originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Inglenook – mit Eleganz gegen den Napa-Strom geschippert

10/Apr/14 13:28 kategorisiert in: Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Rot, USA

Vor kurzem habe ich eine ganze Reihe kalifornischer Weine probiert, und zwar bei einer großen Veranstaltung in Hamburg. Ich war, ehrlich gesagt, ein wenig entsetzt darüber, dass sich weder in der Breite, noch in der Spitze etwas getan zu haben schien in Bezug auf das späte Lesen, den Alkoholgehalt und die dementsprechende Schwere der Weine. Den Text dazu findet ihr hier.

Der Weinmacher, Philippe Bascaules und die Inglenook-Cabernets

Der Weinmacher, Philippe Bascaules und die Inglenook-Cabernets

Letzten Samstag hatte ich nun die Gelegenheit, etwas zu probieren, was deutlich anders gelagert war. Ich konnte den Cask Cabernet Sauvignon und den Rubicon von Inglenook probieren. Und zwar den gerade abgefüllten Jahrgang 2011 und den eigentlich noch im Fass befindlichen 2012er. Inglenook lautet der Name des Weinguts, das früher Niebaum-Coppola hieß. Es ist eines der berühmtesten und ältesten Weingüter in Kalifornien. Das Weingut wurde 1879 gegründet, und zwar von einem finnischen Kapitän namens Gustave Niebaum. Dieser hat sich dort niedergelassen, um schon damals in Konkurrenz zu treten mit den besten europäischen Gewächsen. Das alles hat sich ein bisschen verschoben, später gab es dann die Prohibition, der kalifornische Weinbau kam großenteils zum Erliegen und erst sein Großneffe John Daniel Jr. hat in den 30ern begonnen, mit dem Weingut wieder Fahrt aufzunehmen. 1975 hatte Francis Ford Coppola die Möglichkeit, das Weingut und große Teile der Weinberge zu übernehmen. Coppola hatte sich damals schon als Regisseur und Produzent einen Namen gemacht (Der Pate II kam 1974 in die Kinos und eigentlich steckte er gerade in den traumatischen Dreharbeiten zu Apocalypse Now), doch hatte er hier die Chance, seiner zweiten Leidenschaft zu frönen.  1978 kam der Wein auf den Markt, der ihm einen der vorderen Plätze auf der Richter-Skala des kalifornischen Weinbaus sichern sollte: Rubicon, Cabernet Sauvignon aus Rutherford im Napa Valley. Dass Coppola nicht nur ein Promi ist, der nebenbei ein Weingut betreibt, muss er längst nicht mehr beweisen. Er ist viel mehr als das. Er ist eine feste Größe in kalifornischen Weinbau und hat mit der Francis Ford Coppola Winery in Geyserville ein zweites Schiff unter Dampf, das auch niedrigspreisiger und konsumorientierter arbeitet als das edle Inglenook.

Der Inglenook Cask liegt bei 14.2% Alkohol. Das ist immer noch deutlich von den 12.5% entfernt, die entsprechende Weine in den 90ern in die Waagschale geworfen haben und deren Feinheit ich im letzten Artikel gelobt habe. Und doch ist dieser Wein meilenweit von den fetten Schnecken entfernt, die einem das Weintrinken, nein Weingenießen vergrämen. Der Wein wirkt duftig und mittelgewichtig. Er bringt vor allem etwas von den grünen Noten mit, die bei einem Cabernet schnell verloren gehen, wenn  man diesen zu spät erntet. Neben diesen leicht grünen (aber reifen) Noten findet sich Frucht und Leder, etwas Grafit und Zeder. Am Gaumen bleibt der Wein immer elegant, gut strukturiert und offen. Er hat mir in diesem Stadium sehr gut gefallen.

Das Château Inglenook im original angelsexy-georgiastischen Stil. Copyright Inglenook

Das Château Inglenook im original angelsexy-georgiastischen Stil. Copyright Inglenook

Obwohl der 2011er Rubicon etwas weniger Alkohol besitzt, wirkt er dichter und üppiger als der Cask. Das ist kein Wunder. Er ist das first growth des Hauses, in ihm findet sich das reifste und konzentrierteste Traubenmaterial. Und doch, trotz der höheren Dichte wirkt nichts überreif oder zu konzentriert. Das ist auch nicht im Sinne des Weinmachers. Philippe Bascaules ist eben kein Mann des Napa-Valley, denn er stammt aus dem Südwesten Frankreichs. Coppola hat ihn vom Château Margaux geholt, wo er viele exzellente Jahrgänge verantwortet hat. Das zeigt ziemlich deutlich, wo die Reise hingehen soll. Und das hat Bascaules im Gespräch auch bestätigt. Man hat sich einen neuen Entrapper angeschafft, der die Oxydation auf ein Mindestmaß reduziert. Man vergärt anders und will keine Überextraktion mehr haben. Obwohl der Wein zu 80% in neuem Holz lag, bleibt die Holznote schwebend elegant. Auch wenn 20111 ein wirklich schwieriger Jahrgang war, verregnet, zwischenzeitlich kalt, mit Stürmen während der Lese und Problemen mit Pilzbefall, zeigt sich hier die Hand eines exzellenten Weinmachers. Auch wenn ich mir die Weine noch mehr old school vorstellen könnte (das zeigte sich beim typischeren 2012er Jahrgang), noch etwas leichter und frischer mit noch weniger Holz – was ich probieren durfte, fand ich schon sehr beeindruckend.

Probiert auf der summa 14

Das Dilemma des kalifornischen Weinbaus – Quo Vadis California?

19/Mrz/14 12:42 kategorisiert in: Cabernet Sauvignon, Rot, USA

Gestern fand in Hamburg die größte Messe kalifornischer Weingüter seit Jahren statt. 46 Aussteller und rund 600 Weine wurden unter dem Motto Go West – California Wine Tasting Fachpublikum und interessierten Privatpersonen präsentiert. Dass diese Messe zustande kam finde ich hervorragend, denn kalifornischer Wein ist in Deutschland so wenig präsent wie seit vielen Jahren nicht. Selbst der amerikanische Botschafter war dort und hat ein Grußwort gesprochen, was den Wert dieser Veranstaltung unterstreicht. Es gab eine Zeit, vor allem in den Neunzigern, da war das anders, da war Kalifornien und auch Australien sehr präsent, doch hat sich das eben deutlich gewandelt.

u.l.: Geoff Whitman, Hendrik Thoma und Markus Berlinghof präsentierten die Icon Cabs

u.l.: Geoff Whitman, Hendrik Thoma und Markus Berlinghof präsentierten die Icon Cabs

Diese Messe hat mir erneut deutlich gemacht, warum sich das meiner Meinung nach auch nicht (so schnell) ändern wird. Der Tag gestern hat für mich das gesamte Dilemma des kalifornischen Weinbaus gnadenlos offengelegt. Das begann schon mit der geführten Verkostung eigentlich hochklassiger Weine, so genannter Icon Cabs, teurer Cabernets oder cabernetlastiger Cuvées, mit denen Kalifornien ja eigentlich berühmt geworden ist. Durch die Verkostung geführt haben gleich drei Fachleute, die sich im Thema wirklich gut auskennen, nämlich der omnipräsente Hendrik Thoma, Mastersommelier, der auch einige Jahre im Napa-Valley gelebt und gearbeitet hat, der aktuelle Chefsommelier des Louis C. Jacob, Markus Berlinghof und schließlich der Weingutsmanager von Michael (nicht Robert) Mondavi, Geoff Whitman. Präsentiert wurden 12 Weine, teils mehrere hundert Euro teuer. Darunter so Granaten wie Buccella, Stag’s Leap, Caymus oder Joseph Phelps Insignia. Begonnen allerdings hat die Verkostung mit dem ältesten Wein der Runde, der auch mit Abstand der schlankste Wein war – Ridge Montebello 1995 mit 12.5% Alkohol. Für mich ging ehrlich gesagt den ganzen Tag lang nichts über diesen Wein. Hier fanden sich Kraft und Eleganz in ausgezeichneter Harmonie, den Wein hätte ich viel eher im Pauillac verortet denn in Kalifornien, alles an  diesem Wein war klassisch, der Cassis-Duft, Zederholz, etwas leicht Ätherisches und Schwebendes – schlichtweg ein schönes Cabernet-Weinerlebnis.

Zwei Seiten der Medaille: links der Blockbuster mit 15.4%, rechts reine Finesse und Eleganz mit 12.5%

Zwei Seiten der Medaille: links der Blockbuster mit 15.4%, rechts reine Finesse und Eleganz mit 12.5%

Was danach kam war keineswegs schlecht, natürlich nicht. Besonders der M von Michael Mondavi 2009 und der Insignia 2010 von Joseph Phelps haben es mir angetan. Das Problem aber ist: all diese Weine haben mindestens 14,5% Alkohol, meist mehr, der berühmte Caymus Special Selection 2008 lag sogar bei 15.4%. Ja, dieser Alkohol war gut eingebunden, ja, die Weine sind natürlich viel zu jung und doch, der Caymus schmeckte eher wie ein Châteauneuf-du-Pape, zwar wie ein exzellenter, doch eben wie einer aus einem heißen Jahrgang. Für sich genommen ist das nicht schlimm, aber meine Idee von einem Cabernet Sauvignon liegt halt immer noch eher in der Oldschool-Tradition, die der Ridge 1995 bietet. Wenn ich Châteauneuf-du-Pape will, kaufe ich mir halt einen. Das weitere Problem ist, dass ich diese Weine zwar gerne probiere, aber nicht mehr wirklich genießen kann. Die Hitze des Alkohols, der die Kehle herunter rinnt, das Süße der superreifen, alkoholischen Frucht ist einfach zu deutlich. Das wurde dann später im Raum der Aussteller noch deutlicher.

Seine Exzellenz der Botschafter eröffnete diese bestens besuchte Veranstaltung.

Seine Exzellenz der Botschafter eröffnete diese bestens besuchte Veranstaltung.

Ich habe mal den Zinfandel von Sebastiani in der aktuellen Abfüllung probiert. Sebastiani hat ja für mich so eine gewisse historische Bedeutung, deswegen fand ich das mal ganz interessant, wie sich das so entwickelt hat, dort. Der Wein hatte um die 15% Alkohol und war süß wie ein Fruchtgummi und schmeckte in seiner Frucht auch so: Fruchtgummi aus dem Holz. Bei Paul Hobbs, einem durchaus berühmten Weinmacher habe ich den Pinot Noir probiert. Den knapp 50 Euro teuren Pinot mit 15% Alkohol. Auch hier war der Alkohol gut eingebunden, keine Frage, aber Leute, was soll denn Pinot mit 15% noch sein? Er kann unterm Strich nur heiß und süß wirken. Das wird meiner Ansicht nach dieser Sorte nicht mehr gerecht. Erdbeer- und Himbeerfrucht mit süßlichem Kern, wie wir ihn hier in Deutschland zum Glück immer seltener finden – dazu die Hitze und (Über-)Reife. Ähnliche Bauchschmerzen hatte ich mit dem Cabernet Sauvignon 2010 ( ca. € 75,-) und mit dem 2010er Cabernet aus dem Beckstoffer Las Piedras Vineyrd St. Helena, Napa. Ein großartiger Wein, dicht, tief, stoffig, wunderbare Frucht, und dann doch wieder ein wenig zu sehr Likör, Hitze, die ich im ganzen Körper spüre. Im Gegensatz dazu fanden sich zum Abschluss noch mal ein exzellenter Ridge Montebello 1997, ein Ridge Lytton Springs 1995 und ein Château Montelena 1995. Ich wiederhole mich hier gerne. Diese Weine verkörpern einen Typus an Eleganz und Feinheit, wie man ihn ja auch im Bordelais zu selten findet. Es ist der Typus, den ich bevorzuge. Andere mögen lieber die dichteren Weine mit den hohen Alkoholgraden. Nur, eins ist klar, irgendwann ist Schluss.

Das Bashing nicht zu weit treiben. Der O'Shaugnessy war schon wirklich großartig. Auch wenn ich vor Montelena immer noch eher niedergekniet wäre.

Das Bashing nicht zu weit treiben. Der O'Shaugnessy war schon wirklich großartig. Auch wenn ich vor Montelena immer noch eher niedergekniet wäre.

Selbst wenn man andere Hefen entwickelt oder benutzt, die mit deutlich höheren Alkoholgraden zurecht kommen ohne zu früh abzusterben – irgendwann lassen sich diese Weine nicht mehr trinken. Was also tun? Der Klimawandel schreitet voran. Geoff Whitman sagte mir, dass diese 12.5% eines Ridge heute definitiv nicht mehr zu erreichen seien, vor allem nicht beim Cabernet, der, wenn zu früh geerntet, schnell grün, also nach Pyrazin schmeckt. In Europa, vor allem in Spanien und auch in Süditalien gibt es immer mehr Winzer, die auf biodynamischen Weinbau setzen, weil der irgendwie dazu führt, dass die Trauben auf Dauer schneller phenolisch reif werden, ohne einen zu hohen Zuckergehalt zu haben. Ist das ein Ansatz? Zumindest für die Oberklasse der kalifornischen Weine? Es gibt natürlich Weingüter, die schon längst so arbeiten – die waren allerdings leider gestern nicht da. Ich fürchte allerdings, dass auch Biodynamie nur kurzfristig weiterhelfen wird. Das Umdenken muss alerdings auch noch woanders stattfinden, denn so reif, wie vieles von dem, was ich gestern probiert habe, in die Flasche gekommen ist, muss es jedenfalls nicht sein. Das erinnert mich ein bisschen an die vielen bekannten Ribera del Duero Weingüter, die gerade in einer ähnlichen Sackgasse stecken. Wie sieht es bei den einfachen Weinen aus? Die, die so um die zehn Euro auf dem deutschen Markt kosten? Da kann ich mir in Zukunft eigentlich nur vorstellen, dass die Weine irgendwann entalkoholisieren, damit die überhaupt noch trinkbar sein werden. Keine allzu schöne Aussichten jedenfalls…

 

P.S.: Die Weingläser der Icon Cab Verkostung stanken übrigens alle penetrant nach scharfem Spülmittel und haben den teils immensen Duft der Weine deutlich überlagert. Radisson Blu, i give you a pass.

Worüber ich kürzlich gestolpert bin…

30/Dez/13 16:11 kategorisiert in: Abschweifungen, Rot, USA, Zinfandel

Viele, die sich mit Wein beschäftigen, haben so etwas wie ein Weinerweckungserlebnis, eine Initialzündung, einen bestimmten Moment, an den sie sich immer erinnern werden und entsprechend einen ersten Wein, der ihnen präsent geblieben ist. Ich hatte auch ein solches Erlebnis.

Es war 1991, ich war jung und wohnte noch zuhause, da habe ich zum ersten Mal bewusst in einem Getränkehandel eine Flasche Wein erworben, weil ich an jenem Abend etwas Nettes zubereiten wollte. Das war natürlich nicht die erste Begegnung mit Wein, schließlich war da ja noch der kürzlich erwähnte Beaujolais Nouveau und außerdem  gab bei es meinem Vater jahrelang Entre-deux-Mers oder später staubtrockenen Silvaner aus Franken. Hat mich damals beides nicht überzeugt. In jenem Getränkefachmarkt – es war kein Weinhandel aber die Weinabteilung war großzügig und im Wesentlichen mit dem Programm von Eggers & Franke bestückt – bin ich durch die Reihen gelaufen und habe mich umgeschaut. ich hatte exakt null Ahnung. Was macht man, wenn man null Ahnung hat? Man nimmt sich was, das entweder gut aussieht oder cool sein könnte. Ich habe damals gedacht, Wein aus Kalifornien könnte cool sein, zumal ich den Namen Zinfandel ansprechend, irgendwie lyrisch fand. Damals habe ich mich für eine Flasche Zinfandel Sonoma County von den Sebastiani Family Vineyards entschieden. Ich habe diesen Wein zum Blaubeerpfannkuchen gereicht. Das hört sich zwar ein wenig verrückt an, aber so abwegig war es nicht. Beides hatte die volle Frucht und das, was ich damals aus dem Glas herausgerochen habe, hat mich total angemacht: Fruchtkompott, Holz, Vanille etc. Am nächsten Tag bin ich wieder in den Laden und habe die zweite Flasche gekauft.

sebastiani

Warum aber schreibe ich das? Nun, ich war vorletzten Samstag in Bonn und mit einem Freund in unserem bevorzugten Getränkehandel. Nicht dem von damals, aber einem, bei dem man richtig stöbern kann. Vater und Söhne Görtz verstehen was vom Fach und der Laden ist eine Fundgrube, zumal man hier immer wieder auf ganze Kellerauflösungen treffen kann und für manchmal kleines Geld gereiften Wein erhält. Was ich dort in der Grabbelecke entdeckt habe, ist eine Flasche 1988er Zinfandel Sonoma County Sebastiani Family Vineyards. Das ist mit ziemlicher Sicherheit sogar der selbe Jahrgang von damals. Hey!

Wie so häufig bei älteren Weinen riecht der Wein zunächst einmal so, als habe man gerade in einer lange unbenutzten Wohnung über ein Regal gepustet. Staubig wirkt er, dann kommt Unterholz, Gebüsch und eine Ahnung von Waldfrucht, die sich zunehmend konkretisiert. Hinzu kommt eine gewisse Säure in der Nase des rotbräunlich schimmernden Zinfandel. Am Gaumen ist der Wein dann allerdings ziemlich neutral. Die Frucht ist weg und wurde durch nichts Wesentliches ersetzt, kein Holz ist spürbar, keine Sekundäraromen. Na ja, der Wein tut immerhin auch nicht weh und für den Genuss habe ich ihn ja schließlich auch nicht gekauft.

Dominus 1991 vs. Araujo Estate Eisele Vineyard Cabernet 2002

31/Mrz/11 18:08 kategorisiert in: Bio & Biodyn, Cabernet Sauvignon, Rebsorten, Rot, USA, Rotweine

Bei manchen Weinen verschlägt es mir die Sprache und ich frage mich dann, wie ich den beiden Weinen, die ich gestern trinken durfte, gerecht werden kann. Diese beiden Weine, beide aus Kalifornien, gehören zum Besten und Perfektesten was ich bisher getrunken habe. Dabei könnten die vom Cabernet dominierten Weine unterschiedlicher kaum sein.

Dominus Estate, Dominus 1991

George Yount hat im Jahr 1836 den Weinberg namens „Napanook Vineyard“ in Yountville, Napa Valley, angelegt. Nach diversen Besitzerwechseln übernahm 1982  Christian Moueix, der Besitzer des Château Pétrus im Pomerol den Weinberg in einem Joint Venture, seit 1995 ist Moueix alleiniger Besitzer des Dominus Estate. Die Weinberge umfassen rund 50 Hektar Rebfläche auf Kies- und Lehmböden, die zum Teil noch mit Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc aus dem Jahre 1880 bestockt sind. Es handelt sich dabei um die ältesten Reben im Napa County. Das Flaggschiff ist der Bordeaux-Verschnitt Dominus, von Cabernet Sauvignon geprägt und mit jährlich etwas schwankenden Anteilen von Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot versetzt.

Wir konnten den 1991er Jahrgang, den Robert Parker neben dem 1994er als geradezu perfekt bezeichnet aus der 6 Liter Imperiale probieren, von denen seinerzeit nur 30 abgefüllt worden sind.  Langsam ist der Wein in der Großflasche gereift und bietet sich momentan in einem perfekten Zustand. Hätte ich nicht gewusst, was ich trinke, wäre ich nie auf Napa-Valley gekommen, dieser Wein ist absolut francophil und spricht die Sprache seines französischen Besitzers der im Napanook-Vineyard perfekte Vorraussetzungen für einen großen Wein hat. In der Nase zunächst eine dichte Mischung aus reifen Johannisbeeren, Kirschen, etwas Pflaumen, Zedernholzkiste und Graphit treten mit den Stunden feine Kräuteraromen in den Vordergrund, etwas Süßholz kommt hinzu. Im Mund finden sich die Früchte wieder, verbunden mit leichten Holzaromen eines perfekt getoasteten Holzes. Die Tannine sind weich, es findet sich eine herrliche Dichte und Kraft. Der Wein mag insgesamt etwas wärmer wirken als französische Kollegen aber an Eleganz steht er den großen Châteaux in nichts nach. Die Feinheit, Länge und Balance sind absolut beeindruckend.

Araujo Estate, Eisele Vineyard Cabernet Sauvignon 2002

Ganz anders der Araujo. 92 Prozent Cabernet prägen diesen Wein, mit einen wenig Cabernet Franc und Petit Verdot versetzt. 14.6% Alkohol verraten den Kalifornier eher als die 13.5% des Dominus. Der Wein birgt nicht die aristokratische Eleganz eines Dominus, er verführt mit verschwenderischer Opulenz. Die ist allerdings so perfekt ausbalanciert, dass nicht nur ich gestern kurzfristig demütig geschwiegen habe. Den Alkohol, ich muss es kaum erwähnen, schmeckt man überhaupt nicht durch. Das Holz ist absolut fein, die Tannine sind rund und geschliffen, der Wein ist von solch einer superben Intensität, dunkle Fruchtaromen mischen sich mit Schokolade und Mokkanoten genauso wie mit Zeder und leicht eukalyptischen Noten, und das so lang und dicht, das man den intensiven Geschmack noch Minuten auf der Zunge trägt. Das ist groß, das ist Kalifornien am Rande der Perfektion.

Auch diesem Wein hat Parker 98 bis 100 Punkte bescheinigt und er hat recht. Wenn man denn Punkte vergeben mag, dann bekommt man hier einen Eindruck, wie ein nahezu perfekter Wein schmecken kann. Jeder für sich in seinem eigenen Stil.

Das Weingut Araujo Estate Wines liegt in Calistoga, unterhalb der Palisade Mountains im Nordosten des kalifornischen Napa Valley. Es wurde 1990 von Bart und Daphne Araujo gegründet. Dazu erwarben sie einen der berühmtesten Weinberge Kaliforniens, den Eisele Vineyard, der schon im Jahre 1880 angelegt worden war. Die Rebfläche umfasst etwa 16 Hektar. Für den Weinberg wurde der Berater David Abreu engagiert, im Keller berät unter anderem Michel Rolland. Ausgebaut werden Cabernet Sauvignon, Altagracia, Syrah sowie Sauvignon Blanc. Der Weinberg wird nach biodynamischen Methoden bewirtschaftet.


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