originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Salanques 2006, Mas Doix, Priorat

12/Mrz/10 15:45 kategorisiert in: Carignan, Grenache / Garnacha, Rot, Spanien, Rotweine

Im Prinzip ist der Salanques der Zweitwein des Mas Doix Coster des Vinjes Velles, einer Cuvée aus Garnacha und Carinena, in die noch 2 % Merlot gemischt sind. Ein Wein von über hundert Jahre alten Rebstöcken.

Der Salanques ist das, was Ramon Llagostera nicht gut genug fand für den Erstwein. Das wird bei ihm im Keller Fass für Fass überprüft und ausgewählt. Das Resultat ist ein Wein, der immer noch um die 30 Euro kostet – aber eben nicht um die 70, wie der eigentliche Mas Doix – und doch sehr klar zeigt, wofür das Priorat stehen kann. Für dichte Rotweine von uralten Rebgstöcken, gewachsen  auf Licorella-Schieferböden in einer Region, die tagsüber sehr heiss sein kann und nachts deutlich abkühlt. Wenn der Winzer den richtigen Lesezeitpunkt findet und den Wein nicht zu stark konzentriert kommt etwas heraus wie das, was ich im Glas hatte.

salanques_mas_doix_2006

Der Salanques bietet eine, wie ich finde, höchst angenehme Mischung aus saftig-frischen dunklen Früchten, verbunden mit Zedernholz, Bitterschokolade, Gewürzen und Kräutern und einer sehr angenehmen Kühle. Die 15 % Alkohol habe ich bei diesem Wein nicht bemerkt. Die sind sehr gut eingebunden und verstecken sich zwischen der  Schiefermineralik und dem Säuregerüst. Dieser Geschmack nach satt-reifen süßen Kirschen hallt noch lange nach, wenn der Wein längst die Kehle hinab geronnen ist. Das ist kein intellektueller Wein, aber er ist ebensowenig plump. Er ist vor allem das, was ein Wein vornehmlich sein sollte: Er ist ausgesprochen lecker!

Salanques 2006, Mas Doix, Priorat, ca. 30 Euro

Dido 2007, Venus la Universal, D.O. Monsant

Ich würde sagen, es gibt schlechtere Voraussetzungen, um guten Wein machen zu können als die, die Sara Pérez vorgefunden hat. War ihr Vater, Professor José Luis Perez, doch einer der Vorreiter, ja Wiederentdecker des Priorat. Zusammen mit René Barbier und anderen hat er damals jene Kooperative gegründet, aus der dann die Weine hervorgegangen sind, die man längst als Kultweine bezeichnet und seit zwei Jahrzehnten zu den Besten Spaniens zählen. Perez' Wein hört auf den Namen Clos Martinet, der Wein von René Barbier auf den Namen Clos Mogador.

Sara Pérez nun hat schon sehr früh auf dem Weingut mitgeholfen, und wenn sie auch zunächst Biologie und Philosophie studiert hat, den Abschluss hat sie als Önologin gemacht. Clos Martinet betreut sie schon länger, nebenbei ist sie ebenso Beraterin und Weinmacherin der Kooperative Cims de Porrera. Dabei kann man einen klaren Stil erkennen, der sich in diesem Wein genauso zeigt. Es sind vom Schieferboden geprägte Weine, die ebenso elegant wie frisch sind, wo der Einsatz von frischem Holz zurücksteht hinter dem Ausdruck der optimal gereiften Reben. Das ist nichts Heißes, nichts Marmeladiges.

dido_2007

Ihr Weingut Venus la Universal führt sie übrigens mit ihrem Mann, René Barbier Junior. Und mit diesem zusammen sowie mit einigen Freunden hat sie darüber hinaus auch noch das Projekt La Vinya des Vuit gegründet, auf dessen 4 Hektar biologisch-dynamisch gearbeitet wird. Ziemlich umtriebig also, die Frau.

Dido, der zunächst Aeneas hieß, was aber wenig weiblich klang und dann umbenannt wurde, ist der Zweitwein von Venus La Universal. Bestimmt wird er durch alte Grenachereben, etwas Cabernet, etwas Merlot und Syrah. Das ist ein ganz schön kräftiger Brummer, den Sara Pérez da vinifiziert hat. Kräftige Kirschen und Waldbeeren bestimmen diesen dunklen Wein, dazu etwas Holz, aber nicht viel, etwas Duft von rohem Rindfleisch und Leder. Saftig ist er, der Wein, und mineralisch würzig. Zu den Fruchtaromen und der Würze gesellt sich etwas Lakritze und etwas Rauchig-Tabakwürziges. Der Wein hat eine schöne, stimmige Balance aus Kraft und Eleganz mit ordentlich langem Abgang. Das ist ein sehr charaktervoller, individueller Stoff.

Dido 2007, Venus la Universal, Monsant, 14,50 Euro

Solà Fred 2008, Celler el Masroig, D.O. Monsant

24/Feb/10 15:57 kategorisiert in: Carignan, Grenache / Garnacha, Rot, Spanien

Aufgefallen ist mir der Celler el Masroig durch den etnic, hier beschrieben. Dieser wunderbar weiche und saftige Wein bleibt auch nach mehrmaligem Genuss eine Wonne. Der kleine Bruder dieses Weins hört auf den Namen Fred, Solà Fred, um genau zu sein. Solà Fred besteht zu 90% aus Carinena und zu 10% aus Garnacha.

sola_fred_2008

Die beiden Weine sind nicht miteinander zu vergleichen. Der etnic lebt von seinen satten, gesetzten Früchten in Verbindung mit leichten Röstaromen und sehr weichen Holzaromen, der Solà Fred ist ein Alltags- oder Bankettwein. Frische, saftige Kirschen bestimmen ihn in der Nase, eher Erdbeeren und Johannisbeeren dominieren im Gaumen. Hinzu kommen Würz- und leichte Erdnoten. Dabei bewahrt der Wein eine angenehme mineralische Kühle. Das Ganze hat viel Energie und Schwung und ist für einen Jungwein dieses Preis ausgezeichnet gemacht.

Ein Wein, den man viel zu selten im Glas hat – ein frischer, unkomplizierter spanischer Rotwein, nicht durch Holz verfälscht, sondern geprägt von der satten Frucht der Carignan.

Solà Fred 2008, Celler el Masroig, D.O. Monsant, 6,50 Euro

Präsentation der 2007er Vintage Ports in Leverkusen

14/Feb/10 15:06 kategorisiert in: Abschweifungen, Dessertweine, Portweine, Rot, Portugal, Rotweine

Ich möchte mich an dieser Stelle gerne bei Axel Probst, World of Port, und dem Portweininstitut IVDP für die Möglichkeit bedanken, sehr intensiv die 2007er Vintage Ports verkosten zu können. Eine solche Zusammenkunft von Spitzenerzeugern, die meist auch noch direkt ihre Late Bottled Vintages mitgebracht hatten, dürfte ein Novum gewesen sein.

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Im Kasino von Bayer in Leverkusen waren, ich hatte es kürzlich angekündigt, alle großen Namen wie Niepoort, Delaforce, Cockburn, Taylor's, Royal Oporto vertreten genauso wie viele kleine Produzenten, von denen ich teils noch gar nicht gehört hatte. Feuerheerds zum Beispiel, Passadouro oder Duorum.

Ohne mich auch nur entfernt als Spezialist dieser Weine aus dem Douro-Tal bezeichnen zu dürfen, sind mir doch einige Güter aufgefallen, die ich hier zumindest kurz auflisten möchte. Niepoort beeindruckt – wie immer? – durch herausragende Qualität. Neben ihm am Kopfenende stand Passadouro mit drei Ports, die mir ausgesprochen gut gefallen haben, ein Tisch weiter die Weine der Familie Symington, Warre's, DOW, Quinta de Vesuvio mit außerordentlicher Qualität. Direkt ums Eck ein kleiner Erzeuger namens Duorum, aus der Reihe fallend mit mineralisch-würzigem Port sehr eigenen Stils. Weiterhin beeindruckt haben mich LBV, Silval und Noval, der Quinta do Noval mit mineralisch, eukalyptisch-kühlen Weinen mit feiner Würze und zurückhaltender Süße – ein schöner Gegenpart zu fast gezuckert wirkenden Weine, wie sie beispielsweise Andresen produziert hat.

T41, 2007, Celler Vall Llach, Per A Clos l'Asentiu, Priorat

Eigentlich heißt der Wein Tina 41. Das kann nicht darauf zurückgeführt werden, dass die Halbschwester des Chefönologen Tina heißt und schon 41 Lenze erlebt hat, nein, es ist lediglich die Fassnummer, besser gesagt die Tanknummer, in der der Grundstoff dieses Weines zusammengeschmolzen wurde. Eine Namensgebung wie bei Penfolds, wo die Weine dann BIN (Barrel Identification Number) heißen, BIN 389 zum Beispiel.

Der Wein, ich nenne ihn mal weiter Tina, wurde von den jungen Reben des Weingutes gemacht, von Grenache, von Carignan, von Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah – ein moderner Blend also, die Verbindung alter Rebsorten wie Grenache und Carignan mit den internationalen Standardrebsorten. Das geht zurück auf die Idee des Önologen Albert Costa, der nicht zuletzt bei großen australischen Gütern in die Lehre gegangen ist.

Für dieses Projekt wurde sogar ein eigenes Weingut gegründet, welches sich Clos l'Asentiu nennt und in Kooperation mit Vall Llach auf dem Etikett auftaucht. Ach ja, das Etikett. Das Etikett ist so modern gehalten wie der Wein und fällt direkt auf. Schöner wäre es gewesen, die weiße Buchstaben-Zahlen-Kombination direkt auf die Flasche zu bringen, wie es früher auf Portweinflaschen üblich war, hier ist es allerdings nur ein schwarzes, bedrucktes Papieretikett.

t41

Aber nun zu Tina. Tina wirkt ein wenig wie eine fette Ente. Hochreife dunkle Kirschen, Pflaumen und Rosinen mischen sich mit Röstnoten, Kaffee, dunkler Schokolade und etwas Lakritze. Das alles schwimmt in Alkohol. Das merkt man erst etwas später, nicht direkt im Mund, aber in der Kehle, da wirkt der Wein brandig und kann dann auch seine 15 % Vol. nicht mehr verheimlichen. Angenehm finde ich lediglich, dass Tina 41 nicht auch noch Röstholz von frischem Barrique mit sich herumschleppen muss. Aber es reicht auch so schon. Von fast allem etwas zu viel.

T41, 2007, Celler Vall Llach, Per A Clos l'Asentiu, Priorat, 14,90 Euro

Drei Weine aus dem Bierzo – 2. Cuatro Pasos 2008, Bodega Martín Codáx

02/Feb/10 11:47 kategorisiert in: Mencia, Rot, Spanien

Im gesamten Auftritt wirken die Weine der Genossenschaftskellerei Martín Codáx, deren Name auf einen galizischen Troubadour des 13. Jahrhunderts zurückgeht, deutlich gewandter als der Wein mit der Hand auf dem Etikett. Die vier Tapsen eines Bären, der wohl mal durch den Weinberg gewandert ist und seine Spuren hinterlassen hat, sind der Namensgeber für diesen Wein, Cuatro Pasos.

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Er macht viel Spaß, muss ich sagen, weil hier die Würze der Mencia hervorragend harmoniert mit der Mineralität des Schiefers und dem Duft und Geschmack roter Früchte. Obwohl mit 13,5 % mehr Alkohol als La Mano, wirkt der Wein leichter, deutlich feiner, was überrascht nach dem ersten Eindruck dieses tief violetten Tropfens. Auch dieser Wein wurde drei Monate in Barriques gesteckt, allerdings dürften diese schon etwas länger im Gebrauch sein, weniger getoastet oder nicht aus amerikanischer Eiche hergestellt sein –vermute ich mal; denn der Holzton wirkt nur schwach, gibt dem Wein aber ein gute mittelkräftige Struktur.

Cuatro Pasos 2008, Bodega Martín Codáx, ca. 7,80 Euro

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