originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Dominus 1991 vs. Araujo Estate Eisele Vineyard Cabernet 2002

Bei manchen Weinen verschlägt es mir die Sprache und ich frage mich dann, wie ich den beiden Weinen, die ich gestern trinken durfte, gerecht werden kann. Diese beiden Weine, beide aus Kalifornien, gehören zum Besten und Perfektesten was ich bisher getrunken habe. Dabei könnten die vom Cabernet dominierten Weine unterschiedlicher kaum sein.

Dominus Estate, Dominus 1991

George Yount hat im Jahr 1836 den Weinberg namens „Napanook Vineyard“ in Yountville, Napa Valley, angelegt. Nach diversen Besitzerwechseln übernahm 1982  Christian Moueix, der Besitzer des Château Pétrus im Pomerol den Weinberg in einem Joint Venture, seit 1995 ist Moueix alleiniger Besitzer des Dominus Estate. Die Weinberge umfassen rund 50 Hektar Rebfläche auf Kies- und Lehmböden, die zum Teil noch mit Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc aus dem Jahre 1880 bestockt sind. Es handelt sich dabei um die ältesten Reben im Napa County. Das Flaggschiff ist der Bordeaux-Verschnitt Dominus, von Cabernet Sauvignon geprägt und mit jährlich etwas schwankenden Anteilen von Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot versetzt.

Wir konnten den 1991er Jahrgang, den Robert Parker neben dem 1994er als geradezu perfekt bezeichnet aus der 6 Liter Imperiale probieren, von denen seinerzeit nur 30 abgefüllt worden sind.  Langsam ist der Wein in der Großflasche gereift und bietet sich momentan in einem perfekten Zustand. Hätte ich nicht gewusst, was ich trinke, wäre ich nie auf Napa-Valley gekommen, dieser Wein ist absolut francophil und spricht die Sprache seines französischen Besitzers der im Napanook-Vineyard perfekte Vorraussetzungen für einen großen Wein hat. In der Nase zunächst eine dichte Mischung aus reifen Johannisbeeren, Kirschen, etwas Pflaumen, Zedernholzkiste und Graphit treten mit den Stunden feine Kräuteraromen in den Vordergrund, etwas Süßholz kommt hinzu. Im Mund finden sich die Früchte wieder, verbunden mit leichten Holzaromen eines perfekt getoasteten Holzes. Die Tannine sind weich, es findet sich eine herrliche Dichte und Kraft. Der Wein mag insgesamt etwas wärmer wirken als französische Kollegen aber an Eleganz steht er den großen Châteaux in nichts nach. Die Feinheit, Länge und Balance sind absolut beeindruckend.

Araujo Estate, Eisele Vineyard Cabernet Sauvignon 2002

Ganz anders der Araujo. 92 Prozent Cabernet prägen diesen Wein, mit einen wenig Cabernet Franc und Petit Verdot versetzt. 14.6% Alkohol verraten den Kalifornier eher als die 13.5% des Dominus. Der Wein birgt nicht die aristokratische Eleganz eines Dominus, er verführt mit verschwenderischer Opulenz. Die ist allerdings so perfekt ausbalanciert, dass nicht nur ich gestern kurzfristig demütig geschwiegen habe. Den Alkohol, ich muss es kaum erwähnen, schmeckt man überhaupt nicht durch. Das Holz ist absolut fein, die Tannine sind rund und geschliffen, der Wein ist von solch einer superben Intensität, dunkle Fruchtaromen mischen sich mit Schokolade und Mokkanoten genauso wie mit Zeder und leicht eukalyptischen Noten, und das so lang und dicht, das man den intensiven Geschmack noch Minuten auf der Zunge trägt. Das ist groß, das ist Kalifornien am Rande der Perfektion.

Auch diesem Wein hat Parker 98 bis 100 Punkte bescheinigt und er hat recht. Wenn man denn Punkte vergeben mag, dann bekommt man hier einen Eindruck, wie ein nahezu perfekter Wein schmecken kann. Jeder für sich in seinem eigenen Stil.

Das Weingut Araujo Estate Wines liegt in Calistoga, unterhalb der Palisade Mountains im Nordosten des kalifornischen Napa Valley. Es wurde 1990 von Bart und Daphne Araujo gegründet. Dazu erwarben sie einen der berühmtesten Weinberge Kaliforniens, den Eisele Vineyard, der schon im Jahre 1880 angelegt worden war. Die Rebfläche umfasst etwa 16 Hektar. Für den Weinberg wurde der Berater David Abreu engagiert, im Keller berät unter anderem Michel Rolland. Ausgebaut werden Cabernet Sauvignon, Altagracia, Syrah sowie Sauvignon Blanc. Der Weinberg wird nach biodynamischen Methoden bewirtschaftet.

1989er Lafite-Rothschild versus 1994er Abreu Madrona Ranch

Gestern hatte ich in der Vinothek des Atlantic Kongress Hotels in Essen die Gelegenheit, Gästen zwei ausgezeichnete, auf einem hohen Anteil Cabernet Sauvignon basierende Weine zum Vergleich vorzustellen. Beide Weine wurden zwei Stunden vor Beginn dekantiert. Der 1989er Lafite-Rothschild stand zum Vergleich neben David Abreus 1994 Napa Valley Cabernet-Sauvignon aus der Lage Madrona Ranch.

Lafite-Rothschild gehört neben Haut-Brion, Mouton, Latour und Margaux zur kleinen Riege der Premier Grand Cru Classé-Güter des Bordeaux und seine Weine gehören beständig mit zu den besten Weinen der Welt. Zur Familie der Lafite-Rothschild gehört das Château allerdings erst seit 1886, da war es schon klassifiziert. Vorher war es im Besitz der de Ségur (denen auch Calon Ségur gehört).

Lafite-Rothschild ist klassisches Pauillac mit hohem Cabernet Sauvignon Anteil – im Jahrgang 1961 waren es 100 %. Die Produktion umfasst nie mehr als 20.000 Kisten, der Rest der Produktion wandert in den Zweitwein Carruades. Es hat übrigens als einziges Gut die Berechtigung, als Pauillac-Gut eine 4,5 Hektarparzelle aus St. Estèphe mit verschneiden zu dürfen. Der Boden von Lafite wie auch der von Mouton liegt im prähistorischen Flussbett der Gironde. Er ist ausgesprochen karg mit 8 Metern Kieselauflage auf einem Kalksockel und hat, notwendig für beste Cabernet-Gewächse, eine ausgezeichnete Drainage für den Wasserablauf.

Der 1989er wirkt scheu. Nur langsam entwickeln sich die Aromen dieses kirschfarbenen Gewächses. Rote Paprika mischt sich mit einem Hauch Tomatenessenz, Kirschen, ein wenig Brombeeren und Cassis. Zunehmend dringt Zedernholz und Menthol in die Nase. Der Wein bleibt für die nächsten zwei Stunden zurückhaltend. Zunächst bestimmt neben der Kirscharomatik die Säure das Mundgefühl. Erst nach und nach mischt sich dunkle Frucht unter, der Wein wirkt dichter und voller, auch wenn er immer angenehm mittelschwer bleibt. Nach Stunden im Dekanter verbinden sich Frucht, Schokoladennoten, Holz, die Weichheit und mineralisch-eukalyptische Kühle zu einem großen Ganzen und dann, erst dann ist es ein beeindruckendes Gewächs.

Das haben die meisten Gäste dieses Abends nicht mehr mitbekommen weil sie sich längst dem Abreu zugewandt hatten, der auch mir über Stunden besser gefiel. Auch dieser Wein wirkt zunächst zurückhaltend. Wer Vorurteile gegenüber kalifornischen Weinen bestätigt haben möchte ist hier falsch am Platz. Der Wein besitzt 13.2 % Alkohol (gegenüber 12.5 % beim Lafite) und nichts an diesem Wein wirkt überreif. Der Wein strotzt von dunklen Kirschen die sich mit kräutrig-eukalyptischen und erdigen Noten und Zedernholz verbinden. Im Wein findet sich zu Beginn eine leichte Schärfe, die sich aber mit der Zeit verliert. Er öffnet sich viel schneller als der Lafite und wirkt dann rund, weich, dicht, voll und besitzt eine hervorragende, beeindruckende Länge.

Der kalifornische Weingutsbesitzer, Weinbaufachmann und Berater David Abreu hat übrigens Weinbau und Kellerwirtschaft an der University of California in Davis studiert. Im Jahre 1980 gründete er gemeinsam mit seinem Winzerfreund Richard Forman die Firma Vineyard Management Company, die sich auf das Anlegen und Pflegen von Weinbergen spezialisiert hat. Gemeinsam mit Forman reiste Abreu mehrmals nach Bordeaux, um die dortigen Weinbautechniken zu studieren. Zu ihren Kunden zählen viele renommierte kalifornische Weingüter wie zum Beispiel Araujo, Bressler, Bryant Family, Colgin, Grace Family, Harlan Estate, Pahlmeyer, Sloan und Screaming Eagle. Er arbeitet also für das Who is Who des kalifornischen Weinbaus, die unfassbar viel Geld in Pflege und Neuanlagen von Weinbergen investieren. Abreu bewirtschaftet seine eigene Weinberge in St. Helena im Napa Valley. Das sind Madrona Ranch, Thorevilos und Campella. Der Madrona Ranch Cabernet Sauvignon 1997 erhielt von Robert Parker 100 Punkte. Die Weine sind, wie bei vielen dieser Boutique Winerys, nur über eine eng begrenzte Mailing-Liste zu erwerben. Wer das große Glück hat, da drauf zu stehen erhält jährlich ein beschränktes Kontigent dieser 400 Kisten, wer das Glück nicht hat muss ein Vielfaches des Einstandspreises bei Auktionen hinblättern, wenn er einen solchen Wein erwerben möchte. Der Preis dieses Weines liegt jenseits aller Erwartungen und der Lafite wirkt wie ein Schnäppchen dagegen. Wenn man jedoch mal die Chance haben sollte, ein Glas zu verkosten, sollte man die Gelegenheit warnehmen. Das ist ziemlich perfektes Napa Valley.

1997er Pahlmeyer, Proprietary Red Wine, Napa Valley vs. 1996er Château Pontet-Canet, Pauillac

1972 begannen der gerade ausgebildete Anwalt Jayson Pahlmeyer und sein bester Freund John Caldwell eine Passion auszuleben die darin bestand, einen Kalifornischen Mouton zu produzieren. Es waren zwei begeisterte Bordeauxtrinker die hier ans Werk gingen. Zutaten waren zum einen die vermeindlich nicht gerade von der Natur begünstigten Weinberge aus dem Bestand des Weingutes Caldwell, zum anderen aus Frankreich importierte Bordeauxklone und schließlich eine Menge Optimismus.

Gegen alle Widerstände und hämische Kritik entstanden Weine, die nach nur wenigen Jahren ungläubiges Staunen hervorriefen. Der erste Jahrgang des Proprietary Red erhielt aus dem Stand 94 Punkte von Robert Parker. Von nun an gaben sich Weingrößen und Winemaker wie Helen Turley, Randy DunnMichel Rolland und Erin Green die Klinke in die Hand, um das Projekt zu fördern und zu unterstützen und nicht zuletzt der teuerste und wohl beste Spezialist für Weibergsmanagement und selber 100 Punkte-Parker-Preisträger, David Abreu, legte neue Weinberge an. Mit wachsendem Erfolg hielten auch Rebsorten wie Pinot Noir oder Chardonnay Einzug in das Portfolio der Winery. Der Merlot Pahlmeyer gehört heute zu den am höchsten dekorierten Weinen dieser Rebsorte.

Der 1997er besteht aus 73% Cabernet Sauvignon und 17% Merlot, hinzu kommen etwas Cabernet Franc, Malbec und Petit Verdot die aus den bersten Lagen des Napa-Valley stammen: Spring Mountain, Howell Mountain, Soda Canyon, Wooden Valley und Carneros.

Ein hoch dekorierter Wein mit 98 Parker-Punkten, ein Weingigant den ich an diesem Abend gegen einen 1996er Château Pontet-Canet verkosten durfte. Zwei Cabernet-betonte Bordeaux-Cuvées von großem Unterschied. Der Franzose duftet fein nach leicht medizinischen Noten, mineralisch, eukalyptisch mit typischem Duft nach Zigarrenkiste und Johannisbeeren.

Der Pahlmeyer möchten den subtilen Pauillac fast wegdrücken, ein gigantischer Kerl mit Muskelpaketen, ein betörender, tiefer Duft von überaus reifen dunklen Beeren, Johannisbeeren und flüssiger Schokolade. Der ganze Mund wird ausgefüllt von dieser Wucht an Frucht, er ist ungeheuer präsent, dabei überraschend kühl und mineralisch, was die Opulenz ein wenig zügelt. Zum Schluss stört mich, das muss ich sagen, denn das hier ist hohes Niveau, eine ganz leichte Bitternote, nicht viel aber doch wahrnehmbar.

Der Pontet-Canet hält mit in seiner deutlich schlankeren Art. Ein herrliches Beispiel für besten Bordeaux, ein Paradebeispiel an feiner Komplexität, an subtilen Aromen gepaart mit Holz und dabei sehr frisch und jung wirkend, so dass ich mal behaupten würde, dass er seine Trinkreife gerade erst jetzt erreicht. Ähnlich wie der Pahlmeyer dürfte er locker noch ein paar Jahre länger im Keller liegen um seinen Höhepunkt zu erreichen.

Beiden ist ein langer und komplexer Abgang gemein doch auch hier zeigen sich wieder die Unterschiede im Entwurf dieser beiden Weine. Der Kalifornier bleibt  auch im hier eine muskulöse Zehnkämpferstatur mit einer famosen Mischung aus Kraft und Leichtigkeit, der Pontet-Canet bleibt alter Adel und verabschiedet sich ruhig, mit ausholender Gestik und lange noch sieht man den Vierspänner am Horizont.

Zwei typische Vertreter beider Länder, zwei, die den Erwartungen gerecht werden und die man schwer miteinander messen kann. Letzendlich gefiel mir der Pontet-Canet besser, so wie er sich präsentierte, als Archetyp des Pauillac. Aber, wer weiss, das kann an einem anderen Abend wieder anders sein.

Beide Weine finden sich in der Vinothek des Atlantic Hotel, Essen

Die Lagerarbeiten sind abgeschlossen

27/Mai/10 19:21 kategorisiert in: Vinothek Essen

Die Vinothek in Essen. Später mehr.


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