originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Cardinal Zin

24/Sep/09 10:05 kategorisiert in: nach Rebsorten, Rot, USA, Rotweine, Zinfandel

Auch wenn dieser Wein 14 % Alkohol in sich birgt, ist er ein durchaus schlanker Vertreter seiner Art. Es ist ein Zin, ein Zinfandel – ein Wein also, mit dem ich im Wesentlichen aufgespritzte Botox-Weine verbind, die ich normalerweise rechts in die Kategorie Popcorn-Wein verlagere. Nicht so dieser salopp daherkommende Rote, wo Zin draufsteht, aber nicht komplett Zin drin ist. Auch wenn es die dominierende Rebsorte ist, haben sich Carignan und Sangiovese eingeschlichen. Eine ungewöhnliche Kombination, die aber nicht weiter überrascht, wenn man Randall Grahm kennt, den Macher dieses Weins und Gründer der Bonny Doon Winery. Da ist so ziemlich alles ungewöhnlich. Der Mann verschneidet auch kalifornische Weißweine mit Moselriesling. Er arbeitet völlig unorthodox, die Weine sind genauso wie die Etiketten. Sie spielen mit den verschiedensten Stilen, nichts ist ihm wirklich heilig und trotzdem ist er kein Ikonoklast, er zerstört nicht, sondern zitiert.

cardinal_zin_2007

Ok, abseits der Schwafelei – ich höre ja schon auf – birgt dieser Wein nur leichte Tannine, man findet neben der Kirsch- und Blaubeerfrucht einen Teelöffel voll Gewürze, etwas Orange vielleicht und ein wenig Teer und vor allem eine klare Säure, die diesen Wein angenehm rund und sehr trinkbar macht.

In Zukunft allerdings wird dieser Wein, neben Grahms zweitem Topseller Big Hous, nicht mehr von ihm selber gemacht. Die beiden Label sind an The Wine Group LLC verkauft worden, "Bonny Doon möchte sich auf seine Wurzeln besinnen und terroirgeprägte, biodynamisch angebaute Weine erzeugen".

Cardinal Zin 2005, Bonny Doon, Kalifornien, gut, 15 Euro

Buena Vista, Carneros, Pinot Noir 2006, Sonoma County

15/Jan/09 20:22 kategorisiert in: Pinot Noir / Spätburgunder, Rot, USA, Rotweine

Der Buena Vista befindet sich im Vergleich zum Hacienda Clair de Lune in einem anderen Weinuniversum. Das Weingut mit eigenem Weblog, übrigens das älteste Weingut in Kalifornien, welches seit 1979 zur Firma Racke aus Bingen gehört, hat einen sehr typischen kalifornischen Pinot Noir abgefüllt. Er duftet nach Unterholz, Himbeer, Waldbeer, Kräutern, Lorbeer und Pilzen und hat dazu etwas Mentholisch-Kühles.

Er ist sehr saftig und hat eine Stumpfheit, ähnlich dem Gefühl, zu lange zartbittere Schokolade gelutscht zu haben. Er ist alles andere als filigran, sondern eher mit offensiver Fruchtfülle gesegnet. Mir ist er ehrlich gesagt ein bisschen zu saftig-vordergründig.

Gute kalifornische Pinot Noirs haben übrigens ihren Preis. Der hier liegt bei ca. 21 Euro.

Buena Vista, Carneros, Pinot Noir 2006, Sonoma County, Kalifornien, 21 Euro

Pinot Noir Drops verflüssigt

14/Jan/09 23:13 kategorisiert in: Pinot Noir / Spätburgunder, Popcornwein, Rot, USA

Im Zuge des Erfolgs des amerikanischen Spielfilms Sideways hat sich der Anbau von Spätburgunderreben in Kalifornien ja deutlich ausgeweitet. Auf der Suche nach passenden Begleitern zu unserer eigenen Sideways-Ausstrahlung im Zuge des Gocher Weinzyklus sind wir auf einen günstigen Vertreter seines Fachs gestoßen, der wohl für um die 7,75 Euro im Handel zu bekommen ist und den einfallsreichen Namen Clair de Lune sein eigen nennt. 8 Euro sind definitiv die Untergrenze für kalifornische Pinot Noirs.

Es hätte allerdings genauso ausgereicht, sich eine Dose Cassis-Drops in der Süsswarenabteilung zu besorgen, um sie danach in Alkohol zu tränken, denke ich, als ich die Nase ins Glas halte. Zu der süßlichen Cassis-Note kommt noch etwas, das nach Veilchen bzw. weichem Lakritz riecht.

Der Wein hat mehr Säure als erwartet und überrascht damit. Eigentlich dachte ich eher, ich würde es mit verdünnter Marmelade zu tun haben. Der Marmeladen-Eindruck kommt dann aber doch und erinnert mich an die Erdbeer-Marmelade mit Vanille, die ich im letzten Jahr in Gläser gefüllt habe und die weniger durch subtile Fruchtnoten als durch ihre massive vanillige Zuckrigkeit in Erinnerung blieb. Der Wein wirkt weichgespült, heiß und abgekantet und ich finde, auf den sollte man zu keiner Gelegenheit mehr zurückgreifen.

Hacienda, Clair de Lune, Pinot Noir, 2002, Sonoma County, Kalifornien, ca. 8 Euro

Changing the Wineworld – kalifornischer Pinot Noir

10/Jan/08 22:12 kategorisiert in: Pinot Noir / Spätburgunder, Rot, USA, Rotweine

Wenn man Gary Vaynerchuk glauben darf, dann hat Sideways die amerikanische Weinwelt verändert. Und in der Tat hat sich die Anbaufläche von Pinot Noir in Kalifornien seit Sideways deutlich vergrößert. O.k., bleibt die Frage von Huhn und Ei. Mittlerweile bekommt man hier in Deutschland eine Auswahl an amerikanischen Pinot Noirs und da war es gestern Abend mal Zeit, zwei davon zu probieren, wo ich eh schon gerade bei Popcornweinen bin.

Coppola Directors Cut 2005

Der erste Wein des Abends trägt einen großen Namen, besser, das Weingut bzw. dessen Besitzer. Es ist Francis Ford Coppola, der mich als Regisseur schon mehr bewegt hat und dessen Paten ich gerade zu Weihnachten noch von meinem Bruder als Geschenk auf dem Gabentisch fand. Probieren wollte ich schon lange etwas von ihm. Das Weingut Inglenook, das Coppola 1979 kaufte, hatte seine besten Zeiten lange hinter sich. Kurze Zeit nach der ersten Tranche kaufte er mehr Rebfläche auf, insgesamt das gesamte Gebiet der ursprünglich 1879 gegründeten Winery. Coppola hat aber nicht einfach gekauft und verwaltet. Er hat sich engagiert, komplett zertifiziert auf Bio umgestellt und das Renommee von Inglenook, jetzt Niebaum-Coppola, mehr als wiederhergestellt. Bekannt war mir nur der Vorzeigewein Rubicon, der, bei über 100 Euro angesiedet, bisher noch nicht in meinem Glas gelandet ist. Einen schönen amerikanischen Überblick über Coppolas Weinwelt bekommt man übrigens hier.

Gestern dann also der Directors Cut 2005 Sonoma Coast Pinot Noir. 14,5 % Alkohol ließen mich Schlimmes erahnen. Der hohe schmeckbare Alkoholanteil der letzten Neueweltweine hat mir gar nicht gepasst. Was wir dann aber im Glas hatten, geschnuppert und getrunken haben, übertraf alle meine Erwartungen. Ausgeprägter harmonischer Duft nach Cassis, Pfeffer, Würze und – je länger der Wein im Glas war – dem Saft, der Süße von eingelegter Kirsche. Ein opulenter, aber nicht überbordender Geruch. Im Mund dann das Gefühl, in einen weichen, saftigen Kirschschokoladenkuchen zu beißen, nicht in schwere Sachertorte mit Marmeladenschicht. Nein, nein – eher ein frischer, aber durchgezogener Kuchen mit einem hohen Marzipananteil, mit Gewürzen, mit Süßkirschen, mit einem Hauch von Chilischokolade und Vanille. Der Alkohol auf Grund der Wucht und Stärke des Weines bewusst, aber kaum spürbar.

Das ist zwar neue Welt, aber was für eine. Das hat mit den abgestandenen Marmeladenweinen nichts zu tun. Das ist große Klasse!

Domaine Carneros Avant Garde 2002

Als Counterpart kam dann ein Pinot Noir der Domaine Carneros, dem kalifornischen Taittinger-Ableger, ins Spiel. Wie mag man in Texas wohl Taittinger aussprechen? Die haben sich übrigens ein französisches Schlösschen in die kalifornische Tiefebene gebaut. Und sie haben auch keinen wahren Stil mehr, die Exilfranzosen.

Hier also der Avant Garde 2002. Also, hätte ich es nicht besser gewusst, wäre ich davon ausgegangen, dass mir jemand ins Glas uriniert hat, während ich kurz abwesend war. Das konnte aber nicht sein, weil der Wein nicht nach frischem Urin roch, sondern nach abgestandenem – und so lange war ich gar nicht weg. Andere meinen, er rieche nach Liebstöckl bzw. Maggikraut. Na, das mag jeder selbst beurteilen. Der Geruch verfliegt dann auch irgendwann und es kommt ein filligraner Duft nach Walderdbeeren und leicht nach Himbeeren zum Vorschein. Auch im Mund verstärkt sich der Erdbeer-Himbeergeschmack. Dazu kommt frische Sauerkirsche, die dann die Erdbeeren verdrängt und sich das Bettchen mit der Himbeere teilt.

Im Ernst ist das ein gut gemachter Wein, den ich überhaupt nicht in Kalifornien ansiedeln würde. Das ist klare alte französische Schule. Schön, aber, um ihn nach Europa quasi zu reimportieren, ein bisschen überflüssig. Da kann ich mir dann auch direkt was Hiesiges kaufen. Sprach’s und öffnete den Meyer-Näckel …

Der Director Cut kostet so um die 27 Euro, der Avant Garde 10 Euro weniger.

Schneepause mit eingelegtem Rosinenkompott in amerikanischer Eiche

Unterach, Blick von Haus auf den Attersee

Im letzten Beitrag habe ich eine neue Kategorie eingeführt, die ich mal »Popcornwein« nenne. In der kurzen Winterpause nach Weihnachten und über Neujahr haben wir die Zeit ein bisschen im Salzburger Land vertrödelt. Schneewanderungen, Kasnocken, Germknödel, Rodeln und natürlich hier und da ein Glas Wein. Nun fand meine Begleitung den hiesigen Zweigelt und Blaufränkisch nicht so attraktiv und da dachte ich, ich kaufe mal nen Mädchenwein, geh’ in den – gemesssen an seiner Größe – hervorragend ausgestatteten Spar-Markt und kaufe ihr eine Flasche Kalifornier. Ich hätte mich auch für Penfolds Koonunga Hills oder Ähnliches entscheiden können. Da gab es auch ordentliche Barolos und die obere Smaragd-Wein Klasse aus Österreich in dem Spar-Markt, in allen Spar-Märkten dort. Da haben die uns schon was voraus. Deutsche Weine gab es selbstredend nicht. Das ist da so wie in der Schweiz.

Hallstaetter See

Es hätte auch ein Mondavi sein können, aber ich habe mich dann für einen Ravenswood-Zinfandel entschieden. Ich dachte, die sind schön fruchtig, haben ein bisschen Holz und sind seeehr gefällig. Ich hatte mal einen vor langer Zeit getrunken und das war wohl zu der Zeit, als Joel Person der Laden noch gehört hat. Ich hatte ihn schon mal vor einiger Zeit zum Thema Wein, Masse und Profit zitiert und jetzt also auch den entsprechenden Wein getrunken.

Ravenswood Zinfandel 2005

Diese Erfahrung war, ehrlich gesagt, gar nicht schön. Eher ernüchternd. Der Einstiegswein in die Zinfandelwelt von Ravenswood hat mich spontan an die dicke Rosinensoße erinnert, die wir unter dem Namen Polnische Tunke früher immer bei meiner Oma zu Weihnachten serviert bekamen. Süss und eingedickt. Das habe ich damals sehr gemocht. Und als Soße würde der Zinfandel vielleicht auch was hermachen. Nicht aber als Wein. Zu dem Rosinenkompott kam dann noch frisches Eichenholz, Himbeersirup und eine schwere Süße.

Also wirklich. Das war schon obszön. Ein obszöner Popcornwein.

Wir haben uns dann lieber an den Blaufränkisch von Gernot Heinrich gehalten. Der hat dann sogar der Dame gefallen. Brombeer statt Himbeersirup, Ein bisschen Duft und Geschmack nach verottendem Holz, nicht unangenehm, man nennt das wohl auch Bodennoten. Würze, Mineralik und Frische!

Gernot Heinrich Blaufraenkisch 2005

Bei Pinard de Picard heißt es übrigens dazu: »Dieser reinsortige Blaufränkisch aus der österreichischen Charaktersorte schlechthin besticht durch eine ungewöhnliche Feinheit und Eleganz, da alle rosinenartigen Trauben ausselektiert wurden, um eine überreife, marmeladige Stilistik zu vermeiden.« Das war also das exakte Kontrastprogramm zum Ravenswood.

Jurtschitsch Rotbichl Zweigelt

Ach ja, im Laufe des Urlaubs gab es noch den Rotbichl Zweigelt von Jurtschitsch. Zweigelt, neben dem Blaufränkisch die zweite autochtone Rebsorte Österreichs. Ein einfacher, angenehmer Wein mit leichter Kirsche, nicht allzu schwer, ein wenig Würze, doch schnell vergessen.

Christophs und Holgis Mixtour No. 8: Pre-Christmas Drinking

Nach einer beiderseits ziemlich durchzechten Nacht trafen wir uns gestern kurz vor Weihnachten zum ritualisierten Weihnachtsweinabend. Auf dem Programm stand ein 2005er Sonoma Zinfandel von Seghesio. Seit meinem Weinerweckungserlebnis vor mittlerweile ca. 15 Jahren, damals war es ein Sebastiani Zinfandel, habe ich – so glaube ich – keine Zinfandel Flasche mehr geöffnet. Um so gespannter war ich, was uns erwartete.

Seghesio Sonoma Zinfandel 2005

Der Wein hatte einen ziemlich intensiven Duft nach Zeder und Eukalyptus, verbunden mit schwer zu definierenden Kräutern. Da gab es nichts zu erahnen, sondern das sprang einem förmlich ins Gesicht. Im Mund dann ein Marmeladen-Toast von Himbeeren, Blaubeeren (?) und gezuckertes Allerlei. Ich dachte zuerst, es wären Mandeln vom Weihnachtsmarkt, aber vielleicht war es nur gesüßtes Popcorn. Popcorn, ja, ein Popcorn-Wein. Oder besser: Ein Popcornkino-Wein. Der Hauptdarsteller findet eine Bettgefährtin. Die ist ziemlich aufreizend-sexy und weiß, was sie an diesem Abend will. Man hat Spaß, alles ist irgendwie klar und bleibt doch anonym. Es geht nichts in die Tiefe – und das soll es auch nicht. Und nachher ist es schnell vergessen. Der Sex der beiden Darsteller und der Film eh.

Da hatte der zweite Wein schon mehr zu bieten. Der ist vordergründig ein Marketingprodukt mit Namen Wanted Gang. Name und Etikett erinnern an billigen New-World-Weinfusel. Das ist eine Flasche, die ich nie im Laden kaufen würde. Ich habe sie zusammen mit dem nächsten Wein über den WeinPlus-Weinstammtisch zugeschickt bekommen.

Das Amüsante und zugleich Fragwürdige ist, dass der Wein gar nicht aus den USA oder Australien oder sonst woher kommt, sondern von der südlichen Rhône. Und die Winzer betreiben die renommierten Güter Chateau de Saint Cosme, Chateau Pesquié und das Chateau Montfaucon. Und aus den guten Weinen dieser Güter haben sie so was wie eine Supercuvée kreiert. Wenn man auf die Website schaut, findet man diese in englischer, japanischer und koreanischer Sprache, womit klar wäre, wo das Zielpublikum lebt. Und die ganze Aufmachung ist wohl das Ergebnis von Marktanalysen und der Zusammenarbeit von BWLern und einer Werbeagentur. Also, ich finde es einigermaßen abstoßend, da zu vordergründig gewollt.

Wanted Gang Gigondas 2005

Der Wein, der in dieser Flasche schlummert, ist allerdings ein tolles Tröpfchen, da konnten wir nicht meckern. Zusammengesetzt aus Grenache, Syrah, Cinsault, Carignan, Mourvèdre, Counoise und Clairette, spiegelt er all das wider, was einen Rhônewein ausmacht. Die Härte, die Würze, das Pfeffer, das Volumen, die Kräuter. Dabei feine Säure und feine Tannine, obwohl im Moment noch zu jung. Leicht röstig und leicht rauchig, aber gut ausgewogen. Ähnlich dem 15 % Vol.-Koloss Zinfandel hat der Wanted Gang 2005er ordentliche 14,5 % Alkohol, nur dass man es ihm nicht so anmerkt; denn er wirkt viel frischer, viel entspannter, viel tiefer. Das schreit nach einer längeren Beziehung, wenn der Preis nicht wäre – und das Etikett.

Neben diesem Wein gab es im WeinPlus-Paket noch etwas ziemlich Rares: Einen 1955 Rivesaltes. Frisch abgefüllt und gestern von uns frisch entkorkt. Und das ist dann eher der Deneuve-Aspekt beim Wein. Alles andere als taufrisch. Aber immer noch seeehr sexy. Ein paar Falten, die oxidativen Noten, der bernsteinfarbene goldbraune Teint.

Rivesaltes Nectar 1955

Ein intensiver Duft nach Walnüssen und Kandis und Salz. Im Mund dann kandierte Früchte, ebenfalls Walnüsse und leichtes Salz, rosinig. Und die alte Dame ist noch lange nicht müde, da steckt noch viel Kraft drin, viel Vitalität. Der Geschmack hallt lange, lange nach und das rockt!

Frohe Weihnachten allerseits.

2005 Sonoma Zinfandel, Seghesio Family Vineyards, Kalifornien, 15,0 % Vol.

2005 Wanted Gang, Vin de Table, Gigondas, 14,5 % Vol.

1955 Nectar du Prieuré, Cuvée de L’Homme de Tautavel, Domaine Mounié, Rivesaltes, 16 % Vol.


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