originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Axel Koehler, Heimersheimer Riesling 2009, Rheinhessen

Auf einem Bett aus vollreifer Maracuja lümmelt sich ein wenig Vanillecrème und grüner Tee (jedoch nur in der linken unteren Ecke des Glases), ein Hauch von Süßholz und salziges Gestein. Das Gesteinssalz wirkt auf der Zunge dabei deutlich dominanter als in der Nase.

Später dann, am zweiten Tag verlässt das Samtigweiche, das Maracujahaft-Süße den Wein und die Grapefruit drängelt sich nach vorne und verbinden sich mit der Würze des Rotliegenden Gesteins.

Die Weine von Axel Koehler, hier habe ich mehr über ihn geschrieben, gefallen mir dieses Jahr noch besser als im letzten Jahr. Die Weine sind so voller Spannung und Dichte wie nur wenige, die ich dieses Jahr (in dieser Preisklasse) probiert habe. Sie sind ein klein wenig weniger wild als vorher ohne auch nur eine Spur an Charakter eingebüßt zu haben.

Ich sage jetzt mal: Kaufen kann man die Koehlerschen Weine ab kommenden Freitag hier bei mir unter gleicher Adresse. Denn dann sollte ich endlich so weit sein mit meinem Webshop.

Kistenmacher-Hengerer, »Frederic«, Cabernet Franc 2008, Württemberg

Den Hans Hengerer habe ich bei der 2010er Prowein kennen gelernt. Eindeutig deshalb, weil Onkel und Cousine mit ihm befreundet sind. Zum Glück. Denn wäre ich sonst zum Stand »Junges Schwaben« gegangen? Vielleicht nett, und das wär ei Verluscht. Denn Ellwanger, Beurer, Hengerer, Zipf und Wachtstetter machen richtig guten Stoff.

Württemberg ist so eine Weinregion die, wie die gängigen Traubensorten dort – Trollinger, Lemberger – nicht unbedingt den besten Ruf genießt jedoch schon lange aus dem Tiefschlaf erwacht ist und in der es neben dem Grafen Neipperg und Rainer Schnaitmann längst eine Reihe weiterer guter, gewissenhaft arbeitender junger Winzer gibt. Ähnlich wie es in Rheinhessen »Message in a Bottle« geschafft hat, mit gezielt gutem Marketing – das nur dann etwas bringt, wenn die dahinter stehenden Qualitäten stimmen – auf eine ganze Region aufmerksam zu machen wünsche ich den Jungen Schwaben, dass sie dies für Württemberg genau so schaffen denn auch hier stimmt die zugrunde liegende Qualität.

Was Hans Hengerer neben Spätburgunder, Trollinger und erstaunlichem Lemberger genauso beherrscht ist der Cabernet Franc. Es gibt Rebsorten, die vermutet man in Deutschland einfach nicht, und wenn dann zumindest nicht in akzeptabler Qualität. Das ging mir beim Syrah so und Hanspeter Ziereisen hat mich eines besseren belehrt. So ging es mir auch mit dem Cabernet Franc, und dieses Mal war es Hans Hengerer der mir mit diesem Cabernet Franc zeigt, was diese Rebsorte hier zu leisten vermag. Cabernet Franc findet man überhaupt selten reinsortig in trinkbaren Qualitäten, so finde ich. Im Bordeaux meist beigemischt und nur in seltenen Fällen – beim Cheval Blanc ist es so – als dominierende Rebsorte verwendet, finde ich nur an der Loire hier und da Weine von ausgezeichneter Qualität. Häufig sind die Weine so unglaublich astringierend, dass man für Stunden das Gefühl hat, der Mund sei taub.
Das ist mitnichten so beim »Frederic« von Hans Hengerer. Dieser von noch jungen Reben stammende reinsortige Cabernet Franc, teils im frischen Holz ausgebaut, verdankt diesem eine vanillene Weichheit, die die Kraft und Würze des Weines sehr angenehm puffert. Denn davon hat er genug und verbindet all die Kraft und das feine Tannin mit dem frischen Saft von Kirschen und Brombeeren. Das ist ganz leckerer Stoff und ich bin ja mal gespannt, wie dieser Wein sich entwickeln wird wenn die Reben erstmal in die Jahre kommen.
Kistenmacher-Hengerer, »Frederic«, Cabernet Franc 2008, Württemberg, 12.50 Euro

Domaine Richeaume, Rosé 2009, Provence

Auf der Suche nach passablem Rosé bin ich kürzlich nach langer Zeit mal wieder bei den Weinen der Domaine Richeaume gelandet. Die Domaine Richeaume ist das Weingut eines großen Individualisten und mittlerweile auch das des ebenso nonkonformistischen Sohnes. Es ist die Domäne des Henning Hoesch, der, einer Dürener Chemiefabrikantenfamilie enstammend und in Yale zum Historiker promoviert, sein Herz an die Montagne St. Victoire verloren hat und, anstatt einer vielversprechenden Universitätskarriere zu folgen, Anfang der Siebziger ganz andere Ziele in den Blick nahm, mit Ideen, die damals noch sehr selten vorkamen und ungewöhnlich waren. Themen wie Naturschutz, biologische Landwirtschaft, Kreislaufwirtschaft spielten damals kaum eine Rolle. Und so kann man Hoesch, der die Ausbeutung einer liebgewonnenen alten Kulturlandschaft nicht gut ertragen konnte, durchaus als Avantgarde, als Vorreiter sehen.

1972 stießen er und seine Frau auf das 65 Hektar große Gut zwischen Rousset und Puyloubier, das voller bauhistorischer Relikte aus der Römerzeit ist und im Mittelalter vom Templerorden betrieben wurde. Drei Hektar dieses Gutes konnten sie damals in Besitz nehmen und es bis heute auf 25 Hektar erweitern. Wie behutsam Hoesch in die Landschaft eingegriffen hat, wie konsequent er die Monokultur Wein in die Vielfalt der Natur der Provence eingebettet hat, dort, zischen Château Noir und Montagne St. Victoire, jenen Orten, die Paul Cézanne Zeit seines Malerlebens immer wieder umkreist hat, sieht man auf seinem informativen Internetauftritt.

Ich bin nicht unbedingt ein Fan des Rosé, lediglich zu Crémant oder Champagner ausgebaut kann ich ihm durchaus etwas abgewinnen. Wenn ich einen Rosé mag, ist es der des Château la Canorgue aus dem Luberon, sonst kommt bei mir selten einer auf den Tisch.

Der Rosé von Richeaume allerdings gefällt mir ausnehmend gut. Er ist so eigenständig, subtil, elegant und – was ich Rosé bisher immer abgesprochen habe – ich stelle eine gewisse Tiefe fest. Grenache, Syrah und Carignan werden hier im Saignée-Verfahren angepresst und kurz auf der Maische gelassen, sodass der Wein seine lachsrote Farbe annimmt. Danach wird er im Holzfass ausgebaut. Zitrus-, Himbeer- und Erdbeeraromen verbinden sich mit einem leichten Hauch von Karamell, mit einem schönen Hauch von Gerbsäure unterstützt. Das ist wirklich ein feiner Wein!

Fotos der Domaine stammen von der Website

Villa Bäder, Grauburgunder 2009 und Dornfelder 2008, Rheinhessen

Ich muss zugeben, es ist keine eigene Entdeckung, sondern die meines Partners Michael, der das sympathische Winzerehepaar Bäder entdeckt hat. Auf der Prowein konnte ich Katja und Jens Bäder dann am Stand von A Message in a Bottle selber kurz kennenlernen und ein Besuch im Weingut steht dringend an.

Denn das, was die Bäders an Weinen so auf die Flasche ziehen, gefällt mir. Die Weine besitzen durch die Bank weg Charme, Charakter, sind dabei süffig und fördern den Spaß am Wein ungemein. So kommt es, dass ich zum ersten Mal in der Geschichte dieses Blogs einen Satz über Dornfelder verliere. Diesen hier finde ich durchaus trinkbar, ja, ich sage es nicht gerne, aber es macht Spaß, ihn zu trinken. Dieser Dornfelder von über 30 Jahre alten Reben – der Vater hatte diese Sorte schon vor Jahrzehnten gepflanzt – stellt ein durchaus fruchtig-würziges Vergügen dar, wobei die Frucht sich eher keusch in den Hintergrund begibt, während der Spot sich deutlich auf Gewürze richtet, auf Bittermandel und auch ein wenig Marzipan.

Der frische 2009er Grauburgunder, auch nicht unbedingt zu meinen Lieblingssorten gehörend, zu fett und schwer kommt er häufig daher, ist einer, den ich jedem ans Herz legen kann. Dieser Gutswein schwingt leicht und luftig, wirkt trotz aller Frucht fast ein wenig floral mit feiner Kräuterwürze, dabei behält er seinen typisch cremigen Schmelz. Hach, Terrasse, ich komme!

Und über die Oberliga, Früh- und Spätburgunder und den  Lagenriesling La Roche schreibe ich später.

Gocher Weinzyklus 4 – Der Oberrhein. Eine Weinregion im Dreiländereck

Michael und ich hatten gestern dank der Wirtschaftsförderung der Stadt Goch, kom.M, einmal mehr die Möglichkeit, ungewöhnliche Weine an ungewöhnlichen Orten zu präsentieren. Nach dem Museum Goch, der Druckstraße von B.O.S.S.-Druck und dem Fünf-Ringe-Haus war es diesmal die Weltenbühne im Ortsteil Hassum – ein Schmuckstück aus der Sammlung des verrückten Puppenspielers Heinz Bömmler. Heinz nennt sich selber so, dabei ist er alles andere als das. Er ist ein versierter Geschäftsmann, der seine Sammelleidenschaft zum Lebensinhalt gemacht hat und dessen Weltenbühne nur ein kleiner Teil dessen ist, was unter Viller Mühle firmiert und weit über den Niederrhein hinaus bekannt ist – zum einen als Veranstaltungsort prominenter Kabarettveranstaltungen, Beispielsweise der WDR-Reihe Hart an der Grenze, zum anderen als Hort von unzähligen Alltagsprodukten und ganzen Kulissen vergangener Zeiten, die hier für historische Film- und Fernsehaufnahmen regelmäßig geliehen werden.

Die Weltenbühne war für uns der geeignete urige Rahmen unserer kleinen Reihe, in der wir uns am Niederrhein mit dem Oberrhein beschäftigt haben. Wer sich fragt, wie es dazu kam, außer dass am Oberrhein eindeutig gute Weine gemacht werden? Es ist schlicht der gerade aktuelle Spargel, der beide Regionen ganz nahe aneinander rücken lässt und der das Verbindungsglied des Abends darstellte.

Bis auf einen Abstecher an den Vorderrhein, genauer gesagt nach Malans in der Bündner Herrschaft, haben wir uns also mit dem Markgräfler Land, dem Bodensee, dem Zürichsee, dem Schwarzwald und dem Elsass beschäftigt und mit einer Riege von André Stentz begonnen.

Es ist jammerschade, dass die Elsässer Weine im allgemeinen solche Ladenhüter sind, gibt es hier doch wahre Schätze zu bergen und auch unauffällige Kleinodien zu entdecken. André Stentz, einer der frühen Vorreiter der elsässischen Bioszene, der mittlerweile alle guten Winzer dort angehören, macht seit vielen Jahren einen der besten Crémants, die ich kenne. Der 2008er Crémant d’Alsace aus Pinot Blanc, Pinot Gris und Chardonnay beweist dies ein weiteres Mal. Eine feine Perlage, ein frisches Aroma von Brioche und Nüssen in Verbindung mit mürben Früchten wird durch eine feine Säure herrlich gepuffert. Der Crémant d’Alsace Rosé, neu im Programm, wirkt ebenso fein. Der Pinot Noir aber dreht den Aromenkreis in eine ganz andere Richtung von satten roten Früchten. Ähnlich überzeugend wie die Crémants wirkte der Gutsriesling, der Riesling Alsace AOC des Hauses André Stentz. Trocken, luftig, frisch, mit einer feinen blumigen Note – aromatisch also, aber überhaupt nicht ausladend, sondern eher filigran und fein.

Bis zum Spargelessen führte die Reise vom Elsass aus zurück über die Grenze in die Nähe von Lörrach, wo Gerd Schindler im Weingut Lämmlin-Schindler einen hervorragenden Weißburgunder aus dem Mauchener Sonnenstück vinifiziert hat.

Weiter ging die Reise durch das Ländle und den dortigen Rebsortenspiegel zum Auxerrois der Aufrichts, die ich hier, hier und hier mal ausführlicher beschrieben habe. Der Auxerrois aus den Meersburger Lagen am Bodensee wirkte allerdings ein wenig zu dropsig, um auf Dauer spannend zu sein.

Deutlich spannender und so gelungen wie so ziemlich alles, was Alexander Laible so anpackt als Winzer, ist der Chardonnay SL***. Ein fruchtiger Chardonnay voller Kraft und gleichzeitiger Finesse. Herrlich ausgewogen zwischen Frucht, einer salzigen Aromatik und einer angenehmen Säure. Wenn auch noch sehr jung, wir haben den aktuellen 2009er Jahrgang probiert, gefällt dieser Weine, wenn auch manche Teilnehmer des Abends etwas Schwierigkeiten hatten, sich durch den krautig-gemüsigen Duft der Spontangärung durchzuarbeiten.

Zum Spargel dann gab es Ziereisens Gutedel Heugumber. Wer meinen Blog liest, kann mehr zu Hanspeter Ziereisen finden. Der Heugumber ist für mich einer der Sommerweine, nicht nur zum Spargel. Leicht, beschwingt, mit feiner Frucht und Würze, wenig Säure und Alkohol zum moderaten Preis ist das ein richtiger Spaßwein.

Der Wein zum Dessert kam da aus einer ganz anderen Liga. Zurück im Elsass widmeten wir uns dem Gewürztraminer Furstentum Gran Cru Vielles Vignes der Domaine Albert Mann aus dem Jahr 2007. Die Lage Furstentum wird bereits im Jahr 1330 in den Weininventarbüchern des Klosters Basel erwähnt. Der Gewürztraminer ist eine Wucht im wahrsten Sinne. Er dürfte gerade jetzt am Anfang seiner Trinkreife stehen, entfaltet im Laufe des Abends – wir haben ihn früh vorher geöffnet – ein großartig dichtes Aromenspektrum von Rosen, Litschi und Grapefruit in Kombination mit dieser markanten, sortentypischen leicht herben Würze. Eine Wucht aber auch deshalb, weil dieser Wein trotz ordentlicher Restsüße noch 13,5 % Alkohol beisteuert. Das ist nicht leicht zu verkraften, macht aber, wenn man diesem Wein Zeit widmet – Michael und ich haben dies dann nach der Veranstaltung noch ein wenig ausgedehnter getan –, sehr viel Freude.

Die Rotweine des Abends haben leider nicht nur polarisiert, das war uns klar, nein, anscheinend haben wir das Publikum ein wenig überfodert. Zwei Pinot Noir, ein Gamaret und ein Syrah standen auf dem Programm. Das sind letztlich alles nicht unbedingt Weine für Menschen, die sich nur selten tiefer mit dem Thema Wein auseinandersetzen.

So überraschte uns, dass selbst der 2007er Spätburgunder Markgräfler Land von Martin Wassmer den wenigsten zusagte. Ein burgundisch ausgebauter Typ, straight, aber nicht zu kompliziert mit einer angenehm weichen Holznote im Finale. Noch ablehnender standen die meisten dem Blauburgunder 2005 Zur Krone Malans von Anton Boner-Lichti gegenüber. Wirklich überzeugend fand ich diesen Wein allerdings auch nicht, genauso wenig den Gamaret aus der Staatskellerei Zürich. Auch diesen hatten wir vorher geöffnet und kurz probiert. Dabei wirkte der Wein aus der 1970 gezüchteten Traubensorte, die praktisch ausschließlich rund um Zürich angebaut wird, zunächst ganz spannend, weil sie wie keine andere Traube nach frisch gekochtem Rotkohl riecht, nach Rotkohl mit Nelke und ein wenig Pfeffer. Schwer wirkte er in der Nase, weicher und samtiger dann war er am Gaumen. Zweieinhalb Stunden später am Abend wirkte der Wein dann schon etwas müde und ich hatte starke Assoziationen an mit Maggi versetzte Würzsoße.

Für mich über jeden Zweifel erhaben war zum Schluss der 2007er Syrah Gestad von Hanspeter Ziereisen. Ein ausgezeichneter Wein, dessen Aromen von Teer zwar auch nicht allen zusagten, wohl aber mehr Teilnehmern des Abends. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich diesen Wein probiere. Ein Cool-Climate Syrah, nicht schwer, nicht fett, nicht überbordernd. So wie Hanspeter Ziereisen auch seine Blauburgunder zunehmend ausbaut, wird auch der Syrah immer filigraner und präziser. Die kleinen Mengen sind schnell ausverkauft und nicht einmal die Ziereisens konnten uns aus ihrem Keller noch etwas schicken. Bernd Klingenbrunn & Armin Maurer, kurz K&M Gutsweine, aber hatten noch eine Magnum für diesen Abend, die sie uns glücklicherweise kurzfristig zusenden konnten; denn sonst wäre das Rebsortenspektrum des Abends um eine Attraktion ärmer gewesen.

Eine schöne Reise war’s, eine Reise mit einigen Einblicken in eine alte Kulturlandschaft, die genauso oft gespalten wurde durch Kriege und Verwüstungen wie sie auch immer wieder zusammengefunden hat in gemeinsamen Interessen und Traditionen. Und eine Weinreise ist sie auf jeden Fall wert.

Cremant d’Alsace blanc/rosé, André Stentz, Elsass, 2008
Riesling Alsace AOC, André Stentz, Elsass, 2009
Weißburgunder »Mauchener Sonnenstück«, Lämmlin-Schindler, Baden, 2009
Auxerrois, Aufricht, Baden, 2009
Chardonnay SL 3 Sterne, Andreas Laible, Baden, 2009
Gutedel »Heugumber«, Hanspeter Ziereisen, Baden, 2009
Gewürztraminer »Fürstentum Gran Cru Vielles Vignes«, Albert Mann, Elsass, 2007
Spätburgunder »Markgräfler Land«, Martin Wasmer, Baden, 2007
Blauburgunder zur Krone Malans , Anton Boner-Lichti, Bündner Herrschaft, 2005
Gamaret, Staatskellerei Zürich, Zürich, 2006
Syrah »Gestad«, Hanspeter Ziereisen, Baden, 2007

Weinrallye 32, Spätburgunder Teil 2: Ziereisen, Rhini 2007

Ich hatte ja gesagt, dass ich es nicht bei einem verkorksten Trinkgenuss belassen wollte – wo ich es doch nach langer Abwesenheit mal wieder zu einem Beitrag der geschätzten Weinrallye geschafft habe, dessen G.O., Thomas Lippert vom Winzerblog, ich im ersten Beitrag vergessen hatte, zu erwähnen.

weinrallye_32

Hanspeter Ziereisen gehört seit knapp einer Dekade zu den Vordenkern und zur qualitativen Speerspitze des badischen Weinbaus. Auch ihm war es nicht ursprünglich in die Wiege gelegt, es war kein automatischer Prozess vom Winzersohn zum eigenen Betrieb, Ziereisen, dessen Ausbildung – und da haben wir etwas gemeinsam – die zum Tischler war, hat sich erst ein wenig herumgetrieben, den Weinbau intensiv und praktisch studiert, bis er wusste, wo er hin will. Die Mischung dessen, was daheim angebaut wird, hat sich entsprechend verändert, lange schon liegt der Fokus auf Wein.

ziereisen_etiketten

Dabei hat sich der Stil, den Hanspeter Ziereisen pflegt, in den letzten Jahren ebenfalls deutlich verändert. Kürzlich habe ich einen 1999er Spätburgunder aus der Gemarkung Rhini probiert und dieser ist mit den Weinen neueren Datums nicht mehr zu vergleichen. Die älteren Modelle sind deutlich holzbetonter, gerbstoffreicher, die neueren Jahrgänge werden immer fokusierter, klarer, präziser. Dies zeigt sich auch beim 2007er Rhini, preislich gesehen der größere Bruder vom Schulen, dem noch der Wein aus der Gemarkung Tschuppen folgt und der lediglich vom äußerst raren Jaspis übertroffen wird.

Qualitativ kann ich nicht behaupten, zwischen Rhini und Schulen, dessen Rebstöcke jünger als die des Ersteren sind, zu unterscheiden, der Stil ist ein anderer. Es fällt momentan auch schwer, weil die 2007er einfach noch zu jung sind und ein wenig vor sich hin schlummern – das war mir relativ klar, probieren wollte ich in diesem Stadium trotzdem einmal.

ziereisen_rhini_2007

In den rauchigen Geruch mischen sich etwas Unterholz und rote Beeren. Die Mineralität des Weins zeigt sich ebenfalls schon in der Nase. Im Mund findet sich die gesammelte, gezügelte Kraft gleichermaßen wie die filigrane Klarheit dieses Weines. Die momentan vorhandene Balance und Ausprägung lässt, wenn er erwachsen geworden ist, einen großen Wein erwarten.

Bis dahin versüße ich mir mangels Besitzes älterer, reifer Jahrgänge das Leben mit dem Tschuppen.

ziereisen_tschuppen

Und – das wollte ich ja zum Abschluss noch sagen – was ist das für ein Segen, dass wir gar nicht wirklich in die Ferne schweifen müssen, uns nicht endlos durch flache und langweilige burgundische Gewächse trinken müssen, die nicht halten können, was ihre großen Namen erwarten lassen – nichts gegen die großen Gewächse dort, Gott bewahre, aber der Weg zu gutem, bezahlbaren Wein im Burgund ist halt deutlich steiniger als hier. Und die Qualität ist teils fantastisch!


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