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Le 7 – Rosé Véritable Méthode Ancestrale, Domaine du Fontenay

31/Mai/11 09:06 kategorisiert in: Gamay, Rosé, Schaumwein

Letzten Freitag saßen wir zusammen, um uns durch anderthalb dutzend schwerer Weiß- und Rotweine zu probieren, vornehmlich aus dem Priorat. Das ist – zumal bei sommerlichem Wetter und erhöhter Luftfeuchte – richtig Arbeit und macht, ich muss es gestehen, nicht unbedingt so viel Spaß wie, sagen wir, eine Vertikale des Monzinger Halenbergs bei gleichen Wetterbedingungen. Die nächsten Priorats hebe ich mir glaube ich für den Herbst auf, oder für den Winter.

Einen der schönsten Weine des Abends haben wir gleich zu Beginn verkostet, Marquee sei Dank, denn der hat uns, da er selbst nicht kommen konnte, einen Sommergruß vorbei geschickt in Form einer Flasche Le 7. Zu Beginn einer Probe von Weinen, von denen kaum einer unter 30 Euro zu haben ist stand also ein kleiner fliederfarbener Schaumwein mit Restsüße, aus Gamay-Trauben gekeltert und nach Methode Ancestrale abgefüllt. Und ich sage, es war einer der schönsten Weine des Abends? Ja, in der Tat. Es war nicht der gewichtigste, nicht der mondänste, nicht der tiefste, geschweige denn der komplexeste Wein, aber es war einer, der Spaß gemacht hat. Und warum um alles in der Welt sollte ich sonst Wein trinken?

Le 7 heißt wohl Le 7, weil es der siebte Wein ist, den das Weingut produziert, er könnte jedoch auch so heißen weil er, es steht auf dem Rückenetikett, irgendwo zwischen Paris und Roanne an der berühmten Route Nationale 7 angebaut wird. Wer mehr über diese Straße wissen möchte sollte einfach Charles Trenet lauschen.

Nicht nur, dass dieses Weingut allem Anschein nach abseits der üblichen Weinbaugebiete liegt, macht ihn ungewöhnlich. Auch dass bei ihm keine zweite Gärung erfolgt, würden wir normalerweise als ungewöhnlich, bzw. minderwertig einstufen. Macht es diesen Wein doch zu einem ordinären Perlwein, unterhalb der Stufe von Sekt, Crémants oder Champagnern. Dabei ist diese Methode deutlich älter als die Methode Champenoise, ja diese hat die Methode Ancestrale in der Champagne eigentlich abgelöst, ist eine Weiterentwicklung.

Zurück zur Domaine du Fontenay und ihrem erstaunlichen Produkt. Dieser Schaumwein besitzt moderate 9% Alkohol und eine veritable Restsüße. Diese Restsüße kann man in der Nase nur erahnen. Der Wein duftet – der Duft ist durchaus zurückhaltend – wie ein verpacktes Himbeerbonbon. Am Gaumen findet sich dann deutlich mehr rote Frucht, jedoch nicht plump überbordernd, eher schwingt da noch eine Note von Holunderblüten mit und etwas Würze. Dazu kommt die Süße die ebenfalls zurückhaltend ist, fast fein. Ich würde diesem Schäumer, der deutlich an einen guten Kir erinnert sogar eine gewisse Tiefe attestieren und eine schöne Länge. Das ist viel schöne Sommerfrische im Glas. Und wenn man diese noch toppen möchte, dann schneide man ein paar Erdbeeren hinein. Das haben ich am zweiten Tag getan. Hmmm…

Den Wein gibt es übrigens in Kopenhagen auch im Noma, hier in Deutschland jedoch exklusiv im Kölner Marieneck. Mehr dazu hier.

Nachtrag: Manchmal kann man sich herrlich ergänzen – Matthias hat mittlerweile seine Sicht der Dinge zu den mächtigen Priorats veröffentlicht, drüben bei Chezmatze. Er verbindet die Erfahrungen des Abends mit einem Rückblick auf einen Priorat-Besuch im letzten Jahr. Bevor ich es also schaffe, den Abend mal in kleinen Häppchen hier Revue passieren zu lassen kann ich mich seiner Beurteilung im Wesentlichen anschließen, auch wenn ich einer derjenigen war, denen der Improvisació von Ca Raspallet durchaus gut gefallen hat, ebenso der Lo Mon von Trossos del Priorat, den ich tendenziell spannender fand als Matthias. Nicht zögern allerdings würde ich bei der Einschätzung des portugiesischen Piraten, der auch für mich der rote Wein des Abends war, aber lest selbst.

Artikel No. 500: Ein bunter Strauß ungewöhnlicher Weine

Zufälliger Weise ist das nun das Posting No. 500. Nach etwas über vier Jahren. Da kommt ja doch was zusammen. Statt groß zu feiern mache ich das, wozu dieses Blog da ist und resümmiere mal den letzten Weinabend unserer Bonner Runde.

Hatten wir bisher meist klar umrissene Gebiete oder Sorten als Themen des Abends, war es diesmal anders. Es war so etwas wie eine Best-Bottle-Party, eigentlich aber eher nach dem Motto "Ich hole mal die Dinge aus dem Keller die ich immer mal mit anderen zusammen probieren wollte". So war bei diesem Abend nicht entscheidend, wer jetzt die rarste und teuerste Flasche aus den Tiefen des Kellers hervorgezaubert hat, angenehmer Weise wird hier eh nicht um die Position des Alphatier-Weinkenners und -sammlers gerungen, viel interessanter war die Bandbreite ungewöhnlicher Weine, die jeder beizusteuern hatte.

Ich selber habe zu diesem Abend einen süßen Champagner, und mit süß meine ich süß, von Fleury beigesteuert und die einzige Flasche Niepoort Redoma 1996, die ich hatte. Aber dazu später mehr.

 

Vorspiel
Begonnen haben wir, nachdem klar war, wer in die zweite Liga absteigen würde und wer noch eine Chance hat, drin zu bleiben. Begonnen haben wir mit einem Wein ausser der Reihe, einem Aperitiv des Gastgebers, genau so blind eingeschenkt wie die restlichen Weine des Abends.

Woran denke ich, wenn der Wein nach Traminer riecht aber nicht unbedingt danach schmeckt? Wenn er eher nach Riesling schmeckt, aber auch nicht so richtig? Ich denke dann immer an den Cöllner Rosenberg, auf dem der gemischte Satz (Riesling und Traminer) des Weinguts Hahnmühle steht. Ich hatte den 2010er gerade eine Woche vorher noch vor Ort probiert und das war meine Idee, die ich zu dem Wein im Glas hatte. Das Elsaß fällt mir noch als Alternativursprungsort zum Alsenztal ein, doch ich liege falsch. Was hier so frisch und kräutrig, mit angenehmer Holunderblütennoten daher kommt ist ein blitzsauberer trockener Muskateller 2009 der Familie Rebholz, Pfalz also, sehr ansprechend.

 

Erstes Doppel
Ernst wurde es mit dem ersten Gedeck, zwei Weiße nebeneinander und grundverschieden. Im linken Glas findet sich ein Wein mit leichten Petrolnoten, Riesling, ziemlich klar, zunächst denke ich an Mosel, doch nur im ersten Moment, dann wandere ich gedanklich weiter Richtung Nahe, Pfalz… Ins Elsass gelange ich nicht auf meiner imaginären Wanderung, doch da hätte ich hingemusst um den Wein zu verorten, den ich zwei Stunden vorher noch mit Matthias von Chez Matze aus dem Weinbunker geholt hatte. Der Wein schmeckt entschieden deutsch, nicht elsässisch, er schmeckt auch gut, aber nicht hervorragend, hat Charakter, aber zu wenig momentan, zu wenig für einen Schlossberg Grand Cru 2005 von Albert Mann. Auf mich wirkt er verschlossen, ich kenne ihn anders, feiner, subtiler, mit mehr Substanz. Das ändert sich übrigens auch nicht zum Schluss der langen Runde, als ich mir den Wein noch mal still und heimlich vornehme. Nein, das ist nicht seine beste Zeit.

Dem gegenüber steht ein Oak-Monster, ein Wein der sich erst einmal durch eine große Ladung Rösteiche zwingen muss, damit man ihn überhaupt wahr nimmt. Wer macht solche Weine, wo könnte er entstanden sein? Die erste Idee am Tisch ist Burgund, ich kenne auch solche Veltliner, aber ein Veltliner ist es nicht, Weißburgunder aus der Pfalz kommt dem am Nächsten, was ich im Glas erahne aber das fehlt die spezielle Crèmigkeit. Gelbe Früchte finde ich, aber nicht die des Chardonnay, etwas Marzipan, ein wenig Crème…

Knipser, Gelber Orleans, Drei Sterne

Es ist jedenfalls definitv eine Rebsorte, die nicht allzu deutlich mit eigenen Aromen glänzt, vielmehr Geschmackträger, Geschmacksverweber ist, das ist den Knipsers schon klar, deshalb stecken sie ihn ins Holz, in zu viel Holz, wie ich finde. Als Rebsorte führt das, was wir im Glas haben ein absolutes Nischendasein. Ein Gelber Orléans *** 2005 vom Weingut Knipser. Der Orléans ist aus den hiesigen Weingärten übrigens fast komplett verschwunden, früher wurde er im gemischten Satz angebaut, vornehmlich mit Traminer, Riesling und Heunisch baut ihn meines Wissens nur Knipser in der Pfalz und Georg Breuer im Rheingau an. Vor wenigen Jahren wurden am Kloster Disibodenberg beim Weingut von Racknitz einige uralte Rebstöcke gefunden, fünf davon sind Orléans, über 500 Jahre alt.

 

Zweites Doppel
Im zweiten Flight standen sich zwei Weine gegenüber, die ziemlich rebsortentypisch zu sein schienen, zumindest dachten wir das für den ersten Wein, der alle Charakteristiken eines reinsortigen Sauvignon Blanc aufweisen konnte. Beim zweiten Wein waren wir uns nicht ganz sicher, ich selbst habe auf Chenin Blanc von der Loire getippt und durfte Recht behalten. doch von vorne.

Was fällt einem dazu ein wenn man einen hellen Weißwein im Glas hat, der realtiv klar nach Stachelbeeren und Johannisbeere duftet und zudem leicht kräutrig wirkt?

Das muss doch entweder ein Sauvignon Blanc sein oder ein Grüner Veltliner aus dem Artikel von Captain Cork, also einer, wie wir uns ihn eigentlich nicht wünschen. Der Wein schmeckt nicht nach Sancerre, dafür ist er nicht trocken genug und ihm fehlen Kalk und Silex, nach Österreich schmeckt er nicht, dafür ist er nicht wuchtig genug, Deutschland könnte sein, aber die meisten hier haben etwas mehr Restzucker. Neuseeland, zumindest die älteren Jahrgänge wird es auch nicht sein, dafür ist er nicht exotisch genug. Ich tippe für mich auf Trentino oder Alto Adige, bin mir aber lediglich in der Rebsorte sicher – und scheitere. Wir haben etwas ganz Anderes im Glas. Einen Wein von einem Weingut, dessen Chenin Blancs ich früher mochte (ich habe hier mal einen vorgestellt). Das, was ich nun probieren muss, erschüttert mich. Ok, es erschüttert mich nicht wirklich, wir wissen mittlerweile zu viel von Aromahefen, Kaltvergärung und dem Zusammenspiel der Kräfte im Weinkeller wenn man einen Wein "machen" will. Aber es sollte erschüttern. Dieser Wein hier wurde gemacht. Das ist kein Chenin Blanc im eigentlichen Sinne. Das ist Chenin Blanc, der auch Grüner Veltliner sein könnte, der auch Sauvignon Blanc ist. Ein Wein also, den die Welt nicht braucht und bei dem ich mich frage: Wozu in aller Welt machen die das? Ja, ersthaft. Wozu? Warum machen die nicht Chenin Blanc der nach Chenin Blanc schmeckt und Sauvignon Blanc der nach Sauvignon Blanc schmeckt? Beides ist in Südafrika sehr gut möglich, auf sehr gutem Niveau. So viel also zum Chenin Blanc 2009 Vineyard Selection, Kleine Zalze.

Den zweiten Wein habe ich vor nicht allzu langer Zeit schon mal getrunken, als Absacker gewissermaßen, als Schlusspunkt einer Cabernet Franc Verkostung. Und auch wenn die teils noch zu jungen Cabernets richtig Spaß gemacht haben, zum Schluss einen Chenin zu trinken ist eben ein i-Tüpfelchen. Der Wein hat mir damals gefallen, mit einer klaren Einschränkung, die ich ich hier nur bestätigen kann. Der Jahrgang leidet an zu viel Alkohol, wirkt etwas brandig hinten raus, etwas matt. Das ist eine Klage auf hohem Niveau, ich gebe es zu, aber es ist ehrlich. Der 2006er L’Enclos, Savennières von Eric Morgat ist expressiv, dicht, voll reifer Birnenfrüchte und ein wenig Banane, mit Anklängen von Nüssen und gut eingebundenem Holz, dazu kommt ein wenig Bitterorange, das mag ich.

 

Drittes Doppel
Was uns nun im dritten Doppel aus dem Glas entgegen strömte, das mochte ich auch, und zwar beides.

Das erst Glas war, was die Rebsorte anging erstaunlich schnell und präzise erraten, da gab es praktisch keine Diskussion. Cabernet Franc sollte es sein. Mit ziemlicher Sicherheit reinsortig. Die Art der Würze, die roten Paprika, die Säure, das Zusammenspiel der Komponenten macht uns sicher. Doch was heisst das schon nach der Pleite mit dem südafrikanischen Chenin? Und was macht die Note von nasser Pappe, der Brotteig, die Schokonote in diesem Wein? Matthias tippt auf Merlot als Beimischung, letztlich ist es aber Südafrika als Beimischung. Es ist ein 2005er (schon der dritte 2005er) Cabernet Franc von Buitenverwachting. Buitenverwachting verfügt nicht nur über eines der schönsten Häuser in diesem Landstrich, einem historischen Kleinod, es ist auch meiner Ansicht nach eines der beständigsten Weingüter dort, die Cuvée Christine mag ich immer wieder gerne, aber auch die reinsortigen Weine können sich sehen lassen, wie eben auch der Cabernet Franc, eine Seltenheit am Kap. Ach, und übrigens, warum soll der Wein nicht auch einen Anteil Merlot enthalten? Schließlich dürfen dem Wein undeklariert 15% weitere Rebsorten beigemischt werden, das Gesetz erlaubt es.

Dem Cabernet Franc zur Seite gestellt hat der Hausherr einen Wein, dessen Provinienz deutlich schwerer zu erraten war. Ein trüber Wein, süß in der Nase, etwas dumpf, matt, dazu etwas, was Matthias als Schiefernote identifiziert hat, "so was wie Faugères", meinte er, "so was wie Mas de Daumas Gassac". Der Wein dreht erst richtig am Gaumen auf. Ein Wechselspiel zwischen Fruchtsüße und klarer Säure, einer inneres Messen ob Frucht oder Säure bei der Sauerkirsche überwiegt. Mineralität ist im Spiel, etwas Hitze. Es ist definitiv ein südlicher Wein und da ich weiss, was ich mitgebracht habe bin ich mir ziemlich sicher, was im Glas ist und halte die Klappe. Irgendwann wird dann doch aufgedeckt und wir sind uns so ziemlich alle einig, auch später, dass dieser 1996er Redoma von Dirk van de Niepoort der Rotwein des Abends ist. Viel Struktur, viel Charakter findet sich in diesem Wein, dessen autochthone Rebsorten auf den Schieferböden des Dourotals wachsen. Lediglich der Abgang ist ein wenig kurz geraten, aber das frustriert nicht wirklich, es ist lediglich ein wenig Schade, denn von einem schönen Wein will man ja immer gerne noch mehr.

Stattdessen kommt es zur dritten Rotwein-Paarung mit zwei ganz unterschiedlichen Typen.

 

Viertes Doppel
Der erste Wein ist ähnlich unfiltriert wie der letzte Wein und, später kommt es heraus, aus dem gleichen Jahrgang 1996. Zunächst denke ich an Syrah, er hat so was Teeriges in der Nase, die helle Farbe passt aber gar nicht. Zum Teer kommt dann noch etwas gekocht Gemüsiges dazu. Der Sexappeal des Weines hält sich zunächst in Grenzen. Das Mundgefühl allerdings ist dann ein Pinotgefühl. Ein Rest aus dem Himbeer-Erdbeer-Früchtekorb ist noch da, Würze, Liebstöckel und zum Schluss ein abgebranntes Streichholz. Das alles ist sehr harmonisch zusammengefügt, mit viel Kraft, Struktur und ordentlichem Tannin. Gealterter Pinot nach meinem Geschmack. Es ist, voilà, ein 1996er Chambolle-Musigny, eine Dorflage von Hubert Lignier. Lignier gehörte in den 80ern und 90ern zu den sehr renommierten Winzern, auch wenn er seinen Besitz in Morey St. Denis hat, und nicht in der bekannteren Nachbargemeinde Gevrey-Chambertin. In den 90er Jahren hat seinen Sohn dann zunehmend die Leitung übernommen und die beiden haben eine Betriebsgesellschaft gegründet. Dann verstarb sein Sohn an einem Hirntumor und Hubert und seine Schwiegertochter können nicht miteinander. Die Folge ist, dass Lignier heute nicht einmal mal mehr in seinen eigenen Keller kommt.

Noch deutlich bekannter als Lignier ist der Schöpfer, der Macher des zweiten Weins. Ich habe kürzlich über das Weingut geschrieben, weil ich eine wirklich geniale Flasche von ihm aufmachen durfte. Diese hier, noch verdeckt, ich habe noch keine Ahnung, was hinter diesem Wein steht, macht mich nicht so an. Der Wein ist dicht und dunkel, massiv beerig, mit einem Hauch von Eukalyptus und Lakritze. Leider ist der Wein allerdings auch etwas bitter, und zwar hat es die Bitterkeit, die man nicht haben möchte. Der Wein wirkt wie einer aus Übersee, im Gegensatz zu dem, den ich vor Kurzem im Glas hatte. Wir probieren gerade einen 2002er Dominus von Christian Moueix. Sicherlich ein sher gut gemachter Wein, der aber bei mir gerade im direkten Vergleich zum Lignier keine Chance hat.

 

Interludium
Als intellektuelles Zwischenspiel und auch, um die Zungen ein wenig zu beruhigen, plöppt wenig später der Korken und Schaumwein ist angesagt. Nach dem ersten Schnuppern ist klar: Das ist Champagne. Diese Briochenoten, das leicht Kalkige, leicht Kräutrige kann nur Champagne sein. All dies setzt sich am Gaumen fort, dann aber kommt die Überraschung. Eine ungeahnte, in der Nase nicht präsente Süße macht sich breit. Was ich hier ins Feld werfe ist ein 1995er Fleury Doux. Ein Champagner mit 53 Gramm Restzucker. Das ist man heute gar nicht mehr gewohnt. Ich selber liebe Champagner gänzlich ohne Dosage, der Stoff hier hat richtig viel, ohne allerdings im Geringsten aufdringlich zu wirken. Die 53 Gramm jedenfalls hätte niemand getippt, es wirkt eher wie ein wenig mehr als Demi-Sec. Das ist schon gekonnt, hat Fleury doch den Säuregrad exakt abgepasst, damit es passt. Fleury ist übrigens momentan der Einzige, den ich als Produzenten kenne, der solche Champagner noch herstellt.

 

Fünftes Doppel
Kommen wir nach trockenen Weißweinen und Rotweinen zum dritten Teil des Abends, den Süßweinen.

Wer sich durch den Werkstattgeruch beim St. Urbanshof durchgearbeitet hat, landet eigentlich immer bei einem schönen Wein. Diese Erfahrung habe ich zumindest bisher gemacht, und das ist auch bei diesem 2002er Kabinett aus Wiltinger Schlangengraben nicht anders. Leicht, fein mit noch frischem Apfel und feiner Säure. Mosel, wie ich sie liebe.

Im direkten Vergleich wirkt der zweite Wein dagegen massiver, dichter, tropischer. Leider mit einem kleinen Korkgeruch, der den Wein aber glücklicher Weise nicht all zu stark behindert. Der Wein besitzt viel Restzucker und zu wenig Säure, im Mund verdichten sich die tropischen Früchte, hinzu kommt eine leichte Schwarzteenote und hinten raus eine Bitternote, die aber allgemein nicht als Fehler oder als störend empfunden wird. Es ist eher so eine Bitternote aus einer englischen Orangenmarmelade – mit entsprechender Süße. Wie gesagt, die Säure fehlt und macht den Wein etwas fruchtsaftig. Dass es sich hier um eine 1993er Spätlese handelt, hätten wir allerdings nicht gedacht. 1993er Bopparder Hamm Ohlenberg von Weingart. Unten auf dem Etikett taucht schon der Name Florian Weingart auf, die großen Lettern verweisen jedoch auf den Vater Adolf Weingart.

Sechstes Doppel
Auch der nächste Wein ist einer, der so wirkt, als habe man einen exotischen Früchtekorb gepresst. Litchi, Mango, noch mal Mango, Papaya und was sonst noch alles drin sein mag. Das ist Huxel, denke ich, liege jedoch falsch. Es ist Silvaner, in Auslesequalität. Das war klar, so konzentriert kommt der Wein daher. Allerdings fehlt diesem noch leicht moussierenden Stück aus der Horst Sauerschen 0,5er-Flasche doch ein wenig die Säure. Das ist Schade, ein mehr davon wäre perfekt gewesen. Andererseits, diese 2007er  Silvaner Auslese aus dem Escherndorfer Lump ist für relativ kleines Geld zu haben und dafür macht sie richtig Spaß.

Was neben diesem Silvaner steht, wirkt davon meilenweit entfernt, statt wenige Zentimeter. Ein bernsteinfarbenes Extrakt, Orange- und Brauntöne mischen sich wie kürzlich erst beschrieben beim Genuss der 1994er Rieslaner Eselshaut-Auslese von Müller-Cartoir. Auch da war Matthias dabei und er denkt dasselbe. Etwas Steinobstfrucht noch in der Nase, vermischt mit Schwarzteesud, Kramellkeks kommt dazu und schon in der Nase erahnt man Säure. Am Gaumen gibt es dann jede Menge davon. Heftig. Was die Säure angeht, könnte diese Beerenauslese noch lange liegen blieben. Ob dann noch Frucht vorhanden sein wird mag bezweifelt werden. Ein Erlebnis ist es auf jeden Fall, mit solch einem Wein konfrontiert zu werden, mit einer 1996er Traiser Beerenauslese Riesling vom Weingut Crusius.

Nachlauf
Noch etwas? Ja, noch etwas. Bevor es Zeit wird, zu gehen, nach dem Säureschock der Beerenauslese kommt noch etwas sehr Süßes hinterher. Süßlich wie der Gewinnersong des ESC, der weit entfernt am anderen des Raumes vor sich hindudelt und dessen Verlauf wir mit halbem Auge verfolgt haben.

Was die Farbe von Sauternes hat und zunächst auch ähnlich in der Nase wirkt, die Fruchtnoten sind da, die Kaffenoten, gleitet bei zunehmender Vermischung mit Sauerstoff ins Alkoholische, etwas Acetonische ab. Am Gaumen bleibt der Alkohol präsent. Dazu kommt die oben schon genannte bittere Orangenmarmelade und noch ein wenig Exotik. Der Wein ist definitiv zu jung, noch unausgewogen. Kein wunder, wir haben einen 2009er Chenin Blanc im Glas. Noch mal Südafrika, diesmal Joostenberg.

 

Jetzt ist die Zunge müde, aber das Fazit ist sehr positiv. Auch wenn sich über einige Weine trefflich streiten ließ, oder vielleicht gerade deshalb, mag ich solch verdeckte runden in denen sich jeder auf’s Glatteis begeben muss und manchmal fällt. Ach ja, wir hatten zwei Gäste am Tisch, die wussten im Vorfeld gar nicht, was sie erwartet und schauten uns nur immer wieder staunend an, ob der Hingabe, mit der wir uns unserem Thema gewidmet haben. Ob sie wohl noch mal dazu stoßen würden, nach dieser Erfahrung? Wer weiss…

Die Weine im Überblick:
2009er Muskateller, trocken, Weingut Rebholz, Pfalz
2005er Schlossberg Grand Cru Riesling, Domaine Albert Mann, Elsass
2005er Gelber Orleans ***, Weingut Knipser, Pfalz
2009er Chenin Blanc Vineyard Selection, Kleine Zalze, Südafrika
2006er l’Enclos, Eric Morgat, Savennières
2005er Cabernet Franc, Buitenverwachting, Stellenbosch
1996er Redoma, Niepoort, Douro
1996er Chambolle-Musigny, Hubert Lignier, Bourgogne
2002er Dominus, Christian Moueix, Napa Valley
1995er Champagne Doux, Fleury Père & Fils, Champagne
2002er Wiltinger Schlangengraben Riesling Kabinett, St. Urbanshof, Mosel
1993er Riesling Spätlese Bopparder Hamm Ohlenberg, Adolf Weingart, Mittelrhein
2007er Silvaner Escherndorfer Lump Auslese, Horst Sauer, Franken
1996er Traiser Riesling Beerenauslese, Weingut Crusius, Nahe
2009er Chenin Blanc, Joostenberg, Südafrika

Fünf Jahrgänge Smith Haut Lafitte blanc und anderer genialer Stoff

Gestern haben wir mal wieder in kleiner Runde zusammengesessen. Auf dem Programm stand eine Fünfer-Vertikale des im Pessac-Léognan beheimateten Bordeaux-Châteaus Smith Haut Lafitte.

Traditionell beginnen wir unsere Abende mit einem Champagner, in diesem Fall mit einer Grande Réserve des Hauses Vilmart & Cie, Rilly-la-Montagne aus dem nördlichen Bereiche der Grande Montage de Reims.

Vilmart, 1890 gegründet, besitzt 11 Hektar rund um das eigene Anwesen, wobei hier, ganz unüblich für die Region, Chardonnay als Hauptrebsorte überwiegt. Normalerweise findet sich in der Montagne mehr Pinot. Sämtliche Lagen des Besitzes fallen unter den Premier Cru Status. Vilmart, bzw. der Besitzer Laurent Champs und auch schon sein Vater gehören zu den Winzern, die sehr früh auf den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden im Weinberg verzichtet haben und sie gehören weiterhin zu jenen, die ihre Grundweine samt und sonders in Holzfässern ausbauen. Non Vintage Champagner werden in Fudern ausgebaut, Jahrgangschampagner in gebrauchten Barriques. Die Vorgehensweise ähnelt also der bei beispielsweise Selosse, de Souza, Larmandier-Bernier und anderen Winzern, die biologisch im Weinberg arbeiten und auf Holz statt auf Edelstahl im Keller setzen.

Die Grande Réserve Brut Premier Cru, Losnummer 11 08, das dürfte auch das Degorgier-Datum sein, besteht im Gegensatz zu allen anderen Erzeugnissen Vilmarts zu einem höheren Anteil aus Pinot Noir (70%) und zu einem geringeren aus Chardonnay (die restlichen 30%).

In der Nase findet sich ein Hauch Holz und ein leichter Duft von Hefe, zusammen mit etwas Salzigem, was mich ein wenig an Fisch erinnert hat, aber das wäre ein Negativurteil, was ich so nicht formulieren mag. Es scheinen jedenfalls einige salzige Aromen am Geruchsbild mitzuwirken, das ansonsten eher auf Chardonnay denn auf Pinot schließen lässt: Zitrusfrüchte dominieren hier.

Am Gaumen ist der Wein zunächst einmal frisch und crémig, was meiner Meinung nach zunächst einmal das Wichtigste ist. Fehlt die Frische wird der Wein schnell langweilig, dann kann ich auch einen Stillwein trinken. Hier jedoch findet sich eine frische Säure, Mineralität, wiederum Citrusnoten und Pfirsich, begleitet von würzigen Noten und frischem Brioche. Im Mund merkt den Pinotanteil deutlicher als in der Nase, der Wein hat hier ein pinottypisches Volumen. Schön ist, um noch mal darauf zurück zu kommen, die crémige Textur, die nicht zuletzt aus dem zehnmonatigen Holzfassausbau resultieren dürfte sowie die Länge, die diesen Einstiegswein des Hauses zu einem guten Kauf werden lässt und mit 32 Euro bei Hardy in Berlin auch gut bepreist ist.

Das eigentliche Thema des Abends aber waren die weißen, von Sauvignon Blanc dominierten Gewächse des Château Smith Haut Lafitte, bei mir intern op Kölsch Schmitz-Hoot genannt.

Wie viele andere Châteaux im Bereich Pessac-Léognan, Graves auch ist Smith Haut Lafitte deutlich älter als die bekannten Médoc-Güter. Bis ins 14. Jhd gehen die Annalen zurück als die Familie Bosq im Jahre 1365 das Gut gegründet hat. Interessant wird es ab dem 17. Jahrhundert, als der Schotte George Smith den Besitz übernahm, das heutige Anwesen erbauen ließ und begann, die Weine auf die britischen Inseln zu exportieren. Ab 1842 hat der damalige Bürgermeister von Bordeaux, Monsieur Duffour-Dubergier den Besitz übernommen, ausgebaut und das Gut weiter bekannt gemacht. Den weltweiten Export übernahm der Händler Louis Eschenauer, der das Anwesen zwischenzeitlich erwarb bis es 1993 in den Besitz des früheren Ski-Olympiasiegers Daniel Cathiard überging. Dieser hat den Besitz zusammen mit seiner Frau Florence zu einer neuen Blüte gebracht, enorm viel Geld in das Anwesen mit dem markanten blauen Signet investiert und mit Frau und Tochter sogar eine eigene, auf Weintrauben basierende Kosmetiklinie namens Les Sources de Caudalie sowie eine Reihe von Spa eröffnet. Die Familie hat in den letzten zwei Jahrzehnten also keine Mühen gescheut um den Besitz in die erste Riege der Graves-Château zu befördern, zu denen es vorher eigentlich nie gehört hat. Eine der vielen Maßnahmen, die angewandt wurden um diesen Qualitätssprung zu erreichen ist neben der Neuanlage der Weinberge, dem Ausbau des Kellers und der Beratung durch Michel Rolland die stete Hinwendung zur biodynamischen Bewirtschaftung des Weinbergs, womit peu à peu 1997 begonnen wurde.

Die Jahrgänge 2000 und 2002
Leider hatte direkt der erste Wein im ersten Flight einen Korkschmecker, der den Vergleich mit dem hervorragenden 2002er schwieriger werden ließ. Beide Weine standen goldgelb im Glas und dufteten mit einer Aromatik von leicht gerösteten Nüssen und Kernobst.

Was ich beim 2000er zuerst als Walnuss-Aromatik empfunden hatte wandelte sich zunehmend deutlich im Laufe des Abends zu einem TCA-Fehler des Korkens. Schade, denn der Wein hatte eine schöne Tiefe und Länge.

Der 2002er ist von der Zusammensetzung her ein typischer weißer Smith Haut Lafitte. 90% Sauvignon Blanc werden ergänzt durch 5% Sauvignon Gris und 5% Sémillon. Neben der Aromatik von gerösteten Nüssen findet sich ein wenig Akazienhonig, etwas Banane und reife Mirabellen. Und das nicht nur im Duft sondern ebenso im Geschmack, wo sich zusätzlich eine gewisse Kräuteraromatik einfindet. Der Wein hat eine schöne Dichte und ausgezeichnete Länge. Zum Schluss des Abends findet sich ein leichter Petrolton in der Nase.

Die Jahrgänge 2007 und 2006
Im zweiten Flight stand der 2007er Jahrgang neben dem 2006er. Auch diese setzen sich aus 90% Sauvignon Blanc und je 5% der Nebenrebsorten zusammen, der Ertrag lag bei beiden bei 30 Hektoliter je Hektar (2002 lag er bei 25hl).

Die Stilistik der ersten beiden probierten Weine setzt sich auch in diesen beiden fort. Auch wenn der 2007er säurebetonter ist als der 2002er und zurückhaltender im Duft, findet sich die Steinobst-Nuss-Aromatik, die zunehmend durch eine leicht steinige Komponente ergänzt wird. Im jüngsten Wein des Abends findet sich zwar etwas mehr Holz als in den anderen, doch oaky ist dieser Wein kein bisschen. Die Frucht überwiegt deutlich, ist expressiv und verbindet sich hervorragend mit der Säure. Sehr gut.

Der 2006er, von René Gabriel mit übertriebenen 20/20 Punkten bewertet, ist noch ein Schüppchen besser. Nüsschen, reife, ja crémige weiße Früchte mit einem satten Schuss Akazienhonig formen einen dichten, in angenehmen Sinne vollen Wein, der jedoch genau so viel Grip und Säure in sich trägt, dass sich eine großartige Balance ergibt. Der Wein weckt bei allen am Tisch gleichermaßen Begeisterung. Hervorragend.

Der Jahrgang 2005 und ein unbekannter Nebenbuhler
Der 2005er, im dritten Flight mit einem verdeckten Nachbarn kredenzt, fällt in der Aromatik zunächst ein wenig heraus. Die bisher immer mitschwingende Nusskomponente finde ich kaum, hier überwiegen Quitte und Trockenfrüchte in der Nase. Am Gaumen aber hat dieser Wein alles, was das Weingut ausmacht. Wenn der Wein auch weniger Säure hat als seine beiden Vorgänger ist dies hier die Quintessenz: kühle Frische, ausgezeichnete Säurestruktur, mineralische Kräuteraromatik, leichte Würze, stoffige, weiße Frucht und ein wenig vollreifer Pfirsich. Kraftvoller ist der Wein und doch elegant, tief, mit einer ausgezeichneten Länge fast monumental. Für mich nahe an der Perfektion weißer Graves.

Neben diesem 2005er stand ein Wein, der zwar in der Nase deutliche Alterungsnoten aufweisen konnte, im Glas aber hell schimmerte ohne jeden Alterungston. Auf einen 1979er Château Laville Haut Brion, heute La Mission Haut Brion, ebenfalls Graves, ebenfalls Sauvignon Blanc, ist am Tisch natürlich niemand gekommen. Durchaus amüsant und durch die Bank zutreffend waren die Geruchsvergleiche mit Tahin und Zitrone, Käse oder Kettenfett, gekochtem Gemüse und Karamell. Stand Tahin und Kettenfett zu Beginn im Vordergrund wurde der Wein über die nächsten Stunden nicht schwächer und müder, nein, im Gegenteil formte sich ein karamelliger Wein mit ausgezeichnetem Säuregerüst mit zunehmender Weichheit und Finesse. Sehr beeindruckend.

Was nach den drei Runden Pessac-Léognan wiederum verdeckt ins Glas kam war ein Wein, der von einem der bevorzugten Winzer unseres Gastgebers stammt. Der 2003er Uhlen Laubach von Heymann-Löwenstein, Terrassenmosel, hat uns ebenso viel Spaß bereitet wie die Bordeaux. Dieser Wein aus dem Hitzejahrgang wirkte überhaupt nicht müde – beim kürzlich genossenen 2003er von Clemens Busch konnte ich davon auch nichts feststellen. Der leicht nach Virginiatabak und Pfirsich duftende Wein hatte zwar naturgemäß keine überbordende Säure, aber eine, die den Wein sehr gut zusammengehalten hat. Leicht karamellig wirkte der Wein, mit kräutriger Mineralik, leicht herben Johannisbeer-Noten, einer deutlich spürbaren Restsüße und ausgezeichneter Länge.

Zum Schluss noch mal ein Höhepunkt eines feinen Weinabends: Château Suduiraut, Sauternes, 2003. Was für ein genialer Tropfen. Eine nicht enden wollende dichte Süße, eine crémige Karamellbonbonessenz mit eingelegten Früchten voller gebändigter Kraft und Dichte. Und das, was einen bei vielen Sauternes befürchten lässt, man müsse ob der Schwere durch die Decke plumpsen wird hier gekontert mit Frische, mit einem feinen Säuregerüst, was mir bei diesem Château wie bei kaum einem anderen immer wieder auffällt und die Weine unwiederstehlich macht: Da schwebt eine riesige, mit eingelegten Früchten durchsetzte Crème Brullée in einem schweren Tongefäss wie auf einem Magrittschen Gemälde schwerelos über den Dingen. Großer Wein, großartiger Abend.

Drei Winzer aus der Champagne, drei ganz unterschiedliche Stile

Eines der faszinierendsten Themen der Weinwelt ist für mich die Champagne. Erst spät, es muss am Geldbeutel liegen, bin ich überhaupt erst dazu gekommen, andere Champagner zu trinken als man sie hier und da mal bei bei Geburtstagen oder auf Stehpartys und Empfängen in die Hand gedrückt bekommt. Das war dann immer weitestgehend ausdrucksloser Bankett-Champagner, der keinem weh tut, aber auch kein bisschen dazu beitragen mag, sich für dieses Getränk weiter zu erwärmen. Hinzu kommt, dass mir die Marketingstrategien und Allüren der großen Häuser ziemlich fremd sind. Hier werden Produkte als rar und exklusiv feil geboten, die in Millionenauflage praktisch vollautomatisiert hergestellt werden. Dafür aber, dem Marketingetat sei Dank, müssen horrende Summen bezahlt werden. Dazu war ich nie bereit. Genauso wenig mochte ich zu irgendwelchen Champagner-Verkostungen pilgern die, mit einem Haufen Celebrities bestückt, in irgendwelchen überkandiedelten Hotels, wie beispielsweise dem geschmacklosen Kameha Grand hier in Bonn, abgehalten werden.

Dann aber hatte ich irgendwann mal zwei Gläser in der Hand. In dem einen befand sich Champagner von Krug, in dem anderen ein Jahrgangschampagner von Larmandier-Bernier. Diese beiden Schaumweine haben meine Sicht auf dieses Weinbaugebiet grundsätzlich verändert. Mittlerweile habe ich Vieles probiert – man kann ja Proben organisieren um sich durch das Programm zu verkosten – und bin diesem Stoff ein wenig verfallen. Zumindest den guten Vertretern. Und davon gibt es eine ganze Menge. Man muss sie nur finden. Neben Krug gibt es natürlich auch bei den großen Häusern wirklich gute Weine. Wer einen gereiften Roederer Cristal oder einen Jahrgangschampagner von Bollinger oder einen Cômte de Champagne von Taittinger probiert hat, weiß, was ich meine. Ich persönlich finde es jedoch viel interessanter, mich mit jenen zu beschäftigen, die es mittlerweile gewagt haben, sich aus der Deckung der großen Häuser zu wagen, die ihre Trauben nicht mehr den Cooperativen geben oder eben jenen großen Häusern. Verführerisch ist das  nämlich allemal, denn für gutes Traubenmaterial wird viel Geld gezahlt. Mehr als irgendwo anders – ausser vielleicht im Napa Valley. Trozdem, es gibt immer mehr, die es wagen, selbst auf den Markt zu gehen und es gibt immer mehr, die diese Winzer-Champagner auch kaufen. Das ist ein großes Glück denn dadurch zeigt sich erst die Vielfalt. Die Vielfalt der Böden, der Klimata, der Rebsorten – hey, es gibt auch Champagner vom Pinot Blanc und von der Arbanne, und natürlich vom Schwarzriesling, pardon, Pinot Meunier, und was für welchen…

Heute stelle ich drei Champagner vor, die ich drüber im Shop auch verkaufe. Ich mache ganz bewusst auf Winzer aufmerksam, die dort Flächen bewirtschaften die so klein sind, wie bei Vollenweider an der Mosel. Gemeinsam haben sie, dass sie sich dem biodynamischen Anbau verschrieben haben und das sie Holz zum Reifen einsetzen, was wenige machen. Krug ist bekannt dafür und der Großmeister der Winzer, Anselm Selosse. Jedoch immer mehr Winzer, vorwiegend aus dem Biodyn-Bereich setzen ganz zurückhaltend das Holz ein um einen gewissen Austausch mit dem Umgebungsluft zu gewährleisten. Deswegen wirken die Weine nur selten oxydativ.

Der Bulles de Comptoir beispielsweise ist meilenweit von irgendwelcher Oxydation entfernt. Der ist so scharf wie ein Rasiermesser. Da sammeln sich Tropfen von Limetten und frischer Grapefruit auf des Messers Schneide und sie rinnen nur deshalb nicht herab, weil sie aufgehalten werden, von größeren Mengen an Kreide. Das ist straight to the edge. Nicht unbedingt der Stil, den ich favorisiere, das ist mir noch zu hart. Aber ausgezeichnet gemacht. Charles Dufour, so heisst der Winzer, sitzt in Landreville, im Tal der Aube. Wer durch das Dorf fährt, wird ihn im Zweifel zunächst nicht finden. Es ist eben ein Winzer und kein Champagner-Haus, so wie bei uns in den Weinbaugebieten. Da stehen keine schnellen Sportwagen vor riesigen Landsitzen.

Gegründet wurde der Besitz von Robert Dufour der, der einfach drei Champagner hergestellt hat. Brut, Sec und Demi-sec. Roberts Sohn und der Vater des heutigen Besitzers, Yves, hat sich auf trockene Champagner spezialisiert. Dabei hat er, als einer der ganz wenigen, verschiedene Rebsorten getrennt ausgebaut. Nebenbei, auch das war selten in den Achtzigern und Neunzigern, hat er auf biologischen Anbau gesetzt, in Zeiten, in denen andere Winzern noch den Hausmüll aus Paris als Dünger eingesetzt haben. Während Charles einige Jahre in Neuseeland und Australien sein Wissen erweitert hat, hat seine Mutter in einigen Parzellen auf Biodynamie umgestellt. Seit 2007 läuft der ganze Betrieb unter Kontrolle von Ecocert. Was ganz typisch ist für die Côte de Bar ist der große Anteil von Pinot Noir im Rebbestand. Das ist auch bei den Dufours nicht anders. Was sie aber neben Meunier und Chardonnay noch anbauen ist Pinot Blanc. Und das ist selten. Es gibt sogar reinsortigen Pinot-Blanc-Champagner, drüben im Shop. Den hat Vater Yves 1999 ausgebaut und Sohn Charles 2009 degorgiert. Im Bulles de Comptoir, dessen Etikett diesen Artikel ziert, ist ein Drittel Pinot Blanc, den Rest teilen sich Pinot Noir und Chardonnay.

Ganz anders als Dufour wirkt der Brut Essentiel von Benoît Lahaye. Lahaye lebt und arbeitet in Bouzy, einer Hochburg der Pinot-Noir-Champagner und voller Grand Cru Lagen. So ist auch dieser Brut Essentiel mit 6 Gramm Dosage ein Gran Cru. Den 90 % Pinot wurden schmeichelnde 10 % Chardonnay hinzugefügt.  Lahaye hat in den Neunzigern, bekehrt vom Patrick Meyer aus dem Elsass, auf bio-organischen Anbau umgeschwengt und ist dann weiter Richtung Biodynamie gegangen. Für ihn ist klar, und da singt er im Chor: vor der Biodynamie war es nicht möglich, vernünftigen Brut Nature herzustellen weil die Trauben seit der Umstellung zunehmend reifer werden – bei gleichem notwendigen Säuregrat. 4.5 Hektar besitzt Lahaye. Knapp 96 % fallen auf Pinot Noir, eine Parzelle wurde mit Chardonnay bepflanzt.

Lahayes Brut Essentiel, und das gilt für alle seine Weine, sind Weine die dringend getrunken werden wollen. Nicht, weil sie nicht lange altern würden, nein, weil sie so lecker sind. Der Brut Essentiel weist neben feinen Hefenoten, die an frisch gerührten Teig erinnern, Kernobstfruchtnoten auf. Da ist Créme drin und ein angenehme Weichheit. 55 % des Weines stammen übrigens aus dem Jahr 2007, der Rest sind Reserveweine.  Dieser Champagner hat eine schöne Tefe und ist dabei sehr charmant unkompliziert. Neben den Fruchtaromen findet sich eine angenehme Säure und Mineralität. Der Wein ist für unter 30,- zu haben und das ist ein fantastischer Einstieg in die Champagnerwelt.

Der Einstiegswein von Georges Laval, bzw. seinem Vincent, der den Betrieb seit 1996 führt ist fast doppelt so teuer wie der Lahaye. Der Cumières Brut Nature ist ein rarer Wein. Nicht so rar wie die anderen Weine von Laval, von denen unter 1.000 Flaschen jährlich abgefüllt werden, doch wirklich selten. Laval besitzt 2.5 Hektar im Tal der Marne, genau gesagt in Cumières und macht selbst in guten Jahren keine 10.000 Flaschen. Das ist sehr wenig. Glücklicherweise sind die, die mal seine Champagner probiert haben, so überzeugt von seiner Qualität, dass er Preise bis 180,- die Flasche nehmen kann, ab Hof ist das immer noch mal günstiger. Das ist für Winzer-Champagner definitiv die Ausnahme. Allerdings gibt es Menschen, die sagen, dass seine besten Chamapgner auf einem Niveau liegen mit Krugs Clos de Mesnil.

Der Cumières Brut Nature besitzt eine wirklich überragende Balance zwischen Frucht, Säure und Mineralität. der Wein duftet nach roten Früchten, mürben Äpfeln, etwas Brioche, etwas Zitrus und etwas Salz. Der Wein ist im Mund total harmonisch, schwebt geradezu auf der Zunge. Das ist große Klasse. Es schrieb mal jemand, das wäre Puligny-Môntrachet mit Bläschen, und ich weiss, was er meint.

Champagne Charles Dufour, Bulles de Comptoir
Champagne Benoît Lahaye, Brut Essentiel
Champagne Georges Laval, Cumières Premier Cru, Brut Nature

Cumières Premiere Cru, Brut Nature, Georges Laval, Valée de la Marne, Champagne

Seit einiger Zeit nun schon beschäftige ich mich Winzer-Champagnern, habe selbst einige im Programm und Namen wie Larmandier-Bernier, Léclapart, Egly-Ouriet, Selosse oder Gimmonet sind mittlerweile bekannt, andere, Newcomer wie Prévost oder Lahaye werden immer bekannter. Einer aber, der seit 1971 Champagner macht und zwar – nach Meinung einiger – einen extrem guten dazu, finde ich in den Besprechungen und Veröffentlichungen praktisch gar nicht. Bei Eichelmann oder Edwards jedenfalls taucht er nicht auf. Lediglich in den Blogs Mad about Wine und Sparkling Online finde ich Hinweise und Beschreibungen der Weine von Champagne Georges Laval, einem kleinen Produzenten aus Cumières, was im Tal der Marne, unweit von Epernay liegt. Der Sohn des Gründers, Vincent Laval beackert hier gerade einmal 2,5 Hektar, was einem Ertrag von ca. 9.000 Flaschen per anno entspricht. Das ist reichlich wenig und entsprechend rar und teuer sind die Weine. Das Flagschiff Les Meuniers de la Butte wird in 885 Flaschen abgefüllt und kostet ca. 180 Euro.

Die Einstiegscuvée ist ebenfalls nicht günstig, ca. 50 Euro muss man schon berappen um eine der knapp 7.500 Flaschen ergattern zu können. Der Wein besteht zu 95% Prozent aus dem 2006er Jahrgang dazu kommen 5% aus 2005. Die Cuvée wurde aus 50% Chardonnay, 25% Pinot Noir und 25% Meunier assembliert. So viel zu den technischen Details.

Viel interessanter ist ja, was dahinter steckt und das ist in der Tat feiner Stoff. Zunächst bin ich mir im Glas gar nicht klar darüber, ob das nun ein Rosé werden sollte oder nicht, der Wein changiert zwischen goldgelb und rosé, er wirkt in der Nase ganz leicht nussig mit Karamellüberzug, dazu kommt viel Marzipan, etwas frischer Brotteig und mürber Apfel. Cremig wirkt der im Holz ausgebaute Wein schon in der Nase, eine leichte Crème stelle ich auch im Mund fest, wo die Pinot-Noten und die Kraft der roten Traube deutlicher hervortreten. Dazu findet sich eine angenehme Säure ein. Der Wein wirkt keinesfalls so knochentrocken wie er eigentlich ist – die Dosage liegt nahe Null – was auf durchaus reifes Lesegut schließen lässt. Insgesamt wirkt der Champagner sehr offen und zugänglich, füllig und weich einerseits, mit angenehmem Biss und Grip andererseits.

Dieser Champagner ist durchaus angenehm ausgewogen und gut, der Preis ist allerdings eine Hausnummer, und den für diesen Champagner zu zahlen fällt mir schwer. Da würden mir spontan ein paar einfallen, denen ich erst einmal den Vorzug geben würde wenn ich wählen dürfte, zumal mir da hinten raus nach diesem vollen Gefühl im Mund ein bisschen was fehlt.

Das wird auch am zweiten Tag nicht besser, der Wein wirkt jetzt noch ein wenig oxidativer und der mürbe Apfel dominiert das Geschmackserlebnis. Es kann sein, dass es an der kleinen Flasche (0,375ml) liegt, aber auch jetzt überzeugt mich der Wein nicht wirklich., jetzt in der 750ml Flasche genossen, eine Pracht. Ich habe selten so einen stimmigen und ausgewogenen Chamapgner getrunken und jetzt verstehe ich auch den Preis.

Cumières Premiere Cru, Brut Nature, Georges Laval, Valée de la Marne, Champagne, 49 Euro

Gocher Weinzyklus 4 – Der Oberrhein. Eine Weinregion im Dreiländereck

Michael und ich hatten gestern dank der Wirtschaftsförderung der Stadt Goch, kom.M, einmal mehr die Möglichkeit, ungewöhnliche Weine an ungewöhnlichen Orten zu präsentieren. Nach dem Museum Goch, der Druckstraße von B.O.S.S.-Druck und dem Fünf-Ringe-Haus war es diesmal die Weltenbühne im Ortsteil Hassum – ein Schmuckstück aus der Sammlung des verrückten Puppenspielers Heinz Bömmler. Heinz nennt sich selber so, dabei ist er alles andere als das. Er ist ein versierter Geschäftsmann, der seine Sammelleidenschaft zum Lebensinhalt gemacht hat und dessen Weltenbühne nur ein kleiner Teil dessen ist, was unter Viller Mühle firmiert und weit über den Niederrhein hinaus bekannt ist – zum einen als Veranstaltungsort prominenter Kabarettveranstaltungen, Beispielsweise der WDR-Reihe Hart an der Grenze, zum anderen als Hort von unzähligen Alltagsprodukten und ganzen Kulissen vergangener Zeiten, die hier für historische Film- und Fernsehaufnahmen regelmäßig geliehen werden.

Die Weltenbühne war für uns der geeignete urige Rahmen unserer kleinen Reihe, in der wir uns am Niederrhein mit dem Oberrhein beschäftigt haben. Wer sich fragt, wie es dazu kam, außer dass am Oberrhein eindeutig gute Weine gemacht werden? Es ist schlicht der gerade aktuelle Spargel, der beide Regionen ganz nahe aneinander rücken lässt und der das Verbindungsglied des Abends darstellte.

Bis auf einen Abstecher an den Vorderrhein, genauer gesagt nach Malans in der Bündner Herrschaft, haben wir uns also mit dem Markgräfler Land, dem Bodensee, dem Zürichsee, dem Schwarzwald und dem Elsass beschäftigt und mit einer Riege von André Stentz begonnen.

Es ist jammerschade, dass die Elsässer Weine im allgemeinen solche Ladenhüter sind, gibt es hier doch wahre Schätze zu bergen und auch unauffällige Kleinodien zu entdecken. André Stentz, einer der frühen Vorreiter der elsässischen Bioszene, der mittlerweile alle guten Winzer dort angehören, macht seit vielen Jahren einen der besten Crémants, die ich kenne. Der 2008er Crémant d’Alsace aus Pinot Blanc, Pinot Gris und Chardonnay beweist dies ein weiteres Mal. Eine feine Perlage, ein frisches Aroma von Brioche und Nüssen in Verbindung mit mürben Früchten wird durch eine feine Säure herrlich gepuffert. Der Crémant d’Alsace Rosé, neu im Programm, wirkt ebenso fein. Der Pinot Noir aber dreht den Aromenkreis in eine ganz andere Richtung von satten roten Früchten. Ähnlich überzeugend wie die Crémants wirkte der Gutsriesling, der Riesling Alsace AOC des Hauses André Stentz. Trocken, luftig, frisch, mit einer feinen blumigen Note – aromatisch also, aber überhaupt nicht ausladend, sondern eher filigran und fein.

Bis zum Spargelessen führte die Reise vom Elsass aus zurück über die Grenze in die Nähe von Lörrach, wo Gerd Schindler im Weingut Lämmlin-Schindler einen hervorragenden Weißburgunder aus dem Mauchener Sonnenstück vinifiziert hat.

Weiter ging die Reise durch das Ländle und den dortigen Rebsortenspiegel zum Auxerrois der Aufrichts, die ich hier, hier und hier mal ausführlicher beschrieben habe. Der Auxerrois aus den Meersburger Lagen am Bodensee wirkte allerdings ein wenig zu dropsig, um auf Dauer spannend zu sein.

Deutlich spannender und so gelungen wie so ziemlich alles, was Alexander Laible so anpackt als Winzer, ist der Chardonnay SL***. Ein fruchtiger Chardonnay voller Kraft und gleichzeitiger Finesse. Herrlich ausgewogen zwischen Frucht, einer salzigen Aromatik und einer angenehmen Säure. Wenn auch noch sehr jung, wir haben den aktuellen 2009er Jahrgang probiert, gefällt dieser Weine, wenn auch manche Teilnehmer des Abends etwas Schwierigkeiten hatten, sich durch den krautig-gemüsigen Duft der Spontangärung durchzuarbeiten.

Zum Spargel dann gab es Ziereisens Gutedel Heugumber. Wer meinen Blog liest, kann mehr zu Hanspeter Ziereisen finden. Der Heugumber ist für mich einer der Sommerweine, nicht nur zum Spargel. Leicht, beschwingt, mit feiner Frucht und Würze, wenig Säure und Alkohol zum moderaten Preis ist das ein richtiger Spaßwein.

Der Wein zum Dessert kam da aus einer ganz anderen Liga. Zurück im Elsass widmeten wir uns dem Gewürztraminer Furstentum Gran Cru Vielles Vignes der Domaine Albert Mann aus dem Jahr 2007. Die Lage Furstentum wird bereits im Jahr 1330 in den Weininventarbüchern des Klosters Basel erwähnt. Der Gewürztraminer ist eine Wucht im wahrsten Sinne. Er dürfte gerade jetzt am Anfang seiner Trinkreife stehen, entfaltet im Laufe des Abends – wir haben ihn früh vorher geöffnet – ein großartig dichtes Aromenspektrum von Rosen, Litschi und Grapefruit in Kombination mit dieser markanten, sortentypischen leicht herben Würze. Eine Wucht aber auch deshalb, weil dieser Wein trotz ordentlicher Restsüße noch 13,5 % Alkohol beisteuert. Das ist nicht leicht zu verkraften, macht aber, wenn man diesem Wein Zeit widmet – Michael und ich haben dies dann nach der Veranstaltung noch ein wenig ausgedehnter getan –, sehr viel Freude.

Die Rotweine des Abends haben leider nicht nur polarisiert, das war uns klar, nein, anscheinend haben wir das Publikum ein wenig überfodert. Zwei Pinot Noir, ein Gamaret und ein Syrah standen auf dem Programm. Das sind letztlich alles nicht unbedingt Weine für Menschen, die sich nur selten tiefer mit dem Thema Wein auseinandersetzen.

So überraschte uns, dass selbst der 2007er Spätburgunder Markgräfler Land von Martin Wassmer den wenigsten zusagte. Ein burgundisch ausgebauter Typ, straight, aber nicht zu kompliziert mit einer angenehm weichen Holznote im Finale. Noch ablehnender standen die meisten dem Blauburgunder 2005 Zur Krone Malans von Anton Boner-Lichti gegenüber. Wirklich überzeugend fand ich diesen Wein allerdings auch nicht, genauso wenig den Gamaret aus der Staatskellerei Zürich. Auch diesen hatten wir vorher geöffnet und kurz probiert. Dabei wirkte der Wein aus der 1970 gezüchteten Traubensorte, die praktisch ausschließlich rund um Zürich angebaut wird, zunächst ganz spannend, weil sie wie keine andere Traube nach frisch gekochtem Rotkohl riecht, nach Rotkohl mit Nelke und ein wenig Pfeffer. Schwer wirkte er in der Nase, weicher und samtiger dann war er am Gaumen. Zweieinhalb Stunden später am Abend wirkte der Wein dann schon etwas müde und ich hatte starke Assoziationen an mit Maggi versetzte Würzsoße.

Für mich über jeden Zweifel erhaben war zum Schluss der 2007er Syrah Gestad von Hanspeter Ziereisen. Ein ausgezeichneter Wein, dessen Aromen von Teer zwar auch nicht allen zusagten, wohl aber mehr Teilnehmern des Abends. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich diesen Wein probiere. Ein Cool-Climate Syrah, nicht schwer, nicht fett, nicht überbordernd. So wie Hanspeter Ziereisen auch seine Blauburgunder zunehmend ausbaut, wird auch der Syrah immer filigraner und präziser. Die kleinen Mengen sind schnell ausverkauft und nicht einmal die Ziereisens konnten uns aus ihrem Keller noch etwas schicken. Bernd Klingenbrunn & Armin Maurer, kurz K&M Gutsweine, aber hatten noch eine Magnum für diesen Abend, die sie uns glücklicherweise kurzfristig zusenden konnten; denn sonst wäre das Rebsortenspektrum des Abends um eine Attraktion ärmer gewesen.

Eine schöne Reise war’s, eine Reise mit einigen Einblicken in eine alte Kulturlandschaft, die genauso oft gespalten wurde durch Kriege und Verwüstungen wie sie auch immer wieder zusammengefunden hat in gemeinsamen Interessen und Traditionen. Und eine Weinreise ist sie auf jeden Fall wert.

Cremant d’Alsace blanc/rosé, André Stentz, Elsass, 2008
Riesling Alsace AOC, André Stentz, Elsass, 2009
Weißburgunder »Mauchener Sonnenstück«, Lämmlin-Schindler, Baden, 2009
Auxerrois, Aufricht, Baden, 2009
Chardonnay SL 3 Sterne, Andreas Laible, Baden, 2009
Gutedel »Heugumber«, Hanspeter Ziereisen, Baden, 2009
Gewürztraminer »Fürstentum Gran Cru Vielles Vignes«, Albert Mann, Elsass, 2007
Spätburgunder »Markgräfler Land«, Martin Wasmer, Baden, 2007
Blauburgunder zur Krone Malans , Anton Boner-Lichti, Bündner Herrschaft, 2005
Gamaret, Staatskellerei Zürich, Zürich, 2006
Syrah »Gestad«, Hanspeter Ziereisen, Baden, 2007


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