ein Champagner aus normalerweise 100 % Chardonnay, den das Weingut Drappier als Signature ausbaut. Die Besonderheit liegt aber darin, dass in manchen Jahren ein geringer Anteil Pinot Blanc zugeführt wird und somit eine Cuvée entsteht.

Das Weingut, in dem dieser Blanc de Blancs erzeugt wird, wurde im 13. Jahrhundert von Zisterziensermönchen des berühmten Klosters von Clairvaux gegründet. Anfang des 19. Jahrhunderts ließen sich die Drappiers hier nieder und begannen mit der Bewirtschaftung eines Weinbergs. Mittlerweile stehen 90 ha unter Reben. Einer der berühmtesten Kunden dieses geschätzten Hauses war übrigens General de Gaulle.

Der Wein moussiert sehr fein, duftet nach feiner Hefe in Verbindung mit frischem roten Apfel und etwas Vanille und Birne. Am Gaumen fruchtig, klar mineralisch mit etwas Salzmandel und Vanille ist das ein ganz klarer, im positiven Sinne angenehm unkomplizierter Einstiegswein in die Serie.

Drappier Blanc de Blancs Signature, Champagne, ca. 35 Euro

Grau- und Weißburgunder QbA 2008, Hermann Dönnhoff, Nahe

Große Winzer erkennt man nicht nur an ihren Spitzenweinen, sondern vor allem auch an den Basisqualitäten. Hier ist Helmut Dönnhoff meiner Ansicht nach nur schwer zu übertreffen. Bei ihm merkt man, dass er nicht nur die große Anzahl außergewöhnlicher Rieslinge aus den Oberhäuser und Niederhäuser Lagen im Blick hat, sondern sich ebenso intensiv den einfachen Qualitäten widmet und diese zu einem bemerkenswerten Preis verkauft. Den Riesling QbA des Jahres 2008 hatte ich schon vorgestellt, nun folgen die beiden Rebsorten, denen er neben dem Riesling ebenfalls Aufmerksamkeit widmet.

Den Weißburgunder hatte ich, man sieht es am Bild, noch in der Spargelzeit probiert, den Grauburgunder vor wenigen Tagen. Beide sind sehr süffige Vertreter ihres Fachs. Angenehm unkompliziert und nicht allzu alkoholreich mit 12 %, dabei aber von einem Volumen und einer Expressivität, die andere mit schweren Vierzehnprozentschlachtschiffen kaum hinbekommen.

Beide Burgundertypen zeichnet die Mineralik und die Kräuternase aus, die man bei Dönnhoffs Weinen immer findet, auf die man sich glücklicherweise jahrgangsunabhängig verlassen kann. Dazu kommt die frische 2008er-Säure. Der Weißburgunder ist naturgemäß cremiger als der Grauburgunder, insgesamt etwas verhaltener, der Grauburgunder dagegen verbindet die Kräuter mit ein klein wenig Pilzaromen und vor allem tropischen Früchten.

Grauburgunder QbA 2008, Hermann Dönnhoff, Nahe, ca. 10 Euro
Weißburgunder QbA 2008, Hermann Dönnhoff, Nahe, ca. 10 Euro

Ach, der Spargel und der Wein, der Wein und der Spargel

Et is wieder so weit. Der Spargel sprießt und man kann die Erdbeeren förmlich wachsen hören. Frisch zubereitet und wild kombiniert, stand das gestern beim Siggi auf dem Tisch. Spargel, kurz im Ofen gratiniert, mit ein wenig Tomaten und Parmesan und Butter und ich weiß nicht, was da noch dran war. Lecker war es jedenfalls, sehr lecker. Muss ich anerkennen, wo es bei mir das Gericht immer nur ganz klassisch gibt: Spargel, Kartoffeln, Butter. Vielleicht noch ’nen Schinken – aber den brauche ich eigentlich gar nicht. Ach so. Kartoffeln gab es gestern in sämiger Form, als Pü, mit Muskat und mit Butter und Milch. Ach, herrlich.

Wir wollten mal drei Weine dazu verkosten und haben uns für weißen Burgunder entschieden, ganz frisch, 2008 aus dem Hause Wagner-Stempel, länger im Keller gelagerten Grünen Veltliner von Großmeister Bründlmayer, den 2003er Ried Lamm, und dann, wie sollte es anders sein, Silvaner, in diesem Fall ein Großes Gewächs 2007, Würzburger Stein vom Juliusspital.

Vorneweg: Gut, dass wir den Weißburgunder hatten. Der hielt bis zum Ende durch und gefiel ausgezeichnet. Bei der Prowein hatte ich ihn schon probiert, aber da fand ich die Weine von Wagner-Stempel noch sehr unruhig. Jetzt, wenige Wochen später, präsentiert sich der Weißburgunder frisch, mit herrlichem Säuregerüst, genau richtig, etwas Nuss, etwas Apfel, etwas Stachelbeere, etwas vegetabil und sehr schön rund.

Der Grüne Veltliner aus dem Ried Lamm vom Weingut Bründlmayer gab uns Rätsel auf. Dieser Wein wird oft als groß bezeichnet. Das war er nicht. Wahrscheinlich lag es am Jahrgang, 2003 war es auch in Österreich heiß. Das Holz stach hervor und der enorme  Alkohol von 14,5 %. Dann kam im Wesentlichen Sambucco mit Moccabohne, ein wenig Erdiges noch und bittere Mandel. Das war's. Früchte? Fehlanzeige. Tendenz zum Kopfschmerz? Vielleicht …

Im Dezember habe ich den Silvaner GG aus dem Escherndorfer Lump probiert. Weinplus bezeichnet ihn als groß und gibt 95 Punkte. Begeistert war ich auch, über 90 würde ich ihm zugestehen. Der Bruder vom Würzburger Stein erhielt nur drei Punkte weniger. Eine Qualität über 90 Punkte konnten wir gestern nicht nachvollziehen. Zwar besticht der Wein durch eine üppige Nase, die ein bisschen wirkt wie Babypopo mit Penaten und Frotteehandtuch, eine leicht herbe Orange drangerieben und in Kräutermantel gebettet. Im Mund aber blockiert der Wein und man landet in einer kräutrig-öden Wildnis. Der Wein kann mehr und bleibt verschlossen und wir merken, momentan entzieht er sich jeder Bewertung.

Jetzt habe ich doch vergessen, von dieser herrlichen kühlen, frischen Erdbeersuppe mit Basilikumschaum ein Foto zu machen. Das ist schade; denn nicht nur gemundet hat sie, sie sah auch noch so schön aus.

Die Auslese aus dem Siefersheimer Höllberg von Wagner-Stempel, Jahrgang 2004, würde nicht dazu passen, das war klar, die gab es dann danach als Dessert-Post-Scriptum. Doch irgendwo auf dem Weg von 2004 bis hier auf den Tisch gingen die Säure und die Minerale verloren. Und so bleibt nur der Schatten eines typischen Wagner-Stempel-Weines. Dörrobst, süß, aber flach, langweilig und traurig.

Zum Glück war noch etwas Weißburgunder da.

Weissburgunder 2008, Wagner-Stempel, Rheinhessen
Grüner Veltliner, Ried Lamm, 2003, Bründlmayer, Kamptal
Silvaner, Würzburger Stein, Großes Gewächs, 2007, Juliusspital, Franken
Riesling, Siefersheimer Höllberg, 2004, Wagner-Stempel, Rheinhessen

Weihnachtsdoppel 1: Schwertlilien mit Schokolade

Heyl zu Herrnsheim gehört für mich mit zu den biologisch wirtschaftenden Weingütern, die ich am längsten kenne. Das Gut liegt in Nierstein und besitzt Flächen in den berühmten Lagen Ölberg, Rotenberg, Brudersberg und Pettental. Die Geschichte und die Qualität der Weine ist ein wenig wechselvoll, die Großen Gewächse aber sind fast immer ausgezeichnet. Mittlerweile ist es neben St. Anthony nur noch eine Marke eines Weinkonglomerates im Besitz eines Detlev Meyer.

1999, als die Weiß- und Spätburgunderreben zu diesem Wein gekeltert wurden, sah das noch anders aus. Da gehörte das Weingut noch der Familie Ahr.

Deutscher Sekt aus dem letzten Jahrhundert ist das hier. Fleur de Lys. Knapp 10 Jahre alt, knapp 60 Monate Hefelager, 2007 frisch degorgiert. Eine ungewöhnliche Flasche. Man merkt dem Sekt das Alter kaum an. Brioche, ganz leicht bestrichen mit feiner Aprikosenmarmelade, dazu eine Perlage, die ich eine Spur zu prickelnd finde. Aber ein schöner Tropfen, den man sich beim Matthias durchaus mal leisten kann. Ich wüsste auch gar nicht, wo man ihn sonst noch bekommen könnte. Er hat ihn übrigens zur achtzehnten Weinrallye besprochen, die Nikos Weinwelten ausgerufen hatten und für die ich mal wieder keine Zeit gefunden habe.

Dem Chocolate Block vom Boekenhoutskloof stand ich ein wenig reserviert gegenüber. Auch wenn teuer und rar, hatte ich ein wenig Angst davor, dass das nur ein Marketing-Gag sein könnte. Cooler Name, nix dahinter. Stimmt aber nicht. Der Name ist cool und der Wein auch. Und die Schokolade kann er nicht verhehlen. Dazu allerdings kommt eine ganze Palette dunkler Früchte, ein wenig Veilchen, Leder, Tabak, Kaffee und Minerale. Der Wein ist weniger dicht, als erwartet, dafür angenehm frischer, als vermutet. Aber liegen lassen sollte man ihn noch, er wirkt noch ein wenig verschlossen, wirkt wie ein Rhône-Blend in Südafrika, der sich nicht verstecken muss. Syrah 55 %, Grenache Noir 17 %, Cinsault 15 %, Cabernet 9 %, Viognier 4 %.

Fleur de Lys, Heyl zu Herrnsheim, Sekt aus Weiss- und Spätburgunder, 1999, Rheinhessen, bei Viva-Vino
The Chocolate Block, 2006, Boekenhoutskloof, Franschhoek, Südafrika, Capewineland

Hiedler, Weissburgunder »Maximum« 2006, Kamptal, Österreich

Dieser Wein riecht verhalten nach reifer Honigmelone, so reif, dass einem schon dieses Klebstoffähnliche entgegenströmt. Dazu etwas, was ich entfernt als Artischocke wahrnehmen würde.

Der Geschmack hat damit rein gar nichts zu tun. Dieser Weißburgunder schmeckt so fein nach gerösteten Mandeln mit Butterkaramell, dass ich mich auf den Weg zu Pützchens Markt begeben möchte, um so was im Original zu schmecken. Dazu eine tolle Struktur und Minerale. Ich wüsste nicht, wann ich einen besseren Weißburgunder getrunken hätte.

Hiedler Weissburgunder "Maximum", 2006, Kamptal, Österreich, ca. 19 Euro


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