Zu gegebenem Anlass ein Glas Pinot Noir 2007 von Alexander Gysler, den ich am Mittwoch besucht habe. Neben dem Sekt habe ich Silvaner von alten Reben, den Riesling JC 2007, Grauburgunder und Huxelrebe Beerenauslese und Trockenbeerenauslese mitgebracht. All dies wird man ab Überwoche bei Feinkost Ackermann in Bonn-Dottendorf erwerben können. Dort wird es dann ein originalverkorkt®-Regal geben. Ich freu' mich. Zu all dem später mehr. Erst mal ein wenig Geburtstag feiern…

Herrliche Frucht und eine schöne Perlage. Ein kräftiger und doch eleganter Winzersekt mit viel Substanz aus Pinot Noir, weiß gekeltert.
Es ist ungewöhnlich, was die beiden befreundeten Winzer aus Franken da seit 2006 machen. Sie tauschen reifes Rebgut aus ihren besten Lagen, die da wären Escherndorfer Lump bei Horst Sauer und der Iphofener Julius-Echter-Berg bei Johann (Hansi) Ruck. Heraus kommen vier Weine, also zwei aus jedem Hang im Stil der beiden Winzer. Zwei Stile, die unterschiedlicher in Franken kaum sein könnten – wage ich zu behaupten.
Unser Gastgeber allerdings hat sich nicht lumpen lassen, den Abend zunächst mit einem Champagner "auf's neue Jahr" einzuläuten und mit einem verdeckten Weißwein fortzufahren, wo er seinen halben Weinkeller drauf verwetten wollte, dass wir es nicht rauskriegen, was das nun ist, was wir im Glas haben. Getraut hat er sich nicht – aber rausgefunden haben wir es auch nicht.
Der Champagner stammt von Pierre Gimonnet, ein Blanc de Blancs 1998, abgefüllt für Eckart Witzigmann und erworben vor wenigen Jahren für erstaunliche 34,- Euro. Pierre Gimmonet & Fils gehört unter den Winzern, die auschließlich eigenes Traubengut verarbeiten, mit 25 Hektar eher zu den großen Erzeugern. Diese 25 Hektar finden sich ausschließlich an der Côte de Blancs und es wird ausschließlich Champagner aus Chardonnay erzeugt, und das von teils 90 Jahre alten Stöcken.

Diese Cuvée besticht durch geröstete Nüsse, etwas Brioche und bei längerer Standzeit zunehmender Quitte. Hinzu kommt etwas mürber Apfel und eine sehr frische, klare Säure. Eine sehr angenehmer, durchaus beglückender Einstieg in den Abend.
Was folgte, war die Verkostung eines Weins, den ich am ehesten als Weißburgunder des Alto Adige , also nach Südtirol, gesteckt hätte. In der Tat aber hatten wir einen frischen Auxerrois aus den Niederlanden im Glas, genauer gesagt, aus der Gegend von Maastricht. Thorn wird auch die weiße Stadt bzw. het witte stadje genannt, welches, ganz in Weiß verputzt, reich wurde durch das dort angesiedelte Stift. Das Stift war durchaus ungewöhnlich mächtig und die Äbtissinnen führten über 800 Jahre lang ein eigenes Fürstentum. Sie saßen als Fürstinnen sogar in der deutschen Nationalversammlung.

Der Wein war gut. Zunächst ganz leichte Gemüsenoten, später setzt sich Zitrone durch und eine gewisse Mineralität. Das ist nichts, was man lange in Erinnerung hält. Aber die Balance stimmte und ich würde ihn als Alltagswein jederzeit empfehlen – wenn er nicht etwas zu teuer wäre mit etwa 13 Euro. Aber das muss man ihm nachsehen, kommt er doch aus einem Gebiet, in dem noch Pionierarbeitet geleistet wird.
Nun aber zum eigentlichen Thema. Auf Initiative der Weinhändler Kössler & Ulbrich, besser bekannt als K&U Weinhalle, haben die beiden Weinmacher Horst Sauer und Hansi Ruck in 2006 zum ersten Mal Trauben aus ihren besten Lagen getauscht. Escherndorfer Lump, die Heimatdomäne von Horst Sauer, gegen den Iphöfer Julius-Echterberg von Hansi Ruck. Wir haben immer zuerst den Heimatwein gegen den Gast probiert und somit mit Sauers Lump begonnen.

In der Nase finde ich zunächst ein wenig angekochtes Gemüse und etwas, was an reifen Kürbis erinnert. Dazu kommt Litchi, die zunehmend dominanter wird, Honig und schon der Geruch von Cremigkeit, den ich im Mund direkt wieder finde. Um die Palette abzurunden, was noch nicht direkt etwas über die Qualität aussagt: Mango und Papaya komplettieren den Früchtekorb und bei längerer Standzeit finden sich ebenso Dörrobstaromen. Hinten heraus hat man die Erinnerung an etwas Kreide und zunehmend Süßholz. Das, was den Wein ausmacht, ist die – Entschuldigung, ich kann es nicht anders formulieren – ätherische Leichtigkeit bei gleichzeitiger kompletter Bodenhaftung. Dieser Wein ist absolut geradlinig, er ist in seiner Komplexität und Struktur ausgesprochen gelungen. Er hat eine herrlich reife, eindringliche Frucht und gehört für mich zum Besten, was ich an Silvaner kenne. Das ist ganz herrlicher Stoff: ein Wein, mit dem ich mich, die Bocksbeutelflasche unterm Arm, ans Kaminfeuer zurückziehen würde, um ihn einfach so in Ruhe zu genießen.
Johann Ruck hat es schwer gegen diesen, im positiven Sinne modern gemachten, ausgezeichneten Silvaner. Ruck arbeitet anders. In seinen Weinen findet man immer auch Noten von Spontanvergärung, die Weine haben normalerweise ein sehr straffes Rückgrad, sind stoffig und rubust. Ich würde mal sagen, dass die Interpretation, die Johann Ruck vom Escherndorfer Lump geliefert hat, sehr gewöhnungsbedürftig ist. Was die Nase dominiert, ist ein ausgeprägter Stallgeruch, der praktisch alles andere überlagert. Selbst im Mund wandelt sich der Stall von Geruch zu Geschmack und der Wein wirkt in hohem Grade matt auf der Zunge. Kantig wirkt er, gerade im Gegensatz zum fein gewirkten Sauerschen Silvaner. Würziger ist er und säurebetonter.

Kaum zu glauben, dass wir hier Weine aus dem gleichen Traubengut vor uns im Glas haben.
Das, was bei Rucks Lump enttäuschend war, findet sich bei seinem Heimatwein diesmal in angenehmer Weise wieder. Auch hier finden wir Noten von Spontanvergärung, auch hier etwas Animalisch-Stalliges, allerdings deutlich zurückhaltender, nicht dominierend. Es reiht sich ein in leichte Gemüsenoten und kräftige Würznoten. Auch hier ist die Säure präsent, dringt durch den stoffigen, erdigen Wein.

Eine gewisse Cremigkeit macht sich breit auf der Zunge und der Wein, den wie dekantiert haben – das hätte Rucks Escherndorfer Lump wohl ebenso gut getan –, bildet eine gewisse Eleganz und durch die Würze dringt ein wenig Marille. Das ist klassisches, kräftiges, würziges Franken. Ein Wein im traditionellen Stil, ein Wein mit sehr viel eigenem Charakter, den man allerdings auch erst einmal mögen muss. Wenn man diesen klassischen Frankenweinstil mag, hat man hier einen hervorragenden Wein im Glas.
Horst Sauer ist mit dem Fremdlesegut besser zurecht gekommen als Johann Ruck umgekehrt. Er macht einen sehr guten Wein. Der Duft reifer Birnen hängt über dem Glas, eine reife Süße erkenne ich, dazu stoßen frische Aprikosen und eine feine Schärfe. Ein klares Säuregerüst stützt diesen warmen, reifen Wein.

Es ist nicht wirklich erstaunlich, wie klar man die Stile der beiden fränkischen Großmeister voneinander unterscheiden kann. Sie sind so klar und weit voneinander entfernt. Sauer macht warme, ich sage mal gelbe Weine, wenn man nach Farben geht, sind es die Weine reifer, gelber Früchte. Ruck macht die Weine des Bodens, der Erde, der Würze, in die sich nur hier und da mal ein Hauch von deutlicher Frucht mischt. Es ist faszinierend, zu schmecken, wie man mit unterschiedlichen Heransgehensweisen aus demselben Lesegut solch unterschiedliche Weine vinifizieren kann.
Jörg hat aus seinem Keller einen Wein geholt, den er da irgendwann mal vergessen hat. Gut für uns; denn es war durchaus spannend, diesen Wein zu probieren. Eine trockene Spätlese vom Rieslaner findet man heute nicht mehr. Wir haben gerätselt, ob irgendein Winzer so etwas noch anbietet – aber uns ist keiner eingefallen.

Um es vorweg zu sagen: Dies ist kein Wein mehr, den man mit viel Genuß trinken mag. Sehr viel Firniss liegt im Glas mit einem ganz leichten Resthauch Stachelbeere. Was aber wirklich faszinierend ist, ist der Duft. Zunächst einmal liegt ein leichter Geruch von warmem Gummi über dem Glas. Dieser verfliegt schnell, und was dann stehen bleibt ist, frische Haselnuss, sehr deutlich, mit einem leichten Anteil Schießpulver und einem Hauch von Bernstein-Kolophonium. Herrlich.
Im letzten Jahr habe ich bei Florian Weingart diese Spätlese mit einem Stern erworben. Er hat sie heruntergestuft, eigentlich hatte er sie als Auslese verkauft, da er aber die 2005er Auslese deutlich besser fand, hat er die 2004er dann zur Spätlese degradiert und auch günstiger verkauft. Das ist eine sehr ehrliche Haut, der Herr Weingart. Der Preis für diese 2004er Spätlese lag deutlich unter 10 Euro.

Dafür hatten wir einen Wein im Glas, der mit seinen 7,5% Alkohol (!) ganz frisch im Glas stand. Er wirkt immer noch leicht moussierend auf der Zunge, wirkt ganz leicht mit einem herrlichen Spiel zwischen Süße und Säure und dem Duft und Geruch nach Honig und Steinobst mit ein wenig Kräutern und der typischen boppardschen Mineralität. Zum Ausklang dieses Abends einigermaßen perfekt.
Hessen ist ja für mich so ein seltsam undefiniertes Gebiet, wo ich immer auf die Karte schauen mus,s um mich zu orientieren, weil ich nie genau weiß, wo denn jetzt was liegt und in welcher Nähe zu irgendwelchen anderen Bundesländern.

Irgendwo in Nordhessen, zwischen Marburg und Kassel, liegt der Kellerwald und am Rande dieses Waldes findet sich das Lengelbachtal. In diesem Gebiet gibt es ein gutes Dutzend historischer Mühlen und allein wir sind schon, ausgehend von der Bärenmühle, an der Lengelmühle und der Kuchenmühle vorbeispaziert entlang des Baches, der dem Tal seinen Namen gibt und der durch eine Szenerie führt, die an Krabat erinnert, oder doch zumindest an die Gebrüder Grimm, die ja wiederum nicht weit entfernt ihr Dasein fristeten und in dieser Gegend das ein oder andere Hausmärchen aufgeschnappt haben dürften.


Die Gebrüder Grimm kommen dann auch wieder ins Spiel, wenn man sich entscheidet, ein paar Tage in der Bärenmühle zu verbringen, und sich überlegt, ob man in der Mühle ein Zimmer buchen mag oder eine Suite oder gar eine ganze Wohnung. Entscheidet man sich für die Wohnung, bieten sich dann eben die Gebrüder Grimm Stuben an. Wir dagegen haben uns für die Suite der Schönen Müllerin entschieden. Suite hört sich jetzt ganz etepetete an. So ist das aber alles gar nicht. Es ist ein Landhotel, eingerichtet mit viel Geschmack und Liebe zum Detail, professionell geführt, aber mit genau dem Anteil Charme und Leichtigkeit, der einen vergessen lässt, dass es ein Hotel ist. Es bleibt sehr persönlich und trotzdem erhält man den vollen Service, wenn man will; denn man kann die Wohnungen und Suiten als Hotelzimmer mit Voll- oder Halbpension und täglichem Raumservice buchen, jedoch ebenso als Ferienwohnung nutzen und einfach buchen ohne weiteren Service.
Wir wiederum haben uns eine Mischung gegönnt; denn das geht auch: am ersten Abend im Restaurant essen und die restlichen Tage selber kochen.
So haben wir uns also am Heiligen Abend von den beiden Kohl-Schwestern Bettina und Christiane samt einer Tochter bekochen und bedienen lassen. Diese hatten ihren Bediensteten freigegeben und den Laden selber geschmissen. Sehr sympathisch. Eine selbstbewusste Entschuldigung zu Beginn für etwaige Verzögerungen – und dann gab es Schlesische Weißwurst mit Ananaskraut, Rücken vom Weideschwein, zum Schluss Lebkuchenparfait. Alles sehr gut gemacht. Dazu Weine aus einer der Rhône nahen Region rund um Die , aus dessen Ortschaften die Hugenotten vor langer Zeit vertrieben worden sind, unter anderem nach Louisendorf, dem Nachbarort der Bärenmühle. Auch zur Bärenmühle selbst gehört ein so genanntes Hugenottenhaus, in dem es neben zwei Ferienwohnungen auch einen kleinen Laden und eine Werkstatt gibt von Bettina Kohl, die unter ihrem Künstlername Menusch in Paris und New York gearbeitet hat, als Lederhandwerkskünstlerin und freie Tänzerin, bis sie dem Ruf ihrer Schwester gefolgt ist, die die Mühle – die der Vater, damals Landrat dort, in den 50ern erworben hat – zu eben jenem schmucken Ensemble ausgebaut hat. Die Schwester, Christiane Kohl, arbeitet als Journalistin und Buchautorin und nimmt sich durchaus gerne Zeit für Gespräche, vor allem wenn es ums Schreiben geht, hat sie ein offenes Ohr und passt auch gerne die Preise an, wenn man sich als Autor entschließen sollte, die Bärenmühle zu nutzen, um am eigenen Werk zu arbeiten.

Was uns sehr gut gemundet hat, war neben dem im Restaurant Gereichten auch das Selbstgemachte: Filets von der Rotbarbe in einem Champagnerschaumcurry. Nicht zu scharf, eher ein wenig tropisch süßlich mit Flocken von getrockenten Mangos, Papaya und Banane. Dazu gab es den Einstiegschampagner von Larmandier-Bernier, Tradition genannt: 80 % Chardonnay und 20 % Pinot Noir bei 5 Gramm Dosage.

Sehr spritzig, sehr hell und klar, sehr erfrischend mit Aromen von Zitrus- und Limettenschalen, feiner Mineralik und Hefe. Leider wissen die Larmandiers natürlich mittlerweile, welchen Preis sie für ihre Erzeugnisse nehmen können, die Preise sind deutlich gestiegen in den letzten drei Jahren. Doch es lohnt sich immer noch. Für mich eines der interessantesten Häuser an der Côte de Blanc.
Am nächsten Tag dann das besagte Rag0ut mit Wild, dessen Grundrezept man im Blog der Anonymen Köche findet. Dazu gab es 2004er Les Hauts de Pontet-Canet, über den ich bei Delhaize in Brüssel gestolpert bin und den ich direkt mitgenommen habe. Wollte ich doch immer schon einmal den Zweitwein von Pontet-Canet probieren. Allein, ich hatte ihn bisher nirgendwo gefunden.

Hätte man mir den Wein einfach so unter die Nase gehalten, wäre ich davon ausgegangen, dass man es hier mit einem noch etwas zu jungen Jahrgang eines klassifizierten Château zu tun hätte. Dieser Zweitwein wirkt wie der Cru eines guten Erzeugers. Eine dichter Duft von dunklen Beeren, vor allem Cassis, Gewürzen, leicht geröstetem Holz und Zederholz, Vanille und etwas abgehangenem Fleisch. Sehr dicht im Mund, fruchtig, noch ein wenig zu viel Holz, etwas unruhig wirkend. Diesen Wein sollte man noch ein paar Jahre in der Keller legen, bevor man ihn wieder hervorholt. Das ist sehr feiner Stoff.

Und diese Mühle ist ein sehr geeigneter Ort, um sich mal ein paar Tage komplett zurückzuziehen.
Das Haus zu den fünf Ringen gehört zu den wenigen historischen Gebäuden der im Krieg zu über 90 Prozent zerstörten Stadt Goch. Zusammen mit dem historischen Rathaus, dem Van-den-Bosch-Haus und dem Mosters-Haus bildet es ein Ensemble von Gebäuden aus dem 16. Jh. Das Gebäude diente ursprünglich als adliges Stadtwohnhaus, in den Kellerräumen befand sich ab 1828 eine große Weinhandlung. Später wurde im hinteren Gebäudeteil Bier gebraut. Bis in die Mitte des 20. Jh.'s bekam man hier das dunkle, niederrheinische Alt der Familie Janßen. Nach dem Krieg baute die Familie dann einen Getränkeverlag auf, der in den Achtzigern in ein Gewerbegebiet verlegt wurde. Das Haus wurde an die Stadt veräußert und befindet sich im Stadium der Renovierung. Dabei ist es nach dem Guss einer neuen Bodenplatte so weit nutzbar, dass das Museum Goch die Räumlichkeiten als Ausstellungsfläche für heimatkundliche Objekte verwendet.

Dieses mit zu den schönsten historischen Gebäuden am Niederrhein zählende Haus bot uns die Kulisse für den dritten Teil des Gocher Weinzyklus. Champagne – Die Grande Dame wird niemals alt war das Thema, zu dem der Veranstalter, der Gocher Juwelier Georg Schotten, geladen hatte, um Funkelndes miteinander zu verbinden: die Präsentation seiner Winterkollektion in Verbindung mit einer Reise durch die Champagne.

Michael van den Höövel und ich haben dabei versucht, mit den sechs präsentierten Champagnern eine Auswahl zu treffen, die verdeutlicht, wie heterogen und spannend dieses Weinbaugebiet ist – auch abseits der wenigen bekannten Namen. Sechs Schaumweine aus den unterschiedlichen Regionen der Champagne, ein Abbild verschiedener Rebsorten und Cuvées bis hin zu von Pinot Noir bzw. von Chardonnay geprägten Jahrgangschampagnern. Dabei wechselten sich Winzerchampagner mit denen großer und kleiner Häuser ab.

Einen wunderbar leichten Einstieg bot der Winzerchampagner von Franck Pascal. Ungewöhnlich in seiner Art, Pinot Meunier geprägt und ohne Dosage abgefüllt, fand er doch Zuspruch; denn er kommt nicht so knochentrocken daher, wie man auf Grund der fehlenden Dosage hätte vermuten können. 4 Hektar besitzt Franck Pascal im Tal der Marne und beginnt mit einem Flaschenpreis von 26 Euro. Cremig ist sie, diese Cuvée de Reserve mit feiner Hefe und einem schönen Duft von reifen Äpfeln. Für mich ein ausgezeichneter Bankett-Champagner, den es ebenso mit einer geringen Dosage von 3 Gramm gibt.

Ganz anders präsentierte sich der Roederer Brut. Druckvoller und säurebetonter zeigt sich der Einstiegswein von Louis Roederer. 4 Hektar Pascal gegen 300 Hektar Roederer (200 ha plus 100 ha zugekaufte Reben), Winzerfamilie gegen Glamour und Marketing. So kontrastreich ging es zu.
Diesem Wein werden verschiedene in Eichenfässern ausgebaute Reserveweine zugesetzt. Er setzt sich zusammen aus etwa einem Drittel Chardonnay und zwei Dritteln Pinot, davon wiederum ca. 15 % Pinot Meunier. Neben den klaren Hefearomen strömt der Duft von Mandeln aus dem Glas, dazu viel Zitrus und frische Orange und grüner Apfel. Der Wein ist sehr straff und mineralisch – ein ausgewogener, kräftiger, klarer, beeindruckender Stil aus Reims.

Drappier liegt in einem der Satellitengebiete der Champagne, an der Côte de Bar im Departement Aube. Lange haben sich Winzer wie Politiker aus den Departements der Marne und Aube um die Zugehörigkeit der Aube-Gebiete zur Appellation Champagne gestritten. Wie Stiefkinder wurden die Gebiete behandelt, in denen der Champagner lange Saulte Bouchon hieß und der Weinbau vor allem durch die Mönche des Klosters Clairveaux forciert wurde. Seit einigen Jahrzehnten ist das kein Thema mehr, man hat zusammengefunden, nicht zuletzt durch den gemeinsamen Feind, der sämtliche Champagnergebiete in den Weltkriegen entweder verwüstet oder ausgebeutet hat.

Mit 50 Hektar gehört Drappier zu den kleinen, ausgezeichneten Betrieben in dieser Gegend. Sie tragen das im Namen, was so einige alteingesessene Häuser – Ruinart ist das beste Beispiel – gemacht haben, bevor sie sich dem Vertrieb von Champagner gewidmet haben. Die Drappiers waren Tuchhändler. Irgendwann hat man dem Kunden als Mitbringsel den geschätzten Champagner mitgegeben und der wurde dann zunehmend so beliebt, dass das Geschäft einträglicher war als das des Tuchhandels.
Der Rosé aus einem kleinen Wingert namens Val des Demoiselles, Tal der Jungfrauen, stammt zu 100 Prozent aus Pinot Noir, der bei Drappier drei Tage auf der Maische belassen wird. Ein kräftiger Champagner mit dem Duft von roten Früchten und ein wenig Veilchen und leichten Gewürzen. So kräftig, dass er dem Essen in der Pause nach der Präsentation von Schottens Kollektion mühelos standhalten konnte.

Der zweite Teil der Tour durch die Champagne begann mit der Vorstellung eines kleinen Hauses aus dem Ort Avize, einem der Zentren der Côte de Blancs. Das 11-Hektar-Weingut De Sousa & Fils hat hier zu einem eigenen klaren Stil gefunden. Ausgezeichnete biodynamische Weinbergsarbeit ausschließlich in Gran Cru Lagen, Spontanvergärung und Ausbau in Barriques, in diesem Fall in 15 Prozent neuen Fässern. Das Ergebnis ist ein wunderbar cremiger Chardonnay mit Aromen von frischem Brioche, Nüssen und Zitrus. Je länger der Wein steht, desto stärker werden die Aromen von reifen Orangen. Für 35 Euro ist dies ein wunderbar reifer und fülliger Champagner sehr guter Qualität.

Ebenfalls biodynamisch arbeitet Fleury Pere & Fils. Er gehört mit zu den Pionieren in der Champagne. Bekannt geworden als Winzer des Jahres 1993 im Gault Milliau, macht er für mich momentan mit die besten Champagner unterhalb der 100 Euro-Grenze. Der 1996er Millésime hat große Klasse. Eine wunderbare Verbindung aus Frische und Alterungsnoten, reifer Hefe, mürbem Apfel und frischen roten Beerenfrüchten und ein wenig Tabak. Eine klare Pinot Noir-Dominanz sorgt für Kraft. Sehr, sehr harmonisch steht er dem letzten Wein des Abends in nichts nach.

Der Billecart-Salmon Cuvée Nicolas-François Billecart 1998 Millésime zeigt ähnlich herrlich harmonische Reife. Chardonnay von der Côte de Blancs und zehn Prozent Pinot Noir aus der Montagne de Reims sowie eine leichte Dosage, die bei Billecart 10 Jahre lang in Holzfässern gelagert wird, bilden einen weichen, Brioche und Zitrus geprägten Wein.

Es gab eine deutliche Lagerbildung bei den beiden letzten Jahrgangschampagnern. Da mochte der eine lieber Pinot Noir, die andere präferierte den Chardonnay. Außergewöhnliche Klasse kann man beiden Häusern bescheinigen. Das sind beides Weine, die in ihrer Klarheit und Tiefe auf wunderschöne Art die Einzigartigkeit der Champagne präsentieren – und nicht zuletzt einen gelungenen Schlusspunkt für den Abend gesetzt haben.
Jean-François Clouet hält das Haus André Clouet – nicht zu verwechseln mit Paul Clouet – für eines der fünf besten Champagner-Häuser. Direkt nach Krug. Das ist alles Andere als bescheiden. Und setzt einen hohen Maßstab. Nun, ausgezeichnet sind die Champagner die hier erzeugt werden mit Sicherheit. Und erfolgreich ist er damit auch. Werbung macht er keine, er stellt keine Weine bei Wettbewerben an, er ist immer ausverkauft. Clouet versteht es, das Beste aus seinen Gran Cru-Weinbergen herauszuholen. 10 Hektar rund um Bouzy besitzt die Familie, für jede Parzelle gibt es eine eigene Expertise und jede Parzelle wird in einem eigenen Tank ausgebaut. Neben dem Ausbau im Edelstahl wird mittlerweile ein kleinerer Teil auch in Barriques ausgebaut.

Beim Silver Brut erfolgt dies in gebrauchten Sauternes-Fässern von Doisy-Daene. Der Champagner ist ein 100%iger Pinot Noir, die Spezialität der Clouets die nur einen sehr geringen Teil Chardonnay anbauen der in kleinen Teilen in den Jahrgangschampagner fließt.
Der Silver Brut ist knochentrocken – ohne Dosage – intensiv und energiegeladen mit sehr viel Kraft und Geschmack nach mürbem Apfel und Nüssen. Die Lagerung in gebrauchten Sauternes-Barriques hat keine Holznote im Geschmack zur Folge, wohl aber eine gewisse Cremigkeit. Er wirkt reifer als er tatsächlich ist.
Das hier ist kein Getränk für's Plauderstündchen. Eher eines zum Wachwerden und man muss dieses Knochentrockene mögen. Dann aber wird man sehr glücklich. Zumal der Preis erstaunlich ist.
Der letzte Champagner des Abends war wohl auch der Star. Man kommt nicht darum herum. Es gibt einen ziemlich Hype um den Dom Perignon und der Name ist wohl ein Synonym für hervorragenden Champagner. Der 1996er Jahrgang gehört zudem zu den bestbewerteten Jahrgängen des Dom Perignon.
Moet & Chandon besitzt etwa 1.000 Hektar(!) Rebfläche in der Champagne, übernahm 1963 Ruinart, 1971 Mercier und fusionierte im gleichen Jahr mit Hennessy. 1987 kam es dann zum Verbund mit Louis Vuitton zum Lifestylekonzern LVMH. Vuitton brachte darüber hinaus auch noch Veuve Clicquot mit in die Ehe. Da weiß man also, was los ist. Nichts mit Tradition und Weinbauern, die noch fast von Hand in Flaschen abfüllen. Das ist Business, knallhartes Geschäft und Vertretung von Interessen in der Champagne. Eine Stimme die zählt, auch wenn es darum geht, die Grenzen der Appellation Champagne stetig zu erweitern, weil die Reichen dieser Welt mehr denn je von den Luxuswässerchen verlangen. Okay, es gibt einen kurzen Finanzkrisenrückschlag, aber das wird nicht von Dauer sein. Und nicht nur die russische Oberschicht ist durstig, die chinesische wird es auch sein.
Zurück zu Moet: 1.000 Hektar Rebfläche, verteilt auf 200 Gemeinden, 25 Gemeinden mit Premier Cru Status. 6.2 Mio verkaufte Flaschen pro Jahr und 110 Kilometer Kreidekeller mit eigenen Straßenbezeichnungen. Die ältesten Gänge gehen in das Jahr 1742 zurück. 1794 kaufte Jean-Remy Moet das Kloster Hautvillers, in dem Dom Perignon die Methoden der Champagnerbereitung verfeinert hatte. Die Luxuscuvée Dom Perignon, ultima ratio dieses multinational agierenden Konzerns, wurde erstmals 1937 lanciert, seit den 50ern einer der wenigen ständigen Begleiter eines britischen Geheimagenten, dürfte es eine der bekanntsten Marken weltweit sein, deren Etikett mit dem Stern mich immer kurz an einen russischen Krimsekt denken lässt.
Toast, Brioche und Mandeln duften einem fein entgegen. Dazu kommen Zitrus, Apfel und etwas, was mich, mal ganz vorsichtig gesagt, an Fischöl erinnert. Der Wein ist weich und wirkt sehr elegant. Kreidenoten kommen dazu und Pfirsich, ein wenig Birne und Honig. Das ist toll. Ob es die ultima ratio ist, bleibe dahingestellt. Wirklich bewegt haben mich an diesem Abend zwei bis drei andere Flaschen. Die stammen aus den Häusern Fleury, Krug und Ruinart.