Wir brechen auf zur rechten Seite der Gironde. Oberhalb von Fronsac im klassischen Gebiet der Bordeaux et Bordeaux Supèrieur treffen wir auf Château de Piote die Winzerin Virginie Aubrion. Virgine ist ursprünglich Quereinsteigerin und lebt ihren Beruf mit viel Passion.
Rebbestand auf Château de PioteIm oberen Segment werden Weine zu Höchstpreisen verkauft, die Basis aber muss kämpfen. So auch Virginie Aubrion, die vor Jahren mit ihrem Mann aus Paris in dieses Gebiet gezogen ist. Sie hatten die Großstadt satt und wollten auf’s Land, den Lärm, den Stress ein Stück weit hinter sich lassen und zurück zur Scholle. Zunächst hatten sie sich in der Provence umgeschaut, woher sie beiden stammen. Doch seit Peter Mayle und dem großen Provence-Hype kann sich ein Normalsterblicher dort kein Anwesen mehr kaufen, alles zu teuer, vor allem wenn man einen vernünftigen Weinberg dazu haben möchte. Irgendwann, immer weiter im Westen suchend fanden sie diesen Flecken Erde mit teils alten Rebbestand und einer Ruine von Haus darauf.
Virginie Aubrion mit ihrer Nichte im WeinbergDas ist nun zwölf Jahre her. In dieser Zeit hat die Familie das Haus weitestgehend restauriert, die Rebflächen teils neu angelegt, in den Keller investiert und begonnen, Wein zu machen. Letztes Jahr ist dann ihr Mann gestorben. Auch wenn er nur aushilfsweise auf dem Hof gearbeitet hat, er war Apotheker, hat sich die Situation noch mal grundlegend geändert. Konnte sie bis vor kurzem im Nebenerwerb existieren muss sie nun vom Weinbau leben. Sie tut dies mit bemerkenswertem Optimismus. Doch weiss sie, dass es knapp wird mit der Zeit. Dass sie für ihren Wein neue Märkte erschließen muss, dass sie bekannter werden muss. Und das ist nicht einfach. Auch wenn sie gerade den Oscar 2011 Bordeaux für ihren Clairet erhalten hat.
Ein typischer Keller mit Betontanks und neuer PresseVirgine wird nicht nur an diesem Tag von ihrer Nichte, die für l’Express im Weinbereich arbeitet, unterstützt, sondern vor allem auch von ihren Kindern. Die Arbeit im Weinberg ist aufwendig, zumal, wenn man biologisch arbeitet, was sie nach ECOCERT-Richtlinien tut und immerhin sind es mittlerweile 14 Hektar Fläche, 11 davon stehen unter Reben.
Verkostung im GartenIhre Weine sind dabei durchaus markant in ihrem Segment. Sehr schön vor allem die beiden Clairet. Diese Art Wein ist hier in Deutschland ja fast unbekannt. Ein gekühlter Roter der zwischen Rosé und Rotwein liegt, also länger auf der Maische stand als normaler Rosé und entsprechend charaktervoll, eckiger wirkt als die häufig sehr geschmeidigen Rosé. Der erste Clairet stammt zu je 50% von Merlot- und Cabernet-Trauben, der zweite, noch zupackendere stammt zu 100% von Malbec, und das ist schon durchaus ungewöhnlich.
Wein-StillebenSchön auch der rustikale, dunkle 2001er Malbec, erdig, würzig mit einem Mund voller Herbe und Frucht, kein Solist, aber perfekt für das, für was er geschaffen wurde, zur Essenbegleitung. Geschmeidig und doch klar kommt der Rosé-Cremant von Cabernet-Trauben daher. Mit nur 3 Gramm Dosage ist das ein knackig-frischer Schäumer mit feiner Crème.
Genossen haben wir die Weine auf einem beneidenswert schönen, ruhigen Fleckchen Erde, das für jemanden, der nur kurz auf Durchreise ist direkt zum Urlaubsort, zum Fluchtpunkt werden kann, während die Winzerin langsam auf die Uhr schauen muss, um mit dem Tagwerk fortzufahren.
Wir fahren auch fort. Mit unserem Fahrer und Guide Martin Fueyo geht ins St. Emilion. Genauer gesagt werden wir als nächstes Château la Tour Figeac besuchen.
Es gibt wenige Weine, die mich auf der Prowein 2011 tiefer beeindruckt hätten als die beiden Teroldegos Morei und Sgarzon.
Dass ich ein Fan der Weine von Elisabetta Foradori bin, ist kein Geheimnis, ich verkaufe sie entsprechend drüben im Laden und schreibe auch immer mal wieder über ihre anderen Weine. Der klassiche Teroldego und der Granato sind schon Klassen für sich in ihren Preissegmenten, jetzt ist Elisabetta Foradori jedoch noch einen Schritt weiter gegangen. Sie hatneben einem weißwein aus authochtonen Rebsorten – leider konnte ich ihn nicht mehr probieren – zwei Teroldegos auf Flasche gezogen, die schon jetzt, in ihrer Jugend eine große Faszination ausüben, so geschmeidig, charaktervoll, subtil und elegant wirken sie.
Diese Weine wurden acht Monate lang in Amphoren ausgebaut. Es gibt viele Diskussionen über diese Form des Ausbaus und ich für mich selber kann sagen, dass ich der Idee eher skeptisch gegenüber stand, bisher, diese beiden Weine haben mir zunächst jedoch einmal gezeigt, dass durchaus große Weine entstehen können.
Foradoris 400 Liter-Amphoren werden handgefertigt und wurden nicht, wie sonst eher üblich, in der Erde versenkt, sie stehen frei. Sie wurden mit 350 kg leicht angequetschtem Traubengut gefüllt. Während der Spontangeährung werden die Gefäße lediglich mit Tüchern abgedeckt, der Maischekuchen wurde täglich von Hand untergetaucht. Nach Abschluss der Gährung wurden die Amphoren dann verschlossen und der Wein blieb mit seinen Schalen für acht Monate in den Amphoren.
Für Foradori war es zunächst ein Wagnis und eine Herausforderung, mit Amphoren zu arbeiten. Sie hat vor sieben Jahren damit begonnen, zum gleichen Zeitpunkt, als sie die Arbeit in den Weinbergen auf Biodynamie ungestellt hat. Damals, so sagt sie, war die Qualität des Traubenmaterials noch nicht so gut, dass der Amphorenausbau stabil funktioniert hätte, heute sei das etwas anderes. Trotzdem müssen die Selektion und die Sauberkeit im Keller noch strikter sein als eh schon, die Arbeit mit den Amphoren sei subtiler.
So subtil, wie die Weine selbst, würde ich sagen. Die beiden Weine stehen sich da in nichts nach, tragen jedoch einen ganz eigenen Charakter in sich. Der Sgarzo, im Dialekt des Campo Rotaliano bedeutet dies so viel wie Austrieb, stammt aus der namensgleichen Einzellage. Das Klima ist kühler als beim Morei, entsprechend mischt sich eine Kühle und deutlichere Säure in das Bild als beim dunkleren, dichteren Morei, was im Dialekt dunkel bedeutet. Beiden fehlt das Holz, das man vom Granato gewohnt ist kein bisschen. Beide wirken jugendlich frisch. Und ich bin sehr gespannt, wie sich diese Weine entwickeln werden.
Als ich die Themen-Ankündigung der heutigen Weinrallye las, habe ich mich spontan gefreut. In den Weinblogs taucht Spätburgunder recht selten auf – zumindest ist das mein Eindruck. Iris Rutz-Rudel betreut diese Rallye nun zum dritten Mal mit viel Engagement, siehe Twitter-Einträge und Facebook, und ich danke ihr dafür.

Das Thema also spricht mich an. Nur ist es so weit gefasst, dass es schwer war, ein Subthema zu finden.
Was wäre das Co-Thema, fragte ich mich? Zunächst habe ich dazu tendiert, mich über die Freude über die Qualität des deutschen Pinots auszulassen, dann mich dem schweizerischen Pinot anzunähern, dann Pinot Noir in seiner bläschenwerfenden Form als deutschem Winzersekt oder kräftigem Bouzy-Champagner auf den Grund zu gehen. Allein als ich gestern vor dem Flaschenregal stand und merkte, dass der Winzersekt im Bürokeller lag und ich eine Flasche André Clouet Millesimé 1995 öffnen müsste und das so ganz für mich allein, konnte ich mich doch nicht überwinden. Ich hatte des Mittags 60 Weine der verschiedenen Loire-Appellationen probiert und meine Zunge war ein wenig zu müde, um die Feinheit des Champagners noch angemessen würdigen zu können. Wäre noch die Möglichkeit gewesen, etwas sehr Außergewöhnliches zu probieren, nämlich einen Eiswein vom Spätburgunder, den mir Daniel Wagner im Januar in die Hand gedrückt hat. Sie hatten den Pinot einer kleinen Siefersheimer Parzelle zu ernten vergessen, weil er zu großen Teilen einem Hagelschlag im Frühjahr zum Opfern gefallen war. Erst als im Januar die Kollegen zur Eisweinernte hinausfuhren, hat er sich an die Parzelle erinnert und geerntet. Eine winzige Menge – der Wein taucht auf seiner Preisliste überhaupt nicht auf. Aber probiert habe ich ihn dann doch nicht, der ist gerade mal ein Jahr alt und mehr als eine 0,375 ml-Flasche besitze ich nicht.
Also entschied ich mich für einen Pinot aus dem Alto Adige, und zwar von Elena Walch. Das Co-Thema lautet also Winzerinnen, wobei ich also Pinot Noir somit nicht nur mit einem alten Weinrallye-Thema von oben genannter Iris Rutz-Rudel kombiniere, sondern dem Beruf der Gastgeberin Ehre erweisen möchte und eine eigene, auf diesem Blog lose stattfindende Reihe fortführe.
Elena Walch gehört mit Elisabetta Foradori zu den weiblichen Stars der norditalienischen Weinszene. Anders aber als Foradori hat Walch das Winzerhandwerk mitnichten mit der Muttermilch aufgesogen. Vielmehr war sie eine junge, aber schon erfolgreiche Architektin, als sie ihren späteren Mann kennen lernte, der das Weingut Walch führte. Nach der Geburt der zwei Kinder und irgendwann einsetzender Langeweile bat sie ihren Mann, ihr einen Weinberg zur Verfügung zu stellen, einen in guter Lage. Diesen hat sie am Castell Ringberg bekommen und einfach mal so ziemlich alles anders gemacht, als es bei den der Tradition verhafteten männlichen Winzern üblich war. Und anders als es Elisabetta Foradori getan hat, indem diese das Wagnis unternommen hat, aus den traditionell angebauten Rebsorten das Beste, ja die Quintessenz herauszuholen, hat Elena Walch den Vernatsch herausgerissen und internationale Rebsorten gepflanzt, die Reben wurden anders erzogen und ausgebaut wurde ebenfalls different. Das Barrique hielt Einzug.
Ich kann mir ein wenig vorstellen, wie das ausgesehen haben mag, wie sehr sie belächelt wurde, wer sich da alles an die Stirn getippt hat, damals als es noch kaum weibliche Winzer gab und wenn, dann überhaupt höchstens Töchter – aber bitte keine zugezogenen Diplomirgendwasse. Das dürfte sich dann schnell geändert haben, nachdem Elena Walch Ende der 80er dann ihren ersten Wein auf den Markt brachte. Die Anerkennung kam, zumindest von offizieller Seite, relativ schnell, und wenn sich der Erfolg bei der Avantgarde einstellt, kann die breite Masse ebenfalls beginnen, traditionelle Verhaltensweisen zu überdenken.
Nun, heute stehen 30 Hektar unter Reben und neben der Moderne finden sich auch wieder traditionelle Rebsorten. Besonders bekannt ist sie neben modernen Cuvées wie Beyond the Clouds für ihren Gewürztraminer.
Der Blauburgunder mit dem gar nicht so modern klingenden Namen Ludwig – ich habe einen 2002er geöffnet – stammt aus der Lage Pinzon oberhalb des Dorfes Montan, auf 650 Meter gelegen und nach Südwesten ausgerichtet. Der Pinot steht in nicht zu heißer Lage auf Schottererden mit Lehmanteil. Ausgebaut wurde in einem Drittel neuer und zwei Dritteln gebrauchter französischer Barriques.

Der Wein wirkt schon beim Öffnen des an der Öffnung leicht angefaulten Korkens ein wenig alt und müde. Bräunlich, mit wenig Rotanteil liegt er im Glas, wirkt wenig frisch und die durchaus vorhandene bodenständige Würze wird überlagert von einer durchdringenden Säure. Das macht leider gar keinen großen Spaß mehr.
Da ich aber den Abend nicht mit einer solchen Pleite beenden wollte, habe ich dann noch eine Flasche Rhini von Hanspeter Ziereisen dekantiert. Ein Glas noch für den Samstagabend und für die müde Zunge und eigentlich probiert wird dann am Weinrallye-Sonntag.
Den Pinot habe ich übrigens mit einem vorzüglich abgehangenen Steak kombiniert. Dazu gab es frisch gemachte Tagliatelle. Eigentlich wollte ich nur einen Salat neben das Steak drapieren, aber dafür hatte ich zu großen Hunger. Der Clou war, dass ich in der Bratbutter nach dem Anbraten des Steaks etwas Tomatenkonzentrat vermischt habe mit etwas Portwein, Balsamico-Crème, Orangen- und Himbeersaft und einer Mischung aus rosa Pfeffer und Flocken von getrockneten Himbeeren und Erdbeeren.
Ich würde sagen, es gibt schlechtere Voraussetzungen, um guten Wein machen zu können als die, die Sara Pérez vorgefunden hat. War ihr Vater, Professor José Luis Perez, doch einer der Vorreiter, ja Wiederentdecker des Priorat. Zusammen mit René Barbier und anderen hat er damals jene Kooperative gegründet, aus der dann die Weine hervorgegangen sind, die man längst als Kultweine bezeichnet und seit zwei Jahrzehnten zu den Besten Spaniens zählen. Perez' Wein hört auf den Namen Clos Martinet, der Wein von René Barbier auf den Namen Clos Mogador.
Sara Pérez nun hat schon sehr früh auf dem Weingut mitgeholfen, und wenn sie auch zunächst Biologie und Philosophie studiert hat, den Abschluss hat sie als Önologin gemacht. Clos Martinet betreut sie schon länger, nebenbei ist sie ebenso Beraterin und Weinmacherin der Kooperative Cims de Porrera. Dabei kann man einen klaren Stil erkennen, der sich in diesem Wein genauso zeigt. Es sind vom Schieferboden geprägte Weine, die ebenso elegant wie frisch sind, wo der Einsatz von frischem Holz zurücksteht hinter dem Ausdruck der optimal gereiften Reben. Das ist nichts Heißes, nichts Marmeladiges.

Ihr Weingut Venus la Universal führt sie übrigens mit ihrem Mann, René Barbier Junior. Und mit diesem zusammen sowie mit einigen Freunden hat sie darüber hinaus auch noch das Projekt La Vinya des Vuit gegründet, auf dessen 4 Hektar biologisch-dynamisch gearbeitet wird. Ziemlich umtriebig also, die Frau.
Dido, der zunächst Aeneas hieß, was aber wenig weiblich klang und dann umbenannt wurde, ist der Zweitwein von Venus La Universal. Bestimmt wird er durch alte Grenachereben, etwas Cabernet, etwas Merlot und Syrah. Das ist ein ganz schön kräftiger Brummer, den Sara Pérez da vinifiziert hat. Kräftige Kirschen und Waldbeeren bestimmen diesen dunklen Wein, dazu etwas Holz, aber nicht viel, etwas Duft von rohem Rindfleisch und Leder. Saftig ist er, der Wein, und mineralisch würzig. Zu den Fruchtaromen und der Würze gesellt sich etwas Lakritze und etwas Rauchig-Tabakwürziges. Der Wein hat eine schöne, stimmige Balance aus Kraft und Eleganz mit ordentlich langem Abgang. Das ist ein sehr charaktervoller, individueller Stoff.
Manchmal kommen einem ja Weine unter, die einfach eine schöne Geschichte liefern. Dies ist so ein Wein. Weil Sarah, die Tochter meines Partners Michael, wusste, dass ich Sauvignon Blancs für einen SB-Abend sammle, hat sie mir letztens den Wein der Bodega José Pariente mitgebracht. Mein Spanienimporteur hat ihn ebenfalls im Programm und ich habe mir jetzt kürzlich ein Buch über Weinfrauen gekauft, in dem es die Geschichte zu diesem Wein gibt, denn dieser Wein wird nicht etwa von José angebaut, nein, der hat nicht mal die Bodega gegründet. Vielmehr war es seine Tochter Maria Victoria, die die Bodega nach ihrem verstorbenen Vater benannt hat. Ob sie dies getan hat, weil dieses Land tendentiell nicht unbedingt die Gleichberechtigung der Geschlechter in den Mittelpunkt des Interesses stellt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Einigermaßen klar ist aber, dass sie als Frau in der von Männern dominierten spanischen Weinwirtschaft gegen viele Widerstände anzukämpfen hatte. Erfolgreich übrigens, Victoria Pariente hat nämlich schon einige Jahre vorher einen gewissen Ruhm erlangt, als sie mit ihrer Namensvetterin Victoria Benavidis das Label Dos Victorias gründete, um direkt mit dem 1998er Verdejo mit der Auszeichnung des besten Weißweins Spanien gekürt zu werden. Dies hatte einen, in der Qualität der Weine begründeten ordentlichen Aufstieg der beiden Frauen zur Folge, 2005 hat der Wine Enthusiast den holzfassausgebauten Verdejo zu den Top 100 Weinen der Welt gezählt, der Decanter nannte ihn den besten Weißwein Spaniens.
Was auch immer man von Rankings halten mag, schlechte Weine produzieren die beiden Frauen nicht. Victorias Vater übrigens war einer der Ersten, der Verdejo im Rueda angebaut hat, nur hat er den Wein in der örtlichen Bar ohne Etikett verkauft, statt ihn, wie es seine Tochter dann gemacht hat, zu vermarkten. Diese hat mitterweile eine große Stange Geld in ein neues Weingut investiert, dessen erster Jahrgang der 2008er ist. Damals, beim ersten Wein, hat sie mit 8.000 Euro begonnen.
Verdejo wie Sauvignon Blanc wachsen auf der Hochebene des Douro, in der Meseta, im nördlichen Spanien. Der Boden besteht aus angeschwemmten Steinen, teils mit Kalk durchsetzt. Der Sauvignon Blanc übrigens stammt von den ersten Sauvignon Blanc Rebstöcken, die in der D.O. Rueda gepflanzt wurden. Sie sind mittlerweile über 25 Jahre alt.

Der Wein duftet wie ein tropischer Obstsalat. Zitrusfrüchte, Limettenschale, Mangos, etwas Ananas und etwas sortentypisches geschnittenes Gras. Dabei wirkt er schon in der Nase durchaus mineralisch und sehr frisch. Er erinnert in seinem Fruchtbouquet zunächst an Übersee-Sauvignon, wirkt aber schlanker.
Im Mund ist der Wein angenehm schlank und klar, mit Zitrusnoten, Stachelbeeren, grünem Apfel und Mineralen. Im Abgang wirkt er ein wenig austrocknend, störend ist das aber nicht. Ein sehr schöner Sauvignon Blanc für unter 10 Euro.
Elisabetta Foradori gehört mit zu den schillerndsten Persönlichkeiten der Weinbranche. Allein wenn man sie googlet, landet man bei ihrem Namen bei ca. 86.000 Treffern. Das liegt allerdings mitnichten daran, dass diese Frau zum Glamour neigt und Geschichten für die internationale Klatschpresse liefern würde. Es liegt viel mehr daran, dass sie eine Frau ist, die Spitzenweine macht und das seit über zwanzig Jahren, die dabei einen mitreißenden Charme besitzt und ihren Namen praktisch verschmolzen hat mit der autochthonen Rebsorte Teroldego Rotaliano, ja diese Sorte überhaupt erst in das Bewußtsein der Menschen gebracht hat mit unermüdlicher Arbeit und all dies auch schon lange unter biologischen, mittlerweile biodynamischen Grundsätzen bewirtschaftet. Dies zusammen ist durchaus ungewöhnlich.
Was ist die Grundlage für den Kult, der um diesen Wein mit Namen Granato betrieben wird? Ich habe es bereits erahnt beim kleinen Bruder des Granato, beim Foradori Teroldego Rotaliano, der ebenfalls zu 100 % aus Teroldego gekeltert wird, dabei entsprechend dem günstigen Preis jedoch nicht so streng selektioniert und 12 Monate in kleinen Holzfässern ausgebaut wird. Ich habe den aktuellen Jahrgang vor nicht allzu langer Zeit beschrieben und war hin und weg.
Elisabetta Foradori, ich beschreibe es noch mal kurz, hat 1985 in jungen Jahren, der Vater war früh gestorben, kurz nach dem Abschluss der Weinbauschule und einigen Besuchen bei anderen Winzern das elterliche Weingut übernommen. Bei diesen Besuchen hat sie gerade den Aufschwung des südfranzösischen Weinbaus mitbekommen, wo einzelne, später immer mehr Winzer begonnen hatten, Klasse statt Masse zu produzieren, und man eine Vermutung davon bekam, welches Potential in den südfranzösischen Böden in Verbindung mit dem dortigen Klima stecken könnte.
Sie hat genau hingeschaut damals und begonnen, den traditionellen Weinbau auf dem eigenen Weingut zu überdenken und Stück für Stück zu verändern. Das begann mit einer dichteren Bestockung und einem anderen Schnitt, um die Ertrag zu reduzieren. Das ging weiter mit der intensiven Auseinandersetzung mit dem heimischen Rebgut, nämlich mit dem Teroldego, der ausschließlich in der Ebene des Campo Rotaliano vorkommt und bisher praktisch ausschließlich Weine produziert hat, die man nicht lange im Gedächtnis behält. Sie war der Meinung, dass das auch anders ginge. So hat sie begonnen, eigene Klone des Teroldego herzustellen, um sie den einzelnen Parzellen ihres 16 Hektar-Gutes anzupassen und die genetische Vielfalt zu erhalten. Der nächste logische Schritt auf dem Weg, zu einem kompromisslosen, eigenständigen Qualitätsprodukt zu gelangen, war für sie, auf jegliche Chemie zu verzichten und sich mit der Biodynamie zu befassen. Zu diesem Qualitätsstreben gehört es auch, dass der Wein, der sich Granato nennt, was man nicht mit Granate übersetzt, sondern eher mit Granatapfel, nur in den wirklich guten Jahren erzeugt wird, ansonsten wird das Rebgut dem Foradori zugeschlagen.

Der 2006er Granato, den ich gerade im Glas habe und der sich im Laufe des Abends im Dekanter und im Glas hervorragend entwickelt hat, ist eigentlich noch zu jung. Man sollte ihn noch eine Zeit im Keller vergessen, wenn man welchen sein Eigen nennt. Einen Vorgeschmack auf das, was sich noch weiter entwickeln wird, aber gibt es natürlich und er führt das weiter, was im Foradori Teroldego schon zu erkennen war. Eine herrlich satte Frucht von dunklen Beeren steigt einem in die Nase, zusammen mit dem Trockenen von Bitterschokolade, Gewürzen und Kräutern. Dazu kommt etwas Leder und Tabak. Im Mund ist dieser Weine eine Wucht. Eine herrliche Zusammenkunft von Kraft und Finesse, Wärme und Samt, mineralischer Kühle und fruchtiger Dichte. Zu den Aromen von Schwarzkirsche, Brombeeren und Cassis gesellen sich ein wenig Grafit und schmelzende Schokolade. Dabei ist dieser Wein, der 18 Monate in Barriques gelagert hat, schon erstaunlich zugänglich, wenn auch noch nicht wirklich weise. Was sich beim kleinen Bruder schon gezeigt hat, ist der eigene Charakter, der diesen Wein wirklich zu einem besonderen macht. Wenn man bei der Beschreibung des Weines auf die Idee kommen sollte, man habe es mit einem fetten, wuchtigen Kerl zu tun, dann täuscht man sich. Der Granato wiegt nicht schwer, liegt bei moderaten 13 Volumenprozent und bleibt bei aller Präsenz durchaus filigran.
Große Klasse!