Heute ist Weinrallye und ich freue mich sehr über das positive Feedback, dass die Themenauswahl hervorgerufen hat. Die Weine und Winzer der Rhône sind das Thema und allein in der Facebook-Gruppe gibt es schon 30 Zusagen. Wir werden das Thema heute also von vielen, auch ungewöhnlichen Seiten aus beleuchten können.
Ich für meinen Teil möchte zwei Weine der Nord- und der Südrhône gegenüberstellen. Es sind zwei Weine, die man nicht mal so eben aufmacht. Das sind eher Tropfen, die bewusst genossen werden wollen, zum Osterfest, mit Wein-Freunden oder zu anderen besonderen Anlässen wie beispielsweise einer Weinrallye.
Mit den Weinen möchte ich zwei Winzer vorstellen, die mit ihrer Arbeit und ihren Lagen jeweils zur Gebietsspitze gehören. Gemeinsam ist ihnen, dass sie nach den Ideen der Biodynamie wirtschaften. Der Stil ihrer Weine allerdings könnte kaum unterschiedlicher sein, was nicht zuletzt den so unterschiedlichen Bedingungen geschuldet ist, die es an Nord- und Südrhône gibt und Vergleiche zwischen den beiden Gebieten kaum sinnvoll erscheinen lassen.
Ähnlich der Weinrallye ist der Aufmacher der aktuellen Revue du Vin de France die Rhône: In diesem Fall die Nordrhône und ihre Syrah. Wer zum Artikel blättert, stößt auf eine großformatige Abbildung des Weines, den ich hier präsentieren möchte. Es ist die 2008er Ausgabe des Brise Cailloux. Ein Wein der Domaine du Coulet von Matthieu Barret. Dessen No Wines Land hatte ich als Einstimmung auf die Rallye kürzlich schon vorgestellt.
© Vinaturel: Steillagen im CornasMatthieu Barret besitzt insgesamt 12,9 Hektar Lagen, deren Filetstücke, die Lieux-dits »Les Mazards«, »Les Reynards«, »Les Arlettes«, »Les Eygas« und »Pieds la vigne« alle samt im Cornas liegen. Die Appellation Cornas wird selbst in der Revue du Vin de France als Aussenseiter gegenüber Côte-Rôtie und Hermitage betitelt. Auch wenn sie vor langer Zeit einmal Weltruf genossen hat und zu den ältesten Weinregionen Frankreichs zählen dürfte, wurde das Gebiet, deren heutiger Namne aus dem Keltischen stammen dürfte und so viel wie »verbrannte Erde« bedeutet, schon vor über 2.000 Jahren erwähnt. Übrigens soll auch Karl der Große schon vor Ort einen Wohl auf die Winzer ausgesprochen haben und bis ins 19. Jahrhundert hinein stand Cornas, was den Ruf betrifft neben Châteauneu-du-Pape.
© Vinaturel: Betonei trifft EichenfässerLange Zeit wurden auf den steilen, terrassierten Hanglagen mit den für die Nordrhône so typischen Granit- und Kalksteinböden keine oder ausgesprochen wenige Weine von internationalem Rang hergestellt, die Appellation ist klein (550 ha), nur um die 100 Hektar werden überhaupt bearbeitet. Mittlerweile aber finden diese urwüchsigen Gewächse wieder immer mehr Liebhaber und auch die Qualität der kleinen Handvoll Winzer steigt stetig. Der Arbeitsaufwand kann mit dem verglichen werden, der die Steillagenwinzer an der Mosel jährlich erwartet, entsprechend wenige Winzer unterziehen sich der Tortur, finden sich doch zu Füßen des Cornas in der Ebene Lagen, die viel einfacher zu bearbeiten sind – auch wenn die Qualität entsprechend geringer ist.
Matthieu Barret jedenfalls hat sich 1999 dazu entschieden, sein Dutzend Hektar im Cornas zu erwerben, 2001 hat er auf Biodynamie umgestellt. Die Erträge seiner Lagen liegen teils unter 17 hl/ha, entsprechend dicht sind die Weine.
© Vinaturel: Matthieu BarretDer Cornas Brise Cailloux stammt je zur Hälfte von den Einzellagen »Les Arlettes« und »Les Mazards«. Aus der ersten Lagen stammen die jüngeren Reben (7-20 Jahre alt), der Syrah aus »Les Mazards« ist älter. Der Wein wird zu 70% entrappt, 30% wird mit Stiel vergoren, die Weine werden 12 Monate lang zur Hälfte in Eiche, zur Hälfte im Betonei vergoren. Was heraus kommt ist Nordrhône, ja Cornas pur. Wir sprechen von einem 2008er Brise Cailloux, der eigentlich noch zu jung ist und sich noch entsprechend wild und ruppig gebärdet. Schweißige Lederaromen und ein Korb voller Gewürze bestimmen die Nase, speziell Nelkenaromen treten hervor. Je länger der Wein sich öffnen kann desto feiner und kräutriger wird die Nase. Im Geschmack findet sich zunächst wenig Frucht, viel mehr schwarze Schokolade, wiederum Nelken und andere orientalische Gewürze. Sollte der Name der Traubensorte tatsächlich vom Namen der persischen Stadt Shiraz abstammen kann man das hier nachvollziehen.
Die Tannine sind, ich erwähnte es, noch ein wenig ruppig, zu jung ist der Wein eigentlich, langsam, ganz langsam mischt sich saure Kirsche und rote Johannisbeere in das Geschmacksbild. Dies ist ein Terroirwein par excellence und ein Highlight für Syrah-Freunde, würde ich behaupten. So ungeschminkt Schöne findet man diese Sorte selten. Besonders beeindruckend bei all der Dichte und Kraft ist, dass der Wein dies bei lediglich 12,1% (!)Alkoholgehalt schafft. Ach ja, die erwähnte Revue du Vin de France hat diesen Wein auf den ersten Platz der probierten Cornasweine gesetzt.
Barret vs. GimelIn der gleichen Preisklasse – zwischen 25 und 30 Euro – liegt der SJB5, seit kurzem La Pierre Noire genannt. Dieser Wein verkörpert den Süden der Rhône wie es der Cornas für den Norden schafft. Hier ist alles üppiger, weicher, wärmer, auch alkoholreicher. Ich habe schon lange keinen Wein der Südrhône mehr so genossen wie dieses Monument aus dem Ventoux. Streng genommen gehört die Appellation zur Provence, liegt aber so dicht, auch stilistisch, am Châteauneuf du Pape, dass man den Wein nur so vergleichen kann.
Wir haben 85 % hochreifen Grenache im Glas, gemeinsam vergoren mit 15 % Syrah. Ähnlich wie bei Barret ist die Ertragsmenge extrem gering, sie liegt bei lediglich 15 hl/ha. Dass man dabei Weine von Weltklasse überhaupt für 25 Euro im Verkauf herstellen kann ist erstaunlich. Philippe Gimel schafft es trotzdem. Dieser zurückhaltende Winzer, den ich kürzlich bei der Prowein treffen konnte, hat ein Talent wie wenige, er ist leise und doch voller Enthusiasmus, er ist absolut überzeugt von dem was er tut und überzeugend in der Art, wie er es vermittelt. Gelernt hat er unter anderem im Châteauneuf bei Beaucastel und dessen Weinmacher Claude Gouam hat ihn auch überzeugt, die 15 ha Lagen unterhalb des Mont Ventoux zu erwerben. Dieser Berg spielt eine wichtige Rolle im Mikroklima seiner Lagen, ebenso der Mistral, der hier 100 Tage im Jahr weht. Der Untergrund der Weinberge changiert zwischen rotem, gelbem, blauem und grauem Lehm, der Wasserabfluss ist hervorragend, der Lehm speichert immer genügend Feuchtigkeit.
Wie schon erwähnt wird hier bei Saint Jean du Barroux Biodynamie betrieben, ausgebracht wird zwei Jahre alter Schafdung und zerschredderte Reben, die Erde ruht regelmäßig für ein halbes Jahr, dann wird einmal gepflügt, den Rest regelt die Natur. In den Weinbergen wurden einmal 200 Pflanzenarten gezählt.
Der SJB5, wie auch seine anderen Weine werden in Beton-, Emailletanks und in alten Eichenfässern ausgebaut. In den ersten Jahren ist der Wein ruppig, nicht zuletzt verdankt er das der Tatsache, dass er kaum entrappt wird. Jetzt aber im Alter von (nur) fünf Jahren zeigt sich der Wein schon fein und elegant. Es ist eine Freude, ihn zu trinken. Aus dem Glas strömt Fruchtsüße und etwas, was mich an Salbenbasis erinnert. Nach kurzer Zeit öffnet sich der Wein und eine pfeffrige Würze mischt sich zu den fetten, reifen Früchten. Im Geschmack wirken die Früchte fort, verbunden mit Schokolade und Mokka, die Alkoholsüße der 14.5% findet man am hinteren Gaumen, das ist vielleicht noch der Jugendlichkeit geschuldet. Beeindruckend ist die mineralische Kühle, die Frische, die Säurestruktur, die Elganz und der wirkliche lange Abgang.
© Philippe Gimel: Gimel in seinem FasskellerIm Gegensatz zum Syrahpurismus des Brise Cailloux ist hier alles im Übermaß vorhanden, das ist Romanik versus Barock. Das ist beides Rhône, das ist beides voller Leben und das ist genau das, was ich an diesen beiden Gebieten mag.
Während ich die Weinrallye No. 44 vorbereite habe ich Lust auf einen Schluck Wein. Ist doch zu Schade, die ganze Zeit über Wein zu schreiben und dann nicht wenigstens einen Schluck dabei zu trinken. Ich habe Lust auf was Frisches und öffne eine Probeflasche des gerade abgefüllten Blanc de Noirs 2010 vom Weingut Bäder. Ich hatte diesen Wein im letzten Jahr noch nicht im Programm, dieses Jahr aber werde ich diesen weiß gekelterten Spätburgunder neben Bäders Burgundersorten und Riesling mit dazu nehmen.
Der Wein macht richtig viel Spaß, ein Terrassenwein par excellence, nicht zu wenig Säure aber auch nicht zu viel, feine Frucht von Erdbeeren dazu etwas Karamell, überhaupt findet sich eine ganz feine Spur Süße in diesem Wein und eine schöne Präsenz. Hervorragend geeignet zur leichten Sommerküche und zu langen Sommerabenden im Garten.
In Erwartung der Weinrallye 44 habe ich mal eine Flasche des 2007er Côtes du Rhône No Wine’s Land der Domaine du Coulet geöffnet. Das ist schon deshalb ein ungewöhnlicher Côtes du Rhône, weil er nicht aus dem Süden stammt sondern aus dem Norden. Es ist ein reinsortiger Syrah aus dem Niemandsland zwischen Cornas und St. Joseph. Und von dort gibt es ziemlich selten Côtes du Rhône.
Der Wein stammt von relativ alten Syrah-Stöcken deren Ertrag für diesen Wein bei 20hl/ha lag. Da ist mir schleierhaft, wie man diesen Wein für unter 13 Euro überhaupt herstellen kann, und das, wo Matthieu Barrat, der Winzer der Domaine du Coulet das Ganze auch noch biodynamisch bewirtschaftet.
Ich muss sagen, ich liebe diesen Wein. Das ist für dieses Preisniveau großer Stoff. Authentischer Syrah auf hohem Niveau. Stoffig, erdig, sehr würzig in der Nase, fleischig, mit einem Anteil herber Schokolade, Tabak, zurückhaltender Kirsche. Im Mund wird die saftige Kirsche dann deutlicher. Der Wein ist im angenehmen Sinne schlank, hat 13% Alkohol, wirkt sogar weich bei gleichzeitiger Kraft und Substanz. Hach, einfach schöner Stoff… Eine Empfehlung aus meinem eigenen Laden.
Vor einigen Tagen hatte ich das Glück, bei Wurst & Wein im Marieneck in Köln eingeladen und mit fünf originalverkorkten Weinen bei der Veranstaltung vertreten zu sein. Bisher hatte ich immer nur vom Marieneck gehört und gelesen, jetzt live gesehen und erlebt muss ich sagen, da würde ich auch gerne mal eine Veranstaltung machen. Ein typisches ehemaliges Kölner Eckgasthaus wird heute für Firmenfeiern, Erlebniskochen etc. genutzt, die Küche steht frei und offen im Raum, der klar und hell daher kommt.
An diesem Abend hat Peter Metternich, der zu den besten Metzgern in Köln gehören dürfte 10 Variationen des Themas Wurst geliefert, Torsten (Allem Anfang…) hat diesen Variationen punktgenau die Weine zur Seite gestellt. Besonders gefreut hat mich, dass meine Weine gut angekommen sind. Allen voran der Chardonnay & Weißburgunder von Alexander Gysler zu Tafelspitz, Omaschinken und Eisbein, Ziereisens Blauer Burgunder, kongenial passend zum Schwarzwälder und Tiroler Schinken, der Frühburgunder des Weingutes Bäder zu Himmel und Ääd Bratwurst mit Püree. Wohlgemerkt, Himmel un Ääd in Bratwurst verpackt. Eine ziemlich leckere Kombination.
Von den weiteren dargebotenen Weinen hat mich speziell d’Oifache überzeugt, württembergische Literqualität von Albrecht Schwegler, süffig, unkompliziert, lecker und gut sowie La Muscadelle, ein edelsüßer Weißwein der Domaine Plageols aus dem Gaillac, unterhalb des so viel teureren Sauternes gelegen. Dazu gab es eine grobe Leberpastete mit Cranberrries und, in der Pastete eingearbeitet: Schwarzbrot von Zimmermann (die Kölner Leser wissen, was ich meine).
Ein schöner, runder Abend mit viel Fachwissen kurzweilig vorgetragen und ansprechend in Szene gesetzt. Empfehlenswert.
Cabernet Franc dürfte eine der ältesten Rebsorten sein, die in Frankreich wachsen, sie kann ausgezeichnete Weine hervorbringen (Cheval Blanc beispielsweise wird zum überwiegenden Teil aus Cabernet Franc vinifiziert), sie steht jedoch immer im Schatten der Cépages Noble Cabernet Sauvignon und Merlot. Mittlerweile kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass der Cabernet Sauvignon aus einer Kreuzung zwischen Cabernet Franc und Sauvignon Blanc hervorgegangen ist und der Merlot aus einer Kreuzung aus Magdeleine Noire des Charentes x Cabernet Franc. Auch die Vaterschaft der Carmenère kann man dem Cabernet Franc zuschreiben: Er kreuzte sich mit Gros Cabernet.
In Frankreich stehen ca. 39.000 Hektar unter Reben, in anderen Teilen der Welt aber ist diese Rebsorte eine absolute Randerscheinung. In Deutschland sollen es gerade mal 15 Fußballfelder sein. Dabei würde sich der Anbau in größerem Maße vielleicht durchaus lohnen, wenn ich mir beispielsweise den Cabernet Franc "Fréderic" von Kistenmacher-Hengerer so auf der Zunge zergehen lasse. Dieser Wein von noch jungen Rebstöcken scheint sich in Württemberg ausgesprochen wohl zu fühlen, zumindest ist dies ein absolut gelungener Wein voller Würze, Frucht, Länge, schöner Säure und zurückhaltender Tannine.
Vielleicht ist genau dies einer der Gründe, weshalb der Cabernet Sauvignon im allgemeinen bevorzugt wird: die größere Menge an Tanninen, die den Wein offensichtlich robuster scheinen lassen, langlebiger, dichter. Dabei kann man Cabernet Franc eine längere Ausdauer kaum absprechen, so ein Cheval Blanc kann in guten Jahren durchaus altern, und auch die dichten Loire-Weine können ein hohes Alter erreichen.
Die Loire dürfte übrigens neben St. Emilion das wichtigste und auch bekannteste Gebiet für hochwertige Cabernet Franc-Weine sein und mit einigen Vertretern dieser Region haben wir uns beschäftigt und dabei Weine aus vier Apellationen probiert.
Chinon – Château de Coulaine
In Chinon, eine 1.800 Hektar Apellation im Bereich der Touraine, wird praktisch ausschließlich Cabernet Franc angebaut, lediglich 10% sind mit Cabernet Sauvignon bestockt. Der Boden setzt sich aus Kies-, Sand- und Kalksteinböden zusammen. All diese Böden findet man als Unterlage der ersten drei Weine des Abends, die einen Querschnitt der Arbeit des Winzers Etienne de Bonnaventure liefern, seines Zeichens Besitzer des über 700 Jahre alten Château de Coulaine, welches seit Anbeginn zum Besitz der Familie gehört. So alt das Familienerbe ist – einer der Vorfahren soll sich mit Karl dem VII und Jean d’Arc in Chinon getroffen haben – so alt ist die Weinbautradition. Etienne und seine Frau haben diese Tradition in eine neue Moderne geführt: Der Besitz wurde auf 12 Hektar erweitert, die Erträge auf maximal 35 hl/ha reduziert und seit 1988 wird biodynamisch gewirtschaftet.
Der 2006er Bonnaventure stammt von den oben genannten Böden, ein Teil der Hänge besteht aus lehmigen Kalksteinböden, ein anderer Teil von einem Plateau mit Sand- und Kalksteinböden. Die Vinifikation erfolgt ausschließlich im Eichenfass. Wie fast alle Cabernet Francs findet sich ein saftiges Kirschrot in der Farbe des Weines. Die Nase ist zunächst zurückhaltend, lediglich ein wenig Eisen/Blut findet sich, später öffnet sich der Wein und duftet nach roten Früchten, unterlegt mit tabakigen Noten, etwas Süßholz und Nelken.
Am Gaumen dominiert zunächst das Markenzeichen dieser Rebsorte, eine deutliche Säure von saftigen, sauren Kirschen. Der Wein wirkt nicht all zu dicht, geradezu aufgefächert in Aromen von Sauerkirschen, Johannnisbeeren, Brombeeren und orientalischen Gewürzen – auch hier findet sich wieder Süßholz, bzw. Anis. Wir hatten bei den Chinons fast das Gefühl, ein wenig Südfrankreich im Glas zu haben. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass hier nie etwas zu schwer ist, nichts fett, nichts überreif, vielmehr saftig und frisch.
Im 2006er Les Picasses treffen sich Reben von über 80 Jahre alten Stöcken mit knapp 10 Jahre altem Cabernet. In der Farbe, in der Nase und am Gaumen finden sich auch hier die typischen Attribute von Sauerkirschen und prägnanter Säure. Ansonsten unterscheidet sich der Wein deutlich vom Bonnaventure. Ein Schmeichler ist es, nachdem die UHU-Nase verflogen ist. Dann verbindet sich die saftige Kirsche mit süßem Brotteig, etwas vanilligem Holz und zurückhaltenden indischen Gewürzen zu einem weichen Ganzen. Im Les Picasses wirkt die Säure verhaltener, die Tannine sind geschliffen, ein feiner, vielleicht fast schon ein wenig zu runder Wein.
Leider hatte der 2006er Clos de Turpenay Kork, nicht extrem, aber immer präsent und störend. Schade, denn abseits des Korks verbanden sich feine Holz-Vanille-Aromen mit Butter, Kirschen und Johannisbeere, etwas Pfeffer und Gewürzen.
Bourgueil – Domaine de la Chevalerie
Das Bourgueil liegt nicht weit von Chinon entfernt im Westen der Touraine. Die Böden sind ähnlich zusammengesetzt und bestehen im Wesentlichen aus Sand-, Kies- und Sandsteinböden. Der 2006er Galichets der mir vorher unbekannten Domaine de la Chevalerie aus dem Bourgueil schafft es an diesem Abend nicht in die vorderen Ränge. Dafür birgt der Wein einfach zu viel Säure in sich. Schade, denn die Ansätze fand ich zunächst sehr schön. Schöne Cassis- und Kirscharomen, etwas Paprika, Pfeffer und Noten von Eukalyptus. Aber die Säure…
Saumur – Domaine de Roches Neuves
Thierry Germain gehört mit zu den eloquentesten Winzern der Region Saumur, die sich über 2.800 Hektar an den Hängen von Loire und Thouet erstreckt. Aus einer bordelaiser Winzerfamilie stammend hat er hier eine neue Heimat gefunden und schafft mit seinen Cabernet Francs ebenso wie mit dem Chenin Blanc l’Insolite oder dem Crémant Bulles de Roche charaktervolle, teils faszinierende Weine. Mehr zum l’Insolite und zu Thierry Germain habe ich hier geschrieben.
Der 2007er Terres Chaudes stammt von den heißen Böden der Coteau des Poyeux, wurde im großen Holzfass ausgebaut und wird unfiltriert und ungeschönt auf die Flasche gezogen. In der Nase fand ich feines Holz mit etwas Vanille und leicht medizinische Noten. Dazu Brombeeren mit eher wenig Sauerkirsche, dafür jedoch ein wenig Unterholz. Der Wein ist extraktreich und lang mit einer markanten aber nicht zu starken Säure und feinen Tanninen. Schöner Stoff.
Anjou – Clau de Nell
Das Anjou dient eigentlich als Hauptapellation in der sich Unterapellationen wie Savennières, Coteaux du Layon oder das Saumur befinden. Das 12.000 Hektar Gebiet grenzt im Osten an Bourgueil und Chinon, im Westen an Muscadet.
Die Geschichte des Weingutes wie auch die Geschichte von Claude und Nelly Pichard, aus deren Vornamen Claude und Nelly der Names des Gutes Clau de Nell entstanden ist, ist ein wenig verrückt.
Irgendwann sind die beiden, die zu diesem Zeitpunkt auf dem elterlichen Hof im Burgund gearbeitet haben mit Weinen von Nicolas Joly, dem Vorreiter des biodynamischen Weinbaus in Kontakt gekommen und Claude war hin und weg. Er wusste, er möchte ebenfalls solche Weine machen. Da seine Eltern dagegen waren, deren Hof auf Biodynamie umzustellen, entschied er sich zusammen mit seiner Frau, sein Glück woanders zu suchen. Fündig wurde er im Anjou, in einer Gegend, in der es genau einen Weinberg gibt, 8 Hektar groß, mit 80 Jahren alten Reben bestockt, unter anderem mit der authochtonen Rebsorte Grolleau. Rings herum gibt es sonst nur Wald und Felder. Der Boden besteht aus einer oben liegenden Sandsteinschicht mit Feuersteineinschlüssen, 12 unterschiedlich dichten, aufeinander gefalteten Lehmschichten sowie einer darunter liegenden Kalksteinschicht die hervorragend geeignet ist, Wasser zu speichern oder zu drenagieren.
So gut die Arbeit der Pichards in Weinberg und Keller war, so schlecht war sie allerdings bei Buchführung und Planung, so dass sie nach drei Jahren schon Konkurs anmelden mussten. Kurz bevor der Weinberg verkauft werden sollte sprang die Großmeisterin aus dem Burgund, die Winzerin Anne-Claude Leflaive den beiden zur Hilfe. Sie hatte durch Zufall von den Weinen, den Winzern und dem Missgeschick gehört und sah die Chance und das Potential.
Der 2003er Cabernet Franc Clau de Nell duftet nach frischem Eichenholz mit den typischen Aromen von Vanille und Kokos. Nach und nach finden sich orientalische Gwürze ein sowie eine gewisse Süße reifer Früchte. Hinter dem noch etwas vordergründigen, aber feinen Holz wirkt der Wein sowohl filigran als auch komplex-opulent, burgundisch elegant und verführerisch, "rich", wie die Engländer sagen.
Am Gaumen wirkt der Wein zunächst wie ein etwas geduckt wirkendes Kraftpaket mit leichter Herbe in der süßen Frucht und leicht medizinischen Noten. Beeindruckend von Beginn an wird der Wein im Laufe des Abends faszinierend. Es entfaltet sich die volle Kraft, Würze, Süße und die Dichte wird spürbar. Doch trotz aller Kraft bleibt der Wein immer subtil, ja filigran. Ein schönes Geschöpf und ein gutes Beispiel dafür, wie gleichberechtigt der Cabernet Franc neben seinem ungleich bekannteren Sohn bestehen kann.
Savennières – L’Enclos, Eric Morgat
Einen solchen Abend mit einen Chenin Blanc aus bestem Hause zu beenden macht enormen Spaß. Savennières liegt als 120 Hektar Enklave ebenfalls im Anjou und ist nicht zuletzt durch das Chateau de la Roche aux Moines des Nicolas Joly bekannt geworden. Selbstverständlich aber gibt es weitere, hervorragende Erzeuger, von den Eric Morgat nur einer ist.
Dieser kommt aus einer Winzerfamilie, die in den Coteaux du Layon beheimatet ist. Das Savennières hat Morgat 1995 für sich entdeckt wo er sich zu Füßen von Roches aux Moines einige Hektar Land kaufen konnte. Seinen Keller hat er zunächst im oben beschriebenen Château de Coulaine bei den Bonnaventures angemietet. Morgat arbeitet biologisch, ist aber nicht zertifiziert. Seine Weine werden in 400 Liter-Fässern fermentiert, spontanvergoren und durchlaufen etwa zur Hälfte eine spontane malolaktische Gärung. Die Weine bleiben lange auf der Hefe und werden immer wieder aufgerührt.
Das verwendete Holz ist sowohl in der Nase als auch am Gaumen deutlich erkennbar bei diesem 2006er Savennières l’Enclos. Um es direkt zu sagen: Der 2006er leidet ein wenig am Alkohol, der hinten raus ein bisschen brandig wirkt. Ansonsten ist das ein beeindruckender Chenin Blanc, irgendwo angesiedelt zwischen Tradition und Moderne. Voller Tiefe, reifer Birnenfrüchte und etwas Banane, mit Nüssen versetzt und mit Holz, ein wenig bitterer Orange und Karamell. Dabei wirkt die Säure ganz ausgewogen und fein. Ich muss sagen und es hier wieder betonen: Ich liebe diese Rebsorte in all ihren Facetten, trocken ausgbaut wie auch süß, verwegen wie geradlinig. Sie bietet eine ähnliche Bandbreite wie der Riesling, beeindruckt aber gerade auch in Verbindung mit Holz. Der l’Enclos ist hier hierfür ein ausgezeichnetes Beispiel.
Es gibt verschiedene Preisstufen, in denen ich mich bewege, wenn ich Wein kaufe. Da gibt es den ganz einfachen Wein der sich so um die sechs bis sieben Euro bewegt. Weine, die durchaus schon lecker und manchmal begeisternd sein können, sich aber auf Alltagsniveau bewegen. Dann kommt das, was bis knapp unter 10 Euro geht. Da ist der Konkurrenzkampf extrem hart und man bekommt schon guten Wein fürs Geld. Für mich wird es aber eigentlich erst wirklich interessant in der Kategorie 10 bis 15 Euro. Hier tauchen die Weine mit deutlich individuellem Charakter auf, Weine, die schon Begeisterung entfachen können, wo ich mich im besten Fall zurücklehne und verzückt lächle. Die nächste Stufe, für mich zwischen 15 und 30 Euro liegend, ist die, die das größte Potential hat und fast alle Wünsche befriedigen kann, die ich mir leisten kann. Alles darüber ist purer Luxus.
Der Wein, den ich hier vorstelle liegt in der Kategorie 10 bis 15 Euro und mit 12.50 Euro genau in der Mitte. Das ist kein Alltagswein, aber auch keiner, auf den ich jetzt sparen muss. Es ist ein Wein, den ich mir am Wochenende aufmache, wenn ich was Leckeres koche, wenn ich Muße habe, wenn ich Freunde bewirte.
Der Réserve del Comte besteht aus 40% Merlot, 20% Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc sowie 30% Lagrein, einer Südtiroler Rebsorte die lediglich auf 300 Hektar angebaut wird und bei Manincor zu einem durchaus beeindruckenden Wein heranreift. Abgesehen vom Lagrein, den man hier nicht wirklich herausschmeckt, ist das eine Alternative zum rechten Gironde-Ufer im Bordeaux die aber ganz woanders, nämlich auf Lagen in Kaltern und Terlan im Südtirol heranreift. Ihr Erzeuger, Graf Goess-Enzenberg gehört mittlerweile zur dortigen Winzerelite.
Als er Manincor 1977 übernahm, war dieses 45 Hektar-Gut einer der größten Traubenlieferanten im Alto Adige. Was das heisst weiß jeder, der mal in den Achtzigern einen Kalterer See oder Ähnliches getrunken hat. Ich erinnere nur an Gerhard Polts Spitzenwein. Das ist so in etwa das, was man hier aus Südtirol bekommen hat. Und viel mehr gab es eben auch nicht. Das erinnert so ein bisschen an die Verhältnisse an der hiesigen Mosel zu der Zeit.
Enzenberg jedenfalls hatte mehr vor und er hat es durchgesetzt und erreicht. Er hat nicht nur auf moderne Rebsorten gesetzt sondern genau so die traditionellen kultiviert. Auch heute gibt es einen Kalterer See und ebenso einen reinsortigen Lagrein, mit dem Unterschied, dass man ihn nicht nur trinken kann, sondern, dass er einen eigenen, feinen Charakter besitzt.
Neben der Weinbergarbeit, die er schon vor Jahren auf Biodynamie umgestellt hat, hat er akribisch an der Kellertechnik gearbeitet, die vor kurzem in der Einweihung des neuen Kellers seinen Höhepunkt gefunden hat. Nicht nur stellt dieser Keller einen architektonischen Höhepunkt im traditionellen Südtirol dar, nein, das ist kein Selbstzweck denn der Keller ermöglicht Abläufe in der Weinbereitung, die Qualitätsverluste minimieren. So haben sich Pumpen erübrigt, Schwerkraft ist hier schonender.
Dass die Anstrengungen im Weinberg, im Keller, wie auch in der Vermarktung nicht automatisch zu teuren Weinen führen zeigt eben der hier vorgestellte Réserve del Comte.
Dieser Wein bietet ein ausserordentlich gutes Preis-Genuss-Verhältnis und hat alles, was ich von dieser Qualitätsstufe erwarte. Er ist anspruchsvoll aber übertreibt es nicht. Man dürfte ihn so ziemlich Jedem vorsetzen können der Rotwein mag, er ist trotzdem nicht beliebig. Er ist fruchtig-beerig, ist würzig, mit einem Hauch von Süßholz bzw. Lakritze, ist saftig, gleichzeitig elegant, die Tannine sind reif und samtig, der Abgang hat eine angenehme Länge. Chapeau!