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Colombaia, Vigna Nuova Rosso Toscana IGT 2008, Toskana

Wenn ich momentan die Frage nach meiner liebsten Weinregion beantworten müsste würde ich wohl drei aufzählen. Hier in Deutschland bleibt es Rheinhessen. Das hat sich auch auf Großem-Gewächs-Niveau wieder bestätigt. Da gab es einige Weine auf höchstem Niveau die mir ungemein gut gefallen haben. Was ich immer noch weiter entdecke, ist die Champagne. Es ist faszinierend, wie vielschichtig diese Region ist.

Was bei mir gerade wieder neu in den Fokus rückt ist die Toskana. Ich werde nebenan im Shop in den nächsten Tag mal ein Toskana-Paket zusammenstellen; Wein für die Toskana-Fraktion gewissermaßen. Dabei werde ich hier parallel drei Weingüter vorstellen und mit Colombaia beginnen.

Colombaia ist das Weingut von Dante und Helena Lomazzi. Dante Lomazzi stammt aus einer alten Weinhändler-Familie die sich hauptsächlich mit dem Transport und Verkauf von Fassware einen Namen gemacht hat. Als der Vertrieb von Fassware allerdings immer mehr das Geschäft von großen Firmen wurde begann der Niedergang des vergleichsweise kleinen Handelshauses Lomazzi. Dantes Vater hat das Geschäft weiter zurück gefahren und wieder stärker selbst angebaut, auf sehr einfachem Niveau.

Dante hatte da eher einen anderen Entwurf. Er wollte Qualitätswein herstellen, klein aber fein. Das ist es, was er nun mit seiner Frau Helena umsetzt. Ein biologisch bewirtschafteter Weinberg wie ein großer Garten – gerade mal vier Hektar groß ist diese Garage-Winery, ganz in der Nähe von Colle di Val d’Elsa, bestockt mit Sangiovese, Colorino, Malvasia Nera, Canaiolo und etwas Trebbiano und Malvasia für den Weißen.

Der Wein von den jungen Sangiovese-Rebstöcken, der Vigna Nuova Rosso ist ein Ausdruck des Muschelkalk-Bodens, ein ganz frischer, mineralischer, fruchtbetonter Wein der deutlich nach Himbeeren und Kirschen riecht, mit einem Blättchen Minze und drei Blatt Veilchen dazu und darüber ein klein wenig gemahlener Pfeffer und ein wenig Vanillestaub. Er hat einen schön satten Fruchtgeschmack und eine gute Länge. Der Wein lag 12 Monaten in großen Fässern aus slawonischer Eiche und wurde spontan vergoren. Dieser Wein ist der einfache Wein des Gutes. Es ist ein richtig schöner Wein.

Die Weine gehören zum Angebot des Originalverkorkt-Shops

Weinrallye 32, Spätburgunder, Teil 1: Elena Walch, Ludwig 2002

18/Apr/10 16:34 kategorisiert in: Pinot Noir / Spätburgunder, Rot, Italien, Weinfrauen, Weinrallye

Als ich die Themen-Ankündigung der heutigen Weinrallye las, habe ich mich spontan gefreut. In den Weinblogs taucht Spätburgunder recht selten auf – zumindest ist das mein Eindruck. Iris Rutz-Rudel betreut diese Rallye nun zum dritten Mal mit viel Engagement, siehe Twitter-Einträge und Facebook, und ich danke ihr dafür.

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Das Thema also spricht mich an. Nur ist es so weit gefasst, dass es schwer war, ein Subthema zu finden.

Was wäre das Co-Thema, fragte ich mich? Zunächst habe ich dazu tendiert, mich über die Freude über die Qualität des deutschen Pinots auszulassen, dann mich dem schweizerischen Pinot anzunähern, dann Pinot Noir in seiner bläschenwerfenden Form als deutschem Winzersekt oder kräftigem Bouzy-Champagner auf den Grund zu gehen. Allein als ich gestern vor dem Flaschenregal stand und merkte, dass der Winzersekt im Bürokeller lag und ich eine Flasche André Clouet Millesimé 1995 öffnen müsste und das so ganz für mich allein, konnte ich mich doch nicht überwinden. Ich hatte des Mittags 60 Weine der verschiedenen Loire-Appellationen probiert und meine Zunge war ein wenig zu müde, um die Feinheit des Champagners noch angemessen würdigen zu können. Wäre noch die Möglichkeit gewesen, etwas sehr Außergewöhnliches zu probieren, nämlich einen Eiswein vom Spätburgunder, den mir Daniel Wagner im Januar in die Hand gedrückt hat. Sie hatten den Pinot einer kleinen Siefersheimer Parzelle zu ernten vergessen, weil er zu großen Teilen einem Hagelschlag im Frühjahr zum Opfern gefallen war. Erst als im Januar die Kollegen zur Eisweinernte hinausfuhren, hat er sich an die Parzelle erinnert und geerntet. Eine winzige Menge – der Wein taucht auf seiner Preisliste überhaupt nicht auf. Aber probiert habe ich ihn dann doch nicht, der ist gerade mal ein Jahr alt und mehr als eine 0,375 ml-Flasche besitze ich nicht.

Also entschied ich mich für einen Pinot aus dem Alto Adige, und zwar von Elena Walch. Das Co-Thema lautet also Winzerinnen, wobei ich also Pinot Noir somit nicht nur mit einem alten Weinrallye-Thema von oben genannter Iris Rutz-Rudel kombiniere, sondern dem Beruf der Gastgeberin Ehre erweisen möchte und eine eigene, auf diesem Blog lose stattfindende Reihe fortführe.

Elena Walch gehört mit Elisabetta Foradori zu den weiblichen Stars der norditalienischen Weinszene. Anders aber als Foradori hat Walch das Winzerhandwerk mitnichten mit der Muttermilch aufgesogen. Vielmehr war sie eine junge, aber schon erfolgreiche Architektin, als sie ihren späteren Mann kennen lernte, der das Weingut Walch führte. Nach der Geburt der zwei Kinder und irgendwann einsetzender Langeweile bat sie ihren Mann, ihr einen Weinberg zur Verfügung zu stellen, einen in guter Lage. Diesen hat sie am Castell Ringberg bekommen und einfach mal so ziemlich alles anders gemacht, als es bei den der Tradition verhafteten männlichen Winzern üblich war. Und anders als es Elisabetta Foradori getan hat, indem diese das Wagnis unternommen hat, aus den traditionell angebauten Rebsorten das Beste, ja die Quintessenz herauszuholen, hat Elena Walch den Vernatsch herausgerissen und internationale Rebsorten gepflanzt, die Reben wurden anders erzogen und ausgebaut wurde ebenfalls different. Das Barrique hielt Einzug.

Ich kann mir ein wenig vorstellen, wie das ausgesehen haben mag, wie sehr sie belächelt wurde, wer sich da alles an die Stirn getippt hat, damals als es noch kaum weibliche Winzer gab und wenn, dann überhaupt höchstens Töchter – aber bitte keine zugezogenen Diplomirgendwasse. Das dürfte sich dann schnell geändert haben, nachdem Elena Walch Ende der 80er dann ihren ersten Wein auf den Markt brachte. Die Anerkennung kam, zumindest von offizieller Seite, relativ schnell, und wenn sich der Erfolg bei der Avantgarde einstellt, kann die breite Masse ebenfalls beginnen, traditionelle Verhaltensweisen zu überdenken.

Nun, heute stehen 30 Hektar unter Reben und neben der Moderne finden sich auch wieder traditionelle Rebsorten. Besonders bekannt ist sie neben modernen Cuvées wie Beyond the Clouds für ihren Gewürztraminer.

Der Blauburgunder mit dem gar nicht so modern klingenden Namen Ludwig – ich habe einen 2002er geöffnet – stammt aus der Lage Pinzon oberhalb des Dorfes Montan, auf 650 Meter gelegen und nach Südwesten ausgerichtet. Der Pinot steht in nicht zu heißer Lage auf Schottererden mit Lehmanteil. Ausgebaut wurde in einem Drittel neuer und zwei Dritteln gebrauchter französischer Barriques.

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Der Wein wirkt schon beim Öffnen des an der Öffnung leicht angefaulten Korkens ein wenig alt und müde. Bräunlich, mit wenig Rotanteil liegt er im Glas, wirkt wenig frisch und die durchaus vorhandene bodenständige Würze wird überlagert von einer durchdringenden Säure. Das macht leider gar keinen großen Spaß mehr.

Da ich aber den Abend nicht mit einer solchen Pleite beenden wollte, habe ich dann noch eine Flasche Rhini von Hanspeter Ziereisen dekantiert. Ein Glas noch für den Samstagabend und für die müde Zunge und eigentlich probiert wird dann am Weinrallye-Sonntag.

Den Pinot habe ich übrigens mit einem vorzüglich abgehangenen Steak kombiniert. Dazu gab es frisch gemachte Tagliatelle. Eigentlich wollte ich nur einen Salat neben das Steak drapieren, aber dafür hatte ich zu großen Hunger. Der Clou war, dass ich in der Bratbutter nach dem Anbraten des Steaks etwas Tomatenkonzentrat vermischt habe mit etwas Portwein, Balsamico-Crème, Orangen- und Himbeersaft und einer Mischung aus rosa Pfeffer und Flocken von getrockneten Himbeeren und Erdbeeren.

Valpolicella Classico Superiore Casal Vegri 2006, Ca' la Bionda, Veneto

Ich muss gestehen, wenn ich an Valpolicella denke, denke ich an den Offenausschank von Pizzabuden, in den leichter, fader roter Wein direkt neben den Soave-Pullen steht. So ein bisschen, wie das italienische Pendant zum Trollinger gewissermaßen.

Allerdings haben mich zwei Winzer bei der Prowein eines Besseren belehrt. Zum einen war das Hans Hengerer am Stand der Jungen Schwaben, dessen Trollinger wie Lemberger, vor allem aber der Cabernet Franc ausgezeichnet war. Zum anderen habe ich bei Vinaturel den Winzer Alessandro Castellani von Ca' la Bionda getroffen.

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Dessen Weine sind schlichtweg eine Wucht. Neben Valpolicella habe ich zwei Amarone probiert, die so überhaupt nichts mit Überreife oder Süße zu tun haben, sondern expressiv, fruchtig, dicht und unglaublich frisch und mineralisch daherkommen.

Der kleine Bruder – dessen Trauben aus den Sorten Corvina, Corvinone und Rondinella im Gegensatz zum Amarone nicht angetrocknet werden – der Valpolicella der Einzellage Casal Vegri hat nichts, aber auch gar nichts mit dem zu tun, was ich bisher unter dieser Gebietsbezeichnung probiert habe. Der Duft von kräftigen, frischen Sauerkirschen steht im Glas, verbunden mit einem Hauch von Waldfrüchten, dunkler Schokolade und einigen kräutrigen Aromen und leichtem Holz. Faszinierend, wie frisch, saftig und gleichzeitig dicht dieser Valpolicella wirkt.

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Das ist ein Wein, der im Regal vermutlich leicht übersehen wird, weil die Region einen schlechten Ruf hat und der Wein dafür den meisten wohl deutlich zu teuer vorkommen wird. Man muss ihn also bewerben und Überzeugungsarbeit leisten. Wer ihn allerdings probiert hat, wird ihn sicher auch noch ein zweites Mal trinken wollen, da bin ich mir ziemlich sicher.

Valpolicella Classico Superiore Casal Vegri 2006, Ca' la Bionda, Veneto, 14.90 Euro

Granato 2006, Foradori, Vigneti delle Dolomiti Rosso

Elisabetta Foradori gehört mit zu den schillerndsten Persönlichkeiten der Weinbranche. Allein wenn man sie googlet, landet man bei ihrem Namen bei ca. 86.000 Treffern. Das liegt allerdings mitnichten daran, dass diese Frau zum Glamour neigt und Geschichten für die internationale Klatschpresse liefern würde. Es liegt viel mehr daran, dass sie eine Frau ist, die Spitzenweine macht und das seit über zwanzig Jahren, die dabei einen mitreißenden Charme besitzt und ihren Namen praktisch verschmolzen hat mit der autochthonen Rebsorte Teroldego Rotaliano, ja diese Sorte überhaupt erst in das Bewußtsein der Menschen gebracht hat mit unermüdlicher Arbeit und all dies auch schon lange unter biologischen, mittlerweile biodynamischen Grundsätzen bewirtschaftet. Dies zusammen ist durchaus ungewöhnlich.

Was ist die Grundlage für den Kult, der um diesen Wein mit Namen Granato betrieben wird? Ich habe es bereits erahnt beim kleinen Bruder des Granato, beim Foradori Teroldego Rotaliano, der ebenfalls zu 100 % aus Teroldego gekeltert wird, dabei entsprechend dem günstigen Preis jedoch nicht so streng selektioniert und 12 Monate in kleinen Holzfässern ausgebaut wird. Ich habe den aktuellen Jahrgang vor nicht allzu langer Zeit beschrieben und war hin und weg.

Elisabetta Foradori, ich beschreibe es noch mal kurz, hat 1985 in jungen Jahren, der Vater war früh gestorben, kurz nach dem Abschluss der Weinbauschule und einigen Besuchen bei anderen Winzern das elterliche Weingut übernommen. Bei diesen Besuchen hat sie gerade den Aufschwung des südfranzösischen Weinbaus mitbekommen, wo einzelne, später immer mehr Winzer begonnen hatten, Klasse statt Masse zu produzieren, und man eine Vermutung davon bekam, welches Potential in den südfranzösischen Böden in Verbindung mit dem dortigen Klima stecken könnte.

Sie hat genau hingeschaut damals und begonnen, den traditionellen Weinbau auf dem eigenen Weingut zu überdenken und Stück für Stück zu verändern. Das begann mit einer dichteren Bestockung und einem anderen Schnitt, um die Ertrag zu reduzieren. Das ging weiter mit der intensiven Auseinandersetzung mit dem heimischen Rebgut, nämlich mit dem Teroldego, der ausschließlich in der Ebene des Campo Rotaliano vorkommt und bisher praktisch ausschließlich Weine produziert hat, die man nicht lange im Gedächtnis behält. Sie war der Meinung, dass das auch anders ginge. So hat sie begonnen, eigene Klone des Teroldego herzustellen, um sie den einzelnen Parzellen ihres 16 Hektar-Gutes anzupassen und die genetische Vielfalt zu erhalten. Der nächste logische Schritt auf dem Weg, zu einem kompromisslosen, eigenständigen Qualitätsprodukt zu gelangen, war für sie, auf jegliche Chemie zu verzichten und sich mit der Biodynamie zu befassen. Zu diesem Qualitätsstreben gehört es auch, dass der Wein, der sich Granato nennt, was man nicht mit Granate übersetzt, sondern eher mit Granatapfel, nur in den wirklich guten Jahren erzeugt wird, ansonsten wird das Rebgut dem Foradori zugeschlagen.

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Der 2006er Granato, den ich gerade im Glas habe und der sich im Laufe des Abends im Dekanter und im Glas hervorragend entwickelt hat, ist eigentlich noch zu jung. Man sollte ihn noch eine Zeit im Keller vergessen, wenn man welchen sein Eigen nennt. Einen Vorgeschmack auf das, was sich noch weiter entwickeln wird, aber gibt es natürlich und er führt das weiter, was im Foradori Teroldego schon zu erkennen war. Eine herrlich satte Frucht von dunklen Beeren steigt einem in die Nase, zusammen mit dem Trockenen von Bitterschokolade, Gewürzen und Kräutern. Dazu kommt etwas Leder und Tabak. Im Mund ist dieser Weine eine Wucht. Eine herrliche Zusammenkunft von Kraft und Finesse, Wärme und Samt, mineralischer Kühle und fruchtiger Dichte. Zu den Aromen von Schwarzkirsche, Brombeeren und Cassis gesellen sich ein wenig Grafit und schmelzende Schokolade. Dabei ist dieser Wein, der 18 Monate in Barriques gelagert hat, schon erstaunlich zugänglich, wenn auch noch nicht wirklich weise. Was sich beim kleinen Bruder schon gezeigt hat, ist der eigene Charakter, der diesen Wein wirklich zu einem besonderen macht. Wenn man bei der Beschreibung des Weines auf die Idee kommen sollte, man habe es mit einem fetten, wuchtigen Kerl zu tun, dann täuscht man sich. Der Granato wiegt nicht schwer, liegt bei moderaten 13 Volumenprozent und bleibt bei aller Präsenz durchaus filigran.

Große Klasse!

Granato 2006, Foradori, Vigneti delle Dolomiti Rosso, Gibt es drüben im Shop

Gereifte Bordeaux und andere Annehmlichkeiten

Es ist ja ganz herrlich, wenn man weinbegeisterte Freunde oder Bekannte hat, die einen dazu einladen, mitzuhelfen, die Kellerbestände auf die bestmögliche Art und Weise zu dezimieren – indem man sie mit Menschen trinkt, die sich ebenso daran erfreuen können wie man selbst. Jörg hat einen solch beeindruckenden Kelle, in dem vor allem der deutsche Riesling und der französische Burgunder zu Hause sind, daneben aber auch noch einige andere Spezialitäten, unter anderem gereifte Gewächse aus dem Bordeaux.

Und Bordeaux war auch das Thema des Abends. 13 Weine standen an, blind verkostet mit drei Piraten zur Auflockerung.

Château Tour de Mirambeau Cuvée Passion, Entre-deux-Mers, 2004

Leicht eingestiegen sind wir mit einem Château Tour de Mirambeau, Cuvée Passion aus dem Jahr 2004. Ein Vertreter des Entre-deux-Mers, einem Bordeaux-Gebiet, welches selten Beachtung findet. Dass es hier allerdings neben lauter Mittelklasse auch etwas gibt, was an der Oberklasse kratzt, zeigt diese Cuvée Passion. 70 % Sauvignon Blanc und 30 % Semillion finden sich zu einem klassischen trockenen weißen Bordeaux mit feiner Säure und guter Länge. Es finden sich etwas Melone und Quitte und vor allem Pfirsich.

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Château Smith Haut-Lafitte Blanc, Graves, 1996

Dem Mirambeau folgte der weiße Wein des Château Smith Haut Lafitte, Grand Cru Classé de Graves. Eines der wenigen Châteaux, deren weiße Weine berühmter sind als die roten.

Wir haben an diesem Abend den 1996er probiert, der seinen Höhepunkt leider überschritten hat. Neben einer beeindruckenden Bernsteinfarbe strömte aus dem Glas das, was man in die Nase bekommt, wenn man einen Geigenbogen über bernsteinfarbenes Kollofonium reibt, dazu Honig, Malz und reife Quitte. Am Gaumen kommt etwas Nussiges hinzu – und das Alter.

Jörg hat die Rotweine in zwei Fünfer-Flights geteilt und bei verdeckter Verkostung die drei bordeauxfernen Gewächse untergemischt.

Begonnen hat es mit zwei klassischen bürgerlichen Châteaux – Château Bernadotte, Haut Médoc 2003 und Château Paloumey, ebenfalls Haut Médoc aus dem Jahr 2000.

Château Bernadotte, Haut-Médoc, 2003

Bernadotte gehört mittlereile zum Champagnerhaus Roederer und ist schon seit langem eine feste Bank unter den Cru Bourgeois, eine, die auch locker unter den klassifizierten Cru mithalten kann.

Der Wein wirkt in der Nase sehr frisch und relativ leicht, Tannine sind beim Schnuppern nur schwer zu erkennen, eher medizinisch eukalyptische Noten mit etwas Pfeffer und Himbeer.

Am Gaumen wirkt der Wein dann relativ alkoholstark mit sehr deutlichen Tanninen, cabernetgeprägt mit klarer Säure und Geschmack nach Paprika und Pfeffer mit ganz leichtem Salz. Ganz frisch ist dieser Wein, mit einer leichten Süße, nicht zu komplex, aber fein gemacht – ein Wein, den ich, ehrlich gesagt, als 2006er eingeschätzt habe und nicht als drei Jahre älter. Diese drei Jahre allerdings darf er mindestens noch liegen, um noch ein wenig runder zu werden.

Château Paloumey, Haut-Médoc, 2000

Eine ähnlich falsche Jahrgangseinschätzung hatte ich beim 2000er Château Paloumey, den ich ebenfalls drei bis vier Jahre jünger eingeschätzt hatte.

In der Nase deutlich erdiger als der Bernadotte, hatte ich zunächst das Gefühl, einen Burgunder im Glas zu haben. Erst allmählich entwickeln sich merlot- und cabernettypische Fruchtaromen, dazu kommt ein leichtes Salzgebäck. Der Wein hat enorm viel Kraft und Saft, wirkt überhaupt kein bisschen alt.

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In der zweite Runde befanden sich zwei 1998er im Glas.

Da hatten wir zum einen den 1998er Almaviva aus dem Gemeinschaftsprojekt von Philippe Rothschild und Concha y Toro in Chile. Dagegen gab es Château Patris 1998, St. Emilion.

Almaviva, Puente Alto, Chile, 1998

Almaviva gehört regelmäßig zu den besten Weinen, die in Chile produziert werden. Das kann man bei diesem 1998er schon nachvollziehen, auch wenn es der erste Jahrgang der 1997 gegründeten Bodega ist. Cabernet wird hier vornehmlich im Maipo-Valley angebaut und dazu werden 85 ha erster Lagen verwendet. 26 % Carmènere kommen im 1998er hinzu sowie 2 % Cabernet Franc. Ausgebaut wird 16 Monate in französischer Eiche.

Der Wein besticht in der Nase durch eine leichte Süße mit milden orientalischen Gewürzen und Pfeffer. Er wirkt kühl und mineralisch mit einem deutlichen Duft nach Zigarrenkiste. Dieses Zedernholz schmeckt man selbst am Gaumen, wo sich auch die Mineralität wiederfindet. Sehr geschliffen ist dieser Wein, ausgesprochen gut gemacht. Immer noch sehr frisch mit leichten Süßholz- und Korianderaromen neben der satten Backpflaumenfrucht.

Was unterscheidet ihn von den Bordeaux? Die Süße, würde ich sagen. Es ist eine warmweiche Süße, die man in der Form nicht findet im Bordeaux, und das Fehlen des leicht Salzigen verrät die Abstinenz des Meeres.

Château Patris, St. Emilion, 1998

Der Château Patris dagegen fällt etwas ab. Dieser Wein trägt 80 % Merlot und 20 % Cabernet Franc in sich, doch waren wir uns eigentlich sicher, dass dies ein Cabernetwein sein würde. Wie man sich doch täuschen kann.
Das Schloss liegt am selben sandigen, mit Kies durchsetzten Hang wie Angelus, Ausone oder Pavie. 40 Jahre alt sind die Rebstöcke im Durchschnitt und bekannt geworden ist, dass Château als Hardy Rodenstock den Wein als nicht qualifiziertes Gewächs einer Probe von Spitzengewächsen des 2000er Jahrgangs untergeschoben hat und ziemlich klar in die Spitzengruppe gewählt wurde.

In die Spitzengruppe des Abends ist der Wein bei mir nicht gelangt. Ehrlich gesagt, habe ich den Wein schlicht vergessen und mir Dinge aufgeschrieben wie "etwas schokoladig, relativ erdig, rote Früchte".

Château Sociando-Mallet, Haut-Médoc, 1989

Deutlich präsenter ist mir dagegen der 1989er Sociando-Mallet, wiederum Haut-Médoc. Das war der beste Wein der ersten Runde. Unglaublich klar und präsent wirkt der Wein, den ich in die Mitte der Neunziger eingestuft hätte. Schon in der Nase ist dieser tiefdunkle Cru Bourgeois – von dem behauptet wird, dass er immer wieder der Beste aller bürgerlichen Châteaus ist und ihm durchaus eine 3ème Qualifizierung gut anstehen würde – sehr fein balanciert zwischen dunkler Erde, dunklen Früchten, Veilchen und Eukalyptus. Enorm viel Tannin hat er, der Mund zieht sich zusammen, wohlgemerkt, er hat schon zwanzig Jahre auf dem Buckel, Pfeffer hat er und er wirkt geradezu angriffslustig. Zum Schluss verbindet sich ein leichte Süße mit einem langen, trockenen Abgang. Großartig.

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Marchese di Villamarina, Sella e Mosca, Sardinien, 1990

Den zweiten Teil nach der Quiche hat dann der nächste Pirat eingeleitet. Ein 1990er Marchese di Villamarina, Sella e Mosca, Sardinien. Er sagte mir, ehrlich gesagt, nicht viel. Ich musste erst nachschauen und habe herausbekommen, dass Sella e Mosca auf Sardinien 650 Hektar (!) unter Reben stehen hat und immer wieder die drei Gläser im Gambero Rosso erreicht.

Ich gehe mal davon aus, dass dieser Wein sowohl von Cannonau als auch von Cabernet geprägt wird. Zartsüß wirkt er in der Nase mit Gewürzen, Kräutern und Süßkirschen, am Gaumen sehr weich, fast ein wenig zu fruchtig mit einer immer noch schönen Frische. Da liegen noch einige reife Pflaumen im Hintergrund, bevor es ins lange Finale geht. Ein sehr guter Wein.

Château Gazin, Pomérol, 1986

Begleitet wurde er von einem 1986er Chateau Gazin aus dem Pomerol,  dem man nun endlich auch mal das Alter anmerkte. Bei den anderen habe ich mich  ja regelmäßig verschätzt. Man musste sich durch einen Schwall warmen Gummis kämpfen, bevor man diesen Wein genießen konnte. Weich und rund war er mit einer schönen Tiefe. Dunkle Beeren am Gaumen, dabei immer noch eine feine Säure.

Château Beychevelle, St. Julien, 1986

Ebenfalls aus dem Jahr 1986 stammt der Wein vom wunderschönen 250 ha-Gut Beychevelle aus dem St. Julien. In den letzten Jahren hat der Wein mir selten gefallen, aber der 1986er war sehr spannend. Ein Geruch von alter Wäsche strömte aus dem Glas, etwas Erdig-Pilziges, Animalisches. Irgend jemand sagte, das würde ja nach salzigem Popcorn mit ranzigem Öl riechen. Im Mund dann reiner Bordeaux: Früchte, Zedernholz, rohes Rindfleisch, Menthol, Jodsalz – relativ schlank, weich und schön.

Dominus, Napa Valley, 1989

Gepaart hat Jörg diesen Wein mit einem 1989er Dominus von Christian Moueix aus dem Napa Valley. Und auch hier merkt man – wie auch beim Almaviva –, das ist französisch geprägt, kommt aber aus einer wärmeren Gegend, was den Wein nicht schlechter macht, aber anders. Weich ist er zunächst, eine sahnige Nase hat er, buttrig, vanillig, mit warmen, weichen Früchten, nicht zu tief, nicht zu lang. Geerdet ist er, sagte jemand, und ich kann nur zustimmen. Geerdet, balanciert, reif und gut.

Château Ducru-Beaucaillou, St. Julien, 1978

Der letzte in der Reihe war dann auch der Älteste. Einen 1978er Ducru-Beaucaillou aus dem St. Julien hatte Jörg uns eingeschenkt. Dass der Wein ein gewisses Alter erreicht hatte, sah man an den bräunlichen Reflexen am Glasrand. In der Nase und am Gaumen konnte man das viel weniger spüren. Ein zurückhaltender Duft nach Holz und Kartoffel mit etwas Cassis und kühler Mineralität. Zedernholz kommt dazu und Leder und Tabak. Ein sehr guter Wein, der noch einige Frische in sich trägt sich, sich aber leider ein wenig schnell verabschiedet.

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Nach dieser Tour de Force hat sich Jörg für einen Wein zum Ausklang entschieden, der aus einer ganz anderen Ecke stammte, aber wunderbar gepasst hat – viel besser, als ein Sauternes es geschafft hätte, einen Gegenpol zu bilden.

Bürgstadter Centgrafenberg Rieslaner Auslese, Wgt. R. Fürst, Franken 1993

Vom Weingut Rudolf Fürst gab es eine 1993er Rieslaner Auslese aus dem Bürgstadter Centgrafenberg. Wenn Rieslaner gut sind, dann vereinen sie tatsächlich das Beste aus den Sorten Riesling und Silvaner. In diesem hier fand sich ein Korb voller Blüten, bei denen die Kamille etwas herausstach. Satter, reifer, in Honig geschwenkter Pfirsich mit einer leichten Schärfe und einer sehr angenehmen, markanten frischen Säure. Das war herrlich entspannend.

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Was dann noch kam, nachdem wir eine Stippvisite im Keller gemacht haben, ist definitiv noch eine Beschreibung wert.

Petit Grain de Marsanne, Marie Thérèse Chappaz, La Liaudisaz, Vallais, Schweiz, 2001

Marie Thérèse Chappaz ist Winzerin in Fully in der Region Vallais in der Schweiz. Bis vor kurzem hat sie 1,5 Hektar bewirtschaftet, die ihr Onkel 1880 angelegt hatte. Mittlerweile ist der Betrieb auf 6,5 Hektar angewachsen. Neben Dôle und Fendant finden sich reinsortige Petite Arvine, Malvoisie, Humagne, Pinot, Syrah und auch Marsanne. Von dieser Rhône-Rebsorte haben wir den Grain Noble aus dem Jahr 2001 probiert.

Eine Melange aus Klebstoffnoten, etwas Ammoniak, Honig und satten Feigen stehen im Glas. Im Mund dann eher Dörrobst, Virginiatabak und Karamellkekse. Sehr dicht mit erstaunlich viel Säure. Sehr spannend.

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Monzinger Halenberg Beerenauslese, Emrich-Schönleber, Nahe, 2003

Als endgültigen Abschluss gab es dann noch eine vorzügliche 2003er Beerenauslese von Emrich-Schönleber aus dem Monzinger Halenberg. Eine leicht gummierte Spontinote, vermischt sich mit Mineralen und dem Duft von reifem Steinobst. Eine feine, glatte Säure verbindet sich mit karamelisiertem, zitronigem Schiefer. Dazu finden sich gewürzte Pfirsiche und Aprikosen, hach. Hab' Dank Jörg. Ich hör' jetzt auf.

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Château Tour de Mirambeau Cuvée Passion, Entre-deux-Mers, 2004
Château Smith Haut-Lafitte blanc, Graves, 1996
Château Bernadotte, Haut-Médoc, 2003
Château Paloumey, Haut-Médoc, 2000
Almaviva, Puente Alto, Chile, 1998
Château Patris, St. Emilion, 1998
Château Sociando-Mallet, Haut-Médoc, 1989
Marchese di Villamarina, Sella e Mosca, Sardinien, 1990
Château Gazin, Pomérol, 1986
Château Beychevelle, St. Julien, 1986
Dominus, Napa Valley, 1989
Château Ducru-Beaucaillou, St. Julien, 1978
Bürgstadter Centgrafenberg Rieslaner Auslese, Wgt. R. Fürst, Franken 1993
Petit Grain de Marsanne, Marie Thérèse Chappaz, La Liaudisaz, Vallais, Schweiz, 2001
Monzinger Halenberg Beerenauslese, Emrich-Schönleber, Nahe, 2003

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Foradori, Teroldego Rotaliano DOC 2007, Trentino

Es gibt Weine, die sind in ihrer Art so besonders, dass man kurzfrstig sprachlos bleibt. Das müssen nicht immer die Nimbus-Weine sein, die auf internationalem Weinsammler-Parkett zu Höchspreisen ersteigert werden und die der Normalsterbliche kaum zu Gesicht bekommt. Das können auch Weine sein, die nicht einmal die 20 Euro-Marke übersteigen. Zugegeben, das ist selten, aber das gibt es, so behaupte ich. Ich hatte letzte Woche einen solchen Wein im Glas, einen, bei dem ich die ganze Zeit Beschwörungsformeln vor mich hin murmeln musste ob der dargebotenen Klasse. Einer also, den ich nicht so schnell vergessen werde.

Der Teroldego Rotaliano der zu einigem Ruhm gelangten Winzerin Elisabetta Foradori ist so ein Wein. Und es ist noch nicht mal ihr bester Wein. Der heißt Granato und ist in Italien eine Legende. Weshalb? Nicht zuletzt deshalb, weil diese Frau einen sehr ungewöhnlichen Weg gegangen ist, um einer Idee zu folgen. Sie baut nur eine Sorte an (ok, mittlerweile noch etwas Weißwein aus Sauvignon and Incrocio Manzoni), und zwar eine, die überhaupt nicht wirklich zusammengebracht wurde mit hochklassigem Wein. Elisabetta Foradori allerdings war sich sicher, dass dort einiges Potential in der Rebsorte stecken müsse  – und sie hat Recht behalten. Die Zucht eigener Klone, die strikte Ertragsbegrenzung (ein Drittel der Erträge, die noch ihre Eltern aus den Stöcken gezogen hatten), der Umbau des Gutes auf biodynamische Landwirtschaft, all das hat in den Jahren einen Qualitätsschub bewirkt, der den Granato zu den begehrtesten Weinen Italiens hat werden lassen. Für einen Granato allerdings muss man schon so um die 40 Euro berappen, das fällt gemeinhin schwer.

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Der einfache Teroldego, wenn man ihn als einfach bezeichnen darf, ist ein tiefdunkel-rubinroter Wein, aus dem man die Nase kaum noch herausnehmen mag. Der Duft dunkler Brombeeren strömt aus dem Glas, vermischt mit Zimt und etwas Vanille und Geräuchertem, dazu eine leichte Lakritznote. Dabei ist der Wein tief, erdig und würzig und wie ein samtenes Vlies, ohne jetzt irgendwie kuschelig daherzukommen. Das Zusammenspiel der Kräfte, die in diesem Wein schlummern, ist überwältigend.

Kitsch? Übertrieben? Mitnichten Euer Ehren, haben Sie Nachsicht mit mir, ich schwelge ja nur ein wenig …

Foradori, Teroldego Rotaliano DOC 2007, Trentino, ausgezeichnet, 15,- Euro


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