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Die Magie der Windmühle – Das Château du Moulin-à-Vent

04/Feb/15 12:30 kategorisiert in: Gamay, Rot, Frankreich, Weingüter, Weinland Frankreich

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Neben gereiftem Riesling, den Weinen der Loire und des Burgund ist es vor allem der Beaujolais, der es Stephan Bauer zunehmend angetan hat. Deshalb schreibt er hier darüber. Und das gewissermaßen um sich warm zu machen für die in Kürze anstehende Beaujolais-Reise, von der er im März dann noch deutlich umfangreicher berichten wird. Hier aber zunächst ein Gastbeitrag zu einem Abend im Hamburger Mercier & Camier.

Quereinsteiger in die Weinwelt gibt es genug. Wer träumt nicht davon, auf einem schönen Anwesen, umgeben von Weinbergen, in den Sonnenuntergang zu schauen und die Träubchen langsam reifen zu sehen. So verwundert es nicht, dass so manches Quereinsteigerprojekt in landschaftlich attraktiven Gegenden verwirklicht wird – Napa Valley, Toskana, Provence.

Sich in Romanèche-Thorins im Niemandsland zwischen Lyon und Chalon-sur-Saone niederzulassen und das noch im Beaujolais, das erst seit ca. 10 Jahren seinen Ruf als Gegend für einfachste Tischweine abzulegen beginnt, bedarf wiederum entweder einer gewissen Vision oder familiärer Wurzeln in der Gegend. Zwar haben in den letzten Jahren zahlreiche Winzer und Négociants aus dem Burgund im Beaujolais investiert – Louis Jadot, Thibault Liger-Belair, Michel Lafarge, Henriot / Bouchard, die Familie Labruyère (Domaine Jacques Prieur), um nur einige zu nennen. Aber als Wohlfühl-Tourismus-Gegend ist das Beaujolais allemal nicht bekannt.

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Im Jahr 2009 entschied jedenfalls Jean-Jaques Parinet, Gründer der Softwarefirma Orsyp, die er 2008 an einen Private Equity Fonds verkaufte, sich nach dem Verkauf zur Investition in das Beaujolais, kaufte nicht nur das Château du Moulin-à-Vent (historisch: Château des Throns) mitsamt seiner 37 ha Weinberge, sondern zog auch dorthin mitsamt der Familie. Von Paris nach Romanèche-Thorins. Dass die Familie mit Haut und Haaren dabei ist, zeigt auch, dass Jean-Jacques Parinets Sohn Edouard nach Abschluss seines Wirtschaftsstudiums auch gleich mit in den Betrieb einstieg und sich nunmehr um den Vertrieb kümmert.

So wie in Deutschland gerne erzählt wird, dass am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts Weine aus dem Rheingau, von Mosel und Saar oder vom roten Hang bei Nierstein die teuersten Weine der Welt kamen, die teurer waren als Château Latour oder Château d'Yquem, wird im Beaujolais gerne erzählt, dass früher mal die Weine aus Moulin-à-Vent so hohe Preise erzielten wie die Grand Crus aus dem Burgund. Der Blick auf historische Restaurant-Weinkarten aus den 10er und 20er Jahren des 20. Jahrhunderts legt allerdings eher Preise auf dem Niveau eines Nuits St. Georges oder Gevrey-Chambertin Village nahe. Nichtsdestotrotz waren die Weine aus Moulin-à-Vent schon immer die am höchsten bepreisten Weine aus dem Beaujolais. So geht aus dem Buch "Les vins du Beaujolais, du Mâconnais et du Chalonnais" von Victor Vermorel, u.a von 1893 hervor, dass die Weine aus Chénas (nicht gleichzusetzen mit der heutigen AOC Chénas, da die Weine aus der heutigen AOC Moulin-à-Vent überwiegend, wenn auch nicht vollständig, zur Kommune Chénas hinzugerechnet wurden, bevor die AOCs im Beaujolais geschaffen wurden) einen Preis von 150 Francs je Fass erzielten und damit ca. doppelt so viel wie die Weine aus Fleurie, Chiroubles oder Regnié.

Die hohen Preise erzielten die Weine nicht ohne Grund. Aus der AOC Moulin-à-Vent kommen im Beaujolais die strukturiertesten und vollsten Weine. Die meisten Fleuries oder Chiroubles wird man in ihrer Feinheit mit einem Ausbau in kleinen, neuen Holzfässern erschlagen. Ein Moulin-à-Vent aus guter Lage hält das aus und gewinnt durch den Holzfassaubau an Struktur. Die Voraussetzungen für die Familie Parinet waren also gut, zumal das Château du Moulin-à-Vent seine 37 ha Reben nicht in irgendwelchen Lagen stehen hat, sondern in einigen den besten Lagen, die sich auf und um das Plateau "Les Thorins" bei der für die AOC namensgebende Windmühle befinden. Zwei Lagen sind hier hervorzuheben: Champ de Cour, eine nach Osten ausgerichtete Lage, die sich um den Hang schlängelt und Les Vérillats (bei Parinets "Croix des Vérillats" genannt) direkt hinter dem Château. In beiden Lagen haben die Parinets beachtliche Anteile von jeweils mehreren Hektar, die ihnen eine rigorose Selektionierung für die Lagenweine erlauben.

In beiden Lagen findet sich der für die AOC Moulin-à-Vent typische rosa Granit, wobei dieser im Champ de Cour etwas mehr zersetzt ist und sich ein höherer Lehmanteil findet, während er im Vérillats ziemlich schnell nach dem Oberboden beginnt. Die Weinberge sind mit einer recht hohen Pflanzdichte von über 10.000 Stöcken pro Hektar bepflanzt, auf denen die Reben in Gobelet (Busch) – Erziehung stehen. Die Reben der Domaine sind zwischen ca. 30 und 60 Jahren alt.

Das Programm des Château du Moulin-à-Vent ist mehrstufig aufgebaut. An der Basis steht der Moulin-à-Vent "Couvent des Thorins", der als einziger Gamay der Domaine mit maceration semi-carbonique, also Ganztraubenmaischung unter Kohlensäureschutz, erzeugt und in Stahltanks ausgebaut wird. Er repräsentiert den eher frischen, jung zu trinkenden Beaujolais-Stil und wird vor allem in der Gastronomie vertrieben. Es folgt der Vorzeigewein der Domaine, der Moulin-à-Vent tout court. Dieser ist stets eine Lagencuvée, für den die Trauben vollständig entrappt werden, der eine längere Maischestandzeit erhält und anschließend für 14 Monate in 228 l Fässern mit ca. 20% Neuholzanteil ausgebaut wird. An der Spitze stehen die Einzellagenweine: Croix des Vérillats, Champ de Cour und – seit dem Jahrgang 2012 – La Rochelle. In ausgewählten Jahrgängen gibt es zudem den "Clos de Londres", eine Spezialcuvée, die bislang ihren Weg nur nach England und in die USA, aber noch nicht nach Deutschland gefunden hat. Die Lagenweine werden 4 Monate länger als der Village Wein ausgebaut.

Im Januar 2015 kam Edouard Parinet nach Deutschland, um seine Weine zusammen mit seinem Händler Norbert Müller zu präsentieren. Die beiden entschieden sich für ein Dinner in Hamburgs vielleicht derzeit zweitspannendsten Restaurant, dem Mercier und Camier im Literaturhaus am Schwanenwik. In wunderbarer familiärer Atmosphäre stand an dem Abend weniger eine wortreiche und langatmige Vorstellung der Weine im Vordergrund, sondern vielmehr ein gutes Essen begleitet von tollen Weinen.

Zu mehreren tollen Amuses Gueules (Rote Bete Gelée mit Meerrettichmousse, Tafelspitzsülze) begann das Dinner mit den beiden neuesten Jahrgängen des Couvent des Thorins (2011 und 2012). Während der 2012er jahrgangstypisch eher knackig in der Frucht, herb und rotbeerig war, spiegelte der 2011er ebenfalls sehr schön den Jahrgang wieder mit seiner Harmonie der Aromen, samtigen Tanninen und ausgewogener Säure. Welchen Jahrgang man hier bevorzugt, ist am Ende Geschmackssache.

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Für die nächsten vier Weine, eine Mini-Vertikale des Moulin-à-Vent Village von 2012 bis 2009, wurden mehrere Platten für ein Family-Style-Dinner gebracht – hausgeräucherte, wunderbar milde und zarte Forelle, Kalbsfrikadellen mit Kartoffel-Gurken-Salat, mit Bulgur gefüllte Tomaten, der mittlerweile schon zum Klassiker avancierte Mercier und Camier Salat mit kandierter Zitrone und Oliven und eine wunderbar samtige Kartoffelsuppe mit Mettenden. Auch beim Village kamen die Jahrgangscharakteristika sehr schön heraus. 2012 eher herb und schlank, 2011 (aus einer Magnumflasche) harmonisch, füllig, balanciert, 2010 etwas streng, sehr mineralisch, wie mit dem Lineal gezogen, 2009 (ebenfalls aus der Magnumflasche) sehr üppig, sonnig, an der Grenze zum Rotwein eher südlicher Prägung (südliche Rhône, Midi). Mein persönlicher Favorit an dem Abend war der 2010er, der sehr spannende Kräuternoten (Dill, Minze, Eukalyptus), feine Lakritznoten und einer sehr tiefe Mineralität hatte. Auch wenn viele Leute mittlerweile auf den sonnigen Jahrgang 2009 schimpfen, halte ich es für gesichert, dass auch der 2009er einmal ganz groß wird. Die ganze Materie muss jedoch noch ein bisschen zur Ruhe kommen, bis dieser Wein sein ganzes Potenzial zeigen wird, zumal aus Magnumflaschen.

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Ebenfalls zwei Magnumflaschen hatten wir zum Hauptgang: 2011 Champ de Cour und 2011 Croix des Vérillats. Hierzu brachte der wie immer großartiger Mercier und Camier Service, geführt von Markus Ernst, einem Restaurant-Service-Naturtalent, geschmorten Lammbraten mit einem intensiven Lammjus, Schnippelbohnen, Artischocken und Polenta. Bei dem Champ de Cour und dem Croix des Vérillats zeigen sich die Lagenunterschiede sehr deutlich. Edouard erläuterte die geschmacklichen Unterschiede vorher exakt auf den Punkt, was zeigt, dass er seine Weine sehr gut kennt. Champ de Cour: geradeaus, präzise, linear, ein wenig streng. Croix des Vérillats etwas weicher, ausladender in der Aromatik, rotbeeriger, sehr würzig. Exakt so präsentierten sich die Weine auch. Während ich anfangs den Champ de Cour bevorzugte, einen Wein, den ich auch von anderen Winzern wie Richard Rottiers, Domaine Labruyère, Bernard Diochon oder Château des Jacques sehr schätze, wuchs der Vérillats mit dem Lamm zusammen über sich hinaus. Diese feine Würze, die perfekte Reife der Frucht, der zarte Holztouch, das ist der Stoff, aus dem Träume gemacht sind. Der Champ de Cour war zum Essen vielleicht etwas streng, aber in ein paar Jahren und evtl. auch zu anderem Essen vielleicht der bessere Wein. Beide Weine gehören aber in jeden gut sortierten Beaujolais-Keller, am besten in 0,75 l und 1,5 l Flaschen.

Zum Dessert hat das Château du Moulin-à-Vent keine Weine zu bieten, aber nach dem Dessert probierten wir noch den 2012 Pouilly-Fuissé Vieilles Vignes aus zugekauften Trauben und den 2012 Moulin-à-Vent La Rochelle. Die Trauben für den Pouilly-Fuissé kaufen die Parinets von einem Winzer zu und bauen ihn eher fruchtbetont aus, ohne nennenswerten Holzeinsatz mit Fokus auf die Frucht und die Frische. Der 2012 La Rochelle war zum jetzigen Zeitpunkt noch etwas schwer einzuschätzen, die Konzentration der Aromen ist immens, hier ist enorm viel Stoff drin, durchaus eine präsente Säure, Tannin, eine sehr dichte Frucht. Der Wein wird aus meiner Sicht Jahre brauchen, bis er sich wirklich öffnet, aber die Anlagen sind hervorragend.

Dank der engagierten Vertriebsarbeit der Parinets sind die Weine in einigen Ländern schon bei den jeweiligen Top-Importeuren verfügbar, Flint und Berry Brothers & Rudd in Großbritannien, Wilson Daniels in den USA. In Deutschland werden die Weine von Norbert Müller importiert, glücklicherweise auch häufig in Magnum-Flaschen, die für diese köstlichen Weine wie das perfekte Format für einen geselligen Abend wie den Abend im Mercier und Camier wirken. Trotz aller Seriosität sind auch die Moulin-à-Vents der Parinets keine Weine zum Anbeten, sondern zum Trinken, am besten zu einem guten Familienessen. Viele Kritiker wie die Revue des Vins de France, David Schildknecht und Allen Meadows haben die Weine der Domaine schon für sich entdeckt und es würde mich nicht wundern, wenn sich die Domaine in den nächsten Jahren noch weiter oben etabliert. Die Qualität der Weine spricht für sich.

Eine feine kleine Entdeckung: Gros Frère & Soeur, Bourgogne Hautes Côtes de Nuits 2009

31/Okt/14 12:30 kategorisiert in: Pinot Noir / Spätburgunder, Rot, Frankreich

Was mich ja bei der Trüffelsuche in den Weinregalen, egal ob online oder offline immer freut ist, wenn ich über solche Weine stolpere, wie den Hautes Côtes de Nuits von Bernard Gros, denn dann habe ich einen guten bis sehr guten Wein aus einem tendenziell überpreisten Gebiet auf einem Preisniveau gefunden, das ich nachvollziehen kann und welches auch für mich bezahlbar ist.

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Gros hat vor Jahren das Weingut seiner Tante übernommen, während sein Bruder das seiner Eltern weiterführt, und verfügt über 18,4 Hektar Lagen. Dazu gehören Parzellen im Clos de Vougeot, in Richebourg, Echézeaux, Vosne-Romanée Les Chaumes und ein umfangreicher Besitz in Concoeur, woher sowohl ein weißer, wie ein roter Hautes Côtes de Nuits stammen, Wein also von den oberen Hügelbereichen. Gros' Weine gelten als fruchtbetont und floral in der Jugend, mit einer kräftigen Struktur und einem eher dunklen Charakter. Und genau das zeichnet auch diesen Pinot Noir aus. Dunkle Frucht mit einer würzigen, auch an Altholz erinnernden Note im Untergrund. Dabei bleibt der Wein immer schwebend leicht, trotz der Kraft die er hat. Dank einer klaren, aber nicht zu prägnanten Säure ist er zudem schön frisch. Der Wein ist nicht übermäßig lang, aber dafür, dass das hier Gutsweinlevel ist, also Basisniveau, sprich, ein Niveau, wo man im Burgund ziemlich häufig enttäuscht wird, ist dieser Wein richtig gut. Zumal der Preis für diesen Wein bei € 14,90 liegt, und dafür bekommt man im Burgund normalerweise so gut wie nichts.

Gefunden haben ich den Hautes Côtes de Nuits von Gros Frères & Soeurs bei Kierdorf Wein.

Cloudy Bay, eine kleine Sauvignon-Blanc-Vertikale und ein besonders schöner Pinot Noir

Vorletzte Woche musste ich schmunzeln. Ich kam gerade vom Gespräch mit Penfolds Chief Winemaker Peter Gago als ich eine Einladung zu einem kleinen get together mit dem nächsten Chief Winemaker bekam. Es handelte sich dabei um Tim Heath, der die Weine von Cloudy Bay verantwortet. Der war für einen Tag in die Hansestadt gekommen um ein paar Leuten den neuen Jahrgang vorzustellen. Eigentlich hatte ich keine Zeit, bin aber trotzdem hin und habe es nicht bereut.

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Ich muss gestehen, dass ich nicht viel Erfahrung mit Weinen von Cloudy Bay habe. Dieses Weingut liegt außerhalb meines normalen Beuteschemas, so ähnlich wie bei Penfolds. Ich neige ja eher dazu, bei kleinen Weingütern anzuklopfen und nehme das, was die Großen machen, eher am Rande wahr. Das ist nicht immer richtig, wie ich kürzlich auf einer Vergleichsprobe von Jahrgangs-Champagnern feststellen musste, wo ich blind die Weine der berühmten Häuser auch tatsächlich nach vorne gewählt habe, während die Weine einiger von mir verehrten Champagne-Winzer dagegen überhaupt keine Chance hatten.

Alles ist eben relativ. Und so auch bei Cloudy Bay. Es ist das berühmteste Weingut Neuseelands, nicht zuletzt deshalb, weil man dort in den ausgehenden 1980er Jahren einen neuen Sauvignon Blanc-Stil kreiert hat, der seinen Siegeszug um die Welt angetreten hat und stilbildend war. Vor Cloudy Bay gab es wenig beachteten Weinbau. Mit Cloudy Bay hat sich der neuseeländische Weinbau radikal verändert und die Rebflächen haben sich mindestens verdreifacht. Dort, wo in den Siebzigern vor allem Müller-Thurgau stand (der Weinbauverband war von einem Geisenheimer Professor beraten worden), steht jetzt vor allem Sauvigon Blanc aber auch immer mehr Chardonnay, Pinot Noir, Syrah, Grauburgunder, Riesling, Gewüürztraminer und so weiter. Die Bedingungen sind eigentlich ideal für Weinbau. Viel besser beispielsweise als in Australien, wo man ja für jeden Liter Wein etwa 800 Liter Wasser braucht. Neuseeland hat genügend Niederschlag, gute Böden und Meeresklima.

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Cloudy Bay ist vor einigen Jahren vom Luxusgüter-Life-Style-Konzern Louis-Vuitton- Moët-Hennessy (LVHM) übernommen worden und in die Gruppe Estates & Wines eingegliedert worden. So etwas hat Folgen. Vor allem lässt sich das Marketing natürlich ganz anders organisieren und mit so viel Geld im Rücken wird die Marke noch präsenter. Der Weinmacher aber ist derselbe geblieben, nur das Tim Heath jetzt häufiger durch die Gegend reist und präsentiert – und übrigens auch bei den anderen Projekten der Gruppe vorbeischaut, wie beispielsweise beim Chandon-Projekt in Indien. Eine starke Marke wie Cloudy Bay hat zudem immer noch einen preislichen Marken-Aufschlag. So liegt der Wein bei ca. € 24,-, was preislich fünf Euro über meinem Lieblings-Sancerre (Vacheron) und Lieblings-Neuseeland-Sauvignon (Dog Point) liegt. Aber das ist eben der Preis der Marke.

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Zwei, einer ganzen Menge von Weingärten, die zu Cloudy Bay gehören. © Cloudy Bay

Tim Heath hat also den Jahrgang 2014 Cloudy Bay Sauvignon Blanc präsentiert. Der ist natürlich auf der Südhalbkugel entstanden und wurde somit im März/April geerntet und vor ein paar Wochen abgefüllt. Neben der frischen Abfüllung gab es dann eine Reihe weiterer Jahrgänge, und da wurde es wirklich interessant. Der 2014er Sauvignon Blanc ist ultrafrisch, grün, grasig, sehr (Achtung:) mineralisch und nicht mehr exotisch wie in den letzten Jahren. Er wird auch nicht mehr nur im Stahl ausgebaut, sondern in Teilen auch im großen, älteren Holz. Außerdem wird spontan angegoren. Das ist neu und tut dem Wein gut. Was ich nicht erwartet hatte war die Entwicklung des Sauvignons über Jahre hinweg bis zu einem 2009er, der in der Magnum gereift war und immer noch höchst frisch und fruchtig daherkam. Die älteren Weine werden mit der Zeit voller, etwas breiter und cremiger, das Grüne verschwindet ganz, manchmal sind Noten von Gemüse (Spargel) dabei, aber das Säurerückgrat bleibt immer erhalten. Vor allem der 2010er war ein Knaller: straff, erfrischend, saftig, mundfüllend, dicht und lang. Ein außerordentlich guter Sauvignon, der nicht aus dem Holz kommt.

Eine ganz andere Lesart des Sauvignon bietet der Te Koko. Dieser wird komplett spontan vergoren und landet in kleinen französischen Holzfässern, in geringen Anteilen neu. Die Idee stammt vom Anfang der 1990er, also von jenem Team, das heute Dog Point betreibt. Damals war es wohl der erste Wein in Neuseeland, der spontan vergoren wurde (so zumindest meine Informationen). Der Wein macht in Teilen einen biologischen Säureabbau durch, ist viel cremiger und voller als der normale Sauvignon Blanc. Ich mag ja diese Art, mit Sauvignon umzugehen auch in den Lagenweinen von Vacheron, dem Section 94 von Dog Point oder anderen holzbasierten Sauvignons (Daguenau, Tement, Gross, Terlan etc), wenn es nicht zu viel Holz ist. Der sonst oftmals so plakativ wirkende Sauvignon Blanc bekommt dadurch eine ganz andere Feinheit und Dichte. Das merkt man beim Te koko, auch wenn hier die Grenzen des Machbaren für mich noch nicht erreicht sind. Der Wein hat mir gut gefallen, war aber etwas zu glatt und definitiv sehr jung. Auch den Te Koko würde ich gerne mal in einer Jahrgangstiefe erleben. Vielleicht ist das nächstes Jahr auf dem Weingut möglich.

Was mich schon immer angemacht hat, war der Pinot Noir von Cloudy Bay, der so gar nicht versucht, irgendwelchen französischen Vorbildern nahezukommen. Sehr eigenständig ist er, mit nur leichter Holznase und vor allem viel Frucht. Wenn ich ihn in eine Vergleichsprobe packen wollte, würde ich Pinot aus dem Sancerre, Elsass und von Mosel und Ahr mit daneben stellen.

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Tim Heath, Chief Winemaker

Kühlt und komplex steht der Te Wahi Pinot Noir da, den ich zum ersten Mal probiert habe. Die Frucht stammt nicht aus Marlborough sondern aus Central Otago, wo die Reben geerntet und vergoren werden, bevor der Wein dann ins heimatliche Weingut gebracht und ausgebaut wird. Der Wein wirkt im Aromenspektrum deutlich dunkler als der eher rotfruchtige und erdbeerige Marlborough Pinot Noir. Hier gibt es Blaubeeren, Brombeeren, Sauerkirsche und mehr Unterholz. Am Gaumen findet sich eine ausgewogene Mischung aus roter und dunkler Beerenfrucht und Erde. Der Wein ist schön frisch, hat eine angenehme Säure und ein zurückhaltendes Holz bei feinem Tannin und einer erstaunlichen Länge. Das war für mich neben dem 2010er Sauvignon Blanc deutlich der Wein des Abends.

Ein Treffen mit Peter Gago – über 170 Jahre Penfolds und einen neuen Weinjahrgang

Kürzlich traf ich Peter Gago in Hamburg. Gago ist der Chief Winemaker von Penfolds, der australischen Wein-Legende. Penfolds wurde 1844 vom Einwanderer Christopher Penfolds gegründet und ist älter als der Staat selbst. Das große Weingut, dass in allen wichtigen Landesteilen Weinberge besitzt, gilt als Nationales Erbe, gehört also zu den wichtigsten historischen Institutionen Australiens. Ebenfalls Teil des National Trust ist der Wein, der das Weingut auch international berühmte machte. Es ist der Grange, der früher Grange Hermitage hieß und eigentlich die Erkennungsnummer (Barrel Identification Number) BIN 95 trägt. Der Grange ist so etwas wie eine Hommage an den berühmten Hermitage-Weinberg in Tain an der Nord-Rhône. Diesen hatte Max Schubert, der Jahrzehnte lang Chief Winemaker bei Penfolds war, in den 1950er Jahren genauso schätzen gelernt, wie den europäischen Umgang mit Rebstöcken im Weinberg und den reifen Trauben im Keller. Es war eine Europa-Reise, die beim deutschstämmigen Weinmacher Schubert zu einem kompletten Umdenken in der Weinproduktion bei Penfolds geführt hat. Das Ergebnis war ein großes Experimentieren im Weinberg wie im Keller mit neuen Anbaumethoden, Reifezeiten, Analysewerten, Hefen und Ausbauarten die schließlich nach und nach zu Neuerscheinungen im Weinmarkt führten, die bis heute international den Ruhm von Penfolds ausmachen und historische Fassnummern tragen. Neben dem BIN 95 sind das zum Beispiel der BIN 389, BIN 128 oder BIN 28.

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Peter Gago, Chief Winemaker

Im Gegensatz zum Analysten und Eigenbrötler Schubert, der Tage am Stück in den Kellern und Laboren des Unternehmens verbringen konnte ist Peter Gago, der Schubert-Nachfolger in vierter Generation, heute vor allem das Gesicht eines Unternehmens, das schon seit den 1970ern nicht mehr im Familienbesitz ist sondern vielmehr der Leckerbissen im Portfolio diverser Getränkekonzerne, bei denen immer wieder die Eigner wechseln. Gerade in den letzten Wochen gab es wieder einen Bieterwettbewerb um den Eigner von Penfolds, Treasury Wines, zu denen noch ein paar Dutzend weiterer Weingüter gehören.

Während also draußen die Bieterschlacht um den Besitz von Penfolds tobte, saßen wir in kleiner Runde in einem Hinterzimmer des Hamburger Fairmont-Hotels Vier Jahreszeiten und begutachteten den neuen Jahrgang von Penfolds. Auch das ist Teil des Jobs von Peter Gago, den ich frage, wann er denn überhaupt noch Wein macht. „Im April und Mai mache ich keinerlei Reisen, dann kommen die Trauben rein und ich schaue mir an, wie die Gärung verläuft.“ Ansonsten dürfte der Mann über die Platinum-Card eines oder mehrerer Vielfliegerprogramme verfügen. Denn neben Masterclasses die er leitet und Treffen mit Händlern und Journalisten gibt es da noch die Recorcing Clinic, die jährlich an verschiedenen Orten der Welt stattfindet – auch schon hier in Deutschland und nebenan in Zürich, in der Sammler sich nicht nur Gewissheit über die Echtheit ihrer Penfolds-Weine verschaffen können sondern auch noch eine Auffüllung und einen neuen Korken erhalten – wenn nötig. Die Teilnahme ist kostenfrei, äußerst populär und als Teil der Kundenbindung ein genialer Marketing-Coup, wie ich finde.

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Überhaupt Marketing… Penfolds ist groß im Marketing. Das beginnt bei der Flaschenausstattung mit dem hohen Wiedererkennungswert der Label. Das geht weiter bei klaren Linien im Angebot und es manifestiert sich in den Icon-Wines, in den extrem seltenen Abfüllungen des Weinguts, mit denen man Sehnsüchte schafft, Begehrlichkeiten und damit das ganze Portfolio aufwertet.

Der charmante Peter Gago, der im ersten Leben Lehrer war und erst später ein Studium der Önologie angeschlossen hat, verkörpert diese Marketing-Philosophie und gibt der Idee und dem Großunternehmen das wichtige Gesicht, den Charakter. Alles in der Außendarstellung ist auf ihn abgestimmt. Und warum saß ich mit ihm in Hamburg zusammen? Weil Penfolds seine Weine ab diesem Jahr, dem 170sten der Unternehmensgeschichte, nicht mehr im Frühjahr, sondern im Herbst auf den Markt bringt. Bisher war es üblich, dies kurz nach der Ernte des neuen Jahrgangs zu machen, doch macht Penfolds vor allem schwere Rotweine, und im Mai und dem darauf folgenden Sommer hat kaum jemand Lust auf 14.5 bis 15.5%-Weine. Zudem hat dies etwas mit dem Wirtschaftsjahr der Unternehmen zu tun, die Penfolds die Weine abnehmen sollen. Werden die Weine im Oktober präsentiert, bleibt für den Kauf mehr Zeit. Alles bei Penfolds ist durchdacht und optimiert und das Weingut erinnert mich, wenn ich Vergleiche ziehen soll, an Champagner-Häuser wie Moët, Ruinart oder Roederer. Auch die sind Teil großer Luxusgüterkonzerne, auch dort sind es die Chef de Cave, die für die Außendarstellung verantwortlich sind und im Keller nur noch die elementar wichtigen Entscheidungen treffen. Auch dort wird auf Luxus und Begehrlichkeiten gesetzt. Vor allem aber, ist das Weinmachen ganz ähnlich. Viel ähnlicher als bei Weingütern à la Rothschild, beispielsweise. Auch die Rothschilds, ob nun Mouton oder Lafite, sind ja große Weinunternehmen mit vielerlei Streubesitz. Doch gibt es hier immer noch die Philosophie des Château und des Terroirs, vor allem natürlich im Bordelais. Das Weingut definiert sich über das Terroir, auf dem es steht. Bei Penfolds und auch bei den großen Champagne-Häusern ist dies vollkommen anders. Da gibt es diese seltenen Single-Vineyard-Weine nur als Ausnahme (Krug mit dem Clos de Mesnil, Penfolds mit dem Magill Estate – beides Weine von kleinen, legendären Weinlagen). Ansonsten sind es regional blends von ganz unterschiedlichen Lagen in einer Region oder sogar multiregional blends aus unterschiedlichen Regionen. Der Icon Wine von Penfolds, der Grange, beispielsweise stammt aus Lagen im Barossa Valley, Clare Valley, aus den Adelaide Hills, dem McLaren Vale und dem Magill Estate, wo Penfolds entstanden ist.

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Penfolds in Magill bei Adelaide, Copyright: Penfolds.com

Dies ist eine Idee des Weinmachens, die hier in Europa bei Champagner zwar akzeptiert wird, bei der wir aber sonst immer noch große Probleme haben. Oder kann sich hier jemand vorstellen, dass beispielsweise Wilhelm Weil einen Ultra-Riesling für 500 Euro die Flasche auf dem Markt bringt, dessen Trauben von ausgewählten Weinbergen aus dem Rheingau, aus Franken, der Mosel, der Nahe und aus Rheinhessen stammen? Wohl kaum.

Begonnen haben wir übrigens auch bei Penfolds mit einem Riesling. Es ist der Penfolds BIN 51 Riesling 2014 Eden Valley. Auch dieser stammt aus zwei unterschiedlichen Regionen und man geht, ganz typisch für diese Philosophie des Weinmachens ganz pragmatisch vor. Man nimmt das Material, das die geforderte Qualität hat. Deshalb hat man in verschiedenen Cool-Climate-Gebieten Verträge mit Winzern abgeschlossen (auch hier gibt es natürlich neben dem großen Eigenbesitz jede Menge Vertragswinzer – wie in der Champagne). Da kann dann das Traubenmaterial auch mal aus Tasmanien stammen. Der Wein hat kein 2 Gramm Restzucker bei 3,1 ph-Wert, 7,1 Gramm Säure und 12,5% Alkohol. Er ist kräftig, hat viel gelbe Frucht, eine leicht tropische Note und Zitronenschale, ist intensiv und sehr saftig. Der Wein hat mir sehr gut gefallen, da ist nichts Fettes, nichts Überreifes, alles ist elegant und klar.

Der Penfolds Reserve BIN 13A Chardonnay 2013 Adelaide Hills wird spontan angegoren und neun Monate lang zu 40% in neuen und zu 60% in gebrauchten französischen Barriques ausgebaut. Dabei kommt der Wein direkt von der Presse in die jeweiligen Barriques, so dass jedes Barrique deutliche Unterschiede aufweist. 13% Alkohol hat der Wein, der zu 100% eine malolaktische Gärung durchlaufen hat. Er präsentiert sich offen, rund mit viel Steinobstfrucht, Zitronensorbet, etwas Banane mit gerösteten Nüssen und erstaunlich zurückhaltendem Holz. Es fehlt mir allerdings etwas die Säure und das etwas Kantige, das, was Charakter ausmacht.

Penfolds Yattarna BIN 144 Chardonnay 2012 South Eastern Australia dagegen ist momentan dicht wie eine beleidigte Auster. Ein gutes Jahr älter als der BIN 13A und aus verschiedenen Gebieten stammend ist er der weiße Icon Wine des Unternehmens und präsentiert die typische Idee einer Gebiets-Cuvée. Während vergleichbar teure Weine aus Meursault nach einzelnen Lagen ausgesucht werden, stammen die Trauben für diesen Wein aus Tasmanien, Victoria und Adelaide Hills, Weinberge also, die hunderte Kilometer voneinander entfernt sind. Der Wein wird etwas kürzer (acht Monate) in mehr gebrauchtem Holz ( 55%) ausgebaut aber ähnlich verarbeitet wie die Reserve BIN, also Nach Gebiet und dann noch mal einzeln direkt nach der Pressung Fass für Fass gesondert ausgebaut. Der Wein ist viel weniger rund und auf Show gemacht wie die Reserve. Vor allem hat er die Frische, die mir bei der Reserve etwas gefehlt hat. Auch wenn er momentan verschlossen ist, zeigt sich das Pure, das Elegante, der feine Nusston, das ganze fruchtige Aromenspektrum fein verwoben und komplex. ein toller Chardonnay!

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Der rote Penfolds BIN 28 Kalimna Shiraz 2012 South Australia ist ein guter Einstieg in die Shiraz-Welt von Penfolds. Der erste Jahrgang stammt aus der Max-Schubert-Zeit und wurde 1959 abgefüllt. Der Shiraz stammt aus dem McLaren Vale, Wrattonbully, Langhorn Creek, Barossa Valley, Padthaway und Upper Adelaide und hat 14.5% – wie alle Roten die nun folgen. Der Wein reift 13 Monate in alten Hogsheads aus amerikanischer Eiche. Hogshead war übrigens ein englisches Volumen-Flüssigkeitsmaß, das man in den Hansestädten als Oxhoft bezeichnet hat. Bei Wein war dies ein Volumen von 285 Liter, bei Ale waren es 218 Liter und bei Porter 245 Liter, aber das nur am Rande. Der Wein ist typisch dunkel mit reifer Johannisbeer- und Kirschfrucht, Leder, Erde, Trockenkräuter, Anis und am Gaumen mit viel dunkler Frucht. Nur ganz leicht marmeladig, saftig, schon sehr rund und schmeichelnd und von einer angenehmen Frische.

Den Penfolds BIN 150 Marananga Shiraz 2012 Barossa gibt es erst im fünften Jahr. Er gehört zu den regional blends, genauer gesagt ist er ein sub-regional blend, denn er stammt aus der Sub-Region des Barossa Valley namens Marananga, einer Talsohle im Barossa, aus der auch Frucht für den Grange verwendet wird. Der berühmteste Plot in dieser Subregion ist das Seppeltsfield, einer der ältesten Weinberge des Landes. Der Wein wird 14 Monate in neuem Holz (25%) und alten Holz zu je 25% aus französischer Eiche und amerikanischer Eiche unterschiedlicher Größe (330-600L) gelagert. Der violett-blaue Wein zeigt deutlich mehr Kraft als der BIN 28. Er ist dichter und hat von allem mehr – vor allem einen anderer Typus. Hier findet sich etwas von Eukalyptus und einer medizinalen Note mit einer Noten von Leinsamen (erstaunlich), Veilchen, Nutella und mehr Holz als beim BIN 28. Am Gaumen dann konzentrierte fleischige Frucht, viel Tannin, Konzentration und Dunkelheit. Weglegen…

Der Penfolds BIN 407 Cabernet Sauvignon bildet zusammen mit dem neuen BIN 150 und dem Klassiker BIN 389 die obere Mittelklasse der Fass-Serie (unten fängt es an mit BIN 2, BIN 8, BIN 9, Mittelklasse ist BIN 28, BIN 128, BIN 138). Der reinsortige Cabernet stammt aus unterschiedlichen Regionen (Wrattonbully, Padthaway, McLaren Vale, Coonawarra, Langhorne Creek) und wird 14% Monate in 22% neuer französischer Eiche und desweiteren in neuer und gebrauchter amerikanischer Eiche ausgebaut. Hätte ich den Wein blind im Glas gehabt, hätte ich nicht auf Cabernet getippt sondern ebenfalls auf Shiraz. Cabernet-Puristen, die bei dieser Sorte eher linkes Ufer Bordeaux oder Ähnliches im Sinn haben, werden mit diesem wein kaum glücklich. Jene, die jedoch mit Cabernet auch Kalifornien und die höhere Reife, Saftigkeit und dichte verbinden, werden diesen Wein sehr mögen denn er ist innerhalb des Stils exzellent gemacht. Im Gegensatz zu klassischen Coonawarras wie beispielsweise von Wynns, ist diese Cuvée viel üppiger, konzentrierter, ein Ausbund an reifer Frucht, Fleisch, reifer Süße in der sich erst mit der Zeit typische Cabernet-Attribute wie Cassis, Zeder, Grafit offenbaren. Wenn der BIN 389 der Baby-Grange ist (so wird er ja gerne genannt weil er in alten Grange-Fässern ausgebaut wird), dann ist das hier der Baby-707. Wobei das mit dem Baby naürlich kompletter Unsinn ist. Beide Weine, 407 wie 389 neun sind aus dem Stadium, in dem man fürsorglich sein müssten längst raus.

Coonawara_Rote_Erde_Credit_PenfoldsCoonawarra mit dem typischen roten Boden, Copyright: Penfolds.com

Der BIN 389 Cabernet Shiraz  wurde von Max Schubert zum ersten Mal mit dem Jahrgang 1960 abgefüllt und besteht meist aus mehr oder weniger 50% Cabernet und 50% Shiraz aus Wrattonbully, Barossa, McLaren, Langhorne Creek und Robe. Der Wein wird, ich schreib es bereits, 12 Monate lang zu 60% in Grange-Fässern ausgebaut und zu 40% in neuer Amerikanischer Eiche. Puh, das ist Konzentration pur, dunkle Marmelade, eingekocht, wie das Gewürzpflaumenmus, das ich letztens gekocht habe. Dazu aber dunkle, flüssige Schokolade, Salz, Teer, rohes Fleisch, ein Wein, den man kauen muss mit konzentrierter Frucht, Dattel- und Feigenkuchen mit Vanille und Zimt. Trotzdem mit gewisser Frische und Säure, die die Konzentration etwas abfedert.

Angekommen in Premier-League des Weinguts haben wir mit dem Penfolds St. Henri Shiraz 2011 einen Wein mit Ausnahmestellung unter den Penfolds-Erzeugnissen. Schon das Etikett ist klassischer und er ist noch vor der Max-Schubert-Ära auf den Markt gekommen. Der Shiraz ist immer der europäischste Wein, der am ehesten an die Heimat des Syrah, die Nord-Rhône erinnert. die Trauben stammen aus dem McLaren Vale, Barossa und den Adelaide Hills und der Wein wird 12 Monate lang in– Achtung! – großen alten Holzfudern ausgebaut. Im Gegensatz zu allen Rotweinen davor und danach findet sich hier nicht die dunkle Frucht, die schwarze Olive und die Marmelade sondern es ist rote Frucht, es sind rote Johannisbeeren, Preiselbeeren, grüne Olive, grüner Pfeffer, etwas rohes Fleisch, etwas Teer, alles fein verwoben und lang. Wenn ich mir von allen Weinen der Probe einen hätte mit nach Hause nehmen können, ich hätte definitiv den St. Henri genommen!

Wenn wir schon von Ausnahmestellung reden, dann gehört dieser Wein eigentlich auch dazu. Der Penfolds Magill Estate Shiraz 2012 ist eben jener Single-Vineyard-Wein, der am ehesten mit den klassischen Chateau-Weinen des Bordelais zu vergleichen ist – auch wenn es sich hier um einen reinsortigen Shiraz handelt, wirkt er tatsächlich relativ europäisch. Er stammt aus dem nur noch 5.2 Hektar kleinen Weinberg, der den Grundstein des Penfolds-Imperiums geliefert hat. Magill ist heute längst von Adelaide eingemeindet und der kleine Besitz am Stammhaus liegt im Ort. Der Wein wird 15 Monate lang zu 65% in französischer Eiche ausgebaut, der Rest in teils neues, teils gebrauchte amerikanisches Holz. Dieser Shiraz ist durchaus fein und energetisch, duftet ein wenig nach einer klassischen Cabernet-Merlot-Cuvée mit Zedernholz, Tabak, Grafit, Pflaume und Cassis. Dann aber kommen eukalyptische Noten, zunehmend Leder, Nelke, Zimt. Am Gaumen dann eher intensive rote Frucht, komplex, würzig mit präsentem Holz und viel Tannin. Viel zu jung natürlich, aber schön.

Icon_Wines

Das RWT im Penfolds RWT Barossa Valley Shiraz 2012 steht für Red Wine Trial, ein ungewöhnlicher Name für ein Luxusprodukt. Es war der Versuch, einen Shiraz-Counterpart zum Grange auf ähnlichem Niveau zu machen. Der Grange, in amerikanischer Eiche ausgebaut, muskulös, extrem dicht und voller Energie, der RWT vor allem in französischer Eiche ausgebaut etwas opulenter, schwebender aber auch fleischiger mit viel Pfeffer, Cassis und Schokolade. Üppig, dicht und strukturiert mit viel Extrakt. Bei längerer Reifezeit allerdings nähert er sich weit stärker den Syrah vom Hermitage-Weinberg der Norsd-Rhône an als es der Grange tut, der den Namen Hermitage ja sogar lnge im Namen getragen hat.

Das Cabernet-Flaggschiff des Hauses ist der Penfolds BIN 707 Cabernet Sauvignon 2012. Der Wein wurde als 1964er Jahrgang in der Schubert-Ära das erste Mal abgefüllt und ist so etwas wie die australische Cabernet-Ikone, die allerdings auch nur dann abgefüllt wird, wenn das Traubenmaterial zu 100% die Erwartungen erfüllt (2011 war das beispielsweise nicht der Fall). Die Trauben stammen von den roten Böden des Coonawarra, Padthaway, Barossa, Wrattonbully und den Adelaide Hills. Der Wein lagert zu 100% in neuer amerikanischer Eiche und spielt stilistisch eher im großen Konzert der Kalifornier mit denn in dem Franzosen. Dieser Wein ist ein wenig so wie BIN 407 nur von allem noch viel mehr. Mehr Dichte, mehr üppige Frucht, mehr Konzentration. Es ist ein gewaltiger Cabernet voller Cassis und Kirsche, Rauch, Fleisch, Sojasoße, schwarzen Oliven, Zeder, Lakritze, Eukalyptus, Tiramisu, Nuss, am Gaumen würzig, explodierend, mit extrem reifer aber nicht überreifer Frucht, mit einem ganzen Schokoladenbrunnen, Vanille, Zimt und Eiche. Eleganz trifft Geilheit, irgendwie. Man will das in großen Schlucken trinken, so gut ist das. andererseits eben auch so üppig, das es zum jetzigen Zeitpunkt fast ein wenig ordinär wirkt. Trotzdem, der Wein ist purer, australischer Cabernet-Wahnsinn. Aber man sollte diesen, genauso wie den nächsten Wein sowieso erst einmal vergessen, wenn man sich ihn denn für ca. 320€ die Flasche in den Keller legen will. Überhaupt schraubt sich in der Oberklasse von Penfolds die Preisspirale zunehmend deutlich nach oben. Den St. Henri bekommt man kaum unter 100€, der RWT liegt dann schon bei ca. 170€, und für den 2010er Grange will man so ca. 600€ die Flasche haben – das ist ambitioniert.

Peter_Gago_old_Bottles

Der Penfolds BIN 95 Grange 2010 ist eine Cuvée aus 96% Shiraz und 4% Cabernet, aus alten Anlagen des Barossa Valley, des Clare Valley, den Adelaide Hills, McLaren Vale und dem Magill Estate stammend. Er wurde 17 Monate lang in neue amerikanische eiche gelegt. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt ein Wein, dessen Tragweite nur zu erahnen ist. Definitiv war 2010 ein ziemlich perfekter Jahrgang für diesen Wein und so präsentiert der Grange sich tief und konzentriert mit sehr viel Spannung und enormer Komplexität. Dieser Wein ist ja grundsätzlich, bis auf den Alkohol, nicht mehr weit von einem Jahrgangsport bester Provenienz entfernt, so dicht ist die Frucht, so konzentriert die schwarzen Kirschen, das Cassis, das Süßholz, die schwarze Schokolade, das Zedernholz und das Fleischige. Dabei findet sich Samt auf der Zunge, wunderbar eingebundenes Tannin und auch hier eine enorme Tiefe. Ein souveräner, großer Wein in einem Stil, der in seiner Opulenz vielleicht nicht jedem gefällt, der in seiner außerordentlichen Qualität jedoch über jeden Zweifel erhaben ist.

Wenn ich mir die Preise so ansehe bin ich fast froh, dass ich gar nicht mehr in Erwägung ziehen muss, ob ich mir von irgendeinem dieser Weine etwas in den Keller legen würde. Lediglich beim Bin 28 könnte ich theoretisch schwach werden, denn der liegt heute so in etwa auf dem Preisniveau, das damals der BIN 389 hatte. Er ist ein wirklich guter Einstieg in die Welt und Stilistik von Penfolds. Die eigentliche Basis ist der Koonunga Hill, ein Wein, der schon immer so um die 10 (Mark/Euro) gekostet hat und sehr respektable Qualität liefert. Überhaupt finde ich es schon bemerkenswert, wie man bei Penfolds diese Qualität, das Blending und den logistischen Aufwand gemeistert kriegt. Auch wenn im Keller natürlich mit vielen üblichen Tricks gearbeitet wird (Tanninpulver, Kastanienmehl etc.) und ich davon jetzt wahrlich kein Fan bin. Weinmachen bei dieser Größe und bei solch umkämpften Märkten, auch im Luxus-Segment, hat eben nichts mehr mit Romantik zu tun – die scheint nur noch nach außen. Da tun sich die Großen nichts, die Tricks bei Penfolds dürften sich da kaum von denen auf bekannten Bordeaux-Cru-Classé-Gütern unterscheiden. Stilistisch erinnern mich die Icon-Wines unter Strich, wenn ich Vergleiche ziehen will, an so etwas hier, während ich persönlich eher diesen Stil bevorzuge (wenn ich mal auf annähernd ähnlichem Preisniveau bleibe). Trotzdem, was Penfolds bietet ist – wie schon gesagt – Weinmachen auf höchstem Niveau, und darüber hinaus ein außergewöhnliches Stück Weingeschichte. Das 170jährige Jubiläum fällt übrigens mit meinem eigenen zusammen. Denn wenn ich richtig gerechnet habe, dass habe ich 1994 zum ersten Mal Weine von Penfolds probiert und es waren die ersten, die ich mir am Beginn meiner Weinleidenschaft in den Keller gelegt habe – präzise gesagt waren es einige Flaschen BIN 389. Damals hat eine Flasche dieses Weins 22 Mark gekostet. Heute kostet eine aktuelle Flasche so um die €75,- Nicht schlecht, hm? (Und das ist noch nichts im Vergleich zum Preisanstieg beim Oberklasse-Bordeaux)

 


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