originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Rosésommer: Wunderbares Burgund

11/Sep/14 12:30 kategorisiert in: Alles Bio, Gamay, Pinot Noir / Spätburgunder, Rosé

Zwei der schönsten Rosé, die mir bisher untergekommen sind, sind die beiden Burgunder-Rosé der Herren Jouveaux und Pataille. Alexandre Jouveauxs Weine sind selten zu finden und ich bin eher durch Zufall in einem Laden in Belgien über die ungewöhnlichen Etiketten gestolpert – bei der Recherche habe ich die Weine dann in meinem meiner Lieblingsblogs gefunden. Jouveaux, ehermaliger Fotograf von Chanel hat sich 1999 ein kleines Stück Land im Mâconnais gekauft. Die Parzellen, auf denen seine fünf Weine entstehen sind so klein, dass er gerade einmal 6.000 Flaschen erzeugt, nicht pro Wein sondern pro Jahr. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb er praktisch nie irgendwo erwähnt wird. Er geht nicht zu Messen, er reicht keine Weine ein, aber diese 6.000 Flaschen sind schneller weg als man gucken kann. Ann-Claude Leflaive, die Grand Dame des Chardonnay soll übrigens eine eifrige Käuferin sein.

rose_jouveaux

Der Rosé, um den es hier geht ist, wie alle Weine von Jouveaux, ein Tafelwein. Daher kann er damit im Prinzip machen, was er will – der Wein muss kaum vorgegebenen Standards entsprechen außer seinen eigenen. Rosé ist eigentlich sowieso nicht vorgesehen im Burgund und eine Cuvée aus Gamay (60%) und Pinot (40%) schon gar nicht. Die Weine fallen unter die Kategorie vin naturel, denn weder im Weinberg noch im Keller werden künstliche Additive zugesetzt. Der Wein wird weder geschönt noch filtriert, er vergärt spontan, bleibt nicht allzu lange auf der Maische (im Falle des Rosé) und wandert dann ins alte Holzfass. Geschwefelt wird nur zum Schluss, und das ganz zurückhaltend. Jouveauxs Rosé Uchizy 2010 ist ein stiller aber nachdrücklicher Vertreter seines Fachs. Er ist kein Wein, der bei einer größeren Roséprobe nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Dafür ist er zu scheu. Er will, dass man sich ganz in Ruhe mit ihm beschäftigt. In diesem Wein verbinden sich typische Erdbeeraromen – aber eher die von kleinen Walderdbeeren – mit einer ganz leichten Röstnote, mit Salz, mit Blüten und etwas säuerlichen roten Johannisbeeren. Alles bleibt fein und zurückhaltend doch balanciert und mit einer schönen Länge.

fleur_de_pinot_02

Deutlich offensiver und präsenter ist der Fleur de Rosé 2008 von Sylvain Pataille. Pataille lebt und arbeitet in der AOP Marsannay. Es ist die nördlichste AOP der Côte de Nuits, sie liegt mittlerweile am Stadtrand des ausufernden Dijon. Er hat ebenso wie Jouveaux seine ersten Parzellen im Jahr 1999 angekauftt. Die Vorgeschichte dazu allerdings ist anders, denn Pataille hat im Gegensatz zu Jouveaux in Beaune und Bordeaux Önologie studiert und war zunächst als Berater tätig. Neben extrem klaren, sauberen und präzisen Chardonnays und Pinots, füllt Pataille in manchen Jahren einen Rosé ab. Dieser ist absolut selten zu finden und eigentlich nur für wenige französische Gastronomen gedacht, die sowieso seine Weine beziehen. Der Rosé ist kein Nebenprodukt, das bei der Mostkonzentration der Burgunder anfallen würde. Vielmehr unterlaufen die Trauben (85-90% Pinot Noir und 10-15% Pinot Gris!) eine Kohlensäuremaischegärung, bevor sie dann für 15 Monate ins bis zu 40% neue Holz wandern. Diese macération carbonique wird normalerweise vor allem für die Erzeugung jung zu trinkender Weine wie dem Beaujolais Nouveau eingesetzt. Dies hier aber ist kein jung zu trinkender Wein. Der 2008er Fleur de Rosé dürfte jetzt vielleicht gerade seinen Zenit erreichen. Und die Kombination von Ganztraubenmaischung und Holzfasslagerung scheint Sinn zu machen, zumindest für bestimmte Weine. Der Fleur de Rosé jedenfalls schafft eine geradezu perfekte Balance zwischen burgundischer Kraft, Finesse und Leichtigkeit. Er verbindet die leichten, schwebenden Aromen von Erdbeeren und Himbeeren mit leicht rauchigem Holz, mit Orangenschalen, mit fein säuerlicher Kirsche und Hagebutte. Der Wein ist neben dieser gereiften Frucht deutlich salzig-mineralisch, hat eine klar definierte feine Säure und eine brillante Länge. Mochte ich den Vinudilice von Salvo Foti schon ausgesprochen gerne als Vertreter der kräftigeren, kantigen Art, so ist das hier für mich der perfekteste Vertreter einer eleganten und doch kraftvollen Form von Rosé, die ich bisher probieren durfte.

Die Weine von Alexandre Jouveaux gibt es bei terrovin.be, die auch nach Deutschland liefern und an sich schon ein tolles Programm haben und den Fleur de Rosé wird es als Jahrgang 2011 ab KW48 bei Lobenberg geben.

Rosé-Sommer: Cask-Force – 2010er Pinot-Rosé aus dem Fass

05/Sep/14 12:30 kategorisiert in: Alles Bio, Pinot Noir / Spätburgunder, Rosé

Ist Rosé eigentlich was für jetzt und gleich oder lohnt es sich, den Wein in den Keller zu legen? Bei 99,5% des weltweit produzierten Rosé dürfte es die Qualität des Weines wohl kaum verbessern, wenn man ihn Jahre im Keller verschwinden lässt. Bei einigen wenigen, ambitionierteren Exemplaren jedoch macht das durchaus Sinn. Wer den Herrenhof Lamprecht Pinot Rosé 2010 von Gottfried Lamprecht in seinem Frühstadium probiert hat, dürfte die gleiche Idee gehabt haben. Der Wein war zwar damals schon gut, doch hatte der Wein so viel Rückgrat, Kraft und Säure und darüber hinaus noch Holz, da klar war: Es macht Sinn, den Wein wegzulegen. Das Gleiche gilt für den ebenfalls im Holz ausgebauten Enderle & Moll Spätburgunder 2010. Auch dieser Wein hat so viel Holz gesehen, dass sich dieses erst einmal integrieren wollte.

2010_pinot_rose_battle

Vier Jahre hatten die beiden nun auf dem Buckel, eine lange Zeit für Rosé und für beide Weine auch eine Grenze, nach deren Überschreitung es nicht mehr besser werden dürfte. Als wir die Weine im Juli geöffnet haben, waren sie jedoch gut drauf und haben großen Spaß gemacht. Der Ausbau des Rosé im Holz führt zu einer Verwandlung hin zu etwas, was dem Rotwein ähnlich ist und doch mehr Leichtigkeit, mehr Schwebendes hat. Bei beiden Weinen ist es so, dass sie ihm Idealfall hätten Rotwein werden sollen. Doch der Jahrgang und das jeweilige Mikroklima im Weinberg gaben das nicht her.

Gottfried Lamprechthier der Podcast mit ihm – hat seine Pinot-Reben 2005 am Buchertberg gepflanzt. Der Winzer aus der Steiermark hat insgesamt junge Anlagen, da er vor etwa zehn Jahren erst wieder begonnen hat, im Heimatort Wein zu machen. Der Pinot ist eine Rarität in diesem Teil der Steiermark. Und so ungewöhnlich seine Pinot-Abüllungen sind, so selten ist erst recht ein Pinot-Rosé. Die Trauben für diesen Wein wurden angepresst und vier Tage auf der Maische belassen. Der spontan vergorene Wein hat dann im gebrauchten Barrique gelagert und ist im Juni 2011 abgefüllt worden. Zum ersten Mal habe ich den Wein damals ziemlich jung getrunken. Damals war der Wein noch ziemlich primärfruchtig. Das ist jetzt weg. Zurückhaltendes Holz trifft hier auf Trockenkräuter und die Früchte gehen eher in Richtung Hagebutte und Berberitzen. Gerade letztere, mit  ihrem leicht säuerlichen Geschmack, den der Wein ebenfalls immer noch besitzt. Jedenfalls hat er eine ziemlich gelungene Struktur und eine schöne Länge.

Bem Spätburgunder Rosé 2010 von Enderle & Moll liegt der Fall ähnlich. Was an Traubenmaterial nicht hundertprozentig in den Pinot passt, wird Rosé. Die Trauben werden für diesen Rosé im Weinberg wie im Keller genau so behandelt, wie der Rotwein – nur dass natürlich der Saft früher abgepresst wird. Der Ertrag im Weinberg liegt bei um die 40hl. Entsprechend konzentriert ist die Frucht und Würze dieses Weins. Auch hier haben sich die primärfruchtigen Erdbeer- und Himbeernoten längst abgeschliffen. Das Holz ist deutlich präsenter als beim Rosé vom Herrenhof. Hinzu kommen auch hier trockene Kräuter, vor allem Minze, die auch beim jungen Rosé von Enderle & Moll immer präsent ist.

Unterm Strich sind das beides Rosé-Vertreter, wie ich sie mag. Sie schaffen genau die Balance zwischen ernstfhaften, kräftigem, relativ komplexem Wein und der frischen Leichtigkeit, die ich vor allem im Sommer gerne habe. Zudem passen sie exzellent zu Sommerküche und Grill. Wer einen solchen Wein lieber primärfruchtig haben will, trinkt ihn besser jünger. Wer mehr Tiefe und Balance haben will, warte zwei, drei Jahre ab.

 

Rosé-Sommer: Böchser, Hagel und Celebrity

03/Sep/14 12:30 kategorisiert in: Rosé

Der Rosé-Sommer ist noch nicht vorbei, ein paar Weine habe ich noch in petto. Liebend gerne beispielsweise hätte ich ausführlich den Blanc de Rosé Extra Brut Premier Cru von René Geoffroy vorgestellt. Der Champagne-Winzer, den ich in diesem Artikel schon mal vorgestellt habe, macht gleich zwei Rosé und dieser hier ist deshalb so besonders, weil Geoffroy die Rebsorten Chardonnay und Pinot Noir zusammen vergärt. Das macht meines Wissens sonst keiner. Allein, es hilft nichts, wenn der Wein einen Böchser bekommt, der noch zwei Tage später als Wölkchen über der Flasche wabert. So konnte man leider das vermeintliche Highlight eines Rosé-Abends, dessen zweiten Teil dieser Wein glanzvoll eröffnen sollte, mit tränenden Augen beiseite stellen.

geoffroy

Was folgte waren zwei Weine, deren einzige Klammer ihre Herkunft war. Beim Rosé Grele 2012 ist es vor allem die Geschichte, die erzählt werden will. Denn es ist ein Drama in mehreren Akten. Eigentlich war Raimond de Villeneuve, der das Provence-Weingut Château de Roquefort bei Cassis besitzt, sehr zufrieden mit dem, was 2012 in seinem Weinberg stand. Kurz vor der Ernte jedoch zerstörte ein massiver Hagelschauer, der sich wie eine göttliche Heimsuchung über Raimonds Weinberg verdichtet hatte mit zerstörerischer Gewalt und golfballgroßen Hagelkörnern innerhalb von sieben Minuten die gesamte Ernte des 25-Hektar-Weingutes – bis auf 15 Kilo.

grele

Ein solches Naturereignis kann einen Winzer in Minuten in den Ruin treiben, denn 25 Hektar zu verlieren, den gesamten Ertrag eines Jahres, ist kaum zu verkraften. Das wussten auch die anderen Winzer der Region. Deshalb haben sich viele von ihnen damals zusammengetan, und gesammelt. Nicht etwa Geld, nein, sie haben Trauben gesammelt, Raimonds Spediteur hat die Trauben von den insgesamt 35(!) Weingütern abgeholt, der Grafiker hat extra Etiketten entworfen, und, und und. So konnte Raimond statt des bekannten Rosé Corail und statt seiner Rotweine zumindest einige Tausend Flasche Grele Rosé und Grele Rouge abfüllen, Weine, die ihm das wirtschaftliche Überleben gesichert haben. Die Betriebe, die ihm geholfen haben, sind auf den Etiketten übrigens alle mit Logo erwähnt. Man erkennt hier Revelette, Richeaume, Pibarnon, La Coste, Vignelaure und viele andere. Es dürften also Trauben von guter Qualität gewesen sein, die Raimond verarbeiten konnte – und so schmeckt auch der Wein. Er ist regionaltypisch lachsfarben dank Direktpressung, würzig, hat Blütenaromen, viel frische Zitrusfrucht und jede Menge Trockenkräuter im Aroma. Dort hinein mischt sich rote Frucht, die aber immer nur ein kleiner Teil des Ganzen bleibt, nie dominiert. Dieser angenehm trockene, salzig-mineralisch wirkende Rosé bleibt immer vor allem auf der würzig-herben belebenden Seite. Ein schöner Wein.

miraval

Dem gegenüber stand Perrins, Jolies und Pitts Celebrity-Rosé des Château Miraval. Der Rosé in der auffälligen Flasche ist allerdings nichts aus dem Boden gestampftes, keine unpersönliche Abfüllung irgendeines namenlosen Massenproduzenten, bei dem die Promis lediglich ihren Namen hergeben und gründlich Kohle bekommen. Miraval, das im Tal Corrins liegt und Teil eines komplett biozertifizierten Ortes ist, hat eine längere Weintradition. Das große Gelände war vor der Übernahme durch Brangelina ein bekanntes Tonstudio samt Weinberg. Der Rosé, der hier erzeugt wurde hieß Pink Floyd, wie die Band, die hier ebenfalls früher Teile ihrer Platten produziert hat. Jolie & Pitt schließlich haben die Familie Perrin engagiert, um aus Miraval ein provençalisches Spitzenweingut zu machen. Der erste Wein des Gutes, der Miraval Rosé 2012 ist weltweit wie eine kleine Weinbombe eingeschlagen und hat es aus dem Stand in die Top 100 Liste des Decanter gebracht. Das dürfte vor diesem Wein noch keiner geschafft haben – zumal als Rosé. Da die Top 100 Liste aber nicht nur die Güte eines Weines berücksichtigt sondern auch den Einfluss im Markt, ist dies durchaus nachvollziehbar. Abgesehen davon können die Perrins, denen ja das berühmte Château de Beaucastel in Châteauneuf-du-Pape gehört, Wein machen. Und gemacht schmeckt der Rosé auch. Gut gemacht, aber gemacht. Stromlinienförmig, typisch, mit gewisser Tiefe und guter Balance. Man kann mit diesem Wein viel Spaß haben. Der Preis von €16,90 tut dabei allerding schon weh – allerdings bekommt man eine schöne Flasche samt Promiaufschlag.

 

Rosé-Sommer: i Vigneri Vinudilice – in jeder Hinsicht extrem und einfach großartig

29/Aug/14 19:58 kategorisiert in: Alles Bio, Graciano, Minella, Rosé, Weinrallye

Es ist mal wieder Weinrallye-Zeit und das aktuelle Thema, dass culinary pixel a.k.a. Annette Sander ausgewählt hat, passt wunderbar in meine aktuelle Rosé-Sommer-Reihe. Weil das so gut zusammen passt, habe ich mir den vielleicht ungewöhnlichsten Rosé ausgesucht, den man überhaupt bekommen kann.

weinrallye

Im März habe ich eine Veranstaltung des Weinhändlers vinaturel besucht. Auf dieser Fachverkostung für Gastronomen und Sommeliers aus dem Großraum Hamburg standen jede Menge Weine über die ich gerne noch mehr als einen Nebensatz schreiben würde. Hier und jetzt aber geht es vor allem um einen Wein, den ich erst ganz zum Schluss probiert habe, der mich allerdings nachhaltig beeindruckt hat.

Es handeltsich um die 2013er Ausgabe des Rosé Vinudilice des sizilianischen Weinmachers und Beraters Salvo Foti. Dieser ist eine Institution unter Siziliens Winzern und berät eine größere Gruppe von Weinmachern (i Vigneri), die sich durchweg der Herstellung möglichst natürlicher Weine nach alter Tradition verschrieben haben. Dazu gehört unter anderem die Albarello-Bepflanzung in der die einzelnen Stämme in Buschform und mit ca. 10.000 Stück pro Hektar bepflanzt werden. Außerdem wird sehr viel Aufmerksamkeit auf die Rekultivierung alter Weinberge, vor allem am Etna gelegt und genau aus einem solchen Weinberg stammt dieser Rosé.

vinudilice_vier

Ich wenn ich den Wein im März probieren konnte hat es bis Juni gedauert, bis der Wein tatsächlich bei mir angekommen ist und es war bis Juni gar nicht klar, ob er überhaupt für die von mir ausgerichtete Probe im Juli zur Verfügung stehen würde. Also habe ich mich beizeiten um Alternativen bemüht und ein Mitglied von Salvo Fotis Winzergruppe I Vigneri auf der Vinitaly angesprochen. Es stellte sich heraus, dass ausgerechnet einer jener Winzer bzw. Unternehmer war, die bei mir in Hamburg die Enoteca I Vigneri und das Restaurant Gallo Nero führen. Und genau dort liegen, so erfuhr ich in Verona, noch kleine Kontingente Vinudilice aus den Jahren 2008 bis 2010 sowie, wovon ich noch gar nicht gehört hatte, ein Vino Spumante aus dem gleichen Weinberg.

Dieser Weinberg gehört mit seinen 1.300 Metern zu den höchsten in Europa und wurde vor knapp 200 Jahren als Gemischter Satz (Alicante, Graciano, Minella und andere)am nördlichen Etna angelegt. Er hat gerade einmal eine Fläche von 0,38 Hektar und die ältesten Stöcke sind so alt wie der Weinberg, der umgeben ist von Steineichen (Ilice). Der Wein wird so traditionell wie möglich in alten Holzbottichen verarbeitet, die Trauben mit Füßen gepresst, der Saft läuft natürlich ab, er wird nicht gefiltert oder geschönt und auch nur ganz zurückhaltend geschwefelt. 2009 hat Salvo Foti gar nicht geschwefelt – und das hat man dem Wein auch deutlich angemerkt.

vinudilice_erdbeersaft

So besonders die Rahmenbedingungen für diesen Wein sind, so besonders ist er selbst. Es ist definitiv in all seinen Facetten (2013, 2010, 2009, 2008 und Spumante) Rosé, wie man ihn so gut wie nie zu probieren bekommt.

Der Vino Spumante gehört zu den interessantesten Schaumweinen, die ich bisher aus Italien probiert habe. Fein, fast grazil mit einer ziemlich perfekten Säure, dann scheinen irgendwann die leicht oxydativen Noten durch, die vom Grundwein stammen, der in offen Bottichen vergoren wird. Im Gegensatz zum stillen Rosé wird der Schaumwein leicht gefiltert und strahlt in einem Lachston während der Stillwein eher aussieht wie verdünnter Erdbeersirup. Was mich hier, wie beim jungen 2013er beeindruckt ist die mineralische Note, die sich mit den leicht oxydativen Noten von Fallobst verbindet in das einige rote Früchte gerührt wurden über dann jemand eine ganze Menge Trockenkräuter gestäubt hat, und zwar die guten, die selbst in großen Bünden unter der Decke hingen. Schließlich hat dann noch jemand eine Zigarette mit Virginiatabak darüber gebröselt. Am Gaumen dann wirkt der Wein viel weniger oxydativ. Das gilt auch für den 2010er, bei dem vor allem am zweiten Tag die Virginatabaknoten voll durchkommen während der fast braune Apfel etwas in den Hintergrund tritt. Trotzdem hat man in der Nase dien reifen, süßen Noten von überreifem Kernobst. Süße auch am Gaumen, obwohl der Wein ziemlich durchgegoren sein dürfte. Man hat ihn sehr reif gelesen und trotzdem hat der Wein um die 12% Alkohol und eine sehr präsente Säure. Das strafft ihn, gibt ihm Druck trotz der Reife. Gerade beim 2010er fügt sich das zu einem harmonischen Gesamtbild. Dem 2009er merkt man an, dass er komplett ohne Schwefel verarbeitet wurde, er präsentiert sich etwas müde, während der 2008er noch in voller Pracht da steht, reif, dicht, tief, wie ein Tawny-Port-Rosé – aber ohne den Alkohol. Die Walnussnoten aber sind da und verbinden sich am Gaumen mit reifen roten Früchten und mit diesem etwas austrocknenden Zug bei dem ich immer glaube, der Wein muss mal eine Zeit im Ton oder so gelegen haben – hat er aber nicht. Das alles ist wild und ungewöhnlich und wunderbar. Solche Weine findet man einfach sehr, sehr selten.

Die aktuellen Jahrgänge des Vinudilice und anderer Weine der Winzergruppe findet man vinaturel, der 2013er ist aber schon ausverkauft denn e sgab lediglich 300 Flaschen. 2008, 2009, 2010 und Spumante gibt es bei I Vigneri/Gallo Nero für um die 40 Euro auf Anfrage.

Vielen Dank an Annette für die Ausrichtung der Weinrallye in diesem Monat. Bei ihr findet man hier auch den Hinweis auf alle anderen Beiträge.


Weiterblättern »