originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Weinrallye No. 46: Feth-Wehrhof, Spätburgunder 2009 Trocken

Jetzt hätte ich doch beinahe die Weinrallye übersehen samt Thema und Datum, ich hatte das Gefühl, die letzten beiden wären gerade erst vorbei. Nun, nicht zuletzt dafür ist es ja gut, dass es Twitter gibt, dann kriegt man sowas doch noch mit.  Gastgeber der aktuellen Rallye ist das Weinreich-Blog, Ausrichter und Organisator wie immer Thomas Lippert vom Winzerblog.

Da ich eh gerade dabei war, ein Portrait des oben angekündigten Winzers zu schreiben, schaffe ich es spontan, von ihm einen seiner Gutsweine gesondert zu präsentieren, nämlich einen der schönsten neu entdeckten Brot- und Butter-Weine die ich in der letzten Zeit entdeckt habe. Es ist der 2009er Spätburgunder trocken vom Weingut Wehrhof in Worm-Pfeddersheim. Dieser alteingesessene Betrieb ist vor wenigen Monaten vom bisherigen, jungen Betriebsleiter Florian Feth übernommen worden und wird in der Mitte des Jahres mit dem Betrieb des Vaters, dem Weingut Feth in Flörsheim-Dalsheim verschmolzen.

Florian Feth führt im Wehrhof die Linie fort, die sein Vater schon in den ausgehenden Achtzigern begonnen hat. Er setzt auf Bio-Dynamie im Weinberg und entsprechende Arbeit im Keller. Während seine eigene Edition F schon seit Jahren aus entsprechend angebauten Reben erzeugt wird, befinden sich die restlichen Lagen noch in Umstellung Richtung Demeter.

Was mich bei Florian Feths Weinen vor allem beeindruckt, sind seine Rotweine, und ein Paradebeispiel dafür ist der Guts-Spätburgunder aus dem Pfeddersheimer Hochberg. Diesen gibt es ab Gut für sage und schreibe 6.50 Euro und optisch wirkt er so, als habe man eine Flasche aus einem Supermarktregal entwendet. Und doch ist es vielleicht der beste Pinot, den ich bisher unterhalb der 10 Euro-Grenze getrunken habe.

Ein ganz leichter Holzton schwingt in diesem Wein und untermalt den Früchtekorb von roten Beeren. Dabei finde ich es zum Einen sehr angenehm, dass einem diese Früchte nicht direkt aus dem Glas entgegen springen und zum Anderen, dass diese Früchte nicht von dieser typischen, meist etwas platten, alles überlagernden Erdbeer-Aromatik dominiert werden. In das Gesamtbild mischt sich eine feine Schokoladennote und ein ebenso gut eingebundene pfeffrige Würze. Am Gaumen beeindrucken die schön runden Tannine ebenso wie die Kraft und Länge. Wie gesagt, ich rede hier immer noch über einen Wein, der unter 7 Euro verkauft wird. Aber er könnte auch das Doppelte kosten und auch in dieser Preislage würde ich so einige Weine für diesen hier stehen lassen, denn es gibt auch in diesem Segment allzu viele Weine, die an die hier gebotene Finesse und Balance nicht heranreichen.

Ich bin also mehr als begeistert und wenn das kein Brot- und Butter-Wein ist, den man sich – ich zitiere einen typischen Spruch von Robert Mittelinitial Parker – kistenweise in den Keller legen sollte, weiss ich es auch nicht. "Great Value for Money!!"

In Kürze wird es zu Florian Feth und seiner Edition F noch einige Sätze mehr geben.

l’Heravi 2010, Vinyes d’en Gabriel, Montsant

26/Mai/11 22:07 kategorisiert in: Bioweine, Carignan, Grenache / Garnacha, Rot, Spanien, Syrah / Shiraz

Als Einstimmung auf ein morgen anstehende Montsant- und Priorat-Probe habe ich mir heute Abend mal den jüngsten Wein der Runde eingeschenkt. Einen l’Heravi 2010 von Vinyes d’en Gabriel im Montsant. Dieses Weinbaugebiet ist durchaus spannend, nicht nur hat es durchaus viel vom Priorat – es schließt sich praktisch wie eine Schnalle um dieses deutlichbekanntere Gebiet – man findet dort auch eine ganze Menge an Weinen, die ein wesentlich besseres Preis-Genuss-Verhältnis besitzen. Drei Bodentypen herrschen in diesem Gebiet, das früher »Falset« genannt wurde vor: Kalkböden mit Kies, Granit-Sandgemische und Schiefer, ähnlich wie im Priorat, im Katalanischen Licorella genannt. Die Weinberge, häufig ganz urtümliche, alte Bestockungen liegen zwischen 200 und 700 Meter Meereshöhe. Auch hier wurde ein ganz erheblicher Teil der Weinberge rekultiviert, als im Priorat das Renomée stieg und auch der Preis und irgendwann die besten Lagen vergeben waren. Ähnlich wie im Priorat hat es sich lange Zeit nicht gelohnt, die Weinberge zu bewirtschaften weil den Wein keiner haben wollte bzw. keine adäquaten Preise gezahlt wurden. Mancher Moselwinzer mit Steillagen kann davon ein Lied singen.

Das Weingut Vinyes d’en Gabriel hat eine durchaus lange Tradition. Im 19. Jhd. gründete Joan Rofes das Gut. Heute, Generationen später bewirtschaftet Josep Maria Anguera Ansens die Weingärten nach biodynamischen Methoden, er ist noch nicht zertifiziert, er befindet sich in Konversion. Was er kann, mag ich noch nicht abschliessend beurteilen denn morgen werde ich zwei weitere Weine probieren.

Der junge 2010er jedenfalls beeindruckt mich auf jeden Fall. Ich habe den Wein am Dienstag geöffnet und ins Glas floss eine dichte, dunkle, violette Flüssigkeit, der ein frischer Duft von Cassis entströmte. Natürlich wurde der Wein von seiner Frucht dominiert, wie sollte es anders sein nach relativ kurzem Ausbau im Stahltank? Wer aber denkt, er hätte hier lediglich einen kurzlebigen Spaßwein im Glas, der irrt. Spaß macht er, aber auch heute, am dritten Abend ist der Wein absolut balanciert und stabil. Natürlich überwiegt die Cassis-Frucht deutlich, aber genauso finde ich eine Palette an Gewürzen. Vor allem aber sticht die Frische und Kühle hervor. Hier ist Mineralität drin. Der Wein bleibt dicht und ungewöhnlich lang. Wir reden hier von einem frischen Wein für 7.50 Euro. Wir reden aber auch von einem Wein, dessen Trauben von Rebstöcken stammen, die bis zu 40 Jahre alt sind. Das merkt man und die Qualität dieser Cuvée aus Carignan, Grenache und Syrah ist wirklich sehr gut.

 

Weinrallye No. 45: The Dead Arm Shiraz 1999

22/Mai/11 12:00 kategorisiert in: Rot, Australien, Rotweine, Syrah / Shiraz, Weinrallye

Wenn ich an Australien denke, bin ich immer ein wenig hin- und hergerissen. Einerseits waren die ersten Penfolds, die ich Anfang der Neunziger in Köln gekauft habe, mehrere Flaschen BIN 389, sehr schöne Weine, damals mit knapp über 20 DM das Ultimo für einen, der ebenfalls knapp über 20 war. Aber das hat sich gelohnt, das waren gute Weinerfahrungen, und gut gehalten haben sich die Weine auch, die heute glaube ich so um die 40 Euro kosten. Damals, oder etwas später gab es Wynns und Tatachilla bei Jacques Weindepot. Auch das waren gute Weine, nicht zu dicht, nicht zu marmeladig, mir haben die damals wirklich gut gefallen. Andererseits, und da komme ich wieder auf das Hin- und Hergerissene zurück, gab es dann ein paar Jahre, wo man nur noch diesen ganzen Koonunga Hill-ähnlichen Krempel fand. Zugeholzten Chardonnay der einem Gaumen beleidigt, fette Shiraz und Cabernets wie Fruchtlikör. Lindemanns, Rousemount, Penfolds. Massenware, gut im Markt plaziert, relativ teuer. Nee, das war nix für mich.

Der erste Wein, den ich neben altbekanntem, hervorragendem Wynns dann mal wieder ausprobiert habe, war The Stump Jump und The Love Grass von d’Arenberg.

So stammt der Wein der Weinrallye No. 45 aus selbigem Hause. Es ist die einzige Flasche 1999er The Dead Arm Shiraz, die ich besitze. Der Wein, der diesen Shiraz als Doppel begleiten sollte und von dem wir schon vermuteten, dass er nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit sein würde, ein 1974er Duhart-Milon-Rothschild, hat diese Erwartungen voll und ganz erfüllt. Ein muffiges Etwas, dass nach kurzem Luftkontakt nicht mehr bietet als die Farbe und den Geruch von Rost. Die Weinrallye 45 übrigens wird von Drunken Monday präsentiert. Ausrichter und G.O. ist, wie immer Thomas Lippert vom Winzerblog.

D’Arenberg und die Familie Osborn gehören mit zu den alteingesessenen Weinbauern im Mc Laren Vale. Joseph Osborn hat im Jahr 1912 die ersten 25 Hektar im Tal gekauft, sein Sohn Frank, eigentlich Arzt, hat den Besitz um weitere 53 Hektar erweitert. Zunächst hat er Fassware verkauft, dann trockenen Rotwein und Portwein nach Europa. Dessen Sohn Francis wiederum musste seinem Vater schon früh zur Hand gehen und nach dessem frühen Tod das Weingut übernehmen. Francis, genannt d’Arry, entschied sich, seinen Wein unter dem eigenem Label d’Arenberg, dem Nachnamen seiner Mutter zu verkaufen. Innerhalb von 20 Jahren hat er aus dem Betrieb eine national sehr beachtete Marke gemacht, international waren die Weine von Down Under in den Siezigern praktisch unbekannt.

Der heutige Chief Winemaker ist Chester d’Arenberg Osborn (hier links), der sein Handwerk von Kindesbeinen an bei seinem Vater d’Arry (hier rechts) gelernt hat, der wiederum immer noch im Betrieb mitarbeitet. Nach Abschluss der Schule ist er einige Jahre durch verschiedene andere Betriebe in Australien und Europa getingelt, wie man das so macht, wenn man gut werden will, und setzt sein Konzept vom Weinmachen seit 1984 zu Hause um. Dieses Konzept ist sehr klar: traditionelle Weinbereitung und Weinbergsarbeit. Keine chemische Düngung, geringe Erträge, extensive Bodenbewirtschaftung. Sämtliche Weine werden mit alten Korbpressen gepresst. Die Pressen, mit denen The Dead Arm Shiraz aus den über hundert Jahre alten Weinstöcken gepresst wurde, eine Coq und eine Tregoning, stammen selber aus dem 19. Jahrhundert. Selbst die offene Fermentation und das Bearbeiten der Maische mit den Füßen wird hier für die teuren Weine des Hauses noch angewandt. Erstaunlich, bei einem doch relativ großen Betrieb. Wenn man dagegen in die kilometerlangen unterirdischen Fabrikhallen von Penfolds schaut, erlebt man praktisch einen Kulturschock.

Was ich bei übrigens bei d’Arenberg neben den Weinen mag, ist das Marketing, die Aufmachung, die immer wiederkehrende rote Schürze und die prägnanten Namen: The Dead Arm, The Olive Grove, The Broken Fishplate, The Lucky Lizard oder The Laughin' Magpie.

Der Name The Dead Arm stammt von einer Pilzkrankheit, der Eutypa Lata, die dafür sorgt, das Arme des Weinstocks langsam absterben. Nicht so bei den unverwüstlichen alten Stöcken, die für diesen Wein genutzt werden. Wie gesagt, über hundert Jahre alt sind die Shiraz-Rebstöcke, deren Trauben nach mehrfacher Handlese in alten Korbpressen langsam gepresst werden und 22 Monate lang in neue französische und amerikanische Eiche wandern. Nach der Abfüllung darf man dem Wein glaube ich genau so viel Zeit gönnen, wie ich es jetzt getan habe. Da die Lese zwischen Februar und April stattgefunden hat ist der Wein jetzt exakt 12 Jahre alt, und entsprechend angenehm rund und mürbe sind die Tannine.

Es ist ein dunkelroter, tiefer Wein, dem die weiße Alterungsrandzone noch fast völlig fehlt, allerdings ist das Shiraz-Violette auch nicht mehr vorhanden. Auch in der Nase finden sich nur noch wenig Primäraromen, mehr gereiftes Holz, Zedernholz, ein süßer Kern, gekochte Früchte und schwarze Schoki, also die ohne viel Zucker. Schon die Nase zeigt eine gewisse Eleganz, und eine Bouquet, das mich gar nicht an Shiraz denken lässt. Im Mund setzt sich das fort. Ich denke eher an Bordeaux-Blends aus Kalifornien. Ja, elegant ist der Wein auch am Gaumen, zeigt eine schöne Präsenz, ist fein und dicht gewebt, die 14.5% Alkohol merkt man nicht, tragen vielleicht höchstens zur Süße bei. Hinter den dunkeln Beerenaromen macht sich wieder dunkle Schokolade breit, dazu ein Eukalyptuston, der sich in australischen Weinen ja auch durchaus häufiger zeigt. Eigentlich stimmt hier alles, die Breite und Länge, die Frische. Und doch sind wir nicht wirklich begeistert. Irgendwas fehlt ihm an Charakter, vielleicht wirkt er etwas zu rund, zu abgeschliffen die Ecken und Kanten? Ich bin mir nicht sicher. Am zweiten Tag probiere ich den Wein zu einem Steak vom Charolais-Rind. Das passt ausgezeichnet.

Der Korken übrigens ist ein Relikt aus vergangenen Tagen. Die Australier waren früh dran mit Schraubverschlüssen. Mittlerweile nehmen sie sie auch für die großen Weine, The Dead Arm, Penfolds Grange, Mitolo…

 

Artikel No. 500: Ein bunter Strauß ungewöhnlicher Weine

Zufälliger Weise ist das nun das Posting No. 500. Nach etwas über vier Jahren. Da kommt ja doch was zusammen. Statt groß zu feiern mache ich das, wozu dieses Blog da ist und resümmiere mal den letzten Weinabend unserer Bonner Runde.

Hatten wir bisher meist klar umrissene Gebiete oder Sorten als Themen des Abends, war es diesmal anders. Es war so etwas wie eine Best-Bottle-Party, eigentlich aber eher nach dem Motto "Ich hole mal die Dinge aus dem Keller die ich immer mal mit anderen zusammen probieren wollte". So war bei diesem Abend nicht entscheidend, wer jetzt die rarste und teuerste Flasche aus den Tiefen des Kellers hervorgezaubert hat, angenehmer Weise wird hier eh nicht um die Position des Alphatier-Weinkenners und -sammlers gerungen, viel interessanter war die Bandbreite ungewöhnlicher Weine, die jeder beizusteuern hatte.

Ich selber habe zu diesem Abend einen süßen Champagner, und mit süß meine ich süß, von Fleury beigesteuert und die einzige Flasche Niepoort Redoma 1996, die ich hatte. Aber dazu später mehr.

 

Vorspiel
Begonnen haben wir, nachdem klar war, wer in die zweite Liga absteigen würde und wer noch eine Chance hat, drin zu bleiben. Begonnen haben wir mit einem Wein ausser der Reihe, einem Aperitiv des Gastgebers, genau so blind eingeschenkt wie die restlichen Weine des Abends.

Woran denke ich, wenn der Wein nach Traminer riecht aber nicht unbedingt danach schmeckt? Wenn er eher nach Riesling schmeckt, aber auch nicht so richtig? Ich denke dann immer an den Cöllner Rosenberg, auf dem der gemischte Satz (Riesling und Traminer) des Weinguts Hahnmühle steht. Ich hatte den 2010er gerade eine Woche vorher noch vor Ort probiert und das war meine Idee, die ich zu dem Wein im Glas hatte. Das Elsaß fällt mir noch als Alternativursprungsort zum Alsenztal ein, doch ich liege falsch. Was hier so frisch und kräutrig, mit angenehmer Holunderblütennoten daher kommt ist ein blitzsauberer trockener Muskateller 2009 der Familie Rebholz, Pfalz also, sehr ansprechend.

 

Erstes Doppel
Ernst wurde es mit dem ersten Gedeck, zwei Weiße nebeneinander und grundverschieden. Im linken Glas findet sich ein Wein mit leichten Petrolnoten, Riesling, ziemlich klar, zunächst denke ich an Mosel, doch nur im ersten Moment, dann wandere ich gedanklich weiter Richtung Nahe, Pfalz… Ins Elsass gelange ich nicht auf meiner imaginären Wanderung, doch da hätte ich hingemusst um den Wein zu verorten, den ich zwei Stunden vorher noch mit Matthias von Chez Matze aus dem Weinbunker geholt hatte. Der Wein schmeckt entschieden deutsch, nicht elsässisch, er schmeckt auch gut, aber nicht hervorragend, hat Charakter, aber zu wenig momentan, zu wenig für einen Schlossberg Grand Cru 2005 von Albert Mann. Auf mich wirkt er verschlossen, ich kenne ihn anders, feiner, subtiler, mit mehr Substanz. Das ändert sich übrigens auch nicht zum Schluss der langen Runde, als ich mir den Wein noch mal still und heimlich vornehme. Nein, das ist nicht seine beste Zeit.

Dem gegenüber steht ein Oak-Monster, ein Wein der sich erst einmal durch eine große Ladung Rösteiche zwingen muss, damit man ihn überhaupt wahr nimmt. Wer macht solche Weine, wo könnte er entstanden sein? Die erste Idee am Tisch ist Burgund, ich kenne auch solche Veltliner, aber ein Veltliner ist es nicht, Weißburgunder aus der Pfalz kommt dem am Nächsten, was ich im Glas erahne aber das fehlt die spezielle Crèmigkeit. Gelbe Früchte finde ich, aber nicht die des Chardonnay, etwas Marzipan, ein wenig Crème…

Knipser, Gelber Orleans, Drei Sterne

Es ist jedenfalls definitv eine Rebsorte, die nicht allzu deutlich mit eigenen Aromen glänzt, vielmehr Geschmackträger, Geschmacksverweber ist, das ist den Knipsers schon klar, deshalb stecken sie ihn ins Holz, in zu viel Holz, wie ich finde. Als Rebsorte führt das, was wir im Glas haben ein absolutes Nischendasein. Ein Gelber Orléans *** 2005 vom Weingut Knipser. Der Orléans ist aus den hiesigen Weingärten übrigens fast komplett verschwunden, früher wurde er im gemischten Satz angebaut, vornehmlich mit Traminer, Riesling und Heunisch baut ihn meines Wissens nur Knipser in der Pfalz und Georg Breuer im Rheingau an. Vor wenigen Jahren wurden am Kloster Disibodenberg beim Weingut von Racknitz einige uralte Rebstöcke gefunden, fünf davon sind Orléans, über 500 Jahre alt.

 

Zweites Doppel
Im zweiten Flight standen sich zwei Weine gegenüber, die ziemlich rebsortentypisch zu sein schienen, zumindest dachten wir das für den ersten Wein, der alle Charakteristiken eines reinsortigen Sauvignon Blanc aufweisen konnte. Beim zweiten Wein waren wir uns nicht ganz sicher, ich selbst habe auf Chenin Blanc von der Loire getippt und durfte Recht behalten. doch von vorne.

Was fällt einem dazu ein wenn man einen hellen Weißwein im Glas hat, der realtiv klar nach Stachelbeeren und Johannisbeere duftet und zudem leicht kräutrig wirkt?

Das muss doch entweder ein Sauvignon Blanc sein oder ein Grüner Veltliner aus dem Artikel von Captain Cork, also einer, wie wir uns ihn eigentlich nicht wünschen. Der Wein schmeckt nicht nach Sancerre, dafür ist er nicht trocken genug und ihm fehlen Kalk und Silex, nach Österreich schmeckt er nicht, dafür ist er nicht wuchtig genug, Deutschland könnte sein, aber die meisten hier haben etwas mehr Restzucker. Neuseeland, zumindest die älteren Jahrgänge wird es auch nicht sein, dafür ist er nicht exotisch genug. Ich tippe für mich auf Trentino oder Alto Adige, bin mir aber lediglich in der Rebsorte sicher – und scheitere. Wir haben etwas ganz Anderes im Glas. Einen Wein von einem Weingut, dessen Chenin Blancs ich früher mochte (ich habe hier mal einen vorgestellt). Das, was ich nun probieren muss, erschüttert mich. Ok, es erschüttert mich nicht wirklich, wir wissen mittlerweile zu viel von Aromahefen, Kaltvergärung und dem Zusammenspiel der Kräfte im Weinkeller wenn man einen Wein "machen" will. Aber es sollte erschüttern. Dieser Wein hier wurde gemacht. Das ist kein Chenin Blanc im eigentlichen Sinne. Das ist Chenin Blanc, der auch Grüner Veltliner sein könnte, der auch Sauvignon Blanc ist. Ein Wein also, den die Welt nicht braucht und bei dem ich mich frage: Wozu in aller Welt machen die das? Ja, ersthaft. Wozu? Warum machen die nicht Chenin Blanc der nach Chenin Blanc schmeckt und Sauvignon Blanc der nach Sauvignon Blanc schmeckt? Beides ist in Südafrika sehr gut möglich, auf sehr gutem Niveau. So viel also zum Chenin Blanc 2009 Vineyard Selection, Kleine Zalze.

Den zweiten Wein habe ich vor nicht allzu langer Zeit schon mal getrunken, als Absacker gewissermaßen, als Schlusspunkt einer Cabernet Franc Verkostung. Und auch wenn die teils noch zu jungen Cabernets richtig Spaß gemacht haben, zum Schluss einen Chenin zu trinken ist eben ein i-Tüpfelchen. Der Wein hat mir damals gefallen, mit einer klaren Einschränkung, die ich ich hier nur bestätigen kann. Der Jahrgang leidet an zu viel Alkohol, wirkt etwas brandig hinten raus, etwas matt. Das ist eine Klage auf hohem Niveau, ich gebe es zu, aber es ist ehrlich. Der 2006er L’Enclos, Savennières von Eric Morgat ist expressiv, dicht, voll reifer Birnenfrüchte und ein wenig Banane, mit Anklängen von Nüssen und gut eingebundenem Holz, dazu kommt ein wenig Bitterorange, das mag ich.

 

Drittes Doppel
Was uns nun im dritten Doppel aus dem Glas entgegen strömte, das mochte ich auch, und zwar beides.

Das erst Glas war, was die Rebsorte anging erstaunlich schnell und präzise erraten, da gab es praktisch keine Diskussion. Cabernet Franc sollte es sein. Mit ziemlicher Sicherheit reinsortig. Die Art der Würze, die roten Paprika, die Säure, das Zusammenspiel der Komponenten macht uns sicher. Doch was heisst das schon nach der Pleite mit dem südafrikanischen Chenin? Und was macht die Note von nasser Pappe, der Brotteig, die Schokonote in diesem Wein? Matthias tippt auf Merlot als Beimischung, letztlich ist es aber Südafrika als Beimischung. Es ist ein 2005er (schon der dritte 2005er) Cabernet Franc von Buitenverwachting. Buitenverwachting verfügt nicht nur über eines der schönsten Häuser in diesem Landstrich, einem historischen Kleinod, es ist auch meiner Ansicht nach eines der beständigsten Weingüter dort, die Cuvée Christine mag ich immer wieder gerne, aber auch die reinsortigen Weine können sich sehen lassen, wie eben auch der Cabernet Franc, eine Seltenheit am Kap. Ach, und übrigens, warum soll der Wein nicht auch einen Anteil Merlot enthalten? Schließlich dürfen dem Wein undeklariert 15% weitere Rebsorten beigemischt werden, das Gesetz erlaubt es.

Dem Cabernet Franc zur Seite gestellt hat der Hausherr einen Wein, dessen Provinienz deutlich schwerer zu erraten war. Ein trüber Wein, süß in der Nase, etwas dumpf, matt, dazu etwas, was Matthias als Schiefernote identifiziert hat, "so was wie Faugères", meinte er, "so was wie Mas de Daumas Gassac". Der Wein dreht erst richtig am Gaumen auf. Ein Wechselspiel zwischen Fruchtsüße und klarer Säure, einer inneres Messen ob Frucht oder Säure bei der Sauerkirsche überwiegt. Mineralität ist im Spiel, etwas Hitze. Es ist definitiv ein südlicher Wein und da ich weiss, was ich mitgebracht habe bin ich mir ziemlich sicher, was im Glas ist und halte die Klappe. Irgendwann wird dann doch aufgedeckt und wir sind uns so ziemlich alle einig, auch später, dass dieser 1996er Redoma von Dirk van de Niepoort der Rotwein des Abends ist. Viel Struktur, viel Charakter findet sich in diesem Wein, dessen autochthone Rebsorten auf den Schieferböden des Dourotals wachsen. Lediglich der Abgang ist ein wenig kurz geraten, aber das frustriert nicht wirklich, es ist lediglich ein wenig Schade, denn von einem schönen Wein will man ja immer gerne noch mehr.

Stattdessen kommt es zur dritten Rotwein-Paarung mit zwei ganz unterschiedlichen Typen.

 

Viertes Doppel
Der erste Wein ist ähnlich unfiltriert wie der letzte Wein und, später kommt es heraus, aus dem gleichen Jahrgang 1996. Zunächst denke ich an Syrah, er hat so was Teeriges in der Nase, die helle Farbe passt aber gar nicht. Zum Teer kommt dann noch etwas gekocht Gemüsiges dazu. Der Sexappeal des Weines hält sich zunächst in Grenzen. Das Mundgefühl allerdings ist dann ein Pinotgefühl. Ein Rest aus dem Himbeer-Erdbeer-Früchtekorb ist noch da, Würze, Liebstöckel und zum Schluss ein abgebranntes Streichholz. Das alles ist sehr harmonisch zusammengefügt, mit viel Kraft, Struktur und ordentlichem Tannin. Gealterter Pinot nach meinem Geschmack. Es ist, voilà, ein 1996er Chambolle-Musigny, eine Dorflage von Hubert Lignier. Lignier gehörte in den 80ern und 90ern zu den sehr renommierten Winzern, auch wenn er seinen Besitz in Morey St. Denis hat, und nicht in der bekannteren Nachbargemeinde Gevrey-Chambertin. In den 90er Jahren hat seinen Sohn dann zunehmend die Leitung übernommen und die beiden haben eine Betriebsgesellschaft gegründet. Dann verstarb sein Sohn an einem Hirntumor und Hubert und seine Schwiegertochter können nicht miteinander. Die Folge ist, dass Lignier heute nicht einmal mal mehr in seinen eigenen Keller kommt.

Noch deutlich bekannter als Lignier ist der Schöpfer, der Macher des zweiten Weins. Ich habe kürzlich über das Weingut geschrieben, weil ich eine wirklich geniale Flasche von ihm aufmachen durfte. Diese hier, noch verdeckt, ich habe noch keine Ahnung, was hinter diesem Wein steht, macht mich nicht so an. Der Wein ist dicht und dunkel, massiv beerig, mit einem Hauch von Eukalyptus und Lakritze. Leider ist der Wein allerdings auch etwas bitter, und zwar hat es die Bitterkeit, die man nicht haben möchte. Der Wein wirkt wie einer aus Übersee, im Gegensatz zu dem, den ich vor Kurzem im Glas hatte. Wir probieren gerade einen 2002er Dominus von Christian Moueix. Sicherlich ein sher gut gemachter Wein, der aber bei mir gerade im direkten Vergleich zum Lignier keine Chance hat.

 

Interludium
Als intellektuelles Zwischenspiel und auch, um die Zungen ein wenig zu beruhigen, plöppt wenig später der Korken und Schaumwein ist angesagt. Nach dem ersten Schnuppern ist klar: Das ist Champagne. Diese Briochenoten, das leicht Kalkige, leicht Kräutrige kann nur Champagne sein. All dies setzt sich am Gaumen fort, dann aber kommt die Überraschung. Eine ungeahnte, in der Nase nicht präsente Süße macht sich breit. Was ich hier ins Feld werfe ist ein 1995er Fleury Doux. Ein Champagner mit 53 Gramm Restzucker. Das ist man heute gar nicht mehr gewohnt. Ich selber liebe Champagner gänzlich ohne Dosage, der Stoff hier hat richtig viel, ohne allerdings im Geringsten aufdringlich zu wirken. Die 53 Gramm jedenfalls hätte niemand getippt, es wirkt eher wie ein wenig mehr als Demi-Sec. Das ist schon gekonnt, hat Fleury doch den Säuregrad exakt abgepasst, damit es passt. Fleury ist übrigens momentan der Einzige, den ich als Produzenten kenne, der solche Champagner noch herstellt.

 

Fünftes Doppel
Kommen wir nach trockenen Weißweinen und Rotweinen zum dritten Teil des Abends, den Süßweinen.

Wer sich durch den Werkstattgeruch beim St. Urbanshof durchgearbeitet hat, landet eigentlich immer bei einem schönen Wein. Diese Erfahrung habe ich zumindest bisher gemacht, und das ist auch bei diesem 2002er Kabinett aus Wiltinger Schlangengraben nicht anders. Leicht, fein mit noch frischem Apfel und feiner Säure. Mosel, wie ich sie liebe.

Im direkten Vergleich wirkt der zweite Wein dagegen massiver, dichter, tropischer. Leider mit einem kleinen Korkgeruch, der den Wein aber glücklicher Weise nicht all zu stark behindert. Der Wein besitzt viel Restzucker und zu wenig Säure, im Mund verdichten sich die tropischen Früchte, hinzu kommt eine leichte Schwarzteenote und hinten raus eine Bitternote, die aber allgemein nicht als Fehler oder als störend empfunden wird. Es ist eher so eine Bitternote aus einer englischen Orangenmarmelade – mit entsprechender Süße. Wie gesagt, die Säure fehlt und macht den Wein etwas fruchtsaftig. Dass es sich hier um eine 1993er Spätlese handelt, hätten wir allerdings nicht gedacht. 1993er Bopparder Hamm Ohlenberg von Weingart. Unten auf dem Etikett taucht schon der Name Florian Weingart auf, die großen Lettern verweisen jedoch auf den Vater Adolf Weingart.

Sechstes Doppel
Auch der nächste Wein ist einer, der so wirkt, als habe man einen exotischen Früchtekorb gepresst. Litchi, Mango, noch mal Mango, Papaya und was sonst noch alles drin sein mag. Das ist Huxel, denke ich, liege jedoch falsch. Es ist Silvaner, in Auslesequalität. Das war klar, so konzentriert kommt der Wein daher. Allerdings fehlt diesem noch leicht moussierenden Stück aus der Horst Sauerschen 0,5er-Flasche doch ein wenig die Säure. Das ist Schade, ein mehr davon wäre perfekt gewesen. Andererseits, diese 2007er  Silvaner Auslese aus dem Escherndorfer Lump ist für relativ kleines Geld zu haben und dafür macht sie richtig Spaß.

Was neben diesem Silvaner steht, wirkt davon meilenweit entfernt, statt wenige Zentimeter. Ein bernsteinfarbenes Extrakt, Orange- und Brauntöne mischen sich wie kürzlich erst beschrieben beim Genuss der 1994er Rieslaner Eselshaut-Auslese von Müller-Cartoir. Auch da war Matthias dabei und er denkt dasselbe. Etwas Steinobstfrucht noch in der Nase, vermischt mit Schwarzteesud, Kramellkeks kommt dazu und schon in der Nase erahnt man Säure. Am Gaumen gibt es dann jede Menge davon. Heftig. Was die Säure angeht, könnte diese Beerenauslese noch lange liegen blieben. Ob dann noch Frucht vorhanden sein wird mag bezweifelt werden. Ein Erlebnis ist es auf jeden Fall, mit solch einem Wein konfrontiert zu werden, mit einer 1996er Traiser Beerenauslese Riesling vom Weingut Crusius.

Nachlauf
Noch etwas? Ja, noch etwas. Bevor es Zeit wird, zu gehen, nach dem Säureschock der Beerenauslese kommt noch etwas sehr Süßes hinterher. Süßlich wie der Gewinnersong des ESC, der weit entfernt am anderen des Raumes vor sich hindudelt und dessen Verlauf wir mit halbem Auge verfolgt haben.

Was die Farbe von Sauternes hat und zunächst auch ähnlich in der Nase wirkt, die Fruchtnoten sind da, die Kaffenoten, gleitet bei zunehmender Vermischung mit Sauerstoff ins Alkoholische, etwas Acetonische ab. Am Gaumen bleibt der Alkohol präsent. Dazu kommt die oben schon genannte bittere Orangenmarmelade und noch ein wenig Exotik. Der Wein ist definitiv zu jung, noch unausgewogen. Kein wunder, wir haben einen 2009er Chenin Blanc im Glas. Noch mal Südafrika, diesmal Joostenberg.

 

Jetzt ist die Zunge müde, aber das Fazit ist sehr positiv. Auch wenn sich über einige Weine trefflich streiten ließ, oder vielleicht gerade deshalb, mag ich solch verdeckte runden in denen sich jeder auf’s Glatteis begeben muss und manchmal fällt. Ach ja, wir hatten zwei Gäste am Tisch, die wussten im Vorfeld gar nicht, was sie erwartet und schauten uns nur immer wieder staunend an, ob der Hingabe, mit der wir uns unserem Thema gewidmet haben. Ob sie wohl noch mal dazu stoßen würden, nach dieser Erfahrung? Wer weiss…

Die Weine im Überblick:
2009er Muskateller, trocken, Weingut Rebholz, Pfalz
2005er Schlossberg Grand Cru Riesling, Domaine Albert Mann, Elsass
2005er Gelber Orleans ***, Weingut Knipser, Pfalz
2009er Chenin Blanc Vineyard Selection, Kleine Zalze, Südafrika
2006er l’Enclos, Eric Morgat, Savennières
2005er Cabernet Franc, Buitenverwachting, Stellenbosch
1996er Redoma, Niepoort, Douro
1996er Chambolle-Musigny, Hubert Lignier, Bourgogne
2002er Dominus, Christian Moueix, Napa Valley
1995er Champagne Doux, Fleury Père & Fils, Champagne
2002er Wiltinger Schlangengraben Riesling Kabinett, St. Urbanshof, Mosel
1993er Riesling Spätlese Bopparder Hamm Ohlenberg, Adolf Weingart, Mittelrhein
2007er Silvaner Escherndorfer Lump Auslese, Horst Sauer, Franken
1996er Traiser Riesling Beerenauslese, Weingut Crusius, Nahe
2009er Chenin Blanc, Joostenberg, Südafrika

Weinrallye No. 44 – Die Zusammenfassung

16/Mai/11 20:12 kategorisiert in: Rot, Frankreich, Weinrallye, Weiss, Frankreich

Bevor auf drunkenmonday die Weinrallye No. 45 zum Thema Reifer Wein startet, möchte ich doch gerne jene Weinrallye  zusammenfassen, die ich zu geben die Ehre hatte. Auch wenn sich nicht alle, die sich im Vorfeld in der Facebook-Gruppe für Teilnahme entschieden hatten, tatsächlich teilnehmen konnten, gibt es doch eine stattliche Anzahl von 31 Artikeln, die das Thema »Die Rhône – der Fluss, der Wein, die Winzer« von ganz unterschiedlichen Seiten aus beleuchtet haben.

Matthias, einer der ziemlich neuen Blogger in dieser Runde, aber einer, der ausgesprochen regelmäßig, kurzweilig und gut informiert unter Chez Matze über Genussfreude, Weine und vor allem auch die Menschen dahinter schreibt, hat seinen Artikel als erster ins Rennen geworfen, pünktlich um kurz nach Null Uhr. Er hat einen ganz persönlichen Ansatz gewählt, eigentlich so etwas wie sein Weinerweckungserlebnis notiert mit einem Wein, dem er heute, »mehrere tausend Flaschen« später wohl kaum Beachtung schenken würde, damals aber eine ganze Leidenschaft ausgelöst hat. Ich kann das sehr gut nachvollziehen wenn ich an meinen ersten bewussten Kontakt mit Wein zurückdenke.

 

Peter Züllig, Vielreisender und Vielschreiber in Sachen Wein, nicht zuletzt durch seine Artikel bei Wein Plus jedem Weinliebhaber ein Begriff, schreibt als Gastautor ebenfalls sehr persönlich über die Rhône. Unter dem Titel »Universität, Kühltürme und traditionsbewusste Winzer« bricht er eine Lanze für die Université du Vin, einem Ort, der »einzigartig ist in seiner Offenheit, Kultur, Handel, Gastronomie und Önologie«, er schreibt genauso über den nahe gelegenen blinden Fleck in dieser Landschaft, das Atomkraftwerk Tricastin und die Mahnung zum sorgfältigen Umgang mit dieser Technik in einer so einzigartigen Kulturlandschaft.

Einen ganz weit über die Landschaft schweifenden Blick findet sich in den drei Artikeln bei baccantus. Neben einem Text über das Gut Camille Cayran, einer Domaine in der AOC Cairanne nimmt uns Gernod Freund mit auf eine persönliche Reise durch das Gebiet, die auch zu jenem Winzer führt, dessen Wein La Petite Ourse ich später am Tag noch mal aufgreife. Sehr schön und lesenswert ist ebenfalls der Baccantus-Artikel »Die Rhône – ein weites Feld, ein langer Fluss«, der ebenso einen Überblick über Lagen, Böden und Besonderheiten der verschiedenen Appellationen gibt wie der Artikel von Generation Wein, der dem Flusslauf folgt, hierhin und dorthin abschweift und neben Informationen zum Fluss, zum Wein und dessen Appellationen immer auch einige interessante Beispielweine der Gebiete erläutert.

 

Einige spannende Decouvertes, Entdeckungen finden sich in den Artikeln des Blogs von K&M Gutsweine. Bernd Klingenbrunn erläutert sehr ausführlich seine 2011er Reise in das Gebiet, schreibt über Winzer und Weine, unter anderem auch über Saint Jean du Barroux und seinen Winzer Phillip Gimel, dessen La Pierre Noire ich der Brise Cailloux von Matthieu Barret gegenüberstelle um noch mal aufzuzeigen, wie unterschiedlich die Weine der beiden Gebiete doch grundsätzlich sind.

 

Kommen wir also zu jenen Artikeln und jenen Blogs, bei denen ganz konkret genossene Weine im Vordergrund stehen. Robert schreibt auf dem von mir sehr verehrten Blog Lamia Cucina – man sollte dieses Blog einfach mal zum Spaß und dann hoffentlich zum Ernst per RSS abonnieren, der Mann veröffentlicht praktisch jeden Tag einen guten Artikel – über Kochwein, Alltagswein und einen edleren Tropfen aus dem Gigondas. Der Kochkurs Köln widmet sich ebenfalls der südlichen Rhône, holt einen gereiften raren weißen Châteauneuf-du-Pape aus dem Keller und ist verwundert. Auch Bolli’s Kitchen widmet sich einem Wein der südlichen Rhône, genauer gesagt aus dem Ventoux – und schickt den Artikel dazu direkt aus dem Herzen des Luberon. Ebenfalls einem Ventoux widmet sich das Blog Cucina Casalinga, nicht zuletzt durch klare Beeinflussung von Bolli’s Kitchen.

Keine Verkostungsmühen scheut Thomas Günther von weinverkostungen.de, der einen einfachen Côtes du Rhône einer Dorflage gegenüber stellt, einem Rasteau von Ogier. Den nächsten Côtes du Rhône Villages, einen Plan de Dieu finden wir bei Noch’n Weinblog, den nächsten, einen Côtes du Rhône Village Cairanne bei Vinissimus, der einen Côtes du Rhône von Nicolas Croze als Begleitung daneben stellt. Thomas Lippert, Gründer des Winzerblogs und Initiator der Weinrallye himmelt schon früh am Tag seinen PC samt fast fertigem Weinrallye-Artikel und hat Schwierigkeiten, überhaupt teilzunehmen, scheut aber keine Mühen und wirft schließlich noch einen Mas des Boislauzon, einen 2005er Chateauneuf-du-Pape ins Rennen. Der nächste südliche Wein – es wird schnell klar, die saftigen, sonnenverwöhnten Weine dominieren ganz eindeutig – ist noch mal ein Weißer, ein weißer Côtes du Rhône aus Courthezon. Das sind Weine, die man, wenn man es nicht besser weiss, schnell in die Schublade alkohollastig, dumpf, schwer schiebt, die aber genauso auch fein und frisch, mineralisch und tänzelnd sein können, ich habe es vor wenigen Tagen beim Genuss eines weißen Sablet noch erlebt. Und diese Erfahrung macht auch das Blog Man kann’s essen mit ihrem La Bastide von St Dominique.

 

Einen kurzen Abriss der Geschichte des Châteauneuf-du-Pape liefert der Historiker unter uns Weinschreibern, Marco Datini. Allerdings belässt er es nicht bei dieser geschichtlichen Exkursion. Vielmehr schiebt er eine Beaucastel-Vertikale hinterher die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

Marqueee, der auf Allem Anfang… über die wichtigen Dinge des Lebens schreibt, widmet sich nun endlich und als einziger einem Rosé aus der Gegend und zwar einem ganz klassisch alteingesessenen, einem AOC Tavel, also einer Cru-Lage die eine reine Rosé-Appellation ist und mit diesem Status durchaus Seltenheitswert besitzt.

 

Fahren wir einige dutzend Kilometer weiter Richtung Quelle stoßen wir auf die reinsortigen Syrah, wo wir wieder bei Thomas Günther und seinem Blog Weinverkostungen.de wären, denn Artikel drei und Artikel vier widmen sich je einem Wein aus dem Crozes-Hermitage und einem aus dem Cornas. Drunken Monday hofft, irgendwann einmal den besten Wein der Welt probieren zu dürfen, der, wenn man Cellertracker entsprechend der Querschnittspunktzahl der Mitglieder auswertet, ein 1988 E. Guigal Côte-Rôtie »La Mouline« sein müsste. Tja, das war es schon von der nördlichen Rhône, wenn man den von mir gewählten Cornas noch mit dazu nimmt.

 

Doch damit sind wir keineswegs am Ende. Denn Christian Schiller wirft noch mal einen ganz anderen Focus auf die Rhône. Er besucht nicht das Tal und seine Winzer, er besucht einen Winzer in Kalifornien, um präzise zu sein trifft er Sherman Thacher, Besitzer der Thacher Vineyards in Paso Robles, und der gehört zur Gruppe der Rhone-Ranger, einer Gruppe von Winzern, die sich den Rebsorten der Rhône widmen und Wein in ähnlichem Stil in Kalifornien anbauen, was ja durchaus in ist.

 

Dirk Würtz’ Gastschreiberin Cordula Eich widmet sich nicht den Super Schnäppchen aus dem Gebiet, sondern vielmehr dem ganz ungewöhnlichem, möglichem Flugverkehr und dessen ganz unwahrscheinlichen Folgen, aber lest selbst, während ich hier den Schlusspunkt setze.

 

Ach nein, nicht ich, den Schlusspunkt setzt der Ultes.

 

Und ich? Ich übergebe den Staffelstab an Drunken Monday und gehe mal runter in den Keller um die Flaschen zum nächsten Thema rauszusuchen…

 

 

Wein aus Amphoren: Die Teroldego »Morei« und »Sgarzon« 2009 von Elisabetta Foradori

Es gibt wenige Weine, die mich auf der Prowein 2011 tiefer beeindruckt hätten als die beiden Teroldegos Morei und Sgarzon.

Dass ich ein Fan der Weine von Elisabetta Foradori bin, ist kein Geheimnis, ich schreibe gerne über ihre Weine. Der klassiche Teroldego und der Granato sind schon Klassen für sich in ihren Preissegmenten, jetzt ist Elisabetta Foradori jedoch noch einen Schritt weiter gegangen. Sie hat neben einem Weißwein aus der autochthonen Rebsorte Nosiola  - leider konnte ich ihn nicht mehr probieren – zwei Teroldegos auf Flasche gezogen, die schon jetzt, in ihrer Jugend eine große Faszination ausüben, so geschmeidig, charaktervoll, subtil und elegant wirken sie.

Diese Weine wurden acht Monate lang in Amphoren ausgebaut. Es gibt viele Diskussionen über diese Form des Ausbaus und ich für mich selber kann sagen, dass ich der Idee eher skeptisch gegenüber stand, bisher, diese beiden Weine haben mir zunächst jedoch einmal gezeigt, dass durchaus große Weine entstehen können.

Foradoris 400 Liter-Amphoren werden handgefertigt und wurden nicht, wie sonst eher üblich, in der Erde versenkt, sie stehen frei. Sie wurden mit 350 kg leicht angequetschtem Traubengut gefüllt. Während der Spontangeährung werden die Gefäße lediglich mit Tüchern abgedeckt, der Maischekuchen wurde täglich von Hand untergetaucht. Nach Abschluss der Gährung wurden die Amphoren dann verschlossen und der Wein blieb mit seinen Schalen für acht Monate in den Amphoren.

Für Foradori war es zunächst ein Wagnis und eine Herausforderung, mit Amphoren zu arbeiten. Sie hat vor sieben Jahren damit begonnen, zum gleichen Zeitpunkt, als sie die Arbeit in den Weinbergen auf Biodynamie ungestellt hat. Damals, so sagt sie, war die Qualität des Traubenmaterials noch nicht so gut, dass der Amphorenausbau stabil funktioniert hätte, heute sei das etwas anderes. Trotzdem müssen die Selektion und die Sauberkeit im Keller noch strikter sein als eh schon, die Arbeit mit den Amphoren sei subtiler.

So subtil, wie die Weine selbst, würde ich sagen. Die beiden Weine stehen sich da in nichts nach, tragen jedoch einen ganz eigenen Charakter in sich. Der Sgarzon, im Dialekt des Campo Rotaliano bedeutet dies so viel wie Austrieb, stammt aus der namensgleichen Einzellage. Das Klima ist kühler als beim Morei, entsprechend mischt sich eine Kühle und deutlichere Säure in das Bild als beim dunkleren, dichteren Morei, was im Dialekt dunkel bedeutet. Beiden fehlt das Holz, das man vom Granato gewohnt ist kein bisschen. Beide wirken jugendlich frisch. Und ich bin sehr gespannt, wie sich diese Weine entwickeln werden.

 


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