Im Prinzip ist der Salanques der Zweitwein des Mas Doix Coster des Vinjes Velles, einer Cuvée aus Garnacha und Carinena, in die noch 2 % Merlot gemischt sind. Ein Wein von über hundert Jahre alten Rebstöcken.
Der Salanques ist das, was Ramon Llagostera nicht gut genug fand für den Erstwein. Das wird bei ihm im Keller Fass für Fass überprüft und ausgewählt. Das Resultat ist ein Wein, der immer noch um die 30 Euro kostet – aber eben nicht um die 70, wie der eigentliche Mas Doix – und doch sehr klar zeigt, wofür das Priorat stehen kann. Für dichte Rotweine von uralten Rebgstöcken, gewachsen auf Licorella-Schieferböden in einer Region, die tagsüber sehr heiss sein kann und nachts deutlich abkühlt. Wenn der Winzer den richtigen Lesezeitpunkt findet und den Wein nicht zu stark konzentriert kommt etwas heraus wie das, was ich im Glas hatte.

Der Salanques bietet eine, wie ich finde, höchst angenehme Mischung aus saftig-frischen dunklen Früchten, verbunden mit Zedernholz, Bitterschokolade, Gewürzen und Kräutern und einer sehr angenehmen Kühle. Die 15 % Alkohol habe ich bei diesem Wein nicht bemerkt. Die sind sehr gut eingebunden und verstecken sich zwischen der Schiefermineralik und dem Säuregerüst. Dieser Geschmack nach satt-reifen süßen Kirschen hallt noch lange nach, wenn der Wein längst die Kehle hinab geronnen ist. Das ist kein intellektueller Wein, aber er ist ebensowenig plump. Er ist vor allem das, was ein Wein vornehmlich sein sollte: Er ist ausgesprochen lecker!
Ich würde sagen, es gibt schlechtere Voraussetzungen, um guten Wein machen zu können als die, die Sara Pérez vorgefunden hat. War ihr Vater, Professor José Luis Perez, doch einer der Vorreiter, ja Wiederentdecker des Priorat. Zusammen mit René Barbier und anderen hat er damals jene Kooperative gegründet, aus der dann die Weine hervorgegangen sind, die man längst als Kultweine bezeichnet und seit zwei Jahrzehnten zu den Besten Spaniens zählen. Perez' Wein hört auf den Namen Clos Martinet, der Wein von René Barbier auf den Namen Clos Mogador.
Sara Pérez nun hat schon sehr früh auf dem Weingut mitgeholfen, und wenn sie auch zunächst Biologie und Philosophie studiert hat, den Abschluss hat sie als Önologin gemacht. Clos Martinet betreut sie schon länger, nebenbei ist sie ebenso Beraterin und Weinmacherin der Kooperative Cims de Porrera. Dabei kann man einen klaren Stil erkennen, der sich in diesem Wein genauso zeigt. Es sind vom Schieferboden geprägte Weine, die ebenso elegant wie frisch sind, wo der Einsatz von frischem Holz zurücksteht hinter dem Ausdruck der optimal gereiften Reben. Das ist nichts Heißes, nichts Marmeladiges.

Ihr Weingut Venus la Universal führt sie übrigens mit ihrem Mann, René Barbier Junior. Und mit diesem zusammen sowie mit einigen Freunden hat sie darüber hinaus auch noch das Projekt La Vinya des Vuit gegründet, auf dessen 4 Hektar biologisch-dynamisch gearbeitet wird. Ziemlich umtriebig also, die Frau.
Dido, der zunächst Aeneas hieß, was aber wenig weiblich klang und dann umbenannt wurde, ist der Zweitwein von Venus La Universal. Bestimmt wird er durch alte Grenachereben, etwas Cabernet, etwas Merlot und Syrah. Das ist ein ganz schön kräftiger Brummer, den Sara Pérez da vinifiziert hat. Kräftige Kirschen und Waldbeeren bestimmen diesen dunklen Wein, dazu etwas Holz, aber nicht viel, etwas Duft von rohem Rindfleisch und Leder. Saftig ist er, der Wein, und mineralisch würzig. Zu den Fruchtaromen und der Würze gesellt sich etwas Lakritze und etwas Rauchig-Tabakwürziges. Der Wein hat eine schöne, stimmige Balance aus Kraft und Eleganz mit ordentlich langem Abgang. Das ist ein sehr charaktervoller, individueller Stoff.
Aufgefallen ist mir der Celler el Masroig durch den etnic, hier beschrieben. Dieser wunderbar weiche und saftige Wein bleibt auch nach mehrmaligem Genuss eine Wonne. Der kleine Bruder dieses Weins hört auf den Namen Fred, Solà Fred, um genau zu sein. Solà Fred besteht zu 90% aus Carinena und zu 10% aus Garnacha.

Die beiden Weine sind nicht miteinander zu vergleichen. Der etnic lebt von seinen satten, gesetzten Früchten in Verbindung mit leichten Röstaromen und sehr weichen Holzaromen, der Solà Fred ist ein Alltags- oder Bankettwein. Frische, saftige Kirschen bestimmen ihn in der Nase, eher Erdbeeren und Johannisbeeren dominieren im Gaumen. Hinzu kommen Würz- und leichte Erdnoten. Dabei bewahrt der Wein eine angenehme mineralische Kühle. Das Ganze hat viel Energie und Schwung und ist für einen Jungwein dieses Preis ausgezeichnet gemacht.
Ein Wein, den man viel zu selten im Glas hat – ein frischer, unkomplizierter spanischer Rotwein, nicht durch Holz verfälscht, sondern geprägt von der satten Frucht der Carignan.
Eigentlich heißt der Wein Tina 41. Das kann nicht darauf zurückgeführt werden, dass die Halbschwester des Chefönologen Tina heißt und schon 41 Lenze erlebt hat, nein, es ist lediglich die Fassnummer, besser gesagt die Tanknummer, in der der Grundstoff dieses Weines zusammengeschmolzen wurde. Eine Namensgebung wie bei Penfolds, wo die Weine dann BIN (Barrel Identification Number) heißen, BIN 389 zum Beispiel.
Der Wein, ich nenne ihn mal weiter Tina, wurde von den jungen Reben des Weingutes gemacht, von Grenache, von Carignan, von Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah – ein moderner Blend also, die Verbindung alter Rebsorten wie Grenache und Carignan mit den internationalen Standardrebsorten. Das geht zurück auf die Idee des Önologen Albert Costa, der nicht zuletzt bei großen australischen Gütern in die Lehre gegangen ist.
Für dieses Projekt wurde sogar ein eigenes Weingut gegründet, welches sich Clos l'Asentiu nennt und in Kooperation mit Vall Llach auf dem Etikett auftaucht. Ach ja, das Etikett. Das Etikett ist so modern gehalten wie der Wein und fällt direkt auf. Schöner wäre es gewesen, die weiße Buchstaben-Zahlen-Kombination direkt auf die Flasche zu bringen, wie es früher auf Portweinflaschen üblich war, hier ist es allerdings nur ein schwarzes, bedrucktes Papieretikett.

Aber nun zu Tina. Tina wirkt ein wenig wie eine fette Ente. Hochreife dunkle Kirschen, Pflaumen und Rosinen mischen sich mit Röstnoten, Kaffee, dunkler Schokolade und etwas Lakritze. Das alles schwimmt in Alkohol. Das merkt man erst etwas später, nicht direkt im Mund, aber in der Kehle, da wirkt der Wein brandig und kann dann auch seine 15 % Vol. nicht mehr verheimlichen. Angenehm finde ich lediglich, dass Tina 41 nicht auch noch Röstholz von frischem Barrique mit sich herumschleppen muss. Aber es reicht auch so schon. Von fast allem etwas zu viel.
Im gesamten Auftritt wirken die Weine der Genossenschaftskellerei Martín Codáx, deren Name auf einen galizischen Troubadour des 13. Jahrhunderts zurückgeht, deutlich gewandter als der Wein mit der Hand auf dem Etikett. Die vier Tapsen eines Bären, der wohl mal durch den Weinberg gewandert ist und seine Spuren hinterlassen hat, sind der Namensgeber für diesen Wein, Cuatro Pasos.

Er macht viel Spaß, muss ich sagen, weil hier die Würze der Mencia hervorragend harmoniert mit der Mineralität des Schiefers und dem Duft und Geschmack roter Früchte. Obwohl mit 13,5 % mehr Alkohol als La Mano, wirkt der Wein leichter, deutlich feiner, was überrascht nach dem ersten Eindruck dieses tief violetten Tropfens. Auch dieser Wein wurde drei Monate in Barriques gesteckt, allerdings dürften diese schon etwas länger im Gebrauch sein, weniger getoastet oder nicht aus amerikanischer Eiche hergestellt sein –vermute ich mal; denn der Holzton wirkt nur schwach, gibt dem Wein aber ein gute mittelkräftige Struktur.
Es ist noch nicht allzu lange her, da habe ich zum ersten Mal einen Wein aus dem nordspanischen Bierzo getrunken. Der Wein namens Petalos, vinifiziert vom Palacios-Clan, hier beschrieben, besteht aus 100 % Mencia. Mencia wird auf über 11.000 Hektar in Galizien und Kastilien angebaut und normalerweise verwandt mit der portugischen Jaen du Dao. Allerdings gibt es in Galizien auch Cabernet Franc, der ebenfalls als Mencia bezeichnet wird, wohl aber in weitaus geringerem Maße.
Mir scheint, dass das Bierzo eine der kommenden Regionen in Spanien ist; denn mindestens zwei Tatsachen machen es interessant. Zum einen, weil die Mencia durchaus komplexe, aromatische, langlebige Weine hervorbringt, zum anderen, weil diese Region nicht so durchhitzt ist wie so einige andere Regionen in Mittelspanien oder Südspanien, wo sehr viel häufiger Weine produziert werden, die zu fruchtsüß und fett wirken. Denen genau das fehlt, was es im Bierzo gibt: Kühle und Mineralik. Denn hier liegt Schiefer und der soll dem Wein ja durchaus gut tun.
Bei meiner kleinen Alltagswein-Bierzo-Probe – es gibt durchaus Vertreter aus diesem noch weithin unbekannten Land, die über 50 Euro kosten – habe ich mit einem Wein begonnen, der unter 6 Euro kostet und, wie so viele Spanier in der letzten Zeit, von Parker 90 Punkte bekommen hat mit dem Hinweis, man solle sich mit diesem Best Buy die Keller vollstopfen. Na ja. Ich habe den Eindruck, dass ich dies mittlerweile allzu oft lese.
Der La Mano von Vinas de Arganza, die von Axialvinos vertrieben werden, die wiederum auch Weine vertreiben aus Calatayud, Ribera del Duero, Rueda, Rioja und Navarra, Somontano, Campo de Borja, La Mancha und Carinena, jedenfalls wirkt dem Etikett nach auch erst mal ein wenig günstig, ein wenig oldschool, zumindest, wenn man andere Weine wie die später beschriebenen daneben stellt.

In der Nase aber dreht der Wein auf, verströmt seinen satten Holunderton, durchmischt mit Gewürzen, etwas Süße und etwas Vanille. Am Gaumen merkt man, dass der Wein einige Monate im Barrique hinter sich hat, man spürt das Holz und wiederum die Vanille amerikanischer getoasteter Eichenfässer. Auch hier satte Frucht dunkler Beeren, Würze und Wärme. Vielleicht ein wenig zu warm wirkend, etwas zu konzentriert, er macht leicht satt, obwohl er angenehm moderate Alkoholwerte hat die bei 12,5 % liegen. Der Wein wirkt nicht übertrieben, das ist eher Mainstream, aber gar nicht schlecht. Durchaus eine Empfehlung für die Abteilung günstiger Alltagsweine.