Jetzt hätte ich doch beinahe die Weinrallye übersehen samt Thema und Datum, ich hatte das Gefühl, die letzten beiden wären gerade erst vorbei. Nun, nicht zuletzt dafür ist es ja gut, dass es Twitter gibt, dann kriegt man sowas doch noch mit. Gastgeber der aktuellen Rallye ist das Weinreich-Blog, Ausrichter und Organisator wie immer Thomas Lippert vom Winzerblog.
Da ich eh gerade dabei war, ein Portrait des oben angekündigten Winzers zu schreiben, schaffe ich es spontan, von ihm einen seiner Gutsweine gesondert zu präsentieren, nämlich einen der schönsten neu entdeckten Brot- und Butter-Weine die ich in der letzten Zeit entdeckt habe. Es ist der 2009er Spätburgunder trocken vom Weingut Wehrhof in Worm-Pfeddersheim. Dieser alteingesessene Betrieb ist vor wenigen Monaten vom bisherigen, jungen Betriebsleiter Florian Feth übernommen worden und wird in der Mitte des Jahres mit dem Betrieb des Vaters, dem Weingut Feth in Flörsheim-Dalsheim verschmolzen.
Florian Feth führt im Wehrhof die Linie fort, die sein Vater schon in den ausgehenden Achtzigern begonnen hat. Er setzt auf Bio-Dynamie im Weinberg und entsprechende Arbeit im Keller. Während seine eigene Edition F schon seit Jahren aus entsprechend angebauten Reben erzeugt wird, befinden sich die restlichen Lagen noch in Umstellung Richtung Demeter.
Was mich bei Florian Feths Weinen vor allem beeindruckt, sind seine Rotweine, und ein Paradebeispiel dafür ist der Guts-Spätburgunder aus dem Pfeddersheimer Hochberg. Diesen gibt es ab Gut für sage und schreibe 6.50 Euro und optisch wirkt er so, als habe man eine Flasche aus einem Supermarktregal entwendet. Und doch ist es vielleicht der beste Pinot, den ich bisher unterhalb der 10 Euro-Grenze getrunken habe.
Ein ganz leichter Holzton schwingt in diesem Wein und untermalt den Früchtekorb von roten Beeren. Dabei finde ich es zum Einen sehr angenehm, dass einem diese Früchte nicht direkt aus dem Glas entgegen springen und zum Anderen, dass diese Früchte nicht von dieser typischen, meist etwas platten, alles überlagernden Erdbeer-Aromatik dominiert werden. In das Gesamtbild mischt sich eine feine Schokoladennote und ein ebenso gut eingebundene pfeffrige Würze. Am Gaumen beeindrucken die schön runden Tannine ebenso wie die Kraft und Länge. Wie gesagt, ich rede hier immer noch über einen Wein, der unter 7 Euro verkauft wird. Aber er könnte auch das Doppelte kosten und auch in dieser Preislage würde ich so einige Weine für diesen hier stehen lassen, denn es gibt auch in diesem Segment allzu viele Weine, die an die hier gebotene Finesse und Balance nicht heranreichen.
Ich bin also mehr als begeistert und wenn das kein Brot- und Butter-Wein ist, den man sich – ich zitiere einen typischen Spruch von Robert Mittelinitial Parker – kistenweise in den Keller legen sollte, weiss ich es auch nicht. "Great Value for Money!!"
Kürzlich hatte ich endlich mal die Möglichkeit, Torsten (Allem Anfang…) und Matthias (chezmatze) zu treffen und wir hatten einen ausgesprochen kurzweiligen Abend mit einigen schönen Weinen. Auch wenn Torsten direkt um die Ecke in Köln wohnt hatte es bisher nie geklappt. Nun hat er uns zu Ehren eine Müller-Catoir 1994er Rieslaner Mussbacher Eselshaut Trockenbeerenauslese geöffnet.
Bevor ich jedoch zu dieser Essenz komme stehen noch einige Weine im Weg, die es zu probieren galt bevor der Nektar uns erwartete. Meine 2004er Riesling Spätlese* aus dem Bopparder Hamm Feuerlay von Florian Weingart war nicht unbedringt der Knüller an diesem Abend (ich habe ihn hier schon mal beschrieben und da hat er mir besser gefallen), genauso wenig der Pinot Kappelrodeck 2006 von der Hex vom Dasenstein. Spannender, freakiger auf jeden Fall kam der Riesling BRUCK 2008 von Veyder-Malberg daher. Ein geradezu störischer, karger Riesling von calvinistisch-strenger Schönheit, der im Laufe des Abends eine klare, mineralische Blüte entwickelte und für mich der erste und auch der letzte Wein des Abends war.
Von diesem Wein, den Matthias mitgebracht hatte, hatte ich bisher, ich muss es bekennen, nicht gehört. Das Weingut liegt in der Wachau und Peter Veyder-Malberg hat hier einige der steilsten, von der Aufgabe bedrohte Terrassen mit altem Rebbestand erworben um grünen Veltliner und Riesling anzubauen.
Peter Veyder-Malberg tummelt sich seit Anfang der Neunziger im Weingeschäft, nachdem er in der Werbung gearbeitet hat. Studiert hat er am Napa Valley College und in Wädenswill in der Schweiz, wurde in der Pine Ridge Winery, der Fattoria de Montemaggio und beim Schwarzen Adler ausgebildet und hat nicht zuletzt 14 Jahre lang als Betriebsleiter beim Grafen Hardegg im Weinviertel gearbeitet und die dortige Umstellung auf Biodynamie vollzogen.
Der Riesling aus der Lage »Bruck« stammt aus der Gemeinde Viessling, gilt in diesem Ort als die wärmste Lage und ist trotzdem eine der kühlsten und höchsten in der gesamten Wachau. Der Wein besitzt bei 8,1 Gramm Säure erstaunliche 6,7 Gramm Restzucker, die man vielleicht ein wenig in der etwas fruchtsüßlichen Nase erahnen kann. Am Gaumen jedoch verbindet sie sich vortrefflich mit der Säure und hebt sich mehr oder weniger gegenseitig auf. Es bleibt eine klare Mineralität, eine strenge Würze, eine feine Frucht und eine stimmige Balance.
Pinot Noir von der Mosel bleibt für mich ein Exot und liegt nicht unbedingt auf meiner Weinlandschaftskarte. Dass dort trotzdem gute Spätburgunder gemacht werden beweist Stefan Steinmetz aus Wehr. Wehr liegt dort, wo die gegenüberliegende Seite der Mosel schon luxemburgisch ist. Hier bestimmt der Muschekalk den Boden und die Bedeutung des Rieslings tritt hier hinter Bugundersorten und dem Elbling zurück.
Dies ist der erste Wein, den ich von Stefan Steinmetz probiert habe und ich werde ihn mal im Auge behalten. Denn, was ich gerade im im demokratischen Weinbuchso lese: Es soll bei ihm guten Elbling geben (ich dachte ja immer, das wäre ein Widerspruch in sich) und auch der Sekt hat wohl so einiges für sich. Der Spätburgunder 2008 muss sich in der Kategorie der Weine um die 10 Euro herumschlagen und dürfte es dort nicht einfach haben, sich zu behaupten. Er hat ne schöne Frucht und leichten Holzeinsatz, insgesamt wirkt das alles noch ein wenig vordergründig, stimmt aber hoffnungsfroh.
Einen feinen reinsortigen Cabernet Franc hat uns Matthias mit der Cuvée du Clos du Chêne Vert von Charles Joguet mitgebracht. Dieser Chinon aus Monopollage, dessen durchtränkter Korken Schlimmes erahnen ließ war hervorragend in Form. Keine Spur von Kork oder Muff. Stattdessen Chinon par excellence. Joguet gehört eindeutig zu den Qualitäts-Vorreitern im Chinon, gehörte mit zu denen ersten, die in den Sechzigern und Siebzigern ihre eigenen Weine auf den Markt gebracht haben, alles andere war damals Fassverkauf. Er hat Erträge reduziert und begonnen, von Hand zu ernten, ja, er hat sogar einen Rebhang mit wurzelechten Reben bestückt.
Im Glas bot sich eine Balance aus reifen dunklen Früchten und Holz, Tertiäraromen von Leder und etwas Sandelholz. Ich hätte diesen Duft den ganzen Abend weiter inhalieren können. Am Gaumen ebenfalls die dunklen Früchte, schwarze Johannisbeere, Brombeeren aber im Besonderen, etwas schwarze Kirsche rundet ab, dazu wieder feiner Holzeinsatz, Paprika, Tomatenessenz, etwas Salmiak. Hinten raus vielleicht ein klein wenig kurz, aber das trübt das Gesamtbild kaum.
Einen 2000er Clos de Vougeot Grand Cru von Jacques Prieur hat man nun auch nicht alle Tage im Glas. Dieser Abend hatte es in sich auf dem Weg zur Rieslaner TBA. Als steinig kann man diesen Pfad kaum bezeichnen. Den Stein schmeckte man höchstens in diesem Burgunder. Den Stein, die Frucht, die Kräuter.
Die Domaine Jacques Prieur, zur Hälfte im Besitz des Handelshauses Antonin Rodet, besitzt 20.68 Hektar Primeur und Grand Cru sowie Monopol-Lagen im Burgund und gehört damit zu den Domainen mit der größten Range an Spitzenweinen.
Auf Burgund wäre ich bei diesem Wein nicht gekommen, den Wein hat Torsten uns verdeckt eingeschenkt. Matthias lag mit deutschem Spätburgunder ebenso daneben wie ich mit kalifornischem Pinot. Mich hat die Wucht, die Kraft in der Nase überrascht und erinnerte mich durchaus an manchen Russian River Pinot. Genauso aber fiel mir die 15.5%-Alkoholbombe des 2003er Spätburgunder von Künstler wieder ein, die wir kürzlich in der Bonner Weinrunde dabei hatten.
Erstaunlich, dass der 2000er Vougeot dann nur moderate 13% in sich trug und doch so massiv wirkte, mit einem etwas brandigen Abgang. Darüber hinaus jedoch barg dieser Wein eine große Strahlkraft und Finesse. Frisch, kräftig, mit viel Pfeffer, roten und dunklen Früchten, feiner Kräuterwürze und Minzaromatik und einer feinen Länge. Schönes Burgund!
Ach ja, und dann die Mussbacher Eselshaut. Die kleine Flasche wirkt wie ein Relikt aus vergangener Zeit. Nicht, dass es das Weingut Müller-Catoir nicht mehr gibt, nein, das steht weiter mit in der Spitze der Pfalz und produziert bemerkenswerte Rieslinge und, ja, nicht zuletzt edelsüße Rieslaner. Nur aus der Lage Mussbacher Eselshaut gibt es keinen mehr, nur aus dem Herzog und Schlössel.
Wer aus Deutschland nur Beerenauslesen vom Riesling oder vielleicht Huxelrebe kennt wird überrrascht sein, Rieslaner hat eine ordentliche Säure zu bieten. Diese Neuzüchtung von 1921 (Silvaner x Riesling) führt mit nicht mal 90 Hektar ein Schattendasein, mehr noch als Scheu- und Huxelrebe. Was Schade ist, im edelsüssen Bereiche hat sie große Qualitäten, ich habe aber auch schon gute trockene Weine getrunken. Ich weiss allerdings nicht, ob überhaupt noch ein Winzer trockene Rieslaner ausbaut.
Man sieht es an der Farbe, dieser Wein hat ein paar Jahre auf dem Buckel, er hat schon in den ersten Jahren eine tief orangene Farbe besessen und genau so tief nach vollreifen Aprikosen geduftet haben, sagt Torsten. Nun befindet er sich auf dem Weg zum gereiften Wein, die Aprikose steht als Frucht immer noch deutlich im Vordergrund, jetzt aber eher als kandiertes Trockenobst. Hinzu kommt der Sud schwarzen Tees und der Duft in Zucker eingelegter Quitten. Der Wein ist herrlich stoffig im Mund. Dicht, mit viel Fruchtsüße und ganz präsenter, druckvoller Säure. Das ist hervorragend, die Säure hält die Frucht so schön im Zaum, dass der 94er immer noch zu vibrieren scheint. Im Nachhall dieser Fruchtexplosion kann man sich dann durchaus verlieren.
Cabernet Franc dürfte eine der ältesten Rebsorten sein, die in Frankreich wachsen, sie kann ausgezeichnete Weine hervorbringen (Cheval Blanc beispielsweise wird zum überwiegenden Teil aus Cabernet Franc vinifiziert), sie steht jedoch immer im Schatten der Cépages Noble Cabernet Sauvignon und Merlot. Mittlerweile kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass der Cabernet Sauvignon aus einer Kreuzung zwischen Cabernet Franc und Sauvignon Blanc hervorgegangen ist und der Merlot aus einer Kreuzung aus Magdeleine Noire des Charentes x Cabernet Franc. Auch die Vaterschaft der Carmenère kann man dem Cabernet Franc zuschreiben: Er kreuzte sich mit Gros Cabernet.
In Frankreich stehen ca. 39.000 Hektar unter Reben, in anderen Teilen der Welt aber ist diese Rebsorte eine absolute Randerscheinung. In Deutschland sollen es gerade mal 15 Fußballfelder sein. Dabei würde sich der Anbau in größerem Maße vielleicht durchaus lohnen, wenn ich mir beispielsweise den Cabernet Franc "Fréderic" von Kistenmacher-Hengerer so auf der Zunge zergehen lasse. Dieser Wein von noch jungen Rebstöcken scheint sich in Württemberg ausgesprochen wohl zu fühlen, zumindest ist dies ein absolut gelungener Wein voller Würze, Frucht, Länge, schöner Säure und zurückhaltender Tannine.
Vielleicht ist genau dies einer der Gründe, weshalb der Cabernet Sauvignon im allgemeinen bevorzugt wird: die größere Menge an Tanninen, die den Wein offensichtlich robuster scheinen lassen, langlebiger, dichter. Dabei kann man Cabernet Franc eine längere Ausdauer kaum absprechen, so ein Cheval Blanc kann in guten Jahren durchaus altern, und auch die dichten Loire-Weine können ein hohes Alter erreichen.
Die Loire dürfte übrigens neben St. Emilion das wichtigste und auch bekannteste Gebiet für hochwertige Cabernet Franc-Weine sein und mit einigen Vertretern dieser Region haben wir uns beschäftigt und dabei Weine aus vier Apellationen probiert.
Chinon – Château de Coulaine
In Chinon, eine 1.800 Hektar Apellation im Bereich der Touraine, wird praktisch ausschließlich Cabernet Franc angebaut, lediglich 10% sind mit Cabernet Sauvignon bestockt. Der Boden setzt sich aus Kies-, Sand- und Kalksteinböden zusammen. All diese Böden findet man als Unterlage der ersten drei Weine des Abends, die einen Querschnitt der Arbeit des Winzers Etienne de Bonnaventure liefern, seines Zeichens Besitzer des über 700 Jahre alten Château de Coulaine, welches seit Anbeginn zum Besitz der Familie gehört. So alt das Familienerbe ist – einer der Vorfahren soll sich mit Karl dem VII und Jean d’Arc in Chinon getroffen haben – so alt ist die Weinbautradition. Etienne und seine Frau haben diese Tradition in eine neue Moderne geführt: Der Besitz wurde auf 12 Hektar erweitert, die Erträge auf maximal 35 hl/ha reduziert und seit 1988 wird biodynamisch gewirtschaftet.
Der 2006er Bonnaventure stammt von den oben genannten Böden, ein Teil der Hänge besteht aus lehmigen Kalksteinböden, ein anderer Teil von einem Plateau mit Sand- und Kalksteinböden. Die Vinifikation erfolgt ausschließlich im Eichenfass. Wie fast alle Cabernet Francs findet sich ein saftiges Kirschrot in der Farbe des Weines. Die Nase ist zunächst zurückhaltend, lediglich ein wenig Eisen/Blut findet sich, später öffnet sich der Wein und duftet nach roten Früchten, unterlegt mit tabakigen Noten, etwas Süßholz und Nelken.
Am Gaumen dominiert zunächst das Markenzeichen dieser Rebsorte, eine deutliche Säure von saftigen, sauren Kirschen. Der Wein wirkt nicht all zu dicht, geradezu aufgefächert in Aromen von Sauerkirschen, Johannnisbeeren, Brombeeren und orientalischen Gewürzen – auch hier findet sich wieder Süßholz, bzw. Anis. Wir hatten bei den Chinons fast das Gefühl, ein wenig Südfrankreich im Glas zu haben. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass hier nie etwas zu schwer ist, nichts fett, nichts überreif, vielmehr saftig und frisch.
Im 2006er Les Picasses treffen sich Reben von über 80 Jahre alten Stöcken mit knapp 10 Jahre altem Cabernet. In der Farbe, in der Nase und am Gaumen finden sich auch hier die typischen Attribute von Sauerkirschen und prägnanter Säure. Ansonsten unterscheidet sich der Wein deutlich vom Bonnaventure. Ein Schmeichler ist es, nachdem die UHU-Nase verflogen ist. Dann verbindet sich die saftige Kirsche mit süßem Brotteig, etwas vanilligem Holz und zurückhaltenden indischen Gewürzen zu einem weichen Ganzen. Im Les Picasses wirkt die Säure verhaltener, die Tannine sind geschliffen, ein feiner, vielleicht fast schon ein wenig zu runder Wein.
Leider hatte der 2006er Clos de Turpenay Kork, nicht extrem, aber immer präsent und störend. Schade, denn abseits des Korks verbanden sich feine Holz-Vanille-Aromen mit Butter, Kirschen und Johannisbeere, etwas Pfeffer und Gewürzen.
Bourgueil – Domaine de la Chevalerie
Das Bourgueil liegt nicht weit von Chinon entfernt im Westen der Touraine. Die Böden sind ähnlich zusammengesetzt und bestehen im Wesentlichen aus Sand-, Kies- und Sandsteinböden. Der 2006er Galichets der mir vorher unbekannten Domaine de la Chevalerie aus dem Bourgueil schafft es an diesem Abend nicht in die vorderen Ränge. Dafür birgt der Wein einfach zu viel Säure in sich. Schade, denn die Ansätze fand ich zunächst sehr schön. Schöne Cassis- und Kirscharomen, etwas Paprika, Pfeffer und Noten von Eukalyptus. Aber die Säure…
Saumur – Domaine de Roches Neuves
Thierry Germain gehört mit zu den eloquentesten Winzern der Region Saumur, die sich über 2.800 Hektar an den Hängen von Loire und Thouet erstreckt. Aus einer bordelaiser Winzerfamilie stammend hat er hier eine neue Heimat gefunden und schafft mit seinen Cabernet Francs ebenso wie mit dem Chenin Blanc l’Insolite oder dem Crémant Bulles de Roche charaktervolle, teils faszinierende Weine. Mehr zum l’Insolite und zu Thierry Germain habe ich hier geschrieben.
Der 2007er Terres Chaudes stammt von den heißen Böden der Coteau des Poyeux, wurde im großen Holzfass ausgebaut und wird unfiltriert und ungeschönt auf die Flasche gezogen. In der Nase fand ich feines Holz mit etwas Vanille und leicht medizinische Noten. Dazu Brombeeren mit eher wenig Sauerkirsche, dafür jedoch ein wenig Unterholz. Der Wein ist extraktreich und lang mit einer markanten aber nicht zu starken Säure und feinen Tanninen. Schöner Stoff.
Anjou – Clau de Nell
Das Anjou dient eigentlich als Hauptapellation in der sich Unterapellationen wie Savennières, Coteaux du Layon oder das Saumur befinden. Das 12.000 Hektar Gebiet grenzt im Osten an Bourgueil und Chinon, im Westen an Muscadet.
Die Geschichte des Weingutes wie auch die Geschichte von Claude und Nelly Pichard, aus deren Vornamen Claude und Nelly der Names des Gutes Clau de Nell entstanden ist, ist ein wenig verrückt.
Irgendwann sind die beiden, die zu diesem Zeitpunkt auf dem elterlichen Hof im Burgund gearbeitet haben mit Weinen von Nicolas Joly, dem Vorreiter des biodynamischen Weinbaus in Kontakt gekommen und Claude war hin und weg. Er wusste, er möchte ebenfalls solche Weine machen. Da seine Eltern dagegen waren, deren Hof auf Biodynamie umzustellen, entschied er sich zusammen mit seiner Frau, sein Glück woanders zu suchen. Fündig wurde er im Anjou, in einer Gegend, in der es genau einen Weinberg gibt, 8 Hektar groß, mit 80 Jahren alten Reben bestockt, unter anderem mit der authochtonen Rebsorte Grolleau. Rings herum gibt es sonst nur Wald und Felder. Der Boden besteht aus einer oben liegenden Sandsteinschicht mit Feuersteineinschlüssen, 12 unterschiedlich dichten, aufeinander gefalteten Lehmschichten sowie einer darunter liegenden Kalksteinschicht die hervorragend geeignet ist, Wasser zu speichern oder zu drenagieren.
So gut die Arbeit der Pichards in Weinberg und Keller war, so schlecht war sie allerdings bei Buchführung und Planung, so dass sie nach drei Jahren schon Konkurs anmelden mussten. Kurz bevor der Weinberg verkauft werden sollte sprang die Großmeisterin aus dem Burgund, die Winzerin Anne-Claude Leflaive den beiden zur Hilfe. Sie hatte durch Zufall von den Weinen, den Winzern und dem Missgeschick gehört und sah die Chance und das Potential.
Der 2003er Cabernet Franc Clau de Nell duftet nach frischem Eichenholz mit den typischen Aromen von Vanille und Kokos. Nach und nach finden sich orientalische Gwürze ein sowie eine gewisse Süße reifer Früchte. Hinter dem noch etwas vordergründigen, aber feinen Holz wirkt der Wein sowohl filigran als auch komplex-opulent, burgundisch elegant und verführerisch, "rich", wie die Engländer sagen.
Am Gaumen wirkt der Wein zunächst wie ein etwas geduckt wirkendes Kraftpaket mit leichter Herbe in der süßen Frucht und leicht medizinischen Noten. Beeindruckend von Beginn an wird der Wein im Laufe des Abends faszinierend. Es entfaltet sich die volle Kraft, Würze, Süße und die Dichte wird spürbar. Doch trotz aller Kraft bleibt der Wein immer subtil, ja filigran. Ein schönes Geschöpf und ein gutes Beispiel dafür, wie gleichberechtigt der Cabernet Franc neben seinem ungleich bekannteren Sohn bestehen kann.
Savennières – L’Enclos, Eric Morgat
Einen solchen Abend mit einen Chenin Blanc aus bestem Hause zu beenden macht enormen Spaß. Savennières liegt als 120 Hektar Enklave ebenfalls im Anjou und ist nicht zuletzt durch das Chateau de la Roche aux Moines des Nicolas Joly bekannt geworden. Selbstverständlich aber gibt es weitere, hervorragende Erzeuger, von den Eric Morgat nur einer ist.
Dieser kommt aus einer Winzerfamilie, die in den Coteaux du Layon beheimatet ist. Das Savennières hat Morgat 1995 für sich entdeckt wo er sich zu Füßen von Roches aux Moines einige Hektar Land kaufen konnte. Seinen Keller hat er zunächst im oben beschriebenen Château de Coulaine bei den Bonnaventures angemietet. Morgat arbeitet biologisch, ist aber nicht zertifiziert. Seine Weine werden in 400 Liter-Fässern fermentiert, spontanvergoren und durchlaufen etwa zur Hälfte eine spontane malolaktische Gärung. Die Weine bleiben lange auf der Hefe und werden immer wieder aufgerührt.
Das verwendete Holz ist sowohl in der Nase als auch am Gaumen deutlich erkennbar bei diesem 2006er Savennières l’Enclos. Um es direkt zu sagen: Der 2006er leidet ein wenig am Alkohol, der hinten raus ein bisschen brandig wirkt. Ansonsten ist das ein beeindruckender Chenin Blanc, irgendwo angesiedelt zwischen Tradition und Moderne. Voller Tiefe, reifer Birnenfrüchte und etwas Banane, mit Nüssen versetzt und mit Holz, ein wenig bitterer Orange und Karamell. Dabei wirkt die Säure ganz ausgewogen und fein. Ich muss sagen und es hier wieder betonen: Ich liebe diese Rebsorte in all ihren Facetten, trocken ausgbaut wie auch süß, verwegen wie geradlinig. Sie bietet eine ähnliche Bandbreite wie der Riesling, beeindruckt aber gerade auch in Verbindung mit Holz. Der l’Enclos ist hier hierfür ein ausgezeichnetes Beispiel.
Wenn mir jemand die Frage stellen würde, welche zwei Flaschen ich mit auf eine einsame Insel mitnehmen würde, wenn es also wirklich nur zwei sein dürften, müsste ich bei Erzeuger und Jahrgang länger überlegen, bei den Rebsorten nicht. Ich würde eine Flasche Riesling mitnehmen und eine Flasche Pinot. Allerdings würde ich protestieren, denn zwei Flaschen sind doch ein bisschen wenig.
Beim letzten Treffen unseres Kleinen Bonner Weinzirkels haben wir uns mit der zweiten Rebsorte beschäftigt. Deutschland gegen den Rest der Welt war das Thema. Entsprechend kam knapp die Hälfte der 15 angestellten Weine aus deutschen Landen, die Welt musste sich die restlichen Plätze teilen. Dabei ist klar, dass bei so begrenztem Platz trotz eines Abends mit 15 Weinen nur der Bruchteil eines repräsentativen Querschnitts geliefert werden kann. Doch wie spannend war der Abend…
Begonnen haben wir mit einer Trias aus drei deutschsprachigen Weinen: die 2004er Spätburgunder Spätlese Im Sonnenschein vom Weingut Ökonomierat Rebholz stand neben dem 2000er Pinot Nero Schweizer von Franz Haas, Südtirol, aus der Magnum-Flasche genossen und dem 2005er Sanford & Benedict von Au Bon Climat.
Für mich war der Spätburgunder von Rebholz der Gewinner des ersten, verdeckt servierten Flights – auch wenn ich damit in der Minderheit war, den meisten gefiel der Haas besser. Dieser Wein ist kein Überflieger und wirkte auch schon ein wenig müde, das muss ich zugeben. Die Tannine sind ein wenig mürbe, der Wein schien etwas spröde zu sein. Trotzdem gefiel er mir ausgesprochen gut: ein warmer, fast molliger Wein mit relativ viel geröstetem Holz, Zeder und einer Portion Vanille. Dazu kam getrockenete Kamille und ein paar nicht näher zu definierende andere Kräuter. Vor allem aber gefiel mir die leicht salzige, deutlich steinige Mineralität und die angenehme Länge.
Der Schweizer von Franziskus Haas dagegen wirkt auf mich ein wenig aufgesetzt parfümiert, etwa so, als hätte jemand heimlich ein Glas Gin in den Pinot gekippt. Später allerdings erhebt sich dieser Pinot über den Spätburgunder von Rebholz, wirkt jugendlicher und frischer und auch das Parfümierte tritt in den Hintergrund.
Ausgesprochen enttäuschend fand ich den Pinot des eigentlich ziemlich genialen Weinmachers Jim Clendenen von Au Bon Climat. Der 2005er aus dem Weinberg Sanford & Benedict im Santa Maria Valley, Central Coast wirkte bitter und herb, mit einigen Erinnerungen an Kirschen und anderen roten Früchten. Das ist schade, denn die anderen Weine die ich von Au Bon Climat kenne gehören für mich zum besten und frischesten, was ich an kalifornischen Pinots kenne.
Der 2007er Black Dog von Dr. Crusius, der 2003er Grand Duc vom Deutzerhof und der 2003er Pinot Noir Ata Rangi, Martinborough, Neuseeland bildeten die zweite Gruppe.
Dr. Crusius aus Traisen im Gebiet Nahe gehört schon seit den 60ern zu den renommierten Betrieben in diesem Gebiet. Dies liegt einerseits an der traditionellen, sehr überlegten Arbeitsweise, zum anderen am hervorragenden Weinbergsbesitz zu dem unter anderem ein halber Hektar der berühmten Traiser Bastei gehört, ausserdem Teile des Schlossböckelheimer Felsenbergs und der Kupfergrube, dem Traiser Rothenfels und der Niederhäuser Felsensteyer.
Pinot gehört nicht unbedingt zu den bekannten Weinen des Dr. Peter Crusius. Dieser setzt vor allem auf Riesling, trocken wie restsüß, mit ein wenig weißen Burgundersorten. Spätburgunder bildet nur 5% des Anbaus. Der Black Dog war nicht ganz mein Fall. In der Nase zunächst Kirsche und ein Duft nach typisch deutschem Spätburgunder, in der Nase und im Mund dann weiches, geröstetes Eichenholz, der Wein wirkte insgesamt weich, zwar frisch, aber mir persönlich zu wenig geerdet. Der Pinot schmeckte ein wenig zu stark nach Erdbeershake und zu wenig nach Boden – so würde ich das mal zusammenfassen.
Der Grand Duc vom Mayschosser Weingut Deutzerhof – Cossmann-Hehle im Gebiet Ahr, war da von anderem Holz. Kraftvoll, dicht, stoffig, geerdet wirkte er, wenn man sich durch die fast penetrante UHU-Nase gearbeitet hat, die ziemlich lange im Glas stehen blieb. Ich stehe ja immer vor deren Flaschen und wundere mich ein wenig über die französischen Bezeichnungen der Weine, die wohl so einen Adelshabitus erhalten sollen, der mich fast peinlich berührt. Aber letztlich zählt ja der Inhalt und den hat Wolfgang Hehle im Griff. Das Weingut gehört seit Jahren konstant zur Spitze des Gebietes. Früher wurden den Weinen – übrigens auch denen des Kollegen Meyer-Näkel – gerne vorgehalten, sie wären nicht alterungsfähig, würden zu schnell vergehen. Das kann ich nicht unterstreichen. Ich habe mittlerweile so einige Weine der beiden getrunken die vor 2000 gekeltert wurden und die Weine waren ausgezeichnet. Der 2003er hier ist mir ein wenig zu kräftig. Man merkt den heißen Jahrgang, der Wein hat 14% Alkohol und wirkt neben der Frucht und erdigen Dichte ein wenig zu schwer, zu massiv. Das wird sich auch nicht mehr glätten. Kein schlechter Wein, Gott bewahre, aber auch nicht wirklich begeisternd.
Der Ata Rangi Pinot Noir aus Martinborough, dem Pinot Gebiet auf der nördlichen Insel Neuseelands stammt von Reben, die Anfang der 80er angelegt wurden als das Weingut gegründet wurde. Amüsant ist übrigens, dass der Pinot-Klon ursprünglich aus den Lagen Romanée-Contis stammt. Ein neuseeländischer Reisender hatte ihn dort schlicht gestohlen und wollte ihn als Erinnerung an den Weinberg mit in sein Heimatland nehmen. Dieses jedoch hat die Einfuhr verweigert. Einfuhren von Rebstöcken sind auf Grund der Reblaus-Gefahr grundsätzlich verboten, bzw. unterstehen strengen Hygienevorschriften. Der Zufall wollte es, dass der Weinmacher Malcolm Abel damals in der Mitte der 70er noch als Zolloffizier gearbeitet hat und den Klon konfiszieren konnte, um ihn an die staatliche Weinforschungsanstalt weiterzuleiten. Diese haben den Klon dann verfielfältigt und Abel dann zurückgegeben. Abel wurde kurz vor seinem plötzlichen Tod zu Anfang der 80er Berater des Weingutes Ata Rangi und hat diese Klone mitgebracht.
Der 2003er Ata Rangi ist ein schöner Wein, jedoch ebenfalls keiner, an den ich lange zurückdenken werde. Leicht erdig war er, mit herber Würze, die mich ein wenig an die obere Rhône erinnert, die Kirschfrucht wirkte fein, nicht aber die Tannine, die waren mir zu ruppig.
Feiner, weicher, mit schöner Länge stand der 2001er Oberrotweiler Eichberg »RS« des Weinguts Salwey im Glas. Er stammt aus dem letzten komplett verantworteten Jahrgang des leider unlängst verstorbenen Gründers Wolf-Dietrich Salwey. Seit 2002 verantwortet sein Sohn Konrad den Ausbau der Weine. Waren die beiden früher vor allem berühmt für ihre Weiß- und Grauburgunder aus dem Henkenberg, haben sie sich auch im Spätburgunderbereich kontinuierlich an die Spitze des Gebietes herangearbeitet. Der 2001er Eichberg bestätigt den Weg, den das Gut genommen hat.
Dagegen wirkte der 1999er Chambolle-Musigny der Domaine Phillippe Charlopin-Parizot kränkelnd, wie ein Schatten seiner selbst. Einserseits im Geruch von einer Würzsoßenmaromatik bestimmt die dort eigentlich nicht hingehört, störte am Gaumen eine unangenehme Säure.
Der 2002er Marimar Estate aus dem Don Miguel Torrres Vineyard im Russian River Valley stand noch in der Blüte seines Lebens. Begeistert hat er wohl keinen von uns so recht, ein wenig zu gemacht wirkte der Wein, ein wenig zu heiß, doch gut fanden in trotzdem die meisten. Kirschmarmelade gefolgt von Holzaromatik bestimmte das Bild. Trotzdem wirkte der Wein in sich stimmig, harmonisch, mit einer schönen Länge.
Wie man es dort noch besser machen kann zeigte uns dann im nächsten Flight der 1997er Pinot Noir Reserve von Robert Mondavi. Zunächst ein wenig UHU und Stallgeruch in der Nase, setzte sich dann vollreife Frucht und Karamell durch. Das ist nun definitiv eine kalifornische Art, Pinot zu machen, aber es ist eine schöne Art, eine tolle Erfahrung. Da steckte ziemlich viel Süße drin, der Wein war voll und dicht, lang und ausgewogen, dicht und harmonisch und trotz des fortgeschrittenen Alters kein bisschen müde. Tja, 1997, als man bei Mondavi noch guten Wein kaufen konnte.
Zunächst mal gar nicht so schlecht kam der 2003er Reichestal »RR« vom Weingut Franz Künstler aus dem Rheingau daher. Mit einer fruchtbetonten Frische und kühler, leichter Zedernholzaromatik wirkte er gar nicht gebietstypisch, auf einen deutschen Wein wäre ich auch nicht so ohne weiteres gekommen. Nicht zuletzt deshalb allerdings, weil der Wein mit der Zeit im Glas zunehmend alkoholstark wirkte, und bei längerer Verweildauer im Glas auch brandig wurde. Das allerdings ist bei 15% (!) Alkohol auch kein Wunder. Das war eindeutig zu viel.
Der dritte Vertreter des Flights war ein 2002er Vougeot »Les Cras« Premier Cru des Weingutes Domaine de la Vougeraie. Diese wurde im Jahr 2010 mit Preisen geradezu überschüttet: Der Chef-Önologe und Regisseur der Domaine de la Vougeraie, Pierre Vincent, wurde bei der International Wine Challenge IWC 2010 in London zum besten Rotweinmacher des Jahres ausgezeichnet. Noch dazu wurde der Bonnes Mares Grand Cru in vier Kategorien ausgezeichnet: 1. Bester Rotwein Burgunds 2. Bester Rotwein Frankreichs 3. Bester Pinot Noir der Welt 4. Bester Biowein der Welt (Das Gut arbeitet strikt bio-dynamisch).
Wie auch immer, wir haben den Wein ja verdeckt verkostet, Preise spielten keine Rolle, sind aber nachvollziehbar: für mich, und nicht nur für mich, war dies der Wein des Abends. Solch einen Wein finde ich eben nur im Burgund. Bei allem überteuerten Schrott, den man dort kaufen kann; die Weine der gewissenhaft arbeitenden Winzer mit ausgezeichneten Lagen können ein Größe haben, wie sie sonst schwer erreichbar ist. Das Filigrane, Präzise, die Feinheit und Komplexität bei gleichzeitiger Kraft, das leicht Nervige, die Tiefe und feine Fruchtsüße von reifen Kirschen machte diesen Wein überaus faszinierend und er bleibt in meiner Erinnerung haften wie ein Bild, wie ein Stilleben eines großen niederländischen Meisters. Da ist nichts, was plakativ die Aufmerksamkeit an sich zieht, es fasziniert dadurch, das jeder Pinselstrich im Detail genau so präzise und stimmig ausgeführt ist wie im Großen die Gesamtkomposition, die Harmonie der einzelnen Bildteile stimmt…
Es gab an diesem Abend noch mindestens einen weiteren Wein, dem ich hier huldigen möchte. Der 2003er Spätburgunder Assmannshäuser Höllenberg, vinifiziert von August Kesseler ist meilenweit vom 2003er Reichestal entfernt und ich persönlich hätte ihn auch nicht in Deutschland verortet. Zu heiß, zu alkoholstark ist hier nichts. Aus dem Glas strömte zunächst eine ganze Wolke Holunder und Johannisbeere, gepaart mit ein wenig Rosenduft, Brennessel und, ja, Kümmel, dazu etwas Holz. Am Gaumen findet sich ein kraftvoller, fest gewirkter Wein mit viel Substanz, Tiefe und Kraft. Sehr harmonisch, großes Kino.
Da konnten die zwei weiteren Weine des letzten Flights nicht ganz mithalten, auch wenn der 1999er Spätburgunder R vom Weingut Fürst in Franken ein wirklich guter Wein ist. Kein bisschen müde, von der Typizität her ein deutscher Spätburgunder par excellence, frisch, feine Kirscharomen, etwas Asche, nicht zu konzentriert und dicht, schön, aber nicht so einprägsam wie die beiden davor beschriebenen Weine.
Auch der 1998er Clos de la Roche Cuvée Vieilles Vignes von der Domaine Ponsot konnte hier nicht mithalten. Auf mich wirkte der Wein so, als käme er weiter aus dem Süden, sagen wir nördliche Rhône. Süße in der Nase, fast parfümiert wirkend mit orientalischen Gewürzen wirkte er wie ein Adventswein, wo sich neben Kirsch und Cranberry-Aromen zunehmend ein wenig Pampelmuse eingeschlichen hat. Alles in allem merkte man dem Wein sein Alter an, nichts für ungut.
Zum Abschluss dieses faszinierenden Abends fand sich im Keller des Gastgebers eine Flasche gereifter Kanzemer Altenberg Riesling Auslese vom Weingut von Othegraven. Ich finde es ja immer wieder faszinierend, in Würde gealterte Rieslinge zu probieren wenn sie in gutem Zustand sind. Diese Flasche war in blendendem Zustand und keiner von uns hat auch nur annähernd den richtigen Jahrgang getippt. Auch wenn klar war, dass wir es hier mit einem älteren Modell zu tun haben würden. Die Alterungsnoten – schwarzer Tee lässt grüßen – waren offensichtlich, doch das Süß-Säurespiel des Weines war so beeindruckend, wirkte noch so frisch, dass wir nach unserer Meinung eher einen Mitte- bis Endachtziger im Glas zu haben glaubten statt eines 1975er!
Ich gebe zu, momentan beschreibe ich viele Weine, die ich in meinen Webshop aufnehmen werde, schlicht, weil ich sie eh noch mal verkosten will um eine individuelle Beschreibung liefern zu können. Allerdings habe ich mitnichten vor, mein über Jahre gewachsenes Blog auf Dauer als Werbeplattform für den Webshop zu nutzen. Aber für eine klitzekleine Zeit ist das hoffentlich ok.
Auch in Zukunft werde ich natürlich immer wieder Weine beschreiben die ich auch verkaufen werde, kennzeichnen tue ich das immer. Allerdings werde ich hoffentlich den Fokus des Weblogs mehr auf Winzer lenken, auf Begegnungen.
Den Spätburgunder der Bäders werde ich, wie so einige andere Weine des Gutes mit ins Programm nehmen weil ich die Weine einfach extrem lecker finde. Diese Weine vertreten exakt die Art der Süffigkeit und der – ich muss es so sagen – Geilheit, die liebe. Denn sie sind keineswegs banal oder einfach oder langweilig. Der Spätburgunder beispielsweise, 11.50,- ist ein guter Preis, überzeugt bisher jeden, dem ich diesen Wein unter die Nase gehalten habe. Schöne Fruchtaromen, Johannisbeere zum Beispiel, frisches, aber nicht zu deutliches Holz, ein wenig Gewürze unter Unterholz, etwas leicht kräutrig-Medizinisches und dann dieser Geschmack von Vanillequark der mich an den Vanillequark von Butter-Lindner in Berlin erinnert, der schlecht zu toppen ist. Frisch, lang und lecker.
Mehr brauche ich nicht an so einem Abend wie heute, wo ich den Wein genommen habe, um Steinpilze und Knoblauch in Butter und Öl zu löschen. Dazu kleine Tomaten, ein Hauch Sahne, Salz und Pfeffer und Peccorino, dazu frische Tagliatelle von Sassella – zum Selbermachen bin ich nicht gekommen.
Hach! Und ja, eigentlich wollte ich mit dem Shop heute online gehen aber ich habe noch einen anderen Job, und der zwingt mich bis einschliesslich Sonntag an den Schreibtisch und Montag geht es mal eben nach Rheinhessen – auch zu den Bäders, die ich bisher nur kurz kennlernen konnte.
Den Hans Hengerer habe ich bei der 2010er Prowein kennen gelernt. Eindeutig deshalb, weil Onkel und Cousine mit ihm befreundet sind. Zum Glück. Denn wäre ich sonst zum Stand »Junges Schwaben« gegangen? Vielleicht nett, und das wär ei Verluscht. Denn Ellwanger, Beurer, Hengerer, Zipf und Wachtstetter machen richtig guten Stoff.
Württemberg ist so eine Weinregion die, wie die gängigen Traubensorten dort – Trollinger, Lemberger – nicht unbedingt den besten Ruf genießt jedoch schon lange aus dem Tiefschlaf erwacht ist und in der es neben dem Grafen Neipperg und Rainer Schnaitmann längst eine Reihe weiterer guter, gewissenhaft arbeitender junger Winzer gibt. Ähnlich wie es in Rheinhessen »Message in a Bottle« geschafft hat, mit gezielt gutem Marketing – das nur dann etwas bringt, wenn die dahinter stehenden Qualitäten stimmen – auf eine ganze Region aufmerksam zu machen wünsche ich den Jungen Schwaben, dass sie dies für Württemberg genau so schaffen denn auch hier stimmt die zugrunde liegende Qualität.