originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Réserve del Conte 2007, Manincor, Alto Adige

Es gibt verschiedene Preisstufen, in denen ich mich bewege, wenn ich Wein kaufe. Da gibt es den ganz einfachen Wein der sich so um die sechs bis sieben Euro bewegt. Weine, die durchaus schon lecker und manchmal begeisternd sein können, sich aber auf Alltagsniveau bewegen. Dann kommt das, was bis knapp unter 10 Euro geht. Da ist der Konkurrenzkampf extrem hart und man bekommt schon guten Wein fürs Geld. Für mich wird es aber eigentlich erst wirklich interessant in der Kategorie 10 bis 15 Euro. Hier tauchen die Weine mit deutlich individuellem Charakter auf, Weine, die schon Begeisterung entfachen können, wo ich mich im besten Fall zurücklehne und verzückt lächle. Die nächste Stufe, für mich zwischen 15 und 30 Euro liegend, ist die, die das größte Potential hat und fast alle Wünsche befriedigen kann, die ich mir leisten kann. Alles darüber ist purer Luxus.

Der Wein, den ich hier vorstelle liegt in der Kategorie 10 bis 15 Euro und mit 12.50 Euro genau in der Mitte. Das ist kein Alltagswein, aber auch keiner, auf den ich jetzt sparen muss. Es ist ein Wein, den ich mir am Wochenende aufmache, wenn ich was Leckeres koche, wenn ich Muße habe, wenn ich Freunde bewirte.

Der Réserve del Comte besteht aus 40% Merlot, 20% Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc sowie 30% Lagrein, einer Südtiroler Rebsorte die lediglich auf 300 Hektar angebaut wird und bei Manincor zu einem durchaus beeindruckenden Wein heranreift. Abgesehen vom Lagrein, den man hier nicht wirklich herausschmeckt, ist das eine Alternative zum rechten Gironde-Ufer im Bordeaux die aber ganz woanders, nämlich auf Lagen in Kaltern und Terlan im Südtirol heranreift. Ihr Erzeuger, Graf Goess-Enzenberg gehört mittlerweile zur dortigen Winzerelite.

Als er Manincor 1977 übernahm, war dieses 45 Hektar-Gut einer der größten Traubenlieferanten im Alto Adige. Was das heisst weiß jeder, der mal in den Achtzigern einen Kalterer See oder Ähnliches getrunken hat. Ich erinnere nur an Gerhard Polts Spitzenwein. Das ist so in etwa das, was man hier aus Südtirol bekommen hat. Und viel mehr gab es eben auch nicht. Das erinnert so ein bisschen an die Verhältnisse an der hiesigen Mosel zu der Zeit.

Enzenberg jedenfalls hatte mehr vor und er hat es durchgesetzt und erreicht. Er hat nicht nur auf moderne Rebsorten gesetzt sondern genau so die traditionellen kultiviert. Auch heute gibt es einen Kalterer See und ebenso einen reinsortigen Lagrein, mit dem Unterschied, dass man ihn nicht nur trinken kann, sondern, dass er einen eigenen, feinen Charakter besitzt.

Neben der Weinbergarbeit, die er schon vor Jahren auf Biodynamie umgestellt hat, hat er akribisch an der Kellertechnik gearbeitet, die vor kurzem in der Einweihung des neuen Kellers seinen Höhepunkt gefunden hat. Nicht nur stellt dieser Keller einen architektonischen Höhepunkt im traditionellen Südtirol dar, nein, das ist kein Selbstzweck denn der Keller ermöglicht Abläufe in der Weinbereitung, die Qualitätsverluste minimieren. So haben sich Pumpen erübrigt, Schwerkraft ist hier schonender.

Dass die Anstrengungen im Weinberg, im Keller, wie auch in der Vermarktung nicht automatisch zu teuren Weinen führen zeigt eben der hier vorgestellte Réserve del Comte.

Dieser Wein bietet ein ausserordentlich gutes Preis-Genuss-Verhältnis und hat alles, was ich von dieser Qualitätsstufe erwarte. Er ist anspruchsvoll aber übertreibt es nicht. Man dürfte ihn so ziemlich Jedem vorsetzen können der Rotwein mag, er ist trotzdem nicht beliebig. Er ist fruchtig-beerig, ist würzig, mit einem Hauch von Süßholz bzw. Lakritze, ist saftig, gleichzeitig elegant, die Tannine sind reif und samtig, der Abgang hat eine angenehme Länge. Chapeau!

Ich habe diesen Wein neben einigen anderen Weinen von Manincor meinem Shop-Angebot hinzugefügt.

Orben 2006, Bodegas Artevino, Rioja

Es ist relativ schnell erklärt, woher der Begriff Orben kommt, der diesem Tempranillo aus dem Rioja Alavesa seinen Namen gibt. Orben ist das Ergebnis, wenn man Nebro rückwärts ließt. Und der Name Nebro steht für einen der beständig am Höchsten bewerteten spanischen Weine. Er ist das Aushängeschild der Finca Villacresces im Ribera del Douero und die Finca Villacresces gehört der Bodega artevino, die sich seit einigen Jahren auch im Rioja engagiert. Es dürfte also so etwas wie ein Auftrag sein, dem dieser Wein mitgegeben wurde.

Der Orben, dessen Etikett ist schlichtweg gelungen und schön finde – die Spanier können ja wie kaum eine zweite Weinnation Wein und Design miteinander verbinden, auch wenn sie mit dem Design manchmal nichtssagende Weine aufhübschen – stammt von 60-70 Jahre alten Rebstöcken unterhalb des Gebirgszuges der Cantabria. Hier vermischt sich das atlantische mit dem mediterranen Klima, was sowohl die Temperaturen als auch den Regenfall moderat erscheinen lässt. Der Orben wird 94.000fach abgefüllt und stammt von insgesamt 79 Microparzellen, die für diesen Wein zusammengesammelt wurden.

Dieser Wein macht mir etwa ebenso viel Spaß wie der Finca Villacresces. Keine Frage ist das ein moderner Rioja. Die Klassik des Gebietes finde ich hier nicht mehr. Aber wo findet man die überhaupt noch? Es ist selten geworden und es ist auch meist nicht Schade drum, finde ich. An die Stelle dieser schweren, unglaublich holzlastigen Weine sind häufig frische, volle, teils elegante, teils nach meinem Geschmack zu fruchtig-fette Weine getreten von denen es eine ganze Reihe gibt, die mir gut gefallen. Dieser hier gehört dazu. Weich und rund schon in der Nase mit dem Duft von Vanille, Gewürzen und roten Beeren macht der Wein richtig an. Dieses Frucht-Holz-Vanille-Spiel findet sich auch am Gaumen wieder. Was hier überrascht ist die präsente Säure und der nur mittelschwere Körper. Und beides ist sehr angenehm. Da ist Kraft drin, aber gezügelt, da ist Volumen drin, aber nicht zu viel, da ist Struktur, aber nichts überbordendes, da ist Frucht, aber nichts, was fett wäre. Dafür gibt es Eleganz und Tanz (auf der Zunge).

Drei Winzer aus der Champagne, drei ganz unterschiedliche Stile

Eines der faszinierendsten Themen der Weinwelt ist für mich die Champagne. Erst spät, es muss am Geldbeutel liegen, bin ich überhaupt erst dazu gekommen, andere Champagner zu trinken als man sie hier und da mal bei bei Geburtstagen oder auf Stehpartys und Empfängen in die Hand gedrückt bekommt. Das war dann immer weitestgehend ausdrucksloser Bankett-Champagner, der keinem weh tut, aber auch kein bisschen dazu beitragen mag, sich für dieses Getränk weiter zu erwärmen. Hinzu kommt, dass mir die Marketingstrategien und Allüren der großen Häuser ziemlich fremd sind. Hier werden Produkte als rar und exklusiv feil geboten, die in Millionenauflage praktisch vollautomatisiert hergestellt werden. Dafür aber, dem Marketingetat sei Dank, müssen horrende Summen bezahlt werden. Dazu war ich nie bereit. Genauso wenig mochte ich zu irgendwelchen Champagner-Verkostungen pilgern die, mit einem Haufen Celebrities bestückt, in irgendwelchen überkandiedelten Hotels, wie beispielsweise dem geschmacklosen Kameha Grand hier in Bonn, abgehalten werden.

Dann aber hatte ich irgendwann mal zwei Gläser in der Hand. In dem einen befand sich Champagner von Krug, in dem anderen ein Jahrgangschampagner von Larmandier-Bernier. Diese beiden Schaumweine haben meine Sicht auf dieses Weinbaugebiet grundsätzlich verändert. Mittlerweile habe ich Vieles probiert – man kann ja Proben organisieren um sich durch das Programm zu verkosten – und bin diesem Stoff ein wenig verfallen. Zumindest den guten Vertretern. Und davon gibt es eine ganze Menge. Man muss sie nur finden. Neben Krug gibt es natürlich auch bei den großen Häusern wirklich gute Weine. Wer einen gereiften Roederer Cristal oder einen Jahrgangschampagner von Bollinger oder einen Cômte de Champagne von Taittinger probiert hat, weiß, was ich meine. Ich persönlich finde es jedoch viel interessanter, mich mit jenen zu beschäftigen, die es mittlerweile gewagt haben, sich aus der Deckung der großen Häuser zu wagen, die ihre Trauben nicht mehr den Cooperativen geben oder eben jenen großen Häusern. Verführerisch ist das  nämlich allemal, denn für gutes Traubenmaterial wird viel Geld gezahlt. Mehr als irgendwo anders – ausser vielleicht im Napa Valley. Trozdem, es gibt immer mehr, die es wagen, selbst auf den Markt zu gehen und es gibt immer mehr, die diese Winzer-Champagner auch kaufen. Das ist ein großes Glück denn dadurch zeigt sich erst die Vielfalt. Die Vielfalt der Böden, der Klimata, der Rebsorten – hey, es gibt auch Champagner vom Pinot Blanc und von der Arbanne, und natürlich vom Schwarzriesling, pardon, Pinot Meunier, und was für welchen…

Heute stelle ich drei Champagner vor, die ich drüber im Shop auch verkaufe. Ich mache ganz bewusst auf Winzer aufmerksam, die dort Flächen bewirtschaften die so klein sind, wie bei Vollenweider an der Mosel. Gemeinsam haben sie, dass sie sich dem biodynamischen Anbau verschrieben haben und das sie Holz zum Reifen einsetzen, was wenige machen. Krug ist bekannt dafür und der Großmeister der Winzer, Anselm Selosse. Jedoch immer mehr Winzer, vorwiegend aus dem Biodyn-Bereich setzen ganz zurückhaltend das Holz ein um einen gewissen Austausch mit dem Umgebungsluft zu gewährleisten. Deswegen wirken die Weine nur selten oxydativ.

Der Bulles de Comptoir beispielsweise ist meilenweit von irgendwelcher Oxydation entfernt. Der ist so scharf wie ein Rasiermesser. Da sammeln sich Tropfen von Limetten und frischer Grapefruit auf des Messers Schneide und sie rinnen nur deshalb nicht herab, weil sie aufgehalten werden, von größeren Mengen an Kreide. Das ist straight to the edge. Nicht unbedingt der Stil, den ich favorisiere, das ist mir noch zu hart. Aber ausgezeichnet gemacht. Charles Dufour, so heisst der Winzer, sitzt in Landreville, im Tal der Aube. Wer durch das Dorf fährt, wird ihn im Zweifel zunächst nicht finden. Es ist eben ein Winzer und kein Champagner-Haus, so wie bei uns in den Weinbaugebieten. Da stehen keine schnellen Sportwagen vor riesigen Landsitzen.

Gegründet wurde der Besitz von Robert Dufour der, der einfach drei Champagner hergestellt hat. Brut, Sec und Demi-sec. Roberts Sohn und der Vater des heutigen Besitzers, Yves, hat sich auf trockene Champagner spezialisiert. Dabei hat er, als einer der ganz wenigen, verschiedene Rebsorten getrennt ausgebaut. Nebenbei, auch das war selten in den Achtzigern und Neunzigern, hat er auf biologischen Anbau gesetzt, in Zeiten, in denen andere Winzern noch den Hausmüll aus Paris als Dünger eingesetzt haben. Während Charles einige Jahre in Neuseeland und Australien sein Wissen erweitert hat, hat seine Mutter in einigen Parzellen auf Biodynamie umgestellt. Seit 2007 läuft der ganze Betrieb unter Kontrolle von Ecocert. Was ganz typisch ist für die Côte de Bar ist der große Anteil von Pinot Noir im Rebbestand. Das ist auch bei den Dufours nicht anders. Was sie aber neben Meunier und Chardonnay noch anbauen ist Pinot Blanc. Und das ist selten. Es gibt sogar reinsortigen Pinot-Blanc-Champagner, drüben im Shop. Den hat Vater Yves 1999 ausgebaut und Sohn Charles 2009 degorgiert. Im Bulles de Comptoir, dessen Etikett diesen Artikel ziert, ist ein Drittel Pinot Blanc, den Rest teilen sich Pinot Noir und Chardonnay.

Ganz anders als Dufour wirkt der Brut Essentiel von Benoît Lahaye. Lahaye lebt und arbeitet in Bouzy, einer Hochburg der Pinot-Noir-Champagner und voller Grand Cru Lagen. So ist auch dieser Brut Essentiel mit 6 Gramm Dosage ein Gran Cru. Den 90 % Pinot wurden schmeichelnde 10 % Chardonnay hinzugefügt.  Lahaye hat in den Neunzigern, bekehrt vom Patrick Meyer aus dem Elsass, auf bio-organischen Anbau umgeschwengt und ist dann weiter Richtung Biodynamie gegangen. Für ihn ist klar, und da singt er im Chor: vor der Biodynamie war es nicht möglich, vernünftigen Brut Nature herzustellen weil die Trauben seit der Umstellung zunehmend reifer werden – bei gleichem notwendigen Säuregrat. 4.5 Hektar besitzt Lahaye. Knapp 96 % fallen auf Pinot Noir, eine Parzelle wurde mit Chardonnay bepflanzt.

Lahayes Brut Essentiel, und das gilt für alle seine Weine, sind Weine die dringend getrunken werden wollen. Nicht, weil sie nicht lange altern würden, nein, weil sie so lecker sind. Der Brut Essentiel weist neben feinen Hefenoten, die an frisch gerührten Teig erinnern, Kernobstfruchtnoten auf. Da ist Créme drin und ein angenehme Weichheit. 55 % des Weines stammen übrigens aus dem Jahr 2007, der Rest sind Reserveweine.  Dieser Champagner hat eine schöne Tefe und ist dabei sehr charmant unkompliziert. Neben den Fruchtaromen findet sich eine angenehme Säure und Mineralität. Der Wein ist für unter 30,- zu haben und das ist ein fantastischer Einstieg in die Champagnerwelt.

Der Einstiegswein von Georges Laval, bzw. seinem Vincent, der den Betrieb seit 1996 führt ist fast doppelt so teuer wie der Lahaye. Der Cumières Brut Nature ist ein rarer Wein. Nicht so rar wie die anderen Weine von Laval, von denen unter 1.000 Flaschen jährlich abgefüllt werden, doch wirklich selten. Laval besitzt 2.5 Hektar im Tal der Marne, genau gesagt in Cumières und macht selbst in guten Jahren keine 10.000 Flaschen. Das ist sehr wenig. Glücklicherweise sind die, die mal seine Champagner probiert haben, so überzeugt von seiner Qualität, dass er Preise bis 180,- die Flasche nehmen kann, ab Hof ist das immer noch mal günstiger. Das ist für Winzer-Champagner definitiv die Ausnahme. Allerdings gibt es Menschen, die sagen, dass seine besten Chamapgner auf einem Niveau liegen mit Krugs Clos de Mesnil.

Der Cumières Brut Nature besitzt eine wirklich überragende Balance zwischen Frucht, Säure und Mineralität. der Wein duftet nach roten Früchten, mürben Äpfeln, etwas Brioche, etwas Zitrus und etwas Salz. Der Wein ist im Mund total harmonisch, schwebt geradezu auf der Zunge. Das ist große Klasse. Es schrieb mal jemand, das wäre Puligny-Môntrachet mit Bläschen, und ich weiss, was er meint.

Champagne Charles Dufour, Bulles de Comptoir
Champagne Benoît Lahaye, Brut Essentiel
Champagne Georges Laval, Cumières Premier Cru, Brut Nature

Weinrallye 38: Underdog Scheurebe

Der Würtz war heute ganz schön früh unterwegs mit seinem Beitrag zur 38. Weinrallye und hat einen Beitrag verfasst, der den Nachfolgenden von der Pflicht entbindet, über die Herkunft jener Rebsorte, die heute Thema der Weinrallye ist, lang auszuschweifen. Dirk Würtz schreibt über Herkunft und Namensänderungen der Scheurebe und weist auf eine Besonderheit hin, die mir nicht präsent war, nämlich, dass es die einzige entnazifizierte Rebsorte im hiesigen Rebsortenspiegel ist.

Marquee, der in seinem Blog "allem Anfang…" über kulinarische Eskapaden berichtet, hat das heutige Thema postuliert und für mich war es keine Frage, mich für die trockene Heimersheimer Scheurebe 2009 von Axel Koehler zu entscheiden. Dort – Heimersheim gehört zu Alzey – liegt die Wiege dieser Züchtung, die ein gewisser Dr. Georg Scheu zu Anfang des 20. Jahrhunderts gekreuzt hat, wobei ein Elternteil dieser ziemlich erfolgreichen Neuzüchtung der Riesling ist. Der andere Elternteil dürfte eine bis dato unbekannte Wildrebensorte sein die wohl genau wie der Riesling aus dem Spektrum der Aromarebsorten stammen dürfte.

Die duftige, spätreifende Sorte wird häufig als der rheinhessische Sauvignon Blanc betitelt und es gibt glücklicher Weise immer mehr Winzer, die die Originalität und Qualität dieser Rebsorte für sich wiederentdecken, und dies nicht nur für den Bereich der Beeren- und Trockenbeerenauslesen sondern ebenso im trockenen Bereich. Ähnliches gilt auch für die Huxelrebe, die ebenfalls aus dem Kreuzungslabor des Dr. Scheu stammt.

Axel Koehlers Liebe gilt neben den anderen klassischen weißen, rheinhessischen Rebsorten Riesling, Weiß- und Grauburgunder und Silvaner eindeutig der Scheu. Er verzichtet bewusst auf den Anbau von Sauvignon Blanc und hält ihn für weitestgehend überflüssig in einem Landstrich der mit der Scheurebe doch so eine feine Spezialität als Alternative zu bieten hat. Ich gebe ihm weitestgehend Recht, auch wenn es durchaus einigen Sauvignons aus der Ecke gibt, die ich richtig gerne mag, finde ich es schlicht abwechslungsreicher, wenn der Fokus auf den Rebsorten liegt, die zur Region gehören.

Koehler macht ja erst seit wenigen Jahren seinen eigenen Wein auf dem familieneigenen Weingut, ich hatte es hier schon mal ausführlicher beschrieben, und sein 2009er Jahrgang ist vom Angebot her umfangreicher als die Jahrgänge davor, eine Neuerung ist eben jene Scheurebe als  Ortswein. Bisher gab es diese als Gutsweinqualität, und auch diese ist herrlich frisch und duftig. Der Wein wurde im Steingut und im alten Holzfass ausgebaut, spontanvergoren, wie alle Weine Axel Koehlers, dessen Betrieb zwar von keiner Bio-Institution zertifiziert wurde, in dessen Weinberge jedoch kein Gramm Chemie kommt. Koehler kommt der Idee des Naturweins sehr nahe, wer in seine Weinberge schaut sieht, was ich meine und andere Winzerkollegen mögen den Kopf schütteln darüber, wie Koehler arbeitet, wie wild die Hänge aussehen und wie wenig er scheinbar verändert. Dabei arbeitet Axel Koehler mit sehr viel Energie und Überzeugung daran, die Reben so stark und gesund wie möglich zu kriegen.

Zurück zum Wein. Dieser präsentiert sich in der Nase zurückhaltend. Das ist keine Aromenbombe wie man es vielleicht erwarten mag wenn man schon viel Sauvignons und Scheureben in der Nase hatte.Es sind eher leicht florale Noten und feine Frucht von Stachelbeeren und Johannisbeeren die ich hier finde. Zusammen mit ein wenig Süßholz und einem klaren Ausdruck des Bodens: Würze und Mineralik bestimmen den Wein stärker als irgendwelche Obstfrüchte. Da wird schnell klar, dass dieser Wein kein Schmeichler ist. Der Wein hat neben den feinen Aromen ordentlichen Biss, Salz und Extrakte – dabei aber trotzdem ein schöne Crèmigkeit.

Wie ich es von allen wilden Weinen des Axel Koehler kenne ist auch die Scheurebe ein Wein, der Luft und Zeit braucht. Ein langsamer Wein gewissermaßen. Einer, der eine gewisse Aufmerksamkeit einfordert. Einer, den ich immer dekantieren würde und der sich am zweiten Tag noch mal deutlich offener zeigt als am ersten. Und einer, der die Besonderheiten von Sorte und Boden schön zusammenführt.

Ach ja. Und der Begriff Underdog im Titel der Rallye mag richtig sein und die Scheurebe wird wahrscheinlich nie die Verbreitung finden, die der Sauvignon Blanc bereits hat. Aber die Scheurebe findet wieder merklich mehr Wertschätzung, so, wie es glücklicher Weise auch anderen, zwischenzeitlich geschmähten Sorten ergeht. Es gibt immer mehr Winzer, die sich mit Liebe und Verantwortung wieder den klassischen (bzw. schon fast als klassisch zu bezeichnenden neugezüchteten) Sorten widmen und nicht den gerade modernen Reben. Und es gibt wieder zunehmend mehr Publikum, welches diese Bemühungen honoriert. Und das ist ein guter Weg.

Colombaia, Vigna Nuova Rosso Toscana IGT 2008, Toskana

Wenn ich momentan die Frage nach meiner liebsten Weinregion beantworten müsste würde ich wohl drei aufzählen. Hier in Deutschland bleibt es Rheinhessen. Das hat sich auch auf Großem-Gewächs-Niveau wieder bestätigt. Da gab es einige Weine auf höchstem Niveau die mir ungemein gut gefallen haben. Was ich immer noch weiter entdecke, ist die Champagne. Es ist faszinierend, wie vielschichtig diese Region ist.

Was bei mir gerade wieder neu in den Fokus rückt ist die Toskana. Ich werde nebenan im Shop in den nächsten Tag mal ein Toskana-Paket zusammenstellen; Wein für die Toskana-Fraktion gewissermaßen. Dabei werde ich hier parallel drei Weingüter vorstellen und mit Colombaia beginnen.

Colombaia ist das Weingut von Dante und Helena Lomazzi. Dante Lomazzi stammt aus einer alten Weinhändler-Familie die sich hauptsächlich mit dem Transport und Verkauf von Fassware einen Namen gemacht hat. Als der Vertrieb von Fassware allerdings immer mehr das Geschäft von großen Firmen wurde begann der Niedergang des vergleichsweise kleinen Handelshauses Lomazzi. Dantes Vater hat das Geschäft weiter zurück gefahren und wieder stärker selbst angebaut, auf sehr einfachem Niveau.

Dante hatte da eher einen anderen Entwurf. Er wollte Qualitätswein herstellen, klein aber fein. Das ist es, was er nun mit seiner Frau Helena umsetzt. Ein biologisch bewirtschafteter Weinberg wie ein großer Garten – gerade mal vier Hektar groß ist diese Garage-Winery, ganz in der Nähe von Colle di Val d’Elsa, bestockt mit Sangiovese, Colorino, Malvasia Nera, Canaiolo und etwas Trebbiano und Malvasia für den Weißen.

Der Wein von den jungen Sangiovese-Rebstöcken, der Vigna Nuova Rosso ist ein Ausdruck des Muschelkalk-Bodens, ein ganz frischer, mineralischer, fruchtbetonter Wein der deutlich nach Himbeeren und Kirschen riecht, mit einem Blättchen Minze und drei Blatt Veilchen dazu und darüber ein klein wenig gemahlener Pfeffer und ein wenig Vanillestaub. Er hat einen schön satten Fruchtgeschmack und eine gute Länge. Der Wein lag 12 Monaten in großen Fässern aus slawonischer Eiche und wurde spontan vergoren. Dieser Wein ist der einfache Wein des Gutes. Es ist ein richtig schöner Wein.

Die Weine gehören zum Angebot des Originalverkorkt-Shops

Neuigkeiten im Shop

30/Sep/10 21:51 kategorisiert in: Weine im eigenen Handel

Nach zwei Wochen Originalverkorkt-Shop habe ich Einiges optimiert. So gibt es jetzt im Menü mehr Auswahlmöglichkeiten. Neben der Suche nach Winzern, nach Regionen, und der Auswahl Rotwein, Weißwein, Rosé und Schaumwein kann man jetzt in den Kategorien Rotwein nach Rebsorten und Weißwein nach Rebsorten in verschiedenen Preisklassen stöbern. Desweiteren gibt es die Kategorien Feinherb, Restsüß sowie Port, Auslesen, Dessertwein.

Desweiteren habe ich die Vorschau der Rebsorten in den Kategorien Rotwein nach Rebsorten und Weißwein nach Rebsorten angeglichen und vergrößert, damit die Ansicht nicht zu unruhig wirkt.

Zu guter Letzt habe ich die Weine von Ca’ la Bionda mit ins Programm aufgenommen. Ca’ la Bionda aus dem Veneto produziert ganz erstaunlichen Valpolicella und Amarone.


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