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Wurzelecht und bunt gemischt – uralte Gemischte Sätze von wurzelechten Rebstöcken in Deutschland

Daz niemand keinen win mit gemecht machen sol noch keinen hunischen stock machen oder legen noch kein sun davon ziehen
Heilbronner Urkundenbuch von 1399

Wenn wir heute über Wein sprechen, meinen wir in erster Linie ein Genussmittel, dem wir mehr oder weniger viel Aufmerksamkeit schenken. Wein muss nicht immer edel und teuer sein, es kann auch ein einfacher Alltagswein sein, der uns schmeckt. Die Zeiten, in denen die Bedeutung von Wein über die eines Genussmittels hinausging, sind dagegen noch gar nicht so lange vergangen. Noch Ende des 19. Jahrhunderts baute beispielsweise der Gründer eines der heute angesehensten und größten Weinunternehmens der Welt, Dr. Christopher Rawson Penfold, kurz nach seiner Einwanderung in Australien den Wein als Heilmittel an. Er ging von der tonischen Wirkung dieses Getränks aus, das anämischen Patienten besonders in den abgasbelasteten Städten des industrialisierten Nordens den Aufbau roter Blutkörperchen erleichtern sollte. Neben dem Einsatz als Heilmittel hatte Wein jedoch eine noch viel wichtigere, ja lebenswichtige Bedeutung. Wein galt über Jahrhunderte hinweg als Lebensmittel, genauer gesagt als Standardgetränk, mit dem zum Teil auch Arbeiten entlohnt wurden.

Genau aus diesem Grund kam das Weinland Südafrika zu seinem heute wichtigsten Exportartikel. Südafrika lag auf der Route der Holländisch-Ostindischen Compagnie, und diese nahm auf dem Weg nach Indien das Kap Afrikas in Besitz, um zunächst einmal eines zu tun: Wein anzubauen. Wein wurde auf Schiffen als Wasserersatz genutzt; denn er war nicht nur sauberer als das meiste Wasser, das früher zu haben war, er hielt sich auf Schiffsreisen auch bedeutend länger. Von ähnlicher Bedeutung war der Wein im Mittelalter und darüber hinaus. Neben der zweifelsohne berauschenden Wirkung dieses Getränks diente es in den vergangenen Jahrhunderten auch der Grundversorgung. Vom Regensburger Dombau – ein großes und hohes Gebäude, bei dem es eigentlich auf Zuverlässigkeit und sicheren Tritt ankam – und seinen Rechnungen weiss man, dass die dortigen Arbeiter trotzdem mehrere Liter Wein am Tag tranken. Auch wenn der Wein, was den Alkoholgehalt angeht, kaum mit dem heutigen vergleichbar gewesen sein dürfte, muss die Leber ordentlich zu tun gehabt haben. Auch die Qualität dieser Weine dürfte selten wirklich Freude bereitet haben; denn Wein wurde überall, auch in kalten Gegenden angebaut, in denen nicht einmal die früh reifenden Sorten jemals eine Chance für die Reife hatten. Selbst die kleine Eiszeit vom 14. bis 19. Jahrhundert hielt in Deutschland kaum jemanden davon ab, aus erbärmlichen Hügeln jene Weinberge zu machen, die heute noch in Flurnamen erhalten sind.

Bild zu:   Wurzelecht und bunt gemischt

Um jedoch den Weinberg möglichst widerstandsfähig gegen Frost und Krankheiten zu halten, wählte man damals eine Anbaumethode, die heute unter dem Namen Gemischter Satz bekannt ist. Dabei werden im Gegensatz zur heute üblichen Monokultur unterschiedliche Sorten gepflanzt. Ein Gemischter Satz ist also eine Umschreibung für einen Weinberg, in dem es wild zugeht, so wild, wie wir es gar nicht mehr gewohnt sind. Nach heutiger Definition müssen mindestens zwei verschiedene Rebsorten durchmischt gepflanzt sein, meist waren es jedoch bis zu dreißig. Und da konnten sich dann auch rote Sorten mit weißen Sorten die Fläche teilen. Zum Schluss wurde das Mittelmaß der Reife genommen, oder der Winzer orientierte sich an der Leitrebsorte des Weinbergs. Er wird im Laufe der Zeit die Erfahrung gemacht haben, dass der Wein am besten schmeckt, wenn eine spezifische Sorte des Weinbergs ausgereift ist. Entsprechend durften früh reifende Sorten ein wenig überreif sein und andere, spät reifende Sorten, durften noch etwas grün und unreif sein. Im Mittel jedoch – diese Erfahrung konnte man mit solchen Weinen machen – fiel es nicht auf. Für den Winzer ist diese ganz alte Form des Weinanbaus ein Schutz gewesen; denn er hatte mit dieser Methode durch die Sortenvielfalt einen widerstandsfähigeren Weinberg, der Weinberg wurde zu einem einzigen Zeitpunkt gelesen und die klimatischen Schwankungen wurden zumindest teilweise ausgeglichen.

Bild zu:   Wurzelecht und bunt gemischt

Wo im Mittel gelesen wird, kann auch nur eine mittlere Qualität herauskommen, mag man annehmen – aber so einfach ist es nicht. Auch wenn kaum ein Winzer, der einen gemischten Satz anbaut, mit diesem in die Riege der Spitzenweine vorstoßen dürfte, gibt es doch eine Reihe wirklich bemerkenswerter Weine, die über ein Mittelmaß deutlich hinausgehen. Die Ergebnisse sind sogar so gut, dass man wohl von einer kleinen, noch schüchternen Renaissance sprechen kann. Leider haben die Wiener Winzer sich die Bezeichnung Gemischter Satz frühzeitig EU-weit schützen lassen, sodass sich nur Weine aus dem Wiener Weinviertel so nennen dürfen. Alle anderen Weine müssen auf andere Bezeichnungen wie Alter Satz etc. ausweichen. Einer der Winzer, die einen solchen Weinberg frisch angelegt haben und sich eine entsprechende Bezeichnung suchen mussten, ist der Nahe-Winzer Matthias Adams, der mit seiner Frau Luise Freifrau von Racknitz das gleichnamige Weingut führt.

Vor einigen Tagen traf ich ihn auf einer Veranstaltung, wo es um eine ganz spezielle, ja rare Form des Gemischten Satzes ging, nämlich um Gemischte Sätze aus wurzelechten Reben. Wenn Gemischte Sätze schon relativ selten sind, so sind es die aus wurzelechten Reben erst recht; denn sie sind Relikte einer weitgehend vergangenen Zeit. Sie stammen im Wesentlichen aus der Zeit vor der Reblausplage im 19. Jahrhundert. Die Reblausplage, die mit Setzlingen aus den USA eingeschleppt wurde, zerstörte innerhalb weniger Jahre die meisten Rebbestände in Mitteleuropa und ließ, vereinfacht gesagt, nur dort Reben übrig, wo die Rebläuse sich nicht im Boden festsetzen konnten, beispielsweise im reinen Schiefer einiger Mosellagen oder in sandigen Böden. Von dort, wo das Verderben herkam, wurde irgendwann allerdings auch die Hilfe geliefert. Es waren wilde amerikanische Rebsorten, die schließlich in den hiesigen Weinbaugebieten gepflanzt wurden – nicht um Wein zu liefern; denn der schmeckte nicht. Die Rebstöcke liefern bis heute lediglich die Unterlage, also den Stamm, auf dem die edlen Reben wie Riesling, Chardonnay oder Pinot Noir wachsen.

Bild zu:   Wurzelecht und bunt gemischt

Racknitz’ Wein mit dem Namen Gemengelage stammt zwar nicht direkt von alten knorrigen wurzelechten Reben, und doch hat er etwas damit zu tun. Matthias Adams hat diesen Weinberg gepflanzt, um Rebsorten zu erhalten, die kurz davor sind auszusterben und die es teilweise nur noch in diesen uralten wurzelechten Weinbergen gibt. Eine dieser Sorten ist der Weiße Orléans und einen Rebstock, vielleicht den ältesten, mehrere hundert Jahre alten fand man bei von Racknitz am Disibodenberg. Dort, wo Hildegard von Bingen ihr halbes Leben verbrachte, wird seit Urzeiten Weinbau betrieben, und einer dieser vielleicht im ausgehenden Mittelalter gepflanzten Rebstöcke hat bis heute überlebt. Damit der Weiße Orléans dort erhalten bleibt, wurde auf dem Weingut ein Weinberg angelegt, in dem Orléans-Klone im Verbund mit anderen, teils höchst seltenen Sorten gepflanzt wurden. Dabei hat Matthias Adams einen besonders alten und gesunden Weinberg fast eins zu eins abgebildet und lediglich einige weitere alte Sorten zusätzlich mit aufgenommen. Der wurzelechte Weinberg, von dem diese Reben stammen, steht in Franken und wurde in jenem Jahr gepflanzt, als die erste deutsche Eisenbahn, der Adler, von Nürnberg nach Fürth fuhr – 1835. Seitdem hat dieser Weinberg Fröste genauso wie Krankheiten überlebt, und für das Weingut Zang in Somerach ist der aus diesem Weinberg stammende sogenannte Alte Satz mittlerweile das Paradepferd im Angebot. Es war auch der beste Wein des Abends, den der Bonner Weinenthusiast Thomas Riedl in dreijähriger Vorbereitung organisiert hat. Schnell wurde bei seiner Präsentation klar, wie aufwendig die Recherche nach den verbliebenen uralten, teils winzigen Weinbergen war. Er hat etwa 20 gefunden, und sehr viel mehr dürfte es in Deutschland, wo der Gemischte Satz über Jahrhunderte hinweg die normale Anbauform war, nicht mehr geben. So stand auch weniger die Weinqualität der einzelnen Weine der Probe im Vordergrund – hier spielt ja auch die Erfahrung der Winzer eine nicht ganz unbedeutende Rolle -, sondern vielmehr das Besondere im Weinberg.

Zwar habe ich an jenem Abend nicht das erste Mal vom Blauen Kölner gehört; denn ich bin im Rheinland aufgewachsen und dank Kölsch und Karneval ist mir der Blaue Kölner nicht fremd. Nur als Rebsorte hatte ich ihn bisher nicht wahrgenommen. Auch das Möhrchen war mir bisher als Rebsorte gänzlich unbekannt. Im Alten Satz von Zang stehen vornehmlich uns bekannte Sorten wie Elbling, Silvaner, Traminer, Riesling oder Gutedel. Eine solche Mischung wird als vinum francium oder Herrensatz bezeichnet, denn hier finden sich die noblen Rebsorten, die für den Adel bestimmt waren, und die als Zehntwein abgegeben werden mussten. Für das einfache Volk gab es vinum hunicum, den heunischen Wein oder Knechtwein, also den für den Hausgebrauch. In solchen Sätzen finden sich die Sorten, die heute kaum noch jemand kennt und die tatsächlich so rar sind, dass sie in wenigen Jahren ganz aus unseren Weinbergen verschwinden könnten. Zählte man im 19. Jahrhundert offiziell noch über 400 gebräuchliche Weinsorten, sind es heute noch 130, Tendenz fallend – man kennt es von Birnen- und Apfelsorten zur Genüge. Aufzählen muss ich einige dieser Sorten; denn wer vermutet schon eine Putzscheere im Weinberg? Wer kennt noch Honigler oder Vogelfränkische, Hartschwartz oder den Blauen Urban? Auch der Weiße Heunisch, neben dem Traminer die zweite Sorte, die sich irgendwann in einer Wildkreuzung zum Riesling geformt hat, gehörte zu den heunischen Weinen, während der Traminer zu den edlen Sorten gezählt wird.

Bild zu:   Wurzelecht und bunt gemischt

Wer als Winzer das schnelle Geld machen will, ist bei dieser Art Weinbau natürlich falsch aufgehoben. Das wurde beim letzten Wein des Abends mehr als deutlich, einem roten gemischten Satz aus Franken, wo mit Abstand die meisten dieser alten Rebanlagen zu finden sind. Der im churfränkischen Klingenberg stehende Satz besteht aus 16 Rebsorten wie der Fleischtraube, dem Roten Elbling, dem Roten Franken (den es nur noch dort gibt), Cabernet Sauvignon (tatsächlich wurzelecht) oder Blauem Kölner (sic!). Um den Weinberg zu erhalten, hat man kürzlich allein 116 Meter an neuen Mauern gezogen, eine Treppe neu angelegt und den Weinberg teils neu terrassiert – für 130 Flaschen Erntemenge pro Jahr. Das Thema ist also ohne Zweifel eine Aufgabe für Enthusiasten. Genauso aber eine Aufgabe für jene, die gerne neben Chardonnay und Pinot, Riesling und Sauvignon Blanc mal etwas weiter schauen und stöbern, um etwas Unbekanntes zu finden, was dabei übrigens selten mehr als einen Zehnten kostet und doch deutlich seltener ist als Romanée-Conti oder eine Flasche Château Petrus.

Anmerkung: Bild 3, von Matthias Adams zur Verfügung gestellt, zeigt den Jahrhunderte alten weißen Orléans am Disibodenberg, der auf den ersten Blick eher an Efeu denn an Wein erinnert. Auf Bild 1 und 2 bekommt man einen Eindruck vom Zustand solch alter Rebanlagen und auf Bild 4 gibt es einen Blick auf die Parzellierung eines alten fränkischen Weinbergs. Fotos jeweils von Thomas Riedl, dem viel Dank gebührt.

Der Artikel erschien zuerst im Januar 2013 im Blog Stützen der Gesellschaft der faz.net. Aber da ich das Thema weiterhin so spannend finde, dachte ich, es kann nicht schaden, es hier auch noch mal zu publizieren. List ja nicht jeder die Stützen.

 

Knipser Syrah Réserve 2009 – Mein Rotwein des Jahres (für 2014)

13/Dez/13 17:37 kategorisiert in: Rot, Deutschland, Syrah / Shiraz

Jetzt habe ich wirklich länger überlegt, ob ich einen Rotwein, der noch gar nicht auf dem Markt ist und den ich nur deshalb probieren durfte, weil mir das Weingut Knipser vorab ein Muster hat zukommen lassen, als Wein des Jahres 2013 betiteln kann. Aber natürlich kann ich, ist ja eh fast alles subjektiv hier. Außerdem gibt Euch diese Empfehlung die Chance, eine Flasche oder zwei oder drei zu reservieren, solange man dazu überhaupt die Möglichkeit hat. 2.000 Flaschen werden in den Handel kommen bzw. direkt ab Weingut verfügbar sein.

knipser

Es handelt sich bei dem Wein um die 2009er Syrah Réserve aus dem Weingut Knipser. In der aktuellen Ausgabe der effilee hatte ich schon den exzellenten einfachen Syrah aus dem Jahr 2007 beschrieben und auch dieser Wein war schlichtweg eine Wucht. nicht weil er wuchtig gewesen wäre, sondern weil mich die Mischung, die stimmige Mischung aus Kraft, Feinheit, Holzeinsatz und Sortentypizität fast umgehauen hat. Vorher kannte ich die absolut empfehlenswerten Syrah von Hanspeter Ziereisen und die meiner Meinung nach nicht empfehlenswerten Syrah von Fritz Waßmer. Das ist jetzt kein breites Spektrum an Erfahrung, doch ist diese Sorte in Deutschland eben auch immer noch selten, sie befindet sich immer noch im Versuchsanbau. Ich kenne aber natürlich einige Dutzend Syrah von der Nordrhône, und das ist ohne Zweifel  die Benchmark, an der sich Weingüter wie Waßmer, Ziereisen oder Knipser messen lassen müssen, und mit Sicherheit auch wollen, denn diese Weingüter haben genau diesen Anspruch.

Die Réserve ist jetzt gewissermaßen die Auslese der Auslese. Denn was ich vorhin als den einfachen Syrah bezeichnet habe, ist natürlich keineswegs einfach. Es ist ein komplexer, tiefgründiger Wein von deutlich eigenem Charakter, wie man ihn in der deutschen Weinlandschaft so momentan kaum noch mal findet. Was natürlich daran liegt, dass rote Weine aus Deutschland, die man als hervorragend bezeichnen darf eigentlich immer aus Spätburgunder gekeltert werden (Ausnahmen wie beispielsweise der 2009er Cabernet Sauvignon Ambrosia „Bestes Fass“ vom Aloisiushof bestätigen die Regel). 2009 war wohl auch ein gutes Jahr für französische Rebsorten in Deutschland, denn ich erinnere mich auch an einen exzellenten Merlot von Wagner-Stempel – aber ich schweife ab und der Satz ist natürlich zu plakativ. Streichen wir ihn.

Die Barrique-Spezialisten

Die Barrique-Spezialisten

Zurück zum Syrah: Was bei der Réserve wieder einmal deutlich wird, ist Knipsers Gefühl für das richtige Holz. Das ist bei den Spätburgundern eine ganz klare Sache, und das wird auch hier wieder deutlich. Die Holznote in diesem Syrah ist so ausgefeilt, dass ich das Gefühl hatte, die müssen mit dem Küfer durch die Wälder von Tronçais spaziert sein, um jede Eiche und später jede Fassdaube persönlich auszuwählen. Fakt ist jedenfalls, für mich sind die Knipsers so etwas wie die Magier des Holzeinsatzes. Beim 2009er, den ich im September letzten Jahres erhalten habe, steht das Holz natürlich stärker im Vordergrund als bei der 2007er Réserve, die ich parallel dazu probiert habe. Trotzdem ist es keine Spur zu viel. Was dann aus dem Glas strömt ist pure Syrah-Eleganz. Es ist das, was man sich wünscht, wenn man einen teuren Hermitage im Glas hat – und nicht immer bekommt. Es ist das, was die Sorte so unvergleichlich macht, es ist die schwebende, auf markanter Säure basierende Leichtigkeit rund um einen fest gewirkten Kern aus Würze und Frucht. Bildlich gesprochen ist dieser Wein ein Tänzer, maskulin, muskulös, dabei grazil, sich jeder Muskelkontraktion bewusst und immer voller Lebendigkeit. Wunderbar ist das Spiel aus dunkler Frucht (Schwarze Johannisbeere, Zwetschge, Holunder), Gewürzen, Kräutern und Blüten wie Pfeffer, Wacholder, Veilchen, Tabak, dazu feines Sattelleder und zum Schluss ein Hauch von Orangen. Wie beim 2007er entwickelt sich dieser Wein über Tage hinweg. Mal steht der Pfeffer mehr im Vordergrund, mal die Frucht, mal die noch gar nicht erwähnte erdig-steinige Note. Stets präsent bleibt aber das  Dialektische dieses Weins, die Spannung zwischen dem Schwebenden und dem Geerdeten. Und all  das zusammen genommen macht diesen Wein für mich groß. Dass das dann auch noch möglich ist mit einer Rebsorte, die hier so etwas wie eine Orchideensorte darstellt, macht den Wein darüber hinaus besonders und im Moment einzigartig.

Ein vergleichsweise unspektakulärer Weinberg, der Großkarlbach

Ein vergleichsweise unspektakulärer Weinberg in Großkarlbach

Es wird ihn ab 1.9.2014 geben. Ich weiß nicht, ob man ihn privat beim Weingut resevieren kann, aber einen Versuch wäre es wert. Die 2007er Réserve kostet um die € 60,-.

WRINT – Flaschen 8 – Deutscher Rotwein II

Es geht noch mal um deutschen Rotwein. Mit Spätburgunder bzw. Pinot hatten wir uns schon in der letzten Sendung eingehend beschäftigt, nun folgt, was in deutschen Landen schon lange beiheimatet ist, aber kaum jemand kennt. Schwarzriesling zum Beispiel, auch Müller-Rebe genannt, ist die drittwichtigste Rebsorte in der Champagne und mengenmäßig eine der am meisten angebauten Rotweinreben in Deutschland. Kennen tut sie kaum jemand, reinsortig ausgebaut wird sie auch nur von wenigen namhaften Winzern. Das Weingut Friedrich Becker aus der Pfalz aber hat den Schwarzriesling 2009 für 14 Monate ins Barrique gelegt und einen angenehmen Wein daraus gekeltert. Gefallen hat auch der würzig-fruchtige Lemberger vom Weingut Jürgen Ellwanger aus Württemberg, ein wenig durchgefallen dagegen ist der St. Laurent aus dem kleinen Pfälzer Weingut Landhaus Kronenberg. aber hört selbst…

Eine lange Reihe meist hervorragender Cabernet Francs

Die Sorte gehört zu den ältesten Europas und hat als eine der ursprünglichen Reben mindestens drei berühmte Kinder hervorgebracht: den Cabernet Sauvignon, den Merlot und die Carmenère. Die Rede ist vom Cabernet Franc, der nicht nur im Bordeaux eine wichtige Rolle in den Cuvées des rechten Ufers spielt, sondern vor allem auch reinsortig an der Loire. Ging man bis vor wenigen Jahren noch davon aus, dass die Sorte im Bordelais entstanden ist, deutet mittlerweile vieles darauf hin, dass Cabernet Franc aus dem spanischen País Vasco stammt, einer baskischen Pyrenäenregion. Denn bevor aus der Sorte in Frankreich Cabernet Sauvignon und Carmenère entstanden sind gab es in Spanien schon Morenoa und Hondarribi Beltza, eine Sorte, die in den Weingärten von Txakoli oft mit Cabernet Franc verwechselt wird. Es ist wahrscheinlich, dass der Cabernet Franc mit der bedeutenden Pilgerkirche von Roncesvalles verbunden ist, einem der wichtigsten Anlaufpunkte europäischer Pilgerer auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Hier wurde bereits seit dem 12. Jahrhundert Weinbau betrieben. Die Mönche nutzten in den Weinbergen, die vom französischen Irouléguy bis zum spanischen Hondarribia reichten vor allem lokale Sorten. Zu diesen Sorten gehörte wohl schon früh die Achéria (zu Deutsch Fuchs), der baskische Name für Cabernet Franc. Im Französischen taucht die Sorte das erste Mal 1534 unter ihrem im Loire-Tal gebräuchlichen Namen Breton auf, und zwar bei François Rabelais. Auch wenn unklar ist, ob der bei Rabelais erwähnte Breton tatsächlich Cabernet Franc war, so weiß man doch mittlerweile, dass es die Sorte schon seit langer Zeit im Anjou gibt und – ich beziehe mich auf die historischen Quellen, die sich im wunderbaren „Wine Grapes“ von Jancis Robinson, Julia Harding und José Vouillamoz finden – und der Comte d’Anjou Geoffroi Martel bereits 1050 den Abt von Ronceray in Angers gebeten hat, ein kleines Stück Land mit Rebstöcken aus Bordeaux bepflanzen zu dürfen.

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Die detektivische Arbeit geht jedoch noch weiter, denn der Name Breton könnte auch auf die Bretagne hinweisen, wo es im Mittelalter deutlich wärmer war und in stärkerem Maße Weinbau betrieben wurde. Dort wurde in der Nähe des Ortes Suliac ein uralter Rebstock Magdeleine Noire des Charentes gefunden, ein Elternteil des Merlot, dessen anderes Elternteil ja der Cabernet Franc ist.

Nun, lassen wir die drei Autoren weiter spekulieren und wenden uns den nackten Tatsachen zu: Cabernet Franc hat ein sehr hartes Holz und ist entsprechend kälteresistent, reift ziemlich mittig aber früher als der Cabernet Sauvignon. Er ist auch stärker im Wuchs und braucht trotzdem einen längeren Anschnitt. Er liefert von Natur aus kleinere Erträge und neigt zusätzlich zum Verrieseln. Die kleinen Beeren sind dickschalig und doch weniger tanninhaltig als die des Cabernet Sauvignon. Neben einem Hang zu Pilzkrankheiten ist es vor allem das kleine Reifefenster, in dem die aromatischen Trauben gelesen werden wollen, dass die Sorte ein wenig problematisch macht. Man muss sich halt gut mit ihr auskennen, um Spitzenqualitäten erzeugen zu können.

Glücklicherweise erlebt diese Sorte eine kleine Renaissance, denn ich mag den duftigen, leicht grünen, erdig-würzigen Ton ausgesprochen gerne. Daher war es eine Freude, Gastgeber einen kleinen Cabernet Franc-Runde zu sein, deren Schwerpunkt zwar die wichtigste Anbauregion Loire war, bei der es jedoch genauso einige Überraschungen aus eher untypischen Gebieten gab.

2009 Kistenmacher-Hengerer, "Fréderic", Württemberg – 2008 Bründlmeyer, "Vincent", Niederösterreich
Das war nun der einzige Wein, den ich gut kenne und der sich im Laufe der Jahre ausgezeichnet entwickelt hat. Hans Hengerer, der gerade in den Verband der Prädikatswinzer aufgenommen worden ist, baut den Fréderic teils im Holz, teils im Edelstahl aus. Der Wein duftet leicht nach Holz, stärker nach Cassis und Kräutern und zudem leicht nach grüner Paprika und Tabak. Er ist ziemlich saftig am Gaumen, auch hier kommen wieder Paprika und Kräuter ins Spiel und ebenso das Holz. Die Tannine sind fein, die Säure präsent, der Wein ist relativ leicht. Ich finde den Cabernet, der aus einer noch jungen Rebanlage kommt, ausgesprochen gelungen. Doch wie gesagt, diese Notizen stammen nicht von diesem Abend, sondern aus meinem Probenheft und so blieb uns der direkte Vergleich mit dem zweiten Wein verwehrt.

Dieser stammt aus Österreich und zwar aus dem Jahr 2008. Ich hatte ihn, hier habe ich es erwähnt, kürzlich bei der summa 13 probiert. Dort hat Bründlmeyer Junior den Wein ausgeschenkt, der wie er den Namen Vincent trägt. Der 2008er Cabernet Franc hat eine großartige, dichte Frucht, viel Cassis, etwas Holunder, Kirsche und viel Substanz. Am Gaumen stören ein wenig die doch harschen Tannine, bei denen wir gespannt sind, ob sie tatsächlich noch mal runder werden. Für einen hervorragenden Wein könnte der Nachhall etwas länger sein, doch er macht schon viel Spaß. Ich bin gespannt, wie sich diese Sorte bei den Bründlmeyers weiter entwickelt. Lohnen tut sich das Experiment auf jeden Fall, finde ich.

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2010 Domaine Guiberteau, Saumur Rouge – 2010 Pearl-Morisette "Cuvée Madeleine", Niagara
Im zweiten Flight habe ich zwei Weine zusammengestellt, die unterschiedlicher kaum hätten sein können. Da ich bis auf den Fréderic keinen Wein kannte, musste ich mich ein bisschen auf die Intuition verlassen, auf ähnliche Jahrgänge und auf mögliche Parallelen. Hier ist lediglich gleich, das beide Weine aus 2010 stammen und de facto viel zu jung sind. Trotzdem wollte ich beide Weine unbedingt probieren. Der 201er Saumur von der Domaine Guiberteau war mit wichtig, weil wir im Februar eine kleine Reise dorthin machen werden. Ich hatte kürzlich schon den „einfachen“ Chenin aus dem selben Jahr probiert und bis auf die Tatsache, dass er ebenfalls viel zu jung war und die Säure noch hervorstach, war das ein exzellenter Chenin. Den Cabernet stelle ich ebenfalls auf diese Stufe, vor allem nach dem Probieren am zweiten Tag. Brombeere, Jod, also eine medizinische Note, Kühle, etwas Waldbeere, Kräuter, ein wenig Paprika und etwas Grafit bestimmen die Nase. Der Wein ist noch scheu, man riecht die Jugend, am Gaumen ist er ausgesprochen mineralisch und die Cassis-Note wird immer stärker. Romain Guiberteau vergärt den Wein in Beton und baut ihn dann in gebrauchten Barriques aus. Die Holznote schwingt nur mit. Der Wein hat Substanz, bleibt immer kühl und die Kraft ist schwer zu fassen. Der Saumur rouge ist ein kleines, tiefes Gewässer, das ich gerne ein paar Jahre in seiner Entwicklung verfolgen möchte.

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Einer der beeindruckendsten Weine des Abends war für uns ohne Zweifel die 2010er Cuvée Madeleine vom kanadischen Weingut Pearl-Morisette. Im Bereich Niagara entstehen im Jahr nur etwas über 600 Kisten und ich schätze mich glücklich, dass ich von der RAW eine Flasche mitnehmen durfte, denn der Wein hatte dort bleibenden Eindruck hinterlassen. Morisette hat sein Handwerk im Burgund gelernt, und das schmeckt man. Hier trifft seidige, burgundische Eleganz auf einige, für das Burgund untypische Aromen. In der Nase schon wirkt der Wein weich und warm, duftet nach Milchschokolade, nach schönem Holz (Darf man das schreiben? Schönes Holz? Es ist dieses französische Holz aus besten Küfereien, das für mich exakt den richtig Flämmgrad hat um ungemein sexy zu sein – ohne zu viele Röstaromen in den Wein zu hauen). Dann kommen Himbeeren und Brombeeren, etwas Tabak, eine Spur grüner Paprika, die gerade mal ein wenig die Ahnung von Cabernet aufkommen lässt. Dazu ein Hauch Cassis, der auf die gleiche Rebsorte verweist. Da ist ein wenig neue Welt trifft alte Welt. Es hat nicht viel mit den Loire-Weinen zu tun, die wir später noch als hervorragend empfinden werden. Doch der Wein ist ungemein gelungen, auch am zweiten Abend und ich möchte mehr davon haben.

2009 Domaine Gayda, "Figure Libre", Pays d’Oc – 2008 Domaine de la Chevalerie, "Bretêche", Bourgeuil
Wir sin duns einig, dass dieser Wein aus einer wärmeren Gegend kommt, als es die Loire sein könnte. Es ist nicht wirklich schwer zu erkennen. Röstnoten treffen auf Mocca, der Wein hat einen süßlich-reifen Kern, wirkt breiter am Gaumen als die vorherigen und liefert gleichzeitig mehr Paprika. Er ist saftig, rund mit milder Säure. Gar nicht übel dieser Wein aus dem Languedoc, und ein ganzes Stück angenehmer als sein Flight-Partner.

Denn der war schlichtweg unangenehm zu probieren. Er roch nach nasser Pappe, die ein bisschen zu lang auf Kellerboden gelegen hat und auf die irgend ein Witzbold eine halbe Flasche Kirschwasser entleert hat. Will man das trinken? Nein. Der Wein, dem man jetzt nicht einfach so einen Fehler zuschreiben  konnte, war dumpf, schmeckt müde, spröde und schlicht. Schade.

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2006 Weninger & Gere, Cabernet Franc Selection, Villány – 2006 Bründlmeyer, "Vincent", Niederösterreich
Der Cabernet Franc aus dem ungarischen Villány, den der Österreichische Winzer Weninger mit dem ungarischen Winzer Gere gemeinsam verantwortet, war neben dem Kanadier für mich die zweite Überraschung des Abends: Jackfruit mit Schokolade umhüllt, etwas Mocca, etwas Tabak, dunkle Frucht. Am Gaumen dann Kraft, Substanz und Tiefe, deutliches, aber harmonisches Tannin, etwas astringierend, lang. Ein charaktervoller, hervorragend gemachter Wein.

Das kann man vom 2006er Vincent leider nicht behaupten. Er hat bei Weitem nicht die Klasse des 2008ers. Es war das erste Jahr und es war ein Experiment, daher ist das auch noch nicht so aussagekräftig. Aber bei diesem Wein schwimmt die Frucht in Maggi und Röstnoten, Schinkenspeck und Sojasauce. Am Gaumen drücken die Tannine brutal durch und was bleibt ist eine Bitternote und zu viel Barbecuegewürz. Das ist das Gegenteil von Eleganz. Aber was soll’s? Ich habe noch eine Flasche von dem 2008er.

2008 Domaine de la Chevalerie, "Chevalerie", Bourgeuil – 2007 Clos Rougeard, “Poyeux”, Saumur Champigny
Scheu und ebenfalls etwas dumpf mit der gleichen, jedoch bei weitem nicht so ausgeprägten Papp-Note kommt der 2008er Chevalerie daher. Am Gaumen ist der Wein saftig, mit Cassis-Tabak-Paprika-Aromatik, der Wein hat Länge und eine gewisse Substanz. Alles in allem jedoch scheint das nicht das Jahr der Domaine de la Chevalerie gewesen zu sein.

Ganz anders der 2007er Poyeux von Clos Rougeard. Das ist der zweite Wein des Abends. Die Weine der Brüder Nady und Charly Foucault, die im Prinzip seit den Sechzigern so arbeiten wie sie heute arbeiten und somit einerseits völlig aus der Mode fallen und andererseits eigentlich Vorreiter der Vorreiter sind, sind eine Legende. Für die letzte Ausgabe der Revue du Vin de France waren ihre Weine die besten Roten an der ganzen Loire und für diese Zeitschrift extrem hoch bewertet. Das kann ich nachvollziehen. Der Poyeux wirkt tatsächlich ein wenig aus der Zeit gefallen. Cabernet trifft klassischen Syrah von der Nordrhône. Der Wein hat ein wenig Bret, aber nur so viel, dass es passt. Er duftet nach mürbem Holz, Leder, Cassis, Speck und etwas Paprika. Dahinter schwingt ein ganzer Strauß an Kräutern mit. Am Gaumen ist er saftig, leicht kühl, weich mit feinen Tanninen, dazu kommt ein wenig Tomatenessenz, wieder Cassis, Speck und Paprika. Das ist alles fein verwoben, komplex und lang. Ein sehr schöner Wein!

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2003 Clos Rougeard, Saumur Champigny – 2006 Bernard Baudry, "La Croix Boisée", Chinon
Der 2003er hat nicht ganz die Klasse des 2007ers, es ist jedoch auch nur der “einfache” Saumur. Und, hey, es ist ein herrlich fleischiger, etwas rustikaler, kräutriger Wein, der wiederum die leicht Bret-Speck-Leder-Aromatik aufweist, leicht warm am Gaumen wirkt, fast ein wenig buttrig, und der im Gegensatz zum 2007er eine leichte Bitterkeit hat.Auch der Abgang ist nicht so lang. Der Wein entwickelt sich jedoch über Nacht am 2007er vorbei, ich probiere am nächsten Abend und der Wein hat mehr Pracht, mehr Länge, wirkt tiefer und auch die Bitternote ist verschwunden.

Bernard Bourdys Chinon liegt an diesem Abend für mich gleich auf mit dem 2003er Clos Rougeard, auch wenn es ein komplett anderer Wein  ist. Er ist dunkel und dicht, ist mineralisch, fordernd mit dunkler Frucht und vielen Kräutern. Eigentlich ein toller Wein, wenn da nicht die heftige, spitze Säure wäre, die den fordernden Wein zu einer Überforderung der Zahnhälse werden lässt. Das wird leider auch am zweiten Tag nicht besser.

1999 Château de Villeneuve, "Le Grand Clos", Saumur Champigny – 1996 Château de Villeneuve, "Le Grand Clos", Saumur Champigny
Auch das Château de Villeneuve gehört zu den führenden Häusern der Region Saumur Champigny. Das herrliche Gebäude aus dem 18. Jahrhundert liegt mit seinen 25 Hektar in Souzay. Die Weine liegen zeitlich gesehen vor unter hinter den großen Renovierungsmaßnahmen von 1997, so dass der 1996er noch im Interimskeller ausgebaut wurde, während der 1999 wieder im historischen Keller entstand. Sagt das etwas über die Weine aus? Keine Ahnung. Der 1999er Jahrgang war an der Loire nicht so gut wie der 1996er. Das dürfte mehr ausmachen und in der Tat war der 1996er ein ganzes Stück besser als der 1999er. Dieser wirkt zunächst sehr attraktiv, geschmeidig, mit leichtem Rauch, schöner Frucht und etwas Leder und Tabak. Dann ist er jedoch leider alkoholisch im Finish und baut schnell ab.

Beim 1996er findet sich zunächst ein Maggi-Ton in der Nase. Dann kommt ein wenig Frucht, jedoch mehr Kräuter und Tabak. Am Gaumen ist der Wein weich, leicht speckig mit etwas Paprika und einer ganz leichten, reifen Süße. Ein sehr schön gealtertes Exemplar eines Loire-Weins.

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1990 Domaine Charles Joguet, "Clos de la Dioterie", Chinon
Als Solitär wurde der CLos de la Dioterie 1990 zum Ende der Probe verkostet. Als Sieger, so waren wir uns einig, hat er diesen Abend beendet. Dieser Wein war der kompletteste, längste und charaktervollste und hat auch mir noch besser gefallen als der 2007er  Clos Rougeard. Leichte Röstnoten zu Anfang, dann florale Noten und Kräuter, etwas Speck, etwas Tabak, sehr attraktiv und fast jugendlich in der Nase. Natürlich, es gibt keine Primärfrucht mehr, der Wein hat sein Alter, das ist klar, aber er ist kein bisschen müde. Ein Golden Ager der am Gaumen geradezu saftig ist und kühl mit leicht jodigen Noten. Er hat Kraft und Eleganz und feines, mürbes Tannin. Dieser Lieux Dit aus dem Clos de la Dioterie ist ohne Zweifel ein hervorragender Wein, über den wir noch lange geredet haben.

Was bleibt? Ein persönliches Gefühl der Befriedigung, denn auch wenn an diesem Abend nicht die ganz großen, die unvergesslichen Weine auf dem Tisch standen, so war die Qualität doch außerordentlich. Und ist es nicht das, was einfach schön ist? Bezahlbare Weine zu trinken, die viel Spaß machen? Zudem gab es schöne Überraschungen und die Weine haben mein Bild von Cabernet Franc vertieft und die Sorte bleibt für mich höchst attraktiv. Ich mag die Noten von grüner Paprika und Tabak in Verbindung mit Cassis, wenn alles im Rahmen und fein bleibt. Das hat für mich immer auch ein bisschen was von Old-Shool-Bordeaux, vor allem wenn dann noch eine leicht salzige, jodige oder Menthol-Note dazu kommt. Auch wenn wir keinen Bordeaux mit dabei hatten, ließen doch diverse Weine diese Idee aufkommen. Ich erinnere mich an einen, vor einem halben Jahr probierten 1973er von der rechten Gironde-Seite zurück und finde in meinem Aromen-Gedächtnis genau diese Noten.

Um es kurz zusammenzufassen: Am ersten Abend lag für mich Jouguets Clos de la Dioterie vor Clos Rougeard Pouyeaux und Pearl-Morisettes Cuvée Madeleine. Danach der 96er Villeneuve Le Grand Clos, Weninger & Gere und Guiberteau. Am zweiten Abend lag der 2003er Clos Rougeard für mich vor Weninger & Gere, Clos de la Dioterie und Pearl-Morisette.

 

 

 

 

 


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