originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Rosa Caolina 2013, Tenuta di Castellaro, i Vigneri, Lipari

21/Jul/14 12:31 kategorisiert in: Abschweifungen, Alles Bio, Corintho, Gemischter Satz, Nero d'Avola, Rosé

Im letzten Jahr habe ich die Weine der i Vigneri für mich entdeckt. Das ist ein loser Zusammenschluss von Winzern, die auf und um Sizilien arbeiten und  - man kann es so sagen – einen gemeinsamen Fixpunkt haben: den Önologen Salvo Foti. Salvo Fotis Idee von Wein basiert auf der möglichst traditionellen und natürlichen Be- und Erarbeitung von Wein. Unter seiner Ägide werden die Rebstöcke beim Neuanlegen in Albarello-Erziehung (Buscherziehung) gesetzt, die Weinberge werden ökologisch bearbeitet, die Weine im Keller (natürlich) spontanvergoren, teils wird die Maische mit Füßen getreten, seine eigenen Weine werden nicht geschwefelt, und, und, und. Wer hier regelmäßig ließt, kennt die Idee eines Naturweins.

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Copyright: Tenuta di Castellaro

Ein Weingut, dass zum Verbund zählt, dessen Markenzeichen die Burgunderflasche mit dem Albarello-Stock ist, ist die Tenuta di Castellaro des Österreich-Italieners Massimo Lentsch. Dieses Weingut befindet sich genau hier, auf der Lipari, nördlich über Sizilien. Die Inseln sind, wie Sizilien auch, vulkanischen Ursprungs. Endsprechend findet sich hier poröses weißes Magmagestein, der Bimstein (darauf stehen die weißen Reben für den Bianco Pomice) genauso wie Obsidian, dass eher aussieht wie schwarzes Glas und beim schnellen Abkühlen der Magma entsteht (darauf stehen die Reben für den Nero Ossidiana). Ein weiterer Bestandteil der Bodenstruktur ist Kaolin, auch Porzellanerde genannt. Kaolin ist ein feines, weißes, eisenfreies Gestein, dass auf den Äolischen Inseln, wozu Lipari ja gehört, schon in der Römerzeit abgebaut wurde. Genau oberhalb der historischen Stollen liegt der Weinberg, der dem Rosa Caolina seinen Namen gegeben hat. Der Weinberg setzt sich aus 60% Corinto, 30% Nero d'Avola und 10% weiterer, diverser heimischer Sorten zusammen – ein historischer fieldblend gewissermaßen. Die Reben wurden Mitte September gelesen, direkt gepresst, statisch geklärt – also kein Mostklärung – und drei Monate bei 20 Grad vergoren.

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Was bei diesem sorgsamen Umgang mit dem Wein herauskommt, ist einfach sehr gelungen, ich kann es nicht anders sagen. Natürlich sollte ein Rosé, der stattliche €18.50 kostet, auch etwas bieten. Aber das hier ist wirklich sehr gelungen: viele Stein, viel Rhabarber, rote Johannisbeeren und Kräuter. DieserWein ist durch und durch ungewöhnlich, tauchen hier doch Aromen von Rosmarin und Minze genauso auf wie Pfeffer und Berberizen. Das ist ganz eindeutig ein Wein zum Essen. Mit Essen, mit Gegrilltem, ich würde hier in Würde geangelten, gegrillten Thunfisch empfehlen, ist das ein Knaller.

Den Wein habe ich von vinaturel.de bekommen. Er kostet €18.50

 

Für den Sommer lieber QG statt GQ – Espadeiro 2012, Quinta de Gomariz, Vinho Verde

15/Jul/14 12:30 kategorisiert in: Espadeiro, Rosé

Dass Vinho Verde nicht deshalb so heißt, weil die Trauben grün, also noch unreif gelesen werden oder der weiße Wein grüne Reflexe zeigt, dürfte mittlerweile auch hier bekannt sein. Vinho Verde ist schlichtweg der Wein aus dem mit Abstand grünsten Gebiet Portugals, dem Minho, oberhalb von Porto an der Grenze zu Spanien. Zwar wird hier tatsächlich vor allem Weißwein erzeugt (und dieser hat auch gerne mal grüne Reflexe), doch hat Rosé und Rotwein eine ebenso lange Tradition. Nur findet man diese Weine hier selten bis gar nicht. Was man vor allem findet ist immer noch Mateus Rosé, der Wein in den Boxbeutelflaschen der geradezu zum Synonym für portugiesische Supermarktweine geworden ist, und dann findet man noch häufig Casal Garcia. Früher wurden die Weine mit dem markanten blauen Etikett ebenfalls in Boxbeutelflaschen angeboten, das scheint aber vorbei zu sein. Dieser Vinho Verde jedenfalls gehört zu den frühesten Weinen, an die ich mich erinnern kann. Es war ein Freund der Familie, der praktisch jeden Urlaub in Portugal verbracht hat und von dort immer auch diesen Wein mitbrachte – bis er den Lebensmittelhändler seines Vertrauens dazu bringen konnte, den Wein zu importieren.

 vinha2Copyright: vinhoverde.pt

Für welche Form von Vinho Verde man sich nun auch immer entscheidet – wie gesagt, uns bleibt hier fast nur die weiße Variante – man wird praktisch immer auf einen Wein mit einer prägnanten Säure, etwas Süße und etwas Kohlensäure stoßen. Ersteres liegt daran, dass die verwendeten Rebsorten, vor allem der Alvarinho über eine hohe Grundsäure verfügen. Alvarinho, im Spanischen Albariño, übersetzt die Weiße vom Rhein, wurde früher für einen Abkömmling des Rieslings gehalten. Das stimmt nicht, aber die Fruchtigkeit und gleichzeitige Säure sind durchaus ähnlich. Ergänzt wird der Alvarinho durch die florale Sorte Loureiro, die mittlerweile immer häufiger auch reinsortig ausgebaut wird, die stahlige Trajadura, den mineralischen Arinto und der cremigen Avesso. Zusammen bilden sie aromatischen Wein, der immer auch knackig und erfrischend bleibt. Das wiederum liegt auch daran, dass er traditionell leicht schäumt. Früher hat man ihn schon abgefüllt, als er noch nicht zu Ende gegoren war, so dass der Vinho Verde in der Flasche nachgegoren ist, heute setzt man bewusst ein wenig Kohlensäure zu.

Landscape_Vineyard and churchCopyright: vinhoverde.pt

Was man hierzulande mittlerweile häufiger bekommt ist der Rosé der Quinta de Gomariz. Dieser Rosé wurde aus der Rebsorte Espadeiro gekeltert. Espadeiro ist eine rote portugiesische Rebsorte, die ebenfalls relativ viel Säure jedoch wenig Farbstoff hat, so dass sie hellrote Weine ergibt und vor allem für Rosé wie diesen verwendet wird. Sie wird im Minho auf gerade einmal 300 Hektar angebaut. Die Quinta de Gomariz gehört zu den bekannteren und auch besten Vinho-Verde-Produzenten. Die 17-Hektar-Quinta liegt in der Subregion Ave und in der Quinta werden die Weine vornehmlich reinsortig ausgebaut. Mittlerweile gibt es zwei Rosé, den etwas dunkleren aus der Sorte Padeiro und den helleren, hier besprochenen.

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Der Espadeiro leuchtet in einer Mischung aus Lachs und Orange, was dem Wein durch das Glas je nach Sonneneinstrahlung fast etwas Neonartiges gibt. Der Wein riecht ordentlich nach Erdbeeren und Blutorangen, er ist eher halbtrocken, was den tatsächlich vorhandenen Zucker angeht (etwas über 8 Gramm), die fallen aber gar nicht weiter auf. Die Säure macht den Zucker vergessen und das leicht Moussierende noch zusätzlich. Dass Zucker mit ihm Spiel ist, merkt man schon, aber es ist halt nicht zuckrig. Der Espadeiro ist clean, er ist modern gemacht, man schmeckt die Reinzuchthefen, die Kaltvergärung gibt ihre etwas bonbonartigen Noten dazu. Aber das ist alles nicht zu extrem. Es ist einfach gut gemacht und für einen Sommerwein, der vor allem erfrischen und Spaß machen soll, wirklich gut. Der Wein hat 11,5% Alkohol und kostet so um die €7.50. Gute Voraussetzungen, dass die Flasche schnell leer wird. Und so war es auch bei mir.

Alles andere als lame – der LAM Syrah Rosé 2012 von Lammershoek

11/Jul/14 09:00 kategorisiert in: Alles Bio, Rosé, Rot, Südafrika, Syrah / Shiraz

Das erste Mal traf ich Craig Hawkins und seine Weine auf der 2012er RAW in London. Es war eines dieser besonderen Weinerlebnisse, denn neben all den schlechten bis teils hervorragenden Naturweinen aus Europa standen dort ein paar vereinzelte Winzer aus Übersee. Francois Morisette aus Kanada, Tom Shobbrook aus Australien und Craig Hawkins aus Südafrika. Alles, was ich von den dreien im Glas hatte, blew my mind, war outstanding, wenn ich mich, so wie die drei, im englischen Sprachraum bewegen würde.

Craig_Lammershoek

Craig Hawkins hat ein eigenes kleines Projekt names Testalonga – ich werde irgendwann darauf zurückkommen – und ist ansonsten der kreative Kopf hinter der Lammershoek Winery in Swartland. Das Weingut wird seit den 1990ern von Paul und Anna Kretzel geführt und Craig Hawkins ist so etwas wie der Schwiegersohn in spe. Craig hat auf Lammershoek Experimentiermöglichkeiten wie sonst wohl nur wenige Weinmacher. Das nutzt er und entsprechend kommen total ungewöhnliche, teilweise geniale Weine dabei raus. Dass zu diesem Zweck die Weinberg zu natürlich wie möglich bewirtschaftet werden, verwundert dabei nicht wirklich. Im Keller sind die Grundlagen Spontanvergärung, Verzicht auf Zusatzstoffe aus einer geringen Menge Schwefel bei der Abfüllung – wenn nötig – keine Filtration etc.

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Der LAM Syrah Rosé, den ich die letzten Tage im Glas hatte, gehört zur Basislinie. Es sind die einfachsten, die am wenigsten experimentellen und gleichzeitig die trinkfreudigsten Weine. Hier gibt es neben dem Syrah-Rosé Chenin Blanc, Pinotage, Syrah und Blends. Die klassischen Weine aus den besten Lagen firmieren unter Lammershoek und das eigentliche Experimentierfeld findet sich in der CellerFoot-Linie. Da gibt es ungeschwefelten Pinotage-Rosé (auch darauf komme ich zurück), die ungarische Sorte Harslevelü reinsortig und eine rote Cuvée, die Craig in alten Barriques unter Wasser ausgebaut hat – Dirk Würtz war ganz begeistert von diesem Wein.

Der LAM Rosé hat schlanke 11,8% Alkohol und wurde 11 Monate in alten Eichenfässern ausgebaut. Auch das hier ist, wie beim letzten besprochenen Rosé von Majas, keine Fruchtbombe sondern ein Rosé auf der würzig-herben Seite mit viel Geschmack nach kargem Boden, der typischen Würze des Syrah – inklusive einem Hauch weißen Pfeffers, würde ich sagen. Natürlich gibt es Früchte, Erdbeeren vor allem, aber eben kein bisschen vordergründig oder kitschig. Das ist ein Wein – er kostet bei vinpur € 12,00 -  den man auch auf Grund seiner knackigen, bestens eingebundenen Säure einfach so wegtrinken möchte. Vor allem, wenn es dazu eine Schale frischer Erdbeeren gibt.

Syrah-Rosé aus dem Süden – L'Amourouse 2013, Domaine Majas

03/Jul/14 13:18 kategorisiert in: Rosé, Syrah / Shiraz

Da es draußen mittlerweile warm und sonnig ist, wird es nach und nach den Sommer über einige Rosé-Empfehlungen im Blog geben. Die Zeit, in der Rosé einem gewissen Bashing unterworfen war und man diese Art von Wein nicht für voll genommen hat, ist zwar noch nicht ganz vorbei, aber es ist seltenen geworden – nicht zuletzt, weil auch viele Winzer Rosé ernster nehmen.

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Ein schönes Beispiel für ernsthaften Rosé, der gleichzeitig leicht und spielerisch daher kommt, ist der Domaine Majas L’Amoureuse 2013 in den Côtes Catalanes. Die Domaine kenne ich schon lange, den Rosé allerdings habe ich gerade erst neu entdeckt. Das Weingut des Ehepaares Agnès und Alain Carrère bearbeitet ihre Argilo-Calcaire-Böden bereits seit 2007 ökologisch und baut die Weine zusammen mit Tom Lubbe aus. Tom Lubbe ist der Mann hinter der Domaine Matassa, einer der feinsten Adressen im südfranzösischen Calce. Seine Idee von Wein überträgt er in großem Maße auf Majas. Die Idee kann man kurz so beschreiben, dass im Weinberg so intensiv biologisch, eigentlich biodynamisch gearbeitet wird, dass die Trauben phenolisch eher reif werden als alkoholisch. Das heißt, dass in den Trauben alles drin ist, bevor in dieser heißen Gegend zu viel Zucker in der Traube angereichert ist. Und viel Zucker führt bekanntlich später bei der Gärung zu viel Alkohol. Hinzu kommt, dass er vor allem die Rotweine nicht zu lange auf der Maische lässt, damit sie nicht zu schwer und üppig werden.

Dieser Rosé, der zu hundert Prozent aus Syrah besteht, bleibt natürlich eh nicht lange auf der Maische, jedoch auch nicht zu kurz, so dass sich ein schönes, intensives Rosé bildet. Wer bei Rosé immer noch vor allem Erdbeeren und Himbeeren oder – viel übler – Erdbeer- und Himbeerdrops im Sinn hat, sieht sich bei diesem Wein komplett getäuscht. Im L’Amoureuse gibt es keine rotbeerige Frucht. Hier gibt es allenfalls Hagebutten und ansonsten jede Menge Kräuter, Ginster, etwas Pfeffer und ein wenig Blütenduft, der so ein wenig über der Oberfläche schwebt, und dazu gibts vor allem eine knackige Säure. Das ist also kein bonbon-zuckriges, kaltvergorenes Etwas, wie man es sonst gerne in der Ecke findet – vor allem wenn Pays d’Oc draufsteht. Das hier hat Substanz – und bleibt dabei trotzdem leicht, saftig und unkompliziert. Oder, kurz gesagt: es ist einfach gut.

Ich habe diesen Wein von Vinaturel bekommen, wo er € 10,50 kostet.


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